Wer die Sendung im TV verpasst haben sollte, man kann Sie sich in der ZDF Mediathek weiterhin anschauen. Bedenkt, es waren nur 30 Minuten, da konnte natürlich nur an der Oberfläche gekratzt werden.
Hier der Link: „Mehr als Traurigkeit“
Wer die Sendung im TV verpasst haben sollte, man kann Sie sich in der ZDF Mediathek weiterhin anschauen. Bedenkt, es waren nur 30 Minuten, da konnte natürlich nur an der Oberfläche gekratzt werden.
Hier der Link: „Mehr als Traurigkeit“
Spätestens seit dem ersten Verlagsvertrag mit Bastei Lübbe darf ich mich offiziell Autor nennen, zahle, wenn auch noch wehr wenig in die Künstler-Sozial Kasse und werde im Januar 2017 mit „Depression abzugeben“ mein erstes umfassendes Sachbuch über meine Erfahrungen in den psychiatrischen Kliniken nach meinem Suizidversuch. Über 420 Seiten. Beginnend mit dem Versuch und endend mit dem Wiedereingliederungsversuch. Und Band zwei ist bereits im Entstehen, weil die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.
Es ist anstrengend, Autor eines solchen Buches zu sein. Dinge nochmal erleben, die man längst vergraben hatte. Die eigene Geschichte möglichst ehrlich aufarbeiten und zum Teil Zusammenhänge entdecken, derer man sich so gar nicht bewußt war. Man zieht sich literarisch aus, steht nackt da, offenbart all die Wunden und Schmerzen, die man erlitten hat, die
Ungerechtigkeiten, die sich im Lauf der Jahre gesammelt haben. Und sie alle wurden durch die Angststörung und die Depression, die ich ja nie wahr haben wollte, noch potenziert, als jage man sie durch einen voll aufgedrehten Verstärker. Fatale Ereignisse, Schlüselerlebnisse die zu meiner exotischen spezifischen Phobie gegen jede Form von Gesprächen mit Vorgesetzten führte und die mich heute in einer dunklen Phase wieder tief in die Depression jagen können. All das versammelt mit den Erkenntnissen aus einem halben Jahr Psychiatrie, aus viel Lektüre und vielen Gesprächen.

Niedergeschrieben wird es nicht besser ertragbar oder leichter verstehbar. Aber ich kann es jetzt schwarz auf weiß vor mir sehen, meine Wunden, meine Verletzungen, neu wie alt, tief und oberflächlich. Diejenigen, die mich begleitet haben und mir geholfen und diejenigen, die mir schaden wollten, ob bewußt oder unbewußt. Der weitere Weg wird mühsam bleiben. Nichts mehr so nah an sich herankommen lassen. Prioritäten neu setzen. Altes vergessen und nach vorne sehen. Das schreiben der eigenen Geschichte ist auch immer ein Protokoll, eine Dokumentation all dessen, was einen auf dem Weg geformt oder verletzt hat.
Eins ist sicher. Ich bleibe Autor, werde weiter schreiben. Für mich, und für diejenigen, die mir wichtig sind. Meine Geschichte erhält einen zweiten Band. Und auch für meine Kinder wird es ein Jugendbuch geben. Das ist vielleicht die erfüllenste Wende von allen. Ich bin Autor. Und habe mit der Feder eine neue Waffe gegen meine Feinde wie meine Krankheit entdeckt.
Ja, ich habe Depressionen. Aber ich bin nicht gleich in einer schlechten Phase suizidal. Dafür bräuchte es viel mehr. Viel mehr Systematik mich schlecht zu machen, herunterzuziehen, falsch einzuschätzen. Ich hoffe, die ZDF Doku „Viel mehr als Traurigkeit“ hilft hier ein wenig aufzuklären. Man behandelt uns immer noch wie Zeitbomben, die beim kleinsten Problem an Suizid denken. Was für ein ausgemachter Blödsinn. Und man will immer von den Experten wissen, wie es dem ja so bekloppten Patienten geht. Die meisten Expertenrunden bestehen doch so gut wie nur aus „Fachleuten“. Wo ist da der Depressvie? Wo der Angstgestörte? Fragt doch einfach uns, wir haben einen Mund zum Sprechen und dumm sind wir auch nicht. Vertraut uns, wir sind wie du und ich, nur manchmal eben zutiefst traurig. Und redet mit uns. Wir können immer noch am besten erklären, wie es uns geht.
Am 22. November ist es endlich soweit. Das Ergebnis aus über einem halben Jahr Begleitung von Jana Seelig, mir und meiner Familie wird um 22:15 Uhr im ZDF in der Reihe 37° ausgestrahlt. Auf den Seiten des ZDF gibt es noch mehr Infos zur Sendung.



Band 1 meiner Geschichte vom Suizid zurück ins Leben wird bald erscheinen. Ab dem 13. Januar ist „Depression abzugeben“ im Buchhandel verfügbar. Aber meine Geschichte geht weiter. Und deshalb entsteht gerade Band 2 meines Weges aus der Depression. Ob auch er veröffentlicht wird? Ich weiß es nicht, hängt wohl auch davon ab, wie viele von euch Band 1 kaufen. Aber schreiben werde ich ihn auf jeden Fall. Weil mit dem Ende der Kliniken der eigentliche Weg in den Alltag erst begonnen hat. Weil der Weg nicht gerade, teilweise steinig, teilweise auch beängstigend war und ist. Aber im Gegensatz zu 2015 will ich hier bleiben. Dafür werde ich kämpfen. Und auch diesen Kampf werde ich in Band 2 beschreiben. Natürlich alles wieder abgewandelt, leicht verändert, aber in der Grundaussage so wahr wie Band 1 mit dem ersten Teil der Geschichte, meiner Geschichte, meiner Rückkehr ins Leben.
Hier schon mal ein kleiner Auszug:
Ich hatte es nun wirklich oft genug gesagt. »Ich habe eine Angststörung, ich bekomme Probleme in jeder Form von Beurteilungsgesprächen. Das dritte ist es nun, das ich zu führen gezwungen bin. Als geführt werdender. Oder, was natürlich niemand außer mir sehen kann, als Nervenbündel voll Panik und eben den Gefühlen bis hin zu »Ich mach Schluss«, die ich eigentlich vermeiden will. Weil sie Trigger sind. Aber was das System nicht vorsieht, sich einfach solche Triggergespräche mit mir zu schenken, das wird dann eben nicht gemacht. Also muss ich eine Strategie entwickeln, mit diesem dritten Gespräch fertig zu werden. Mir ist bereits jetzt klar, dass ich zusammenbrechen werde. Schon Gespräch Nummer zwei fand nahe an der Kante statt und hatte mich tief in mein depressives Loch gezogen.
Natürlich waren da immer die üblichen Sprüche wie: Das ist nur zu Ihrem Besten oder Wir müssen das tun, das ist nun mal so. Keine Beruhigung für mich, eher eine weitere Lunte fürs Panikfeuer. Was hatte ich mich bemüht, hier gelassen zu bleiben. Nicht erst seit den Kliniken, nicht erst seit dem Berufsleben. Schon in der Schulzeit war alles, was auch nur annähernd etwas von Prüfungs- oder Beurteilungscharakter für mich hatte, der blanke Horror. Da lief nichts objektiv, weil ich mich in diesen Gesprächen aufführte wie das Kaninchen vor der Schlange. Duldungsstarre, Angstschweiß und der Wunsch, so schnell wie möglich weg zu dürfen. Woher das ganze kam, keine Ahnung. Vielleicht wie so vieles meiner Mutter geschuldet, für die nichts, was ich tat jemals richtig war. Und etwas besser wissen als sie ging schon mal gar nicht.
Ein kleiner Gruß an alle, die mir Böses woll(t)en, nach dem Leben trachten oder sonstwie ein Arschloch in meinem Umfeld sind.
English Folk Verse (c.1870)
The Fifth of November
Remember, remember!
The fifth of November,
The Gunpowder treason and plot;
I know of no reason
Why the Gunpowder treason
Should ever be forgot!
Guy Fawkes and his companions
Did the scheme contrive,
To blow the King and Parliament
All up alive.
Threescore barrels, laid below,
To prove old England’s overthrow.
But, by God’s providence, him they catch,
With a dark lantern, lighting a match!
A stick and a stake
For King James’s sake!
If you won’t give me one,
I’ll take two,
The better for me,
And the worse for you.
A rope, a rope, to hang the Pope,
A penn’orth of cheese to choke him,
A pint of beer to wash it down,
And a jolly good fire to burn him.
Holloa, boys! holloa, boys! make the bells ring!
Holloa, boys! holloa boys! God save the King!
Hip, hip, hooor-r-r-ray!
Schön wäre es, wenn das stimmen würde. Ich habe ja neben meiner Diagnose „Schwere, wiederkehrende Depression“ leider auch noch eine generelle Angststörung diagnostiziert bekommen. Und die ist wohl, so wurde mir von mehreren Therapeuten bestätigt, der ursprüngliche Grund für meinen Suizidversuch.
Und meine Angststörung äußert sich auf eine absolut perfide Art und Weise. Auf einfache Art durch Angst vor jedweder Gefahr, diese aber übersteigert. Also Todesangst, wo andere so ein kleines, aufregendes Kribbeln verspüren würden. Nicht immer, meist ist sie nur da, wenn auch die Depression sich mal wieder zu Wort gemeldet hat.
Die schlimmere Angst ist die vor Beurteilungen, vor jedweden Gesprächen mit hierarchisch über mir stehenden Menschen. Ich weiß nicht genau, was der initiale Auslöser war, meine Therapeuten vermuten Kindheitserlebnisse, aber in Beurteilungsgesprächen kann es extrem schnell passieren, dass ich in den absoluten Panikmodus verfalle. Dabei muss nicht mal ein berechtigter Grund für die Angst vorliegen. Ich vertraue der Situation einfach nicht, vielleicht, weil man ein paar Mal zu oft über meinen Kopf hinweg falsch und für mich ungünstig entschieden hat.
Aber immerhin habe ich mittlerweile den Mut, meine Angst zu artikulieren, mich nicht mehr zu verstecken und so zu tun, als sei ich der Typ Mann, wie man ihn erwartet. Nein verdammt, auch als Mann kann man Angst haben, und dass viele glauben, man(n) müsse das verstecken, macht nur noch kranker. Und überhaupt, warum soll ich eigentlich solche Angstsituationen aushalten, wenn ich sie auch meiden kann.
Ein wenig von meiner Angst verliere ich, wenn ich kreativ bin. Das Schreiben des Buchs war eine wahre Wohltat gegen die Angst, die da immer wieder an die Oberfläche wollte, wo aber kein Platz für sie wahr. So lange ich selbst über mein Handeln entscheiden kann, ist alles gut. Wenn man mir aber erklären will, wie ich zu arbeiten habe, wenn man Ratschläge gibt wie: „Du musst jeden Tag zurückmelden, was du tust.“ dann bricht sich bei mir mein Dämon Bahn. Denn etwas tun zu sollen, das ich von meinem Wesen her nicht kann und nicht will, das erzeugt neue Angst und Panik.
Ich bin introvertiert, ich suche nicht die Menschen ich besuche sie höchstens mal. Aber in einer extrovertierten (Arbeits-)Welt hat man da Pech gehabt und fällt automatisch negativ auf. Und dann auch noch hochsensibel, das macht das ganze noch schlimmer, weil man immer etwas eher spürt, wenn etwas nicht gut läuft, wenn jemand gutes will, aber böses erzielt.
Ich kämpfe mit meiner Angst, so viel Mut habe ich. Und ich stehe zu ihr, mache sie öffentlich. Denn wenn wir uns vor bzw. mit ihr verstecken, machen wir alles viel schlimmer. Lebensgefährlich schlimm.
Es verändert sich was in mir, es wechselt etwas zum Besseren. Ich glaube langsam wirklich an das Projekt „Buch“. Dass es ein Erfolg werden könnte.
Dass ich mich tatsächlich Autor nennen darf, und dass es nicht eine Eintagsfliege bleibt, sondern noc
h weitere Bücher folgen. Woher dieser Mut kommt? Keine Ahnung. Verzweiflung? Der Wunsch, etwas zu verändern?
Der Wunsch, mich selbst zu verändern? Egal, der Robert Frostsche wenig begangene Pfad ist gewählt und Umkehr ist keine Option mehr. Danke Angela , danke Cindy für den Glauben an das Projekt, für den Glauben an mich als Autor.
All der Zuspruch für meine Offenheit, all die Kommentare, die Feedbacks auf Barcamps, Konferenzen und auf Twitter. Ja, es ist ein Glück, dass mein Suizidversuch gescheitert ist. Das kann ich jetzt aus vollstem Herzen sagen.
Danke allen Freunden, Mitpatienten, allen, die zu mir standen, als mein Leben tiefdunkel wurde, allen, die mich auf dem Weg aus dem Tal begleitet haben. Auch für euch entsteht dieses Buch.
Der allergrößte Dank geht aber an zwei Frauen, die wortwörtlich beteiligt waren an der Rettung meines Lebens. Bettina, die tollste Kollegin, die man sich wünschen kann. Und über alle Maßen meine Frau Sibylle. Sie ist der Fixpunkt in meinem Leben, der Grund für die Wiederaufnahme des Kampfs gegen meine Dämonen und für meine Ideale. Nein, ich werde nicht schweigen, nein, das Buch ist keine Spielerei, ebenso wenig die TV Doku. Es sind Ausdrucksformen meines unbedingten Wunschs, nicht mehr das Leben anderer Menschen zu leben, nicht mehr Dinge wichtig zu nehmen, weil andere sie für wichtig halten. Ich bin Autor. Der Wunschtraum meines Lebens geht in Erfüllung. Und so viele gute Menschen haben ihn möglich gemacht und begleitet.
Einfach, Danke!