Wenn Vater oder Mutter sich das Leben nimmt. Ihr seid nicht schuld

Ich weiß, ein plumper Titel aber die Wahrheit. Natürlich tut es weh, natürlich seid ihr als Kind oder Jugendlicher verzweifelt, wütend, orientierungslos, tieftraurig, verwirrt.

Ein Elternteil hat sich umgebracht. Wer dürfte da nicht all das sein? Es ist euer verdammtes Recht!

Das alles dürft ihr sein, aber glaubt nicht, bitte glaubt niemals, dass ihr schuld seid. Es sind meist sehr viele Einflüsse, die zu solch einem furchtbaren Schritt führen. Aber ihr seid kein Faktor dabei.

Im Gegenteil, selbst im Angesicht der Verzweiflungstat hat man euch geliebt. Man wollte euch Schmerz ersparen. Ja, das klingt verrückt und ist es in gewissem Maße auch. In der Verzweiflung, die zu einem Suizidversuch führt, denkt der oder die Betroffene, es wäre für alle, auch für euch das beste, er oder sie wäre nicht mehr da.

Darüber dürft ihr aber nie vergessen, dass ihr geliebt wurdet, dass einfach die Not viel zu groß war.

Wenn ihr mit der Trauer, der Wut, der Verzweiflung alleine bleibt, kann sie sich in euch fressen und euch kaputt machen. Sucht euch Hilfe. Bitte, ich weiß wovon ich spreche. Ihr seid damit nicht schwach sondern mutig. Und es ist nichts böses, nichts schlimmes, wenn die Narben kleiner werden, und ihr euch irgendwann wieder freut und Spaß empfindet. Damit hintergeht ihr euer verstorbenes Elternteil nicht. Ihr ehrt es, indem ihr euer Leben weiterlebt, indem ihr den Start, denn euch eure Eltern beide gegeben haben zu eurem besten nutzt. Macht euer Leben nicht kaputt, indem ihr in Trauer versinkt. Ihr seid Kinder eurer Eltern. Aber ihr seid auch wundervolle, eigene Persönlichkeiten. Und es ist im Sinne auch eures verstorbenen Elternteils, dass ihr das beste aus dieser Chance Leben macht.

Oh, und vielleicht schafft ihr es irgendwann, auch zu verzeihen. Das wäre das größte, was ihr als Kinder eures toten Elternteils tun könnt.

Seid vorsichtiger

Der folgende Text ist ungefähr das, was ich beim Barcamp in Stuttgart erklärt habe, als meine Zuhörer wissen wollten, wieso zum Teufel ich das gemacht habe:

Ich habe mich lange gefragt, wie es so weit kommen konnte, wieso ich mir das Leben nehmen wollte. Aus meinem Blick war es der Wunsch, dieses in dem Moment der Tat nicht mehr lebenswerte Leben zu beenden und meinen geliebten Menschen um mich herum die Scham, die Last, den Schmerz zu ersparen. Ja, in diesem Moment glaubte ich wirklich, nein ich wusste, es wäre besser ohne mich.

Aber auch wenn manche sagen werden, tu es nicht. Doch, es muss auch ausgesprochen werden, damit es in Zukunft nie wieder passiert. Es gab auch andere, die mit dazu beigetragen haben, dass ich den Schritt gemacht habe. Menschen, die nicht verstanden oder verstehen wollten, was es heißt, eine schwere Depression zu haben. Menschen, die mich mit Regeln drangsalieren wollten, die für mich in diesem Moment das Schlimmste waren, was man mir auferlegen konnte. Menschen, die obwohl frei jeder Ahnung von den Dingen, die mich begeistern mir irgendwelche Süchte anhängen wollten, die mir Handlungsweisen auferlegen wollten, die an sich schon so weltfremd waren, dass mir in meiner tiefen Depression klar war, ich kann das nicht, also werde ich bestraft werden.
Daraus erwuchs eine Verzweiflung, eine Hoffnungslosigkeit die ich in meinem ganzen Leben nicht erlebt habe und auch nie wieder erleben möchte.
Dass ich da wieder lebend rauskam ist eigentlich einer unglaublich großen Menge an glücklichen Umständen zu verdanken.
Und dass diese meine Geschichte jetzt zu einem Roman wird, der von einem großen deutschen Verlag veröffentlicht wird, ist für mich persönlich auch ein wenig Genugtuung.
Was aber das wichtigste ist, was ich sagen will: Seid vorsichtig, wenn ihr Menschen vorschreibt, was sie zu tun haben. Insbesondere wenn diese psychisch momentan nicht wirklich belastbar sind. Die brauchen nicht Struktur, die brauchen Verständnis.
Und für dieses Verständnis bin ich vor allem meinen Kindern und meiner Frau unendlich dankbar.

Ich kämpfe heute noch mit den Nachwirkungen und habe gelegentliche Flashbacks, die wieder die Panik von damals auftauchen lassen. Es tut immer noch weh. Und ich fürchte, ich werde es nie mehr ganz los werden.

Also bitte: Seid vorsichtiger im Umgang miteinander.

Vergesst Einer flog übers Kuckucksnest

 

Wie viele denken auch heute noch wenn man über Psychiatrie und psychiatrische Krankenhäuser spricht an einer flog übers Kuckucksnest. Sie denken an Zwang, an Elektroschocks, an Zwangsjacken und brutale Pfleger.

station

Vergesst das alles schnell wieder.
Ja, es gibt noch die Elektrokramptherapie. Aber die ist heute sehr, sehr, sehr viel humaner, als man sie in Filmen sieht. Und wird nur bei sehr schweren psychischen Erkankungen angewendet wenn gar nichts mehr hilft UND der Patient eingewilligt hat.
Ja, es gibt noch eine geschlossene Station, bei der die Patienten aber auch kurz raus dürfen und auf der man eigentlich nur bleibt, bis man so stabil ist, dass man auf eine offene kann. Und innerhalb der Station darf man sich frei bewegen und fühlt sich nicht wirklich eingesperrt. Überwacht, ja. Aber das aus gutem Grund.
Und nein, es gibt sie nicht mehr, die brutalen Pflegerinnen und Pfleger und die Zwangsjacken für alle.
Psychiatrie heute hat viel mit Gesprächen, mit Ruhe, mit Zeit sich zu finden zu tun.
Und man braucht diese Zeit.
klapse
Ich war in Weinsberg, einer Klinik, die völlig zu unrecht immer noch einen schlechten Ruf hat.
Mein Erleben war Hilfsbereitschaft, Verständnis, freundliches und sehr sympathisches Personal. Und auch die Tagesklinik machte den gleichen Eindruck. Sicher, überall gibt es auch negative Beispiele. Aber das ist nicht die Normalität. Normal ist, dass einem geholfen wird. Ich war untergebracht in einem Gebäude, das mehr an eine Jugendherberge erinnerte, als an eine Klinik. Und nein, wir hatten keine Stockbettzimmer sondern waren zu zweit oder maximal zu dritt untergebracht.
Wir haben tolle Gespräche geführt unter uns Patienten, hatten auch viel zu lachen aber auch gemeinsam zu weinen.
Wer an schweren Depressionen leidet, dem kann ich nur raten: Lasst euch helfen. Ihr werdet sicher nicht als gänzlich geheilt entlassen. Aber ihr habt Hilfsmittel, Tricks, neue Freunde, Verständnis erlebt. Das hilft ungemein.

 

Wenn wir uns über etwas Sorgen machen sollten, dann über die neuen Pläne zur Krankenhausfinanzierung. Die helfen nicht den Patienten sondern den BWLern mit ihren tödlichen Excel Sheets.
Psychiatrische Hilfe braucht Zeit, Personal, Zeit, Zeit, Zeit und Zeit. Es ist kein Knochenbruch, den man schient. Es ist eine gebrochene Seele mit einer sehr langen Heilungsdauer.

Der junge Mann kann nicht mehr

Die Sonne verschwand am Horizont. Blut waberte im Meer unter ihr, bis der letzte Lichtstrahl von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Der junge Mann trat einen Schritt vor. Jetzt war die Zeit. Er wollte nicht, dass man ihn fand. Er wollte verschwinden. Leise, unauffällig, unbeachtet. So wie sein Leben verlaufen war. Noch ein Schritt, Steine bröckelten von der Kante der Klippe, stürzten polternd in die Tiefe.
Das Ende. Keine Schmerzen mehr, kein Unverständnis, keine Bedrängnis. Erlösung, Ruhe, Frieden. Es hatte so gar nichts beängstigendes, diese Verschwinden, dieses aus der Menschenwelt gehen.
Niemand sollte sagen dürfen, er habe nur einen Hilferuf abgesetzt. Die Zeit der Hilferufe, sie war lange vorbei. Er hatte so laut geschrien, unter Schmerzen, unter Angst. Niemand hatte gehört. Niemand hatte zugehört. Am Ende war er wie zu Beginn alleine. Doch jetzt war es eine erlösende Einsamkeit.

Eine Hand legte sich auf seine Schulter. Erschreckt drehte der junge Mann sich um. Er blickte in ein wettergegerbtes Gesicht. Ein alter Mann stand vor ihm mit langen, grauen Haaren. Er trug einen langen Mantel. Seine blauen Augen blitzten den jungen Mann an.

„Du willst schon gehen?“, sprach der alte Mann ihn an.
„Ja, denn es gibt nichts mehr, was mich hält, nichts was so schön wäre wie erlösende Stille.“
Der alte Mann nickte: „Ich kann dich gut verstehen, es ist schmerzvoll, unsichtbar zu sein.“
Woher wusste der alte Mann von seinem Leid?
Der junge Mann trat einen Schritt vor, wollte bereit sein, für den letzten Weg.
Der alte Mann trat zu ihm, stellte sich neben ihn, blickte ihn an. „Schön, nicht war, die Ruhe des Meeres?“
„Ja.“ Der Junge man nickte. Eine Ruhe, die heilt, die lindert. Ich war schon häufig hier, aber nie so nahe daran, meine Ruhe zu finden.“
„Ich weiß.“ Der alte Mann nickte. „Aber Ruhe für wen?“
„Für mich.“ Der junge Mann war sich sicher. „Vor der Welt, die mich nie gesehen, mich nie verstanden hat.
„Und du gönnst deiner Welt Ruhe vor dir?“
Wieder nickte der junge Mann. „Das ist es, was sie wollen. Eine Welt ohne mich, eine Welt ohne meine Probleme und Gaben, ohne meine Gedanken und Wünsche. Eine kleine, stille, harmlose Welt.“
„Die Frage ist aber doch, was willst du?“ Der alte Mann blickte dem jungen Mann tief in die Augen.
„Willst du, dass man sich nie mehr an dich erinnert, dass deine Gedanken, deine Gefühle still und heimlich aus der Geschichte deiner Welt ausradiert werden?“
Der junge Mann dachte nach. Er dachte lange nach. Er dachte nach, bis die Sonne hinter ihnen bereits wieder über die Hügel kroch, um einen neuen Kreislauf von Entstehen und Vergehen zu beginnen.
„Nein. Ich wollte immer gehört werden. Und das will ich auch heute noch. Aber es hört mich niemand.“
Er drehte sich um. Der alte Mann blickte ihn an. Seine Gestalt begann zu verblassen. Mehr und mehr mit jeder Kräftigung der Sonnenstrahlen.
Leise hörte der junge Mann den alten Mann sagen: „Dann verschwinde nicht von dieser Welt. Es gibt andere, die offene Ohren zu hören, offene Augen zu sehen, und offene Herzen zu verstehen haben.
Vergeude nicht deine Gaben. Verschenk Sie. Und vergiss nicht, das Buch zu suchen, das du zuhause versteckt hast. Meine Geschichte wird sonst nie geschrieben.
Der alte Mann verblasste, war nur noch ein Hauch, eine Erinnerung. Der junge Mann trat von der Klippe zurück. Er empfand ein Gefühl von Vertrautheit, als habe er den alten Mann lange schon gekannt. Er ging zurück, er ging fort, er ging in sein Leben. Den Tod würde er früh genug treffen, aber es galt noch eine Geschichte zu schreiben, deren Verlauf in seinen Händen lag. Seine Geschichte.

Stadt-Geschichten

Ich freue mich auf den Sommer. Wenn die Menschen in meine Parks strömen. Wenn lachende Kinderaugen auf großen Rutschen in lebensvollen Bädern ins Wasser jagen.

Der Sommer. Tische und Stühle vor Häusern. Menschen, die sich mit einem Lächeln begegnen. Parks, grün und voller Leben. Menschen besuchen mich, fremde Menschen, bewundern meine schönen Gebäude, vergnügen sich in Museen und Theatern. Ich habe viele Theater, meine Kultur verziert mich, macht mich schön von innen.

Ich freue mich auf den Herbst. Wenn ich aus Blättern ein neues Kleid bekomme. Wenn graue Straßen verbuntet werden durch Ahorn und Buche, durch Eiche und Birke. Menschen genießen die letzten Strahlen der späten Sonne. Gärten werden gepflegt, gereinigt, schön gemacht für das bald folgende Winterkleid. Menschen spazieren unter den bunten Blätterdächern meiner Wälder, sammeln Kastanien, basteln Figuren.
Mein Lichterkleid wird wieder herausgeputzt. Männer mit Leitern und gewichtigen Mienen wechseln Birnen, reinigen Glas, machen mich strahlend für die dunkle Zeit

Der Winter ist meine Ruhezeit. Ich hülle mich in ein weißes Kleid. Jetzt verschwinden meine Menschen in Häusern und lassen wärmenden Rauch aufsteigen.Lichter allüberall, ich glänze, strahle, leucht die Nacht zum Tag aus.
Bald werden die Menschen ihre Feste feiern. Sie hetzen schon von Geschäft zu Geschäft, füllen ihre Taschen, gehen auf Märkte, deren Düfte so betörend sind. Zimt und Wein, Gebäck und Gegrilltes.
Dann wird es still. Die Zeit zwischen den Jahren. Meine Bewohner bekommen Besuch, man feiert gemeinsam, macht Spaziergänge, bereitet den Abschied vor vom alten Jahr. Wunderschöne Glitzerkanonen bersten über mir, lassen Licht und Sterne über mich regnen.

Ich freue mich auf den Frühling. Wenn nicht nur Natur, sondern auch meine Menschen erwachen. Wenn der letzte Schnee von mir geputzt wurde und erste zaghafte Knospen in meinen Parks wieder sprießen. Kinder springen zum ersten Mal wieder lachend auf den Spielplatzen umher, probieren alte wie neue Spielgeräte, denn die großen Menschen haben wieder hergerichtet, erneuert, gepflanzt und gepflegt, entsorgt und gestrichen.
Der Frühling verleiht mir ein neues Kleid aus frischen, strahlenden Farben und dem Lachen der Kinder. Menschen treten vor Türen, atmen auf, atmen durch, blinzeln in die Sonne, die ein Lächeln auf manch ein Gesicht zaubert.

Ich bin die Stadt, und ich beherberge euch alle. Euer Glück ist meine Freude, eure Trauer mein Verlust.
Ich bin die Stadt, ihr seid meine Kinder.

Tot in meiner kleinen Welt

Die lauten Menschen ängstigen mich. Nicht deren Geräusche, sondern deren Seelen. Sie sind so fordernd, so intolerant. Du wirst gepresst in Schablonen, in Schaufenster, in denen sie deine Seele exponieren, den anderen Lauten dein innerstes auf dem Seziertisch servieren und kein stilles Stück an dir lassen.
Es gab eine Zeit, da wünschte ich mir tot zu sein. Nicht im physischen, nicht im körperlichen Sinne. Tot in den Gedanken und Erinnerungen der Treiber und der Jäger.
Ich wollte meine parallele Welt verstecken, verheimlichen, den anderen, den Grässlichen, den Lauten den Zugang verwehren.
Nur meine stillen Freunde, die ihre Welten nicht vor sich her, sondern tief in sich vergraben tragen, sie sollten mein Besuch, meine Gäste sein am Bankett der Stille.
Ich würde sie vor dem Kamin versammeln, ein wärmendes Feuer, dass Seelen und Fantasien öffnet sollte uns in die Welt der kleinen Geschichten und stillen Abenteuer tragen.
Aber immer wieder werden meine Träume zerstört, brüllt man meine Gedanken nieder mit dem dröhnenden Donner des scheinbar Normalen.
Immer wieder fühle ich mich getrieben von den Lauten. Gejagt, in die Ecke gedrängt. Aber nach und nach finde ich Verbündete. Gebrochene, stille, wundervolle Seelen, die an der lauten, grellen, dummen Welt leiden und manches mal zu Grunde gehen.
Sie werde ich in mein Refugium bitten, wir werden Mauern aus Büchern, aus Geschichten, aus stillen Momenten errichten. Und wir werden gemeinsam sein, nicht allein. Gemeinschaft ist nicht laut. Gemeinschaft ist still aber stabil, schön, sensibel und sicher. Dann wird sich das Laute der Lächerlichkeit preis geben.
Wir werden triumphieren. In unserer stillen Welt. In der Welt derer, deren Gedanken manchmal lauter sind, als alle Worte der brüllenden tumben Riesen da draußen.

Guten Tag, meine Name ist Angst

Guten Tag, mein Name ist Angst. Kann ich mit dir über meine Gefühle sprechen?
Sicher sind wir uns schon mal begegnet, meist trage ich schwarz. Ich bin nicht sehr gesprächig, oft lasse ich sogar meine Begleiter, meine Gastgeber verstummen.
Ich habe Macht, viel Macht. Wenn mich mein Bruder der Hass und meine Schwester die Wut begleiten, kann ich sogar übermächtig werden. Dann bin ich in der Lage zu zerstören, zu vernichten, zu töten. Ich selbst habe vor nichts Angst, weil ich weiß, dass ihr Menschen mich beschützt, mich pflegt und nährt. Ja ihr schürt mich förmlich. Durch mich könnt ihr mächtig sein, könnt ihr anderen Menschen euren Willen aufzwingen. Oder ich lähme euch, esse eure Seele, labe mich an euren Träumen, die ich zu Albträumen zerfresse.
Wenn mein Bruder der Hass und meine Schwester die Wut unterwegs sind, dann verbunden wir uns, teilen uns auf und hetzen euch gegeneinander auf. Dann baut die Wut schöne Plakate, die der Hass beschriftet. Dann sucht die Wut gemeinsam mit mir nach Menschen, die der Hass manipulieren kann.
Und dann ziehen wir gemeinsam in den Krieg, gegen unsere Feinde, die Freude, die Liebe und die Toleranz. Wir können sie auf den Tod nicht ausstehen, ja wir haben sogar Angst vor ihnen, hassen sie, sind wütend.
Aber wir haben ja euch. Auf euch ist verlass. Oh ihr lasst euch so leicht von uns manipulieren, viel leichter, als von unseren bösen Geschwistern. Ihr sagt, Freude, Liebe, Toleranz seien nicht böse? Warum seid ihr dann so viel lieber wütend, hasst euch gegenseitig und schürt im anderen Ängste?
Lügt uns nicht an, ihr liebt uns.
Und dafür bin ich euch unendlich dankbar, habt keine Angst. Zumindest nicht vor mir

Eure Angst.

Hör auf dich selbst, vergiss das Fremdbild

Es war vergebens. Viel meiner Therapiezeit war im Rückblick schlicht verschwendete Zeit. Weil auf die falschen Menschen und deren Meinung gehört wurde. Weil Modediagnosen wie Internetsucht über die wirklichen Probleme gestellt wurden.
Mein Psychotherapeut, zu dem ich ein recht großes Vertrauen habe, da er tatsächlich einige Dinge aufgedeckt hat, die selbst ich vor mir versteckt hatte und die mir schon weitergeholfen haben, eben dieser Psychotherapeut war komplett überrascht, als ich nach der Tagesklinik zu ihm kam und berichtete, dass meine Angstproblematik überhaupt kein Thema war. „Das ist aber doch der Kern der ganzen Problematik.“, erklärte er mir verblüfft, womit er sehr Recht hat.
Ich bin wieder darauf reingefallen, anderen die Meinungshoheit darüber zu überlassen, was mich bedrückt, was mich krank macht.
Also wenn wieder jemand meint, euch besser zu kennen, als ihr selbst. Meidet solche Menschen, sie sind toxisch. Eine Therapie soll nie nur dafür da sein, dich für deine Arbeit fit zu machen. Sie soll dich wieder zum glücklichen Menschen machen.
Das hat bei mir bislang nicht geklappt, wenn ich ehrlich bin, merke ich noch nicht mal eine bedeutsame Wirkung meiner Medikamente.
Was mir im Moment sehr hilft ist die Arbeit am Roman. Hier kann ich die Erkenntnisse und die Fehler, die ich selbst gemacht habe verarbeiten, auf dass andere sie vielleicht nicht machen.