Es ist an der Zeit, einmal danke zu sagen.

Depression abzugeben“ war für mich kein Buch, das ich wegen des Geldes geschrieben habe. Es war auch kein Buch, mit dem ich Ruhm und Ehre zu erlangen gedenke. „Depression abzugeben“ ist meine Geschichte, ein Stück Wahrheit, verpackt zwischen zwei Buchdeckeln, niedergeschrieben auf 432 Seiten.

Und es war ein schwerer Schritt, so sehr in die Öffentlichkeit zu gehen, mich so sehr für andere Menschen zu öffnen. Aber letztlich war das Öffnen meiner Seele, meines Wesens für mich der wichtigste Schritt zur Heilung. Daraus entstand zunächst über die Tweets #ausderklapse der Wunsch, andere an meinem Heilungsprozess teilhaben zu lassen. Weil ich spürte, in den Feedbacks lesen konnte und aus eigener Erfahrung erlebt hatte, wie schwer es immer noch fällt, über psychische Erkrankungen zu sprechen. Wie sehr mir meine Leser und die Medien recht geben würden, das hat mich zutiefst überrascht. Zeitungen, Radiosender, selbst das Fernsehen zeigt ehrliches Interesse.
Aber was mich am meisten überwältigt sind die Reaktionen der allerwichtigsten Menschen, meiner Leser. Nicht nur, dass „Depression abzugeben“ tatsächlich viel gekauft wird. Nicht nur, dass es da draußen Menschen gibt, die ein ehrliches Interesse an meiner Geschichte haben. Die Rezensionen, oh diese Rezensionen. Ich dachte immer, Kritik bereite mir Schwierigkeiten. Aber das so überaus positive Feedback, die vielen fünf Sterne Bewertungen (als ich das hier schreibe alleine 18 Stück bei Amazon), die wundervollen EMails, Postkarten, Briefe. Danke, DANKE, DANKE!

Ich bin kein Bestsellerautor, kein Schriftsteller, sondern ein Mensch, der hofft, durch seine Erfahrungen anderen helfen zu können. Und es scheint zu gelingen. Großartig. Einfach Großartig.

Aber einen Mitarchitekten dieses Buchs darf ich nicht vergessen. Bastei Lübbe, die mein Manuskript als einer von drei Verlagen wirklich veröffentlichen wollten, die an meine Geschichte glaubten Und dort besonders, Cindy Witt, Ragna Sieckmann und Angela Kuepper. Drei Frauen, die mich ermutigen, unterstützen, zu viel loben (geht das eigentlich) und die mein Debut fantastisch begleitet haben.
Und ein besonderer Dank geht auch an meinen Agenten Eric Riemenschneider, der nicht nur an meine Geschichte sondern auch mein Schreibtalent und den Erfolg des Ganzen geglaubt hat.
Ich verneige mich vor so viel Vertrauen und kann nur ergänzen. Auch das war Heilung. Sogar ein sehr großes Stück Heilung.

Danke euch allen, ihr habt mich auf meinem Weg unterstützt und tut es durch täglich neues, unglaublich ermutigendes Feedback jeden Tag aufs neue.

„Das Leben ist ein Roman, für dessen Happy End zu selbst verantwortlich bist.“

Und ja, auch wenn es der eine oder andere rührselig oder kindisch empfinden wird. Auch nach diesem Text stehen mir Tränen in den Augen. Weil ich die Veränderung spüre, weil ich noch am  Leben bin, sein darf, sein werde und weil ihr alle mir ein klein wenig zurück ins Leben geholfen habt.

Auch dafür sei euch allen nochmals herzlich gedankt.

Leseprobe Band II von „Depression abzugeben“

Ich weiß weder, ob mein jetziger Verlag Interesse an einer Fortsetzung haben wird noch, ob sich ein anderer Verlag findet. Aber das ficht mich nicht an, bereitet mir doch das Schreiben an sich Freude. Hier also für alle, die nach der Lektüre von „Depression abzugeben“ etwas weiteres Futter wollen eine kleine Leseprobe von Band zwei, der im Moment den Arbeitstitel „Freilandhaltung“ trägt.

Sie sind entlassen
Ich habe überlebt. Drei Kliniken, drei Versuche, mir auf die Schliche zu kommen, meine Krankheit zu erkennen, zu verstehen, zu heilen. Und irgendwie fühle ich mich dennoch nicht anders, nicht sicherer, nicht verändert.
Ich bin rein in die Psychiatrie mit der Diagnose schwere Depression und Suizidversuch. Dann hat man noch meine Ängste ausgegraben. Nicht die, die wir alle haben, wenn es dunkel ist und man alleine unterwegs. Wenn man sich fragt, ob man den Herd wirklich ausgemacht hat.
Es sind existentiellere Ängste, manchmal nur für einen selbst fassbar, Ängste vor Jobverlust, Ängste vor den Meinungen anderer und ja, in letzter Konsequenz selbst die Angst vor der Angst. Und da bin ich immer noch richtig gut. Wenn andere schon längst abwinken, weil das doch alles unrealistisch ist, kann ich mir immer noch eine weitere Eskalationsstufe der persönlichen Katastrophe vorstellen.
Und eine Agoraphobie, also eine Phobie vor großen Menschenmengen habe ich obenauf. Nicht, wenn ich auf der Bühne stehe, da ist der Begriff Rampensau wie für mich gemacht. Aber danach, in der Menge, das Bad ist für mich ein Bad wie direkt aus Psycho.
Die Sonne scheint ausnahmsweise an diesem Morgen. Diesem ersten Morgen, an dem ich wieder zur Arbeit gehen werde. Nicht gänzlich normal, denn ich werde wiedereingegliedert nach dem Hamburger Modell, und das hat nichts mit der Fast-Food Kette zu tun, auch wenn mir die Aussicht ähnlich auf den Magen schlägt wie mancher Besuch bei eben diesem Burgerbrater es in der Vergangenheit getan hat.
Mein Frühstück heute bestand wie eigentlich immer, wenn ich zuhause bin aus einer frisch gebrühten Tasse Kaffee und dem Lesen der neuesten Nachrichten auf meinem Smartphone. Das vermutlich hätte bei manchen meiner Gott sei Dank hinter mir liegenden Therapeuten zu mahnenden Fingern und Worten geführt wie: »Aber Herr Hauck, sie müssen doch etwas essen. Aber Herr Hauck, doch nicht jetzt schon das Smartphone.« Und wahrscheinlich auch die Ermahnung meines speziellen Therapeuten des Grauens. »Herr Hauck, ich fürchte, sie sind Internet süchtig.« Was hat der mich mit seinem Blödsinn auf die Palme gebracht. Gott sei Dank hatte ich damals Juliane in der Klinik, die mich wieder eingefangen hat. »Das machen die doch absichtlich, damit du endlich mal auf Krawall bürstest.« Sie hatte wohl recht damit, oder zumindest war das für mich eine Aussage, die das ganze Theater etwas erträglicher gemacht hat. Aber genervt hat es trotzdem und mein Vertrauen in die objektive Betrachtung meiner Person hat es damals für lange Zeit kaputt gemacht.
Es ist an der Zeit, mich auf den Weg zu machen. Weil es einfacher ist, und weil es meine Grundstimmung nach all den Erkenntnissen aus einem halben Jahr Therapie und ebenso langem Warten auf dieselbe am besten repräsentiert, trage ich schwarz. Komplett, Socken und Unterwäsche inklusive. Ich musste deshalb wochenlang erklären, dass niemand verstorben ist, dass ich keine Trauer trage. Manchmal hab ich dann gesagt, doch, ich trag Trauer über all die dummen Fragen und Ratschläge, die ich auch jetzt noch bekomme.
Ich fahre wieder mit dem Rad. Endlich. Das ist auch der einzige Sport, den ich betreibe. Das mit diesem: »Kaufen Sie sich Joggingschuhe und gehen Sie regelmäßig laufen«, das mir der Arzt nach meinem Burn-out damals geraten hat. Ja, ich habe es ein halbes Jahr gemacht. Hab dabei ordentlich Gewicht verloren. Und nach und nach die Lust, im Kreis zu rennen, japsend und jedes Mal genervt zu hause anzukommen. Also hab ich es gelassen. Gut, wenn mir ein Arzt wieder mal die scheinbar alles entscheidende und das Leben sofort gesund und glücklich machende Frage stellt: »Treiben Sie Sport«, antworte ich natürlich strahlend und hochmotiviert »Aber ja, ich fahre Fahrrad.« Dass das dann jeden Tag gerade mal 6 Kilometer zur Arbeit und zurück sind und ich die Hälfte davon ganz entspannt rollend absolviere: Kann man erwähnen, muss man aber nicht. Das ist etwas, dass ich in den Kliniken gelernt habe. Immer schön aufpassen, was für ein Mensch vor dir sitzt, welches Weltbild er für das selig machende hält. Und dann auswählen, was dir gefällt. Denn wenn man allen Ratschlägen jedes Therapeuten folgen würde, der den eigenen Lebensweg bzw. Leidensweg streift, man müsste sich permanent und teilweise radikal ändern.
Ich schnappe mir meinen Rucksack, gebe Sibylle und den Kindern einen Abschiedskuss und steige aufs Rad, das draußen vor der Haustür bereits wartet. Noch den Mini-Kopfhörer aufgesetzt, Alanis Morisette als Mixtape gestartet und los geht’s. Freue ich mich eigentlich auf die Arbeit? Ist irgendwie schwer zu sagen. Momentan hab ich wohl eher Angst vor dem, was mich erwartet. Angst, wieder die gleichen scheinbar guten Ratschläge zu kriegen, auf Unverständnis zu stoßen oder vielleicht sogar irgendwann die Kündigung in Händen zu halten. Okay, Letzteres ist wohl meinem Drama-Queen Anteil geschuldet.
Das surrende Geräusch der Reifen auf dem Asphalt klingt ungewohnt nach der langen Zeit ohne Fahrradfahren. Die Felder sind leer, es ist kalt aber kein Schnee pudert die Landschaft ein, es ist eher grau und trist. Dann wechselt die Umgebung und ich gelange in die Außenbezirke meines Arbeitsortes. Typische Einfamilienhäuser, so sauber und gepflegt wie austauschbar. Genau wie die Leben, die darin geführt werden. Vor jedem Haus parkt mindestens ein Auto. Gewaschen, gepflegt, auf Pump gekauft. Wie wohl auch das Haus, die Einrichtung, das ganze Leben. Auf Pump, geliehen, nicht das eigene sondern das, was man denkt, führen zu müssen.
Auf den Gehwegen sieht man viele Gestalten, die entweder noch gar nicht aufgewacht sind, oder für den Weg zur Arbeit beschlossen haben, dass man da auch mit noch halb wachem Verstand gut bedient ist. Wobei, eigentlich dürften viele auch während des Arbeitstags ihren Verstand irgendwo draußen zum Spielen geschickt haben, denn eigenständiges Nachdenken ist ja… Ich merke, ich muss aufpassen, ich eskaliere schon wieder Dinge, die mich auch nach den Therapien am Normaltag der Mehrheit stören. Dinge, die ich schon vor einem Jahr nicht für richtig gehalten habe und die ich auch heute ablehne. Aber leider bin ich nicht in der Situation, hier etwas ändern zu können. Nur darüber schreiben, das kann ich.
Denn seit der stationären Therapie arbeite ich an meinem ersten Buch. Ein Literaturagent war damals auf mich zugekommen und hatte gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könne, aus den Tweets, die ich #ausderklapse gesendet habe, ein Buch zu machen. Die Mail kam mir damals zunächst wie ein schlechter Scherz, wie Spam vor.
Mein Leben, eine Geschichte? Das Leben, das ich gerade sehr talentiert vor die Wand gefahren hatte? Meine Zeit in der Klapse wert, beschrieben zu werden? Die Antwort auf die Mail habe ich zunächst verschoben. Das Konzept an sich fand ich damals faszinierend, wollte ich doch als junger Erwachsener ernsthaft Journalist oder Schriftsteller werden. Aber mein nach Sicherheit suchender Teil meiner selbst riet mir intensivst davon ab, so daß aus mir dann doch ein eher langweiliger Informatiker wurde, weit weniger kreativ als ich es eigentlich werden wollte. Aber da hatte insbesondere meine Mutter ganze Arbeit geleistet und so viel Angst, so viel Unsicherheit in mich gepflanzt, dass mir die Gefahr weit größer schien als die Chance, etwas kreatives zu erlernen, etwas künstlerisches.
Ich schwenke in die Straße ein, in der auch das Bürogebäude meines jetzigen Arbeitgebers liegt. Von allen Seiten, aus Parkhaus, Bushaltestelle und Fußwegen strömen Menschen ins Gebäude. Ein Blick auf die Uhr: 8:00 Uhr. Auch wenn man eigentlich Gleitzeit hat und die Arbeit beginnen kann, wann man will so ist es hier wie wohl in vielen anderen Unternehmen auch. Die Mehrheit schätzt den klassischen 8 Stunden Tag von 8:00 Uhr bis 16:30. Dann ist die Rush-hour, dann sind die Busse überfüllt, dann stauen sich die Menschen vor der Eingangstür. Man mag immer wieder hören, dass Menschen nach Individualität streben, nach anders sein. Aber die Mehrheit definiert eine Norm und betrachtet jeden sehr kritisch, der sich ihr nicht vollumfänglich unterwirft.

Das Gefühl kein Gefühl mehr haben zu dürfen

Ich bin Informatiker (glauben viele). Ein Fakt, der bei vielen Menschen, die mich kennenlernen ein Füllhorn von Klischees über mich ausschüttet. Zahlenversessen, der Logik verpflichtet, emotionaler Krüppel, künstlerisch untalentiert, gefühlskalt.

Falsch, alles falsch. Und viele davon verletzend überdies. Was in mir abläuft, wenn ich nicht die verstörende Stile der gefühlsleeren depressiven Episode verspüre, ist alles andere als gefühlskalt, oder emotional verkrüppelt. Das einzige, das sich mit der digitalen Welt des Informatikers vergleichen lässt, ist das massive Pendeln zwischen zwei Gefühlswelten. Entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt.Und genauso gehe ich mit Aufgaben, Themen um, die mich in meiner Freizeit betreffen. Entweder, ich knie mich mit ganzer Leidenschaft in eine Sache, oder ich vermeide sie so weit ich kann. (Bevor wieder bestimmte Menschen meckern oder drohen, nein, für den Beruf gilt das nicht, da bin ich sehr professionell)

Und nur weil ich beruflich ein Informatiker bin, heißt das noch lange nicht, dass mich nicht auch andere Themen reizen. Malerei, selbst erstellt oder betrachtet, lesen und vor allem kreativ schreiben. All das kann das Pendel meiner Gefühlswelt positiv ausschlagen lassen. Aber dann eben exzessiv positiv.

Wir sind so schnell dabei, Menschen in Rollen, Normen, Wertegefüge zu pressen, die uns zwar wichtig sind, dem Betroffenen aber völlig egal oder schlimmer noch eine Bürde sind.

Ja, ich würde mir wünschen, dass da noch mehr Nuancen in meinem Gefühlsempfinden wären. Aber da hat mir meine Geschichte leider einen Streich gespielt, der letztlich zu meiner Angststörung und der Depression geführt hat. Und gerade deshalb ist es für mich so wichtig, die Schubladen, die Rollenmuster und angeblichen Zwänge nicht mehr zu akzeptieren. Oder wie es jüngst ein Buchtitel ausdrückte: EINEN SCHEISS MUSS ICH!

Und übrigens. Ich bin kein Informatiker. Ich bin Autor.

Es war die Angst und nicht die Depression

Depression. Meine Diagnose. Mein persönliches Monster. So zumindest dachte ich. Einer Eingebung folgend hab ich aber Anfang des Jahres eigeninitiativ bei meinem Hausarzt nach einem angstlösenden Medikament gefragt. Schliesslich hatte mich mein Therapeut beständig auf meine Angststörung therapiert.
Tatsächlich hat es geholfen und hilft immer noch. Ich kann sagen, so angstfrei und entspannt habe ich mich noch selten gefühlt. Zumal ich parallel in einem neuen Team beginnen durfte, in dem ich mich unglaublich wohl fühle und Dinge tue, die mir Freude bereiten.

Was lerne ich daraus? Wieder mal wurde mir bewiesen, dass ich eigeninitiativ immer noch die besten Entscheidungen für mich treffe. Dass ich auf besorgte Mitmenschen, die mahnend erinnern: „Schaffst du das auch, ist das nicht zu viel?“ einfach nicht hören sollte. Das ist eigentlich schon sehr traurig, weil es mir meinen jahrelangen Eindruck bestätigt, dass ich etwas anders als der „normale Mensch“ bin. Andererseits weiß ich jetzt, dass ich Meinungen dritter gerne auch mal ignorieren darf, wenn ich dabei kein gutes Gefühl habe.

Vermutlich war das einer meiner Schlüsselfehler der Vergangenheit. Aus Angst vor Strafe oft klein beigeben und zu sehr auf andere hören, denen es eher um ihren als meinen Vorteil ging.

Fremdbild und Selbstbild. Das kann mir getrost gestohlen bleiben. Bislang haben mir Fremdbilder nur geschadet und mich beinahe umgebracht.

Ich bin so wie ich bin okay. Wer damit nicht zurecht kommt, darf das Problem gerne bei sich suchen, mich interessiert es nicht mehr.

Heute erscheint „Depression abzugeben“

Es ist soweit. Zwar hatten viele große Versender und Buchhandlungen „Depression abzugeben: Erfahrungen aus der Klapse
“ bereits seit Beginn der Woche auf Lager. Heute aber ist der offizielle Erscheinungstermin meines Sachbuchs über meine Aufenthalte in der Psychiatrie und was ich dort an traurigem wie lustigem, an beängstigendem wie ermutigendem erlebt habe.

Und diejenigen, die bereits vorab ein Exemplar bekommen haben senden mir überwiegend ein sehr positives Feedback. Das freut mich sehr, denn die Botschaft des Buchs ist mir sehr wichtig. Ein Ende des Stigmas psychische Krankheit und Mut, sich behandeln zu lassen. Einer flog übers Kuckucksnest war einmal, heutzutage ist man viel weiter.

 

Frühes stalking und Unverständnis

Der folgende Text erschien bereits 2014 am 6. Januar. Offensichtlich haben ihn einige nicht gelesen, nicht verstanden oder nicht ernst genommen. Er gilt damals und gilt auch heute. Das ignorieren dieses Textes war auch Teil der Katastrophe.

Es gibt leider Menschen, die jeden Scheiß persönlich nehmen.

Hier der Text, wie er vor zwei Jahren auf Facebook erschien, über ein Jahr vor meinem Suizidversuch:

Ein kleiner Gedanke zum neuen Jahr, den ich auch noch mal in Form eines Blogbeitrages liefern werde und der mit meiner persönlichen Ethik als Blogger zu tun hat: 

(Wer damit übereinstimmt und das vielleicht für sich auch so definiert, der Text darf gerne kopiert werden) 


Zum Anfang des Jahres und angesichts für mich eher amüsanter denn unangenehmer Ereignisse des letzten Jahres. Was ich  im Blog und auch auf Facebook schreibe resultiert NICHT aus Erfahrungen bei meinem Arbeitgeber, meinen persönlichen Freunden oder meiner Familie wenn ich es nicht explizit erwähne. Und um das Thema auch hier gleich weiter zu fassen, dies gilt auch für jeden einigermaßen seriös arbeitenden Blogger in meinem Umfeld. Man sollte, nein man muß, gerade wenn man gesellschaftskritisch schreibt, vom persönlichen Umfeld abstrahieren um in den Wertungen und Meinungen überhaupt glaubwürdig zu sein.


Es mag manchmal ein Ereignis in meinem persönlichen Umfeld oder dem eines Freundes oder eines Netzkontaktes den Anstoß geben, ein lange schwelendes Thema endlich als Blogger und Autor anzugehen, aber durch mein großes soziales Netzwerk, geschätzte Bloggerkolleginnen und Kollegen und auch durch die Erfahrungen,die ich aus gelegentlichen Vorträgen und Beratungen habe, habe ich genug Material, hier Themen anzusprechen. Darum zum ersten Mal seit ich diesen Blog führe die Bitte: Spreche ich hier von „ich habe, ich würde, ich werde“ dann ist dass ich des ERZÄHLERS gemeint, nicht das ich des Autors Uwe Hauck. Dann sind immer mehrere Abstraktionsebenen eingezogen, und das langweilige Meeting ist nicht das, das ICH im Büro erlebe, sondern das Meeting, dass hundert, ja tausendfach in der Welt erlebt und mir in meinen Recherchen zugetragen wird.


Unter meinen gesamten Followern, Freunden und Circlen (im Moment in  Summe mind. 5000 Personen) gibt es genug Inhalte, die ich recherchieren, analysieren und kommentieren kann. Wer hier Schlüsse auf mein persönliches Umfeld schließt, wirft mir indirekt unprofessionelle Arbeit vor, denn genau das ist es, würde ich von meiner eigenen kleinen Welt auf die gesamte schließen. Das zu tun wäre aber schon deshalb dumm weil dann meine Meinung, meine Artikel von geringem bis gar keinem Wert wären. Denn nur das Ereignis, das sich negativ wie positiv an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten wiederholt, ist es wert, analysiert und ggf. kommentiert zu werden. Es ist ein wenig so wie mit guter, glaubwürdiger Wissenschaft. Nur das Experiment,das hundertfach mit dem gleichen Ergebnis wiederholt werden kann, ist auch valide in seinem Ergebnis und der daraus folgenden Erkenntnis. Dass der Anstoß, der Funke ein aktuelles Ereignis sein kann, sei unbestritten. Aber die Aussage und die Schlußfolgerungen müssen immer allgemeingültig sein und bleiben.


In diesem Sinne. Bitte stets mich, den Autor Uwe Hauck und den unbekannten „Erzähler“ meiner Beiträge trennen. Zumal es schon gar nicht etwas aus meinem direkten beruflichen Umfeld sein darf, denn dann müsste ich mir stets den Vorwurf des „Einzelfalls“ gefallen lassen. Mir ist aber wichtig, dass Themen, die ich persifliere, karikiere oder kritisiere auch einer großen Leserschaft geläufig und in ihrem Auftreten häufig genug sind, um einen Trend zu entdecken. Denn das ist es, worum es mir geht. Trends, negativ wie positiv darzustellen, Wege aufzuzeigen und wo mir möglich Lösungen anzubieten. Sonst wäre ich ja ein schlechter Berater.

 

So, alles gesagt, jetzt gilt: Expecto epistula minarum plena

Die Öffentlichkeit muss dich doch stressen

Einer der großen Irrtümer. Gerade dass ich nicht mit meiner Depression offen umging, ja sie nur als Begriff aber nicht als Faktum akzeptiert habe, hat mich ja erst in Lebensgefahr gebracht. Je mehr ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe und mache, je mehr ich mich für Aufklärung zu Depressionen, Angststörung und Suizidversuchen engagiere, um so besser geht es mir, um so sicherer bin ich, nicht mehr in Gefahr zu kommen. Die einzige Gefahr, die manchmal lauert sind Menschen, die was ich äußere überinterpretieren oder zu persönlich nehmen, auch wenn mir das gerade auf so schnelllebigen Medien wie Twitter nie in den Sinn käme.

Aber Ironie und Sarkasmus für bare Münze zu nehmen wird zwangsläufig auch weiterhin in bösen Briefen und weiterführenden Drohungen resultieren. Nur, da ja nie das, was angenommen wurde bislang den Tatsachen entsprach, kann ich mich da zurücklehnen und es als Übung nehmen. Wäge ich auf, wer mir öffentliche Statements verbieten möchte und wer dankbar dafür ist, dass ich mich äußere, dass ich aufkläre, dass ich ein Buch über meine Geschichte veröffentliche, das auch die Vorgeschichte erklärt. dann ist mein Weg offensichtlich. Weiterhin aufklären, an Schulen, vielleicht sogar in entsprechend fortschrittlichen Unternehmen. Konzepte gibt es von mir und auch von der deutschen Depressionsliga e.V. deren Mitglied ich mittlerweile bin.

Und nein, es ist kein Stress, es ist zu einem bedeutenden Teil Heilung für mich, endlich offen mit meiner Erkrankung umzugehen, sie endlich als Teil von mir zu akzeptieren und zu verstehen, warum mich mehr Sorgen plagen, als andere, warum ich mehr schlimme Ereignisse befürchte.

Für mich wird auch weiterhin gelten, ich mache meinen Mund auf, mag das manchen auch nicht passen, ich brauche es für mein Wohl und das meiner Familie.

Und meine Geschichte schreibe ich weiterhin auf, mit allem, was an Gegenwind existiert aber auch mit dem Rückenwind, der mich ermutigt, aufbaut und vorantreibt. Die ehemalige Unwetterfront, Mischung aus Ängsten und Depression, die mich ziellos umhergewirbelt hat, ist kanalisiert in eine sehr steife aber lenkbare Brise, die mich vorantreibt, die mich antreibt, die mich weiter kämpfen lässt.

Und aus diesem Internet werde ich mich ganz sicher nicht mehr löschen.

Wünsche für 2017

Ja, ich hätte da eine Wunschliste für das Jahr 2017. Nicht lang, aber mir wichtig.

Zuallererst, welche Überraschung, wünsche ich mir einen Erfolg für mein Buch und damit einher gehend eine möglichst große Öffentlichkeit, damit ich meinen Kampf für Akzeptanz psychischer Krankheiten und Entstigmatisierung weiterführen kann. Weitere Schulen haben Interesse, zwei Sendungen für 2017 sind schon im Kasten und Anfang des Jahres ergibt sich wohl noch ein weiterer Auftritt.

Weil mich immer noch ärgert, dass ich mich nicht gewehrt, sondern gewisse „Botschaften“ einfach akzeptiert habe wünsche ich mir für 2017, dass direkt mit mir gesprochen wird, endlich mal klar ist, dass ich niemanden persönlich meine und vor allem. Ich bin kein Botschafter für Verbote gegen meine Frau. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo der Mann der Frau befehlen durfte. Wir leben in einer emanzipierten Gegenwart. (Aber die Botschaften sind natürlich hervorragende Vorlage für Band zwei. Wenn das Leben schon Stoff für eine Geschichte liefert…)

Zudem bin ich gespannt, wie meine Geschichte im Buch aufgenommen wird. Zwar wurden Orte und Personen geändert, aber was geschehen ist, habe ich wahrheitsgemäß dokumentiert.

Auch 2017 werde ich als Autor aktiv sein, als Aktivist und als Vortragsreisender.  Und ich werde versuchen, 2017 endlich die Arschlochhaltung zu bekommen, deren Fehlen mich fast umgebracht hätte.

2017 wird hoffentlich ein Jahr, in dem ich Selbsfürsorge betreibe, als freier Autor erfolgreich bin und alles andere nicht mehr so wichtig nehme. Weil toxische Menschen nie zu nahe an dich heran dürfen sollten. Sonst vergiften sie dein Leben.

Ich hoffe auch, dass ich meinen Followern in den Social Media Kanälen weiterhin gute Impulse geben kann, Informationen und Hilfe bieten. Und freue mich auf viele reale Begegnungen mit bekannten und neuen Menschen.

2017 benimm dich. Und schick mir keine Briefe mehr.

Oh, und bitte, ein paar weniger Abschiede von Menschen, die mir wichtig sind, wäre auch ganz nett ja?

Und wer sich jetzt schon wieder persönlich betroffen fühlt. Sorry, nein, ist nicht so. Und wird auch nie so sein.

Eigentlich schade, dass ich mittlerweile fast schon eine Schere im Kopf habe, weil irgendwer irgendwas ja falsch verstehen könnte. Nun gut. Die Schere wir stumpfer werden und mein Fell dicker.