Reine Werbung und das Problem der Information: „Voodomedizin“ von der Kasse

Einer der für den Kunden positiven, für die Unternehmen aber negativen Aspekte des Internets ist die Möglichkeit, sehr schnell an Information zu kommen, sie zu verbreiten und zu evaluieren.
Das bekommt gerade im Netz die IKK zu spüren, deren neuer Spot zu einem Tarif, der auch homöopathische Medizin mit einschließt insbesondere bei denjenigen, die dieser Form der Medizin kritisch gegenüberstehen zu großen Lachern führt. Wissenschaftlich belegt sind keinerlei Wirkungen der Homöopathie und deshalb wirkt es eher ironisch, wenn gerade die Tochter, die in Chemie eine 6 hat, ein homöopathisches Mittel auf den Tisch stellt, damit der Schock des Vaters nicht zu groß wird.
Da hat man wohl nicht die feine Ironie erkannt, die hinter dieser Szene steckt. Aber seht selbst:

Die Norm, die kaum einer erreicht

Wir leben in einer genormten Welt. Das beginnt beim Format für ein Blatt Papier und endet noch lange nicht bei Bildschirmgrößen oder Vorgaben für Lebensmittel.

Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Oft habe ich das Gefühl, dass wir uns vorschreiben lassen, wie wir zu handeln haben, ohne zu reflektieren, ob das zu uns passt. Und das hängt nicht nur mit Größen und Formen zusammen, sondern auch mit dem Wesen des Menschen. Keine zwei Menschen ticken, denken genau gleich, jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse, die ihn geprägt haben. Aber in vielen Bereichen wird das ignoriert oder sehr grob vereinfacht. Und hier ziele ich weniger auf die Werbung, die ja gar nicht den Anspruch erhebt (bzw. erheben kann) jeden ganz individuell anzusprechen, zumindest noch nicht. Vielmehr beziehe ich diese Feststellung auf mein Hauptthema, die Arbeitswelt.

Nehmen wir nur zwei naheliegende Beispiele, Körpergröße und Händigkeit. Schon hier fangen die Probleme an, wenn Arbeitsplätze nur nach EINER Norm, eingerichtet werden. Ich habe an meinem Arbeitsplatz das Glück, zum einen einen höhenverstellbaren Tisch zu haben, der sich ideal an meine Körpergröße anpasst, zum anderen auch bei der Hardwareausstattung ausschließlich Produkte zu nutzen, die sowohl für Links- wie auch für Rechtshänder geeignet sind. Aber wie oft wird hier  nur ein an rechtshändigen Menschen orientierter Standard angeschafft, möglichst günstig, weil solche Individuallösungen ja nur teurer Schnickschnack sind.

Aber es geht auch bei den Arbeitstechniken, bei der Führung, beim Umgang im Team weiter. Nicht alle Menschen sind extrovertiert, nicht alle Menschen große Kommunikatoren. Und ein sehr kreativer Mensch wird sich mit Formalismen schwer tun. Aber in vielen Unternehmen wird hier angenommen, alle würden nach dem gleichen vorgegebenen Muster ticken und quantitativ wie qualitativ die gleiche Leistung liefern können. Was für ein großer Irrtum. Im Buch „“Why work sucks and how to fix it” beschreiben Carly Ressler und Jody Thompson an verschiedenen Beispielen, wie gerade Menschen, die scheinbar Minderleister sind, durch eine neue Arbeitsform, die sich mehr an ihren Werten und Arbeitsweisen orientiert zu Höchstform auflaufen können.

Ich habe immer wieder mit Kritik zu kämpfen, Stichwort das Leben ist kein Ponyhof wenn ich fordere, dass die passende Arbeit für den Menschen gesucht werden sollte, gerade in großen Unternehmen, wo es Variationsmöglichkeiten gibt und nicht umgekehrt.

Den schauen wir doch mal auf den Anfang des Berufslebens. Gerade dort wird doch immer wieder geraten, sich von Experten testen zu lassen, um den Beruf zu finden, der zu einem passt. Was dabei aber oft nicht beachtet wird ist, dass der gleiche Beruf, bei unterschiedlichen fest vorgegebenen Verfahren zur reinsten Freude oder zum reinsten Grauen werden kann.

Hier mehr Flexibilität, so wenig Vorschriften wie unbedingt nötig und mehr Freiheitsgrade für den Einzelnen können meiner Ansicht nach die Produktivität mehr steigern als jede streng durchgeplante Maßnahme mit Normierungen und Vorgaben. Denn diejenigen, die eh schon konform sind, werden auch diese Maßnahme aufnehmen, und diejenigen, die die Vorgaben als Einengung empfinden, werden auch die neue Maßnahme nur als eine weitere Reglementierung und Einschränkung ihrer Arbeitsweise sehen.

 

 

Ist moderne Telearbeit etwa doch ein Irrweg?

Evgeny Morozov, ein von mir sehr geschätzter Autor veröffentlichte vor kurzem in der FAZ seine Sicht auf die Telearbeit unter dem Titel „Telearbeit könnte Ihre Work-Life-Balance ruinieren„.

Zunächst war ich versucht, zu protestieren, aber bei genauem Studium des Artikels muss ich Morozov zustimmen. Denn was er als Befürchtung aufzeigt hat durchaus korrekte Schlussfolgerungen als Basis.

Morozov geht davon aus, und so wird es heutzutage durchaus noch vielfach gehandhabt, dass in Unternehmen die Möglichkeit der Heimarbeit eingeführt wird, aber immer noch mit dem alten Kontrollanspruch einer hierarchischen Verwaltung, die Mitarbeiter kontrollieren muss, damit sie etwas tun.

Das aber ist kontraproduktiv, da es in den Mitarbeitern eine Mischung aus Angst und Schuldgefühlen produziert, da sie jetzt ja in einem scheinbar freien System arbeiten dürfen, dass aber immer noch, und jetzt quasi rund um die Uhr überwacht wird.

Erst, wenn wir uns auch davon verabschieden, unsere Mitarbeiter permanent kontrollieren zu wollen kann das ganze funktionieren.

Und in einem teile ich da mittlerweile Morozovs Einschätzung: Wenn es überhaupt passieren wird, dann wird es noch lange dauern,  mindestens eine Generation. Bis dahin gilt, seien sie misstrauisch, wenn man ihnen plötzlich einen Heimarbeitsplatz anbietet und hinterfragen sie, wie denn dann ihre „Leistung“ beurteilt wird. Denn so lange im Unternehmen immer noch Anwesenheit=Entlohnung ist, wird es auch eine wie auch immer gestaltete (technische) Überwachung der effektiv gearbeiteten Zeit geben. Und so lange kann ich nur dringend vom Heimarbeitsplatz abraten.

 

 

Das Scheingefecht um die 30 Stunden Woche. Es geht um ganz anderes.

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Ach arbeite doch wie du willst…. Ja gerne, dann bin ich auch besser 😉

Es war ja zu erwarten. Da veröffentlicht ein breites Bündnis von „Experten“ einen Aufruf zur 30 Stunden Woche und kurz darauf, wie im Reflex wettern die Arbeitgeber dagegen.

Dabei geht die Diskussion völlig am Problem vorbei. Wir erleben zwar in Deutschland immer noch eine Beschäftigungssituation, die nicht wirklich prekär ist (mal davon abgesehen, dass viele Menschen sich mit ihrem Lohn eigentlich nicht mehr am Leben halten können, was für ein reiches Land wie Deutschland schlicht eine Schande ist).

Aber blicken wir auf das so häufig bemühte Gesamteuropa sieht die Lage schon viel schlechter aus. Insofern, zumindest ein interessanter Denkansatz ist das schon. Was mich aber stört, es erhebt die Bedeutung der Zeit wieder über die des Ergebnisses. Warum nicht 20 Stunden, wenn auch dann noch die Arbeit getan wird? Warum nicht die gleiche Arbeit auf mehr Schultern verteilen, und das flexibler?

Ich lese gerade das hochinteressante zweite Buch von Cali Ressler und Jody Thompson über ihr ROWE Modell mit dem Titel „Why managing sucks and how to fix it“ und darin zeigen die beiden, dass es in der heutigen Arbeitswelt noch viel zu oft gehandhabt wird, wie zwischen Eltern und Kindern. Wer möchte nicht wie ein Erwachsener behandelt werden, aber ist es wirklich erwachsen, wenn man über jede gearbeitete Minute Rechenschaft ablegen muss? Wenn man bei allem und jedem controllt (Da steckt absichtlich Troll drin) und immer das Gefühl hat, ohne Vorgesetzte, ohne Kontrolle wäre man ein faules Schwein und würde gar nichts tun.

Es wird Zeit, das ganze Konzept von Arbeit neu zu denken. Im Sinne von: „Ich gehe nicht zur Arbeit, ich arbeite“. Damit fällt sowohl der Zeitfaktor, als auch der Ortsfaktor weg.

Wir wechseln immer mehr in eine Wissensgesellschaft und hier müssen wir uns fragen lassen, ist unsere Arbeitswelt darauf wirklich eingestellt? Oder arbeiten wir nicht alle immer noch wie am Fließband, Hauptsache ausgelastet?

Gerade in ihrem neuen Buch zeigen Ressler und Thompson sehr schon an realen Beispielen, wie manigfaltig die Auswirkungen einer ergebnisorientierten Arbeitswelt sind. Und wie viel Verwaltungsoverhead damit abgebaut werden kann. Vielleicht ist es noch nicht so wirklich bewußt, aber Modelle wie Rowe sparen Geld, fördern Leistung, steigern Umsatz. Und das sind keine fiktiven Behauptungen, das können all jene Unternehmen nachweisen, die auf das Modell umgeschwenkt haben. Und es gibt nicht DEN einen Rowe Weg. Jedes Unternehmen sollte sich aber Gedanken darüber machen, ob eine 30 Stunden versus 40 Stunden Diskussion heutzutage überhaupt noch der modernen Arbeitswelt gerecht wird.

Blogparade:Und was machen Sie so beruflich?

Wibke Ladwig startet eine Blogparade. Und das zu einem Thema, das mir in mehrfacher Hinsicht auf den Nägeln brennt.

Was mache ich denn nun so beruflich? Da möchte ich etwas weiter ausholen.

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Auch das ist mein „Arbeitsplatz“, zumindest als Blogger, Forscher, Autor

 

Denn laut meinem Hochschulabschluß bin ich Magister Artium Computerlinguistik und KI. Als Berufsbezeichnung gebe ich Informatiker an. Meine momentane Stellenbeschreibung ist die eines Referenten Online Marketing. Im Nebenberuf, zwar selten, dann aber mit Herz als Referent, Berater und Blogger zu allem rund um Social Media und Mobile Computing sowie Arbeitswelt der Zukunft unterwegs.

Und ich denke, das genau ist es, was mich ausmacht. Dass man mich nicht auf DEN Beruf festlegen kann. Ich versuche, aus Themen und Dingen, die mich interessieren, faszinieren, bewegen oder die ich für die Zukunft für wichtig erachte meine Tätigkeit zu definieren. Darum bin ich möglicherweise auch vor einem Jahr aus der IT ins Marketing gewechselt, aus dem Doing ins Konzipieren. Weil ich denke, dass auch wir Informatiker uns werden immer weniger mit dem Software entwickeln befassen müssen, und viel mehr damit, Konzepte zu finden, wie wir Probleme des Alltags mit Software lösen. Weg vom Verkaufen von Programmen, hin zu einer Beratung für die richtige Lösung eines Problems.

Und was für mich aus der Sicht eines ITlers gilt, wird für immer mehr „Berufsbilder“ und Berufskarrieren gelten. Ich denke, wir alle müssen uns von dem Bild verabschieden, dass wir das, wofür wir „ausgebildet“ wurden, auch ein Leben lang machen. Wir bekommen Rüstzeug für bestimmte Themen mit auf den Weg, aber auch durch den immer schnelleren Wandel in der Gesellschaft, bedingt durch neue Kommunikationsformen und neue Medien ist der Satz vom „lebenslangen Lernen“ endgültig für die breite Masse wichtig geworden.

Nicht, weil wir ohne zu lernen unsere erlernte Tätigkeit nicht mehr ausüben könnten. Vielmehr müssen wir uns damit abfinden, dass viele Tätigkeiten, die wir zum Anfang unseres Berufslebens erlernt haben im Laufe der Zeit starken Veränderungen unterzogen sind oder gar ganz verschwinden.

Dafür bieten sich neue Chancen, die warzunehmen eine breite Sicht auf die eigenen Fähigkeiten bedingt. Möglicherweise entwickelt sich etwas, das wir zunächst als Hobby neben unserem eigentlichen Beruf betreiben zu einem neuen Fulltime Job. Und was ich auch für die Zukunft sehe ist eine höhere Bedeutung von selbständiger Tätigkeit. Sei es im eigentlichen Sinn des Wortes als Freiberufler oder innerhalb eines Unternehmens, in dem es meiner Ansicht nach in Zukunft um erfolgreich zu sein immer flexiblerer Strukturen bedarf, um dem beschleunigten Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft auch mit dem eigenen Unternehmen folgen zu können.

Insofern, im Moment arbeite ich im Marketing an den Themen Social Media und verschiedenen teils technisch unterlegten Themen. Mein Beruf, schwer, meine Berufung, Veränderung zu begleiten, zu unterstützen, zu fördern und zu bewerten. Wie dann mein Jobtitel heißt, das ist für mich persönlich unwichtig. Und dass in meinem Ausweis als Berufsbezeichnung „Informatiker“ steht, hat mehr mit meiner Ausbildung als mit meinem aktuellen Arbeitsumfeld zu tun.

 

Burnout Zahlen steigen. Wundert mich nicht.

Der Stern berichtet, dass die Zahlen von Burn Out bedingten Behandlungen bei den Krankenkassen massiv steigen. Die Zahlen sollen sich binnen acht Jahren um das 18-fache gesteigert haben. Verblüfft mich aber leider nicht wirklich.

Zu viel in unserer Gesellschaft fördert den Burn Out. In einer wirtschaftlichen Situation, in der wohl jeder, der (noch) einen Job hat, mehr als glücklich ist, in der jeder immer genauer beurteilt und bewertet wird, und ja, im Falle einer schlechten Bewertung auch als Humanressource entsorgt wird, da ist das nur ein Symptom.

So lange wir nicht wieder mindestens zwei Gänge runterschalten, so lange wir uns nicht von permanentem Streben nach Spitzenleistungen, nach noch mehr, noch schneller, noch genauer verabschieden, wird sich nichts ändern.

Und wenn jeder, der in Hartz IV abrutscht quasi um jeden Cent kämpfen muss und in einer Existenz landet, die zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig bietet, brauchen wir nicht zu erwarten, dass die Menschen freiwillig einen Zahn runterschalten werden. Dazu muss der Knall noch viel lauter sein. Dann kann es aber schon zu spät sein und die Wirtschaft darunter leiden. Wäre das nicht Grund genug für die Entscheider in der Wirtschaft, hier etwas zu tun? Vermutlich nicht, weil es sich nicht direkt in kurzfristigen Umsatzsteigerungen niederschlägt. Und langfristiges Denken ist ja nicht so die Sache der Finanzmärkte. Noch nicht.

Eine Studie ist eine Studie ist eine Studie

Bei einer Diskussion fiel es mir wieder auf. Da wurde, völlig zurecht festgestellt, dass eine Studie, die die eigenen Leistungen des Unternehmens schlechter bewertete als die der Konkurrenz völlig zurecht abgewatscht, weil die Datenbasis und das Vorwissen mangelhaft war.

Völlig richtig das. ABER: Der Leser, dem diese Studie in Tageszeitung, TV oder auch im Internet präsentiert wird, der hinterfragt nicht erst lange, wie valide die Studie ist. Der nimmt, ob nun zurecht oder unbegründet an, dass der Autor schon geprüft hat, dass die Daten valide und die Erkenntnisse richtig sind. So nur konnte zum Beispiel die Panik entstehen ob Acrylamid in Lebensmitteln. Denn die eigentliche Originalstudie stellte nur fest, dass eine Überdosis bei Mäusen zu Krebs führen konnte. Inwieweit das auf Menschen übertragbar oder auch nur realistisch war, wurde natürlich von den Medien nicht mehr hinterfragt.

Leider geht ein großer Teil der Bevölkerung offensichtlich noch immer davon aus, dass was in der Zeitung steht oder im Fernsehen kommt automatisch auch wahr ist. Dem ist aber nicht so, das mag auch vielen bekannt sein. Aber wenn im Alltag Aussagen aus Studien zitiert werden, mal ehrlich, wer hinterfragt da wirklich jedes Mal, ob diese Studie auch valide wahr? . Und wer macht sich schon die Mühe Wissenschaftszeitungen wie Spektrum der Wissenschaft heranzuziehen oder gar, Gott bewahre, die eigentliche Studie zu lesen.

Insofern, wir sollten immer dran denken. Der Kunde glaubt Studien und Testergebnissen. Ob diese nun valide und korrekt im Sinne einer großen Datenbasis und eines wissenschaftlich fundierten Vorgehens sind, interessiert den Durchschnittsleser nicht. Zurecht, denn tiefergehende Recherche benötigt Zeit.

Und Ergebnissen einer Studie zu widersprechen führt oft nur dazu, dass Kunden die Aussagen der Studie noch eher glauben, frei nach dem Motto: „Klar, das müssen die jetzt sagen, davon hängt ja ihr Umsatz ab.“ Ein Wirtschaft, die nur noch auf den Profit starrt, muss auch damit leben, dass man ihren Beteuerungen, das wäre ja alles nicht so und da hätte jemand fehlerhaft gearbeitet nicht mehr traut. So lange wir es nicht schaffen, dass in der Öffentlichkeit Konzerne nicht mehr nur als reine Profitmaschinen angesehen werden, so lange brauchen wir nicht zu erwarten, dass man unseren Aussagen mehr glaubt als dem, was in der Zeitung steht 😉