Entrümpeln mal anders

Es ist leider oft wirklich so, dass erst einschneidende, lebensbedrohliche Erlebnisse einem so manche Wahrheit vor Augen führen.

Bei mir waren es toxische Menschen und falsche Ansprüche an mich selbst. Oder um es genauer zu definieren, der Glaube, dass andere mich besser kennen, als ich selbst. Sicher, ich gestehe mir auch nicht alle Wahrheiten über mich ein, schon gar nicht die dunklen Seiten. Aber was andere an mir für richtig und falsch halten, ist noch weitaus stärker durch deren Sicht auf die Welt, deren Prioritäten und oft auch deren eigene Enttäuschungen und Defizite verbrämt.

Oh und außerdem, manch angeblich dunkle Seite ist nur von anderen dunkel geredet worden und in Wahrheit einfach ein wichtiger Bestandteil meiner selbst.

Also war einer der ersten Schritte: Weg damit, weg mit all der Toxizität, den falschen Ansprüchen an mich selbst.

Problem dabei, damit sind auch viele Masken gefallen und vieles, was ich für relevant oder wichtig erachtet hatte, verschwand in der Belanglosigkeit. Welcher Besitz, welches Gehalt, welches Auto. Ganz ehrlich, wer sich darüber und daraus definiert, der hat seinen eigenen Kern, sein inneres Wesen unter einer Aufhäufung falscher Werte vergraben.

Ich bin auf der Welt, ich bin einzigartig. Vor mir gab es niemand wie mich, nach mir ebenso wenig. Also besser ich bin wirklich ich selbst als irgendeine billige Kopie von irgendjemand anderem.

Und wenn wir uns alle bewußt machen, dass wir auf kosmischer Ebene immer schon existiert haben und auch immer existieren werden (und ich meine das weder religiös noch metaphysisch) dann wird für so manchen die eigene Bedeutung sehr klein.

Ich halte es da mit Neil deGrasse Tyson, der es für eine unglaubliche beruhigende und Bedeutung schaffende Erkenntnis hielt und der es, Carl Sagan zitierend so formulierte: „Wir alle sind Sternenstaub.“ Und das meint er wörtlich.

Leb nicht ein Leben, das sich an Werten und Vorstellungen anderer orientiert. Leb nicht, um anderen zu gefallen.

Was ich durch meinen beinahe Tod gelernt habe:  Ich bin der Einzige, der zu bestimmen hat, wie ich lebe, welche Werte ich für relevant erachte.

Und das in meinem bescheidenen Blick wertvollste, das  man ggf. über sein Leben sagen kann, ist: Ich habe jeden Tag versucht, die Welt etwas besser zu machen.

Das müssen dann keine großen Taten sein. Das Lächeln an der Kasse beim Bezahlen. Jemandem a priori erst mal wohlwollend begegnen. Ein offenes Ohr für einen Freund oder eine Freundin in einer Krise haben.

Die kleinen Dinge wirken manchmal wie ein Schneeball, der zu einer Lawine wird. Und selbst wenn nicht. Immerhin kann ich dann sagen, ich habe heute wieder mein Bestes gegeben.

Also weg mit all den defizitären Anschuldigungen, weg mit den Wünschen anderer, wie wir zu sein haben. Sei du selbst. Macht sonst eh kein anderer!

 

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