Von der Schönheit der Schwäche

Ich war einer von diesen typischen „Kerlen“. Obwohl ich es in meiner Kindheit und Jugend gehasst habe, weil ich immer das Opfer, der Gemobbte war. Aber es gab keine anderen Vorbilder. Irgendwann wünschte ich mir, auch nur ein bisschen so wie die zu sein, die ich eigentlich hasste, die aber meinem Empfinden nach es viel leichter hatten im Leben.

Gut, nicht wirklich typisch. Klassische Musik, Kunst, KEINE Autos, KEIN Fussball. Aber das wurde dann zu Gunsten des „typischen“ Bildes verheimlicht. Und was noch viel schlimmer war. Ich gewöhnte mir an, so zu tun, als hätte ich immer alles unter Kontrolle.

Heute weiß ich, das war ein Irrtum, eine Fassade.

Gerade auch als Mann zeugt es von viel mehr Mut, seine Schwächen zu zeigen, als so zu tun, als sei man immer stark, immer kontrolliert, immer perfekt. Eigentlich wissen wir doch alle, dass so etwas einfach nicht möglich ist, dass absolute Perfektion nicht möglich. Mich ärgert aber vor allem, wie sehr wir auch heute noch in Rollenklischees verhaftet sind. Wir mögen mittlerweile Gender Sternchen haben, um sprachlich korrekt zu agieren. Aber ich sehe noch keine Gender Sternchen in den Köpfen der Mehrheit. Und schon gar keine Offenheit für Gefühle, für Schwäche in dem immer noch kruden und überkommenen Männerbild der Mehrheit unserer Gesellschaft. Wir agieren meiner Ansicht nach in einer Filterblase, glauben, man müsse doch einsehen, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau, zwischen schwach und stark minimal bis nicht vorhanden sind.

Stark kann man auch sein, oder ist es eigentlich noch viel mehr, wenn man in der Lage ist, auch negative Gefühle zu zeigen, auch Trauer, Schwäche, Angst zuzulassen und nicht so zu tun, als kenne man das nicht und alle, die so empfinden seien „Loser“.

Wir brauchen eine Kultur, in der das Versagen, die Angst, die Trauer Platz haben, in denen man nicht immer die Fassade des „Mir geht es gut“ vor sich her tragen muss.

Ich bin an diesen Fassaden fast zerbrochen und ich weiß aus vielen Gesprächen mit Mitpatient*innen in den Kliniken, wie sehr genau das einen verletzen, krank machen kann.

Wir brauchen keine Leistungskultur, wir brauchen eine Lebenskultur.

Ein besonderes Jahr, ein lehrreiches Jahr, ein Jahr des Wandels

Es begann bereits mit diversen Lesungen und Interviews zu  meinem Buch „Depression abzugeben„. Ende 2017 hatte ich noch in meinem Umfeld prognostiziert, dass spätestens 2018 das Interesse an meinem Buch, meiner Geschichte abflauen würde. Aber das Gegenteil war und ist der Fall. Das Interesse bleibt konstant hoch.

Dann das Vertrauen, das Bastei Lübbe in meine Fähigkeiten als Autor hatte und das in einem neuen Buchprojekt mündete, das nun am 29. März erscheinen wird.

Die Petition gegen das bayerische Psychiatriegesetz, die nicht nur mit geholfen hat, das Gesetz zu stoppen sondern auch viel mediale Aufmerksamkeit auf das Thema psychische Erkrankung lenkte und insgesamt knapp 1500000 Unterschriften erreichte.

Viele neue Interviews, ein Patientenkongress in der Schweiz mit mir als einem Keynote Speaker und Ende des Jahres die Teilnahme an der Pressekonferenz der Stiftung deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn Stiftung als Betroffene, begleitet  erneut von viel medialer Aufmerksamkeit. Und als Abschluss dann noch ein Auftritt im ARD Morgenmagazin wegen meines Artikels gegen das von Jens Spahn geplante TSVG bei Focus Online und den fatalen  Abschnitt über eine vorgeschaltete Instanz, die die schwere der psychischen Erkrankung bewerten sollte.

Ich kann definitiv sagen, 2018 war ein sehr erfolgreiches Jahr, mit vielen Überraschungen, sehr positiven Begegnungen und vielen neuen Chancen. Und es wird 2019 weitergehen. Unter anderem mit einer Lesung in der Zentralbibliothek in Frankfurt, einem Mutmacher Event in Düsseldorf und einem Workshop auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund. Und natürlich mit dem Erscheinen des neuen Buchs „Lieber Papa, bist du jetzt verrückt?“ meiner Tochter mit mir als Co-Autor.

Danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben und noch begleiten, danke meinen Freundinnen und Freunden, namentlich Dana Diezemann, Kristina Wilms und Andreas Kernchen, danke insbesondere meiner Familie für Geduld und viel Unterstützung.

Und 2019 werde ich weiter gegen die Stigmatisierung psychischer Krankheiten und für mehr Aufklärung kämpfen. Denn wir sind schon weiter als noch vor ein paar Jahren, aber lange noch nicht weit genug.

Bis dahin euch allen ein gesegnetes und möglichst glückliches Jahr 2019 und einen guten Rutsch!

The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that, the passing there
Had worn them really about the same.

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Robert Frost (1874-1963)

Ein frohes Fest und einen guten Rutsch.

Auch dieses Jahr kann ich es nicht lassen, all meinen Lesern, meinen Unterstützern bei unserer Petition, einfach allen, die meinen Weg positiv gekreuzt haben, ein frohes Fest und einen guten Rutsch zu wünschen.

Wir lesen uns im neuen Jahr!

Neue Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe mit Fokus auf Angehörige

Am Dienstag waren auch meine Frau und ich als Betroffene dabei, als die Stiftung Deutsche Depressionshilfe eine neue Studie veröffentlicht hat, die aufzeigt, wie sich die Erkrankung des Partners oder Angehörigen auf das Umfeld auswirkt.

Anbei der Link und der TV Beitrag der Tagesthemen, in denen auch meine Frau und ich zu Wort kommen.

Speziell ein großes Dankeschön an die ARD für diesen wirklich guten Beitrag.

Deutschland Barometer Depression 2018
Auswirkungen der Depression auf Partnerschaft und Familie

Bericht der Tagesthemen

Wir brauchen mehr Öffentlichkeit

So wie ich mit dem Thema psychische Krankheit umzugehen verlange ich von niemandem. Aber an alle, die die Kraft haben, den Willen oder wie ich damals einfach keine andere Wahl mehr kann ich nur appellieren: Bleibt laut, bleibt unbequem. Drängt in die Medien, sorgt dafür, dass eure Geschichte, unsere Geschichte nicht nur von denen vermittelt wird, die sowieso schon prominent sind.

Psychische Krankheiten können uns alle treffen und nur wenn wir der Öffentlichkeit klar machen, wie weit verbreitet psychische Krankheiten sind, wie schnell es JEDEN treffen kann, können wir mit der Zeit das nach wie vor bestehende Stigma beenden. Damit meine ich auch das Stigma Suizid. Wir müssen einen neuen Umgang damit lernen. Darüber den Mantel des Schweigens zu decken hilft denen auf keinen Fall, die mit dem Gedanken spielen.

Und lasst euch von den Trollen nicht beirren, die euch Profilsucht vorwerfen, oder ihr wolltet nur Geld verdienen.  Deren Ignoranz und oft auch Dummheit darf kein Hinderungsgrund sein, für Aufklärung, für Toleranz zu kämpfen.

Menschen mit psychischen Krankheiten brauchen Hilfe, ohne ein Stigma zu fürchten, sie brauchen Menschen, die die Krankheit als solche akzeptieren und sich nicht automatisch anmaßen, genau zu wissen, wie es euch geht.

Menschen, die glaubten, sie verstünden meine Krankheit, die aber offensichtlich keine Ahnung hatten, haben mich fast in den Suizid getrieben. Und als sie ihre Fehler erkannten, haben sie sich nicht etwa entschuldigt, sondern mir gedroht.

Auch deshalb gehe ich immer wieder an die Öffentlichkeit. Damit solche gefährlichen Menschen keine Macht mehr haben, damit wir offen damit umgehen und damit vernünftige Hilfe statt vorurteilsbelasteter Plattitüden bekommen.

Ich wünsch mir Talkshows mit Betroffenen, statt dauernd nur mit den angeblichen Experten, ich wünsche mir mehr offenen Umgang mit psychischen Krankheiten als etwas, das so normal ist wie jede körperliche Krankheit auch.

So lange das nicht gegeben ist, werde ich nicht aufhören, unbequem zu bleiben. Und die, die mich mundtot machen wollten, sollten acht geben. Ich sammle die Beweise. Damit das nicht auch anderen geschieht.

 

Ich habe Angst

Nun gut. Bei mir wohl kein Geheimnis mehr. Ich stehe zu meinen psychischen Schwächen. Auch wenn ich weiß, dass die typischen Reaktionen sind: „Mach dir doch nicht so viele Sorgen.“, „man kann auch vor allem Angst haben.“ (Übrigens:JA!) „Du bist zu ängstlich.“
Angst ist etwas überwältigendes, wenn man es in der Form einer generellen Angststörung hat. Angst frisst Vertrauen. Vertrauen in sich selbst, Vertrauen in andere. Und für manche ist die Angst der anderen ein Weg zur Manipulation. Meine Angststörung entstand aus dem, was ich als Kind und Jugendlicher erlebte. Sie entstand durch Mobbing, Einsamkeit, kein Vertrauen von wichtigen Menschen in mich.
Heute stehe ich zu meiner Angst, ich kenne sie und kann einigermaßen damit umgehen. Aber sie beeinflußt immer noch mein Leben. Aber ich schäme mich nicht mehr dafür. Jeder Tag, an dem ich gegen meine Angst angehe, jeder Moment, in dem ich merke, dass die Angst mich eben nicht mehr überwältigt ist ein guter Moment.
Wir alle, die wir gegen massive Ängste kämpfen, sollten aufhören, uns dafür zu schämen. Wir stellen uns unseren Ängsten, auch wenn sie manchmal überwältigend sind. Mein Suizidversuch entstand nicht durch die Depression. Die Depression war ein Teil meiner Angst und was damals geschah, war eine existenzbedrohliche, allumfassende Panikattacke. Und zwar sofort, ohne Ansteigen, von 0 auf Vollpanik.
Das so etwas passieren kann, sollte sich jeder vor Augen führen, der mit den Ängsten anderer spielt. Man wird in die Rolle der Beute gedrängt, die am Abgrund steht und nur noch zwei Möglichkeiten hat. Angriff oder Flucht. Und wir überängstlichen haben viel zu viel Angst, um noch angreifen zu können. Was dann passiert, ist klar. Aber wohl nicht jenen, die uns in solche Ängste treiben. Weil man ja angeblich keine Angst zu haben braucht. Warum nur erfährt man mittlerweile von immer mehr Menschen, die von massiven Ängsten betroffen sind? Warum leiden schon Schüler unter Ängsten? Kommt mir jetzt nicht mit dem Smartphone, das ist vielleicht Symptom. Der Grund ist das Spielen mit der Angst. Leistungsdruck, Konkurrenzdenken, angebliche Bedrohungen um sich Menschen gefügig zu machen, sie zu normieren und durch ihre Angst auch zu manipulieren.
Wer sich fragt, woher der Zulauf für rechtes Gedankengut und Fremdenhass kommt, ein großer Teil ist sicher auch Angst in einer Welt, die Druck ausübt, mit HartzIV eher bestraft als hilft und nur noch Spitzenleister will. Wir sollten wieder runter kommen von dem Angsttrip, aber so lange man über uns damit Macht ausüben kann, werden es Menschen ausnutzen.
Deshalb, ich stehe zu meiner Angst, aber ich durchschaue mittlerweile, wer mit ihr spielen will. Angst an sich ist nicht schlecht, sie schützt. Wenn man aber in einer eigentlich sicheren Zeit durch machthungrige Dummköpfe manipuliert und die Angst vor etwas nicht existentem hochgepeitscht wird, dann… ja, dann kann man schon Angst haben.
Ich stehe zu meiner Angst, und ich versuche zu vermitteln, dass der Kampf gegen sie ein Guter ist. Schwer, aber er lohnt. Meine Chili gegen meine Panik hab ich übrigens immer noch dabei. Nur so als Insider.

Frauen, wir müssen auch reden!

Zunächst, egal ob Mann oder Frau. Lest den Text von Journelle. LEST IHN. Und am besten mehrmals. Warum? Weil ich ein Mann bin, aber mich über sehr viele der Punkte ebenso ärgere, wie Journelle das so eloquent tut.

Wir schreiben 2018. Ein unglaublich ignoranter, selbstherrlicher, frauenfeindlicher Chauvinist ohne jede Empathie ist Präsident der Vereinigten Staaten. Und er schafft es, einen Vergewaltiger als  obersten Richter zu inthronisieren.

Ich kann mich dafür nicht entschuldigen. Das ist nicht entschuldbar. Und ja, ich weiß, es haben auch Frauen für Donald Trump gestimmt. Es haben sicher auch Frauen gesagt, Kavanaugh sei kein Vergewaltiger, wäre geeignet, wäre nur Opfer einer Verschwörung.

Geschenkt.

Ich hab lange gedacht, nein, es verbessert sich was, Gleichberechtigung wird selbstverständlicher werden. Falsch gedacht. Ich gehöre zur Alterskohorte der 1967 Geborenen. Damals war zwar Gleichberechtigung kein Fremdwort aber der Weg war noch lange.

Ich sehe nur nicht wirklich, dass er kürzer geworden ist.

Wenn ich meine Geschlechtsgenossen, insbesondere meine Alters- und Geschlechtsgenossen reden höre, dann stehen wir noch ziemlich am Anfang. Und leider blicke ich in den Managementetagen, in der Politik viel zu oft in männliche Gesichter, gerade in meiner Altersklasse. Ja, wir haben einen öffentlichen Diskurs über Emanzipation, aber, und das mag jetzt ein sehr subjektives Gefühl von mir sein, eigentlich laufen hier immer noch in der überwiegenden Mehrheit Männer rum, die nichts, aber auch gar nichts begriffen haben. Die Frauen immer noch als eine Mischung aus Sexobjekt,  Mensch zweiter Klasse und nicht so stark, so leistungsfähig, so zielstrebig wie Männer sehen.

Bullshit, aber leider Bullshit, der meiner Ansicht nach hinter verschlossenen Tür[appbox wordpress ]en, unter „uns Männern“ immer noch eher der Alltag in den Köpfen ist. Und ich glaube nicht wirklich, dass da was besseres nach wächst. Wer immer noch mit Männlichkeitssymbolen protzen muss, wer immer noch, so Frauen nicht anwesend sind,  über deren Aussehen, deren F***kbarkeit diskutiert, während er nach außen hin scheinbar der emanzipierte Mann zu sein vorgibt, sorry, von dem erwarte ich nicht, dass er auf der Frauen Stimme hört.

Was mich aber noch mehr frustiert. Warum  scheint es immer noch nötig zu sein, sich als Frau in Männerdomänen mit den männlichen Methodiken zu behaupten.

Ich meine damit, dass wir meiner Ansicht nach in weiten Bereichen insbesondere der Wirtschaft noch immer eine männlich geprägte Herangehensweise haben, wo es weniger um Kompetenz, um Wissen, als um  Männerfreundschaft, Machogehabe und Machtgerangel geht. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass viele unserer aktuellen wirtschaftlichen wie politischen Probleme männergemacht sind und auch bleiben werden.

Als ich mit Kristina Wilms Anfang des Jahres gegen das bayerische Psychiatriegesetz gekämpft habe und eine Petition mit auf den Weg brachte, die schliesslich maßgeblich dazu beigetragen hat, die größten Kritikpunkte zu verhindern, da wurde ich im Kampf vor allem und am Intensivsten von, na, kommt ihr drauf? Richtig, von Frauen unterstützt. Claudia Stamm von der MUT Partei, Katharina Schulze von den Grünen, selbst Kathrin Sonnenholzner von der SPD haben innerhalb weniger Tage unterstützt und den Rücken gestärkt. Der werte Herr Söder hat sich dagegen nicht mal aufraffen  können, persönlich auf wiederholte Anfragen meinerseits zu reagieren.

Und nicht zu vergessen, Kristina, die die ganze Sache erst ins Rollen brachte.

Ich weiß nicht, ob es eine stärkere soziale Ader von euch Frauen ist, oder was dahinter steckt. Aber wenn es um die wirklich wichtigen gesellschaftlichen Themen und da vor allem um für alle sinnvolle Lösungsansätze geht, dann habe ich den, wie gesagt sehr subjektiven Eindruck, dass wir Männer da eher Mist bauen.

Ja ich weiß, es gibt auch negative Beispiele im weiblichen Lager. So what? So lang wir immer noch über eine weibliche oder eine männliche Herangehensweise an unsere aktuellen Problem reden, so lange haben wir noch nicht mal im Ansatz Emanzipation erreicht. Dann haben wir nur drei Lager, die der harten Emanzipationsbefürworter (eine Minderheit), die der harten Gegner (noch eine Minderheit) und mittendrin eine Masse von Menschen, die das Ganze eigentlich nur am Rande interessiert, weil sie in einem immer noch sehr ungleichen Alltag um jeden neuen Tag kämpfen müssen.

So lange Teilzeit etwas ist, dass für Frauen für normal angenommen wird und für Männer immer noch zu oft ein Karriereknick ist, so lange Frauen nicht nur die Kinder bekommen, sondern danach auch oft quasi gezwungen sind, auf Karriere zu verzichten, weil es ja immer die Frau sein sollte, die verzichtet. So lange ist nichts passiert, was die Situation verbessert.

Okay, eigentlich müssen wir Männer endlich mal reden. Endlich mal vom hohen Chauvi Ross runterkommen und begreifen, dass es keinen Unterschied machen darf, welches Geschlecht jemand hat, wenn es um Karriere geht, wenn es um Familie geht, wenn es ums Leben geht.

Und so lange in manchen Männerköpfen die Vergewaltigung einer Frau immer noch nicht das ist, was sie ist, nämlich eine mit nichts zu verzeihende Straftat und ein Beweis für einen extrem schwachen, unethischen und unmoralischen Charakter, so lange braucht es noch den Protest. Nein heißt nein, heißt nein. Vergewaltigung ist die ekelhafteste Visualisierung männlichen Machtgrößenwahns und wird meiner Ansicht nach in den meisten Fällen nicht mal ansatzweise ausreichend bestraft.

Wir stehen nicht mitten drin in der Gleichberechtigung. Wir haben ein Feigenblatt von Zugeständnissen, das von Idioten wie einem Donald Trump und seinen Gefolgsleuten  wie Männern ähnliche charakterschwacher Gesinnung wo auch immer es geht abgeschwächt, verdreht oder den Frauen wie Männern abgesprochen wird.

Denn leider haben viele Männer offensichtlich noch nicht begriffen, dass Emanzipation eben nicht die Rechte der Frauen ÜBER die der Männer stellen will. Das sind Ansichten von extremer Art. Der Mainstream will schlicht das, was jeder vernünftige Mensch eigentlich schon längst fordern sollte. Gleiches Recht für beide Geschlechter.  Gleichen Lohn, gleiche Chancen, gleiche Wertigkeit der Kindererziehung egal ob von Mann oder Frau.

Wir kriegen in den Medien immer wieder tolle Beispiele serviert. Aber schaut mal offenen Auges und ganz ehrlich in euer Umfeld. Ist das da für die Mehrheit schon Realität? Seriously. Ich denke nein.

Wir waren schon weiter. Ganz ehrlich. Aber leider scheinen viele meiner Geschlechtsgenossen der Meinung zu sein, es würde ihrer Männlichkeit, ihrer Rolle, ihren Chancen schaden. Gut, das mit den Chancen wäre vielleicht gut, wenn nicht gelebte Emanzipation endlich mal zum männlichen Karrierenachteil verhelfen würde. Ich glaube, dann würde sich da ganz schnell was ändern. Aber so lange das Management immer noch so altherrenmännlich ist, so lange Seilschaften immer noch Männer präferieren, so lange wird sich da nicht viel tun. Dann gibt es schöne Beispiele von einzelnen weiblichen Vorstandsmitgliedern. Aber heimlich lachend werden die männlichen meist Schlipsträger in genau den gleichen chauvinistischen Denkmustern bestätigen, wie schon seit Jahrhunderten.

Es bräuchte mal einen #aufschrei, aber einen richtig lauten, der von Männern geführt wird, die die Schnauze voll davon haben, dass solch überkommene Denkmodelle auch heute noch bestand haben.

So, das musste raus. Trollt mich gerne, ist meine Meinung und ich weiß zumindest von einigen Geschlechtsgenossen, dass sie insgeheim genau so denken.

Von Drohungen, Prioritäten und dem nicht mehr Schweigen

Ja, mein Suizidversuch und die Zeit in den Kliniken haben mich verändert. Ich bin toleranter und intoleranter geworden. Toleranter gegenüber Menschen, die mit sich oder ihrem Leben zu kämpfen haben. Und sehr viel intoleranter gegenüber Diskriminierung, Intoleranz, Vorurteilen.
Und ich bin nicht mehr bereit, meinen Fokus im Leben alleine darüber zu definieren, was andere für relevant halten. Mein Fokus ist jetzt auf Aufklärung, Entstigmatisierung, den Kampf für mehr Verständnis für psychisch kranke Menschen gerichtet. Denn sie kämpfen einen schweren, oft lebensgefährlichen Kampf und haben unsere Unterstützung, unsere Anerkennung verdient, nicht Hohn, Spott oder eine Sicht, die uns psychisch kranke Menschen als gefährlich stigmatisiert.
Ich werde nicht mehr den Mund halten, wie man es mir mehr als einmal durch Drohungen und Untergangsszenarien einreden wollte. Drohen, weil man Angst hat, ich könne die Wahrheit sagen, ist nicht länger eine gute Idee. Eher ein Antrieb, noch ehrlicher, noch offener zu sein. Wer meine Aktivitäten für bedrohlich hält, der hat mich noch nicht bedrohlich erlebt. Ich werde kämpfen. Für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten. Gegen Menschen, die psychisch Kranke nicht ernst nehmen, ihnen drohen oder sie zum Schweigen bringen wollen. Ihr lest immer wieder mal von den berühmten „Drohbriefen“. Ich habe sie noch, weil ich bis heute extrem wütend darüber, mich aber gleichzeitig nicht auf dieses niedere Niveau begeben möchte. Noch nicht. Es sei denn, man zwingt mich dazu. 
Erst wenn psychische Krankheiten so normal gesehen werden wie physische, könnte es sein, dass ich meine Aufklärungsarbeit beende. Aber ganz ehrlich, noch sehe ich viel zu viel Unverständnis, um zu schweigen.