Seid vorsichtiger

Der folgende Text ist ungefähr das, was ich beim Barcamp in Stuttgart erklärt habe, als meine Zuhörer wissen wollten, wieso zum Teufel ich das gemacht habe:

Ich habe mich lange gefragt, wie es so weit kommen konnte, wieso ich mir das Leben nehmen wollte. Aus meinem Blick war es der Wunsch, dieses in dem Moment der Tat nicht mehr lebenswerte Leben zu beenden und meinen geliebten Menschen um mich herum die Scham, die Last, den Schmerz zu ersparen. Ja, in diesem Moment glaubte ich wirklich, nein ich wusste, es wäre besser ohne mich.

Aber auch wenn manche sagen werden, tu es nicht. Doch, es muss auch ausgesprochen werden, damit es in Zukunft nie wieder passiert. Es gab auch andere, die mit dazu beigetragen haben, dass ich den Schritt gemacht habe. Menschen, die nicht verstanden oder verstehen wollten, was es heißt, eine schwere Depression zu haben. Menschen, die mich mit Regeln drangsalieren wollten, die für mich in diesem Moment das Schlimmste waren, was man mir auferlegen konnte. Menschen, die obwohl frei jeder Ahnung von den Dingen, die mich begeistern mir irgendwelche Süchte anhängen wollten, die mir Handlungsweisen auferlegen wollten, die an sich schon so weltfremd waren, dass mir in meiner tiefen Depression klar war, ich kann das nicht, also werde ich bestraft werden.
Daraus erwuchs eine Verzweiflung, eine Hoffnungslosigkeit die ich in meinem ganzen Leben nicht erlebt habe und auch nie wieder erleben möchte.
Dass ich da wieder lebend rauskam ist eigentlich einer unglaublich großen Menge an glücklichen Umständen zu verdanken.
Und dass diese meine Geschichte jetzt zu einem Roman wird, der von einem großen deutschen Verlag veröffentlicht wird, ist für mich persönlich auch ein wenig Genugtuung.
Was aber das wichtigste ist, was ich sagen will: Seid vorsichtig, wenn ihr Menschen vorschreibt, was sie zu tun haben. Insbesondere wenn diese psychisch momentan nicht wirklich belastbar sind. Die brauchen nicht Struktur, die brauchen Verständnis.
Und für dieses Verständnis bin ich vor allem meinen Kindern und meiner Frau unendlich dankbar.

Ich kämpfe heute noch mit den Nachwirkungen und habe gelegentliche Flashbacks, die wieder die Panik von damals auftauchen lassen. Es tut immer noch weh. Und ich fürchte, ich werde es nie mehr ganz los werden.

Also bitte: Seid vorsichtiger im Umgang miteinander.

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