Sind wir alle krank vor Arbeit?

lagerfeuer

Für mich die einzig akzeptable Form des „Burn Out“

Es war ein eigentlich ruhiger Sonntag, ich gab den Wahlhelfer bei der lokalen Bürgermeisterwahl. Die Gespräche kreisten um die üblichen Themen (viele davon so gar nicht mein Ding 😉 ), aber immer wieder tauchte auch wieder die eine oder andere Geschichte von jemandem auf, der jetzt früh in Rente ginge, weil er krank wäre, der mit einem Burn Out im Krankenhaus oder der Reha läge oder, das nur als extremster Fall, das Familiendrama, das plötzlich auch den Schwäbisch Hallern bewußt machte, dass familiäre Gewalt und Amokreaktionen nicht auf die „Großstadt“ beschränkt sind.

Ich frage mich, was ist da los? Was haben wir geändert, um diese Steigerung zu provozieren. Sicher, es werden wieder einige sagen, das war früher auch schon so. Aber tut mir leid, in meinem Umfeld und auch in der Erinnerung an die Art, wie meine Eltern lebten kann ich mich nicht an solch hohen Druck und so viele Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen  erinnern.

Wir wollen Spitzenleistung, besser gesagt, wir werden gewollt. Wachstum steht über allem und was heute noch Spitze ist, ist Morgen schon Durchschnitt. Aber zum einen, Spitzenleistung geht NICHT auf Dauer ohne auszubrennen. Und Warum muss es eigentlich immer 120% sein? Ich habe das am eigenen Leib schmerzhaft erfahren müssen, was passiert, wenn man von sich permanent mehr verlangt. Und diese harte Bremse, ja ich gestehe offen, es war ein Burn Out, der mich knapp 6 Monate komplett aus der Bahn warf, hat mir vor Augen geführt, dass es mehr geben muss als das Ständige höher, schneller, weiter. Wir machen damit nämlich nicht nur unser eigenes Leben, die eigene Gesundheit kaputt, wir schädigen auch diejenigen, die uns wirklich wichtig sein sollten, die uns nicht für unsere Arbeit schätzen sondern einfach nur weil wir sind.

Aber es scheint Hoffnung zu geben. Zum einen Dank demographischen Wandels, zum anderen die sogenannte Generation Y, die laut eines Artikels in der Zeit offensichtlich andere Wertemodelle hat als alles der Karriere zu opfern und die, eben dank demographischen Wandels plötzlich auf Arbeitgeber trifft, die nach der raren Ressource Fachkraft suchen.

Es wäre wirklich zu wünschen, dass eine stärkere Balance zwischen Privat und Beruf Realität wird. Dann wären viele gesellschaftliche Veränderungen, die sich Medien und Politik so sehr herbeiwünschen wirklich möglich. Vielleicht nicht so wirtschaftsorientiert, wie es die Politik und die Manager wollen. Aber sicherlich gesünder für uns alle.

Oder wollen wir wirklich alle auf unserem Grabstein lesen: Er starb alleine, aber er hat sich erfolgreich zu tode gearbeitet.

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