Frauen, wir müssen auch reden!

Zunächst, egal ob Mann oder Frau. Lest den Text von Journelle. LEST IHN. Und am besten mehrmals. Warum? Weil ich ein Mann bin, aber mich über sehr viele der Punkte ebenso ärgere, wie Journelle das so eloquent tut.

Wir schreiben 2018. Ein unglaublich ignoranter, selbstherrlicher, frauenfeindlicher Chauvinist ohne jede Empathie ist Präsident der Vereinigten Staaten. Und er schafft es, einen Vergewaltiger als  obersten Richter zu inthronisieren.

Ich kann mich dafür nicht entschuldigen. Das ist nicht entschuldbar. Und ja, ich weiß, es haben auch Frauen für Donald Trump gestimmt. Es haben sicher auch Frauen gesagt, Kavanaugh sei kein Vergewaltiger, wäre geeignet, wäre nur Opfer einer Verschwörung.

Geschenkt.

Ich hab lange gedacht, nein, es verbessert sich was, Gleichberechtigung wird selbstverständlicher werden. Falsch gedacht. Ich gehöre zur Alterskohorte der 1967 Geborenen. Damals war zwar Gleichberechtigung kein Fremdwort aber der Weg war noch lange.

Ich sehe nur nicht wirklich, dass er kürzer geworden ist.

Wenn ich meine Geschlechtsgenossen, insbesondere meine Alters- und Geschlechtsgenossen reden höre, dann stehen wir noch ziemlich am Anfang. Und leider blicke ich in den Managementetagen, in der Politik viel zu oft in männliche Gesichter, gerade in meiner Altersklasse. Ja, wir haben einen öffentlichen Diskurs über Emanzipation, aber, und das mag jetzt ein sehr subjektives Gefühl von mir sein, eigentlich laufen hier immer noch in der überwiegenden Mehrheit Männer rum, die nichts, aber auch gar nichts begriffen haben. Die Frauen immer noch als eine Mischung aus Sexobjekt,  Mensch zweiter Klasse und nicht so stark, so leistungsfähig, so zielstrebig wie Männer sehen.

Bullshit, aber leider Bullshit, der meiner Ansicht nach hinter verschlossenen Türen, unter „uns Männern“ immer noch eher der Alltag in den Köpfen ist. Und ich glaube nicht wirklich, dass da was besseres nach wächst. Wer immer noch mit Männlichkeitssymbolen protzen muss, wer immer noch, so Frauen nicht anwesend sind,  über deren Aussehen, deren F***kbarkeit diskutiert, während er nach außen hin scheinbar der emanzipierte Mann zu sein vorgibt, sorry, von dem erwarte ich nicht, dass er auf der Frauen Stimme hört.

Was mich aber noch mehr frustiert. Warum  scheint es immer noch nötig zu sein, sich als Frau in Männerdomänen mit den männlichen Methodiken zu behaupten.

Ich meine damit, dass wir meiner Ansicht nach in weiten Bereichen insbesondere der Wirtschaft noch immer eine männlich geprägte Herangehensweise haben, wo es weniger um Kompetenz, um Wissen, als um  Männerfreundschaft, Machogehabe und Machtgerangel geht. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass viele unserer aktuellen wirtschaftlichen wie politischen Probleme männergemacht sind und auch bleiben werden.

Als ich mit Kristina Wilms Anfang des Jahres gegen das bayerische Psychiatriegesetz gekämpft habe und eine Petition mit auf den Weg brachte, die schliesslich maßgeblich dazu beigetragen hat, die größten Kritikpunkte zu verhindern, da wurde ich im Kampf vor allem und am Intensivsten von, na, kommt ihr drauf? Richtig, von Frauen unterstützt. Claudia Stamm von der MUT Partei, Katharina Schulze von den Grünen, selbst Kathrin Sonnenholzner von der SPD haben innerhalb weniger Tage unterstützt und den Rücken gestärkt. Der werte Herr Söder hat sich dagegen nicht mal aufraffen  können, persönlich auf wiederholte Anfragen meinerseits zu reagieren.

Und nicht zu vergessen, Kristina, die die ganze Sache erst ins Rollen brachte.

Ich weiß nicht, ob es eine stärkere soziale Ader von euch Frauen ist, oder was dahinter steckt. Aber wenn es um die wirklich wichtigen gesellschaftlichen Themen und da vor allem um für alle sinnvolle Lösungsansätze geht, dann habe ich den, wie gesagt sehr subjektiven Eindruck, dass wir Männer da eher Mist bauen.

Ja ich weiß, es gibt auch negative Beispiele im weiblichen Lager. So what? So lang wir immer noch über eine weibliche oder eine männliche Herangehensweise an unsere aktuellen Problem reden, so lange haben wir noch nicht mal im Ansatz Emanzipation erreicht. Dann haben wir nur drei Lager, die der harten Emanzipationsbefürworter (eine Minderheit), die der harten Gegner (noch eine Minderheit) und mittendrin eine Masse von Menschen, die das Ganze eigentlich nur am Rande interessiert, weil sie in einem immer noch sehr ungleichen Alltag um jeden neuen Tag kämpfen müssen.

So lange Teilzeit etwas ist, dass für Frauen für normal angenommen wird und für Männer immer noch zu oft ein Karriereknick ist, so lange Frauen nicht nur die Kinder bekommen, sondern danach auch oft quasi gezwungen sind, auf Karriere zu verzichten, weil es ja immer die Frau sein sollte, die verzichtet. So lange ist nichts passiert, was die Situation verbessert.

Okay, eigentlich müssen wir Männer endlich mal reden. Endlich mal vom hohen Chauvi Ross runterkommen und begreifen, dass es keinen Unterschied machen darf, welches Geschlecht jemand hat, wenn es um Karriere geht, wenn es um Familie geht, wenn es ums Leben geht.

Und so lange in manchen Männerköpfen die Vergewaltigung einer Frau immer noch nicht das ist, was sie ist, nämlich eine mit nichts zu verzeihende Straftat und ein Beweis für einen extrem schwachen, unethischen und unmoralischen Charakter, so lange braucht es noch den Protest. Nein heißt nein, heißt nein. Vergewaltigung ist die ekelhafteste Visualisierung männlichen Machtgrößenwahns und wird meiner Ansicht nach in den meisten Fällen nicht mal ansatzweise ausreichend bestraft.

Wir stehen nicht mitten drin in der Gleichberechtigung. Wir haben ein Feigenblatt von Zugeständnissen, das von Idioten wie einem Donald Trump und seinen Gefolgsleuten  wie Männern ähnliche charakterschwacher Gesinnung wo auch immer es geht abgeschwächt, verdreht oder den Frauen wie Männern abgesprochen wird.

Denn leider haben viele Männer offensichtlich noch nicht begriffen, dass Emanzipation eben nicht die Rechte der Frauen ÜBER die der Männer stellen will. Das sind Ansichten von extremer Art. Der Mainstream will schlicht das, was jeder vernünftige Mensch eigentlich schon längst fordern sollte. Gleiches Recht für beide Geschlechter.  Gleichen Lohn, gleiche Chancen, gleiche Wertigkeit der Kindererziehung egal ob von Mann oder Frau.

Wir kriegen in den Medien immer wieder tolle Beispiele serviert. Aber schaut mal offenen Auges und ganz ehrlich in euer Umfeld. Ist das da für die Mehrheit schon Realität? Seriously. Ich denke nein.

Wir waren schon weiter. Ganz ehrlich. Aber leider scheinen viele meiner Geschlechtsgenossen der Meinung zu sein, es würde ihrer Männlichkeit, ihrer Rolle, ihren Chancen schaden. Gut, das mit den Chancen wäre vielleicht gut, wenn nicht gelebte Emanzipation endlich mal zum männlichen Karrierenachteil verhelfen würde. Ich glaube, dann würde sich da ganz schnell was ändern. Aber so lange das Management immer noch so altherrenmännlich ist, so lange Seilschaften immer noch Männer präferieren, so lange wird sich da nicht viel tun. Dann gibt es schöne Beispiele von einzelnen weiblichen Vorstandsmitgliedern. Aber heimlich lachend werden die männlichen meist Schlipsträger in genau den gleichen chauvinistischen Denkmustern bestätigen, wie schon seit Jahrhunderten.

Es bräuchte mal einen #aufschrei, aber einen richtig lauten, der von Männern geführt wird, die die Schnauze voll davon haben, dass solch überkommene Denkmodelle auch heute noch bestand haben.

So, das musste raus. Trollt mich gerne, ist meine Meinung und ich weiß zumindest von einigen Geschlechtsgenossen, dass sie insgeheim genau so denken.