Warum die Arbeitsmarktdiskussion am Problem vorbei geht

Toll, die einen fordern „Begrüssungsgeld“ für Einwanderer, die anderen, dass erst auf das „heimische Potential zurückgegriffen wird“. Für mich gehen beide Diskussionen an der Realität vorbei. Wir leben längst in einer Wissensgesellschaft, wir sollten längst über andere Arbeitsmodelle nachdenken. Und wir müssen zwingend die Bildung, nicht die Ausbildung wieder in den Vordergrund stellen. Wer nur für den Arbeitsmarkt ausbildet, erzeugt Fachidioten mit Tunnelblick, die so lange gefragt sind, so lange ihr Spezialistenwissen gefragt ist. Was aber, wenn sich die Technik, die Aufgabe ändert, wenn sie gar abgelöst wird. Dann haben es solche ausgebildeten Arbeitskräfte sehr schwer, da für sie eine neue Ausbildung quasi einen Beginn bei Null bedeutet. Schliesslich haben sie kaum über den Tellerrand hinausgeblickt. Insofern begrüsse ich sehr den Entschluss führender deutscher Universitäten, wieder zum Diplom, dem nach meinem Eindruck breiter gefassten und mehr an Bildungszielen orientierten Abschluss zurückzukehren, statt den verschulten Arbeitsmarktbachelor anzubieten. Beim Diplom werden die Einser Kandidaten aus den Gymnasien zwar wieder rudern müssen, weil ihnen nicht bis in die letzte Buchbesprechung gesagt wird, was sie lernen sollen, aber es wird wieder ein breiteres, flexibleres Wissen angeboten.

Gute Bildung BRAUCHT Zeit und in einer alternden Gesellschaft, in der man auch im „höheren“ Alter durchaus noch als Wissensarbeiter voll leistungsfähig sein kann, ist eine Diskussion um 1 Jahr früher oder später auf dem Arbeitsmarkt geradezu lächerlich.
(Außerdem leben ja ganze Medienzweige von ihren Praktikanten 😉

Wir sollten von einigen überkommenen Denkmodellen wegkommen, wir mussen uns wieder verstärkt um Bildung, statt nur um Ausbildung kümmern (wenn auch für den einfach denkenden Arbeitgeber der stille, brave, nicht querdenkende Arbeitnehmer die bessere Humanressource sein mag), in Zeiten des Wandels müssen wir alle flexibler agieren können, das gilt sowohl für die Arbeitszeit, als auch für die Art der Arbeit. So lange ich noch mit Begriffen wie überqualifiziert, oder 9-17 Uhr Bürojob um mich werfe, haben wir nix begriffen.
Meine Vision, Arbeit und Privat werden im positiven immer mehr verschmelzen, ich biete mich mit meinen Talenten, auch denen, die ich mir später selbst angeeignet habe meinen Auftraggebern an, auch wenn ich festangestellt arbeite. Und Arbeit ist nicht mehr an Zeiten oder Arbeitsplätze gefesselt, sondern orientiert sich an dem zu ereichenden Ziel. Wir arbeiten schon heute in Teams, die ein gemeinsames Ziel erreichen müssen. Und dieser Trend wird sich noch verschärfen, wenn er letztlich auch globalisiert wird. Spätestens dann wird es zwingend nötig, überkommene Arbeitsmodelle neu zu denken. Ich habe eine ehemalige Studienkollegin, die bei Microsoft in Seattle im mittleren Management arbeitet. Als ich sie gefragt habe, wie ihr Arbeitszeitmodell aussieht, war ihre lakonische Antwort. Die Firma ist immer offen. Und das ist ja klar, wenn ich international arbeite. Die Welt schläft nie.
Was wichtig wird ist immer mehr. Ich muss Herr über meine Zeiteinteilung werden. Und ich muss auch bereit sein, die Verantwortung für ein Nein zu übernehmen oder aktiv offline sein. Es ist ein Geben und Nehmen. Auf beiden Seiten.
Kurzupdate: Es scheinen noch andere zu merken, dass wir hier Spiegelfechtereien beobachten. „Arbeitsmarktexperte Gerhard Bosch im Interview mit tagesschau.de

Meine pers. Nachricht des Jahres: Das Diplom kommt zurück, Bye, bye Bachelor!

Die Welt schreibt: Technische Hochschulen kehren zurück zum Diplom! STRIIIIKE! Ja! Endlich! Warum um alles in der Welt hat man überhaupt einen weltweit hoch geachteten Abschluss wie das deutsche Diplom gegen einen nichtsagenden, nur halbherzig umgesetzten und völlig verschulten Bachelor geopfert? Warum hat man aus Hochschulen, die wissenschaftliches Arbeiten lehren sollten, Lehranstalten gemacht, die die Schule nur mit anderen Mitteln fortgesetzt haben? Für mich war das wichtigste, das ich während meines NICHT Bachelor Studiums gelernt habe, selbst zu denken, selbst zu recherchieren, einfach eigenständig wissenschaftlich und professionell zu arbeiten. Wissenschaftliches Arbeiten bedingt auch Freiräume, bedingt, die Zeit zu haben, sich auch inhaltlich zu orientieren.
Danke all jenen, die diese Entscheidung tragen. Ich finde, ein sehr richtiger und wichtiger Schritt. Und ich bin begeistert. Das ist für mich die Nachricht des Jahres. Und ich hoffe, sie zieht weitere Konsequenzen nach sich. Ich halte gerade die umgekehrte Strategie für richtig. Warum muss sich die international anerkannte deutsche Wissenschaftslandschaft eigentlich dauernd internationalen Standards anpassen? Machen wir denn so viele so schlecht? Dagegen spricht das Ansehen der deutschen Forscher. Es wäre vielmehr zu wünschen, daß endlich wieder mehr Wissenschaft gefördert wird, mehr Grundlagenforschung anstelle von Pseudoexperten und Pseudowissenschaften. Wer immer noch richtig findet, dass unwirksame Alternativmedizin von meinen Kassenbeiträgen bezahlt wird, aber nicht bereit ist, in fundierte Grundlagenforschung mehr Geld zu stecken, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die besten (Wissenschaftler-) Köpfe ins Ausland abwandern.
Wir werden immer mehr zu einer Wissensgesellschaft. Das wird unser Wirtschaftsgut des 21 Jahrunderts. Wer das nicht begreift, lässt sich international abhängen. Und das wäre das letzte, was wir jetzt brauchen können.

Klar bin ich online im Urlaub……. aber anders

Die TAZ hat als Sonntagsstreitthema das Internet im Urlaub entdeckt. Für mich eher eine ermüdende Diskussion und ein typisch deutsches Denkphänomen. Da wird ein mittlerweile von vielen Menschen täglich genutztes Werkzeug, das Internet in Gestalt von Smartphone und Netbook anstelle einer viel sinnhafteren Diskussion um die berufliche Erreichbarkeit im Urlaub in den Fokus gestellt. Denn letztlich gehts doch genau darum. Was ist so verwerflich daran, wenn ich auch im Urlaub mit meinen Twitterfollowern gerne in Kontakt bleibe? Sollte man das nicht bitteschön mir überlassen, was für mich zur Erholung gehört. Das ist so ähnlich wie der Diätwahn, in dem alle über einen Kamm geschoren werden und sich gefälligst schlecht zu fühlen haben, wenn sie nicht irgendein gerade aktuelles Idealgewicht haben.
Alles Quatsch, ich z.B: will unbedingt mit Smartphone in den Urlaub. Warum? Ich nutze Wikitude anstelle von dicken Reiseführern, kann mir vor Ort sehr einfach einen Platz im Restaurant reservieren oder herausfinden, wo es den nächsten Supermarkt, Arzt oder die nächste Sehenswürdigkeit gibt (Aloqua und Wikitude sei dank). Ich habe ein Navi bei mir und muss auch im Urlaub nicht auf meine ZEIT verzichten, dann allerdings in der eBook-Version, die ich mir auch im Urlaub als Download holen kann, Abonnent der ich bin.
Die Diskussion ist ein Scheingefecht, das davon ablenkt, dass viele Menschen mit dem Online sein, mit den Nutzern des Internets, die es in ihren Alltag integriert haben, immer noch ein Problem haben.
Wie sagte schon Schiller so schön? Gebt Gedankenfreiheit, ich würde es erweiteren zu „Gebt Onlinefreiheit“. Dass wir uns unerreichbar für unseren Beruf machen sollten, ist ein anderes Thema, das aber ebenso für die telefonische Erreichbarkeit gilt.

Übrigens nehme ich mir auch sieben schöne Romane mit. Aber in meinem eBookReader. Da spar ich mir nämlich mindesten 2kg Gepäckgewicht. Oh was bin ich ein böser Kulturverachter.. Aber mir ist die Geschichte wichtig, die ich lese, nicht die äußere Form.

Der Januskopf der Arbeitswelt. Geschäftssmartphones im Urlaub und Verbot des privaten im Beruf

Arbeitssucht: Wenn das Smartphone zur Jobfessel wird titelt ZEIT ONLINE und offenbart damit, wie janusköpfig die heutige Arbeitswelt geworden ist. Da wird gerichtlich abgesegnet, dass ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer das private Telefonieren während der Arbeit verbieten darf. Aber ich habe bislang noch kein Urteil gefunden, dass dem Arbeitnehmer erlaubt, seinem Arbeitgeber zu verbieten, ihm ein Smartphone auch mit nach hause zu geben. Insofern halte ich diese ganze Arbeit/Privat Debatte so lange für sehr verlogen, so lange nicht die Arbeitgeber auch akzeptieren, dass die Zeit des Arbeitnehmers als Lohnsklave, der nur und ausschliesslich für seine Arbeit im Büro zu sein hat, endlich vorbei sein muss. „Morgen komm ich später rein“ ist ein bekannter Buchtitel, der in meinen Augen sehr gut zeigt, wie überkommen unsere momentanen Arbeitsmodelle sind. Ich würde sagen, ab morgen arbeite ich effektiv und spar mir die Effizienz. Wir müssen gerade in der immer so propagierten Wissensgesellschaft von diesen dummen 9-17 Uhr Modellen wegkommen. Das Buch „Meconomy“ definiert für mich die Einstellung zur Arbeit, wie sie sich zukünftig darstellen wird. Auch in einer Festanstellung bin ich Unternehmer, muss ich mich und meine Talente und Fähigkeiten vermarkten. Wer sich seine Arbeit nur zuteilen lässt, wird früher oder später unglücklich, weil er nicht mehr selbstbestimmt handelt in einer Gesellschaft, die immer selbstbestimmter wird. Klar heisst das auch Verantwortung für den Arbeitnehmer. Denn wer an seinem Erfolg gemessen wird, der muss sich selbst um seine Arbeitszeiten kümmern und wird nicht mehr von Tarifverträgen an der Hand genommen. Und wer dann auch noch im Urlaub ständig beruflich erreichbar ist. Tut mir leid, der ist selbst schuld, denn er hat sich hintenangestellt und überhöht den Beruf. Wir alle haben auch noch ein Leben. Und wir sollten arbeiten, um zu leben. Nicht andersrum. Und wenn ich bereit bin, jenseits meines 9-17 Uhr Tarifjobs zu arbeiten, dann muss ich eben auch während der Arbeit kleiner private Themen erledigen dürfen, dann muss ich auch mal bereits um 14 Uhr gehen können und den Rest zu hause erledigen können, während ich nach den Kindern schaue. Wer Beruf und Familie wirklich besser miteinander vereinen will, der kommt an diesen Denkmodellen heutzutage nicht mehr vorbei!

Das Google Nexus One, ein Abgesang auf eine gute Sache

Schade finde ich das. Das Nexus One war doch eigentlich ein sehr gutes Android Smartphone. Zumal es sehr schnell die neuesten Versionen des OS bekam. Gut, es war teuer. Vermutlich zu teuer. Und als man sich zu Anpassungen beim Preis entschloss, waren schon zu viele spannende Konkurrenten auf dem Markt. Es krankte meiner Ansicht nach aber auch and er einfachen Verfügbarkeit. Der Deutsche z.B. geht offensichtlich immer noch am liebsten zum Mobilfunkprovider seiner Wahl um das nächste Gadget zu holen.

Immerhin eine gute Nachricht am Rande. Das HTC Desire, das auch ich mein eigen nenne, soll in den nächsten Tagen endlich Frojo 2.2 bekommen. Das heisst, die ungebrandeten. Meines, das ja ein unsichtbares Vodafone Branding hat, wird dann wohl noch ein paar Wochen darauf warten müssen. Aber dann kann endlich auch auf die SD Karte installiert werden, und somit gibts wieder Platz auf dem Device.

Fortschritt ist nicht Technik sondern Einstellung

Viele scheinen dem Irrtum zu obliegen, ich führe eine neue Technik (sei sie abstrakt, als Managementtechnik, oder wirklich ein Stück „Hardware) ein das klappt schon und wundern sich, warum dennoch nichts besser, nichts anders wird.
Der Denkfehler liegt darin, dass Neuerungen meist zum Selbstzweck verkommen. Wenn ich nur Methode a oder Hardware/Software b anwende, wird alles besser. Falsch: Aber verständlich… So funktionieren ja auch die meisten Ratgeber und Berater. Hier wird aber das Pferd von hinten aufgezäumt. Viel wichtiger, als die neue Technik ist die Einstellung derer dazu, die sie später anwenden sollen/müssen. Erst muss man die Zielgruppe ins Boot holen und wirklich analysieren, ob sie die neue Technik annehmen wird. Sonst heisst es irgendwann. War ne gute Idee. Nutzt aber keiner… Abschalten.
Manchmal versickern tolle Ideen einfach dadurch, dass sie niemand von den Anwendern akzeptiert oder gut findet. Erst heisst es die späteren Anwender ins Boot holen, dann kann man sich auf die Entwicklung der Neuerung stürzen. Leider passiert es oft umgekehrt, weil man selbst davon ausgeht, ich weiss schon, was gut für die Kunden /Mitarbeiter ist. FALSCH. Das ist das Fremdbild vom Anwender. Man sollte sich immer mehr auf das Selbstbild des Anwenders verlassen und ihn oder sie fragen, was sie erwartet, was besser werden soll.