Das Gefühl kein Gefühl mehr haben zu dürfen

Ich bin Informatiker (glauben viele). Ein Fakt, der bei vielen Menschen, die mich kennenlernen ein Füllhorn von Klischees über mich ausschüttet. Zahlenversessen, der Logik verpflichtet, emotionaler Krüppel, künstlerisch untalentiert, gefühlskalt.

Falsch, alles falsch. Und viele davon verletzend überdies. Was in mir abläuft, wenn ich nicht die verstörende Stile der gefühlsleeren depressiven Episode verspüre, ist alles andere als gefühlskalt, oder emotional verkrüppelt. Das einzige, das sich mit der digitalen Welt des Informatikers vergleichen lässt, ist das massive Pendeln zwischen zwei Gefühlswelten. Entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt.Und genauso gehe ich mit Aufgaben, Themen um, die mich in meiner Freizeit betreffen. Entweder, ich knie mich mit ganzer Leidenschaft in eine Sache, oder ich vermeide sie so weit ich kann. (Bevor wieder bestimmte Menschen meckern oder drohen, nein, für den Beruf gilt das nicht, da bin ich sehr professionell)

Und nur weil ich beruflich ein Informatiker bin, heißt das noch lange nicht, dass mich nicht auch andere Themen reizen. Malerei, selbst erstellt oder betrachtet, lesen und vor allem kreativ schreiben. All das kann das Pendel meiner Gefühlswelt positiv ausschlagen lassen. Aber dann eben exzessiv positiv.

Wir sind so schnell dabei, Menschen in Rollen, Normen, Wertegefüge zu pressen, die uns zwar wichtig sind, dem Betroffenen aber völlig egal oder schlimmer noch eine Bürde sind.

Ja, ich würde mir wünschen, dass da noch mehr Nuancen in meinem Gefühlsempfinden wären. Aber da hat mir meine Geschichte leider einen Streich gespielt, der letztlich zu meiner Angststörung und der Depression geführt hat. Und gerade deshalb ist es für mich so wichtig, die Schubladen, die Rollenmuster und angeblichen Zwänge nicht mehr zu akzeptieren. Oder wie es jüngst ein Buchtitel ausdrückte: EINEN SCHEISS MUSS ICH!

Und übrigens. Ich bin kein Informatiker. Ich bin Autor.

Es war die Angst und nicht die Depression

Depression. Meine Diagnose. Mein persönliches Monster. So zumindest dachte ich. Einer Eingebung folgend hab ich aber Anfang des Jahres eigeninitiativ bei meinem Hausarzt nach einem angstlösenden Medikament gefragt. Schliesslich hatte mich mein Therapeut beständig auf meine Angststörung therapiert.
Tatsächlich hat es geholfen und hilft immer noch. Ich kann sagen, so angstfrei und entspannt habe ich mich noch selten gefühlt. Zumal ich parallel in einem neuen Team beginnen durfte, in dem ich mich unglaublich wohl fühle und Dinge tue, die mir Freude bereiten.

Was lerne ich daraus? Wieder mal wurde mir bewiesen, dass ich eigeninitiativ immer noch die besten Entscheidungen für mich treffe. Dass ich auf besorgte Mitmenschen, die mahnend erinnern: „Schaffst du das auch, ist das nicht zu viel?“ einfach nicht hören sollte. Das ist eigentlich schon sehr traurig, weil es mir meinen jahrelangen Eindruck bestätigt, dass ich etwas anders als der „normale Mensch“ bin. Andererseits weiß ich jetzt, dass ich Meinungen dritter gerne auch mal ignorieren darf, wenn ich dabei kein gutes Gefühl habe.

Vermutlich war das einer meiner Schlüsselfehler der Vergangenheit. Aus Angst vor Strafe oft klein beigeben und zu sehr auf andere hören, denen es eher um ihren als meinen Vorteil ging.

Fremdbild und Selbstbild. Das kann mir getrost gestohlen bleiben. Bislang haben mir Fremdbilder nur geschadet und mich beinahe umgebracht.

Ich bin so wie ich bin okay. Wer damit nicht zurecht kommt, darf das Problem gerne bei sich suchen, mich interessiert es nicht mehr.

Heute erscheint „Depression abzugeben“

Es ist soweit. Zwar hatten viele große Versender und Buchhandlungen „Depression abzugeben: Erfahrungen aus der Klapse
“ bereits seit Beginn der Woche auf Lager. Heute aber ist der offizielle Erscheinungstermin meines Sachbuchs über meine Aufenthalte in der Psychiatrie und was ich dort an traurigem wie lustigem, an beängstigendem wie ermutigendem erlebt habe.

Und diejenigen, die bereits vorab ein Exemplar bekommen haben senden mir überwiegend ein sehr positives Feedback. Das freut mich sehr, denn die Botschaft des Buchs ist mir sehr wichtig. Ein Ende des Stigmas psychische Krankheit und Mut, sich behandeln zu lassen. Einer flog übers Kuckucksnest war einmal, heutzutage ist man viel weiter.

 

Frühes stalking und Unverständnis

Der folgende Text erschien bereits 2014 am 6. Januar. Offensichtlich haben ihn einige nicht gelesen, nicht verstanden oder nicht ernst genommen. Er gilt damals und gilt auch heute. Das ignorieren dieses Textes war auch Teil der Katastrophe.

Es gibt leider Menschen, die jeden Scheiß persönlich nehmen.

Hier der Text, wie er vor zwei Jahren auf Facebook erschien, über ein Jahr vor meinem Suizidversuch:

Ein kleiner Gedanke zum neuen Jahr, den ich auch noch mal in Form eines Blogbeitrages liefern werde und der mit meiner persönlichen Ethik als Blogger zu tun hat: 

(Wer damit übereinstimmt und das vielleicht für sich auch so definiert, der Text darf gerne kopiert werden) 


Zum Anfang des Jahres und angesichts für mich eher amüsanter denn unangenehmer Ereignisse des letzten Jahres. Was ich  im Blog und auch auf Facebook schreibe resultiert NICHT aus Erfahrungen bei meinem Arbeitgeber, meinen persönlichen Freunden oder meiner Familie wenn ich es nicht explizit erwähne. Und um das Thema auch hier gleich weiter zu fassen, dies gilt auch für jeden einigermaßen seriös arbeitenden Blogger in meinem Umfeld. Man sollte, nein man muß, gerade wenn man gesellschaftskritisch schreibt, vom persönlichen Umfeld abstrahieren um in den Wertungen und Meinungen überhaupt glaubwürdig zu sein.


Es mag manchmal ein Ereignis in meinem persönlichen Umfeld oder dem eines Freundes oder eines Netzkontaktes den Anstoß geben, ein lange schwelendes Thema endlich als Blogger und Autor anzugehen, aber durch mein großes soziales Netzwerk, geschätzte Bloggerkolleginnen und Kollegen und auch durch die Erfahrungen,die ich aus gelegentlichen Vorträgen und Beratungen habe, habe ich genug Material, hier Themen anzusprechen. Darum zum ersten Mal seit ich diesen Blog führe die Bitte: Spreche ich hier von „ich habe, ich würde, ich werde“ dann ist dass ich des ERZÄHLERS gemeint, nicht das ich des Autors Uwe Hauck. Dann sind immer mehrere Abstraktionsebenen eingezogen, und das langweilige Meeting ist nicht das, das ICH im Büro erlebe, sondern das Meeting, dass hundert, ja tausendfach in der Welt erlebt und mir in meinen Recherchen zugetragen wird.


Unter meinen gesamten Followern, Freunden und Circlen (im Moment in  Summe mind. 5000 Personen) gibt es genug Inhalte, die ich recherchieren, analysieren und kommentieren kann. Wer hier Schlüsse auf mein persönliches Umfeld schließt, wirft mir indirekt unprofessionelle Arbeit vor, denn genau das ist es, würde ich von meiner eigenen kleinen Welt auf die gesamte schließen. Das zu tun wäre aber schon deshalb dumm weil dann meine Meinung, meine Artikel von geringem bis gar keinem Wert wären. Denn nur das Ereignis, das sich negativ wie positiv an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten wiederholt, ist es wert, analysiert und ggf. kommentiert zu werden. Es ist ein wenig so wie mit guter, glaubwürdiger Wissenschaft. Nur das Experiment,das hundertfach mit dem gleichen Ergebnis wiederholt werden kann, ist auch valide in seinem Ergebnis und der daraus folgenden Erkenntnis. Dass der Anstoß, der Funke ein aktuelles Ereignis sein kann, sei unbestritten. Aber die Aussage und die Schlußfolgerungen müssen immer allgemeingültig sein und bleiben.


In diesem Sinne. Bitte stets mich, den Autor Uwe Hauck und den unbekannten „Erzähler“ meiner Beiträge trennen. Zumal es schon gar nicht etwas aus meinem direkten beruflichen Umfeld sein darf, denn dann müsste ich mir stets den Vorwurf des „Einzelfalls“ gefallen lassen. Mir ist aber wichtig, dass Themen, die ich persifliere, karikiere oder kritisiere auch einer großen Leserschaft geläufig und in ihrem Auftreten häufig genug sind, um einen Trend zu entdecken. Denn das ist es, worum es mir geht. Trends, negativ wie positiv darzustellen, Wege aufzuzeigen und wo mir möglich Lösungen anzubieten. Sonst wäre ich ja ein schlechter Berater.

 

So, alles gesagt, jetzt gilt: Expecto epistula minarum plena

Die Öffentlichkeit muss dich doch stressen

Einer der großen Irrtümer. Gerade dass ich nicht mit meiner Depression offen umging, ja sie nur als Begriff aber nicht als Faktum akzeptiert habe, hat mich ja erst in Lebensgefahr gebracht. Je mehr ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe und mache, je mehr ich mich für Aufklärung zu Depressionen, Angststörung und Suizidversuchen engagiere, um so besser geht es mir, um so sicherer bin ich, nicht mehr in Gefahr zu kommen. Die einzige Gefahr, die manchmal lauert sind Menschen, die was ich äußere überinterpretieren oder zu persönlich nehmen, auch wenn mir das gerade auf so schnelllebigen Medien wie Twitter nie in den Sinn käme.

Aber Ironie und Sarkasmus für bare Münze zu nehmen wird zwangsläufig auch weiterhin in bösen Briefen und weiterführenden Drohungen resultieren. Nur, da ja nie das, was angenommen wurde bislang den Tatsachen entsprach, kann ich mich da zurücklehnen und es als Übung nehmen. Wäge ich auf, wer mir öffentliche Statements verbieten möchte und wer dankbar dafür ist, dass ich mich äußere, dass ich aufkläre, dass ich ein Buch über meine Geschichte veröffentliche, das auch die Vorgeschichte erklärt. dann ist mein Weg offensichtlich. Weiterhin aufklären, an Schulen, vielleicht sogar in entsprechend fortschrittlichen Unternehmen. Konzepte gibt es von mir und auch von der deutschen Depressionsliga e.V. deren Mitglied ich mittlerweile bin.

Und nein, es ist kein Stress, es ist zu einem bedeutenden Teil Heilung für mich, endlich offen mit meiner Erkrankung umzugehen, sie endlich als Teil von mir zu akzeptieren und zu verstehen, warum mich mehr Sorgen plagen, als andere, warum ich mehr schlimme Ereignisse befürchte.

Für mich wird auch weiterhin gelten, ich mache meinen Mund auf, mag das manchen auch nicht passen, ich brauche es für mein Wohl und das meiner Familie.

Und meine Geschichte schreibe ich weiterhin auf, mit allem, was an Gegenwind existiert aber auch mit dem Rückenwind, der mich ermutigt, aufbaut und vorantreibt. Die ehemalige Unwetterfront, Mischung aus Ängsten und Depression, die mich ziellos umhergewirbelt hat, ist kanalisiert in eine sehr steife aber lenkbare Brise, die mich vorantreibt, die mich antreibt, die mich weiter kämpfen lässt.

Und aus diesem Internet werde ich mich ganz sicher nicht mehr löschen.

Wünsche für 2017

Ja, ich hätte da eine Wunschliste für das Jahr 2017. Nicht lang, aber mir wichtig.

Zuallererst, welche Überraschung, wünsche ich mir einen Erfolg für mein Buch und damit einher gehend eine möglichst große Öffentlichkeit, damit ich meinen Kampf für Akzeptanz psychischer Krankheiten und Entstigmatisierung weiterführen kann. Weitere Schulen haben Interesse, zwei Sendungen für 2017 sind schon im Kasten und Anfang des Jahres ergibt sich wohl noch ein weiterer Auftritt.

Weil mich immer noch ärgert, dass ich mich nicht gewehrt, sondern gewisse „Botschaften“ einfach akzeptiert habe wünsche ich mir für 2017, dass direkt mit mir gesprochen wird, endlich mal klar ist, dass ich niemanden persönlich meine und vor allem. Ich bin kein Botschafter für Verbote gegen meine Frau. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo der Mann der Frau befehlen durfte. Wir leben in einer emanzipierten Gegenwart. (Aber die Botschaften sind natürlich hervorragende Vorlage für Band zwei. Wenn das Leben schon Stoff für eine Geschichte liefert…)

Zudem bin ich gespannt, wie meine Geschichte im Buch aufgenommen wird. Zwar wurden Orte und Personen geändert, aber was geschehen ist, habe ich wahrheitsgemäß dokumentiert.

Auch 2017 werde ich als Autor aktiv sein, als Aktivist und als Vortragsreisender.  Und ich werde versuchen, 2017 endlich die Arschlochhaltung zu bekommen, deren Fehlen mich fast umgebracht hätte.

2017 wird hoffentlich ein Jahr, in dem ich Selbsfürsorge betreibe, als freier Autor erfolgreich bin und alles andere nicht mehr so wichtig nehme. Weil toxische Menschen nie zu nahe an dich heran dürfen sollten. Sonst vergiften sie dein Leben.

Ich hoffe auch, dass ich meinen Followern in den Social Media Kanälen weiterhin gute Impulse geben kann, Informationen und Hilfe bieten. Und freue mich auf viele reale Begegnungen mit bekannten und neuen Menschen.

2017 benimm dich. Und schick mir keine Briefe mehr.

Oh, und bitte, ein paar weniger Abschiede von Menschen, die mir wichtig sind, wäre auch ganz nett ja?

Und wer sich jetzt schon wieder persönlich betroffen fühlt. Sorry, nein, ist nicht so. Und wird auch nie so sein.

Eigentlich schade, dass ich mittlerweile fast schon eine Schere im Kopf habe, weil irgendwer irgendwas ja falsch verstehen könnte. Nun gut. Die Schere wir stumpfer werden und mein Fell dicker.

 

Der Effizienzwahnsinn: Durchschau das bloß nicht

Als ich in die Kliniken kam, hatte ich ja eigentlich die Hoffnung, wieder gesellschaftsfähig, wieder passend für die Realität zu werden. Was mir dann aber wiederfuhr war eher ein Erwachen und Erkennen des Alltagswahnsinns. Trump, der rechte Mob, immer mehr Druck und Existenzangst beim Durchschnittsbürger, die dann zur Wahl solch abstruser Parteien wie der AfD führen. Und auch im Beruf (nein, nicht in meinem, bitte nicht schon wieder falsche Schlüsse ziehen) erhöht sich der Druck, wie erst jüngst die Süddeutsche berichtete. Ich versuche jetzt, im Kleinen und Größeren gegenzuwirken. In dem ich meine Geschichte veröffentliche, und zwar von Anfang an. Indem ich an Schulen gehe und dort meine Geschichte erzähle, vermittle, dass nicht das Tun den Wert einen Menschen ausmacht, sondern schon alleine die Existenz. Was ich im Moment auch durch meine Kinder erlebe ist ein Schulsystem, das selbst unter dem unsäglichen Einfluß der Wirtschaft und den unnötigen Experimenten weltfremder Bildungspolitiker leidet.

Und auch in die Medien werde ich weiterhin gehen, auch wenn das dem einen oder anderen ein Dorn im Auge ist. Fürs neue Jahr haben bereits weitere Medien Interesse angemeldet. Ich will gegenwirken, aufklären, den Wahnsinn bloßstellen, der immer mehr Menschen krank macht. Ich bin nicht der Meinung mancher Experten, es gäbe nicht mehr Angststörungen und Depressionen. Mein Alltagserleben vermittelt mir ein anderes Bild. Die Zahl steigt, es fällt nur nicht so auf, weil zum Vertuschen aufgefordert wird, oder weil man sich gezwungen sieht, zu schweigen, um die eigene Existenz nicht zu gefährden.

Wir müssen nicht immer effizienter werden, wir müssen endlich wieder langsamer werden. Wir sind schon zu schnell und da ich nicht erwarte, dass die Wirtschaft in Gegenwart oder digitaler Roboterzukunft an den Menschen in einer anderen Rolle als dem blöden Konsumenten denkt, dem man jeden Dreck andrehen kann, muss der Konsument, der Mensch sich emanzipieren. Es gilt, wieder andere Prioritäten zu setzen und nicht denen zu glauben, die direkt oder indirekt von unserem Konsum abhängig sind und uns Produkte einreden, die kein Mensch braucht. Functional Food, Autos mit viel Gewicht und viel PS, Private Vorsorge, die von den Gebühren und der Steuer aufgefressen wird. Nein, da will man nicht unser Bestes oder Moment, eigentlich doch, unser Geld. Wenn man das hat ist der Konsument uninteressant.

Leistungsmessung, Beurteilung, das Einreden unnötiger Fitnessprodukte oder Gesundheitsmittelchen. Nichts, was wir brauchen, aber oft etwas, das den Druck direkt oder indirekt erhöht. Wir müssen wieder langsamer, einfacher, egoistischer denken. Sonst werden noch mehr Therapeuten und Ärzte gebraucht,die dann selbst nach wenigen Jahren wegen eines auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmten Gesundheitssystems am Boden sind. Der Irrsinn hat Methode. Weil an ihm die Businesskasper verdienen. Und Menschlichkeit ist eben keine gewinnbringende Komponente im Monopolyspiel der Wirtschaft.

Und nein, auch dieses Mal ist niemand von denen gemeint, die gemeint zu sein gerne meinen dürfen.

mein 2016, zurück im Leben und neue Wege

Disclaimer: Wer sich hier erkannt fühlt und nicht namentlich genannt wurde ist, wie bei allen meinen Postings, sei es hier oder in Social Media NICHT GEMEINT. Weitere Post brauche ich wirklich nicht.

2016. Das Jahr eins nach meinem Suizidversuch. Und schon zu Beginn ein holpriger Start. Zu schnell wollte ich wieder zu perfekt sein. Das endete erst mal wieder in der Tagesklinik. Danach ein 12 wöchiger Neustart, der mich endlich wieder zurück in einen „normalen“ Arbeitsprozess brachte, zumindest was meinen Hauptberuf angeht. Daneben letzte Arbeiten an meinem ersten in einem klassischen Verlag erscheinenden Buch. Bastei Lübbe wurde für mich in diesem Jahr endgültig zu meiner literarischen Heimat, auch dank toller Menschen, die mich in der Entstehung des Buches unterstützten. Danke Cindy Witt, danke Angela Kuepper, danke auch Ragna Sieckmann und Tina Pfeifer, die sich um Autor wie Buch wirklich toll gekümmert haben. Weder wurde irgendwie kritisiert, dass die Erzählung von geplanten 250 Seiten auf notwendige 430 Seiten anwuchs, noch wurde der Inhalt wesentlich verändert, der zu 100% aus meiner Feder stammt. Und das Lob von dir liebe Angela sowohl über Projekt als auch Inhalt. Es haut mich noch heute von den Socken, wenn ich die EMail mal wieder hervorkrame.  Und damit hat sich meine Berufsbezeichnung speziell in den Online Medien geändert. Ich bin jetzt Autor und weitere Bücher sind bereits in Planung bzw. im Entstehen.

Und dann war da auch noch die 37° Reportage „Viel mehr als Traurigkeit“, geplant und organisiert von Wibke Kämpfer. Das Team war sehr einfühlsam, die Drehs so authentisch wie möglich und das Endergebnis spricht glaube ich für sich. Ja, ich weiß, eigentlich war das ganze zu kurz, aber so ist nun mal das Format von 37° und mir war insbesondere wichtig, dass das Thema Depression im öffentlichen Fokus bleibt, damit endlich die Stigmatisierung psychisch Kranker endet. Auch hier waren die Reaktionen überwältigend positiv, wenig Kritik viel Dank für die offene Kommunikation und für mich Bestätigung, dass ich mit meiner Strategie richtig liege.

Auch die re:publica 2016 war für mich etwas ganz besonderes. Meine erste re:publica mit eigener Session und dann noch gemeinsam mit Kati Krause über mein Herzensthema: Social Media und Depression. Nicht nur dort, auf der re:publica war der Zuspruch phänomenal. Die Medien wurden aufmerksam.

Elektrischer Reporter, bayrisches Fernsehen, Südwestpresse, Huffington Post Deutschland, die Liste verlängert sich im Moment täglich. Man war besorgt, ob ich diese Öffentlichkeit verkrafte, ob das alles nicht zu viel für mich sei. Nein Leute, im Gegenteil, es ist für mich ein Quell neuer Motivation, mich weiter mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen und anderen Menschen aus dem Versteck zu helfen und die Angst vor der Krankheit und der Behandlung selbiger zu nehmen.

Die Buchmesse 2016 war für mich die erste, die ich nicht nur als Autor sondern auch als Fachbesucher besuchte. Gespräche mit meinen Verlagsansprechpartnern, neue Menschen, die mich, ein völlig neues Gefühl, erkannten und sich fast wie Fans benahmen. Es baute ungemein auf und stärkte mich in einer Phase, in der ich noch sehr verletzlich und unsicher war. Zu Beginn war ich Autor laut meiner Visitenkarte. Am Ende fühlte ich mich auch wie ein solcher. Danke allen, die sich dort mit mir getroffen und ausgetauscht haben. Besonders auch Firas Alshater, ein Mensch, den ich bewundere und dessen Buch ich nur jedem ans Herz legen kann, der einen Blick in eine syrische Seele werfen will, erfahren will, was Menschen wirklich in Syrien erleiden und wie es sich anfühlt, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen, dem Königreich des Papierkriegs. Danke Firas, dass du für mich Zeit hattest, danke für dein Buch, danke, dass ich dich kenne. Und danke Jan. Was du mit Firas zusammen auf die Beine gestellt hast und stellst, ist einfach großartig!

Das Barcamp Glück von Lotto BW war ein weiterer spannender Event. Klein aber fein, Gelegenheit, neue Menschen mit ihren Geschichten kennenzulernen, meine Geschichte zu erzählen und erneut in den Austausch zu gehen, zu reflektieren und dem Thema des Barcamps geschuldet auch zu lernen, wie viel Glück ich auch im Unglücksjahr 2015 hatte.

Anfang November dann der von mir schon erwartete Rückfall, kurz, voller Missverständnisse und in seinen Auswirkungen auf mein Umfeld von mir so nicht erwartet. Nicht jede Reaktion war schön, nicht alles kann ich rückblickend verstehen, aber ich habe gelernt, ich muss auch nicht alles verstehen. Ich muss lernen, damit umzugehen, andere Sichtweisen oder Interpretationen zu akzeptieren. Aber ich muss sie mir eben auch nicht mehr zu eigen machen. Zwar gab es Kommunikation, insbesondere mit meiner Frau, die ich bis heute nicht akzeptieren kann. Aber hey, warum aufregen, es gibt wichtigeres.

Dieser Knüppel im Weg meiner Heilung war aber nicht lange ein Hindernis. Schulen und Schüler warteten und warten auf Aufklärung, darauf, meine Geschichte zu hören. Schwäbisch Hall, Heilbronn, Winnenden und Ellwangen im neuen Jahr sind nur einige. Ich bin allen bislang besuchten Schulen und Schülern für ihr Interesse und für die wirklich sehr intelligenten und teils schweren Fragen sehr dankbar. Und ich werde meine Geschichte weiter erzählen, in der Hoffnung, dass sie weiterhin das bewirkt, was schon in der Zeit der Tweets #ausderklapse passierte. Menschen, die sich wegen meiner Initiative mehr um sich selbst kümmern, Menschen, die zur Sicherheit einen Therapeuten aufsuchen, Menschen, die anderen betroffenen Menschen zur Seite stehen.

All jenen, die aus meinem Beispiel etwas für sich herausgeholt haben sage ich danke. All jenen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen sei es beruflich oder privat als Freund oder Angehöriger beistehen sage ich erst recht DANKE. Ihr tut etwas ungeheuer wertvolles und es kann durchaus sein, dass ihr im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben rettet.

Mein allergrößter und nicht wirklich vollumfänglich ausdrückbarer Dank gilt aber meiner wundervollen Frau Sibylle, die mir die ganze Zeit zur Seite stand, die unglaubliches geleistet hat in der Zeit, die für mich die schlimmste meines Lebens war und die mir dort wieder herausgeholfen hat.

Am 13. Januar 2017 endlich auch physisch im Buchhandel verfügbar, ich hoffe auf viele Leser und viel Feedback

Und danke meinen drei wundervollen Kindern. Euer Zusammenhalt, eure spürbare Liebe zu mir, auch als ich eben nicht der Vater war, der ich sein wollte, das alles kann ich euch gar nicht hoch genug anrechnen. Ihr seid wundervolle, starke, mutige, kluge, empfindsame und besondere Menschen. Bleibt so. Es gibt viel zu wenige von dieser Art.

2017 wird für mich das unglaublichste Jahr überhaupt. Weitere TV Auftritte, am 13. Januar 2017 erscheint endlich mein Buch „Depression abzugeben“. Weitere Artikel, Aktionen, vielleicht sogar Lesungen. Wer weiß, was noch alles kommt. Nur eins weiß ich. Ich werde weiter laut, aktiv, ein Lobbyist sein für all jene, die sich noch nicht offen zu ihrer psychischen Krankheit zu bekennen wagen.

Mein Brot- und Butterberuf soll wieder normal laufen, aber ebenso bleibe ich Autor, Blogger und „Aufklärer“ über Depression, psychische Krankheiten und Suizidprävention und werde auch 2017 den Blog mit Blick auf diese Themen weiterführen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann neue Perspektiven für den Autor Uwe Hauck und seine Buchprojekte. 2016 war für mich trotz all der Dramen, der traurigen Verluste und des zukünftigen Horrorpräsidenten der USA ein aufwühlendes, spannendes, neue Wege ebnendes Jahr. 2017 darf kommen, aber bitte mit weniger Drama und mehr guten Wendungen.

Euch allen wünsche ich ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Ich genieße die Vorweihnachtszeit zum ersten Mal seit Jahren wieder wirklich. Wir lesen uns 2017. Dank euch allen, die ihr mir zur Seite standet, sei es virtuell oder real. Ihr habt mir mehr geholfen, als ihr euch vorstellen könnt.