Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln. Ein Rant.

Der Fall Gustl Mollath sollte doch eigentlich gezeigt haben, wie gefährlich es ist, jeden Menschen mit psychischen Problemen gleich wie einen Strafverdächtigen zu behandeln.

Doch was lese ich heute in der Süddeutschen? „Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln.

Was da aber gerade in Bayern ausgedacht wird, das ist für mich ein Schritt zurück in eine eher dunkle Vergangenheit.

Die allermeisten psychisch kranken Menschen sind weder gefährlich, noch Straftäter. Wäre diese Denkweise der bayrischen Regierung logisch, müsste man ALLE Menschen als potentielle Straftäter … oh, halt… Polizeigesetz. Wir erleben in Bayern gerade, wie man durch die Hintertür einen Spitzelstaat, einen Überwachungsstaat einführt, unter dem Deckmantel, das ja nur für die Bürger zu tun.

Gerade mal vier Paragraphen befassen sich mit der Hilfe für psychisch Kranke, der ganze Rest liest sich, als wolle man jeden psychisch Kranken am liebsten wegsperren.

Schon mal darüber nachgedacht, was das für Auswirkungen auf psychisch Kranke hat? Es werden sich noch weniger Menschen Hilfe suchen, diejenigen wenigen Gefährder werden auf keinen Fall den Fehler begehen, sich behandeln zu lassen und die überwältigende Mehrheit der potentiellen Patienten wird sich zweimal überlegen, ob sie sich in die Gefahr begibt, nur weil psychisch krank aller Freiheiten beraubt zu werden.

Das sollte uns alle empören, denn so etwas stigmatisiert, gefährdet Menschenleben und schadet den Kliniken und den Therapeuten, die jetzt in die Nähe von Gefängniswärtern oder Strafverfolgern gebracht werden.

Psychisch Kranke Menschen brauchen Hilfe, jemandem, dem sie vertrauen können, nicht die Angst im Nacken, weil jemand meint, man wäre auffällig, weggesperrt zu werden. Ich hätte nie gedacht, dass wir über so etwas noch diskutieren müssen aber hier wird mit Vorurteilen und Fehleinschätzungen populistische Politik gemacht, statt da zu helfen, wo es am sinnvollsten wäre. Investitionen in Kliniken, vernünftige Gehälter für das Personal, ne, man kümmert sich um das schwächste Glied in der Kette. Bayern, mir graut vor dir.

Bei jeder Lesung, jedem Vortrag spüre ich immer wieder, wie froh Betroffene sind, da jemanden zu haben, der offen und ohne Hemmungen über die Probleme, die Herausforderungen spricht, die man als psychisch Kranker erlebt und durchleidet, bis es einem endlich besser geht. Der offene Umgang mit der Krankheit tut nicht nur mir gut. Ich erlebe das auch immer wieder in den Gesprächen mit anderen Betroffenen. Nur in Bayern werde ich wohl vom offenen Umgang damit fürderhin abraten müssen.

Ich hoffe, dieses Thema wird medial diskutiert und wir können diesen Wahnsinn bayrischer Couleur noch verindern. Hier wäre ein wichtiges Thema für Medien von Maischberger bis Stern TV. Wehret den Anfängen, bevor wir sagen müssen „History repeating“.

Und Herrn Söder und Co. empfehle ich, sich vernünftig zu informieren. Quellen gibt es genug, z.B. Sind psychisch Kranke gefährlich? (Spoiler, nein im Gegenteil)

Wer den Gesetzentwurf im Original lesen will: Bayerisches Psychiatrie Gesetz

Ich habe jetzt zusammen mit Kristina Wilms eine Petition dazu gestartet. Bitte teilen und unterzeichnen!

 

5 Gedanken zu „Bayern will psychisch Kranke wie Straftäter behandeln. Ein Rant.#8220;

  1. …und alles nur darum, weil die Geheimdienste ein Spielchen durch die Sammlung, Bearbeitung und Manipulationen mit den eigenen personenbezogenen Daten und wahren familiären Verhältnisse konstruiert haben. Man duldet das Unrecht ausschließlich aufgrund der Bewahrung der Geheimhaltung auf diese kriminelle Operation der Geheimdienste. Sie ist nicht nur rechtswidrige also, sondern gezielt konstruiert um die Ausübung der bestimmten Straftaten unter institutionellem Schutz durchzusetzen.

    Am 23. Juni 2009 lag vor mir der Gerichtsbeschluss des Amtsgerichtes Neu-Ulm vom 20.06.2009 über die weiteren Einschränkungen meiner Grundrechte.

    Ich staunte über die Erweiterung des Umfangs der bis dato nicht existenten Betreuung, was nichts anders als eine reale Aufhebung der bürgerlichen Rechtsperson bedeutete. Übrigens, es fand nie eine Betreuung statt, es war ein Fall des eindeutigen Versuches eine heimliche Zwangsbetreuung entgegen gesetzlichen Einschränkungen durchzusetzen. Damals war ich 52 und wusste überhaupt nicht dass ich betreut werden soll. Nie vorher gab es irgendwelchen Anlässe für so eine krasse Behandlung. Den Betreuer der im Gerichtsbeschluss erwähnt wird, kannte ich überhaupt nicht. Wir werden uns zwar zwischen 23.06.2009 und 07.06,2009 einmal treffen, meinerseits wurde dem Herrn T. mitgeteilt dass eine Betreuung nicht in Frage käme und meinerseits als unterstellter Unfug mit zahlreichen Rechtsverletzungen abgelehnt wird.

    Zwar war schon damals meine Behandlung durch die Gerichte und Verwaltung alles andere als gewöhnlich, dachte mir trotzdem, oder gerade deswegen, eine Aufklärung, der mir damals in wesentlichem bekannten Hintergründe meiner dauerhaften Diskriminierung musste zugelassen werden. Mit den anderen Worten, meine wirkende Grundrechte waren aus den fremden, nicht verschuldeten Gründen, entweder schwer beschädigt oder real ausgesetzt. Nicht weniger fand die Gründe für den Gerichtsbeschluss merkwürdig.

    Zu Gründen wurden das nicht existente Gutachten vom Psychiater Dr. D…….., wie die nicht existente gerichtliche Anhörung, mich als Betreuten, zugefügt. Ich habe den Sachverständigen Dr. D……. nie im Leben bis zum Empfang dieses Gerichtsbeschlusses gesehen, es fand nie ein Gutachten mit dem Dr. D…… oder einem irgendwelchen Sachverständigen statt. Ein Gerichtsbeschluss, von der öffentlichen Aufmerksamkeit gedeckt, aufgrund nicht existenten Gründe, der alle wirkende Grundrechte untersagt, ist eine ernstliche Bedrohung, viel mehr rechtlose Bestrafung und Herabwürdigung….

    mehr über den konkreten Gerichtsbeschluss, das richterliche und rechtliche Gehör wird dauerhaft ausgesetzt, die Beweise werden vernichtet, die Gutachten bestellt, wie dass das Objekt der Bearbeitung überhaupt nicht existiert. Man glaubt es darf nicht sein, es ist ausgedacht, nein es ist die tägliche laufende Realität

    https://viktorkossnachrichtendienste.wordpress.com/2017/09/12/klarer-fall-der-rechtsbeugung-gerichtsbeschluss-vom-20-06-2009/

  2. Dazu empfehle ich das Fallbeispiel aus der Süddeutschen. Die Maßnahmen, die ermöglicht werden existieren in der Form auch im Strafvollzug und aus vergangener Erfahrung ist es schon öfter passiert, dass psychisch Kranke für scheinbar gefährlich erklärt wurden. Siehe nur der Fall Mollath. Es werden eben auch ohne direkten Straftatbestand Maßnahmen ermöglicht, die man aus dem Strafvollzug kennt. Und das eigentliche Problem der mangelnden Versorgung und schlechten Bezahlung des Personals wird kaum überhaupt angegangen.
    Hier der Beitrag der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/bayern/umstrittener-gesetzentwurf-bayern-will-psychisch-kranke-wie-straftaeter-behandeln-1.3944987

  3. Ich hab den Entwurf überflogen, wo wird darin geschrieben das alle psychisch kranken wegegesperrt werden sollen?
    Soweit ich das lese steht da das gegenteil. Die Überprüfung soll verbessert werden, es soll einen Rat geben und einen Richtervorbehalt. Darüber hinaus wird auch explizit darin gesagt eine Unterbringung darf nur erfolgen,. wenn dadurch nicht andere Massnahmen gefährdet werden.

    Für mich klingt das nach einer sinnvollen Sache, dass eindeutig beschrieben wird, wann und unter welchen Umständen jemand eben nicht in den Knast gesteckt wird, wenn eine Straftat erfolgt die eventuell einer psychischen Störung geschuldet ist. So ein Gesetzt muss lang sein, das es natürlich viele Einschränkungen enthalten muss und klar machen welche Wege es gibt sich dagegen zu wehren.

    Oder übersehe ich etwas?

  4. Wohin? mit den vielen psychisch Kranken? Vier Millionen Menschen in Deutschland haben Depressionen, sind also psychisch krank. Wer hat so viel Platz sie wegzusperren. Das funktioniert logistisch und personell schon gar nicht. Und wenn man sich bei der Polizei und den Gerichten und auch bei Politikern umschaut, wo es sicherlich nicht wenige psychisch Kranke gibt… dann fangen wir doch da an.

    Das macht mich wütend.
    Heike

  5. …und demnächst wird dann auch festgelegt, was psychisch krank noch so bedeuten kann. Was soll man von den Orban-Fans denn bitte da erwarten?

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