Depression: Der schwarze Hund lebt hier nicht mehr.

Es ist schwer zu beschreiben, was Depression bedeutet. Ist es ein Tal mit so steilen Wänden, dass schon die ersten Meter einen völlig erschöpfen? Ist es ein Krieg, in dem der Gegner in der Überzahl ist und mit unfairen Mitteln kämpft?

Es ist auf jeden Fall ein einsamer Ort, an dem der schwarze Hund Depression lebt. Denn niemand kann wirklich erahnen, wie sich das anfühlt, wie es das Leben beeinflusst, wenn man dort wohnt, wenn der schwarze Hund einen besucht.

Aber es gibt, so schwer, so weit, so lange der Weg dorthin auch sein mag immer auch eine versteckte Tür. Nur kostet es ungeheure Kraft, auf dem Weg dorthin all die Dämonen zu bekämpfen, die einen am Erreichen des Ausgangs hindern wollen.

Und jeder, wirklich jeder kann im schwarzen Tal Depression ein neues zuhause finden. Aber es muss kein Wohnort fürs restliche Leben sein, sofern man noch in der Lage ist, um Hilfe zu rufen. Oder, wenn man Menschen um sich hat, die sich kümmern, die nicht urteilen, nicht bewerten, sondern da sind, die so stark sind, die unerträglichen Launen, die Phasen völliger Verzweiflung mit einem zu durchwandern, und die die Hand reichen um am Ende den Weg zum versteckten Ausgang zu finden.

Ich lebte für 8 Jahre in solch einem Tal. Wobei ich immer tiefer in das Tal einzog. Wohnte ich zu Beginn noch nur am Rand, dorthin gebracht von Menschen, die mich unfair beurteilten und mein ich, mein Wesen mit Füßen traten, so war es später immer mehr ich selbst, besser gesagt mein schwarzer Hund, der zu Beginn noch eher einem Dalmatiner gleichend mich immer tiefer ins Dunkeltal zog mit jedem lichten Fleck, der auf seinem Fell verschwand.

Was mich rettete? Liebe! Bedingungslose, nicht beurteilende, aber auch nicht alles tolerierende Liebe. Und meine Kinder. Denn eines mag der Dämon im dunklen Tal nicht. Wenn Liebe und bedingungslose Zuneigung an einem Bewohner festhalten. Die helfende Hand, die nicht nach Zielen und Erreichtem fragt, die den Menschen und nicht die Leistung liebt, die kann retten.

Ich bin tief traurig über den Verlust von Robin Williams, aber ich denke auch, er hatte zumindest für die Zeit, die ihm außerhalb des tiefen Tals blieb Menschen an seiner Seite, die ihn bedingungslos liebten, die in festhielten, so lange es ging.

Das Leben im dunklen Tal ist kein Spaß, nichts, das man mit einem „nun reiß dich aber mal zusammen“ oder „schau doch, was du alles kannst und erreicht hast.“ heilen kann. Der Dämon wird den Finger in die Wunde jedes Defizits, jedes Versagens legen und es aufblähen, bis es den Himmel bedeckt und die Sonne verfinstert.

Dann aber bedarf es jener, die auch diese Defizite, dieses Versagen als Teil des zu liebenden Menschen akzeptieren. Damit werfen sie das rettende Seil, reichen die Landkarte, die den versteckten Weg aus Dunkelheit, Selbstzweifeln und Lethargie bieten.

Ihr alle dort draußen, jenseits des dunklen Tals, die ihr einem Menschen zur Seite steht, der gerade ganz tief darinnen wohnt. Ich verneige mich vor euch in Dankbarkeit, Hochachtung und Bewunderung. Denn ihr liebt wirklich und mit ein ganz klein wenig Glück rettet ihr nicht nur eine Seele, sondern ein Menschenleben. Habt Mut, habt Kraft, am Rande des Tals zu stehen und das Seil zu halten. Und wenn es euch irgendwann zu schwer erscheint, wenn es euch selbst ins Tal zu ziehen droht, dann zögert keine Sekunde, selbst nach einem rettenden Seil zu suchen. Und bietet diese gefundene Rettung dann auch dem Talbewohner an. Denn es gibt sie, es gibt viele Inseln des Lichts, die helfen können, das Seil zu halten und irgendwann den Talbewohner wieder ans Licht zu ziehen.

Einige davon findet ihr hier: http://www.depressionen-depression.net/notfaelle/notfallnummern.htm

Danke, danke allen, die verstehen, dass Depression kein Aufgeben, kein Versagen sondern der Kampf mit dem schlimmsten Dämon ist, den man sich vorstellen kann. Und allen, die mitten im Kampf sind, auch wenn ich damit wenig direkt erreichen kann. Depression ist nichts, was mit Dummheit, mit Versagen mit nicht kreativ sein zu tun hat. Im Gegenteil trifft es meist gerade jene, bei denen es am wenigsten zu erwarten ist. Das ist auch der Grund, warum Depression oft auf Unverständnis im Umfeld stößt. Weil oft die Menschen am Talrand nur die guten Seiten, die Talente und Begabungen sehen, aber nicht ins Tal blicken.

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