Neues AOK Angebot: Familiencoach Depression

Bei all dem Fokus auf Depressionen werden oft die Angehörigen vergessen und was sie durchmachen. Sie sind oft alleine mit der Situation und könnten dringend Hilfe brauchen. Darauf hat die AOK mit einem neuen Angebot reagiert, das sich auch an nicht AOK Mitglieder wendet.

Der Familiencoach Depression soll auch die Angehörigen in einer psychischen Krise unterstützen, ihnen im Alltag helfen und bei aller Sorge um den Betroffenen auch einen Blick auf die Bedürfnisse der Angehörigen lenken.

Eine gute Sache, wie ich finde, mehr findet ihr unter:

https://depression.aok.de/

und hier noch die Pressemitteilung der AOK dazu:

(19.09.18)  Um Angehörige im Umgang mit depressiv erkrankten Familienmitgliedern oder Freunden zu unterstützen, startet die AOK jetzt ein neues Online-Programm: Der „Familiencoach Depression“ hilft den Angehörigen der Betroffenen, mit häufigen Symptomen wie Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit gut umzugehen. Das Programm basiert auf den Inhalten von Psychoedukationskursen, die die Belastung der Angehörigen nachweislich senken können. „In vier Trainingsbereichen erfährt man, wie man seinen erkrankten Angehörigen, Freund oder Bekannten unterstützen und sich selbst vor Überlastung schützen kann“, sagt Prof. Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg, die das Programm in Zusammenarbeit mit der AOK entwickelt hat. Das interaktive Online-Programm ist für jeden Interessierten unter der Adresse www.familiencoach-depression.de kostenfrei verfügbar.

„Der Umgang mit einem depressiv erkrankten nahestehenden Menschen kann mit großen Sorgen verbunden sein und die Angehörigen mitunter an ihre Belastungsgrenzen bringen“, so Schramm. Das wissenschaftlich fundierte Online-Programm zeigt unter anderem in 14 Videos, wie es gelingt, die Beziehung zum erkrankten Angehörigen wieder zu stärken, mit Krisensituationen umzugehen, den Erkrankten zu unterstützen und sich selbst in dieser schwierigen Situation nicht zu überfordern. Zudem vermittelt das Programm Wissen über die Erkrankung. „Experten geben in kurzen Interviews wichtige Hinweise – zum Beispiel zu der Frage, wie man sich verhalten sollte, wenn man bei einem Familienmitglied oder Freund Suizid-Gedanken vermutet“, erläutert Schramm. Der Familiencoach Depression ist mit Fokusgruppen von Angehörigen und betroffenen Patienten entwickelt worden.

Ich bin zwei Leben

Hätte es ihn nicht gegeben, diesen einen Tag,

wo das Tunnelendlicht sich als Zug erwieß,

wo das Leben den Endpunkt zu erreichen schien,

ich würde es nie erfahren haben,

mein zweites Leben, seinen ersten Tag,

und viele weitere, die seitdem folgen,

denn ich lebe wieder,  lebe neu, lebe jetzt, lebe erst,

die Jahre davor waren wie eine Kopie, eine Variante

des Lebens, so gar nicht meins, aber dennoch voll

Geschehen, das mich weitermachen ließ,

Liebe, Freundschaft, Familie, schöne Momente

es gab sie durchaus,

aber irgendwas fehlte, war falsch, war gestohlen,

es fühlte sich hohl an, ich folgte falschen Idealen,

„Sei folgsam, sei erfolgreich, mach Karriere“

alles falsche Kreuzungen meines Lebenswegs,,

erst als der letzte Abzweig vor der Klippe endete,

erst als schon Steine ins Meer stürzten, da war genug verloren

um die eine Brücke zu betreten, die mir immer zu gefährlich schien,

am anderen Ende war nicht purer Sonnenschein, aber ein

Meer spannender Pfade, kaum begangen, neu und aufregend,

da war das Leben, das echte, das eigene, das ich fast für eine

billige Kopie meiner Selbst geopfert hätte.

Die Menschen mit den Dolchen, den Urteilen, der Ignoranz,

sie scheuten die Brücke, sie wollten mich zurückziehen auf den Pfad

der Tugend, der Folgsamkeit, der Langeweile,

aber seitdem ich den Luftzug des Abgrunds an jener Klippe gespürt habe,

seitdem ich auf dem neuen Weg jene traf, die mir alles bedeuten

und sie mich auch auf den neuen Pfaden begleiten kann ich sagen,

ich lebe. Ich bin alt, was die Jahre angeht, aber nochmal wiedergeboren

und jung, willens, vieles aufzuholen,  auf dem Weg, falsche Ideale abzulegen

und meine Wünsche. MEINE Wünsche. Das Leben wie andere es für mich

vorgesehen haben, es ist nicht mehr meins.

Und es ist mir egal, was sie sagen, es ist mir egal, was sie denken, denn sie

denken klein, sie leben klein und ihre Bedeutung ist klein, immer kleiner weil

nichts echt ist an ihnen, nichts wertvoll, nichts wert, darüber nachzudenken.

Hätte es ihn nicht gegeben, diesen einen Tag,

ich wäre heute tot, vielleicht nicht zur Gänze, aber meine Seele wäre vertrocknet,

die jetzt blüht.

ich wäre nicht Autor, nicht Künstler, nicht Mensch.

Ich wollte nie sterben, aber das Leben zurückgeben, das man mir aufgedrängt hatte.

Hätte es ihn nicht gegeben, diesen einen Tag.

 

Gedanken eines Überlebenden zum Welt-Suizidpräventionstag

Ich bin weder beschämt, noch stolz auf meinen Suizidversuch. Es kam sehr überraschend, quasi im Affekt und ging Gott sei Dank schief.
Ja, ich weiß, das ist nie die richtige Lösung aber ein Mensch, der zutiefst verzweifelt ist, der keinen Ausweg mehr sieht, will nur den Schmerz nicht mehr spüren, sich rausnehmen, das beenden, was er für wertlos hält.
Leider ist man in diesen Momenten oft sehr alleine. Und meist wagt man sich auch nicht mit dem an die Öffentlichkeit, was einen in diese Situation geführt hat.
Psychische Krankheiten, so offen sie in der Bevölkerung besprochen werden, sind noch immer mit dem Stigma des Versagens belastet.
Wir leben nicht mehr in einer Leistungsgesellschaft sondern in einer Spitzenleistungsgesellschaft, wo jedes gesundheitliche Defizit bereits fatale Folgen haben kann. Und die früher bestehenden Netzwerke, die Freundeskreise bröckeln weg in einer immer mobiler zu sein habenden Gesellschaft.
Wir haben keine Ruhepole mehr, keine Rückzugsorte, um auch mal schwach zu sein. Leistung, das ist was zählt und da fällt jeder schnell unangenehm auf, dem es mal nicht so gut geht. Also verschweigt man es, bis es zu spät ist.
Ich kämpfe für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten und für mehr Diskurs über das Thema Suizid. Verschweigen ist keine Lösung, weil sie dann die Fakten ignoriert und Menschen in solchen Krisen eher alleine lässt.
Lasst uns aufklären, lasst uns verzweifelten Menschen nicht den Dolch in den Rücken stossen, sondern die Hand reichen. Nicht jeder Suizid ist vermeidbar, aber wir können dafür sorgen, dass mehr Menschen offen über ihre Probleme sprechen und frühzeitig Hilfe suchen.
Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen, wenn die eigene Psyche nicht mehr kann. Es ist etwas sehr Starkes, Mutiges und Kluges.
Also, alle die ihr gerade verzweifelt seid, meint, nicht mehr gebraucht zu werden, nicht mehr zu können. Das ist ein Irrtum, ihr seid wertvoll, alleine schon durch eure bloße Intelligenz. Bitte sucht euch Hilfe, es kann besser werden, nein es wird besser. Ich habe es direkt nach meinem Versuch auch nicht geglaubt, aber es ist so!

Und noch eine Anmerkung aus gegebenem Anlaß. Wer sich über jemanden lustig macht, der vermutlich einen Suizidversuch begangen hat oder begeht, der ist das Allerletzte. Dafür gibt es keine Begründung, keine Entschuldigung , das ist menschenverachtend und dumm. Ja dumm, und sich zu schämen ist das mindeste. Wer in einer solchen Krise ist, braucht Hilfe, keine spottenden Idioten. So. Das musste sein. Auch wegen #küblböck und was gerade an ekelhaftem im Netz geschrieben wird.

Vielleicht ist es Zeit, nach #ausderklapse einen neuen Hashtag zu starten

 

#aufstandfüranstand

 

Sollte es euch gerade nicht gut gehen, ihr Hilfe brauchen oder keinen Ausweg mehr sehen,  hier ein paar Möglichkeiten für kurzfristige Hilfe:

Notfall-Seelsorge (auch Suizid-Prävention):

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

0800 – 111 0 111 (ev.)
0800 – 111 0 222 (rk.)
0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)
Email: unter www.telefonseelsorge.de

UND BITTE NUTZT SIE!

ES GIBT EINEN WEG!

Ihr seid doch nicht normal

Und das ist gut so. Was wir heutzutage als normal bezeichnen ist ein Zustand, den niemand wirklich erreichen kann. Das ist so gewollt. Glückliche, zufriedene Menschen kaufen nicht, konsumieren nicht und denken viel mehr drüber nach, was für Blödsinn man ihnen vorschreiben will. Aber wir lassen uns alle für defizitär erklären, glauben, wir müssten irgendwelchen gesellschaftlichen Normen entsprechen. Die sind aber des öfteren noch viel verrückter als alles andere. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass es vernünftig ist, Menschen, die Geld hin und her schieben und uns irgendwelche Finanzprodukte andrehen wollen ernsthaft mehr Geld zu bezahlen, als Menschen, die Alten, Schwachen, Kranken helfen?
Ist es vernünftig in einer Zeit, wo wir alle immer älter werden und immer länger arbeiten sollen, unsere Kinder durch die Schulzeit zu prügeln, nur um danach fleissige Arbeiterbienen zu produzieren?
Selbst die Wirtschaft dürfte mittlerweile schmerzhaft merken, was daraus entsteht, wenn man junge Menschen nur noch auf den Arbeitsmarkt vorbereitet und nicht mehr auf das Leben.
Aber hey, unabhängig denkende Menschen könnten der Wirtschaft ja schaden, weil sie vielleicht hinterfragen, was für einen Leistungsdruck wir aushalten sollen um Produkte zu produzieren, die in vielen Fällen kein Mensch braucht.
Möglicherweise ist verrückt das neue Normal. Aber auf jeden Fall sollten wir nicht nach den brav der Norm entsprechenden Menschen schauen, wenn wir auf Innovation hoffen, auf wirklich wichtige Arbeit, die unsere Umwelt wieder heilt, die uns als Mensch hilft, die wertvoll ist. Schon in der Vergangenheit waren es die Außenseiter wie Einstein, Hawking, Newton, die die Welt veränderten und in Erinnerung bleiben uns Künstler, Kreative, die die Welt ein wenig schöner machen, die unsere Seele berühren, nicht nur unseren Verstand. „Ich habe großes erreicht, ich habe aus Geld mehr Geld gemacht.“ Nein, sorry, du hast gar nichts erreicht, denn du hast Papier vermehrt, sonst nichts. Nein, stimmt nicht, noch trauriger, du hast ein paar Bits in einem Computer verändert, sonst nichts.
Lassen wir uns nicht einreden, Konsum sei normal, folgsame Arbeitsdrohne sein wäre normal. So lange die oberste Prämisse all unseres Schaffens nicht das persönliche Glück des Einzelnen ist, sind wir noch nicht angekommen.
Und das ist es definitiv noch nicht, heute gilt es, die Gierigen, die Machthungrigen zu befriedigen. Ich erwarte sehnsüchtig den Tag, an dem die restlichen Tiere des globalen Bauernhofs den Schweinen endlich zeigen, wo ihr Platz ist.
Denn meist sind die Schweine nicht besser. Meist sind sie nur Schweine. Auch im metaphorischen Sinn.

„Eigentlich sind in der Klapse eher normale Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden.“ Uwe Hauck, Depression abzugeben

Ich mag nicht mehr

Was habe ich nicht alles im Laufe meines Lebens (ich glaube, mit 50 Lenzen darf man langsam mal rückblickend sentimental werden.) akzeptiert, geschluckt, toleriert.
Nein Leute, ich mag nicht mehr. Ich sehe es echt nicht mehr ein, mich mit Menschen auf langwierige Diskussionen einzulassen, die offensichtlich den Knall nicht gehört haben. Was habe ich mich gegen Impfgegner verkämpft, gegen Zuckerkugelschlucker, gegen Schulmedizin Ablehner, hab versucht, Menschen, die Depressionen nur für mentale Faulheit halten klar zu machen, was für eine schwere Krankheit Depressionen darstellen und in jüngster Zeit gegen dummes, rechtes Gedankengut.
Ich mag nicht mehr. Versteht mich nicht falsch, Widerstand werde ich nach wie vor leisten.
Aber ich habe lange genug an ignorante Menschen versucht, etwas Verstand, etwas Wissen zu bringen.
Hilft nix, beratungsresistent. Ja, es gibt vereinzelte Einsichtige. Aber das ist Cherrypicking und dafür hab ich einfach nicht mehr genug Lebenszeit.
Der Mute Knopf und in extremen Fällen der Blockieren Knopf bei Social Media Plattformen ist mittlerweile mein enger Freund.
Zumal ich rückblickend vieles meiner Krise, meines Abstürzens zu viel Rücksicht, zuviel überzeugen wollen gegenüber Menschen verdanke, die komplett ignorant, intolerant und taub für Argumente waren und sind.
Erst mit dem Mandatsentzug einer mich behandelnden Ärztin, erst, als ich nach einem weiteren Rückfall endlich auf der Behandlung meiner Angst bestand, wurden die Dinge besser.
Was haben angeblich wohlwollende Menschen um mich rum nicht alles versucht, mich von der Teilnahme an der 37 Grad Doku „Viel mehr als Traurigkeit“ abzubringen. Oder von meinem Buch. Vermutlich einfach, weil sie Angst hatten, ich würde von ihrer Intoleranz, Ignoranz oder einfach ihrer Hilflosigkeit gegenüber meinem Suizidversuch, meiner Krankheit und mir in TV oder Buch erinnern.
So tief absinken werd ich dann aber doch nicht, dass ich mich auf deren Niveau begebe.
Es muss irgendwann Schluss sein mit Toleranz, mit versuchen, mit dem Gegner zu reden. Zu viel reden hat mich auf einen Turm und knapp an mein Lebensende gebracht.
Natürlich werde ich nach wie vor aufklären, versuchen, das Stigma von psychischen Krankheiten zu beenden. Aber ich werde mir nicht mehr meine Energie von Menschen rauben lassen, deren blanke Ignoranz mit Argumenten nicht mehr heilbar ist. Da werde ich Gegner, Notfalls Endgegner.

Um es zusammenzufassen: Ich bin jetzt im Widerstand und wir machen keine Gefangenen.

Eine App gegen unnötige Plastikverpackungen.

Replace Plastic Screenshot

Es gibt viele sinnvolle Anwendungen fürs Smartphone. Eine Neuentdeckung ist die App „Replace Plastic“ des Vereins „Küste gegen Plastik“. Wir alle wissen, wie verlogen und öffentlichkeitsgeil Unternehmen sind. Das letzte, was diese Pressestellen hören wollen, sind negative Fakten über das eigene Unternehmen. Da setzt die Idee der App an. Immer, wenn man in einem Laden eine idiotische Verpackungsidee der Marketingabteilung eines Konzerns oder eines Ladens findet, den Barcode scannen und das Produkt melden. Warum? Je mehr mitmachen, um so weniger zieht das fadenscheinige Marketingargument, der Kunde wolle das ja so. Deshalb, App runterladen, Verpackungswahnsinn melden und zeigen, dass wir eben nicht die blöden Konsumenten sind, für die die Öffentlichkeitsabteilungen uns halten. Und gebt zu, jeder hat schon Verpackungsirrsinn gesehen. Geschälte Orangen in Plastikschalen, Süssigkeiten in Tüten innerhalb von Tüten und anderen Müll, den sich Marketing ausgedacht hat, um uns etwas anzudrehen, was wir nicht nur nicht brauchen, sondern was unseren Lebensraum kaputt macht und die Weltmeere vermüllt.

Die App findet ihr hier für Android: [appbox googleplay com.kuestegegenplastik.replaceplastic] und hier für IOS: [appbox appstore id1257771601]

Bedeutung in einer bedeutungslosen Welt

Sinn des Lebens. Ziele im Leben, Aufgaben, Bedeutung. Alles Schlagworte, um deren Wertigkeit, deren Inhalt, deren Aussagekraft wir Menschen schon seit Ewigkeiten ringen.
Wann ist ein Mensch, ein Leben bedeutsam? Macht es einen Unterschied, ob ich arm oder reich bin? Gut oder böse?
Man stößt hier sehr schnell zumindest an die eigenen ethisch moralischen Grenzen. Darf ich einem Straftäter die gleiche Wichtigkeit zurechnen, wie einem Lebensretter?
Definiere ich den Wert eines Menschen aus seinem Tun oder seinem Leben an sich? Oder ist der Besitz, das, was ein Mensch verdient hat, Manifestation seiner Bedeutung?
Zumindest bei letzterem würde ich mit Sicherheit sagen, nein, Geld, Besitz hat keine Bedeutung für den Wert eines Menschen. Aber was macht den Wert dann aus.
Hier tendiere ich dazu, mich auf die grundlegensten Aspekte festzulegen. Die blanke Existenz ist Bedeutung. Ich lebe und bin damit relevant. Jeder, der sich qua Amt oder Rang für bedeutsamer hält, folgt einem Irrglauben, der in der negativen Ausprägung fatale Konsequenzen haben kann, wie uns die ältere wie jüngere Geschichte eindrücklich vor Augen führt.
Neil deGrasse Tyson ebenso wie Carl Sagen haben es einmal so formuliert. „Wir alle sind Sternenstaub“. Letztlich und das ist eine tiefe, kaum fassbare Wahrheit, existieren die einzelnen atomaren Bestandteile unseres Körpers seit dem Urknall und werden auch weiterhin existieren. Das klingt jetzt sehr religiös, ich verwehre mich aber hier ausdrücklich, das in einen religiös kirchlichen Kontext zu stellen. Denn schon hier wird wieder eine Wertung greifen, eine Unterscheidung, die zu akzeptieren ich nicht willens bin. Die Unterscheidung nämlich zwischen gläubig und nicht gläubig, die historisch ebenfalls zu fatalen Entwicklungen führte.
Dem Universum, dem Kosmos ist es herzlich egal ob ich Jude, Muslim oder Christ bin, ob ich an das fliegende Spagettimonster glaube oder ein Jedimeister zu sein glaube.
Für mich ist die Bedeutung, die einzige, die ich allen zuzusprechen bereit bin, die der reinen Existenz. Nicht ich denke, also bin ich, sondern ich bin, also bin ich etwas wert, hat mein Leben Bedeutung.
Wie im Ameisenhaufen die einzelne Ameise ihre Relevanz weder erkennt noch zeigt, so können wir als Mensch einem kosmologischen Zusammenhang unsere eigene Bedeutung nicht sehen. Aber jede Entscheidung eines Individuums, jede Handlung kann den Fortgang der Geschichte auf die eine oder andere Art beeinflußen. Und das ist nicht von einer Handlung abhängig.
Wir dürfen, ja wir müssen uns ALLE für wertvoll, für wichtig halten, aber nicht in einem ranggebenden Kontext sondern als universelle Bedeutsamkeit. Nur wenn ich alle Menschen, alle Tiere, alles Leben, den Kosmos als gleichrangig bedeutsam und wichtig erachte, werde ich auch mit ALLEM ebenso sorgsam wie wertschätzend umgehen. Und wenn jemand gegen meine Werte, meine Bedeutungskriterien handelt, so ist sein intellektuell bewerteter Wert für mich möglicherweise geringer. Möglicherweise verhält er oder sie sich auch nicht wertschätzend gegenüber seinem Umfeld. Das ändert an der universellen Wahrheit des universellen Werts aber nichts.
Wir sind etwas wert. Weil wir sind.

Ich bin nicht gesund, aber auf einem besseren Weg

Immer wieder erhalte ich Mails und Leserbriefe (was mich natürlich sehr freut), bei denen ich dafür bewundert werde, wie ich es geschafft habe, meine Depression zu besiegen.
Tut mir leid, aber das habe ich bei weitem nicht. Auch heute noch gibt es Tage, da macht sich der schwarze Hund zu meinen Füssen breit und will mich am Leben hindern.
Die Diskussion, ob meine Depression, ob Depression generell heilbar ist, ist für mich müßig, da bin ich zu sehr Wissenschaftler, um mir hier irgendwelche Urteile anzumaßen, wenn selbst die Wissenschaftler, die sich aktiv damit befassen, noch nicht einig sind. Ich habe Mittel und Wege gelernt, den Absturz so früh wie möglich abzufangen, aber auch mit Rettungsseil stürze ich noch ab, aber nicht mehr so tief. In einem anderen Blog habe ich in einem Gastbeitrag geschriebenanderen Blog habe ich in einem Gastbeitrag geschriebenanderen Blog habe ich in einem Gastbeitrag geschrieben, es brauche Geduld, Offenheit und Vertrauen, damit eine Besserung durch Therapie gelingen kann. Ich habe schon Prügel dafür bezogen, dass ich darauf hingewiesen habe, auch wenn die Suche schwer und lange ist, nicht den erstbesten Therapeuten, der Zeit hat zu wählen. Dazu stehe ich nach wie vor. Wenn ich mich nicht öffne, dem Therapeuten nicht vertraue, dann hilft die beste Therapiesitzung nichts. Und ich darf nicht erwarten, schnelle Erfolge zu erzielen, psychische Krankheiten sind komplex und widersetzen sich einfachen Lösungen (und nein, wer jetzt gleich wieder mit böse Pharma, super Alternativmedizin kommt, spart es euch, das zieht bei mir nicht, mich interessieren keine psychologischen Chemtrail Gedankenmodelle)
Ja, mir geht es viel besser als zur Zeit meines Suizidversuchs. Das ist aber auch nicht verwunderlich, war der Absturz damals doch sehr tief und schon am nächsten Tag, ganz ohne Therapie für mich kein valider Weg mehr.
Es waren und sind viele kleine Schritte, Tricks und Erlebnisse, die mich immer wieder aufbauen, festigen oder wieder aus dem dunklen Tal holen.
Aber gesund, sorry, nein. Auch ich habe noch dunkle Phasen, aber nachdem Jahre mein schwarzer Hund mich kontrolliert hat, hab ich langsam die Kontrolle zurück. Zumindest die meiste Zeit.
Und Leserbriefe, euer Zuspruch, ja auch eure Kritik helfen mir. Und dass mein Buch scheinbar für mehr Menschen eine Hilfe und eine Stütze ist, als ich gehofft habe. DAS ist wirklich etwas wunderbares, was mich motiviert, weiter zu kämpfen, weiter aufzuklären und ja, im Moment arbeite ich am Nachfolgebuch, das wohl 2019 im Sommer bei Bastei Lübbe erscheinen wird. Dann vielleicht mit ein paar neuen Erkenntnissen vor allem aber mit weit mehr Fokus auf die Familie, die Angehörigen und das Umfeld.