Mittlerweile steigt das Interesse an mir, meiner Geschichte und dem Buch. Diverse Zeitungen haben mich interviewt, auf dem deutschen Patientenkongress werde ich zwei Programmpunkte bestreiten, ich bin zu einem Interview nach Lübeck geladen und auf eine Veranstaltung in München.
Lesungen kommen noch dazu, unter anderem in Regensburg und Düsseldorf.
Natürlich kriege ich jetzt beständig die gleiche Frage zu hören: Schaffst du das denn?
Ja! Warum denn nicht. Das macht mir Freude, ich spreche gerne vor Menschen und das Thema Depression in die Öffentlichkeit zu bringen und zu entstigmatisieren ist mir sehr wichtig, weil das auch direkt mir hilft. Denn letztlich hätte sich vieles vermeiden lassen, wäre ich früher und offener mit der Erkrankung umgegangen. Schon die Arroganz mancher Vorschrift noch während meiner Erkrankung hat mich eher krank gemacht, als mir geholfen: „Herr Hauck, Sie brauchen Regeln.“ „Herr Hauck, löschen Sie sich aus diesem Internet.“ „Herr Hauck, sie sind internetsüchtig und müssen das beenden.“ Alles Bullshit, alles Ratschläge, die in Folge die Situation nur noch verschlimmerten.
Erst in der offenen Station meiner Klinik hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, ich selbst sein zu dürfen, ohne dass mir dauernd jemand meint vorschreiben zu müssen, wie ich mein Leben lebe.
Das war nämlich der eigentliche Grund für das ganze Drama. Ein Leben, das ich permanent nach den Kriterien anderer gelebt habe. Immer der Gedanke, was mögen die anderen denken. Immer die Furcht, wenn ich nicht tue, was vor allem jene mir vorschreiben, die existentiellen Druck auf mich ausüben konnten, dann würde meine Existenz enden.
Heute weiß ich, der wichtigste Ratschlag ist, erst auf sich selbst hören und das eigene Gefühl. Und einen Teufel drauf geben, was andere denken. Das kann man sowieso nicht steuern und nimmt meist viel Schlimmeres an, als dann wirklich gedacht wird.
Wenn mich jemand fragt: „Schaffst du das?“ kann ich heute sagen: „Klar. Auch wenn das dir vielleicht nicht gefällt.“
P.S.: Alles, was man an mir ändern wollte, wozu man mich bringe wollte, hat letztlich im Rückblick das Gegenteil bewirkt. Ich bin im Netz aktiver denn je, stehe jetzt noch viel stärker zu meiner Rolle als Buchautor und werde nicht müde, weiterhin Aufklärungsarbeit zu leisten. Und bislang gab es keine neuen Drohbriefe mehr mit Rede- oder Kontaktverboten für meine Frau oder mich und auch keine Briefe mehr, die mit dem Anwalt drohten, wenn ich etwas schriebe, das irgendwer auf sich beziehen könnte. Also entweder haben sich die Wogen geglättet, oder aus meinem kleinen Segelboot ist ein Ozeandampfer geworden, der sich von kleinen Böen nicht mehr ins Bockshorn jagen lässt.
Ist der jetzt ganz durchgeknallt? Bin ich nicht. Auch wenn das manche von mir gerne behaupten würden, um zu verhindern, dass meine Stimme noch mehr Gewicht bekommt.
Ja, ich bin meiner Depression in gewissem Sinn dankbar. Meine Frau sagte in einem TV Interview, die Krankheit habe uns in Tiefen blicken lassen, die sonst kaum jemand erreicht. Ich habe viel über mich gelernt in der Zeit in den Kliniken. Weniger durch die Therapiesitzungen als durch die Gespräche mit anderen Patienten, die bedingt durch den Zusammenbruch und die gemeinsame Leidensstrecke offener über ihre Gedanken, Ängste und Gefühle sprachen, als jemals jemand außerhalb des Refugiums Klapse. Einiges an Erkenntnisgewinn über meine Vergangenheit hätte ich ohne die Geschehnisse rund um meine Krankheit und den Suizidversuch wohl nie erlangt. Dass mein erinnertes Leben erst mit dem 12. Lebensjahr beginnt, das war mir zuvor nicht wirklich bewußt. Das ich auf den Fotos meiner frühen Kindheitserinnerungen meine Eltern ausradiert habe.
Und in der Reflektion mit anderen Patienten habe ich auch gelernt, dass es in Ordnung sein kann, empfindsamer, sensibler als andere zu sein. Früher habe ich diese „Talente“ gehasst, weil sie mich immer wieder ins Abseits geschossen und zum Außenseiter gemacht haben.
Die Melancholie der vergangenen Jahre, die immer wiederkehrende tiefe Traurigkeit. Vieles habe ich gelernt über mich, vieles als Teil von mir zu akzeptieren gelernt, der zwar anders ist als bei anderen, deshalb aber nicht schlecht.
Und ich habe gelernt, wie sagen wir mal „seltsam“ so manche im Umgang mit meiner Krankheit waren. Briefe, in denen ICH gebeten wurde, meiner Frau weitere Kontakte mit bestimmten Instutionen zu verbieten. Angst, meine wachsende Prominenz im Rahmen der Suizidprävention und Depressionsaufklärung könne für so manchen aus meinem Umfeld negativ sein. Drohbriefe, die mir den Anwalt avisierten, sollte ich nochmal Personen erwähnen, die ich gar nicht erwähnt hatte. Das Umfeld reagiert sehr schnell sehr empfindlich, wenn man nicht in die brave, die gefolgsame und Klappe haltende Norm passt.
Aber Gott sei Dank hat mir meine Depression auch gezeigt, dass mein eigeninitiatives Engagement gewürdigt wird. Mittlerweile habe ich fast jeden Monat einen Auftritt irgendwo um entweder mein Buch vorzustellen oder über Depressionen aufzuklären. Interviews, Lesungen, Podiumsdiskussionen. Ich habe meinen Weg gefunden mich mit der Depression, dem dunklen Teil von mir zu arrangieren. Und damit auch meine Angststörung in den Griff bekommen.
Ich bin jetzt im Fokus. Die Meinung anderer oder deren Sicht auf mich, das angeblich so wichtige Fremdbild. Es ist mir egal. Denn es war viel zu oft falsch und final sogar fast tödlich.
Wer mich ab jetzt nicht so nimmt wie ich bin, der darf sich gerne aus meinem Dunstkreis entfernen. Es ist mir den Aufwand, die Energie nicht wert, mich für die Akzeptanz von Menschen aufzureiben, die mich überhaupt nicht so akzeptieren wollen, wie ich bin, die nur etwas aus mir formen wollen, aus dem sie größtmöglichen Gewinn ziehen wollen.
Die Depression hat mich, so paradox das klingt, wieder viel näher zu mir selbst gebracht. Sie ist und bleibt Teil von mir. Ein Mahner und Erinnerer, wie ein deutscher Comedian es formuliert.
Meine Depression, mein Einhorn, wir haben uns arrangiert.
Ich kenne die Liste der Menschen, die das sicher gerne zu mir sagen würden. Aus meist in etwa den gleichen Gründen. Weil sie nicht wollen, dass meine Geschichte prominent wird und bleibt. Weil sie eigene Fehler nicht sehen (wollen) und deshalb jede potentielle Indikation eines Fehlverhaltens jenseits meiner eigenen Entscheidungen eher in Drohbriefen als Dialogen mündet. Aber ich merke auch ungeheuer viel positives Feedback. Lob für Inhalt wie Form meines Buchs, Lob für die öffentlichen Vorträge und Lesungen.
Dabei ist es mir nicht wichtig, dass ich das tue, sondern das es überhaupt getan wird. Deshalb helfe ich auch anderen den Mut zu fassen, über ihre Depression oder Angststörung zu sprechen. Focus Online hat mir so etwas wie ein Kolumne als Plattform geboten und die Resonanz ist überwältigend. Ich bin mir sicher, viel Leid, viel verschleppte Krankheiten mit der wachsenden Gefahr des Suizidversuchs ließen sich durch offenen Umgang mit der Krankheit eindämmen. Aber so lange Ärzte statt auf meine Angststörung mehr auf meine Nutzung des Internet schauen, so lange Unternehmen immer noch so tun, als kümmerten sie sich um psychisch Kranke, die dann seltsamerweise dennoch große Angst haben darüber zu reden, so lange ist es dringend angeraten, weiter aufzuklären, weiter darüber zu reden.
Selbst die Royals, allen voran Der Duke und die Duchess of Cambridge und Prinz Harry sprechen offen darüber. Weil es eben nichts ist, was man verstecken müssen sollte. Weil es mittlerweile die Erkrankung Nummer 1 weltweit laut WHO ist, und dennoch verschwiegen wird.
Mir ist bewußt, dass ich Neider habe, auch wenn ich sie noch nicht getroffen oder gelesen habe. Aber das ist mir egal, weil ich weiß, dass es für mich eine Art Lebensversicherung ist, gegen das Stigma Depression zu kämpfen. Weil es nötig ist, um anderen zu helfen. Weil es einfach richtig ist.
Wir sollten darüber sprechen, Betroffene, Angehörige und die Öffentlichkeit. Immer wieder. Für ein Ende des Stigmas und Hilfe für Betroffene, die nicht so stark sind, sich offen zu äußern.
Wir leben im Autopilotmodus. Und die meiste Zeit ist er uns überhaupt nicht bewußt. Es gibt kleine, lichte Momente wie Brüche in der Zeit. Diese Momente fördern versteckte Wünsche, Träume, Ziele hervor. Aber leider tritt sehr schnell unser innerer Richter auf den Plan, erklärt uns die Unsinnigkeit unserer Fantasien, die Unmöglichkeit unserer Träume.
Ich rede hier nicht von den Dingen, die uns eine scheinbare Zufriedenheit bieten wie das neueste Smartphone, das SUV, das größer, schimmernder, glänzender ist als das des Nachbarn. Elementarere Träume sind es, nach Selbstverwirklichung, Freiheit, Unabhängigkeit, die wir alle in uns tragen, manche nahe an der Oberfläche unserer Seele, andere tief verborgen unter den Trümmern der bisherigen Existenz.
Und wir alle vergraben immer mehr unseres Wesens mit jedem Lebensjahr. Wir unterwerfen uns Menschen, die angeblich über uns stehen, das meist aber qua Definition anstelle Begabung. Wir folgen Vorschriften, Regeln, Vorgaben, die teilweise so dumm sind, dass wir bei ihrer Befolgung körperliche Schmerzen spüren.
Aber hier kommt die Überraschung. Den Käfig haben wir uns in sehr großen Teilen selbst geschaffen. Indem wir schon früh den falschen Richtern gefolgt sind, die falschen Werte unreflektiert für richtig hielten. Ja, man hat uns gesagt, das muss so sein, wir werden Vorgesetzte haben, Lebensregeln. Aber man hat uns belogen mit dem Eindruck, das müsse immer so sein. Unsere Gesellschaft, in manchem eine gute aber lange keine perfekte Gesellschaft basiert immer noch auf dem Oben/Unten Modell. Augenhöhe ist ein beliebtes Wort uns zu blenden, zu suggerieren, wir würden als Mensch auf gleicher Ebene behandelt.
Dabei lebt ein großer Teil unseres Wirtschaftsgefüges immer noch von der Unterwerfung der Masse. Wir werden mit Konsum, mit immer neuen falschen Träumen eingeschläfert, deren Erreichung uns keinen Deut glücklicher macht. Wir mögen uns materialistische Gefängnisse aus Besitztümern errichtet haben. Aber wie wir von Generationen von Philosophen gelernt haben. In Gedanken sind wir frei. Wenn wir uns vom Glauben der einen für alle geltenden Wahrheit lösen. Ich meine hier nicht Wahrheiten wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, Toleranz oder fundiertes Wissen. Ich meine Wahrheiten, die uns den Lebensweg vorschreiben, die uns im Denken einschränken.
Wir lassen uns unsere Träume stehlen, unsere Menschlichkeit, unsere ureigene Seele. Dabei ist es eine jeden Tag aufs neue mögliche Entscheidung zwischen dem Autopiloten und dem Befolgen der eigenen Träume und Ziele. Denn mit uns ist es wie mit den Igeln. So lange wir anderen ihre Freiräume lassen, sie nicht bedrängen und mit unseren geistigen Stacheln verletzen, so lange hat jeder von uns die Wahl, was er denkt, was seine Werte sind, wem er erlaubt, das eigene Leben zu bestimmen.
Freiheit ist keine Möglichkeit, Freiheit ist ein Fakt, das jene uns ausgetrieben haben, die von unserer gedanklichen Unfreiheit, der Unterwerfung in Hierarchien ihre Lebenskraft ziehen.
Es wird Zeit, uns diese Kraft wiederzuholen, sie wiederzuentdecken.
Viele mir nahe stehende Menschen haben schon immer gewußt, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Aber mit dem Suizidversuch scheint es plötzlich auch Menschen zu geben, die bei jeder Äußerung, die nicht abrundtief positiv ist, den Verdacht haben, ich wolle mich vom nächsten Dach stürzen.
Dass ich weiterhin depressiv bin, hat nichts damit zu tun, dass ich suizidal wäre. Im Gegenteil. Nie war ich mir der Risiken mehr bewußt und vermeide sie, so gut es geht. Aber manchmal scheinen Menschen aus jedem „Ich will nie wieder auf dem Turm landen“ zu interpretieren, ich wolle springen. Nichts läge mir ferner. Es haben sich aus meiner Krankheit plötzlich so viele neue Chancen ergeben. Die werde ich wahr nehmen. Aber auch andere Themen weniger wichtig nehmen.
Natürlich wird auch das manchen Menschen nicht gefallen und ich werde neue Drohungen und Briefe bekommen. Aber das geht mir mittlerweile an meiner Sitzkomponente vorbei.
Ich bin nicht mehr jedermanns Liebling. Aber wie schon im Buch „Depression abzugeben“ geschrieben. Ich habe ein gehöriges Talent dafür, einmal mir zugefügte Wunden nicht mehr zu vergessen.
Man hat mich behandelt wie ein kleines Kind, wollte mir dumme Abstinenzen auferlegen oder glaubte, besser zu wissen, was für mich gut ist.
Mögen diejenigen das ruhig glauben. Deshalb muss ich mich ja nicht danach richten.
Das ist ein wichtiger Punkt. Erst wenn man sich von den Meinungen toxischer Menschen befreit, kann Genesung, kann Heilung stattfinden.
Oh, und für die Briefschreiber. Der Ordner ist noch ziemlich leer, und ich brauche noch Stoff für Band 2.
Disclaimer: Wer sich hier erkannt fühlt und nicht namentlich genannt wurde ist, wie bei allen meinen Postings, sei es hier oder in Social Media NICHT GEMEINT. Weitere Post brauche ich wirklich nicht.
2016. Das Jahr eins nach meinem Suizidversuch. Und schon zu Beginn ein holpriger Start. Zu schnell wollte ich wieder zu perfekt sein. Das endete erst mal wieder in der Tagesklinik. Danach ein 12 wöchiger Neustart, der mich endlich wieder zurück in einen „normalen“ Arbeitsprozess brachte, zumindest was meinen Hauptberuf angeht. Daneben letzte Arbeiten an meinem ersten in einem klassischen Verlag erscheinenden Buch. Bastei Lübbe wurde für mich in diesem Jahr endgültig zu meiner literarischen Heimat, auch dank toller Menschen, die mich in der Entstehung des Buches unterstützten. Danke Cindy Witt, danke Angela Kuepper, danke auch Ragna Sieckmann und Tina Pfeifer, die sich um Autor wie Buch wirklich toll gekümmert haben. Weder wurde irgendwie kritisiert, dass die Erzählung von geplanten 250 Seiten auf notwendige 430 Seiten anwuchs, noch wurde der Inhalt wesentlich verändert, der zu 100% aus meiner Feder stammt. Und das Lob von dir liebe Angela sowohl über Projekt als auch Inhalt. Es haut mich noch heute von den Socken, wenn ich die EMail mal wieder hervorkrame. Und damit hat sich meine Berufsbezeichnung speziell in den Online Medien geändert. Ich bin jetzt Autor und weitere Bücher sind bereits in Planung bzw. im Entstehen.
Und dann war da auch noch die 37° Reportage „Viel mehr als Traurigkeit“, geplant und organisiert von Wibke Kämpfer. Das Team war sehr einfühlsam, die Drehs so authentisch wie möglich und das Endergebnis spricht glaube ich für sich. Ja, ich weiß, eigentlich war das ganze zu kurz, aber so ist nun mal das Format von 37° und mir war insbesondere wichtig, dass das Thema Depression im öffentlichen Fokus bleibt, damit endlich die Stigmatisierung psychisch Kranker endet. Auch hier waren die Reaktionen überwältigend positiv, wenig Kritik viel Dank für die offene Kommunikation und für mich Bestätigung, dass ich mit meiner Strategie richtig liege.
Auch die re:publica 2016 war für mich etwas ganz besonderes. Meine erste re:publica mit eigener Session und dann noch gemeinsam mit Kati Krause über mein Herzensthema: Social Media und Depression. Nicht nur dort, auf der re:publica war der Zuspruch phänomenal. Die Medien wurden aufmerksam.
Elektrischer Reporter, bayrisches Fernsehen, Südwestpresse, Huffington Post Deutschland, die Liste verlängert sich im Moment täglich. Man war besorgt, ob ich diese Öffentlichkeit verkrafte, ob das alles nicht zu viel für mich sei. Nein Leute, im Gegenteil, es ist für mich ein Quell neuer Motivation, mich weiter mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen und anderen Menschen aus dem Versteck zu helfen und die Angst vor der Krankheit und der Behandlung selbiger zu nehmen.
Die Buchmesse 2016 war für mich die erste, die ich nicht nur als Autor sondern auch als Fachbesucher besuchte. Gespräche mit meinen Verlagsansprechpartnern, neue Menschen, die mich, ein völlig neues Gefühl, erkannten und sich fast wie Fans benahmen. Es baute ungemein auf und stärkte mich in einer Phase, in der ich noch sehr verletzlich und unsicher war. Zu Beginn war ich Autor laut meiner Visitenkarte. Am Ende fühlte ich mich auch wie ein solcher. Danke allen, die sich dort mit mir getroffen und ausgetauscht haben. Besonders auch Firas Alshater, ein Mensch, den ich bewundere und dessen Buch ich nur jedem ans Herz legen kann, der einen Blick in eine syrische Seele werfen will, erfahren will, was Menschen wirklich in Syrien erleiden und wie es sich anfühlt, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen, dem Königreich des Papierkriegs. Danke Firas, dass du für mich Zeit hattest, danke für dein Buch, danke, dass ich dich kenne. Und danke Jan. Was du mit Firas zusammen auf die Beine gestellt hast und stellst, ist einfach großartig!
Das Barcamp Glück von Lotto BW war ein weiterer spannender Event. Klein aber fein, Gelegenheit, neue Menschen mit ihren Geschichten kennenzulernen, meine Geschichte zu erzählen und erneut in den Austausch zu gehen, zu reflektieren und dem Thema des Barcamps geschuldet auch zu lernen, wie viel Glück ich auch im Unglücksjahr 2015 hatte.
Anfang November dann der von mir schon erwartete Rückfall, kurz, voller Missverständnisse und in seinen Auswirkungen auf mein Umfeld von mir so nicht erwartet. Nicht jede Reaktion war schön, nicht alles kann ich rückblickend verstehen, aber ich habe gelernt, ich muss auch nicht alles verstehen. Ich muss lernen, damit umzugehen, andere Sichtweisen oder Interpretationen zu akzeptieren. Aber ich muss sie mir eben auch nicht mehr zu eigen machen. Zwar gab es Kommunikation, insbesondere mit meiner Frau, die ich bis heute nicht akzeptieren kann. Aber hey, warum aufregen, es gibt wichtigeres.
Dieser Knüppel im Weg meiner Heilung war aber nicht lange ein Hindernis. Schulen und Schüler warteten und warten auf Aufklärung, darauf, meine Geschichte zu hören. Schwäbisch Hall, Heilbronn, Winnenden und Ellwangen im neuen Jahr sind nur einige. Ich bin allen bislang besuchten Schulen und Schülern für ihr Interesse und für die wirklich sehr intelligenten und teils schweren Fragen sehr dankbar. Und ich werde meine Geschichte weiter erzählen, in der Hoffnung, dass sie weiterhin das bewirkt, was schon in der Zeit der Tweets #ausderklapse passierte. Menschen, die sich wegen meiner Initiative mehr um sich selbst kümmern, Menschen, die zur Sicherheit einen Therapeuten aufsuchen, Menschen, die anderen betroffenen Menschen zur Seite stehen.
All jenen, die aus meinem Beispiel etwas für sich herausgeholt haben sage ich danke. All jenen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen sei es beruflich oder privat als Freund oder Angehöriger beistehen sage ich erst recht DANKE. Ihr tut etwas ungeheuer wertvolles und es kann durchaus sein, dass ihr im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben rettet.
Mein allergrößter und nicht wirklich vollumfänglich ausdrückbarer Dank gilt aber meiner wundervollen Frau Sibylle, die mir die ganze Zeit zur Seite stand, die unglaubliches geleistet hat in der Zeit, die für mich die schlimmste meines Lebens war und die mir dort wieder herausgeholfen hat.
Am 13. Januar 2017 endlich auch physisch im Buchhandel verfügbar, ich hoffe auf viele Leser und viel Feedback
Und danke meinen drei wundervollen Kindern. Euer Zusammenhalt, eure spürbare Liebe zu mir, auch als ich eben nicht der Vater war, der ich sein wollte, das alles kann ich euch gar nicht hoch genug anrechnen. Ihr seid wundervolle, starke, mutige, kluge, empfindsame und besondere Menschen. Bleibt so. Es gibt viel zu wenige von dieser Art.
2017 wird für mich das unglaublichste Jahr überhaupt. Weitere TV Auftritte, am 13. Januar 2017 erscheint endlich mein Buch „Depression abzugeben“. Weitere Artikel, Aktionen, vielleicht sogar Lesungen. Wer weiß, was noch alles kommt. Nur eins weiß ich. Ich werde weiter laut, aktiv, ein Lobbyist sein für all jene, die sich noch nicht offen zu ihrer psychischen Krankheit zu bekennen wagen.
Mein Brot- und Butterberuf soll wieder normal laufen, aber ebenso bleibe ich Autor, Blogger und „Aufklärer“ über Depression, psychische Krankheiten und Suizidprävention und werde auch 2017 den Blog mit Blick auf diese Themen weiterführen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann neue Perspektiven für den Autor Uwe Hauck und seine Buchprojekte. 2016 war für mich trotz all der Dramen, der traurigen Verluste und des zukünftigen Horrorpräsidenten der USA ein aufwühlendes, spannendes, neue Wege ebnendes Jahr. 2017 darf kommen, aber bitte mit weniger Drama und mehr guten Wendungen.
Euch allen wünsche ich ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Ich genieße die Vorweihnachtszeit zum ersten Mal seit Jahren wieder wirklich. Wir lesen uns 2017. Dank euch allen, die ihr mir zur Seite standet, sei es virtuell oder real. Ihr habt mir mehr geholfen, als ihr euch vorstellen könnt.
Ja, ich kann wieder arbeiten. Meine Depression ist nicht mehr da, oder sagen wir besser, ihre Symptome. Und wenn sie wiederkommen, weiß ich damit umzugehen. Die Angststörung hatte mich bis vor kurzem Fest im Griff, aber auch sie schaffe ich nach und nach unter Kontrolle zu bekommen. Nicht von heute auf Morgen aber sie ist nicht mehr so mächtig, dass sie mich zum äußersten treiben könnte. Sie verdirbt mir manchmal noch ganz gehörig den Spass an Unternehmungen, aber das nehme ich ihr dann auch ordentlich übel und rede nicht mehr mit ihr.
Wer erkannt hat, dass er eine psychische Krankheit hat, wer sie angenommen hat und gelernt, welche Verhaltensmuster sie auslösen und welche er gegenteilig wirken, der hat ein gutes Instrumentarium an der Hand, sein Leben jenseits psychischer Probleme zu meistern. Suizid ist mittlerweile für mich keine Alternative mehr, da habe ich durch ein sehr intensives Gespräch in der Reha vieles gelernt und weiß jetzt, das ist nicht der richtige Weg.
Ich habe Verbündete im Kampf gegen meine Depression und die Angststörung. Sie sind zwar noch mächtig, aber nicht mehr übermächtig. Und mit ein wenig Aufmerksamkeit kann ich sie so weit unter Kontrolle halten, dass mein Leben nicht nur funktioniert, sondern auch lebenswert ist.
Vielleicht die wichtigste Botschaft hat meine Frau so wundervoll formuliert. Es gibt IMMER einen Weg. Ja, ein kluger Satz. Jetzt muss ich ihn nur noch glauben. Falls einer weiß, wie das geht, melde er sich bitte.
Etwas, dass man mit Depressionen oft genug hat ist Angst. Angst davor, Menschen könnten glauben, man sei nicht mehr leistungsfähig. Angst davor, man würde in die Arbeitslosigkeit abrutschen, ein Fall für Hartz IV werden, diesen Niedergang nicht mehr aushalten und doch wieder den finalen Ausweg suchen.
Es ist ja nicht so, dass nicht viele dieser Gedankengänge auf begründeten Annahmen beruhen. Aber in einem depressiven Schub verrücken hier die Wahrscheinlichkeiten. Man sieht sich schon in den nächsten Wochen am Ende, verlassen, alleine, hoffnungs- und hilflos.
Wenn man dann einen Menschen an seiner Seite hat, leidet dieser zwangsläufig mit. Denn auch wenn jetzt manche annehmen mögen, mit jemandem, der einem die Realität vor Augen führt, wird das alles schon wieder, falsch gedacht. Man findet genug plausible Wege auf dem schlimmstmöglichen Pfad zu bleiben. Und selbst wenn man sich bewußt gemacht hat, so schlimm wird das Ganze nicht. Es bleibt ein ungutes Gefühl, ein Kribbeln, eine permanent anwesende Nervosität, die einem die Tage zur Hölle macht, weil man immer wieder in Ängste in Befürchtungen von Niedergang abrutscht und letztlich nichts genießen kann, was wiederum die Gesamtverfassung schlechter werden lässt.
Ich kenne kein probates Mittel gegen diese Ängste, außer sie auszuhalten und auf eine langsame Abnahme der Panik zu hoffen. Und ich möchte endlich wieder die optimistische Realität, die ich früher hatte. Das, was ich im Moment meine Realität nenne, gefällt mir nicht, selbst mit all den tollen TV Auftritten und dem Buch. Vergängliche Ereignisse im Blick auf die nächsten Jahre.
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