Nach einem Bericht der Berliner Morgenpost von heute 15. Juli plädiert das BKA in einem internen Papier auf Grund der langen Zeit, die zwischen Löschaufforderungen und dem Verschwinden der Seiten vergeht dafür, dass die Seiten erst gesperrt, und dann gelöscht werden. Tolle Idee. Durch die Sperre die Verbrecher erstmal darauf aufmerksam machen, dass man sie gefunden hat und dann glauben, man könne sie noch schnappen. Anstelle die eigenen Infrastrukturen und Massnahmen zu optimieren will man jetzt wieder die Opfer weiter im Netz lassen und den Tätern quasi via Sperre zeigen, dass man sie gefunden hat, so dass diese genug Zeit haben, die Daten zu verlagern und die Spuren zu beseitigen. Es geht nicht darum, die Inhalte zu verstecken, sondern die Täter zu schnappen. Und wenn das BKA das nicht schafft, muss es sich selbst optimieren, nicht den einfachsten Weg gehen, und das eigene Unvermögen hinter einer Sperrinfrastruktur verstecken.
Best of both worlds: Ist die Trennung zwischen Buch und eBook falsch?
Wer sagt, dass ich beim Kauf eines Buchs nicht auch Zugriff auf die eBook Fassung bekomme. Schliesslich kaufe ich, zumindest aus meiner Sicht primär den Inhalt, den ich lesen will. Warum also nicht zu jedem Buch einen einmaligen Code generieren, mit dem ich die Ebook Fassung herunterladen kann? Die zweite Kaufvariante wäre die vergünstigte als alleiniges eBook. Ich behaupte, es würden dennoch viele Menschen die Variante Buch und eBook bevorzugen, da es immer noch Kontexte gibt, in denen ich einfach nur das papierne echte Buch nutzen will.
Ich mache hier mal die Diskussion auf, wie seht ihr das? Ist das die Zukunft des Buches?
Social Media Guidelines, auch bekannt als gesunder Menschenverstand, über die europäische Verbots(un-)kultur
Gerade ruft die Telekom zur Definition der 101 Regeln für die Digitale Welt auf. Dabei gelten, und ich sage das gerne noch einmal in der digitalen Welt natürlich auch die Regeln der realen Welt.
Was die meisten verkennen ist, dass alles, was im realen strafbar ist, auch digital verfolgt werden kann. Der einzige Unterschied ist die Möglichkeit zur Anonymität. Wer sich anonym einloggt (und so dumm ist, zu glauben, dass er dann nicht auffindbar ist), der pöbelt gerne mal, schreibt unqualifizierte Kommentare oder posiert schlicht mit seiner eigenen Dummheit.
Ganz klar, und dazu stehe ich auch gegen mögliches Bashing: Für ein Unternehmen, für den Umgang der Mitarbeiter eines Unternehmens mit dem Social Web und für die Präsentation nach außen sind Guidelines elementar. Das predige ich auch gebetsmühlenhaft.
Aber eigentlich sollten wir so etwas nicht brauchen. Sofern die Regeln für das Miteinander im Alltag eingehalten werden, sollten sich die meisten dieser Netiquette Definitionen schon aus dem gesunden Menschenverstand herleiten.
Was momentan meiner Ansicht nach allenthalben fehlt, ist das Vertrauen in den Menschen. Wir brauchen immer mehr Regeln, Definitionen, Grenzen. Bloß nicht die Möglichkeit für etwas falsches eröffnen. Dabei ließe sich ein Aussreisser ein Quertreiber doch ganz einfach einfangen. Aber nein, erst wird ALLEN das Leben schwerer gemacht, werden teilweise unsinnige oder offensichtlich von mangelndem Vertrauen getragene Regeln indoktriniert, die natürlich von denen, die wirklich mit der digitalen Welt arbeiten wollen, auf die eine oder andere Art ausgehebelt werden.
Es hat sich bei uns, und das speziell im europäischen Raum meiner Ansicht nach eine Unkultur des mütterlich oder väterlichen Überwachens etabliert. Mir scheint, man hält den Europäer durchweg für einen pädophilen gewaltbereiten Proleten, der nichts besseres zu tun hat, als Arbeitgeber, Staat und Öffentlichkeit zu beschädigen und auszunutzen. Während der Zensursula Diskussion kursierte das wundervoll gemachte Video „Du bist Terrorist“. Das Bild, das dort ironisiert gezeichnet wurde, scheint weiterhin vorzuherrschen. Und der durchschnittlich informierte Bürger scheint auch gar nichts daran zu finden, dass ihm immer mehr vorgeschrieben wird. Dabei bleibt Freiheit und bleiben Entscheidungsspielräume auf der Strecke. Oder wandern in den digitalen Untergrund. Bekommen wir es bald mit einer Digital Guerilla zu tun? Mit einer Netzrevolte? Ich hoffe nicht, ich hoffe, wir besinnen uns wieder darauf, dass wir immer noch in einer Gesellschaft leben, in der die extremistischen Tendenzen Gott sei Dank nicht im Mainstream zu hause sind. Und letztlich gilt, was schon bei der Kindererziehung gilt. Verbote helfen nicht, Verbote machen etwas nur noch spannender. Einsicht hilft weiter.
Hütet euch vor den Pauschalurteilen in Sachbüchern
Sachbücher, speziell solche, die uns Lebenshilfe anbieten oder den „Payback“ oder das „Glück der Unerreichbarkeit“ predigen, müssen mit Vorsicht gelesen werden. Sicherlich gibt es dort gute Anregungen aber all diese Bücher gehen von einem Grundirrtum aus. Nämlich, dass alle Menschen gleich sind, und alles für alle gleich negativ oder positiv ist. Manchmal frage ich mich: „Wer bin ich, wenn ich Lebenshilfebücher lese … Und was macht mein Gehirn solange?“
Nun sollte man mittlerweile wenigstens das gelernt haben, daß jeder Mensch ein Individuum ist. „Was dem einen sin Uhl, is dem andern sin Nachtigall“. Jeder muss für sich den optimalen Weg finden.
Das ist schwieriger aber auch ehrlicher. Und dazu gehört es auch, sich genau zu überlegen, ob die Thesen und Bedrohungsszenarien real sind, oder eher die Wiederspiegelung dessen, was der Autor fürchtet oder mag. Ich garantiere, wenn ich in eine beliebige Buchhandlung gehe, kann ich zu fast jedem Lebenshilfethema einen Pro- und Contra-Autor finden. Lebenshilfebücher sind schon im Ansatz falsch, weil es eben nicht DEN Weg, das Lebensmuster gibt, das für alle gilt.
Die beste Lebenshilfe ist immer noch: Locker bleiben, nicht jedem neuen Lebensberatertrend folgen, und sich mehr aus sich definieren, als aus dem letzten Trendthema, das durch die Bücherwelt geistert. Zur Zeit ist es im Trend, auf das Social Web zu schimpfen. Ich kann mich noch erinnern, als das Fernsehen diese Rolle übernahm, davor das Kino, das Buch, der Strom, das Feuer. Und sicher hat auch mal der eine Steinzeitmensch über den anderen gemeckert, weil der sich warme Kleidung anzog, die ja verweichlicht…. Ich halte mich da ein mein Lieblingssprichwort: Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben.
Eins jedoch wünsche auch ich mir als Veränderung. Dass auch in den Firmen wieder der Mensch in den Fokus kommt, nicht die Humaressource. Dass wieder darüber nachgedacht wird, dass ich mich auch als Mitarbeiter dann am besten entfalte, wenn ich nach meinem Stil arbeiten kann, nicht nach dem, was gerade in dem Buch stand, das mein Projektleiter, Teamleiter, Vorgesetzter zuletzt gelesen hat. Gerade in kreativen Berufen ist dies das A und O des Erfolgs.
Auch die National Geographic Society nutzt Crowdsourcing
Nachdem ich vor kurzem bereits moonzoo und andere Projekte aus dem Zooniverse vorgestellt habe, jetzt eine neue spannende Anwendung von Crowdsourcing: Mongolia, Valleys of the Khans sucht Freiwillige, die im Rahmen des Crowdsourcing helfen, auf Satellitenaufnahmen historische Objekte zu finden. Das ist für mich immer wieder eine Chance, mein Interesse an Wissenschaft und Forschung im realen Einsatz in den Dienst der guten Sache zu stellen. Schon direkt nach meinem Studium habe ich sowohl zwei Wochen meines Urlaubs als auch über tausend Euro investiert, um damals bei einem Projekt der Earthwatch Gesellschaft bei der Beobachtung von Walen und Delphinen in der irischen See zu helfen. Bis heute verbinde ich mit dieser Expedition ganz besondere Erlebnisse, ganz besondere Menschen, die aus allen Teilen der Welt zusammen gekommen sind, um einem Wissenschaftler zu helfen,Wale und Delphine zu schützen. Und wir durften aktiv mitarbeiten, nicht als „Wasserträger“ sondern mit allen klassischen Mitteln der Forschung! Ich bin immer wieder mit Begeisterung dabei wenn es darum geht, wissenschaftlich zu arbeiten, jenseits von Profitdenken und Return of Investment 😉
Digital Rights Management als Ärgernis und Behinderer neuer Technologien. Der Misserfolg der eBooks dank DRM.
Auch ich habe einen Account bei Bookworm . Damit kann ich meine eBooks online verwalten, sie auch online lesen, oder auf jedes beliebige Device downloaden, das einen Internet Zugang besitzt. Alle? Nein, leider sind DRM geschützte Bücher davon ausgenommen. Und es gibt noch andere Probleme. Vor kurzem wollte ich neben meinem Notebook und dem Netbook noch ein weiteres Device freischalten. Da bockte Digital Editions, das DRM Management Programm für meine eBooks. Denn diese Bücher lassen sich auch nur mit einem DRM Programm der selben Art öffnen. So habe ich keine Möglichkeit Bücher, die ich in Amazons Format für den Kindle kaufe, auf andere Devices ohne Kindle Unterstützung zu laden.
DRM ist für mich das gleiche Problem für eBooks, das es schon bei MP3 war. Es ist ein grosses Hindernis und solange die Verlage auf dem dummen Konzept bestehen, so lange wird sich das eBook nicht durchsetzen. Denn zumindes ich habe den Anspruch: Wenn ich für etwas bezahlt habe, will ich damit machen können was ich will. Sonst will ich das Produkt über kurz oder lang nicht mehr. „Die Zeit“ hat da, ganz ihrem Namen verpflichtet, die Zeichen der Zeit erkannt und bietet ihre elektronische eBook Ausgabe für Abonnenten, wie überigens auch schon das PDF ohne DRM an. Das nenne ich fortschrittliches Denken und vor allem erzeugt „Die Zeit“ bei mir damit ein Vertrauensverhältnis. Klar werde ich das eBook nicht weitergeben. Aber ich habe auch guten Grund, weiterhin begeisterter „Zeit“ Leser zu sein. Denn offensichtlich nimmt man mich im Verlag ernst, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Verlagen, die mich mit DRM nerven.
Selbst oReilly hat erkannt, dass der Leser auch ein denkendes Wesen ist und bietet seine Bücher ebenfalls ohne überflüssigen weil nervenden DRM Schutz an. Damit kann ich auch diese Bücher professionelle verwalten und auf all meinen Devices bei mir haben. Denn manchmal ist nur mein Smartphone bei mir und auch darauf lese ich ab und zu gerne mal.
Von der idiotischen Buchpreisbindung will ich hier gar nicht erst ausführlicher anfangen. So lange das eBook genau so viel kostet wie die gedruckte Ausgabe überlege ich mir schwer, ob mir die nur noch digitale durch DRM verkrüppelte Version des Buches so viel wert ist. Was, wenn ich den eBook Reader wechsle? Was, wenn sogar das Format meiner EBooks? Dann muss ich sie ja nochmal kaufen, falls das DRM sie sogar an mein Device bindet. ich sage nur #epicfail Verlage. So gehts nun nicht. Eine ganze Branche macht die gleichen Fehler nochmal, die schon der Musikindustrie mehr Feinde bei den Konsumenten eingebracht haben und die letztendlich doch dazu geführt haben, dass DRM wieder entfernt wurde. Aber wir reden hier ja hier von proftorientierten Managern, die offensichtlich glauben, sie wären Pipi Langstrumpf und sich die Welt widewidewit machen, wie sie ihnen gefällt. Dabei vergessen sie aber, dass der Kunde für jeden profitgeil…aeh profitorientierten Manager immer noch der König sein sollte.
Renaissancemensch reloaded. Warum wir wieder breiteres Wissen brauchen
Wir leben, gerade auch wissenschaftlich in einer Zeit, in der die Grenzen der einzelnen Disziplinen immer mehr verwischen, Hirnforscher sich mit Physikern unterhalten, Biologen mit Ärzten usw. Und auch im privaten wird es immer wichtiger, sich breiter zu informieren, um in einer immer komplexer werdenden Welt auf dem Laufenden zu bleiben. Aber schafft man das alles überhaupt. Natürlich, denn nie hatten wir mehr Möglichkeiten und Werkzeuge an der Hand, um uns zu informieren, um Informationen zu bekommen, zu vergleichen und aufzubereiten. Wir können auf Datenbanken zugreifen, verschiedene Medien vergleichen.
Aber dafür wird unsere Jugend nicht vorbereitet. Es wird immer mehr der Fachidiot propagiert, der bereit ist für die Arbeitswelt, aber ansonsten kaum mehr Interessen hat, die nicht direkt zu Geld gemacht werden können.
Das ist gefährlich, denn singuläres, auf ein Thema bezogenes Wissen kann in unserer sich immer schneller verändernden Gesellschaft extrem schnell veralten. Und wer sich dann nicht auch auf anderen Gebieten zumindest grundlegend informiert hat, wird schnell „überflüssig“ für das System. Und nur mit einer guten Bildung, nicht Ausbildung, kann man auch einschätzen, was Wahrheiten sind und was lediglich Fehlinformation oder Propaganda.
Der gebildete Bürger kann selbstständig entscheiden. der ausgebildete kann lediglich selbstständig seine Arbeit erfüllen. Hier sehe ich die grosse Chance der Social Media. Neben der reinen Spielerei der Verbreitung von Wissen zu dienen, Menschen Informationen bereitzustellen, sich über Themen auszutauschen, über Grenzen, Länder und Kontinente hinweg. Die Wirtschaft globalisiert sich immer mehr. Höchste Zeit, dass sich auch die Bürger, die Menschen immer mehr globalisieren. Und wir müssen auch diejenigen abholen, die noch nicht im Netz angekommen sind. Denn auch und gerade in Ländern der dritten Welt oder Ländern mit unterdrückerischen Regimen ist Wissen, ist objektive, unzensierte Information das wichtigste Gut im Kampf gegen Propaganda, Unterdrückung und das absichtlich Dumm halten der Bevölkerung.
Wir können schon lange selbst im eigenen Fachgebiet nicht mehr alles erfassen. Es wird in Zukunft viel wichtiger sein, zu wissen, wo ich relevante Information finde, grössere Zusammenhänge zu sehen, auch über den Tellerrand zu schauen. Alles Talente, die auch dem Renaissancemenschen gut zu Gesichte standen.
Manche sind offline und auch noch stolz drauf, Ignoranz 2.0
Ja, diesen Blogeintrag werden genau die,die es eigentlich angeht nicht lesen. Die 29%, die zu einem grossen Teil, laut Artikel der Tagesschau grösstenteils bewusst offline sind und bleiben wollen. Nun war die Erde auch ziemlich lange eine Scheibe, Männer mit mehr Rechten als Frauen behaftet, die Eisenbahn lebensgefährlich, ein Mobiltelefon Spielerei und das Internet überflüssig und böse.
Gut nur, dass die Geschichte auch zeigt, das Ignoranten irgendwann von der Realität überholt und auch ignoriert werden.
Mittlerweile gibt es so viele relevante und wichtige Dinge im Netz, von objektivierenden Informationen über vergleichende Dienstleistungen bis zu offenerer Kommunikation, daß jeder, der sich dem verweigert, wohl eher Angst vor seinem eigenen Unverständnis der Technologie hat.
Ich kann es mittlerweile nicht mehr hören, wie schlimm Computer, wie gefährlich das Internet sein soll. Autofahren ist deutlich gefährlicher für mein Leben, aber dennoch fährt fast jeder Auto!
In 20 Jahren werden wir über die Menschen lachen, die sich dem Netz freiwillig verweigert haben. Nicht jeder muss jeden Tag online sein, aber die Möglichkeiten nutzen sollte man. Wenn etwas das Leben erleichtert ist totale Ablehnung letztlich unreflektiert und in letzter Konsequenz dumm.
Interessant auch, dass es einen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt. Scheint doch was an dem Spruch zu sein: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.
Ist aber dumm, denn gerade durch das Internet kann das Land gegenüber der Stadt wieder aufholen, weil der Wohnort durch das Internet immer weniger relevant wird.
Letztlich bringt sich mittlerweile jeder, der das Netz ignoriert früher oder später in eine schlechte Position und wird sich dann mit Sicherheit auch noch darüber beschweren.
Und final interessant ist auch, dass die Internet Ignoranz auch ein Schichtenproblem zu sein scheint. Also ignorieren auch genau die das Netz, die dadurch ihre eigenen Lebensverhältnisse verbessern könnten, durch Zugang zu wichtigen Informationen, durch Bildung von helfenden Netzwerken.

