Vom Zwang des Online seins. Gibt es auch gute Gründe, offline zu gehen?

Immer mehr Dienste spriessen aus dem Boden, immer mehr Location based Services bieten sich an, um mir Zusatznutzen zu bieten. Klar, die webaffinen Bekannten und Kollegen nutzen viele dieser Dienste, aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, wir geraten wieder in eine „wenns alle cool finden, dann ich auch“ Spirale, wie schon bei der DotCom Blase.
Auch heute gilt, wir sollten nicht unreflektiert alles neue adaptieren und jedem neuen Hype hinterherlaufen.
Zur Zeit beobachte ich recht kritsch die Dienste im Stile von Gowalla und Foursquare. Ich nutze sie, weil ich mich über die Technik informieren will. Aber bislang erschliesst sich mir hier weder ein Mehrwert, noch ein dezidierter Nutzen. Die meisten Bekannten, mit denen ich mich treffen will, vereinbaren mit mir im Vorfeld ein Treffen, viele derer, die ich auf der Freundesliste habe leben so weit von mir entfernt, dass die Chance auf eine spontane Begegnung via Gowalla oder Foursquare gen null strebt.

Was mir im Moment ein bisschen fehlt ist das reflektierte Beobachten und auch das Bewusstsein, dass Online sein nicht in sich selbst sinnvoll ist. Miriam Meckel beschreibt das in ihrem Buch „Das Glück der Unerreichbarkeit“. Denn und das habe ich ja auch schon in einem anderen Artikel reflektiert: Die neuen Techniken und Möglichkeiten sollen uns das Leben erleichtern. Wenn die Nutzung selbst zum Stressfaktor wird, sollte man sein Verhalten überdenken. Technik sollte im Idealfall Arbeit abnehmen und das Leben vereinfachen. Wenn ich mich, vor einem Lokal oder dem Bahnhof stehend erst in 5 Dienste einchecken muss um up to date zu sein, dann läuft da was falsch.
Dieses Jahr werde ich persönlich mal das Experiment offline für unseren Jahresurlaub wagen und mich zwei Wochen aus dem Netz verabschieden. Nicht weil wir wegfahren, sondern um einfach mal Urlaub vom Netz zu machen 😉

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