Die Angst, etwas verpasst zu haben. Meine ganz persönliche Midlifecrisis

Mit Ängsten kenne ich mich aus. Nach einem halben Jahr in der Psychiatrie und einer zweiten angstgestörten Runde in der Tagesklinik kenne ich meine Angst. Aber wie das so ist, gerade meint man, jemand kennengelernt zu haben, da eröffnen sich ganz neue Seiten.

Vielleicht liegt es auch einfach am Alter. Ja, ein Klischee, aber bei mir fing es tatsächlich gefühlt mit dem 50. Geburtstag an. Und mit der Furcht, etwas nachhaltig kaputt gemacht zu haben. Durch die Krankheit, durch den Suizidversuch, durch die Angst und die Angst vor der Angst.

Sicher haben viele mir gesagt, du kannst die Vergangenheit nicht mehr rückgängig machen, du musst in die Zukunft schauen. Aber ein Teil meiner Bewältigung dessen, was ich in der Psychiatrie ausgegraben habe, ist eben die Reflektion. Ich bin jemand, der verstehen will. Vielleicht mag ich deshalb die Wissenschaft so, weil auch hier permanentes in Frage stellen ein Teil der Wissenschaftskultur ist.

Aber manche Dinge sollte man nicht hinterfragen. Nur, wie sag ichs meinem Verstand. Der findet immer irgendeinen Bezug, irgendeinen Trigger und die Gedankenspiralen fangen wieder an. Dabei gibt es gute Tage und schlechte Tage. Die guten Tage sind diejenigen, die ich nach vorne blickend verbringe. Die Tage, an denen mein Gewissen, meine hochgerüstete Sorgenfabrik mich ausnahmsweise in Ruhe lassen.

Aber dann gibt es eben auch die dunklen Tage. Die, welche mich an meinem bisherigen Leben fast verzweifeln lassen. Nicht an dem, was meine Kinder, meine Frau angeht. Viel betrauere ich dann all die verpassten Chancen, die ungenutzten Gelegenheiten, weil meine Angst mich hat den sicheren Weg wählen lassen.

Natürlich, mein Buch, mein neues Dasein als Autor. Alles tolle Veränderungen, alles Erlebnisse, die ich nicht mehr missen möchte. Aber das ist eben auch Teil der Krankheit. Dinge, die sich zum Guten wenden, redet man gerne klein, macht dafür aus Kleinigkeiten das größte Drama.

Ja, wer jetzt mit Argumenten kommt wie, du hast es doch gut, du bist bekannt, erreichst viele Menschen. Sicher, das mag wahr sein. Aber es ist in der Krise, in einer Phase der Angst schlicht nichts wert.

„Angst essen Seele auf.“ Ein Buchtitel, der viel Wahrheit beinhaltet.

Ich finde mittlerweile wieder gute Aspekte meines Lebens. Wie lange ich aber noch brauchen werde, um meine Angst endgültig im Griff zu haben. Ich weiß es nicht. Aber der Kampf lohnt sich. Schon für all die, die ich mit meiner Geschichte rechtzeitig erreichen kann, um ihnen einen früheren Ausweg zu ermöglichen oder ein Drama wie bei meiner Geschichte zu vermeiden.

Warum Angst ein schlechter Berater ist

Ich habe eine Angststörung. Noch so eine Sache, die ich lange vor mir und der Welt verheimlicht habe. Nicht, dass ich häufiger Angst hätte, als andere Menschen. Aber wenn sie kommt, dann allumfassend. Erstickend, beängstigend. Und gefühlt lebensbedrohlich.

Die Geschichten über den Ursprung kennen wir sicher alle. Angriff oder Flucht. Vor Jahrtausenden sinnvoll behindert es heutzutage in einer Zeit, da wirklich lebensbedrohliche Angstsituationen eher selten geworden sind. Der Säbelzahntiger heißt heute Straßenverkehr und bedingt eher Aufmerksamkeit und Nachdenken als einen Fluchtinstinkt. Sicher, nachts, alleine in einer schummrigen Seitenstraße mit Schritten, die einem folgen. Da wird wohl jeder ein mulmiges Gefühl bekommen. Aber das sind eher seltene Situationen.

Der gefühlten immer größer werdenden Bedrohung stehen Zahlen, Fakten, Analysen entgegen, die darlegen, dass wir selten so sicher gelebt haben, wie heute.

Mich hat die Angst aufs Dach gejagt, wollte mir einflüstern, dass ich keinen Ausweg mehr habe, dass ich wie ein in die Enge und an eine Klippe getriebenes Tier nur noch die (tödliche) Flucht durch einen Sprung als Alternative habe. Dabei habe ich sehr schnell gelernt, dass vieles, was wir als Angst erleben, eher manipulativ als real ist. Lügen über Bedrohungen. Angst vor Arbeitsplatzverlust als Managementmethode. Umgang mit Mitarbeitern wie mit kleinen Kindern, die man angeblich kontrollieren, beurteilen und ggf. bestrafen muss. Wir denken noch in vielen Bereichen neandertalerhaft. Was mir Mitpatienten in den Kliniken berichteten, ließ mich erkennen, dass wir noch weit davon entfernt sind, so etwas wie mündige Menschen zu erziehen oder auch nur zu wollen. Nicht umsonst wird immer noch gerne der Begriff der Humanressource verwendet.

Aber eins spüre ich, eins hat sich für mich geändert. Die Angst ist nicht mehr so mächtig. Seit ich weiß, wie schwach ein Mensch ist, der Kontrolle nur durch Angst erreichen kann, können mich solche Menschen nicht mehr treffen, selbst wenn sie Anwälte und Kontaktverbote auffahren.

Denn sie zeigen vor allem, wie angstgetrieben sie sind. Und wie schwach sie sind, wenn sie durch Angstszenarien Menschen kontrollieren, zu Handlungen bewegen.

Wer mit Angst operiert, mag kurzfristige Ziele erreichen, längerfristig wird er scheitern, weil niemand, der nur aus Angst handelt, von seinem eigenen Tun überzeugt ist. Und insofern erzeugt Angst Gegenreaktionen, von Ignoranz über Rache bis hin zu Verlassen werden. Angst ist ein sehr schlechter Berater. Einer, den vor allem schwache Menschen einsetzen müssen, weil sie nicht die Größe haben, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Natürlich habe ich auch weiterhin  Angst, aber ich kann sie erkennen und durchschauen. Und damit nehme ich ihr viel von ihrem Schrecken. Und ein bisschen Angst ist weiterhin wichtig. Aber Angst als Machtinstrument ist etwas, das nur schwache Menschen brauchen, um andere zu lenken.

„Politik machen: den Leuten so viel Angst einjagen, dass ihnen jede Lösung recht ist.“

Wolfram Weidner

 

„Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.“

Marie Curie

 

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“

Franklin D. Roosevelt

Alleine mit meinen Gedanken

Wenn ich beantworten müsste, wo die gefährlichsten Monster lauern, wo der schwarze Hund am lautesten bellt, wäre die korrekte Antwort: Stets, wenn ich alleine bin, in der Stille und der Unbeweglichkeit des Moments gefangen. Es kann ein einsamer Abend in irgendeinem Hotel in irgendeiner Stadt sein. Ein einsamer Nachmittag zuhause, wo um mich geschäftige Hektik herrscht aber meine Seele in sich selbst gefangen die Gedanken auf Rundreise durch das schwarze Loch meiner Depression schickt. Oft werde ich gefragt, wie sich das anfühlt, ob es mit irgendwas vergleichbar ist.

Dann wird es diffiziel, zu erklären, was ich empfinde, weil ich mir selbst darüber nicht im Klaren bin. Dann tauchen alte Gedanken auf, so alt, dass ich sie bereits in den Schubladen der ganze alten Schränke ganz hinten in meinem Gedächtnis verstaut gewähnt hatte. Oder die frischen Gedanken, ein Wirbel von Angst vor Zukunft, Abstieg, Abgrund.

Zu anderer Zeit ist es wiederum ein Wort, ein Satz, unbedacht ausgesprochen, unüberlegt von jemandem, der über mein Bestes und dessen Beschaffung Bescheid zu wissen glaubt. Dann wieder ein Bild, eine Szene, ein Geräusch, die die Kaskade schlechter Gedanken triggern können, die mich anch und nach in Richtung meines inneren Abgrunds schieben, die mir die Luft zum Atmen rauben, mich auf dem Trockenen ertrinken lassen. Diese Gedanken katapultieren mich aus Zeit und Raum, lassen mich gänzlich allein unter Menschen. Sie foltern mich mit Bildern scheinbar glückliicher Menschen, lachender Seelen, während ich an meiner eigenen Dunkelheit zu Grunde zu gehen drohe.

Dann bleibt mir oft nur der komplette Rückzug, um den einsamen Kampf gegen meinen Dämonen, die Hydra aus Angst und Depression aufzunehmen. Es gibt Menschen, die außerhalb der Schwärze warten, mein Sicherungsseil halten. Aber es ist so erschreckend dünn und die Bestie so mächtig.

Ich tick vielleicht nicht richtig, aber ich bin keine Bombe.

Viele mir nahe stehende Menschen haben schon immer gewußt, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Aber mit dem Suizidversuch scheint es plötzlich auch Menschen zu geben, die bei jeder Äußerung, die nicht abrundtief positiv ist, den Verdacht  haben, ich wolle mich vom nächsten Dach stürzen.

Dass ich weiterhin depressiv bin, hat nichts damit zu tun, dass ich suizidal wäre. Im Gegenteil. Nie war ich mir der Risiken mehr bewußt und vermeide sie, so gut es geht. Aber manchmal scheinen Menschen aus jedem „Ich will nie wieder auf dem Turm landen“ zu interpretieren, ich wolle springen. Nichts läge mir ferner. Es haben sich aus meiner Krankheit plötzlich so viele neue Chancen ergeben. Die werde ich wahr nehmen. Aber auch andere Themen weniger wichtig nehmen.

Natürlich wird auch das manchen Menschen nicht gefallen und ich werde neue Drohungen und Briefe bekommen. Aber das geht mir mittlerweile an meiner Sitzkomponente vorbei.

Ich bin nicht mehr jedermanns Liebling. Aber wie schon im Buch „Depression abzugeben“ geschrieben. Ich habe ein gehöriges Talent dafür, einmal mir zugefügte Wunden nicht mehr zu vergessen.

Man hat mich behandelt wie ein kleines Kind, wollte mir dumme Abstinenzen auferlegen oder glaubte, besser zu wissen, was für mich gut ist.

Mögen diejenigen das ruhig glauben. Deshalb muss ich mich ja nicht danach richten.

Das ist ein wichtiger Punkt. Erst wenn man sich von den Meinungen toxischer Menschen befreit, kann Genesung, kann Heilung stattfinden.

Oh, und für die Briefschreiber. Der Ordner ist noch ziemlich leer, und ich brauche noch Stoff für Band 2.

 

>>>>>>>>>>BUUUUUUUUMMMMM<<<<<<<<<<<

Das Gefühl kein Gefühl mehr haben zu dürfen

Ich bin Informatiker (glauben viele). Ein Fakt, der bei vielen Menschen, die mich kennenlernen ein Füllhorn von Klischees über mich ausschüttet. Zahlenversessen, der Logik verpflichtet, emotionaler Krüppel, künstlerisch untalentiert, gefühlskalt.

Falsch, alles falsch. Und viele davon verletzend überdies. Was in mir abläuft, wenn ich nicht die verstörende Stile der gefühlsleeren depressiven Episode verspüre, ist alles andere als gefühlskalt, oder emotional verkrüppelt. Das einzige, das sich mit der digitalen Welt des Informatikers vergleichen lässt, ist das massive Pendeln zwischen zwei Gefühlswelten. Entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt.Und genauso gehe ich mit Aufgaben, Themen um, die mich in meiner Freizeit betreffen. Entweder, ich knie mich mit ganzer Leidenschaft in eine Sache, oder ich vermeide sie so weit ich kann. (Bevor wieder bestimmte Menschen meckern oder drohen, nein, für den Beruf gilt das nicht, da bin ich sehr professionell)

Und nur weil ich beruflich ein Informatiker bin, heißt das noch lange nicht, dass mich nicht auch andere Themen reizen. Malerei, selbst erstellt oder betrachtet, lesen und vor allem kreativ schreiben. All das kann das Pendel meiner Gefühlswelt positiv ausschlagen lassen. Aber dann eben exzessiv positiv.

Wir sind so schnell dabei, Menschen in Rollen, Normen, Wertegefüge zu pressen, die uns zwar wichtig sind, dem Betroffenen aber völlig egal oder schlimmer noch eine Bürde sind.

Ja, ich würde mir wünschen, dass da noch mehr Nuancen in meinem Gefühlsempfinden wären. Aber da hat mir meine Geschichte leider einen Streich gespielt, der letztlich zu meiner Angststörung und der Depression geführt hat. Und gerade deshalb ist es für mich so wichtig, die Schubladen, die Rollenmuster und angeblichen Zwänge nicht mehr zu akzeptieren. Oder wie es jüngst ein Buchtitel ausdrückte: EINEN SCHEISS MUSS ICH!

Und übrigens. Ich bin kein Informatiker. Ich bin Autor.

Es war die Angst und nicht die Depression

Depression. Meine Diagnose. Mein persönliches Monster. So zumindest dachte ich. Einer Eingebung folgend hab ich aber Anfang des Jahres eigeninitiativ bei meinem Hausarzt nach einem angstlösenden Medikament gefragt. Schliesslich hatte mich mein Therapeut beständig auf meine Angststörung therapiert.
Tatsächlich hat es geholfen und hilft immer noch. Ich kann sagen, so angstfrei und entspannt habe ich mich noch selten gefühlt. Zumal ich parallel in einem neuen Team beginnen durfte, in dem ich mich unglaublich wohl fühle und Dinge tue, die mir Freude bereiten.

Was lerne ich daraus? Wieder mal wurde mir bewiesen, dass ich eigeninitiativ immer noch die besten Entscheidungen für mich treffe. Dass ich auf besorgte Mitmenschen, die mahnend erinnern: „Schaffst du das auch, ist das nicht zu viel?“ einfach nicht hören sollte. Das ist eigentlich schon sehr traurig, weil es mir meinen jahrelangen Eindruck bestätigt, dass ich etwas anders als der „normale Mensch“ bin. Andererseits weiß ich jetzt, dass ich Meinungen dritter gerne auch mal ignorieren darf, wenn ich dabei kein gutes Gefühl habe.

Vermutlich war das einer meiner Schlüsselfehler der Vergangenheit. Aus Angst vor Strafe oft klein beigeben und zu sehr auf andere hören, denen es eher um ihren als meinen Vorteil ging.

Fremdbild und Selbstbild. Das kann mir getrost gestohlen bleiben. Bislang haben mir Fremdbilder nur geschadet und mich beinahe umgebracht.

Ich bin so wie ich bin okay. Wer damit nicht zurecht kommt, darf das Problem gerne bei sich suchen, mich interessiert es nicht mehr.

Ich möchte diese Realität nicht

Etwas, dass man mit Depressionen oft genug hat ist Angst. Angst davor, Menschen könnten glauben, man sei nicht mehr leistungsfähig. Angst davor, man würde in die Arbeitslosigkeit abrutschen, ein Fall für Hartz IV werden, diesen Niedergang nicht mehr aushalten und doch wieder den finalen Ausweg suchen.

Es ist ja nicht so, dass nicht viele dieser Gedankengänge auf begründeten Annahmen beruhen. Aber in einem depressiven Schub verrücken hier die Wahrscheinlichkeiten. Man sieht sich schon in den nächsten Wochen  am Ende, verlassen, alleine, hoffnungs- und hilflos.

Wenn man dann einen Menschen an seiner Seite hat, leidet dieser zwangsläufig mit. Denn auch wenn jetzt manche annehmen mögen, mit jemandem, der einem die Realität vor Augen führt, wird das alles schon wieder, falsch gedacht. Man findet genug plausible Wege auf dem schlimmstmöglichen Pfad zu bleiben. Und selbst wenn man sich bewußt gemacht hat, so schlimm wird das Ganze nicht. Es bleibt ein ungutes Gefühl, ein Kribbeln, eine permanent anwesende Nervosität, die einem die Tage zur Hölle macht, weil man immer wieder in Ängste in Befürchtungen von Niedergang abrutscht und letztlich nichts genießen kann, was wiederum die Gesamtverfassung schlechter werden lässt.

Ich kenne kein probates Mittel gegen diese Ängste, außer sie auszuhalten und auf eine langsame Abnahme der Panik zu hoffen. Und ich möchte endlich wieder die optimistische Realität, die ich früher hatte. Das, was ich im Moment meine Realität nenne, gefällt mir nicht, selbst mit all den tollen TV Auftritten und dem Buch. Vergängliche Ereignisse im Blick auf die nächsten Jahre.

 

Du warst doch jetzt in Kliniken, jetzt bist du doch gesund

Nein, eben nicht. Ich bin eben nicht gesund. Ich formuliere es eher wie folgt: Ich kenne jetzt meine Krankheit, und habe sie besser, aber nicht total unter Kontrolle.

Zumal ich nicht nur eine Depression, und zwar eine chronische mit mir herumschleppe, die ich wohl schon seit Jahrzehnten habe, es gehört zur Diagnose auch noch eine generelle Angststörung, wohl auch ein „Überbleibsel“ meiner Kindheit und Jugend. Und Ängste wird man nicht so einfach los. Warum ich so offen damit umgehe hat zum Teil damit zu tun, dass ich es leid bin, mich zu verstellen und den entspannten, fröhlichen Menschen zu spielen, wenn mich meine Ängste innerlich förmlich zerfressen.

Klar, ich habe Mittel an die Hand bekommen, diese Ängste zu steuern. Und im Alltag, sei es beruflich oder privat, kann ich meist sehr gut damit umgehen. Aber es gibt Trigger, ganz bestimmte Trigger, wenn ich denen massiv ausgesetzt werde, dann entsteht instant Panik. Nicht langsam ansteigend, sondern von 0 auf 100. Und da helfen dann auch meine Tricks nichts. Da ist es besser, die Trigger zu meiden, oder sich schon zuvor intensiv darauf vorzubereiten. Aber für mich ist vor allem in depressiven Phasen vermeiden das beste.

Das ist es, warum ich öffentlich bin, warum ich über meine Krankheit spreche. Weil es noch so viel Unverständnis für psychische Krankheiten gibt. Wir sind weder gefährlich, noch unproduktiv, noch dumm.  Aber wie andere Menschen, die eine chronische Krankheit haben, müssen wir unser Leben anders arrangieren, als gesunde Menschen. Ja, ich weiß, dass meine Ängste oft irrational, übertrieben sind. Aber sie sind da und sie überrollen mich. Da ist es dann wenig hilfreich, mich mit Ratschlägen wie, du übertreibst, ist doch alles nicht so schlimm zu trösten. Doch, für mich in diesem Moment ist es schlimm. Und eigentlich will ich mit meiner Angst da nur akzeptiert werden. Weil wie meine Depression die Angst für mich spürbar und real ist. Sie geht irgendwann vorbei. Aber das dauert länger. Und in dieser Zeit ist Verständnis am hilfreichsten.

Vielleicht sollte man sich einfach vor Augen halten, dass Menschen mit psychischen Krankheiten sehr stark sind, weil sie jeden Tag den Kampf gegen die Hemmnisse durch die Krankheit aufs neue aufnehmen. Manchmal gewinnen wir, manchmal verlieren wir. Aber wir kämpfen.