Eine Gabe, die ich oh so gerne verlieren würde, ist mein Erwarten des Schlimmsten.
Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind und Jugendlicher „Das Schlimmste“ all zu oft als gegebene Realität erlebt habe. Meine Depression und insbesondere die Angststörung sind da ebenso wenig hilfreich.
Immer, wenn ich etwas neues angehen will, etwas kaufe, tue oder erlebe, gehe ich grundsätzlich vom Schlimmstmöglichen aus. Vor allem, wenn ein Teil dieses Ereignisses aus warten besteht.
Situationen, die mit Sätzen wie „wir müssen auf das Ergebnis warten“, „das kann etwas dauern“ oder „wir bestellen das“ beginnen, sind für mich Situationen, die ich wenn möglich vermeide. Kann ich etwas nicht ganz optimal aber sofort haben, erledigen oder erleben, wähle ich die schnellere aber in meinem subjektiven Erleben schneller Variante.
Das „Jetzt“ gewinnt vor dem „Später“, das „Später vor dem „Morgen“, das „Morgen“ vor dem „nächste Woche“ und was danach folgt, hat eigentlich immer verloren.
Denn meine Angst ist sehr gut darin, mir Versagen, Enttäuschung oder nicht erreichen eines Ziels ,Wunsches oder Ereignisses vorzugaukeln.
Vermutlich habe ich zu oft erlebt, dass etwas nicht zustande kam, weil ich drauf warten sollte, nicht die Kontrolle über den Ablauf hatte oder schlicht mein Vertrauen nachhaltig enttäuscht wurde. Noch immer meide ich, oft auch aus mangelndem Vertrauen in die Aussagen anderer und leider werde ich für mein Gefühl noch viel zu oft in dem Misstrauen bestärkt.
Gleichzeitig kreisen dann aber meine Gedanken unablässig um das Erwartete oder Erwünschte. Ein Teufelskreis, aus dem ich nur schwer, meist durch etwas massiv ablenkendes komme. Als unsere Wasserzuleitung zum Haus saniert werden sollte, war das wie ein Karussell immer wieder da in meinen Gedanken, nervend, unnötig aber auch nicht stoppbar. Heute verstehe ich, dass es nichts an der Situation ändert und ich bei manchem schlicht Geduld haben muss. Aber dann kommen die Erinnerungen, die Enttäuschungen, die Lügen zurück in mein Gedächtnis und der Kreislauf der Gedanken geht wieder los.
Es wird wohl noch länger dauern, bis ich etwas angehen und dann nicht mehr drüber permanent nachdenken muss, auch wenn ich damit nichts ändere.
Wie singt Baz Luhrmann in seinem Song “ Everybody’s free — to wear sunscreen.“
„Don’t worry about the future or worry, but know that worrying is as effective as trying to solve an algebra equation by chewing bubble gum“






Endlich wieder in Präsenz, fand in diesem Jahr der 6. deutsche Patientenkongress Depression statt. Prominent moderiert von Harald Schmidt, mit ebenfalls prominenten Gästen wie Torsten Sträter. Aber es waren nicht die Promis, die mich begeistert haben sondern der riesige Zuspruch von Betroffenen und Angehörigen, Fachleuten und Medien. Die Depression als Erkrankung wird sichtbarer und damit wird es, und das ist elementar, leichter für Betroffen denn Schritt zu wagen und sich Hilfe zu suchen. Dieses Jahr war ich nur Gast, aber meine Frau durfte die Sicht der Angehörigen vertreten, eingesprungen für eine Angehörige, die aus familiären Gründen nicht konnte. Und wie ich finde, hat sie das Ganze grandios gemeistert.




Expositionstherapie. Der Fachbegriff für das, was ich in unserem Kurzurlaub anlässlich unserer Silberhochzeit gewagt habe. Eine Hängebrücke, genauer die 





das zermürbt. Wenn ich nicht mein Umfeld hätte, meine Stützen, dann würde vermutlich viel häufiger ein Aufenthalt in der Klinik nötig. Aber mein Fangnetz ist gerade in Zeiten von Corona sehr dünn. Manchmal bedrohlich dünn.