Die KI und die Moral. Warum das nicht so einfach ist

Liest man im Moment über generative KI und LLMs (Large Language Models) bekommt man vor allem durch die Medien den Eindruck vermittelt , wir hätten es mit einer echten Intelligenz zu tun.

Sorry wenn ich jetzt enttäusche aber dem ist nicht so. Die Maschinen sind nach wie vor dumm, die Neuronalen Netze und die Algorithmen dahinter zum Maschinellen Lernen vermitteln den Eindruck, als könnten die Computer echte Antworten auf Fragen geben.

Was aber eigentlich passiert ist, dass Token (Wörter) über spezielle Algorithmen über Vektoren semantisch verknüpft werden. Das KI Modell sucht vereinfacht gesagt lediglich das nächste plausibelste Wort. Es erzeugt also Wortketten, die dann durch die schiere Grösse der Modelle und der neuronalen Netze einen sinnvollen Zusammenhang geben (meist, wenn die generative KI nicht gerade halluziniert, also die falschen Worte für die plausibelsten hält).

Spätestens jetzt kommt Ethik mit ins Spiel. Beim Training der Netze gibt es einiges an ethischen Fragen. Welche Quellen verwende ich? Vieles an Trainingsmaterial kommt aus dem Internet. Zapfe ich jetzt zum Beispiel X, the platform formerly know as Twitter, an kann es sehr schnell zu einem Bias, einer falschen Gewichtung auf rechtes Gedankengut kommen. Ebenso wichtig ist die Erstellung qualitativer Prompts (quasi Anweisungen an das Modell) um gute und passende Ergebnisse zu erhalten.

Was ist mit Copyright bei entsprechenden Datenquellen? Wie vermeide ich Deepfakes bzw. welche Wege gibt es, hier algorithmisch einzugreifen? Was ist mit Datenschutz? Wer ist hier der Ansprechpartner bei Verstössen?

Das neuronale Netz interessiert sich aber nicht für solche Fragen, es ist letztlich auch nur ein Algorithmus. Gravierender vielleicht noch bei Bildern oder Filmen, bei denen scheinbare Wahrheiten generiert werden, die aber rein dem Verrauschen und Entrauschen von einer Unmenge von Vorlagen entsprungen sind.

Wer aber ist hier verantwortlich, wer überprüft die Validität der Ausgaben. Bislang werden viele Antworten noch von Hand von Menschen geprüft. Je mehr aber generative KI zum Einsatz kommt, um so eher wird auch diese Prüfung automatisiert.  Das aber birgt einige Gefahren. Es kann erneut eine falsche Gewichtung passieren oder durch unwissentliches Anlernen einer generativen KI mit vonEin Schreibtisch mit diversen Notebooks anderen generativen Systemen erzeugten Daten verdummen die Modelle wieder. Und warum genau ein System eine bestimmte Antwort gibt, ist nicht entschlüsselbar, da die Lernalgorithmen neuronaler Netze diese Information in einer gigantischen Menge verknüpfter Neuronen und deren Gewichtung verschlüsseln.

Wir sind an einem Wendepunkt, wo KI zum ersten Mal in großem Maßstab genutzt und gesellschaftlich akzeptiert wird. Insofern ist ein Diskurs über eine Ethik der KI, einen Codex für das Training und die Verwendung von KI Systemen notwendig. Erste Ansätze sind in der EU mit der KI-Verordnung und in anderen Ländern zu erkennen.

Letztlich braucht es eine feine Balance von Regulierung der Technologie und Ermöglichen, sich weiter zu entwickeln. Insofern halte ich einen beständigen Diskurs parallel zur technologischen Weiterentwicklung generativer KI für dringend angeraten. Wichtig hier die Teilnahme verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, bis hin zum einzelnen Bürger selbst.

Ich erinnere mich gut an die Kontroversen zu meiner Studienzeit, als Neuronale Netze erstmal als neues Konzept (Stichwort „Weiche KI“)  in meinem KI Studium aufkamen. Aber schon 1994, als ich meinen Abschluss machte, war abzusehen, dass hier ganz neue ethisch-moralische Fragen im Entstehen waren.

Es bleibt spannend. Die Technologie der generativen KI hat viel Potential. Es ist dennoch notwendig, einen Diskurs jenseits der technischen Grundlagen über soziale und gesellschaftlich-politische Aspekte zu führen. Dies vor allem begleitend, nicht nur punktuell um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, was letztlich auch der Akzeptanz und Qualität der generativen Systeme zu Gute kommt.

Der Diskurs ist alleine deshalb schon wichtig, weil populistische Ablehnung oder Profilierung auf Kosten der Forschung nicht nur Deutschland als Wissenschafts- und Forschungsstandort schaden. Wenn hier zu viel reguliert wird, kann das auch die Wirtschaft ins Hintertreffen bringen, ebenso aber auch Ablehnung durch Uninformiertheit über Risiken UND Chancen. Gerade z.B.  in der Medizin kann hier ein Quantensprung entstehen auf Grund völlig neuer Möglichkeiten durch KI als Werkzeug.

Letztlich trifft nach wie vor das alte Gedankenexperiment zu, dass wir in Diskussionen schon damals im Studium vorbrachten.

Ein Messer kann ich zum Brot schneiden und zum Töten eines Menschen verwenden. Das ist aber nicht die Entscheidung des Messers sondern desjenigen, der es nutzt.

Ich hab mal ne KI gefragt: Geschichte der KI seit 1990

Mal ein Test mit Copilot von Microsoft

Prompt war: Schreib mir einen Blogbeitrag über die Entwicklung der KI seit 1990 mit Bezug auf mein Studium der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz

Das war die Antwort:

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz seit 1990: Ein Blick auf Computerlinguistik und KI

Die letzten Jahrzehnte haben eine bemerkenswerte Entwicklung in der Künstlichen Intelligenz (KI) erlebt. Diese Fortschritte sind besonders relevant für Studierende der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz, da sie die Grundlage für viele der heutigen Technologien und Anwendungen bilden.

Die 1990er Jahre: Der Beginn des maschinellen Lernens

In den 1990er Jahren begann die Ära des maschinellen Lernens. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Daten und der Verbesserung der Rechenleistung konnten Algorithmen entwickelt werden, die aus Daten lernen und Muster erkennen konnten1. Dies war ein entscheidender Schritt, da es den Weg für viele der heutigen KI-Technologien ebnete.

Die 2000er Jahre: Der Aufstieg des Internets und Big Data

Mit dem Aufstieg des Internets und der Verbreitung von Big Data in den 2000er Jahren wurden die Möglichkeiten für KI-Anwendungen erheblich erweitert. Große Datenmengen ermöglichten es, komplexere Modelle zu trainieren und genauere Vorhersagen zu treffen1. Für Studierende der Computerlinguistik bedeutete dies, dass sie Zugang zu riesigen Textkorpora hatten, die für die Entwicklung und das Training von Sprachmodellen genutzt werden konnten.

Die 2010er Jahre: Deep Learning und neuronale Netze

Die 2010er Jahre waren geprägt von Durchbrüchen im Bereich des Deep Learning und der neuronalen Netze. Diese Technologien ermöglichten es, sehr komplexe Muster in Daten zu erkennen und führten zu bedeutenden Fortschritten in Bereichen wie Bild- und Spracherkennung1. Für Computerlinguisten bedeutete dies, dass sie nun in der Lage waren, leistungsfähige Sprachmodelle zu entwickeln, die in Anwendungen wie maschineller Übersetzung, Spracherkennung und Textgenerierung eingesetzt werden konnten.

Die 2020er Jahre: KI im Alltag

Heute ist KI in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens präsent, von autonomen Fahrzeugen über personalisierte Gesundheitsversorgung bis hin zu intelligenten persönlichen Assistenten1. Für Studierende der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz bietet dies eine Vielzahl von Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten in realen Anwendungen zu testen und weiterzuentwickeln. Die Integration von KI in verschiedene Branchen zeigt, wie wichtig interdisziplinäre Ansätze sind, bei denen Sprachwissenschaft, Informatik und maschinelles Lernen zusammenkommen.

Fazit

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz seit den 1990er Jahren hat die Art und Weise, wie wir mit Technologie interagieren, revolutioniert. Für Studierende der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz bietet diese Entwicklung eine spannende Gelegenheit, an der Spitze dieser technologischen Revolution zu stehen und die Zukunft der KI mitzugestalten.

Welche Aspekte der KI-Entwicklung interessieren dich besonders

 

Fazit von mir: Nun ja, eher sehr oberflächlich.

Blogparade: Digitale Heimat

Alex Schnapper, ein guter Freund von mir, den ich sozial medial zuerst kennengelernt habe, hat eine Blogparade „Verlust der digitalen Heimat“ gestartet, eine Frage, die ich mir in den letzten Monaten oft gestellt habe und da ich auf dem Barcamp Stuttgart dieses Jahr endlich wieder dabei war (für mich DAS Barcamp, das mich an die Idee herangeführt hat), wo ich eine Session anbot mit dem Titel „Ist Social Media tot oder riecht es nur schlecht?“ Hubert Mayer, der mit einer ähnlichen Fragestellung am Start war, schlug vor, wir machen das gemeinsam, was zu einer sehr spannenden Session führte, deren Fazit war in etwa: Nicht ganz tot, aber es zerfleddert gerade und es gibt keine zentrale Plattform wie es Twitter einst für viele von uns war.

Digital war ich schon seit meiner Jugend. Mit dem VC20 fing es an, ich verkaufte eigene Programme in Computerzeitungen (damals tippte man Code noch ab um an neue Software zu kommen). Damit finanzierte ich meinen ersten AMIGA. Nach einer kurzen Phase an einer Berufsakademie, die so gar nicht meins war, hab ich dann in Osnabrück Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert. Zu der Zeit begann es gerade mit dem World Wide Web (nein, das Internet ist viel älter) und ich stürzte mich voll Enthusiasmus ins Aufbauen von Webservern und die Webseitenerstellung.  Dort gab es auch erste Chatsysteme am Großrechner und Bulletin Boards. Als ich dann ein Forschungsstipendium bei der IBM bekam, war klar, wohin die Reise geht. KI und World Wide Web.

Und als Plattformen wie Twitter und Facebook beliebt wurden, war ich stets Early Adopter. (Tipp am Rande. Early Adopter ist ne spannende Sache, aber von allem, was neu erscheint ist es sinnvoll, die erste „Runde“ zu ignorieren, das spart viel Zeit und Nerven)

Den Großteil meiner Follower bekam ich durch #zensursula und den damaligen Plan von Netzsperren und durch meinen Aufenthalt in psychiatrischen Kliniken nach einem Suizidversuch und der darauf folgenden Diagnose: Schwere wiederkehrende Depression und generalisierte Angststörung.

Aus den Tweets von damals unter dem Hashtag #ausderklapse ein sehr erfolgreiches Buch bei Bastei Lübbe (Depression abzugeben) und ich konnte dank eines sehr erweiterten Followerkreises an Aufklärung über Mentale Gesundheit arbeiten.

Dann kam Elon und damit das Ende von Twitter. Nicht nur der Name änderte sich zu X (ein überaus dämlicher Name wie ich finde) sondern auch das früher schon oft flache Niveau wurde zu einer Kakophonie von rechtem Müll, Pornbots und Schwurblern.  Letztlich bin ich nur noch auf X , damit niemand anderes meinen Twitternick für rechten Blödsinn missbrauchen kann.

Nach einigen Experimenten mit Bluesky (zu nieschig für mich) und Mastodon (einfach nicht mein Ding) bin ich nun bei Threads gelandet, wo ich schnell eine sympathische Mental Health und Programmier/KI Community fand.  Aber damit gehen mir über 5000 Follower verloren und  bei Threads baut sich die Community gerade erst wieder auf.

Für mich ist Social Media nicht tot aber in einer Schockstarre. Ich bin in anderen Themen aktiv. Nach langer Abstinenz code ich wieder zum Thema KI und bin dadurch und durch die Nutzung der Plattform durch meine Kinder bei Discord sehr viel aktiver.  Facebook und Instagram bespiele ich zwar, lese da aber eher selten.

Social Media ist im Moment immer noch in einer Schockstarre und ich wieder auf historischen Pfaden unterwegs, nachdem ich ja bereits vor über 30 Jahren KI studiert habe und die aktuelle Entwicklung mich sehr fasziniert, weil während meines Studiums damals die Grundlagen für das gelegt wurden, was heute als generative KI bekannt ist.

Bislang fühle ich mich auf Threads ganz wohl, wenn auch die Lust aufs Posten sich eher reduziert hat. Aber immerhin laufen Diskussionen (noch) sehr viel kultivierter auf Threads aber irgendwie ist die Luft raus. Dafür belebt sich mein Blog wieder, was ich leider habe viel zu lange brach liegen lassen mit nur spärlichen Beiträgen und dann zu monothematisch.

Ja, wenn ich es genau betrachte, ich habe meine digitale Heimat verloren. Ob das schlecht ist? Schade ist es, Discord, Threads und Softwareentwicklung gleichen da viel aus, aber es fühlt sich merkwürdig an. Social Media riecht für mich gerade sehr schlecht. Und ich fürchte, wir sind damit durch, dank zu viel Werbung, Influencergebläsen und rechtem/Schwurblerzeug.

Immerhin bin ich wieder zu meinen Wurzeln als KI Forscher und Softwareentwickler zurückgekehrt. Man ist nie zu alt fürs Coden und fürs Forschen schon zweimal nicht. Und Wissenschaftler verlernt man nicht, das ist Teil der eigenen DNA.

Und was besonders schön ist: Meine Söhne haben sich beide entschlossen, das zu machen, was immer schon meine Leidenschaft war und ist. Sie studieren Informatik und dort mit Fokus auf KI. Und das fast ganz ohne mein Zutun.

Die Stimmen der anderen

Rückblickend war er einfach ein A…… . Damals aber mein direkter Vorgesetzter. Und der, der die Lawine der Selbstzweifel, der Angst, des Lebens für die Erwartungen und Wünsche anderer angestossen und mich auf den Weg in den Abgrund geführt hat. „Sie arbeiten nicht, sie spielen zu viel und organisieren sich schlecht“ (War Bullshit, ich nutzte damals schon digitale Kalender, das konnte der Typ aber nicht sehen….oder verstehen). Er hat viel damit kaputt gemacht, das auch Stellen oder Arbeitgeberwechsel nicht mehr heilen konnten. Dieser Mensch hat mich geradewegs Richtung Suizidversuch und Angststörung/Depression geführt. Denn damit begann das unmögliche Streben nach Perfektion. Und als ich ihn später nochmal traf, merkte man mit jedem Satz, den er plapperte, dass er nichts, aber auch gar nichts begriffen hat.

Meine Kreativität, die Lust an IT und Softwareentwicklung hat er damals nachhaltig beschädigt. Erst jetzt, mittlerweile knapp 20 Jahre später erkenne ich das ganze Ausmaß der Zerstörung, das er hinterlassen hat. Und es wird noch Jahre dauern, die Zerstörung halbwegs zu beseitigen. Aber jetzt bin ich auf dem Weg. Und was ich gelernt habe. Gebt nichts auf die Meinung anderer von euch. Sein beschissenster Satz in diesem Tribunal damals war: „Da ist wohl das Fremdbild von Ihnen genauer als das Selbstbild“ . Maul halten, setzen sechs. Der hatte und hat keine Ahnung.

Bleibt euch treu und denkt dran. Vieles, was uns passiert ist in der zeitlichen Nähe ein Drama, aus der Distanz aber eine Komödie.

Gut eine sehr schwarze bei mir aber langsam gelingt das Lachen darüber.

Solange wir dafür leben, besser zu sein als jemand anders, leben wir ein fremdes Leben. Der einzige, mit dem ich konkurriere ist mein vergangenes Ich. Demgegenüber will ich besser werden. Und ihm gleichzeitig sagen. Alles gut, du bist richtig, genau so wie du bist.

Zwischenzeitlich wechselten merhfach die Vorgesetzten. Die Arbeitsstelle, die Freude am Leben.

Heute geht es mir wieder besser. Gut wäre gelogen. Immerhin bin ich (ein Jugendtraum) Buchautor eines Erfolgsbuchs und finde gerade wieder zu meinen Wurzeln als Softwareentwickler und IT Geek zurück. Fast zu spät. Aber nur fast. Aber ich weiß nicht, was ohne meine wunderbare Familie passiert wäre. Danke euch allen, das ihr das Kerzenlicht im Fenster wart, das Rettungsseil, der Anker. DANKE!

Fremdbild ist Bullshit. Basta.

 

Bin ich wieder da oder war ich nie weg?

Ich schreibe diese Zeilen auf meinem neuen Entwickler-Notebook. JA, Entwickler.  Rückblickend war ich immer schon Entwickler und nach DEM Ereignis habe ich mir zum Teil selbst eingeredet, ich wäre dafür nicht geeignet, nicht gut genug. Aber wahrscheinlich war das das Dilemma, das mich hat all die letzten Jahre nie ganz ich sein lassen.

Es fehlte ein Teil, ein bedeutsamer Teil. Software zu entwickeln, neue Programmiersprachen lernen, neue Technologien. Verdammt, ich habe schliesslich mit großer Freude Computerlinguistik, Künstliche Intelligenz und Informatik studiert.

Weil meine Jungs jetzt beide Informatik studieren, weil ich immer mehr unruhig wurde und etwas fehlte kam erstaunlicherweise die Familie auf die Idee, ich solle doch wieder mit dem Programmieren anfangen.

Assembler, C(++#) , Pascal, Modula, Java, PHP, Perl, Basic, Lisp, Prolog, Forth, Javascript, HTML, XML, CSS und noch einige mehr an Sprachen habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet. Und da werde ich anknüpfen.

Momentan stehen auf meiner Agenda Python, Kotlin und Rust. Mal sehen, was noch kommt. Auf jeden Fall wieder etwas mit (generativer) KI.

Der echte Uwe ist wieder zurück. Eigentlich war er ja nie fort.

Und vielleicht mache ich die Technologie Sparte hier im Blog wieder auf. Genug Themen habe ich allemal.

Es grüsst der Softwareentwickler und KI Begeisterte.

Wir coden uns.

Das Unfallparadoxon

Im letzen Blogbeitrag habe ich ja berichtet, dass sich meine Haltung durch den Unfall und den Klinikaufenthalt sehr verändert. Nun nähert sich langsam der Termin, an dem ich wieder arbeiten gehen könnte und schon steigt die altbekannte Panik in mir auf. Ich kann sie zwar eindämmen, ärgere mich aber über mich selbst, dass so einfach die Kontrolle über meine Emotionen wieder verloren gehen kann. Resilienz sieht anders aus.

Jetzt stellt sich mir die Frage, was passiert hier gerade? Warum ich so viel gelassener in der Klinik und die ersten Wochen zuhause war, hängt sicher mit dem Unfall an sich und dessen Schwere zusammen. Es hätte durchaus sehr viel schlimmer ausgehen können. Der Bruch war schmerzhaft und der zweiwöchige Aufenthalt im Krankenhaus ein heftiger Einschnitt.  Meine Gedanken kreisten um Themen rund um den Unfall. Es ging eigentlich immer Tag für Tag und wenn es etwas zu erledigen kalt, war ich froh, wenns gemacht war und verschwendete keinen Gedanken mehr daran. Bis etwa vor zwei Wochen.

Da wurde mir wohl bewußt, dass die „freie Zeit“ der Heilung bald zu Ende sein würde. Dass ich dann überhaupt nicht wusste, wie es weitergehen würde und alle Fragen Richtung Arzt, Fachleute, Arbeitgeber mit den Worten „warten wir erst mal den Arzttermin ab“ endeten.

Das war natürlich nicht gut für mein Mindset. Sofort kickte wieder die Angst und Depression. Zudem ging mir dann eine wichtige App flöten, so dass ich eine neue Freschaltung anfordern musste (Banking) und auch hier natürlich wieder viele was wäre wenn Gedanken. Das Kribbeln der Panik, die Gedankenkreise, alles wieder da. Nicht ganz so stark wie früher aber störend.

Im Moment versuche ich, das Ganze über rationale Gedanken, Ablenkung und eben auch das Schreiben auf Social Media und hier wieder einzudämmen. Aktuell lassen mich die kreisenden Gedanken in Ruhe, aber ich habe gemerkt wie brüchig der Friede mit meiner Angsttörung und der Depression ist. Es bleibt ein Kampf, der nur in ganz kleinen Schritten oder durch lebensbedrohliches oder zumindest einschneidendes an Ereignissen kurz stillgelegt wird. Also heißt es weiter kämpfen, resilienter werden, im jetzt zu leben versuchen, denn weder Vergangenheit noch Zukunft können wir direkt beeinflußen. Es küt wie es küt sagt der Kölner so schön. Ja, aber… sagt mein terrorisierter Verstand…

Seltsame Heilung

Warum sich etwas verändert hat, kann ich nicht genau sagen. Wodurch, nun, ich habe eine Vermutung. Der durchaus schlimmere Ausgang meines Unfalls hat vielleicht meine Sicht auf die Dinge, die ich für wichtig halte, zurecht gerückt.

 

Mir ist mittlerweile klar, dass viele Traumata aus meiner Kindheit auch den 56 jährigen Uwe noch belasten. Mangelnde Liebe, Zuneigung, einfach da sein. Psychische Gewalt, die das Leben als Kind zu einem andauernden Angstzustand gemacht haben.

 

Das legst du nicht mal so einfach ab. Daran arbeitest du dich ein Leben lang ab. Aber wenn du Glück hast, gibt es Ereignisse oder Begegnungen, die dir den Weg weisen.

Mental war ich bislang immer auf Alarmbereitschaft, was denken die anderen, was könnte passieren, was muss ich tun, um sicher zu sein. Sicherheit war und ist für mich extrem wichtig, weil ich sie als Kind absolut nicht gespürt habe, nicht zuhause und schon gar nicht in der Schule, wo ich als Linkshänder mit Segelohren und einer Körpergrösse von 1.96m Standardziel für Mobbing war.

Alles Dinge, die geschehen sind und die vielleicht verdrängt aber nicht vergessen sind. Und dann sind da die Momente wie der Unfall, die dich komplett aus der Bahn werfen, die deine Gedankenkreise zerbersten lassen.

Noch bin ich nicht komplett geheilt entlassen. Noch muss ich mich schonen und habe eigentlich viel zu viel Zeit zum Grübeln. Aber die Grübelein sind viel seltener. Das Alter als Grund, ich denke nicht. Es ist vielleicht eher das Bewußtsein, dass das hätte sehr böse enden können und ich abwägen muss, wofür ich meine Energie aufwende. Rückblickend viel zu oft für falsche Ziele, für die Sicht anderer auf mich, aus der Sorge heraus, was andere über mich denken könnten.

Vielleicht hatte ich in den zwei Wochen Krankenhausaufenthalt auch die Distanz zu meinem „normalen“ Alltag, um erkennen zu können, wer wirklich zählt. Besuch bekam ich fast ausschliesslich von meiner Familie. Meine Frau war jeden Tag zumindest kurz da. Was im Beruf passiert, was ich sonst für Sorgen hatte, die waren alle plötzlich weg. Teils der Schmerzen wegen aber auch, weil mir einer meiner eigenen Kernsätze auf Vorträgen und Lesungen wieder in den Sinn kam. „Ich wünschte, ich hätte ein gebrochenes Bein gehabt, statt einer psychischen Krankheit“. Jetzt hatte ich genau das. Und ja, da konnten die Ärzte aktiv helfen.

Was aber nach wie vor galt, und das ist der zweite Teil der Aussage: Eine psychische Krankheit kann nur ich selbst verändern. Denn im Gegensatz zu einem gebrochenen Bein kann kein Arzt mal eben in meinen Kopf greifen und meine Depression, meine Ängste reparieren oder entfernen. Das kann vermutlich nicht mal ich. Aber ich kann verändern, anders betrachten, anders agieren.

Und das war und ist die Veränderung, die ich gerade spüre. Geänderte Prioritäten, anderer Umgang mit dem, der ich bin. Akzeptanz und der Wille, weiter an mir zu arbeiten sind so stark wie lange nicht. Und das spüre ich jeden Tag, den ich hier zuhause verbringe. Es tut sich was, viele zu spät eigentlich. Aber das ist auch etwas, dass ich abzulegen bereit bin. Vergangenheit ist nicht real, Zukunft ist nicht real. Die einzige Realität ist die Gegenwart und so versuche ich jetzt endlich auch zu leben. Von Tag zu Tag. Nur das jetzt als bedenkenswert erachten. Fokus auf das, was gut ist und verändern, was noch schlecht ist.

Rückblickend auf diesen Text lese ich viel, was so mancher als Klischee oder „zu einfach gedacht“ abtun wird. Aber das ist ja oft das Dilemma. Was zu tun ist, ist klar. Aber Depression und Angst lähmen so sehr, dass die Schritte unmöglich sind. Vielleicht war der Unfall der Cut, den ich brauchte, um auf den richtigen, den weniger begangenen Pfad zu gelangen. Und hoffentlich bin ich schon weit genug gelaufen, damit eine Umkehr nicht nur nicht mehr sinnvoll sondern positiv unmöglich ist.

Seltsame Heilung…

Der Unfall

Der Graben quer über die Straße war frisch ausgehoben worden. Metallplatten überdeckten die Mulde, damit Autos und eben auch ich mit meinem Fahrrad dennoch die Straße nutzen konnten. Fatal, vor und nach der Metallplatte war Schotter gestreut, um die Kante abzuschwächen. Uwe sitzt im Rollstuhl und hat eine Katze auf dem Schoss.Etwas von diesem Schotter war aber mittlerweile auf die Platten gerutscht und mein Rad rutschte genau wegen dieses Schotters weg. Ich konnte es wieder einfangen aber nicht mehr der Warnbarke ausweichen, die auf der Straße in der Kurve vor der Baustelle warnen sollte. Trotz Vollbremsung prallte ich auf die Barke, stürzte und blieb mit Acetabulumfraktur und Radiusköpfchenfraktur sowie disloziertem Finger liegen. Oder übersetzt: Aua, Mist, Hüftschale gebrochen und viel Schmerz.

Gott sei Dank hatte der Hausmeister eines in Sichtweite gelegenen Altenheims alles beobachtet, half mir und benachrichtigte einen Krankenwagen. Damit landete ich erst mal für die nächsten zwei Wochen im Krankenhaus, wo meine Wunden versorgt und der Hüftbruch operiert wurden.

Jetzt bin ich wieder zuhause, mit Rollstuhl und Achselkrücken, da ich mein Bein erst mal 6 Wochen nicht belasten darf, bzw. maximal abrollen. Und man merkt sehr schnell, wie die Muskeln abbauen, wenn sie nicht genutzt werden.

Das überraschende an der ganzen Geschichte. Mir geht es mental so gut wie schon lange nicht mehr. Und das, obwohl ich im Moment weder mein Antidepressivum noch meine Angstmedikation einnehme. Aber vielleicht ist es einfach das Bewusstsein, dass das Ganze hätte viel schlimmer enden können.

Alles wird mehr oder weniger gut verheilen, es braucht Zeit, viel Zeit aber dann geht vieles wieder alleine und ich h Uwe steht vor der Kamera auf Achselkrücke gestütztätte durchaus viel schlimmere Verletzungen davon tragen können. Man sagt, es gibt Ereignisse, die führen einem vor Augen, was  wirklich wichtig ist.

Dieser Unfall war so ein Ereignis für mich. Ich habe bereits einiges geändert und werde noch einiges ändern. Den Uwe vor dem Unfall gibt es nicht mehr und wird es auch nicht mehr geben.

Eine Sache hat mich dann doch etwas negativ berührt. Virtuell habe ich wohl einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Aber real war außer der Familie nur ein ehemaliger Arbeitskollege da und hat mich besucht, da er gerade in der Nähe in einem Pflegeheim war.

Ich muss wieder realer werden, virtuelle Freundschaften sind wertvoll aber ich habe mich in der Vergangenheit zu sehr von direkten sozialen Kontakten zurückgezogen und das muss wieder anders werden. Leider falle ich wohl noch für die eine oder andere Veranstaltung aus, aber ich werde wieder mehr raus gehen, mehr auf die ehemals so geliebten Barcamps kommen und auch sonst wieder virtuell UND real verfügbarer sein. Es hat sich schon komisch angefühlt, wenn dein Zimmernachbar, der mit dem Motorrad verunglückt war fast den ganzen Tag Besuch hat und du selbst fast ausschliesslich von der Partnerin, deren Besuch mich zwar sehr motiviert und gefreut haben, die aber den Tag nur maximal 30 Minuten bis eine Stunde ausfüllen konnten.Uwe sitzt mit geschientem Arm im Krankenhausbett

Nicht, dass mich die überwältigende Menge an Genesungswünschen nicht gefreut hätten. Genau genommen dachte ich, dass ich im virtuellen Raum als Verunglückter und Krankenhausinsasse gar nicht mehr vorkommen würde. Das Gegenteil war der Fall, der Support war groß und auch das Interesse an mir als Person und Betroffenem. Aber real, da hat halt was gefehlt. Das tat schon ein klein Bisschen weh, aber es machte mir auch sehr schnell klar, dass ich da einen bedeutenden Anteil daran hatte und habe. Corona hat es viel zu leicht gemacht, sich ins virtuelle zurückzuziehen und ich habe das definitiv übertrieben.

Jetzt heißt es erst mal ganz gesund werden, was sicher noch bis Juni dauern wird und dann gilt es, das Virtuelle wieder etwas mehr ins Reale zu transferieren. Der Mensch lebt nicht vom Netz allein.

Und ein riesengroßes Dankeschön allen, die mich im Diakoneo Klinikum so super versorgt haben. Das ganze Personal war sehr nett und ich habe mich wirklich gut versorgt gefühlt. Danke! Ihr macht einen tollen und extrem wichtigen Job!