Warum Psychotests oft nur Vodoo Science sind.

Der Myers Briggs Test wird überbewertet. Nicht unbedingt überraschend. Ebenso wie Neurolinguistisches Programmieren und viele andere Pseudotestverfahren kommt da eine Methodik hochwissenschaftlich daher, die wenn man das ganze mal genauer hinterfragt, doch zumindest mit Vorsicht zu genießen wenn nicht gar völliger Humbug ist.

Warum aber werden solche Test und Methodiken dann immer noch und, was ich für besonders schlimm halte,insbesondere  für die Auswahl von Bewerbern eingesetzt? Vermutlich ist ein Grund, dass dahinter eine Kommerzmaschinerie steckt, die an diesen Tests einge goldene Nase verdient. Dass dann der Myers Briggs Test von einer Hausfrau ohne jeden wissenschaftliche Ausbildung und deren Tochter stammt, wird geflissentlich verschwiegen.
Hauptsache, das ganze klingt nach der Möglichkeit, Menschen in Schubladen zu pressen und zu vermessen. Dass das sowohl menschenunwürdig als auch unrealistisch ist, wird vergessen. Der Mensch ist nicht so einfach zu vermessen. Das hätten zwar die Controller unter den Personalern gerne. Das geht aber schlicht nicht, und dass viele Coaches und Trainer das behaupten, macht die Sache nicht wahrer.

Und das neurolinguistisches Programmieren keinerlei wissenschaftliche Basis hat, ingoriert man ebenfalls, denn mit den Trainings und den Folgeschulungen lässt sich prima Geld machen.

Bei all dem ist eines klar. Es besteht kein Interesse an der Person, sondern nur an der wirtschaftlichen Vermessung des Bewerbers, um möglichst dem Unternehmen den maximalen Gewinn zu bieten, statt den Bewerber und die optimale Stelle zusammenzubringen. Und wie schlecht solche Tests funktionieren haben sicher viele meiner Leser schon erlebt, wenn sie mit schwierigen Vorgesetzten oder Kollegen zu tun hatten und sich fragten, wie der oder die an diese Stelle gekommen ist.

Oh, und falls euch jemand mit der Argumentation kommt: Aber es funktioniert doch. Sicher, wenn derjenige viel Geld dafür hingelegt hat und seine oder ihre berufliche Zukunft darauf aufbaut, dann wird er einen Teufel tun, hier noch zu zweifeln. Aber wie schon gesagt, eine Wirksamkeit ist NICHT nachgewiesen. Bzw. doch, eine schon. Die Geld aus der Tasche und Goldene Nase verdien Wirksamkeit.

Es gibt noch sehr viel Grund, ein Skeptiker zu sein. Leider.

Wir verblöden unsere Jugend und sind selbst schuld

Der Kulturforscher Bernhard Heinzlmaier beklagt, dass wir unsere Jugend zunehmend verblöden. Und ich finde, er hat recht, aber wie er auch erkannt hat sind nicht Computerspiele und Jugendkultur schuld, sondern wir ach so gebildeten Erwachsenen.

Denn wir ordnen Bildung immer mehr purer Ausbildung, Vorbereitung auf einen Beruf. Kreativität, eigenständiges Denken und Hinterfragen, all das kommt erst danach, wenn überhaupt. Wir sollen brave Konsumenten und willige Arbeitskräfte sein, ja nicht die Sinnfrage stellen.

Gleichzeitig fordert die Wirtschaft gebildete, belesene, in der Schriftform versierte Arbeitnehmer, aber wenn man sich eben auf das fokussiert, was am nötigsten ist, kommen andere Begabungen zu kurz. Und auch wenn das die Wirtschaft vielleicht nicht gerne hört. Der reine ausgebildete Mitarbeiter ist ein weitaus schlechterer Arbeitnehmer als der gebildete, der auch mal zu hinterfragen wagt und in der Lage ist, der auch mal an Optimierungen und Verbesserungen im Sinne des Unternehmens denkt. Denn wer nur ausgebildet wird, der tut auch nur, wozu er ausgebildet wurde.

Und genau das reicht in unserer heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft nicht mehr aus.

Wir brauchen wieder mehr Bildung, jenseits vom Bedarf einer Wirtschaftswelt.

Google Gesture, Zeichensprache in Realtime in gesprochene Sprache übersetzt!

Das ist es, was ich an Google schätze. Schon wieder eine geniale Anwendung der Technologien, die Google bereits zur Verfügung hat. Mittels Google Gesture und zwei Armbändern kann man in Zukunft das, was ein Gebärdensprachler sagt in gesprochene Sprache übersetzen.

Das System wurde von Studenten der Berghs School of Communication in Stockholm, Schweden gemeinsam mit Google entwickelt und besteht aus den Armbändern und einer Smartphone app. Folgendes Video zeigt sehr schön, wie das funktioniert:

 

Ich will feste Arbeitszeiten, verdammt! Ein Rant

Mehr als das braucht ein Entwickler nicht als Arbeitsplatz
Mehr als das braucht ein Entwickler nicht als Arbeitsplatz

Nachdem ich erst vor kurzem las, dass die Zahl der Heimarbeitsplätze zurück (!) geht jetzt diese Schlagzeile:

Wer sich überarbeitet, wird bewundert. Aha, von wem denn um Gottes Willen? Vermutlich von Gleichgesinnten, die einen geregelten Arbeitstag auch nicht auf die Reihe bekommen, oder einfach eine miserable Zeitplanung haben. Meist aber vor allem von jenen, die selbst nicht „Nein“ sagen können.

Mit Verlaub, so lange ich noch solche Nachrichten lese, und es Menschen gibt, die sich mit ihrer Überarbeitung brüsten, als sei sie etwas positives, ganz ehrlich, so lange sollten wir wohl besser bei geregelten Arbeitsplätzen bleiben und fixen Arbeitsbeginn und Ende.

Wir scheinen noch nicht erwachsen genug zu sein, ein Leben mit Arbeit UND Privatleben wirklich vernünftig ineinander zu integrieren.

Nun gut, andererseits, so lange mich Menschen ernsthaft fragen, wie ich die Zeit für meine vielen Aktivitäten (eigentlich nur zwei, nämlich Blogger und Software Entwickler) finde, die dann aber gleichzeitig beständig Überstunden schieben UND sich dann abends, weil zu nichts anderem mehr im Stande vor die Glotze setzen und sich mehrere Stunden von meist absolut niveaulosem Programm berieseln lassen, so lange glaube ich nicht an eine Arbeitswelt der Zukunft. Nicht auf breiter Front und auch nicht zum Wohle beider Seiten.

Wir müssen uns erst von diesem Leistungsdenken verabschieden, das Präsenz und verbrachte Zeit mit erbrachter Leistung verknüpft. Das sind überkommene Denkmuster der Industrialisierung und für die heutige Welt einfach nicht mehr angebracht.

Entweder, wir arbeiten in einem Beruf, der Präsenz zu bestimmten Zeiten benötigt (Krankenschwester, Bauarbeiter etc.) dann müssen die Zeiten wohl offensichtlich immer noch sehr streng geregelt werden um eine Ausbeutung zu verhindern. Oder wir sind Wissensarbeiter, dann quält sich die Mehrheit mit den festen Zeitvorgaben, die so gar nicht zu Wissensarbeit passen.

Aber wenn es darum geht, hier etwas zu verändern, dann blickt man immer nur auf  Vertrauensarbeitszeit um mehr Anwesenheit zu ermöglichen. Dabei ist hier nicht die Dauer, sondern die Qualität wichtig. Wie das zusammenhängt wissen wir bereits seit Parkinsons Gesetz, das letztlich postuliert, dass die Arbeit die ihr gegebene Zeit stehts ausfüllt.

Weniger Heimarbeitsplätze? Weniger Pausen? Wir leben offensichtlich noch immer in der Denke des vorherigen Jahrtausends, in der der Chef sein Mitarbeiter sehen musste, um zu glauben, sie arbeiten. Dabei gibt es hier Studien, die nachgewiesen haben, dass die Mitarbeiter dann alles tun, damit sie schwer arbeitend aussehen, ob sie wirklich etwas leisten.. Aber sicher, sie waren ja 8 Stunden im Büro 😉

Die Superlativgesellschaft und ihre zerstörerische Kraft

Das Größte, das Beste, die Spitzenleistung. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es nicht mehr reicht, „normal“ zu sein. „Super“ ist das Mindeste, besser noch herausragend oder im Jargon von Apple „amazing“.

Etwas Durchschnittliches ist offensichtlich bereits nicht mehr gut genug, der durchschnittliche Mitarbeiter, der die ihm aufgetragenen Aufgaben zur Zufriedenheit erledigt, muss sich an der Spitzenleistung orientieren. Kein Wunder, dass Burn Out ein immer noch „brennendes“ Thema ist.

Aber man merkt das ganze viel früher, zu einem Zeitpunkt, wo es meiner Meinung nach nicht nur nicht hingehört, sondern wo ich es geradezu für unverantwortlich halte, hier dauernd die Spitzenleistung zu fordern.

Ich rede von der Schule. Wer weiß nicht Bescheid darüber, dass eigentlich niemand mehr sein Kind auf eine Hauptschule geben will, sondern am besten gleich aufs Gymnasium. Und dann müssen es Spitzennoten sein, damit die Tochter oder der Sohn später ja nicht arbeitslos dasteht.

Wir schüren Angst, machen Druck und die Leidtragenden sind die Kinder. Denn sie bekommen so vermittelt, dass sie nur dann gut (also indirekt liebenswert) sind, wenn sie Leistung bringen. Und wir wissen, dass sich so etwas einprägt, ganz tief, ganz schmerzhaft, fast nicht mehr loszuwerden.

Dabei sollten wir das ganze doch klar sehen. Ob nun Spitzennote oder nicht, dank Politik und Wirtschaft gibt es keinerlei Garantie mehr, für einen sicheren Job. Wir leben in einer Kultur, die Spitzenleistung fordert, aber alles andere schlichtweg ignoriert oder bestraft. Nur vergessen wir dabei, dass die Tagesarbeit auch getan werden muss, dass es eben immer noch genug Beschäftigung gibt, die man auch ohne Spitzennoten erledigen könnte. Aber was ist mittlerweile bei vielen Unternehmen Einstiegskriterium? Abitur, am besten abgeschlossenes Studium.

Der Irrsinn in den Jobbeschreibungen nimmt sogar noch zu, wenn Auslandsaufenthalt, Doktortitel, aber maximal 25 Jahre Alter gefordert werden.

Wir müssen endlich beginnen, den Druck rauszunehmen. Wir werden erleben, dass wir in Zukunft andere Lösungen brauchen, damit Menschen auch menschenwürdig leben können. Wie ich schon beschrieb wird über kurz oder lang ein wirklich großer Teil heutiger Berufsbilder der Digitalisierung zum Opfer fallen. Hier gilt es, sich Gedanken jenseits des Dogmas „Nur wer arbeitet ist wertvoll in der Gesellschaft“ zu machen. Lohnarbeit ist heutzutage das einzige Vorgehensmodell, das gesellschaftliches Ansehen schafft und durch das wir menschenwürdig leben können.

Aber genau das ist das Auslaufmodell, das auch nicht dadurch gerettet wird, indem man die immer weniger werdenden Lohnarbeiter noch zusätzlich unter Druck setzt.

Und schon gar nicht darf das bereits in der Schule passieren, die meiner Ansicht nach immer noch fürs Leben vorbereiten soll, nicht für die Berufsausbildung. Wir brauchen Menschen,die sich auch an die gesellschaftlichen Fragen wagen, unabhängig von den Interessen von Wirtschaft oder Politik. Wir brauchen Lösungen für Menschen, nicht für Wirtschaftssysteme. Und dazu braucht es gebildete Menschen, nicht ausgebildete.

Wir sollten die Stärken in Menschen sehen, nicht ihre Schwächen

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Auch wenn ich mittlerweile Referent, Dozent und Autor bin. Ich bin auch introvertiert. Und mache das beste daraus.

Ein immer noch sehr beliebter Denkfehler ist es, sich stark auf die Schwachpunkte im Wesen eines Menschen, sei er nun Freund oder Kollege zu fokussieren. Man versucht, die Schwächen verschwinden zu lassen oder zu verbessern. Dabei bringt das weitaus weniger, als die umgekehrte Strategie.

Jeder Mensch hat auch Stärken. (Ja, kommt mir nicht mit den berühmten Ausnahmen, sonst heißt es ja auch immer, die meisten wollen doch…) Wir sollten Menschen dabei unterstützen, ihre Stärken zu nutzen und damit zu einer Aufgabe, einem Projekt beizutragen.

Das der introvertierte Kollege nicht per Anordnung plötzlich extrovertiert wird und frühzeitig fragt, dürfte klar sein ebenso, wie es nicht funktionieren wird, einem ängstlichen Menschen anzuordnen, er solle mutig auf Gesprächspartner zugehen und auch Konflikte nicht scheuen. Sorry, auch wenn ihr euch das wünscht und vielleicht mit dem allseits missbrauchten Fremdbild kommt. Das funktioniert so nicht.

Es kann durchaus sein, dass dann ein Kollege oder Untergebener (schon das ein ekliges Wort, denn ich fühle mich niemandem über- oder unterlegen,  und schon gar nicht durch einen virtuellen Titel) andere Aufgaben bekommen muss, aber gerade bei bestimmten Charakterzügen wäre es eine Illusion, hier eine Veränderung zu fordern. Kreativ bleibt kreativ, mutig bleibt mutig und ängstlich wird immer im Grundwesen ängstlich bleiben.

Insofern halte ich wenig davon, in der Beurteilung von Menschen Schwächen zu identifizieren UND verändern zu wollen. Die eigenen Schwächen kennt jeder selbst am besten (oft werden sie sogar der Umwelt gegenüber verheimlicht, ein weiteres Indiz für den Irrtum Fremdbild).

Ich bin introvertiert, das glauben zwar viele in meinem Umfeld nicht, aber wer die genaue Definition von Introversion kennt, wird mir zustimmen (Genauer, nach Myer Briggs: Ich bin INFP)

Ich werde das nicht ändern können. Aber ich kann das beste draus machen. Und das sollte von meinem Umfeld unterstützt werden. Alles andere bringt nichts, außer Widerstand und Leiden.

Mutmachparade, weil wir uns mehr zutrauen sollten

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Introvertierte Rampensau. Widerspruch? Ne, Ich.

Der Johannes Korten, ein Mensch, den ich sehr schätze ruft zur Mutmachparade auf, gegen ewiges Lamentieren. Da trifft er bei mir gleichzeitig ins Herz und einen wunden Punkt. Denn eigentlich gehen mir die ganzen Bedenkenträger, Sorgenmacher und Nein-Sager ja gehörig auf den .. Na ihr wisst schon. Aber andererseits war ich eine ganze Zeit lang viel zu optimistisch, habe immer gerne geholfen und sah in allen Entwicklungen das beste. Das hat sich durch persönliche Ereignisse relativiert. Und vielleicht gerade deshalb spricht mich die Idee der Mutmachparade an. Weil ich selbst manchmal mehr Mut zeigen sollte. Auch gegenüber Menschen, die mir nicht wohlgesonnen sind. Mich hat vor Jahren ein Mensch so direkt angegriffen, mir so viel meines eigenen Mutes geraubt dass ich eigentlich erst seit etwa einem halben Jahr zu sagen wage, ja, ich bin wieder mutig wie früher. Wir haben eine hässliche Tendenz dazu, in allem nur das Schlechte, das Böse zu sehen. Seien es Technologien, Handlungsmotivationen oder gesellschaftliche Entwicklungen. Zu wenig Mut lähmt aber, denn er verhindert aktives Handeln. Wenn mich etwas stört gibt es den schönen Dreiklang „Love it, Change it, Leave it“. Leider verharren viel zu viele Menschen in einer Vorstufe, dem „Hate it“. Wir sollten mehr Mut haben uns von den Meinungen, dem Fremdbild anderer zu lösen. Das ist eine der größten Lebenslügen, die leider auch im Berufsleben immer noch dumm wiederholt wird. Das Selbstbild ist oft das kritischere, aber auch das ehrlichere. Ich höre mittlerweile nur noch von ganz, ganz wenigen Leuten darauf, was sie mir als Fremdbild widerspiegeln. Wir brauchen Mut, wir selbst zu sein, unsere Werte hoch zu halten, in einer Zeit, in der alles nur noch für die Wirtschaft da zu sein hat. Wir müssen dem verlogenen Dogma des „Alles für die Ökonomie“ entgegentreten und wieder „alles für den Menschen“ fordern. Und zwar für alle Menschen. Mutig sein heißt vor allem nicht jeder Lüge glauben, nur weil sie von „da oben“ oder aus den Medien kommt. Und Mut heißt auch,selbst zu denken, nicht jeden esoterischen Blödsinn unbesehen zu glauben, sondern zu hinterfragen. Mein Deutschlehrer hat mir mit einem Satz das wichtigste für mein Leben mitgegeben, „Bei allem was du tun sollst, glauben sollst, lernen sollst. Frage immer nach dem warum.“ Recht hatte er und recht hat er. Die meisten Verletzungen, Kränkungen, Fehleinschätzungen entstehen aus Angst. Angst vor der Überlegenheit des Gegenübers, Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit, Angst vor Fehlern. Mutig sein, Fehler machen, unbegangene Wege gehen, und vor allem EIGENE Wege gehen. Das ist es, was wir alle als unser Credo wiederentdecken müssen. Viel zu lange hat man uns den Mut geraubt. Wir sollten ihn uns dringend zurückholen!