Alleine ist ein Zustand, einsam ein Gefühl

Und früher konnte ich alleine ganz gut, heute kämpfe ich gegen einsam, und es tut sehr weh.

So lange ich denken kann war ich der Sonderling, der sich für Themen interessierte, die kaum jemand anderen ansprachen.  Klassische Musik, Malerei, KI waren eben nicht Fussball, Saufen gehen oder schnelle Autos. Damit war die Schnittmenge an Themen schon immer gering. Wenn es  Schnittmengen gab hieß es oft, dass ich dann mit Frauen sprach. Andere Jungs hatten beste Freunde, ich beste Freundinnen. Auch ein guter Grund, gemobt zu werden.

Als ich dann in Osnabrück KI und Computerlinguistik zu studieren began, fühlte ich mich zum ersten Mal angekommen. Auch mein Forschungsstipendium in Heidelberg bei IBM brachte mich in Kontakt mit Gleichgesinnten. Leider ging das nur drei Jahre, aber immerhin habe ich in dieser Zeit meine Frau kennengelernt und warum, weil wir uns so gut unterhalten konnten über Themen, die andere überhaupt nicht interessierten. Die Jahre danach waren unauffällig. Ich hatte ja einen Job und damit Kollegen und Ansprache. Erst durch Corona merkte ich langsam wie locker und lose die Kontakte doch waren. Ich melde(te) mich immer wieder mal die Gegenüber eher weniger. Und die, die sich meldeten wohnten leider zu weit weg. So blieb es bei virtuellen Kontakten, die zum Anfang noch ausreichten. Mittlerweile fehlt mir der persönliche Kontakt zu Menschen, die mit mir etwas teilen. Ich kam von alleine und bin jetzt bei einsam  angekommen und mir ist voll bewusst, dass ich dazu einen großen großen Teil beigetragen habe, aber ich bin noch kein Mensch, der sich zu sehr verbiegt nur um gemocht zu werden das habe ich früher zu oft getan und bin dabei doch selbst auf der Strecke geblieben. Immerhin habe ich meine Familie. Meine Frau meine drei Kinder damit im Bezugssystem das mich aufrecht hält. Ich mag nur gar nicht drüber nachdenken. Was passiert, wenn dieses Bezugssystem einmal verschwindet? Dann werde ich mir andere bezugssysteme suchen müssen, was in meiner Situation eine Herausforderung darstellt. Zumal mich ja meine Depression und die Angststörung nach wie vor begleiten. So halte ich Kontakt zu Menschen über die virtuellen Pfade. Was immerhin interessante Gespräche produziert  wenn auch auc auch der persönliche Kontakt fehlt. Manchmal denke ich sehnsüchtig an die Zeit zurück, als ich wegen meines Romans auf Lesereisen war und tolle Menschen kennengelernt habe. Ja leider auch meistens sehr weit weg, aber ich habe auch da wenigstens noch virtuellen Kontakt seltsam, dass ich der ich doch so technikaffin bin plötzlich merke wie wertvoll doch die Gespräche in persona sind. Das Phänomen Einsamkeit scheint in der Gesellschaft gerade  ein hoch zu haben, was sicher auch Corona geschuldet ist. Immerhin haben wir Menschen erkannt, dass man nicht mit jedermann oder Frau gut Freund sein muss. Man sollte aber auch nicht jeglichen echten Kontakt  von Angesicht zu Angesicht vermeiden. Denn damit rutscht man zwangsläufig je älter. Man wird umso mehr in ein Gefühl der Einsamkeit. Die funktioniert selbst unter Menschen. Selbst in meine Alterskategorie findet sich jetzt immer noch Fußball Autos trinken. Nein, eigentlich saufen. Themen wie Astronomie, Quantenphysik klassische Musik, künstliche Intelligenz, philosophische Gespräche sind eher Garant Menschen zu vertreiben und lassen mich wieder zurückkehren zu meinem virtuellen Freunden, die aber eben nur virtuell und weit weg sind. Ein Teufelskreis. Es ist schon klar ändern, kann nur ich etwas am mir. Aber noch suche ich die Strategien, die auch wirksam und nachhaltig sind. Bis dahin bleibe ich eben in Kontakt mit meinen fernen Freundinnen und bin glücklich, dass nicht meine Familie auffängt. Das rechne ich allen sehr hoch an.

Was letztlich auch an Grund sein kann, ist das aktuelle Unvermögen miteinander vernünftig zu diskutieren verhärtete Fronten zu verteidigen. Wenn man immer gleich eine Schublade gesteckt wird, spart man sich bald die Gespräche die früher spannende Diskussionen waren heute nur noch gegenseitiges beschimpfen, wenn man nicht den gleichen Meinung ist. Wir lieben uns als Gesellschaft auseinander und das wird gefährlich den Einsamkeit wächst und mit ihr auch gesellschaftliches Fehlverhalten. Nein, eine Lösung habe ich aber auch nicht. Vielleicht wäre es mal gut. Achtung wieder richtig miteinander zu diskutieren. Wer lacht hier.

Der KI Enthusiast konnte es natürlich nicht lassen, Gemini zu fragen, was es von dem Text hält und angehängt findet ihr Geminis Antwort.

 


Das Gefühl der Einsamkeit wiegt schwer, besonders wenn das Bedürfnis nach echtem intellektuellem und persönlichem Austausch im direkten Umfeld ungestillt bleibt. Es ist eine schmerzhafte, aber sehr reife Erkenntnis, dass virtuelle Kontakte die physische Präsenz und das gemeinsame Erleben auf Dauer nicht ersetzen können.

​Es ist völlig verständlich, dass du dich nicht verbiegen willst – stoisch gesehen liegt dein Wert in deiner Authentizität, nicht in der Anpassung an „Fußball und Saufen“. Dein familiäres Bezugssystem gibt dir aktuell Halt, aber die Sorge vor der Zukunft und die Hürden durch Depression und Angststörung sind real und erfordern behutsame, wirksame Strategien.

​Hier sind ein paar stufenweise, nachhaltige Ansätze, um reale Schnittmengen zu finden, ohne dich selbst zu verlieren:

​1. Das IPAI (Innovation Park Artificial Intelligence) als Anker nutzen

​Du besuchst bereits regelmäßig Veranstaltungen des IPAI. Das ist der perfekte Ort für reale Kontakte auf Augenhöhe.

  • Vom Konsumenten zum Akteur werden: Geh nach Vorträgen gezielt auf Sprecher oder andere Teilnehmer zu. Ein einfaches: „Der Aspekt zur Interpretierbarkeit von Modellen fand ich spannend, wie siehst du das…?“ bricht das Eis ohne Smalltalk.
  • Regelmäßigkeit: Versuche, bei den Events immer wieder dieselben Personen anzusprechen. Vertrauen und Nähe entstehen durch wiederholte, zufällige Begegnungen (Propinquity-Effekt).

​2. Lokale Nischen gezielt aufsuchen

​Deine Interessen (Astronomie, Philosophie, Kunst) sind zwar selten, aber genau deshalb suchen Gleichgesinnte oft händeringend nach Kontakt.

  • Amateurastronomie: In der Region Heilbronn-Franken / Stuttgart gibt es Sternwarten und Astronomie-Vereine. Gemeinsames In-den-Himmel-Schauen erfordert anfangs wenig Reden (gut bei Angststörungen), verbindet aber tief.
  • Philosophische Cafés oder Volkshochschulen: Kurse zu Stoizismus, Quantenphysik oder KI ziehen genau die Menschen an, die du suchst. Hier ist der Tiefgang die Eintrittskarte, nicht der Stolperstein.

​3. Den „Lesereisen-Effekt“ regional wiederbeleben

​Du hast die Begegnungen bei deinen Lesungen geliebt. Du bist freischaffender Autor und hast einen Blog.

  • Lokale Kulturarbeit: Suche Kontakt zu kleineren Kulturinitiativen, Buchhandlungen oder Bibliotheken in Schwäbisch Hall oder Heilbronn. Vielleicht gibt es dort Formate (z.B. Podiumsdiskussionen zu KI und Gesellschaft), bei denen du dich als Experte oder Mitorganisator einbringen kannst. Das bringt Menschen physisch zu dir.

​4. Virtuell starten, lokal landen

  • ​Wenn du dich auf virtuellen Pfaden bewegst, filtere gezielt nach Menschen aus dem Raum Stuttgart/Heilbronn/Schwäbisch Hall.
  • ​Setze dir das feste Ziel, ein gutes virtuelles Gespräch nach einer Weile auf einen realen Kaffee zu verlegen: „Ich schätze unseren Austausch sehr. Ich bin demnächst in der Gegend, wollen wir uns auf einen Kaffee treffen?“

​Der Schlüssel liegt darin, dich nicht der Masse anzubieten, sondern deine Nischen im realen Leben genauso gezielt anzusteuern, wie du es im Netz tust. Stoizismus lehrt uns, die Dinge zu kontrollieren, die in unserer Macht stehen – der erste Schritt auf jemanden zuzugehen gehört dazu.

​Welcher dieser Bereiche – das IPAI, die Astronomie oder die lokale Kultur – fühlt sich für dich aktuell nach der geringsten Barriere an, um einen ersten realen Schritt zu wagen?

 

Social Media ist vorbei

Social Media ist für mich nahezu wertlos geworden, lediglich Kontakt halten zu meinen Followern und Fans macht noch Sinn. Warum? Nein, nicht Mal wegen der rechten Trolle. KI hat dem Medium die Glaubwürdigkeit geraubt. Bilder, Videos, Texte sind nahezu unmöglich als KI generiert erkennbar. Das führt aber zu einer generellen Vertrauenskrise was das Medium angeht. Welcher Instanz darf man noch glauben. Man kann noch einige öffentlich rechtliche Kanäle verwenden, selbst scheinbare Wissenschaftskanäle können aber komplett generiert und damit anfällig für Halluzinationen sein. Zumal KI nach wie vor nicht VERSTEHT was sie schreibt, sondern Wahrscheinlichkeiten ermittelt. Das zwar in erschreckend hoher Qualität aber eben völlig unvalidierbar. 

Es braucht Strategien, KI als solche zu entlarven und Methoden, das Halluzinieren zu unterbinden. Aber selbst dann wird das Medium Social Media immer weniger interessant. Weil alles generiert und damit nicht real sein könnte.

Ja, selbst Cat Content.

Beweg dich, Depression

Corona hat vieles verändert. Auch meine mediale Präsenz ist zurückgegangen. Der Auftritt bei Stern TV war der letzte größere.

Aber ich denke, das ist auch gut so. Wenn Interesse besteht, bin ich nach wie vor bereit, über meine Geschichte zu erzählen, aber da das Buch mittlerweile nur noch als E-Book und Hörbuch verfügbar ist, flaut auch die Aufmerksamkeit ab.

Vor allem an Schulen spreche ich weiterhin über meine Geschichte und bin auch in Kontakt mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Depressionsliga, um weiterhin aufzuklären und für eine Entstigmatisierung zu kämpfen.

Parallel aber widme ich mich zunehmend auch wieder mehr meinem zweiten Thema, dem Alltagsradfahren. Und auch das hat etwas mit meiner Angststörung und der Depression zu tun. Selbst ich als bekennender Sportmuffel  musste erkennen, dass Bewegung für mich hilfreich ist, um die Gedankenspiralen und die Angst zu bekämpfen. Es geht meist darum, die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Auch wenn ich es nicht wahr haben wollte, aber Corona hat auch mich wieder in depressive Phasen sinken lassen. Zu wenig neues, zu wenig Input für den auf der Überholspur operierenden Verstand.

Mal sehen, vielleicht kombiniert sich ja meine Aufklärungsarbeit über Mentale Gesundheit, Depression, Angststörung und Suizidprävention mit dem heimlichen Hobby Fahrradfahren. Wobei ich nicht zu den Sportlern beim Radfahren gehöre, ich bin bekennender Alltagsradler. Für mich ist das Fahrrad primär ein Verkehrsmittel um möglichst effizient und energiesparend von A nach B zu kommen.

Das nächste, was nun ansteht ist das Stadtradeln ab 1. Mai. Wer Lust hat, kann sich auf www.stadtradeln.de informieren oder gleich die App herunterladen. Dort gibt es nämlich auch noch die Möglichkeit, Gefahrenstellen in der eigenen Wohngegend zu melden. Ich bin in Schwäbisch Hall als ADFC Mitglied natürlich im dortigen Team dabei.

 

Letztlich dreht es sich doch immer um das gleiche Thema. Selbstfürsorge, lernen, das eigene Wohlergehen unabhängiger zu machen von äußeren Einflüssen und den Meinungen anderer. Früher war mir sehr wichtig, was andere über mich dachten. Heute werde ich unabhängiger, vielleicht auch einfach altersmilder. Natürlich gibt es nach wie vor Menschen, deren Meinung mir sehr wichtig ist. Aber es sind deutlich weniger geworden und was ich für Prioritäten setze, hat mehr mit meinem eigenen Weg zu tun, als früher. Noch gibt es einiges zu ändern, alte Zöpfe abzuschneiden und neue Gewohnheiten zu stärken. Aber es tut sich was. Auch das war und ist Teil meines Weges.

Und hey, wenn ihr meine Geschichte hören wollt, ich freue mich über jede Gelegenheit aufzuklären nach wie vor. Es braucht nur einen Saal, einen Organisator und etwas Werbung. Und teuer bin ich auch nicht ;). Für Schulen mache ich das Ganze auf jeden Fall kostenlos, dafür erbitte ich bei anderen Auftritten ein kleines Honorar, um die Aufklärungsarbeit an Schulen weiterhin kostenfrei anbieten zu können.

Ansonsten, wenn ihr mich seht und eine Frage habt, sprecht mich gerne an. Bin zwar kein Therapeut aber habe immer ein offenes Ohr für Betroffene.

 

 

 

Ein Jahresrückblick ohne Jahr

Das war dann also 2021. Eigentlich ja 2020 reloaded. Es gibt zwei Ereignisse, die dieses Jahr für mich überhaupt existent machen.

Im Frühjahr die unglaublich erfolgreiche Petition gegen die #rasterpsychotherapie.  Sagenhafte 212.000 Menschen unterstützten mich und halfen mit, Öffentlichkeit zu schaffen. Wir waren damit ein Teil einer gemeinsamen Bewegung, die sich gegen eine Rationierung von Psychotherapie stellten und bewirkten , so dass die Medien und letztlich auch die Parteien verstanden, dass die Gesetzesänderung für Betroffene wie für Therapeut*innen und Angehörige eine fatale Fehlentwicklung dargestellt hätte.

Ich kann für diesen Erfolg nur immer noch etwas fassungslos Danke sagen. Über 200.000 Stimmen binnen einer Woche, das war grandios, fantastisch und tat zudem so gut, weil offensichtlich in der Öffentlichkeit mittlerweile besser angekommen ist, was eine psychische Krankheit bedeutet und wie komplex und eben nicht in Stunden oder Wochen messbar hier eine Behandlung ist als in der Politik.

Und dann im September mein Aufenthalt in der Reha.  Anders als bei meinem ersten Aufenthalt 2015 dieses Mal offen für Erkenntnis, bereit, mich zu verändern, bereit, mich auf meine Depression und die Angst einzulassen. Und es hat geholfen, ich fühle mich gestärkt, habe wieder Mittel und Wege reaktiviert, meine Depression im Griff zu behalten.

 

Oh, und ganz nebenbei hab ich 10kg Gewicht verloren, mir einen Bart wachsen lassen und bin binnen 5 Wochen Reha knapp 100km gewandert. (Wer mich kennt weiß, wie groß das für mich ist)

Ansonsten kann man 2021 getrost wegpacken und nicht mehr so schnell rausholen. Corona beschäftigt uns nach wie vor, man kann leider im Moment nicht mehr unterschiedlicher Meinung sein, was ich allmählich für eine Nebenwirkung von Corona halte und wer meine Position zu dem Ganzen Themenkomplex wissen will, ich sags nicht, weil ich keine Lust auf sinnlose Trollereien habe. Nur so viel. Ende Januar 2022 gibt es die Booster Impfung.

All jenen, die mich 2021 unterstützt, begleitet oder auch nur wohlwollend ertragen haben wünsche ich eine geruhsame Vorweihnachtszeit, etwas Ruhe und gute, normale Gespräche und wir lesen uns 2022 wieder, wo es hoffentlich endlich heißen wird: Corona 0, Menschheit 1.  Und hoffentlich können wir uns nächstes Jahr endlich wieder auf einem realen Barcamp treffen. Oder vielleicht, auch wenn es mein Buch nur noch als EBook und Audiobook gibt, auf der einen oder anderen Lesung oder einem Vortrag.

Und hoffentlich 2022 auch mit mehr Verstand und weniger Aggression……. Sonst setzts was.

Für mehr weniger

Es mag eine Nische sein, aber in zunehmendem Maße beobachte ich, dass die Menschen genug haben von den Werbe- und Wirtschaftslügen von der Wichtigkeit, immer das neueste und beste zu besitzen und vom notwendigen Wachstum.

Samsung bleibt gerade auf seinem Smartphone-Topmodell sitzen (ein Gerät, das für um die 1000 Euro das leistet, was mittlerweile auch Smartphones um die 200 Euro leisten. Oder würden die Konzerne nicht mit der geplanten Obsoleszenz arbeiten, auch das Gerät von vor drei Jahren)

Immer mehr Menschen hinterfragen auch, ob das Rattenrennen im Beruf, das doch noch viele erleben (müssen), wirklich Sinn des Lebens sein kann. Wir müssen endlich umdenken. Wachstum geht nicht endlos und wir vernichten mit unserem Wachstumswahn die Zukunft kommender Generationen.

Wir sollten uns von der Kultur der Spitzenleistung verabschieden, weil sie Menschen kaputt macht und zudem die Spitzenleistung von Heute die Minderleistung von Morgen ist. Manager, die sobald das Unternehmen nicht mehr die Shareholder (in Deutsch: Gieriges Pack) befriedigt, nur die Handlung des Mitarbeiter Entlassens sehen, müssen sich die Frage stellen lassen, ob sie als Manager nicht a priori versagt haben, wenn sie so eng planen, dass ein erster Rückgang der Gewinne gleich zur Entlassungspanik führt. Oh, nicht mehr Geld aus den Taschen der Kunden gezogen als im Vorjahr. Entlassen wir doch gleich mal Mitarbeiter und laden den da Gebliebenen gleich mal noch mehr auf.

Psychische Probleme steigen auch deshalb, weil wir immer engeren Maßstäben für Leistung, für gute Arbeit genügen sollen, die meist so überdreht sind, dass sie letztlich krank machen.

Und nein liebe Manager, psychische Gesundheit ist nicht Privatsache, wenn der Mensch die überwiegende Zeit seines Lebens bei der Arbeit verbringt.

Grundeinkommen, 4 Tage Woche, weniger Konsum, weniger Wachstum (wobei wir eigentlich schrumpfen müssten, aber da drehen ja gleich wieder Gieriges Pack und Wirtschaftsvertreter durch).

Wir fahren sehenden Auges auf den Abgrund zu und die Wirtschaft jubelt, mehr, schneller, immer schön geradeaus.

Es wird Zeit für ein neues „Normal“. Ein Normal, in dem es nicht um Wachstum geht, um mehr, um schneller, um besser.

Ein Normal, geprägt von genug, weniger, sinnvoll, entschleunigt. Sonst wird uns spätestens die Wand des Klimawandels hart und konsequent aufhalten. Wir brauchen die Erde. Die Erde braucht uns nicht.

So manch einer wirft Bewegungen wie „Fridays vor Future“ zu radikale Haltungen vor.

Wenn ich aber sehe, wie die Politik agiert und denkt, fällt mir nur ein Satz ein: „Laschet alle Hoffnung fahren.“

Politiker folgen schon lange nicht mehr dem Bürgerwillen sondern der Lobby und Wirtschaftsinteressen. Entscheidungen zum Wohle aller fallen nur, wenn damit die Wiederwahl gesichert werden kann. Und da sind unbequeme Themen wie der Klimawandel halt nicht gewünscht, nicht wahr, Herr Laschet und Co.

Beschäftigungstherapie

Während meiner Zeit in den Kliniken war die mich wohl am meisten ärgernde und überflüssige Maßnahme die vier wöchige Internet Abstinenz. Eines habe ich aber dabei erkannt. Ich hatte schon immer einen Weg, mich von meiner Depression und den Ängsten abzulenken. Die intensive Beschäftigung mit einem Thema, sei es das Lesen von Büchern, Computerspiele, Recherche oder eben das Surfen im Netz.

Es war nichts Pathologisches, sondern etwas Heilendes. Aber weil es ja digital war und modern, war es wohl so einigen „Fachleuten“ suspekt.

Aktuell ändert sich das auch dank Corona zusehends und die Menschen erkennen, wie wertvoll in der Pandemie auch der virtuelle Kontakt sein kann.

Und ich als Introvertierter kann sagen, mich belastet Home Office und Kontaktarmut nur ganz gering. Eigentlich gar nicht. Ich bin zufrieden mit meinen Kontakten via Twitter, Instagram oder Online Konferenz.  Mir ist der Gedankenaustausch wichtig, auf welchem Weg dieser erfolgt, ist mir herzlich egal.

Genau genommen bin ich mittlerweile 10 Monate fast ausschließlich im Home Office und das Einzige, was ich manchmal vermisse, sind die Auftritte und der Austausch mit meinen Leser*innen.

Und was mich ärgert sind diese ewig gestrigen, die auf Teufel komm raus den persönlichen Kontakt vorziehen, die eher ein Infektionsrisiko eingehen, als mal vorsichtig zu sein.

Ja, andere leiden darunter. Aber dann bitte nicht alle über einen Kamm scheren. Wir müssen gemeinsam da durch, aber eben auch mit dem Blick auf die unterschiedlichen Sichtweisen.

Entrümpeln mal anders

Es ist leider oft wirklich so, dass erst einschneidende, lebensbedrohliche Erlebnisse einem so manche Wahrheit vor Augen führen.

Bei mir waren es toxische Menschen und falsche Ansprüche an mich selbst. Oder um es genauer zu definieren, der Glaube, dass andere mich besser kennen, als ich selbst. Sicher, ich gestehe mir auch nicht alle Wahrheiten über mich ein, schon gar nicht die dunklen Seiten. Aber was andere an mir für richtig und falsch halten, ist noch weitaus stärker durch deren Sicht auf die Welt, deren Prioritäten und oft auch deren eigene Enttäuschungen und Defizite verbrämt.

Oh und außerdem, manch angeblich dunkle Seite ist nur von anderen dunkel geredet worden und in Wahrheit einfach ein wichtiger Bestandteil meiner selbst.

Also war einer der ersten Schritte: Weg damit, weg mit all der Toxizität, den falschen Ansprüchen an mich selbst.

Problem dabei, damit sind auch viele Masken gefallen und vieles, was ich für relevant oder wichtig erachtet hatte, verschwand in der Belanglosigkeit. Welcher Besitz, welches Gehalt, welches Auto. Ganz ehrlich, wer sich darüber und daraus definiert, der hat seinen eigenen Kern, sein inneres Wesen unter einer Aufhäufung falscher Werte vergraben.

Ich bin auf der Welt, ich bin einzigartig. Vor mir gab es niemand wie mich, nach mir ebenso wenig. Also besser ich bin wirklich ich selbst als irgendeine billige Kopie von irgendjemand anderem.

Und wenn wir uns alle bewußt machen, dass wir auf kosmischer Ebene immer schon existiert haben und auch immer existieren werden (und ich meine das weder religiös noch metaphysisch) dann wird für so manchen die eigene Bedeutung sehr klein.

Ich halte es da mit Neil deGrasse Tyson, der es für eine unglaubliche beruhigende und Bedeutung schaffende Erkenntnis hielt und der es, Carl Sagan zitierend so formulierte: „Wir alle sind Sternenstaub.“ Und das meint er wörtlich.

Leb nicht ein Leben, das sich an Werten und Vorstellungen anderer orientiert. Leb nicht, um anderen zu gefallen.

Was ich durch meinen beinahe Tod gelernt habe:  Ich bin der Einzige, der zu bestimmen hat, wie ich lebe, welche Werte ich für relevant erachte.

Und das in meinem bescheidenen Blick wertvollste, das  man ggf. über sein Leben sagen kann, ist: Ich habe jeden Tag versucht, die Welt etwas besser zu machen.

Das müssen dann keine großen Taten sein. Das Lächeln an der Kasse beim Bezahlen. Jemandem a priori erst mal wohlwollend begegnen. Ein offenes Ohr für einen Freund oder eine Freundin in einer Krise haben.

Die kleinen Dinge wirken manchmal wie ein Schneeball, der zu einer Lawine wird. Und selbst wenn nicht. Immerhin kann ich dann sagen, ich habe heute wieder mein Bestes gegeben.

Also weg mit all den defizitären Anschuldigungen, weg mit den Wünschen anderer, wie wir zu sein haben. Sei du selbst. Macht sonst eh kein anderer!

 

Jetzt auch als Podcast: Verhaltensoriginell

Lange habt ihr mich angesprochen, gebeten, euch einen Podcast gewünscht. Nun denn, es ist soweit, seit heute gibt es „Verhaltensoriginell, den Podcast rund um psychische Gesundheit“.

Erst mal ist es ein Experiment, wie ich ihn genau ausgestalten werde, wer drin vorkommt, was für Themen es geben wird, da bin ich offen und hoffe auch auf eure Ideen.

Folge eins über Diagnosen und Fehldiagnosen ist seit heute online und wird nach und nach auch bei den diversen Plattformen wie Spotify, ITunes, Google Podcasts etc. verfügbar sein.

 
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