Als ich in die Kliniken kam, hatte ich ja eigentlich die Hoffnung, wieder gesellschaftsfähig, wieder passend für die Realität zu werden. Was mir dann aber wiederfuhr war eher ein Erwachen und Erkennen des Alltagswahnsinns. Trump, der rechte Mob, immer mehr Druck und Existenzangst beim Durchschnittsbürger, die dann zur Wahl solch abstruser Parteien wie der AfD führen. Und auch im Beruf (nein, nicht in meinem, bitte nicht schon wieder falsche Schlüsse ziehen) erhöht sich der Druck, wie erst jüngst die Süddeutsche berichtete. Ich versuche jetzt, im Kleinen und Größeren gegenzuwirken. In dem ich meine Geschichte veröffentliche, und zwar von Anfang an. Indem ich an Schulen gehe und dort meine Geschichte erzähle, vermittle, dass nicht das Tun den Wert einen Menschen ausmacht, sondern schon alleine die Existenz. Was ich im Moment auch durch meine Kinder erlebe ist ein Schulsystem, das selbst unter dem unsäglichen Einfluß der Wirtschaft und den unnötigen Experimenten weltfremder Bildungspolitiker leidet.
Und auch in die Medien werde ich weiterhin gehen, auch wenn das dem einen oder anderen ein Dorn im Auge ist. Fürs neue Jahr haben bereits weitere Medien Interesse angemeldet. Ich will gegenwirken, aufklären, den Wahnsinn bloßstellen, der immer mehr Menschen krank macht. Ich bin nicht der Meinung mancher Experten, es gäbe nicht mehr Angststörungen und Depressionen. Mein Alltagserleben vermittelt mir ein anderes Bild. Die Zahl steigt, es fällt nur nicht so auf, weil zum Vertuschen aufgefordert wird, oder weil man sich gezwungen sieht, zu schweigen, um die eigene Existenz nicht zu gefährden.
Wir müssen nicht immer effizienter werden, wir müssen endlich wieder langsamer werden. Wir sind schon zu schnell und da ich nicht erwarte, dass die Wirtschaft in Gegenwart oder digitaler Roboterzukunft an den Menschen in einer anderen Rolle als dem blöden Konsumenten denkt, dem man jeden Dreck andrehen kann, muss der Konsument, der Mensch sich emanzipieren. Es gilt, wieder andere Prioritäten zu setzen und nicht denen zu glauben, die direkt oder indirekt von unserem Konsum abhängig sind und uns Produkte einreden, die kein Mensch braucht. Functional Food, Autos mit viel Gewicht und viel PS, Private Vorsorge, die von den Gebühren und der Steuer aufgefressen wird. Nein, da will man nicht unser Bestes oder Moment, eigentlich doch, unser Geld. Wenn man das hat ist der Konsument uninteressant.
Leistungsmessung, Beurteilung, das Einreden unnötiger Fitnessprodukte oder Gesundheitsmittelchen. Nichts, was wir brauchen, aber oft etwas, das den Druck direkt oder indirekt erhöht. Wir müssen wieder langsamer, einfacher, egoistischer denken. Sonst werden noch mehr Therapeuten und Ärzte gebraucht,die dann selbst nach wenigen Jahren wegen eines auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmten Gesundheitssystems am Boden sind. Der Irrsinn hat Methode. Weil an ihm die Businesskasper verdienen. Und Menschlichkeit ist eben keine gewinnbringende Komponente im Monopolyspiel der Wirtschaft.
Und nein, auch dieses Mal ist niemand von denen gemeint, die gemeint zu sein gerne meinen dürfen.
Disclaimer: Wer sich hier erkannt fühlt und nicht namentlich genannt wurde ist, wie bei allen meinen Postings, sei es hier oder in Social Media NICHT GEMEINT. Weitere Post brauche ich wirklich nicht.
2016. Das Jahr eins nach meinem Suizidversuch. Und schon zu Beginn ein holpriger Start. Zu schnell wollte ich wieder zu perfekt sein. Das endete erst mal wieder in der Tagesklinik. Danach ein 12 wöchiger Neustart, der mich endlich wieder zurück in einen „normalen“ Arbeitsprozess brachte, zumindest was meinen Hauptberuf angeht. Daneben letzte Arbeiten an meinem ersten in einem klassischen Verlag erscheinenden Buch. Bastei Lübbe wurde für mich in diesem Jahr endgültig zu meiner literarischen Heimat, auch dank toller Menschen, die mich in der Entstehung des Buches unterstützten. Danke Cindy Witt, danke Angela Kuepper, danke auch Ragna Sieckmann und Tina Pfeifer, die sich um Autor wie Buch wirklich toll gekümmert haben. Weder wurde irgendwie kritisiert, dass die Erzählung von geplanten 250 Seiten auf notwendige 430 Seiten anwuchs, noch wurde der Inhalt wesentlich verändert, der zu 100% aus meiner Feder stammt. Und das Lob von dir liebe Angela sowohl über Projekt als auch Inhalt. Es haut mich noch heute von den Socken, wenn ich die EMail mal wieder hervorkrame. Und damit hat sich meine Berufsbezeichnung speziell in den Online Medien geändert. Ich bin jetzt Autor und weitere Bücher sind bereits in Planung bzw. im Entstehen.
Und dann war da auch noch die 37° Reportage „Viel mehr als Traurigkeit“, geplant und organisiert von Wibke Kämpfer. Das Team war sehr einfühlsam, die Drehs so authentisch wie möglich und das Endergebnis spricht glaube ich für sich. Ja, ich weiß, eigentlich war das ganze zu kurz, aber so ist nun mal das Format von 37° und mir war insbesondere wichtig, dass das Thema Depression im öffentlichen Fokus bleibt, damit endlich die Stigmatisierung psychisch Kranker endet. Auch hier waren die Reaktionen überwältigend positiv, wenig Kritik viel Dank für die offene Kommunikation und für mich Bestätigung, dass ich mit meiner Strategie richtig liege.
Auch die re:publica 2016 war für mich etwas ganz besonderes. Meine erste re:publica mit eigener Session und dann noch gemeinsam mit Kati Krause über mein Herzensthema: Social Media und Depression. Nicht nur dort, auf der re:publica war der Zuspruch phänomenal. Die Medien wurden aufmerksam.
Elektrischer Reporter, bayrisches Fernsehen, Südwestpresse, Huffington Post Deutschland, die Liste verlängert sich im Moment täglich. Man war besorgt, ob ich diese Öffentlichkeit verkrafte, ob das alles nicht zu viel für mich sei. Nein Leute, im Gegenteil, es ist für mich ein Quell neuer Motivation, mich weiter mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen und anderen Menschen aus dem Versteck zu helfen und die Angst vor der Krankheit und der Behandlung selbiger zu nehmen.
Die Buchmesse 2016 war für mich die erste, die ich nicht nur als Autor sondern auch als Fachbesucher besuchte. Gespräche mit meinen Verlagsansprechpartnern, neue Menschen, die mich, ein völlig neues Gefühl, erkannten und sich fast wie Fans benahmen. Es baute ungemein auf und stärkte mich in einer Phase, in der ich noch sehr verletzlich und unsicher war. Zu Beginn war ich Autor laut meiner Visitenkarte. Am Ende fühlte ich mich auch wie ein solcher. Danke allen, die sich dort mit mir getroffen und ausgetauscht haben. Besonders auch Firas Alshater, ein Mensch, den ich bewundere und dessen Buch ich nur jedem ans Herz legen kann, der einen Blick in eine syrische Seele werfen will, erfahren will, was Menschen wirklich in Syrien erleiden und wie es sich anfühlt, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen, dem Königreich des Papierkriegs. Danke Firas, dass du für mich Zeit hattest, danke für dein Buch, danke, dass ich dich kenne. Und danke Jan. Was du mit Firas zusammen auf die Beine gestellt hast und stellst, ist einfach großartig!
Das Barcamp Glück von Lotto BW war ein weiterer spannender Event. Klein aber fein, Gelegenheit, neue Menschen mit ihren Geschichten kennenzulernen, meine Geschichte zu erzählen und erneut in den Austausch zu gehen, zu reflektieren und dem Thema des Barcamps geschuldet auch zu lernen, wie viel Glück ich auch im Unglücksjahr 2015 hatte.
Anfang November dann der von mir schon erwartete Rückfall, kurz, voller Missverständnisse und in seinen Auswirkungen auf mein Umfeld von mir so nicht erwartet. Nicht jede Reaktion war schön, nicht alles kann ich rückblickend verstehen, aber ich habe gelernt, ich muss auch nicht alles verstehen. Ich muss lernen, damit umzugehen, andere Sichtweisen oder Interpretationen zu akzeptieren. Aber ich muss sie mir eben auch nicht mehr zu eigen machen. Zwar gab es Kommunikation, insbesondere mit meiner Frau, die ich bis heute nicht akzeptieren kann. Aber hey, warum aufregen, es gibt wichtigeres.
Dieser Knüppel im Weg meiner Heilung war aber nicht lange ein Hindernis. Schulen und Schüler warteten und warten auf Aufklärung, darauf, meine Geschichte zu hören. Schwäbisch Hall, Heilbronn, Winnenden und Ellwangen im neuen Jahr sind nur einige. Ich bin allen bislang besuchten Schulen und Schülern für ihr Interesse und für die wirklich sehr intelligenten und teils schweren Fragen sehr dankbar. Und ich werde meine Geschichte weiter erzählen, in der Hoffnung, dass sie weiterhin das bewirkt, was schon in der Zeit der Tweets #ausderklapse passierte. Menschen, die sich wegen meiner Initiative mehr um sich selbst kümmern, Menschen, die zur Sicherheit einen Therapeuten aufsuchen, Menschen, die anderen betroffenen Menschen zur Seite stehen.
All jenen, die aus meinem Beispiel etwas für sich herausgeholt haben sage ich danke. All jenen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen sei es beruflich oder privat als Freund oder Angehöriger beistehen sage ich erst recht DANKE. Ihr tut etwas ungeheuer wertvolles und es kann durchaus sein, dass ihr im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben rettet.
Mein allergrößter und nicht wirklich vollumfänglich ausdrückbarer Dank gilt aber meiner wundervollen Frau Sibylle, die mir die ganze Zeit zur Seite stand, die unglaubliches geleistet hat in der Zeit, die für mich die schlimmste meines Lebens war und die mir dort wieder herausgeholfen hat.
Am 13. Januar 2017 endlich auch physisch im Buchhandel verfügbar, ich hoffe auf viele Leser und viel Feedback
Und danke meinen drei wundervollen Kindern. Euer Zusammenhalt, eure spürbare Liebe zu mir, auch als ich eben nicht der Vater war, der ich sein wollte, das alles kann ich euch gar nicht hoch genug anrechnen. Ihr seid wundervolle, starke, mutige, kluge, empfindsame und besondere Menschen. Bleibt so. Es gibt viel zu wenige von dieser Art.
2017 wird für mich das unglaublichste Jahr überhaupt. Weitere TV Auftritte, am 13. Januar 2017 erscheint endlich mein Buch „Depression abzugeben“. Weitere Artikel, Aktionen, vielleicht sogar Lesungen. Wer weiß, was noch alles kommt. Nur eins weiß ich. Ich werde weiter laut, aktiv, ein Lobbyist sein für all jene, die sich noch nicht offen zu ihrer psychischen Krankheit zu bekennen wagen.
Mein Brot- und Butterberuf soll wieder normal laufen, aber ebenso bleibe ich Autor, Blogger und „Aufklärer“ über Depression, psychische Krankheiten und Suizidprävention und werde auch 2017 den Blog mit Blick auf diese Themen weiterführen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann neue Perspektiven für den Autor Uwe Hauck und seine Buchprojekte. 2016 war für mich trotz all der Dramen, der traurigen Verluste und des zukünftigen Horrorpräsidenten der USA ein aufwühlendes, spannendes, neue Wege ebnendes Jahr. 2017 darf kommen, aber bitte mit weniger Drama und mehr guten Wendungen.
Euch allen wünsche ich ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Ich genieße die Vorweihnachtszeit zum ersten Mal seit Jahren wieder wirklich. Wir lesen uns 2017. Dank euch allen, die ihr mir zur Seite standet, sei es virtuell oder real. Ihr habt mir mehr geholfen, als ihr euch vorstellen könnt.
Ja, ich kann wieder arbeiten. Meine Depression ist nicht mehr da, oder sagen wir besser, ihre Symptome. Und wenn sie wiederkommen, weiß ich damit umzugehen. Die Angststörung hatte mich bis vor kurzem Fest im Griff, aber auch sie schaffe ich nach und nach unter Kontrolle zu bekommen. Nicht von heute auf Morgen aber sie ist nicht mehr so mächtig, dass sie mich zum äußersten treiben könnte. Sie verdirbt mir manchmal noch ganz gehörig den Spass an Unternehmungen, aber das nehme ich ihr dann auch ordentlich übel und rede nicht mehr mit ihr.
Wer erkannt hat, dass er eine psychische Krankheit hat, wer sie angenommen hat und gelernt, welche Verhaltensmuster sie auslösen und welche er gegenteilig wirken, der hat ein gutes Instrumentarium an der Hand, sein Leben jenseits psychischer Probleme zu meistern. Suizid ist mittlerweile für mich keine Alternative mehr, da habe ich durch ein sehr intensives Gespräch in der Reha vieles gelernt und weiß jetzt, das ist nicht der richtige Weg.
Ich habe Verbündete im Kampf gegen meine Depression und die Angststörung. Sie sind zwar noch mächtig, aber nicht mehr übermächtig. Und mit ein wenig Aufmerksamkeit kann ich sie so weit unter Kontrolle halten, dass mein Leben nicht nur funktioniert, sondern auch lebenswert ist.
Vielleicht die wichtigste Botschaft hat meine Frau so wundervoll formuliert. Es gibt IMMER einen Weg. Ja, ein kluger Satz. Jetzt muss ich ihn nur noch glauben. Falls einer weiß, wie das geht, melde er sich bitte.
Etwas, dass man mit Depressionen oft genug hat ist Angst. Angst davor, Menschen könnten glauben, man sei nicht mehr leistungsfähig. Angst davor, man würde in die Arbeitslosigkeit abrutschen, ein Fall für Hartz IV werden, diesen Niedergang nicht mehr aushalten und doch wieder den finalen Ausweg suchen.
Es ist ja nicht so, dass nicht viele dieser Gedankengänge auf begründeten Annahmen beruhen. Aber in einem depressiven Schub verrücken hier die Wahrscheinlichkeiten. Man sieht sich schon in den nächsten Wochen am Ende, verlassen, alleine, hoffnungs- und hilflos.
Wenn man dann einen Menschen an seiner Seite hat, leidet dieser zwangsläufig mit. Denn auch wenn jetzt manche annehmen mögen, mit jemandem, der einem die Realität vor Augen führt, wird das alles schon wieder, falsch gedacht. Man findet genug plausible Wege auf dem schlimmstmöglichen Pfad zu bleiben. Und selbst wenn man sich bewußt gemacht hat, so schlimm wird das Ganze nicht. Es bleibt ein ungutes Gefühl, ein Kribbeln, eine permanent anwesende Nervosität, die einem die Tage zur Hölle macht, weil man immer wieder in Ängste in Befürchtungen von Niedergang abrutscht und letztlich nichts genießen kann, was wiederum die Gesamtverfassung schlechter werden lässt.
Ich kenne kein probates Mittel gegen diese Ängste, außer sie auszuhalten und auf eine langsame Abnahme der Panik zu hoffen. Und ich möchte endlich wieder die optimistische Realität, die ich früher hatte. Das, was ich im Moment meine Realität nenne, gefällt mir nicht, selbst mit all den tollen TV Auftritten und dem Buch. Vergängliche Ereignisse im Blick auf die nächsten Jahre.
Wenn ein Barcamp den Begriff „Klassentreffen“ tragen darf, dann das Barcamp Glück am 26. November 2016, ausgerichtet von Lotto BW.
Lotto BW hatte eingeladen, einen Tag über das große Thema Glück zu diskutieren. Und das Spektrum der Beiträge war trotz knapp über 20 Teilnehmern weitgefächert. Transgender und Süsskrams, Depressionen und LegoPorn. So vielfältig wie die Teilnehmer war auch das Sessionprogramm. Lediglich zwei Räume gab es, das reichte aber vollkommen um selbst bei nur zwei Session Locations die Auswahl manchmal ganz schön schwer zu machen.
Eroffnet wurde das ganze mit einem Impulsvortrag der Glücksministerin Gina Schöler, der uns allen mal wieder vor Augen führte, dass Geld nicht alles und das Glück oft im Kleinen, alltäglichen versteckt ist.
Mögen manche Teilnehmer zu Beginn noch Bedenken gehabt haben, inwieweit Lotto BW das Programm in ihrem Sinne beeinflußen wollte, konnten diese sehr schnell zerstreut werden. Wie bei jedem Barcamp durfte jede Session angeboten werden, lediglich der Wunsch war, vorhanden, es möge in irgendeiner Art etwas mit Glück zu tun haben. So betrachtete ich in meiner Session weniger, was mir in 2015 zugestossen, sondern was daran an Glück auf mich niedergegangen war.
Glücksministerin Gina Schöller
Dana Diezemann berichtete in ihrem sehr sehenswerten Vortrag von ihrem Weg in den richtigen Körper. Wer sie mal irgendwo sehen und hören kann, hingehen, es lohnt sich.
Das war LEEEEEEECKER! Und dank meines Einhorns auch noch SOOOO FLAAAAAUUSCHIG
Für mich immer wieder ein Highlight, wenn die Jungs auf einem Barcamp zugegegen sind war das Sweetup von Christian Kaufmann, Jay F Kay und Jens A. Heim mit 5 besonderen Leckereien, darunter wie für mich gemacht auch mein Favorit, Lakritze ausIsland mit dem fasten schon lyrischen Namen Djupur. Soll ja sogar gegen Depressionen helfen (Urban Legend generiert, Missetat begangen)
Auch mein Einhorn „Depression“ war natürlich dabei
Und aus der LegoPorn Session von Frank aka Riedelwerk, in der es eigentlich nur darum ging, kleine Stopp Motion Filmchen mit Lego Figuren und Smartphone zu machen, habe ich wieder festgestellt, wir alle leben viel zu Ernst. Wir lassen uns von angeblichen Zwängen unser Leben diktieren statt so häufig wie nur irgend möglich Spass zu haben. Die Humorlosen haben scheinbar die Herrschaft übernommen, die Langeweile und Businesskasper. Also, setzen wir ihnen etwas entgegen. Lasst uns wieder völlig sinnfreien aber GLÜCKLICH machenden Spass haben. Davon haben wir in letzter Zeit viel zu wenig.
Mein Fazit von einem Tag in einem sehr familiären Barcamp. Unbedingt wieder machen. Location, Essen, Teilnehmer, alles passte und obwohl ich am Anfang verblüfft ob der kleinen Zahl von Teilnehmern war, es hat gepasst. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir beim nächsten Mal doppelt so viele? Luft nach oben ist noch. Das gibt die Location her.
Dann bis zum 2. Barcamp Glück in 2017
Ein ganz großes Daumen nach oben für die Organisatoren, das war klasse.
Und das meine ich – manchmal – völlig ernst. Ich habe eine generelle Angststörung, die in guten Phasen überhaupt nicht in Erscheinung tritt, mich aber insbesondere in depressiven Phasen komplett aus der Bahn werfen kann. Die Trigger kenne ich, aber leider kann ich manche nicht meiden. Entweder, weil man meint, es wäre gut, ich würde mich ihnen aussetzen – NEIN, ist es nicht – oder weil man einfach keine Interesse daran hat. Dann fällt es sehr schwer, stabil zu bleiben. Ja, langfristig muss ich lernen, mit diesen Triggern stabiler umzugehen aber hallo? Ich bin erst seit Anfang des Jahres wieder langsam ins normale Leben zurückgekehrt, und wie mir mein Therapeut so schön erklärte: Was sie Jahrzehnte mit sich herumgeschleppt haben, kriegen sie nicht einfach mal so in ein oder zwei Jahren in den Griff.
Deshalb versuche ich mein Leben im Moment so stressfrei wie möglich zu halten. Weil ich lebensgefährlich intensiv erlebt habe, wie schlimm es enden kann, wenn ich mich zu viel Stress aussetze. Der ist ja schon für normale Menschen ungesund, für mich, als Mensch mit einer Depression noch viel schlimmer.
Also bitte, insbesondere all ihr Besserwisser, Hobbytherapeuten, Ignoranten, lasst mich, nein lasst uns in Ruhe. Denn was wir brauchen ist Verständnis und Toleranz. Dann können wir weiterhin ein normales Leben führen. Wenn aber die gerade geschlossenen seelischen Wunden permanent wieder geöffnet werden, wenn wir beobachtet werden, als wären wir ein lebensbedrohlicher Sprengsatz, dann, ja dann macht das alles nur noch schlimmer. Ich habe einige wunderbare Menschen kennengelernt in meinen Klinikaufenthalten, die teilweise wegen genau solchen Verhaltens wieder in der Klinik gelandet sind. Das will ich nicht, deshalb ist Selbstfürsorge das wichtigste. Und dazu gehört eben manchmal auch der Satz: „Lasst mich doch alle in Ruhe.“
Nein, eben nicht. Ich bin eben nicht gesund. Ich formuliere es eher wie folgt: Ich kenne jetzt meine Krankheit, und habe sie besser, aber nicht total unter Kontrolle.
Zumal ich nicht nur eine Depression, und zwar eine chronische mit mir herumschleppe, die ich wohl schon seit Jahrzehnten habe, es gehört zur Diagnose auch noch eine generelle Angststörung, wohl auch ein „Überbleibsel“ meiner Kindheit und Jugend. Und Ängste wird man nicht so einfach los. Warum ich so offen damit umgehe hat zum Teil damit zu tun, dass ich es leid bin, mich zu verstellen und den entspannten, fröhlichen Menschen zu spielen, wenn mich meine Ängste innerlich förmlich zerfressen.
Klar, ich habe Mittel an die Hand bekommen, diese Ängste zu steuern. Und im Alltag, sei es beruflich oder privat, kann ich meist sehr gut damit umgehen. Aber es gibt Trigger, ganz bestimmte Trigger, wenn ich denen massiv ausgesetzt werde, dann entsteht instant Panik. Nicht langsam ansteigend, sondern von 0 auf 100. Und da helfen dann auch meine Tricks nichts. Da ist es besser, die Trigger zu meiden, oder sich schon zuvor intensiv darauf vorzubereiten. Aber für mich ist vor allem in depressiven Phasen vermeiden das beste.
Das ist es, warum ich öffentlich bin, warum ich über meine Krankheit spreche. Weil es noch so viel Unverständnis für psychische Krankheiten gibt. Wir sind weder gefährlich, noch unproduktiv, noch dumm. Aber wie andere Menschen, die eine chronische Krankheit haben, müssen wir unser Leben anders arrangieren, als gesunde Menschen. Ja, ich weiß, dass meine Ängste oft irrational, übertrieben sind. Aber sie sind da und sie überrollen mich. Da ist es dann wenig hilfreich, mich mit Ratschlägen wie, du übertreibst, ist doch alles nicht so schlimm zu trösten. Doch, für mich in diesem Moment ist es schlimm. Und eigentlich will ich mit meiner Angst da nur akzeptiert werden. Weil wie meine Depression die Angst für mich spürbar und real ist. Sie geht irgendwann vorbei. Aber das dauert länger. Und in dieser Zeit ist Verständnis am hilfreichsten.
Vielleicht sollte man sich einfach vor Augen halten, dass Menschen mit psychischen Krankheiten sehr stark sind, weil sie jeden Tag den Kampf gegen die Hemmnisse durch die Krankheit aufs neue aufnehmen. Manchmal gewinnen wir, manchmal verlieren wir. Aber wir kämpfen.
Das erste, was als Reaktion auf die 37° Sendung am Mittwoch „Viel mehr als Traurigkeit“ kam, war: Du bist ja mutig. Darauf kann ich nur erwidern. Nein, es war für mich eine Konsequenz, eine stringente Idee, geboren aus der Erkenntnis, dass ich mir selbst und meiner Umwelt jahrelang nicht eingestehen wollte, Depressionen mit mir herumzutragen. Das daraus resultierende, permanente Gefühl, nicht ganz richtig, irgendwie kaputt zu sein, brachte mir in letzter Konsequenz eine generelle Angststörung ein und die wiederum den Suizidversuch. Auf den bin ich so was von NICHT stolz, aber er war entscheidender Wendepunkt. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine Diagnose, eine Erklärung und was am schwerten wiegt, Hilfe.
Natürlich wäre es viel besser gewesen, das alles früher zu durchschauen. Da hat nicht zuletzt auch die schlechte Versorgung mit kassenzugelassenen Therapeuten ihren Anteil dran. Es gibt jede Menge Therapeuten, aber nur ein Bruchteil hat eine Kassenzulassung, wird also von der Krankenkasse bezahlt. Für mich bedeutete das 1 Jahr Wartezeit. Und was bei mir erschwerend dazu kam. Ich hatte und habe nie diese völlig antriebslosen Phasen, im Gegenteil. War ich tief in einer depressiven Episode, war erst recht produktiv. Scheisse drauf, aber produktiv wie Sau.
Dass all die Jahre meine Frau Sibylle so bedingungslos zu mir gehalten hat, ich kann es ihr gar nicht hoch genug anrechnen. Und jetzt, mit der Diagnose und einem wachsenden Verständnis für die Rahmenbedingungen und die Unheilbarkeit meiner Depression lernt die ganze Familie, besser damit umzugehen. Und ich übe mich in Selbstfürsorge. Denn noch etwas habe ich gelernt. Das Umfeld reagiert auf einen depressiven Menschen wie auf einen gesunden. Weil man die Depression eben nicht sieht. Nur weil ich wieder auf der Arbeit erscheine, bin ich nicht geheilt. Ich hab die Sache unter Kontrolle, solange keine Trigger für meine Angststörung mich überrollen. Darauf muss ich achten, die muss ich meiden, dann kann es gut laufen, auch längerfristig.
Aber was ich schon während und auch noch nach der Sendung zum allergrößten Teil erlebt habe war Verständnis, Interesse und tolles Feedback. Ich habe mich mit meiner Depression öffentlich gemacht, exponiert und es ist nichts (schlimmes) passiert. Aber ich brauche mich jetzt nicht mehr dauernd zu erklären. Der nächste Schritt meines öffentlichen Umgangs mit Depressionen ist bereits vorbestellbar. Depression abzugeben: Meine Geschichte vom Suizid bis zur Entlassung aus der Klinik. Quasi die Rückkehr ins relativ normale Leben, denn der Alltag ist heutzutage oft wahnsinniger als alles, was mir in den Kliniken begegnet ist. Deshalb auch keine Sorge. Das Buch ist durchaus sehr lustig, hat aber auch seine traurigen Momente. Mehr als mit diesem Buch kann ich mich nicht mehr exponieren, denn darin lege ich auch meine Defizite offen, die Erkenntnisse und die Wunden, die man mit sich trägt und die einen oft schmerzhaft niederwerfen.
Ich kann nur sagen ja, wir sollten, nein wir müssen über Depressionen reden. Über psychische Krankheiten generell, damit das Stigmatisieren aufhört, damit mehr Menschen es wagen, sich Hilfe zu holen. Psychische Krankheiten sind behandelbar und es lässt sich mit der richtigen Hilfe dennoch gut mit ihnen leben. Aber dafür muss man es wagen, sich Hilfe zu suchen und zumindest das engere Umfeld, das sowieso mit den Unwägbarkeiten der Krankheit leben muss, auch aufzuklären.
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