Der ganz normale Wahnsinn oder die wahnsinnige Normalität

Wir alle brauchen Normen. Damit Stecker A in Buchse B passt. Damit die Schrauben und die Schraubenzieher passen. Alles in Ordnung, alles gut, damit Zubehör von Hersteller B mit Produkten von Hersteller A zusammenspielt.
Aber wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der die Norm sich in alle Lebensbereiche hineinzufressen droht. Immer mehr Normen für das Zusammenleben, immer mehr Verhaltensmuster, die wir einhalten sollen, um „normal“ zu sein, immer mehr Denkverbote, damit wir der Norm entsprechen.
„In der Psychiatrie sind die normalen Menschen, die mit dem Wahnsinn da draußen nicht mehr fertig werden.“ Dieser Tweet von mir ist einer der meistzitierten Sätze aus meinem Buch. Und das zu recht. In den Kliniken habe ich sensible, intelligente, offene und neugierige Menschen erlebt, die irgendwann an dem zerbrochen sind, was man in ihrem Leben als normal postuliert hat, auch wenn das für sie zerstörerisch gewirkt hat.
Oder ist es normal, dass sich einstmals demokratische Parteien und Politiker aus dem Vokabular der Rechten und Nazis bedienen?
Ist es normal, dass wir alle uns dank Werbung und Hochglanzmagazinen permanent vorgaukeln lassen, ohne Produkt a oder Fitnesskurs b unzulänglich, defizitär, würden wir ungesund leben? Wer einmal die Ernährungsratgeber eine Zeit lang verfolgt hat, dem dürfte schnell aufgefallen sein, dass etwas oft heute ungesund, Morgen gesund, Übermorgen ungesund ist. Das berühmte Glas Wein, Fleisch, Kaffee, Morgens kein Frühstück etc… Alles mal gut, mal schlecht. Hier höre ich schon seit Längerem gar nicht mehr zu.
Schulmedizin, die ich eigentlich eher wissenschaftlich fundierte Medizin nennen würde, wird zu Gunsten von Quacksalbern und populistschen, einfachen aber falschen Alternativmedizinen abgewertet und als gekauft und ungesund erklärt.
Wir schauen die öffentlich Rechtlichen, schimpfen über sie und ignorieren oft, wie falsch, oberflächlich und bedrohlich populistisch die Privaten agieren. Die Norm ist mittlerweile, belegte, professionelle Produkte, Dienstleistungen und Dienstleister zu diskreditieren zu Gunsten von Quacksalbern, die den Humbug zur Norm erheben, oder Verschwörungen vermuten, wo es keine gibt.
Und wir erlauben immer weniger Fehler, obwohl wir alle doch wissen sollten, dass der Fehler elementar zum Leben dazugehört.
Jenseits industrieller Normen halte ich von Normierung und scheinbarer Normalität gar nichts mehr. Private Interessen, gutes Leben, Karriere oder eben nicht Karriere, erfüllter Sex. All das sollten, ja dürfen wir nicht irgendwelchen Normen unterwerfen.
Die oberflächlich betrachtet sinnvolle Norm ist oft eher dazu geeignet, insgeheim dagegen zu verstossen. Vieles, was im öffentlichen Diskurs mit Normen mit Political Correctness definiert, abgegrenzt und geregelt wird, versteckt sich danach nur im Geheimen. Wenn ich die Gender Debatte beobachte, sind wir uns in der Öffentlichkeit alle einig. Aber wenn ich privaten Gesprächen zuhöre, dann hat sich aber auch gar nichts geändert. Statt Normen und Regeln aufzustellen, wäre es sinnvoller, einen echten kulturellen Wandel herbeizuführen. Aber das bedarf der persönlichen Einsicht und dem Willen zu Veränderung. Also eben nicht der Norm sondern permanentem Hinterfragen des Status Quo.
Ich bin mittlerweile 50 und geradezu entsetzt, wie eingefahren meine Altersgenossinnen und Genossen denken. Da wird nichts mehr hinterfragt, da wird oft gedankenlos nachgeplappert, was in den Medien kolportiert wird. Von wegen uninformierte, desinteressierte Jugend. Das Alter macht es bei vielem oft nicht besser. Im Gegenteil. Im Moment verfolge ich begeistert das, was Alexander Gerst auf der ISS tut und darüber berichtet. Ich hab mir ein T-Shirt gekauft, auf dem das Logo der Mission und sein Name abgedruckt ist. Und das löst allenthalben Erstaunen aus. Ebenso mein Interesse an neuem, das sich seit meiner Jugend aber auch so was von gar nicht verändert hat. Neugier ist für mich ein Lebenselexier. Wenn etwas eingefahren ist, trete ich gerne zurück und überlege, ob es nicht Zeit für Veränderung ist. Ich liebe es, neues zu erfahren, neues Wissen zu entdecken und mich immer wieder selbst neu zu definieren. Aber das ist eben nicht, was die Mehrheit für normgerecht hält. Da gilt viel zu häufig gerade in meinem männlichem Umfeld immer noch „Saufen, Autos, Fussball“ und ich mit meinem „klassische Musik, Wissenschaft, Kultur“ gelte maximal als schräger Vogel, oft als jemand, mit dem man besser nix zu tun hat.

Oder wie Marc Twain es so schön formuliert hat:

Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen.

Übrigens: Bei vielen Nachrichten die angeblich „direkt aus der Wissenschaft“ kommen, sollte man sehr genau hinsehen. Wenn dort etwas wie „ganz sicher“, „unwiderlegbar“, „katastrophal“ steht, sollte man sich zumindest die ursprüngliche Quelle ansehen. Denn oft werden aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die erst noch geprüft, bewertet, mit Metastudien belegt werden müssen in der Presse und dem öffentlichen Diskurs eine unabänderliche Wahrheit. Und insbesondere dann, wenn daran wirtschaftliche Interessen hängen. Wer populistisch Untergangsszenarien generiert, wo es eigentlich nach aktuellem Stand der Wissenschaft (der nie 100% sicher ist, im Gegensatz zu den Theorien und Weltbildern der Verschwörungstheoretiker) keine dies belegenden Fakten gibt, der handelt mindestens fahrlässig, grob unwissenschaftlich und verantwortungslos (wer mich häufiger liest, weiß sicher, auf welche Personen ich abziele, die sich an populistischen aber falschen oder einseitigen Theorien eine goldene Nase verdienen).
Eines ist nämlich ganz wichtig. Wirtschaft, zumal klassische, große Konzerne haben als allererstes Interesse die eigene Rendite und die Rendite der Anteilseigner, der Kunde kommt erst als Vorletzter und der Mitarbeiter oft als Letzter.
Das müsste nicht so sein, aber ist leider oft so. Und die Gier nach unbegrenztem Wachstum, der Wahnsinn der Spitzenleistung und Ignoranz realistischer Wachstumsgrenzen sorgt im Moment dafür, dass wir die Zerstörung unseres Planeten eher wieder beschleunigen.
Und natürlich Trottel wie Donald Trump und seine Gefolgsleute, die das Lügen und Betrügen zur Norm erhoben haben und dabei erschreckenderweise noch viel zu viel Unterstützung in der Öffentlichkeit bekommen. DAS ist der ganz normale Wahnsinn der Gegenwart. Wir diskutieren nicht über desolate Schulen, Löhne, die keine Existenz schon gar keine Familie mehr tragen können, Hartz IV, dass Arbeitslose wie Verbrecher behandelt und eine Politik, die sich mehr um Machterhalt und die Wirtschaftslobby, als um das kümmert, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Vertretung der Interessen ihres Arbeitgeber. Der Bürgerinnen und Bürger.

Mein Fazit zur zweiten Sitzung zum bayerischen #Psychiatriegesetz

Zunächst mal das Lob. Wesentliche Punkte wurden geändert oder gestrichen. Das Massregelvollzugsgesetz und das Psychiatriegesetz wurden wieder getrennt, die Unterbringungsdatei entfällt.

ABER! Nach wie vor werden fremdgefährdende zwangseingewiesene Patienten, die von der Klinik als GEHEILT entlassen wurden, dem Kreis und der Polizei gemeldet. Und es glaubt ja wohl niemand, dass die über diese Meldungen nicht eine NICHT ANONYME Datei anlegen!! Also doch eine Erfassung, zwar nicht mehr für alle, aber für als GESUND entlassene Patienten.
Das eine anonymisierten Datei über Zwangsmaßnahmen angelegt werden soll, finde ich hingegen insofern begrüßenswert, und auch Datenmaterial zu haben, falls Kliniken wegen zu vieler Zwangsmaßnahmen in der Kritik stehen.

Auch dass das Pflegepersonal Menschen, die das Klinikgelände verlassen haben auch unter Zwang zurückholen darf, sehe ich kritisch. Vor allem auch weil Kliniken so was nicht leisten können und oft auch nicht wollen, weil es zu viel Verantwortung darstellt.

Das Kinder und Jugendliche getrennt betrachtet werden, ist zu befürworten, ebenso die wichtige Präambel, die jetzt klarstellt, dass Hilfe absolute Priorität hat.

Ich bin kein Jurist, deshalb kann ich die Feinarbeit nur den Juristen überlassen, die aber Gott sei Dank in der Opposition hinreichend vorhanden sind und sicher noch einige Änderungsanträge stellen werden.

Dennoch sehe ich die Änderungen als Erfolg für die Petition. Sie sind aber noch nicht so weitgehend, dass wir uns jetzt zurücklehnen werden. Wir sind in Kontakt mit der Opposition und Grüne wie MUT-Partei haben bereits fundierte Kritik an einigen Stellen. Aber die Petition hat das Gesetz in der ursprünglichen Form gestoppt und Änderungen erzwungen. Das ist definitiv ein Erfolg.

Deshalb werde ich die Petition auch noch nicht schließen, zumal noch andere Gremien gehört werden und erst wenn ein Gesetzestext mit den Änderungen vorliegt, lässt sich wirklich sagen, was für ein Gesetz da entsteht.

Man muss das ganz eben auch realistisch sehen. Den Gesetzestext konnten und können wir nicht aktiv ändern. Aber wir haben es geschafft, dass sowohl öffentlicher Druck und Aufmerksamkeit und zudem politischer Druck entstanden sind, was in Summe zu Änderungen geführt hat. Und seid euch sicher. Sollte doch noch was unakzeptables im endgültigen zu beschließenden Gesetz stehen. Wir melden uns und werden erneut öffentlich gehen. 120000 Unterstützer sind keine Kleinigkeit.

Vom Bitten um Verzeihung und einem neuen Aufbruch

Nein, ich meine nicht das Verzeihen gegenüber meinen Eltern. Mittlerweile weiß ich, ja auch das muss irgendwann passieren.
Aber jetzt muss ich es erst mal schaffen, mir selbst zu verzeihen. Dafür, dass ich Chancen nicht genutzt habe. Dafür, dass ich sicher oft ungerecht war und kein guter Vater.
Dafür, dass ich den falschen Idealen gefolgt bin, dass ich nicht auf meine Seele gehört habe und wertvolle Talente lange Jahre habe verkümmern lassen.
Natürlich, die Zeit lässt sich nicht aufholen, wiederholen oder zurück holen. Aber ich kann endlich damit abschließen, anerkennen, dass ich immer noch einige Jahre habe. Akzeptieren, dass ich nicht mehrere bin, der ich noch 2015 auch in den Kliniken war.
Und ich kann meine neuen Werte endlich zu leben beginnen. Eine Petition einreichen, weil ich nicht mehr akzeptiere, man könne als einzelner nichts bewegen.
Und Fremdbilder habe ich immer schon gehasst, aber jetzt werde ich sie keine Macht mehr über mich haben lassen.
Mit Fremdbildern wird viel zu sehr manipuliert, werden Träume und Menschen zerstört, Ghostlighting und Mobbing sind da nur die extremen Auswüchse.
Wir sollten uns so akzeptieren, wie wir uns sehen, nicht wie andere uns sehen wollen. Weil wir ihnen damit nutzen oder weil sie damit die Kontrolle über uns zu haben glauben.
Aber ein weiteres Verzeihen wünsche ich mir dann doch.
Das meiner Kinder und meiner Frau. Sie haben all die Jahre viel mit mir durchgemacht und halten immer noch zu mir. Das ist das größte Geschenk und gleichzeitig auch immer noch fragil und mit Verlustängsten behaftet.

Deshalb danke ihr vier. Ihr wart immer und seit weiterhin das Zentrum meines Lebens. Ihr seid der Grund, warum ich mich aus dem dunklen Abrund herausgekämpft habe.
Und ihr seid jetzt die Stütze und Ermutiger im Kampf gegen Stigmatisierung und Vorurteile.
Danke!

Einsamkeit macht krank? Bullshit

Ich kenne das Gefühl von Einsamkeit. Und es hat mich nie geschmerzt. Mangelnde Liebe, mangelnde Zuneigung. Ja, das tat und tut weh. Aber heute habe ich Menschen um mich, die mir das geben können. In meiner Kindheit war Einsamkeit das, was mich vor Streit, vor Wut, vor emotionalem Missbrauch geschützt hat.
Ich habe im Zivildienst eine Stelle bei einem Altenkrankenhaus angetreten und dort ganz bewußt nur die Nachtschichten gewählt. Es war eine wunderbare Zeit, alleine, nur mit einer weiteren Krankenschwester Dienst schieben. Weg von der Welt, weg von all den Menschen, die einem Schmerz zufügen könnten.
Wenn ich schreibe oder male, genieße ich es, das alleine zu tun. Und die Abende draußen im Garten, alleine am Teleskop, mit dem Blick in den Himmel, sind ebenfalls eher Situationen, die meine Batterien aufladen als mich stressen oder krank machen.
Meine Familie ist mir wichtig und ich genieße es, wenn wir beisammen sind. Aber ich bin nicht unglücklich, wenn ich mal nicht bei ihnen bin. Ja ich vermisse sie, aber es geht mir emotional und körperlich nicht schlecht.
Und die meisten anderen Menschen brauche ich nicht. Zu viel Oberflächlichkeit, zu wenig Toleranz, zu viel erfahren, wie angenehm es ist, alleine zu sein.
Wir bezahlen viel Geld dafür, einen Rückzug in die Einsamkeit zu kaufen und nennen das Urlaub. Oder tragen Masken, um die Existenz unter Menschen, die gar nicht wissen wollen, wie es uns geht, ertragen zu können.
Und letztlich bin ich keinesfalls einsam, nur weil ich mit anderen Menschen digital kommuniziere. Daraus sind viele gute Freundschaften entstanden.
Vielleicht liegt es einfach auch daran, dass ich diese Gedanken, Einsamkeit könne krank machen oft von sichtlich extrovertierten Menschen zu hören bekomme. Ich bin aber introvertiert, kann mich stundenlang alleine mit etwas beschäftigen.
Krank macht, was mir nicht gut tut. Und zwangsweises „unter Menschen“ sein, hat mir noch nie gut getan.

Es ist, wie mit so vielen Aussagen. Pauschal, alle über einen Kamm geschert, undifferenziert. Typisches aktuelles schwarz/weiß Denken.

Das haben Dichter und Denker schon früh erkannt:

Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Wenn du Einsamkeit nicht ertragen kannst,
dann langweilst du vielleicht auch andere.
Oscar Wilde (1854 – 1900)

Ich muß viel allein sein. Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.
Franz Kafka (1883 – 1924)

Ganz er selbst sein darf jeder nur solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei.
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

Massengeselligkeit ist durch die Wucht der Einstimmigkeit für uns eine Schule der Fehler. Mögen wir auch sonst nichts für unser Seelenheil tun, die Abgeschiedenheit ist doch an und für sich schon von Nutzen: wir werden uns bessern, wenn wir vereinzelt sind.
Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)

Sobald ich jetzt sagen muß: „Ich halte die Einsamkeit nicht mehr aus!“, so empfinde ich eine unsägliche Erniedrigung vor mir selber – ich bin dem Höchsten, das in mir ist, abtrünnig geworden.
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900)

Die Petition war ein Erfolg, das Psychiatriegesetz wird massiv geändert

Was für ein Tag: Noch Morgens in unserer Pressekonferenz waren wir nur bedingt optimistisch überhaupt unsere Petition auch an CSU Vertreter übergeben zu können. Dann die Zusage des Gesundheitssausschusses, ja wir dürfen ins Gebäude, wir bekommen einen eigenen Raum und es werden die Vorsitzenden des Ausschusses die Petition entgegennehmen.

Danach durften wir in den Saal, um der Anhörung beizuwohnen. Und schon ganz zu Beginn platzt die Bombe. Es wird massive Änderungen am Gesetz geben, man habe auch auf den öffentlichen Protest reagiert (ein Schelm, der Petition dabei denkt) und gleich der erste Erfolg: Die Unterbringungsdatei wird ersatzlos gestrichen!

Kristina und ich konnten uns gerade noch lauten Jubel verkneifen. Auch wenn sicher im Nachklang die Wirkhaftigkeit der Petition in Frage gestellt werden wird. Doch, auch wir haben etwas bewirkt. Plötzlich versammelte sich die Opposition . hinter der Petition und unterstütze unser Anliegen. Und damit bekam die Petition zusätzliche Kraft.

Ein Käfig mit den Unterschriften der Petition
Das haben wir symbolisch übergeben. Einen Vogelkäfig, in dem eine „Meise“ eingesperrt und videoüberwacht wird. An der Kette baumelt der USB Stick mit den gesamten Unterschriften

Bei der Übergabe waren es 92280, wobei ich bereits sehen konnte, dass wir nach Übergabe bei knapp 92500 lagen. Und heute Morgen die nächste fantastische Überraschung. Wir haben bereits 97000 Stimmen, also fast 5000 Stimmen über Nacht.

Auch für die Anhörung war das öffenltiche Interesse groß wie selten zuvor. Die Sicherheitsbeamten am Eingang konnten sich nicht an einen solchen Ansturm erinnern. Über 200 Bürgerinnen und Bürger waren anwesend. Es musste sogar in einen Nebenraum übertragen werden.

Großartig und für uns Verpflichtung, dran zu bleiben. Wir werden das Gesetz weiter begleiten und die Petition wird so lange weiterlaufen, bis uns ein Gesetzentwurf schriftlich vorliegt, dem wir zustimmen können. An die CSU gerichtet: Danke für das Einlenken, aber wir werden sehr schnell wieder aktiv werden, sollte das nur Wahlkampfgetöse gewesen sein. Und ich nehme an, es ist deutlich geworden, wie schnell wir mobilisieren können, wenn es drauf ankommt.

Danke euch allen, die ihr unterzeichnet habt, die ihr die Petition geteilt habt und die ihr uns in euren Nachrichten und Tweets ermutigt habt, zu kämpfen.

Kristina Wilms und Uwe Hauck sind glücklich über den Erfolg ihrer Petition
Kristina und Uwe vor dem Sitzungssaal, nachdem wir von den massiven Änderungen im Psychiatriegesetz gehört haben!

Von Kristina und Uwe dafür einen ganz herzlichen Dank

und ihr dürft stolz sein und das feiern!

Wir sind viele!

Und wer auf der re:publica ist. Ich würde mich freuen, euch persönlich danke zu sagen für die Unterstützung. Denn nur die vielen Unterschriften in kurzer Zeit haben diesen öffenltichen Druck erzeugt!

 

Hier noch ein Bericht des ZDF über die Petition:

Bayern: Protest gegen Psychiatriegesetz

und die SZ hat auch berichtet und mich zum Ergebnis interviewt

Staatsregierung entschärft umstrittenes Psychiatriegesetz

Zitat: „…Auch Uwe Hauck zeigte sich vorsichtig optimistisch. Er nannte es „ein gutes Signal“, dass die Staatsregierung nachbessern wolle. Hauck ist Mitglied der Deutschen Depressionsliga und Initiator einer Online-Petition. In nur einer Woche hatten 92 000 Unterstützer gegen das geplante Gesetz unterschrieben. Kurz vor Beginn der Anhörung im Landtag übergab Hauck den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses die Unterschriften. Die Kombination der Kritik aus Fachkreisen, Verbänden und der Petition habe wohl Eindruck hinterlassen, mutmaßte er. Zu früh jubeln wollte Hauck aber noch nicht. Er bleibe „misstrauisch“, erst wenn das Gesetz in einer vernünftigen Form verabschiedet sei, werde er die Petition aufgeben. Söder versprach, dass es bei den am Dienstag angekündigten Eckpunkten bleiben werde. Sie seien mit der CSU-Landtagsfraktion abgestimmt, „das ist unsere Position“….“

Jetzt müssen wir die Öffentlichkeit weiter aktiv halten, deshalb teilt weiter, zeichnet die Petition weiter, damit die „da oben“ merken, dass wir aufpassen!

Und nochmals: DANKE!

Bereits 36000 Unterschriften nach 2 1/2 Tagen. DANKE

Heute geht einfach mal ein dickes, fettes Dankeschön an all unser Follower, Leser, Freunde raus, die Kristina Wilms und mich so grandios bei unserer Petition gegen das bayerische Psychiatriegesetz unterstützen. Jetzt, Donnerstag Nachmittag, liegen wir bereits bei unglaublichen 36.000 Unterzeichnern.

Aktuell ist geplant, die bis dahin gesammelten Unterschriften zu übergeben, bevorzugt an Herrn Söder persönlich, wenn wir dazu irgendwie die Gelegenheit bekommen. Man kann sekündlich verfolgen, wie mehr und mehr Menschen uns unterstützen und dafür sind Kristina und ich, zwei die selbst betroffen sind unglaublich dankbar.

Heute Abend gibt es wohl einen Beitrag über unsere Petition beim RTL Nachtjournal und Morgen bei ZDF Plus. Und es sollen noch weitere Beiträge folgen. Wir halten euch auf allen Kanälen auf dem Laufenden.

Und ihr könnt noch mitzeichnen unter www.change.org/Psychiatriegesetz

Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln. Ein Rant.

Der Fall Gustl Mollath sollte doch eigentlich gezeigt haben, wie gefährlich es ist, jeden Menschen mit psychischen Problemen gleich wie einen Strafverdächtigen zu behandeln.

Doch was lese ich heute in der Süddeutschen? „Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln.“

Was da aber gerade in Bayern ausgedacht wird, das ist für mich ein Schritt zurück in eine eher dunkle Vergangenheit.

Die allermeisten psychisch kranken Menschen sind weder gefährlich, noch Straftäter. Wäre diese Denkweise der bayrischen Regierung logisch, müsste man ALLE Menschen als potentielle Straftäter … oh, halt… Polizeigesetz. Wir erleben in Bayern gerade, wie man durch die Hintertür einen Spitzelstaat, einen Überwachungsstaat einführt, unter dem Deckmantel, das ja nur für die Bürger zu tun.

Gerade mal vier Paragraphen befassen sich mit der Hilfe für psychisch Kranke, der ganze Rest liest sich, als wolle man jeden psychisch Kranken am liebsten wegsperren.

Schon mal darüber nachgedacht, was das für Auswirkungen auf psychisch Kranke hat? Es werden sich noch weniger Menschen Hilfe suchen, diejenigen wenigen Gefährder werden auf keinen Fall den Fehler begehen, sich behandeln zu lassen und die überwältigende Mehrheit der potentiellen Patienten wird sich zweimal überlegen, ob sie sich in die Gefahr begibt, nur weil psychisch krank aller Freiheiten beraubt zu werden.

Das sollte uns alle empören, denn so etwas stigmatisiert, gefährdet Menschenleben und schadet den Kliniken und den Therapeuten, die jetzt in die Nähe von Gefängniswärtern oder Strafverfolgern gebracht werden.

Psychisch Kranke Menschen brauchen Hilfe, jemandem, dem sie vertrauen können, nicht die Angst im Nacken, weil jemand meint, man wäre auffällig, weggesperrt zu werden. Ich hätte nie gedacht, dass wir über so etwas noch diskutieren müssen aber hier wird mit Vorurteilen und Fehleinschätzungen populistische Politik gemacht, statt da zu helfen, wo es am sinnvollsten wäre. Investitionen in Kliniken, vernünftige Gehälter für das Personal, ne, man kümmert sich um das schwächste Glied in der Kette. Bayern, mir graut vor dir.

Bei jeder Lesung, jedem Vortrag spüre ich immer wieder, wie froh Betroffene sind, da jemanden zu haben, der offen und ohne Hemmungen über die Probleme, die Herausforderungen spricht, die man als psychisch Kranker erlebt und durchleidet, bis es einem endlich besser geht. Der offene Umgang mit der Krankheit tut nicht nur mir gut. Ich erlebe das auch immer wieder in den Gesprächen mit anderen Betroffenen. Nur in Bayern werde ich wohl vom offenen Umgang damit fürderhin abraten müssen.

Ich hoffe, dieses Thema wird medial diskutiert und wir können diesen Wahnsinn bayrischer Couleur noch verindern. Hier wäre ein wichtiges Thema für Medien von Maischberger bis Stern TV. Wehret den Anfängen, bevor wir sagen müssen „History repeating“.

Und Herrn Söder und Co. empfehle ich, sich vernünftig zu informieren. Quellen gibt es genug, z.B. Sind psychisch Kranke gefährlich? (Spoiler, nein im Gegenteil)

Wer den Gesetzentwurf im Original lesen will: Bayerisches Psychiatrie Gesetz

Ich habe jetzt zusammen mit Kristina Wilms eine Petition dazu gestartet. Bitte teilen und unterzeichnen!