Ich werde Teil einer TV Doku über Depressionen sein. Danke schon mal an Jana dafür, die mich vorgeschlagen hat und selbst auch einen Part in der Dokumentation haben wird.
Genauer handelt es sich um die von mir sehr geschätzte Dokuserie 37°, die auch ausschlaggebend für meine Zusage war. Denn wenn schon, möchte ich das ganze gut dargestellt wissen und nicht für irgendein merkwürdiges Pseudodokuformat verbraten werden.
Nachdem ja schon im März ein kleines bisschen gedreht wurde und auf der re:publica quasi mein Aufenthalt in Berlin und meine Session Teil der Geschichte wurde ging es nun um mein „normales“ Umfeld und die Familie. Erste Erkenntnis dabei. Es ist alles ehrlich, was aufgenommen wird, aber die eine oder andere Szene muss dann doch nachgestellt werden, weil das ganze sonst überhaupt nicht dokumentierbar wäre, ohne uns quasi wochenlang auf dem Schoss zu sitzen. Aber wie es auch in Romanen so schön heißt. Alles hat sich mehr oder weniger so zugetragen.
Auch der Umgang zwischen Drehteam und meiner Familie war vorbildlich, das war schon daran zu erkennen, dass die Kinder völlig entspannt und ehrlich vor der Kamera agierten.
Für mich als „@bicyclist“ vor allem lustig war es, von einer Kameradrohne verfolgt zu werden, um mein Radfahren durch die schöne Region zu dokumentieren. Komisch, wenn man von einem surrenden Etwas verfolgt wird, das man bloß nicht ansehen soll. Denn, merket auf: NIE in die Kamera sehen.
Ich hoffe, das hat immer geklappt, gemeckert hat niemand.
Jetzt bin ich gespannt auf Teil drei und dann auf das fertige Produkt, das im Oktober oder November im ZDF ausgestrahlt werden soll. Ich hoffe ja, ihr schaut dann alle zu und seit nicht zu kritisch mit mir.
Aber es liegt mir einfach am Herzen, so viel wie möglich gegen das Stigma Depression und Suizidversuch und für mehr Anerkennung als Krankheit zu tun. Dafür stelle ich mich dann auch vor eine Kamera, wenn es weiterhilft.
Meine Session zu Depression und Social Media im Video
Für die, die dabei waren zum nochmal sehen, für alle anderen: Kati Krause und ich stellen zwei Herangehensweisen an Social Media vor, wenn man mit Depressionen zu kämpfen hat.
Warum Virtual Reality bleibt und wo es sich verstecken wird

In meinem Umfeld, zugegebenermaßen ländlich geprägt und damit weit weg von allem „neumodischen Zeugs“ steht VR eher für eine bestimmte Gruppe von Banken denn für Virtual Reality. Dennoch sehe ich selbst auf dem Land große Potentiale für Virtual Reality. Natürlich wie immer zuallererst für Gaming und Porno (wo gibt es da eigentlich keine Technologie, die dafür genutzt wird)
Viel spannender finde ich die etwas „abwegigeren“ Möglichkeiten. Player, die ich in der nahen Zukunft als Anwender für VR sehe sind Banken, Baufinanzierer, Baumärkte, Möbelhäuser, schlicht all jene, die direkt oder indirekt mit dem Verkaufen, Vermitteln, Verschönern von Räumen zu tun haben.
Die Bank oder der Baufinanzierer kann z.B. in Kooperation mit Fertighausherstellern oder Architekten seinen Kunden nicht nur das Traumhaus finanzieren sondern direkt virtuell ein Modell des geplanten Hauses erstellen, Veränderungen vornehmen, die dann sofort in die Finanzierungsrechnung eingearbeitet werden können. Baumärkte und Möbelhäuser sind die darauf folgenden Instanzen, die bei der Einrichtung der ersten eigenen Wohnung virtuell helfen können oder bei Umbaumaßnahmen virtuell darstellen, wie sich diese oder jene Holzsorte als Bodenbelag darstellt.
Der nächste große Sektor ist Tourismus.

Erste Hotels bieten schon virtuelle Begehungen ihrer Hotelzimmer an, damit man sich als Gast vorab ein Bild machen kann, das nie zuvor so authentisch war. Zusätzlich können örtliche Attraktionen vorab besichtigt werden.
Aber auch Regionen können ihre Attraktionen virtualisieren. Ich lebe in einer wunderschönen Fachwerkstadt. Was liegt da näher als davon einen 3d Film zu drehen, der dem potentiellen Besucher einen virtuellen ersten Eindruck bietet. Vergnügungsparks, es gibt bereits einige Videos von Achterbahnfahrten. Wenn ich das erst mal virtuell erlebt habe und Fan von Achterbahnen bin, ist das Interesse weitaus größer, das ganze auch real zu erleben.
Auch in der Medizin erkenne ich Potential für VR. Zum einen bei der Behandlung von Phobien. Samsung bietet mit der Gear VR eine Software an, die unter anderem die Fahrt in einem Glasaufzug sehr realistisch darstellt, ebenso eine Fahrt an einem Abhang und einen Helikopterflug. Ich habe Höhenangst und tatsächlich wirkte die Gear VR Darstellung so real, dass ich dort auch Höhenangst bekam.
Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass zum Beispiel längere Zeit kranke Kinder mittels VR Brille am Unterricht in der eigenen Schule teilnehmen können. Kombinieren wir das mit einem Telepräsenzroboter und es kann auch während der Erkrankung der soziale Kontakt gehalten und Schule geboten werden.
Natürlich sind die aktuellen Brillen noch sehr klobig. Allerdings beobachte ich das Thema seit ca. 1994 und die damaligen VR Brillen waren Monster und die Darstellung gruselig.
Warten wir noch 2-3 Jahre und wir werden sehr handliche Brillen erleben, die neben VR auch AR also Augmented Reality ermöglichen.
Ich bin sicher: VR bleibt, schon, weil es bereits jetzt Anwendungsgebiete dafür gibt.
Wie fühlt sich eine Depression an?
Das ist wohl die mir am häufigsten gestellte Frage. Zumal ich eine sogenannte agitierte Depression habe, also eine Depression, die ganz ohne die Antriebslosigkeit auskommt. Na ja. Fast ganz. So mancher Morgen schreit einfach nach einer Fortsetzung des Aufenthalts im Bett. Aber leider ist die Hemmung meist nicht stark genug und das Pflichtbewußtsein obsiegt dann.
Wie fühlt es sich an? Eigentlich unmöglich zu beschreiben. Man hält sich für ein Stück Dreck, nichts wert, nicht wert, dass man sich um einen bemüht. Aber man ist immerhin produktiver Dreck. Das Selbstwertgefühl ist nicht nur am Boden sondern metertief begraben. Freude an Dingen, nicht existent. Man tut zwar vieles, aber nichts mit Freude daran.
Die Arbeit gelingt einem lange Zeit ohne Probleme. Nur wenn von zu vielen Seiten mit Vorwürfen, Vorschriften, Anschuldigungen auf einen eingeschlagen wird, wenn die Kritik einen dank einer depressiven Phase mehr berührt als sonst. Dann kann es zum Fiasko kommen. Auch bei mir war es eine eigentlich völlig normale Situation, die zur Eskalation führte. Unverständnis, unberechtigte Vorwürfe, nicht anerkennen meines Lebensstils. Das wurde zu einem beinahe tödlichen Mix.
Die Depression erlaubt keine positiven Gedanken. Alles Positive wird irgendwie doch noch ins Negative verkehrt. Alles wird zur Bedrohung, man vermutet immer gleich das Schlimmste. Wobei man das nicht mit Wahnhaftigkeit verwechseln darf. Von einem Pfad der immer positive wie negative Abzweigungen hat wählt man, oder meint es zumindest, stets den negativen oder glaubt gar noch, die Umstände würden einen diesen Pfad entlang führen.
Die Konzentration fällt schwer, wenn die dunklen Wolken der Depression da sind. Oder besser noch, nicht schwer, aber sie konzentriert sich darauf, die Wolken zu nähren, ihnen gedankliches Futter zu geben.
Gleichzeitig gefällt man sich selbst nicht, will schon gar nicht in diesem Zustand jemandem zur Last fallen. Deshalb setzt man Masken auf, lächelnde Masken, positive Masken, optimistische Masken. Diese Masken wirken so gut, dass mich nach meinem Zusammenbruch viele gefragt haben. Was? Du bist depressiv? Das kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen? Echt jetzt?
Ja. Klar ist man depressiv, auch wenn das Umfeld es nicht merkt. Denn oft genug hat das Umfeld überhaupt keine Verständnis für einen depressiven Menschen.
Außerdem wachsen mit der Depression auch die Ängste. Man weiß ja, dass man anders ist als der „normale“ Mensch, Partner, Angestellte. So kommen meist zur Depression früher oder später Versagensängste, Existenzängste, Überlebensängste dazu.
Das Irre. Es gibt Situationen, da fühlt man sich gut, glücklich, erfolgreich. Aber die stiehlt einem die Depression dann wieder. Der Besuch des Stuttgarter Barcamps. Das Buch, das ich schreibe, die TV Doku. Alles tolle Geschichten, die mich aufbauen, mich stützen. Aber gleichzeitig kommt das Monster Depression und macht sie mir schlecht, spielt sie herunter.
Es ist ein täglicher Kampf gegen die Depression. Ich gewinne ihn mittlerweile häufiger. Aber sie ist immer noch da und wird es wohl mein Leben lang sein.
Depression ist wie Krieg.
Entweder du gewinnst,
oder du stirbst bei dem Versuch.
Ein schönes Beispiel für Marketing mit (Gear) VR


Weil mich der eine oder andere bereits fragte, ob diese Gear VR überhaupt für irgendetwas gut sei. Klar, erstens mal für das Wichtigste im Leben: Spass haben. Aber selbst die Kategorie der Werbefuzzies kommt da auf ganz schöne Ideen, wie das folgende Video zeigt:
Nicht das Digitale ist kaputt, sondern unsere Gesellschaft
Wie oft höre ich Wehklagen über die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft. Dass alles immer schneller wird und man doch gar nicht mehr hinterher kommt.
Bullshit, verbreitet von Digitalisierungsgegnern, die meist nicht mal im Ansatz wissen, wogegen sie da wettern, aber über digitale Demenz und neue Cyberkrankheiten salbadern.
Es ist unsere Gesellschaft, die kaputt ist. Die sich immer mehr der Doktrin der Ökonomie unterwirft. Die immer mehr das Optimum fordert, die Kultur der Spitzenleistung, die dazu führt, dass immer mehr Menschen abgehängt, arbeitslos, depressiv und final gar zum Suizid getrieben werden. Wir machen uns kaputt durch die Normen, denen wir uns unterwerfen. Der Mensch als Humanressource, was für eine grausame Vorstellung. Das Leben nur dann etwas wert, wenn man eine bezahlte, selbst schlecht bezahlte Arbeit hat. Wobei die Wirtschaft ja am liebsten hätte, wir würden umsonst für sie arbeiten, das Geld sollen wir dann verdammt nochmal woanders her bekommen.
Oder nehmen wir den sozialen Bereich. Jeder Banker würde über die Gehälter lachen, die immer stärker belastete PflegerInnen und Krankenschwestern bekommen. Und ein Krankenhaus nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen zu müssen zeigt doch sehr gut, wie tief unsere Gesellschaft gesunken ist. Gesundheit als ökonomisch verrechenbarer Wert. Gesundheit als etwas, bei dem man sich schon fast schämt, krank zu werden. Weil man ja dann den Unternehmen/Krankenversicherungen auf der Tasche liegt.
Wann haben wir uns eigentlich einreden lassen, Nebenkriegsschauplätze wie die Digitalisierung wären Kampfzone?
Die zunehmende Überwachung durch unseren Staat, der immer höhere Druck auf den Menschen, Leistung bringen zu müssen oder sonst ins existenzielle Nirvana von Hartz IV zu stürzen. Das sind die Probleme, die wir angehen müssen. Wir werden depressiv, wenn wir uns zu viel mit anderen vergleichen. Richtig. Aber ist es nicht teil unserer im Moment doch ausgesprochen kranken Kultur? Immer besser? Immer mehr? Wachstum auf Teufel komm raus, obwohl das in einem geschlossenen System gar nicht geht?
Und wie menschenverachtend ist es, von einer Flüchtlingskrise zu sprechen, wo wir doch eine Krise der vielen Kriege haben, für die auch unsere ach so wichtigen deutschen Rüstungskonzerne ihr Schärflein beigetragen haben, indem sie den Diktatoren die Waffen in die Hände drückten, die jetzt dafür sorgen, dass Millionen von Menschen fliehen, schlicht, um am Leben zu bleiben und nicht von UNSEREN Waffen erschossen zu werden.
Wir brauchen endlich eine gesellschaftliche Diskussion, was unsere Wirtschaft darf und was nicht. Wir brauchen eine Diskussion, was uns ein Mensch an sich wert ist und ob nicht Themen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen vielleicht nur der erste Schritt sind zu einer Emanzipation aus den ökonomischen Zwängen der Konzerne.
Wir sollten aufhören, über das Digitale zu diskutieren, das schon seit Jahren da ist. Wir sollten über unsere Gesellschaft diskutieren, die nach meinem Eindruck von Jahr zu Jahr kranker wird, ganz ohne Digitales.
Ziemlich schlechte Freunde. Meine Session auf der re-publica gemeinsam mit Kati Krause
Ich freue mich sehr. Statt einer Einzelsession bestreite ich eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit Kati Krause, die den sehr interessanten Artikel Facebooks psychische Störung geschrieben hat. Während sie den Standpunkt keine Social Media Aktivitäten in der Depression vertritt, erzähle ich von meinen Erfahrungen aus der Psychiatrie und wie mir dort Social Media gerade geholfen hat, den Kampf aufzunehmen. Freue mich schon auf den Gedankenaustausch und hoffe auf viele interessierte Teilnehmer.
Session: Ziemlich schlechte Freunde: Depressionen und Social Media
Die Sucht nach der Sucht
Ich steige mal herab. Ich begebe mich auf ein Niveau, das ich eigentlich nicht wirklich betreten mag. Das Niveau der Nörgler, der Mahner und Kritiker, die hinter allem die ultimative Bedrohung sehen.
Den Humbug Internet sucht, den es noch überhaupt nicht als offiziell anerkannte Diagnose gibt mal ganz außen vor gelassen und wie viel manche Ärzte und Therapeuten mit der Behandlung dieser nicht anerkannten Sucht verdienen. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass so ziemlich alles, was Menschen mit mehr Enthusiasmus als der Durchschnitt tun früher oder später dazu führt, dass angebliche Experten wie ein Herr Spitzer von Sucht reden, von Behandlung, von Gefahr?
Computerspielesucht, Sucht nach gesundem Essen (Orthorexie, ohne Scherz, gibt es angeblich wirklich), Facebooksucht, Social Media Sucht. Alles wird so dargestellt, als wäre es eine fundiert untersuchte und anerkannte Sucht. Schwachsinn sage ich. Schon immer gab es Menschen, die sich für Themen mehr begeisterten, als der Durchschnitt. Aber deshalb gleich von Sucht zu sprechen, insbesondere, wenn keinerlei wirklich fundierte Untersuchungen existieren, halte ich für unverantwortlich. Andererseits, gefährliche und ausgiebig erforschte Süchte wie die Alkoholsucht, werden sogar noch gefördert und auf Festen zelebriert. Seltsam, wie sehr hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ich habe oft den Eindruck, es geht hier dem einen oder anderen Psychologen, Arzt oder Therapeuten mehr darum, seine Klientel zu erweitern, als wirklich Menschen mit gefährlichen Süchten zu helfen.
Fundierte Studien, ernsthafte Untersuchungen und vor allem eine differenzierte Darstellung der wirklichen Gefahren einer neuen Sucht. Das scheinen die Medien nicht zu schaffen, und oft nicht mal angebliche Experten.
Wer einmal einen Rumpelstilzchen Vortrag von Dr. Spitzer erlebt hat, dürfte verstehen, was ich meine.
Wenn man in der Gesellschaft aber eine Technologie wie z.B. das Internet permanent schlecht redet, werden die armen Schäfchen in Scharen in die Arme von Scharlatanen rennen, die eine Sucht behandeln, die es bislang noch gar nicht offiziell gibt.

