Warum wir die Kreativität und damit die Zukunft verlieren

Malerei, Musik, Literatur. Alles Skills, die in der heutigen „Humanressourcengesellschaft“ zwar angeblich noch vermittelt, aber nicht mehr wirklich wert geschätzt werden.
Für mich eine extrem gefährliche Entwicklung. Wir leben in einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft. Mittlerweile verfällt tradiertes Wissen manchmal bereits innerhalb nur einer Generation. Gleichzeitig nimmt die Menge an verfügbarer Information stetig zu.
Und ebenso wachsen die Herausforderungen, oder wenn man nicht Management Sprechblasen verwendet, die Probleme unserer Gesellschaft.
Mit klassischem Wissen über Rechtschreibung, Mathematik, Physik kommt man da nicht weiter. Wir brauchen kreative Querdenker, keine konformistischen Humanressourcen, die Wissen auf Knopfdruck wiedergeben können, aber jenseits des Tellerrandes nur noch intellektuelle Leere verspüren.
Ich bin im Moment nicht sicher, ob ich mir wirklich Sorgen darüber machen soll, dass meine Kinder mit den leider immer noch in großem Maße wissensvermittlungszentrierten Lehrmethoden so ihre Schwierigkeiten haben.
Sie sind nicht dumm und jeden Tag erlebe ich ihre überbordende Phantasie, ihre Kreativität und ihren Willen, etwas zu durchschauen, was ihnen wichtig ist. Aber die Bedeutung schulischen Wissens, den Wert einer guten Bildung, den bekommen sie seltsamerweise nicht mehr wirklich vermittelt. Schule war schon zu meiner Zeit ein langweiliger Ort, an den ich musste und das Wissen, das ich später für Studium und Beruf brauchte habe ich mir weitestgehend selbst angeeignet. Warum zum Teufel erleben meine Kinder die Schule immer noch als einen düsteren, beängstigenden, langweiligen Ort? Ich versuche stets, wenn ich als Ausbilder tätig bin, die Freude am schöpferischen Arbeiten, am kreativen Denken, einfach daran, Wissen zu erlangen und anzuwenden zu vermitteln. Auch wenn ich jetzt gleich wieder Haue von Rektoren und Lehrern bekomme. Tut mir leid, die engagierten, die motivierenden Lehrer sind immer noch in der Minderheit. Und im Gegensatz zu anderen Ländern ist der Lehrerberuf im deutschen Gesellschaftsbild nicht wirklich ein anerkannter und schon gar nicht ein für so wichtig gesehener, wie er ist.

Wie kann es sein, dass nach dem Referendariat die Tätigkeit eines Lehrers nicht mehr bewertet wird. Wie kann es sein, dass sich unser Bildungssystem auf die Ausbildung zurückgezogen hat, und die Bildung, die Vermittlung gesellschaftlicher Werte fast völlig ausgeklammert hat. Geschichte zu vermitteln heißt nicht Werte zu vermitteln. Religionsunterricht sehe ich ob der immer neuen Skandale sogar als mittlerweile schädigend an und wäre glücklich, würde man ihn durch allgemeine Ethik ersetzen. Bringt ja aber nix, ist ja nicht wichtig für Humanressourcen.

Als Vater packt mich die blanke Wut: Wie wir die Zukunft unserer Kinder zerstören

Elter sein war noch nie leicht. Ich weiß. Ein beliebter Spruch, wenn man eine Diskussion im Keim ersticken will. Genau so wie „nie hatten wir ein besseres Bildungssystem als heute“ und „uns geht es doch gut, warum klagen wir eigentlich?“

Alles Bullshit. Wir sind wie ein Mensch in einem Sportwagen, der auf eine Klippe zufährt und statt zu bremsen, freut er sich, dass er beschleunigen kann, weil die Straße zur Klippe ja frisch geteert und frei ist.

Dabei liegt so vieles im Argen. Wir sind eine reiche Nation, das mag wahr sein. Aber nur finanziell. Wir spielen in der Bildung, oder sollte ich besser sagen Ausbildung nur im Mittelfeld. Die skandinavischen Länder führen uns immer wieder vor, wie man seine Kinder nicht nur ausbildet, sondern wirklich an Bildung und die Freude an Wissen heranführt.

Wir haben Rektoren an unseren Schulen, die versuchen, mit geschönten Statistiken zu belegen, dass der Irrsinn G8 wirklich für alle Schüler von Vorteil ist. Und gleichzeitig verschicken diese Rektoren, oder besser, lassen Briefe verschicken, in denen sie schon den schwächeren Schülern, noch bevor überhaupt eine Versetzung gefährdet ist zu einem Verlassen der Schule raten (ja, ich habe solche Empfehlungen gesehen, nein, das waren keine dummen Schüler).

Wir sind stolz darauf, dass wir ein Bildungssystem haben, das quasi in jeder Legislaturperiode wieder umgebaut, neu strukturiert wird, und das dann teilweise mit Methoden, die eigentlich begabten Kindern ihre Grundlagen ruinieren. So gibt es in Grundschulen diesen idiotischen Ansatz, wir lernen schreiben in dem wir schreiben, wie wir sprechen. Seltsam, dass sich gerade dort, wo diese Schulen aktiv sind, die weiterführenden Lehr(straf)anstalten dann darüber beklagen, dass die Kinder schlecht vorbereitet seien.

Und wir hören von Unternehmen, die sich über mangelndes Wissen, mangelnde Grundlagen ihrer Auszubildenden oder Studenten beklagen. Tja, es soll ja tatsächlich so sein, dass nicht alle gleich schnell lernen oder auf die gleiche Art. Warum aber setzt man das an deutschen Schulen offensichtlich voraus? Und was ist mit all den nicht normgerechten Schülern, die introvertiert, sehr aufgeweckt sind? Ach halt, die werden ja alle ritalinisiert, weil der arme Lehrer sich ja nicht um jedes Kind kümmern kann.

Doch, verdammt noch mal. Das erwarte ich als Elter. Schliesslich ist das mein Anspruch zuhause. Nur weil eines meiner drei Kinder anders als die anderen ist, werde ich das ja nicht umbiegen. Aber genau das tun wir. Wir basteln uns den Normmenschen zusammen, der möglichst die herrschenden Politikerversuche brav wählt, nicht viel hinterfragt, seiner Arbeit folgsam und mit möglichst wenig eigenem Denken folgt.

Wir züchten uns eine Kultur der unkreativen Ja Sager. Denn mal ganz ehrlich, wann galt schon mal Kreativität in der Schule als eine herausragende Leistung. Das packt man in Arbeitskreise und außerschulische Aktivitäten. Oder wie mein Sohn, der ein begabter Klavierspieler ist so schön persiflierte: Toll, dass ich in Musik gute Noten habe, in einem Fach, das mir gar nix bringt.

Wie weit ist eine Gesellschaft eigentlich geraten, bei der alles nur noch auf Effizienz getrimmt wird, bei der wir alle wie die Idioten der Doktrin des Konsums und des Geldes nachlaufen. Kultureinrichtungen müssen sparen, Krankenhäuser und Schulen werden auf ökonomische Effizienz getrimmt (sollen also nicht mehr Menschen helfen, sondern Gewinne steigern. Wie ekelhaft ist das eigentlich)

Wenn wir einen Aufschrei brauchen, dann für eine neue Werteordnung unserer Gesellschaft. Wo rechter Sumpf von ermittelnden Behörden ignoriert, ja manchmal fast schon gefördert wird, wo Polizisten über Jahre im Ku Klux Clan aktiv sein können und Topmanager Milliarden hinterziehen und gleichzeitig ganze Unternehmensbereiche feuern dürfen, da kann man eigentlich nur froh sein, dass der deutsche Michel ein so ruhiger Geselle ist. Eigentlich sollten wir hier jeden verdammten Tag auf die Straße gehen und für eine andere Denkweise protestieren.

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Das gilt bei uns schon lange nicht mehr, bei uns ist die Doktrin: Spare bei den Durchschnittsbürgern, dann hast du in Mengen, Geldadel. (Wobei Adel ja eigentlich ein zu positives Wort ist, aber alles andere, was mir einfällt, könnte mir Beleidigungsklagen einbringen)

Nein, ich halte weder unser Schulsystem, noch unsere momentane Wirtschaft für bewundernswert. Wir alle rasen mit immer höherer Geschwindigkeit auf eine Wand zu. Aber wir machen es wie Mutti. So lange niemand meckert, ist ja alles bestens.

Und auch unser eigenes Denken gilt es zu hinterfragen. Wir leben in einer Zeit, die geprägt ist von Digitalisierung, von Online Services und dem Internet. Aber als gute Deutsche schimpfen wir auf die Technologien und wollen sie verbieten.

Wir haben ernsthaft Schulen, die glauben, wenn ein Kind Excel und Word bedienen kann, ist es fit für den Arbeitsmarkt? Ja, vielleicht für einen der berüchtigten Zahlenschubser Jobs, die mit der Realität der Welt nichts zu tun haben. Aber wir bieten weder Medienkompetenz, noch wollen wir sie wichtig nehmen. Und wenn ich Lehrer drauf anspreche, dann bekomme ich sehr oft zu hören, würde ich ja gerne, aber da fehlt mir das Wissen und die Zeit. Ja verdammt nochmal, dann sollten wir dafür sorgen, dass Lehrer dies bekommen. Vom Elternhaus das zu verlangen ist illusorisch ob der mangelnden Medienkompetenz vieler Eltern, die entweder alles verbieten (sehr ignorant und dumm) bis hin zu alles erlauben (ebenso ignorant und dumm) aber selten differenzierten Umgang mit den Medien lehren (wie auch, wenn die erfolgreichste… na ja, Zeitungsimitation Die Zeitung mit den vier blutroten Buchstaben und das erfolgreichste Fernsehen die privaten mit Unterschichten TV und Spannershows sind). Schon mal drüber nachgedacht, für bestimmte Themen wie Medienkompetenz externe Experten in die Schulen zu lassen. Ach so, geht ja nicht, weil die ja keine didaktische Ausbildung haben. Aber Lehrer haben die, entschuldigt mich, ich muss mal kurz… nee, eigentlich lange und herzlich lachen.

Oh, und noch was: Warum brauchen wir eigentlich immer noch solche Reden wie die von Emma Watson, warum braucht es immer noch Kampagnen wie „HeForShe“? Weil ich in meinem Umfeld immer noch erlebe, dass viele Eltern ihre Jungs zu echten Testosteron Trotteln erziehen und dass Kinder, die mal nicht den Macho raushängen lassen oder den starken Mann, das schwache Mädchen spielen gemobbt und verspottet werden. Warum? Weil wir nichts, aber auch gar nichts besser machen. Wir leben immer noch die Klischees und lügen uns selbst an, dass dem nicht so ist. Ja, nach Emma Watsons Definition bin ich ein Feminist, weil ich als introvertierter, eher kreativer, linkshändiger, etwas sehr großer Mann noch nie in das übliche dumme Machoschema passen wollte und damit natürlich Außenseiter und mobbenswert war. Deshalb vielleicht rege ich mich auch so auf, bin so wütend über die Ignoranz in unserer Gesellschaft. Weil sich NICHTS gebessert hat, es wird nur anders verkauft.

Bis es zu spät ist. Und nicht nur beim Klima, auch bei unserer Gesellschaft steht die Uhr bereits ganz knapp vor zwölf.

Die Ja Sager Studenten, das habt ihr nun davon: Studenten Bolognese

Die Süddeutsche interviewt Christina Florin, die sich über eine Generation angepasster Ja Sager Studenten echauffiert, die nicht mehr die Diskussion suchen und die zu stromlinienförmig daherkommen.
Hallo? Wer hat seinen Bildungsanspruch den an die Unternehmen verkauft, und deren dummen Forderungen nach effizienteren, kürzeren Studienzeiten und dem Bachelor nachgegeben. Wer zusehen muss, wie er in einem verschulten Studium überhaupt möglichst schnell durchkommt der denkt nicht nach, der lernt. Das geht schon in der Schule schief, wo wir uns Bulemielernende Bildungstrottel heranziehen, denen Betriebswirtschaft wichtiger als Ethik, Moral, Kunst oder schlicht Bildung sind.

Zuerst haben die Unternehmen geklagt, die Studenten würden zu lange studieren, die Schüler zu lange lernen und jetzt beklagen sie sich über mangelnde Azubis, über schlecht ausgebildete Jugendliche.
Tja, wer die Bildung ökonomisiert, der muss mit den Konsequenzen leben. Genau der Müll, den die Wirtschaft uns als gute Produkte andreht, bekommt sie jetzt eben durch Fachidioten ohne kulturrellen Unterbau zurück. Mein Mitleid mit der Wirtschaft ist nicht existent.

Wir sollten unsere Jugend zu kritischem Denken zu Bildung führen, nicht für den Arbeitsmarkt ausbilden, der sie konsumiert, eine Weile benutzt und dann nur ausspuckt um neues Frischfleisch zu verwursten. Je mehr wir unsere Gesellschaft ökonomisieren, alles dem Diktat des Wirtschaftsmanagements unterstellen, um so mehr werden dessen Defizite offenbar. Es geht nicht um Menschen, die eigenständig denken, es geht um Humanressourcen, die ihnen gegebene Befehle möglichst effizient ausführen sollen. Zumindest bietet sich mir dieses Bild in weiten Teilen der deutschen Wirtschaftswelt. Während international immer mehr Unternehmen auf neue Zusammenarbeitsmodelle umschwenken, die Digitalisierung und die Automatisierung zu einem Umdenken führt, managt man in Deutschland noch weitestgehend konservativ, führt die Mitarbeiter, statt ihnen als Coach das Arbeiten zu erleichtern.

Die Klagen und Probleme sind hausgemacht, und wenn nicht bald ein Umdenken einsetzt, dann könnte es sehr schnell passieren, dass wir auch wirtschaftlich und nicht nur technologisch ins Hintertreffen geraten.

IQ Tests. Der Sieg der Ökonomie über den Menschen

Der Punkt ist, dass ich von Tests,  insbesondere in der Form von IQ oder Leistungstests überhaupt nichts halte, da sie meist der Sieg der Erbsenzähler über die Intelligenz sind. Denn sie messen eigentlich nur, wie gut jemand Denksportaufgaben unter Streß löst. Nicht alle Menschen sind unter Streß gut. Und für mich zeugt es auch von Intelligenz, wenn unnötiger Stress vermieden wird.

Aber leider wird immer noch viel zu oft nur auf solche Tests geschaut, statt den ganzen Menschen zu sehen und wer nicht passt, wird raus geekelt. Fragt euch mal, wie manche Schulen auf die guten Notenschnitte und geringen Sitzenbleiber kommen und recherchiert dann die Zahl derer, die gegangen sind oder wurden. Und fragt euch auch, wie es sein kann, dass alle Kinder einer Klasse immer gleich unterrichtet werden in den meisten Schulen.
Kreativität, Empathie, Freude an Sprache, Bewegungstalente, hohe moralische Ansprüche, schlecht messbar, damit schlecht ökonomiesierbar und damit uninteressant für die heutige Optimierungsgesellschaft. Wenn dann noch ein introvertierter Mensch geprüft wird, ist das Drama schon absehbar. In einer Zeit der großen Klappen mit wenig dahinter werden die stillen, zurückhaltenden Wesen überrollt oder ignoriert.

Und seid ehrlich zu euch selbst. Was wird in Assessment Centern wirklich oft geprüft? Nicht, wie gut der Mensch für die Aufgabe geeignet ist sondern meist, wie genau er zu der Art Mensch passt, die die Prüfenden mögen bzw.  Wie gut der Prüfling das erkennt und vorspielt.

Wir leben in einer Zeit des Vortäuschens und des geradezu religiösen Glaubens an Tests und Tabellen. Wohin und das führt? Zu Flughafen Berlin, Elbphilharmonie und Stuttgart 21.

Und dass es auch ohne geht, nun,  es gibt genug Beispiele für didaktische Methoden, bei denen Tests weit weniger entscheidend sind und die Schüler dennoch oder gerade deshalb deutlich besser weil motivierter sind.
Aber für Deutschland gilt leider meist. Nicht für das Leben, für den Test lernen wir. Und das bulemisch, weil das meiste eh unnötiges Wissen statt notwendiger Bildung ist.

Ich wünsche mir endlich wieder eine Wertediskussion

Wir bilden aus. Und das in immer stärkerem Maße. Die Wirtschaft beklagt immer schlechter ausgebildete Jugendliche, drängt Schulen aber gleichzeitig immer mehr dazu, Bildung zu opfern, um für den Beruf auszubilden.

Ich wünsche mir ein erneutes Nachdenken über das, was wir unseren Kindern mitgeben wollen auf den Lebensweg. Wer glaubt ernsthaft, ein Kind oder Jugendlicher weiß schon, wohin seine Lebensreise gehen soll. Aber dennoch verlangen wir in der Schule Wissen anzuhäufen, um auf das Berufsleben vorbereitet zu sein. Vor allem auf das betriebswirtschaftlich rentable. Kunst, Leibesübungen, Kultur. Alles mittlerweile Fächer, die zwar noch existieren, aber ein Schattendasein führen. Genau deshalb haben meine Kinder auch so ihre Probleme mit dem Schulsystem.

Sie sind eher die stillen kreativen, haben gute Noten in Kunst, in Sport in Geographie oder Ethik. Aber leider sind das nicht die Fächer, die wirklich relevant sind fürs Weiterkommen. Warum eigentlich nicht?

Warum müssen wir die Köpfe unserer Kinder mit zum Teil bereits veraltetem Wissen vollstopfen, anstatt ihnen die Mittel an die Hand zu geben, ihr Leben zu meistern? Wenn ich mich an meine Schulzeit und mein Studium erinnere, dann waren die einzigen Dinge, die ich im Studium von meinem Wissen nutzen konnte die, die ich mir selbst beigebracht hatte.

Mein Schulwissen war weitestgehend nutzlos wenn nicht sogar falsch. Und dieser Effekt hat sich in den letzten Jahren noch beschleunigt.

Ich fordere eine neue Wertedebatte, eine Debatte, die hinterfragt, ob es richtig ist, dass die Wirtschaft, die Ökonomie zum bestimmenden Wertemaßstab unserer Gesellschaft geworden ist.

Eine Debatte, die auch einmal aufzeigt, in was für eine Gesellschaft wir da hineingeraten, wenn wir alles dem ökonomischen Prinzip opfern. Und vor allem eine Debatte, die endlich mal den Finger auf die  Wunde legt, dass eben jene angeblich so vernünftigen, gut ausgebildeten Ökonomen und Betriebswirte uns immer wieder in die Probleme, Krisen und Skandale reiten. Eine Welt mit weniger ökonomischem Denken finde ich fantastisch, eine Welt mit weniger Kunst, Kultur, moralischen und ethischen Werten sehe ich im Moment vor mir und finde sie abstoßend.

 

Wir verblöden unsere Jugend und sind selbst schuld

Der Kulturforscher Bernhard Heinzlmaier beklagt, dass wir unsere Jugend zunehmend verblöden. Und ich finde, er hat recht, aber wie er auch erkannt hat sind nicht Computerspiele und Jugendkultur schuld, sondern wir ach so gebildeten Erwachsenen.

Denn wir ordnen Bildung immer mehr purer Ausbildung, Vorbereitung auf einen Beruf. Kreativität, eigenständiges Denken und Hinterfragen, all das kommt erst danach, wenn überhaupt. Wir sollen brave Konsumenten und willige Arbeitskräfte sein, ja nicht die Sinnfrage stellen.

Gleichzeitig fordert die Wirtschaft gebildete, belesene, in der Schriftform versierte Arbeitnehmer, aber wenn man sich eben auf das fokussiert, was am nötigsten ist, kommen andere Begabungen zu kurz. Und auch wenn das die Wirtschaft vielleicht nicht gerne hört. Der reine ausgebildete Mitarbeiter ist ein weitaus schlechterer Arbeitnehmer als der gebildete, der auch mal zu hinterfragen wagt und in der Lage ist, der auch mal an Optimierungen und Verbesserungen im Sinne des Unternehmens denkt. Denn wer nur ausgebildet wird, der tut auch nur, wozu er ausgebildet wurde.

Und genau das reicht in unserer heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft nicht mehr aus.

Wir brauchen wieder mehr Bildung, jenseits vom Bedarf einer Wirtschaftswelt.

Die Superlativgesellschaft und ihre zerstörerische Kraft

Das Größte, das Beste, die Spitzenleistung. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es nicht mehr reicht, „normal“ zu sein. „Super“ ist das Mindeste, besser noch herausragend oder im Jargon von Apple „amazing“.

Etwas Durchschnittliches ist offensichtlich bereits nicht mehr gut genug, der durchschnittliche Mitarbeiter, der die ihm aufgetragenen Aufgaben zur Zufriedenheit erledigt, muss sich an der Spitzenleistung orientieren. Kein Wunder, dass Burn Out ein immer noch „brennendes“ Thema ist.

Aber man merkt das ganze viel früher, zu einem Zeitpunkt, wo es meiner Meinung nach nicht nur nicht hingehört, sondern wo ich es geradezu für unverantwortlich halte, hier dauernd die Spitzenleistung zu fordern.

Ich rede von der Schule. Wer weiß nicht Bescheid darüber, dass eigentlich niemand mehr sein Kind auf eine Hauptschule geben will, sondern am besten gleich aufs Gymnasium. Und dann müssen es Spitzennoten sein, damit die Tochter oder der Sohn später ja nicht arbeitslos dasteht.

Wir schüren Angst, machen Druck und die Leidtragenden sind die Kinder. Denn sie bekommen so vermittelt, dass sie nur dann gut (also indirekt liebenswert) sind, wenn sie Leistung bringen. Und wir wissen, dass sich so etwas einprägt, ganz tief, ganz schmerzhaft, fast nicht mehr loszuwerden.

Dabei sollten wir das ganze doch klar sehen. Ob nun Spitzennote oder nicht, dank Politik und Wirtschaft gibt es keinerlei Garantie mehr, für einen sicheren Job. Wir leben in einer Kultur, die Spitzenleistung fordert, aber alles andere schlichtweg ignoriert oder bestraft. Nur vergessen wir dabei, dass die Tagesarbeit auch getan werden muss, dass es eben immer noch genug Beschäftigung gibt, die man auch ohne Spitzennoten erledigen könnte. Aber was ist mittlerweile bei vielen Unternehmen Einstiegskriterium? Abitur, am besten abgeschlossenes Studium.

Der Irrsinn in den Jobbeschreibungen nimmt sogar noch zu, wenn Auslandsaufenthalt, Doktortitel, aber maximal 25 Jahre Alter gefordert werden.

Wir müssen endlich beginnen, den Druck rauszunehmen. Wir werden erleben, dass wir in Zukunft andere Lösungen brauchen, damit Menschen auch menschenwürdig leben können. Wie ich schon beschrieb wird über kurz oder lang ein wirklich großer Teil heutiger Berufsbilder der Digitalisierung zum Opfer fallen. Hier gilt es, sich Gedanken jenseits des Dogmas „Nur wer arbeitet ist wertvoll in der Gesellschaft“ zu machen. Lohnarbeit ist heutzutage das einzige Vorgehensmodell, das gesellschaftliches Ansehen schafft und durch das wir menschenwürdig leben können.

Aber genau das ist das Auslaufmodell, das auch nicht dadurch gerettet wird, indem man die immer weniger werdenden Lohnarbeiter noch zusätzlich unter Druck setzt.

Und schon gar nicht darf das bereits in der Schule passieren, die meiner Ansicht nach immer noch fürs Leben vorbereiten soll, nicht für die Berufsausbildung. Wir brauchen Menschen,die sich auch an die gesellschaftlichen Fragen wagen, unabhängig von den Interessen von Wirtschaft oder Politik. Wir brauchen Lösungen für Menschen, nicht für Wirtschaftssysteme. Und dazu braucht es gebildete Menschen, nicht ausgebildete.

Was wir wirklich lehren und lernen müssen.

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Wissen wandelt sich heute sehr schnell. Wohl dem, der gute Quellen kennt.

Die Diskussion um Bildung wird intensiv geführt aber leider oft am eigentlichen Kern vorbei. Wir leben in einer Welt voller Informationen, in der wir auf jede beliebige Nachricht, jedes beliebige Wissensfragment  von überall zugreifen können. Warum also lernen unsere Kinder in der Schule immer noch stumpf auswendig. Warum werden zum Teil Informationen vermittelt, die bereits veraltet sind?

Weil wir den Paradigmenwechsel noch nicht vollzogen haben. Wir sind nicht mehr eine Wissensgesellschaft, wir sind eine Informationsgesellschaft. Und wir sind eine Gesellschaft, in der nicht der gewinnt, der vieles weiß, sondern der, der weiß, wo er die korrekten , tragfähigen und richtigen Informationen finden kann.

Das Wissen von heute kann bereits Morgen veraltet sein. Einen Vorsprung hat derjenige, der weiß, dass er Information immer wieder hinterfragen muss und der es gelernt hat, Information zu bewerten, zu prüfen und zwischen war und falsch, zwischen wertvoller Information und nutzlosem Geplappere zu unterscheiden.

Der Wandel vollzieht sich mittlerweile viel zu schnell, wir sollten uns beim Auswendiglernen auf die Grundlagen beschränken. Rechtschreibung und die Grundlagen der Mathematik, alles weitere sollte im Kontext von Informationssuche und Zusammenfassung zu neuen Ergebnissen eher kreativ den mit dem Nürnberger Trichter gelehrt werden.

Geben wir es doch zu, die meisten haben so gut wie alles vergessen in jenen Schulfächern, deren Inhalte sie nicht später nochmals im Beruf gebraucht haben. Und was konnte ich wirklich im Studium von meinen Erkenntnissen aus der Schule nutzen? Richtig, die Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens. Alles andere war wissenschaftliche Arbeit, die aus Recherche, Bewertung und Neuarrangieren bzw. Erkenntnisgewinn aus bestehender Information besteht.

Wir müssen endlich begreifen, dass wir die falschen Werkzeuge mitgeben für den Weg in die Zukunft. Es muss Schluss sein mit Bulemielernen, nur um die nächste Arbeit zu überstehen. Das hilft niemandem.