Vom Recht UND der Pflicht zur Information

Gerade in der aktuellen Krise wird den Banken ja oft vorgeworfen, schlecht informiert zu haben. Aber sind wir mal ehrlich. Oft fehlt es doch auch uns selbst am Willen zur Information. Denn Unternehmen sind gewissen Informationspflichten unterworfen, denen sie in den meisten Fällen auch nachkommen.

Aber kommen auch die Kunden immer ihrer Pflicht nach, die angebotene Information aufzunehmen?  Ich habe ja ein besonderes Faible für den Begriff „Medienkompetenz“. Ich würde ihn hier aber sogar ausweiten auf „Informationskompetenz“. Wenn ich im Alltag manchen Gesprächen lausche und höre, was so alles geglaubt wird, nur weil es in der Zeitung (oft der mit den vier Buchstaben) steht, oder weil es irgendein Privatsender gesendet hat, dann wundert mich nicht mehr, dass viele Menschen auf Angebote „reinfallen“, die nicht zu ihnen passen. Auch wenn es anstrengend sein mag, ein gewisses Maß an vernünftiger Recherche, an sich informieren sollte auch vom „Durchschnittsbürger“ einforderbar sein.

Wenn ich etwas anschaffe, dann versuche ich zumindest verschiedene Alternativen zu untersuchen, wenn ich eine Information im Fernsehen präsentiert bekomme, die mich zum Ändern eines Verhaltens auffordert, hinterfrage ich die Quelle, versuche, mehr dazu zu erfahren.

Es kann nicht angehen, dass wir alle über eine Informationsflut klagen, dann aber die meisten nicht mal einen Bruchteil dieser Informationen für sich nutzen. Das ist etwas, was ich fest im Schulkurrikulum verankert sehen möchte. Zu erlernen, wie man recherchiert, wie man Information bewertet und für sich nutzt. Also sogar noch mehr als Medienkompetenz, Informationsverarbeitungs- und Bewertungskompetenz sollte gelehrt werden.

Social Media und Marketing. Es muss anders werden.

Marketing in sozialen Netzwerken lohnt nicht, so vermeldet CIO über den Eindruck den der Handel vom Marketing Engagement in sozialen Netzwerken hat.

Und ja, wenn damit das übliche Top-Down Marketing gemeint ist, das vorstellen der eigenen Produkte und Dienste als „Alleine glücklich machend, das beste vom besten, unschlagbar etc.“ dann ja. Das wollen viele schon im Fernsehen nicht mehr hören und in den sozialen Medien, die ja auch eine Plattform für privaten Austausch sind erst recht nicht.

Es bedarf hier einer komplett anderen Denke. Einer Kommunikation auf Augenhöhe. Erst, wenn ich nicht mehr Produkte vermarkte, sondern Bedürfnisse meiner Kunden befriedigen möchte, ihnen helfen möchte jenseits von Waren und Umsatz, dann fühlen sich Kunden im Netz auch ernst genommen. Weil sie dann nicht mehr als Kunden sondern als Menschen behandelt werden. Der große Irrtum vieler ist, dass sie Social Media nur als Verlängerung der „normalen Marketing Maßnahmen“ sehen.

Als einen weiteren zu bespielenden Kanal und dabei vergessen, dass es dort auch ums zuhören geht. Nur wer auf Augenhöhe kommuniziert, wird dort auch ernst genommen. Und dazu gehört es auch, Fehler zuzugeben, Hilfe ohne direkten dahinterliegenden Lead zu bieten, einfach auf den Menschen einzugehen. Dann werden Kunden zu Menschen und Menschen zu Markenbotschaftern.

Wer aber klassische Werbung raushaut, ja der investiert besser woanders.

Ist moderne Telearbeit etwa doch ein Irrweg?

Evgeny Morozov, ein von mir sehr geschätzter Autor veröffentlichte vor kurzem in der FAZ seine Sicht auf die Telearbeit unter dem Titel „Telearbeit könnte Ihre Work-Life-Balance ruinieren„.

Zunächst war ich versucht, zu protestieren, aber bei genauem Studium des Artikels muss ich Morozov zustimmen. Denn was er als Befürchtung aufzeigt hat durchaus korrekte Schlussfolgerungen als Basis.

Morozov geht davon aus, und so wird es heutzutage durchaus noch vielfach gehandhabt, dass in Unternehmen die Möglichkeit der Heimarbeit eingeführt wird, aber immer noch mit dem alten Kontrollanspruch einer hierarchischen Verwaltung, die Mitarbeiter kontrollieren muss, damit sie etwas tun.

Das aber ist kontraproduktiv, da es in den Mitarbeitern eine Mischung aus Angst und Schuldgefühlen produziert, da sie jetzt ja in einem scheinbar freien System arbeiten dürfen, dass aber immer noch, und jetzt quasi rund um die Uhr überwacht wird.

Erst, wenn wir uns auch davon verabschieden, unsere Mitarbeiter permanent kontrollieren zu wollen kann das ganze funktionieren.

Und in einem teile ich da mittlerweile Morozovs Einschätzung: Wenn es überhaupt passieren wird, dann wird es noch lange dauern,  mindestens eine Generation. Bis dahin gilt, seien sie misstrauisch, wenn man ihnen plötzlich einen Heimarbeitsplatz anbietet und hinterfragen sie, wie denn dann ihre „Leistung“ beurteilt wird. Denn so lange im Unternehmen immer noch Anwesenheit=Entlohnung ist, wird es auch eine wie auch immer gestaltete (technische) Überwachung der effektiv gearbeiteten Zeit geben. Und so lange kann ich nur dringend vom Heimarbeitsplatz abraten.

 

 

Das Scheingefecht um die 30 Stunden Woche. Es geht um ganz anderes.

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Ach arbeite doch wie du willst…. Ja gerne, dann bin ich auch besser 😉

Es war ja zu erwarten. Da veröffentlicht ein breites Bündnis von „Experten“ einen Aufruf zur 30 Stunden Woche und kurz darauf, wie im Reflex wettern die Arbeitgeber dagegen.

Dabei geht die Diskussion völlig am Problem vorbei. Wir erleben zwar in Deutschland immer noch eine Beschäftigungssituation, die nicht wirklich prekär ist (mal davon abgesehen, dass viele Menschen sich mit ihrem Lohn eigentlich nicht mehr am Leben halten können, was für ein reiches Land wie Deutschland schlicht eine Schande ist).

Aber blicken wir auf das so häufig bemühte Gesamteuropa sieht die Lage schon viel schlechter aus. Insofern, zumindest ein interessanter Denkansatz ist das schon. Was mich aber stört, es erhebt die Bedeutung der Zeit wieder über die des Ergebnisses. Warum nicht 20 Stunden, wenn auch dann noch die Arbeit getan wird? Warum nicht die gleiche Arbeit auf mehr Schultern verteilen, und das flexibler?

Ich lese gerade das hochinteressante zweite Buch von Cali Ressler und Jody Thompson über ihr ROWE Modell mit dem Titel „Why managing sucks and how to fix it“ und darin zeigen die beiden, dass es in der heutigen Arbeitswelt noch viel zu oft gehandhabt wird, wie zwischen Eltern und Kindern. Wer möchte nicht wie ein Erwachsener behandelt werden, aber ist es wirklich erwachsen, wenn man über jede gearbeitete Minute Rechenschaft ablegen muss? Wenn man bei allem und jedem controllt (Da steckt absichtlich Troll drin) und immer das Gefühl hat, ohne Vorgesetzte, ohne Kontrolle wäre man ein faules Schwein und würde gar nichts tun.

Es wird Zeit, das ganze Konzept von Arbeit neu zu denken. Im Sinne von: „Ich gehe nicht zur Arbeit, ich arbeite“. Damit fällt sowohl der Zeitfaktor, als auch der Ortsfaktor weg.

Wir wechseln immer mehr in eine Wissensgesellschaft und hier müssen wir uns fragen lassen, ist unsere Arbeitswelt darauf wirklich eingestellt? Oder arbeiten wir nicht alle immer noch wie am Fließband, Hauptsache ausgelastet?

Gerade in ihrem neuen Buch zeigen Ressler und Thompson sehr schon an realen Beispielen, wie manigfaltig die Auswirkungen einer ergebnisorientierten Arbeitswelt sind. Und wie viel Verwaltungsoverhead damit abgebaut werden kann. Vielleicht ist es noch nicht so wirklich bewußt, aber Modelle wie Rowe sparen Geld, fördern Leistung, steigern Umsatz. Und das sind keine fiktiven Behauptungen, das können all jene Unternehmen nachweisen, die auf das Modell umgeschwenkt haben. Und es gibt nicht DEN einen Rowe Weg. Jedes Unternehmen sollte sich aber Gedanken darüber machen, ob eine 30 Stunden versus 40 Stunden Diskussion heutzutage überhaupt noch der modernen Arbeitswelt gerecht wird.

Blogparade:Und was machen Sie so beruflich?

Wibke Ladwig startet eine Blogparade. Und das zu einem Thema, das mir in mehrfacher Hinsicht auf den Nägeln brennt.

Was mache ich denn nun so beruflich? Da möchte ich etwas weiter ausholen.

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Auch das ist mein „Arbeitsplatz“, zumindest als Blogger, Forscher, Autor

 

Denn laut meinem Hochschulabschluß bin ich Magister Artium Computerlinguistik und KI. Als Berufsbezeichnung gebe ich Informatiker an. Meine momentane Stellenbeschreibung ist die eines Referenten Online Marketing. Im Nebenberuf, zwar selten, dann aber mit Herz als Referent, Berater und Blogger zu allem rund um Social Media und Mobile Computing sowie Arbeitswelt der Zukunft unterwegs.

Und ich denke, das genau ist es, was mich ausmacht. Dass man mich nicht auf DEN Beruf festlegen kann. Ich versuche, aus Themen und Dingen, die mich interessieren, faszinieren, bewegen oder die ich für die Zukunft für wichtig erachte meine Tätigkeit zu definieren. Darum bin ich möglicherweise auch vor einem Jahr aus der IT ins Marketing gewechselt, aus dem Doing ins Konzipieren. Weil ich denke, dass auch wir Informatiker uns werden immer weniger mit dem Software entwickeln befassen müssen, und viel mehr damit, Konzepte zu finden, wie wir Probleme des Alltags mit Software lösen. Weg vom Verkaufen von Programmen, hin zu einer Beratung für die richtige Lösung eines Problems.

Und was für mich aus der Sicht eines ITlers gilt, wird für immer mehr „Berufsbilder“ und Berufskarrieren gelten. Ich denke, wir alle müssen uns von dem Bild verabschieden, dass wir das, wofür wir „ausgebildet“ wurden, auch ein Leben lang machen. Wir bekommen Rüstzeug für bestimmte Themen mit auf den Weg, aber auch durch den immer schnelleren Wandel in der Gesellschaft, bedingt durch neue Kommunikationsformen und neue Medien ist der Satz vom „lebenslangen Lernen“ endgültig für die breite Masse wichtig geworden.

Nicht, weil wir ohne zu lernen unsere erlernte Tätigkeit nicht mehr ausüben könnten. Vielmehr müssen wir uns damit abfinden, dass viele Tätigkeiten, die wir zum Anfang unseres Berufslebens erlernt haben im Laufe der Zeit starken Veränderungen unterzogen sind oder gar ganz verschwinden.

Dafür bieten sich neue Chancen, die warzunehmen eine breite Sicht auf die eigenen Fähigkeiten bedingt. Möglicherweise entwickelt sich etwas, das wir zunächst als Hobby neben unserem eigentlichen Beruf betreiben zu einem neuen Fulltime Job. Und was ich auch für die Zukunft sehe ist eine höhere Bedeutung von selbständiger Tätigkeit. Sei es im eigentlichen Sinn des Wortes als Freiberufler oder innerhalb eines Unternehmens, in dem es meiner Ansicht nach in Zukunft um erfolgreich zu sein immer flexiblerer Strukturen bedarf, um dem beschleunigten Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft auch mit dem eigenen Unternehmen folgen zu können.

Insofern, im Moment arbeite ich im Marketing an den Themen Social Media und verschiedenen teils technisch unterlegten Themen. Mein Beruf, schwer, meine Berufung, Veränderung zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern und zu bewerten. Wie dann mein Jobtitel heißt, das ist für mich persönlich unwichtig. Und dass in meinem Ausweis als Berufsbezeichnung „Informatiker“ steht, hat mehr mit meiner Ausbildung als mit meinem aktuellen Arbeitsumfeld zu tun.

 

Warum das Leben doch ein Ponyhof sein sollte (part time)

Jeder kennt den Spruch, der vor allem kommt, wenn man sich wieder über zu hohe Anforderungen, Stress oder das Leben allgemein beklagt. „Das Leben ist kein Ponyhof“. Will sagen, das Leben ist nicht nur Spaß, sondern auch Ernst.

Mag ja stimmen, aber ich finde, wir übertreiben das mit dem Ernst mittlerweile. Wir bereiten ja nicht nur unsere Kinder auf den Ernst des Lebens vor (der scheinbar heutzutage nur noch aus dem Arbeitsleben besteht), wir versuchen auch, in unsere spärliche Freizeit möglichst viel Sinn zu pressen. Und wer nicht nahe am Burnout steht, der arbeitet ja nicht genug.

Wie wäre es, wenn wir mal diesen ganzen „Spass kann ich noch später“ haben Irrsinn hinterfragen würden.

Mut macht mir hier die Generation Y, die plötzlich mit ganz anderen, und in meinen Augen sinnvolleren Ansprüchen an die Manager herantritt. Da geht es auch um Freude, um Sinn, um Spaß am Leben. Endlich, denn hey, auch wenn manch einer anders lebt. Wir haben nur EIN Leben, und das gehört zuallererst uns selbst und WIR sind verantwortlich dafür, was wir daraus machen.

Sogar die sogenannten Experten haben das Thema bereits entdeckt und mit dem wohlklingenden Label „Gamification“ hinterlegt. Damit meinen sie aber wieder nur das Spielen um des Konsums willen. Ich sehe das ganze aber weiter gefasst. Das Leben ist schon schwer genug, als das wir es uns noch schwerer machen sollten. Carpe Diem beinhaltet auch, lebe im Tag, genieße im Tag.

Und sind wir mal ehrlich. Letztlich ist all das, was bei den meisten von uns im Berufsleben passiert, doch auch ein riesengroßes „Spiel“ nur eben ohne den motivierenden Ponyhof. Denn es geht doch stets um die gleichen Ziele, die auch ein gutes Spiel ausmachen: Besser sein als der „Gegner“. Einen Preis (Verkaufszahlen, Abnahme eines Produkts, Erfolgreiche Bewerbung als Agentur) gewinnen, gegen die Konkurrenz „kämpfen“. Alles Aspekte, die auch in Spielen vorkommen. Nur sind sie dort um -Achtung- die Motivation zu steigern (!!!!) mit Elementen hinterlegt, die Freude bereiten. Warum machen wir uns also nicht mehr Gedanken darüber, wie wir die Freude auch in den Beruf tragen könnten? Wie wir auch, in sinnvollem Maße die Arbeit zum Ponyhof machen könnten. Und erste Beispiele geben uns ja recht, man möge sich nur mal ansehen, werd die beliebtesten Arbeitgeber sind, und wie die Arbeits(um)welt dort aussieht. Ich denke nicht, dass ich hier auf Google noch explizit eingehen muß?

 

Denn vieles geht mit Spaß daran leichter. Und möglicherweise auch streßfreier. Das kann ich jetzt nicht beweisen. Aber ich arbeite an Feldversuchen ;). Und jeder, der Kinder hat wird mir bestätigen können. Etwas, das ihnen Spaß macht, tun Kinder deutlich gerner, als etwas, was halt getan werden muß. Das ist quasi Gamification 1.0.

Sind wir wirklich alle Blender?

Ein sehr schöner Text in der Süddeutschen brachte mich auf diesen Gedanken. In „Viel Lärm um nichts“ schreibt der Autor  Alexander Hirschmann von der inhärenten Angst, irgendwann könne jemand aufstehen und ihm ins Gesicht sagen: „Du kannst nichts, du tust nur so.“

Auch wenn ich diese Angst auf den ersten Blick ziemlich merkwürdig fand, sind mir doch einige Punkte eingefallen, die wir alle, die wir nicht in direkt etwas produzierenden Berufen tätig sind, uns immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten.

Ein Schreiner, ein Maler, ja selbst ein Musiker haben etwas, das sie produzieren, dessen Qualität an einem Produkt bewertet werden kann.

Bin ich aber Projektleiter, Werber oder in einer anderen Branche tätig, die mit abstrakten Vorgängen beschäftigt ist, wird es immer schwerer, die wirklich „gute“ Arbeit zu beurteilen. Denn was gut ist, hängt auch immer von den anderen ab. Und sobald es um abstrakte Tätigkeiten geht, die viel mit Schreibtischarbeit zu tun haben, mit verwalten und organisieren, wer mag da sagen, was gut ist?

Ist jemand schlecht, weil sein Projekt nicht in Time und Budget fertig wurde? Zu kurz gedacht, denn jeder gute Projektleiter weiß, dass immer äußere Einflüsse die beste Planung zunichte machen können.

Wir sollten einfach mal die Messlatte nicht zu hoch hängen und uns darüber klar werden, dass all das gelernte der Vergangenheit nur eine Vorbereitung war und vieles davon mit Recht vergessen wurde. Wer beständig bereit ist, sich zu verändern, neues zu lernen, Grenzen zu überschreiten und sich auch mal in Themengebieten umzuschauen wagt, die für ihn eigentlich fremd sind, entwickelt sich weiter. Vermutlich ist das auch die wichtigste Begabung. Die Bereitschaft, den Status Quo stets zu hinterfragen, immer wieder neue Themen annehmen zu können.

Ich habe mich lange schwer getan mit dem Wechsel, den ich Anfang 2012 gewagt habe. Als Herzblutinformatiker ins Marketing zu wechseln. Aber es ist Online Marketing und in den letzten Jahren habe ich für mich erkannt, dass mich immer weniger das Schrauben an den Details eines Programms oder Problems faszinierte, sondern die Entwicklung von Konzepten, wie die Technologien nutzbringend angewendet werden können. Auftritt Social Media. Das war und ist für mich so etwas wie ein Paradigmenwechsel auf allen Ebenen. Und hier wollte und will  ich mitmischen. Ebenso an anderen Möglichkeiten, die das Netz bietet und noch bieten wird. Denn immer noch wiederhole ich gebetsmühlenartig: We ain’t seen nothing yet. Wir sind erst am Anfang dessen, was ich als die digitale Revolution sehe.

Also raus aus der Komfortzone.

Und dann ist es natürlich, dass man auch an sich zweifelt. Nur wer zweifelt versucht auch, die Zweifel aus dem Weg zu räumen, sich zu verbessern. Zu viel Selbstsicherheit schadet nur. Das ist zwar manchmal schwer zu ertragen, aber vermutlich Teil dessen, was all jene erleben, die neue Felder betreten.

Ja, es ist gut dass wir Angst haben, aber wir sind nicht allein 😉 Und das will ich auch meinen Kindern vermitteln. Mir schickte ein Twitter Follower vor kurzem folgenden schönen „Sinnspruch“: Die Kunst am Eltern sein ist, den Kindern die Herausforderungen zu bieten, an denen sie positiv wachsen.

Warum ich Videospiele für sinnvoll erachte

Die BBC berichtete in einem Feature über eine ältere Dame, die Videospiele spielt, um mental fit zu bleiben.  Mit Sicherheit die bessere Strategie als das Fernsehen 😉 und ja, ich glaube, dass Computerspiele auch mental gutes tun können ;):

Aber  ich bin auch eher ein Vertreter der Fraktion, der es weit mehr schätzt, wenn seine Kinder vor dem Computer sitzen und z.B. Minecraft Welten erschaffen, als dröge vor dem TV zu sitzen und sich mit Kinderprogrammen berieseln zu lassen.

Nicht falsch verstehen. Ebensowenig wie ich es gut finde, wenn Eltern ihre Kinder vor dem Fernsehprogramm abstellen, propagiere ich ein alleiniges Sitzen vor PC oder Spielekonsole.

Aber wir sollten mal etwas realistischer auf das ganze Thema Kinder und Computerspiele schauen. Wenn ich meine drei beim gemeinsamen Mindcraft spielen beobachte, dann kann ich über die genialen Konstruktionen und die Zusammenarbeit beim Erschaffen ganzer Dörfer nur staunen. Und Spiele mit geschichtlichem Hintergrund haben bei meinen Kindern auch das Interesse an der Epoche an sich geweckt. Man sollte darauf achten, dass Computerspielen nicht nur aus tumbem Ballern besteht, aber selbst unser Ältester, der mittlerweile gemässigte „Ballerspiele“ spielen darf, schätzt den Aufbau und die Strategie viel mehr.

Gut, er hat den Vorteil eines Gamervaters, der sich mit den Spielen und ihren Inhalten auskennt. Aber das mindeste, was man als Elternteil tun sollte ist, sich für die Spiele zu interessieren, die die Kinder spielen. Und bis zu einem gewissen Alter sollte man auch die Kontrolle über die Konsole behalten. Spielecomputer oder Konsolen im Kinderzimmer halte ich für genauso falsch wie Fernseher. Aber nicht, weil ich Angst vor irgendwelchen negativen Auswirkungen der Spiele habe, sondern schlicht, weil sich der Computer oder die Konsole in Sichtweite der Eltern besser kontrollieren lässt, was die Zeitdauer angeht. Wobei wir festgestellt haben, dass natürlicherweise unter gewissem Protest dennoch bestimmte Zeiten einführen lassen.

Aber was ich immer wieder beobachte, unsere Kinder nehmen Ideen, Informationen aus den Spielen in ihre alltäglichen Spiele, interessieren sich plötzlich für Leonardo da Vinci, weil der Name in einem Spiel viel, wollen plötzlich mehr über das Mittelalter wissen, weil die Siedler sie so fasziniert. Und zumindest bei uns werden mittlerweile schon eigene Erklärfilme gedreht, in denen unsere  Kinder zeigen, wie sie ihre eigenen Minecraft Konstruktionen bauen.

Nur sollte man sich als Eltern dann auch darüber klar sein, dass es keinen Sinn macht, streng zu fordern: „Hör jetzt auf!“ wenn das Kind gerade mitten in einer taktischen Runde des Spieles ist. Weiche Endezeiten +-15 Minuten sind da viel sinnvoller.

Wer sich über die Bedrohung durch Computerspiele beklagt vergisst, dass es IMMER irgendwelche Gefahren für unsere Kinder gibt. Schon wenn wir sie unbeaufsichtigt spielen lassen, können sie irgendwo hoch klettern und herunterfallen, sie können im Straßenverkehr verletzt werden. Aber sperren wir sie deshalb zu hause ein? Nein, wir erklären ihnen alles wichtige und -jetzt kommt das entscheidende- vertrauen ihnen zunächst einmal. Genau das gleiche halte ich beim Thema Kinder und Computer für sinnvoll. Bis zu einem gewissen Alter sollte man selbst aktiv bestimmen, wer wann was macht. Aber ganz ehrlich, ich würde mich als Heranwachsender, erst Recht in der Pubertät nicht ernst genommen fühlen, würden meine Eltern bei allem was ich tue hinter mir stehen. Zumal in dem Alter die Möglichkeiten, solche Kontrollen zu umgehen vielfältig sind.

Deshalb: Für mehr Vertrauen und weniger Angst vor dem Computer.

Und abschließend sei allen, die sich für das Thema Kinder und Computer ernsthaft interessieren das Buch „Netzgemüse“ ans Herz gelegt, hier schreiben Tanja und Johnny Haeusler aus erster Hand über die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Eltern sein einer Generation, für die ein Computer ohne Internetzugang kaputt ist.