Ein Beitrag zur digitalen Diplomatie

Immer wieder stossen Onliner und Offliner, technologisch affine und eher technikfeindliche Menschen aufeinander und es entzünden sich, ähnlich den Disputen zwischen Vegetarieren und Fleischessern Konflikte, die zu vermeiden wären. Deshalb hier ein paar nicht immer ganz ernst gemeinte Regeln für das bessere Zusammenleben aus der Sicht eines digital affinen Menschen.

Zunächst etwas grundsätzliches. Wirklich verstehen werden sich Onliner und Offliner nie. Es sind schlicht zwei komplett unterschiedliche Denkmodelle.

Das beginnt schon bei der irrigen Annahme, es gäbe so etwas wie eine virtuelle online und eine reale physische Welt. Welch ein Irrtum. Ich vernetze mich  mit Menschen, tausche reale Erfahrungen mit ihnen aus. Dies ist die große Fehlannahme der Offliner. Die reale Welt der Online lebenden Menschen ist schlicht um eine neue Komponente erweitert worden, die nahtlos in das eigene Leben integriert ist. Ich bin nicht „auf Facebook“ oder „auf Twitter“. Ich bin da, wo ich physisch gerade bin. Nur kann ich dies (mit-)teilen.

Irrtum Nummer zwei, der so alt ist, dass es traurig ist, ihn immer noch erwähnen zu müssen. Nicht wir sind immer online, sondern unser virtueller Avatar. Gehe ich von einer durchschnittlichen Nutzung von Social Media aus, so bin ich im Schnitt insgesamt pro Tag vielleicht eine oder 2 Stunden wirklich online. Den Rest der Zeit sind Softwareprogramme für mich online, bin ich durch meinen Messenger auf Facebook, Twitter, Google+ angemeldet. Das heißt aber keineswegs, dass ich als Person dann erreichbar bin. Hier greift der entscheidende Unterschied zwischen Telefon und online sein. Ich kann auf das, was online geschieht reagieren, wann es mir passt. Will jemand mit mir telefonieren, dann kann ich rangehen und kommunizieren, oder bin gar nicht erreichbar. Online bin ich zwar immer erreichbar, aber ich muss nicht immer auch reagieren. Man kann es vergleichen mit einem Anrufbeantworter, den ich auch abfrage, wenn es mir passt. Ebenso antworte ich auf Twitter oder Facebook, wenn es mir passt oder lasse gar Programme dort für mich arbeiten, veröffentliche zeitversetzt Artikel oder lasse mit Hilfe von Buffer in regelmässigen Abständen Postings erscheinen, obwohl ich überhaupt nicht erreichbar bin.

Wir dürfen als digital affine Menschen nicht annehmen, dass alle Welt Freude an Technik hat. Leider immer noch die Mehrheit findet Technik eher ein notwendiges Übel und in den Schulen wird auch nicht gerade viel dafür getan, die Medien- und Technikkompetenz bei modernen Technologien zu steigern. Wer glaubt, mit einer Einführung in Word habe man Technikkompetenz vermittelt, der glaubt sicher noch einige andere Märchen.

Und wir technisch affinen Menschen müssen uns mit dem Gedanken abfinden, dass es unabhängig von Generationen vor allem in Deutschland angesagt ist, jedwede Technologie erst einmal abzulehnen oder zumindest für eine Gefahr zu halten. Die ach so beliebten digitalen Auszeiten oder der stolze Bericht vom Urlaub ganz ohne Smartphone zeugen davon.

Hier ein paar Regeln, die ihr im Alltag stets bedenken sollten, vor allem wenn ihr wisst, dass ihr nicht unter euresgleichen seid.

1) Technologie ist böse, und das gilt für fast alles, was nicht überlebenswichtig ist.

2) Alles, was Strom braucht, ist eigentlich schädlich, alles was strahlt sowieso

3) Papier gut, Bildschirm böse

4) Social Media ist überflüssiges Spielzeug

5) Wer ein Smartphone nutzt, spielt

6) Wer ein Tablet nutzt, spielt

7) Wer Papier nutzt, arbeitet… IMMER

8) Ihr seid süchtig

9) und seid nicht bereit es zuzugeben

10) Es ist toll ohne Computer, Fernseher, Smartphone

11) Nichts in der heutigen Zeit ist von digitaler Technologie abhängig

12) Nein, ihr könnt nicht vom Gegenteil überzeugen

13) Ein Computer kann nichts in unserem Namen tun, wir hängen den ganzen Tag vor der Kiste

14) Onliner sind intolerant, Offliner tolerant

15) Online sein ist krankhaft, und nicht real

16) Wir Onliner gehen eh nie raus

17) Es gibt einen Unterschied zwischen der virtuell und real.

18) Ich schreibe das hier alles gerade live 😉

Fazit: Seid gnädig, versteckt eure Gadgets und wenn ihr ein EBook lest, dann holt euch wenigstens eine Schutzhülle, die wie ein Buch aussieht, das beruhigt die Offliner Seele.

Und übrigens sind Smartwatches eine geniale Erfindung, solange die Offliner diese nicht als solche erkennen 😉

 

 

Kein Smartphone mit in den Urlaub zu nehmen ist eine dumme Idee, denn:

20140103_143335Warum ich jeden für verrückt halte, der stolz drauf ist, sein Smartphone im Urlaub daheim zu lassen und offline zu sein?

Ganz einfach:

Man muss sich das mal vor Augen führen.

Smartphone dabei bedeutet:

Musik dabei, Tickets dabei, Bücher dabei, Filme dabei, Reiseführer dabei, Routenplaner dabei, Navi dabei, Notfalladressen dabei, Telefon dabei, Fotoapparat dabei, Filmkamera dabei, Wörterbuch dabei, Übersetzer dabei, Spiele dabei, Restauranttips dabei, Wetterstation dabei, Regenwarner dabei, Taschenlampe dabei, Öffnungszeiten dabei und und und.

Ja klar, das lass ich natürlich zu hause….. NOT!

IQ Tests. Der Sieg der Ökonomie über den Menschen

Der Punkt ist, dass ich von Tests,  insbesondere in der Form von IQ oder Leistungstests überhaupt nichts halte, da sie meist der Sieg der Erbsenzähler über die Intelligenz sind. Denn sie messen eigentlich nur, wie gut jemand Denksportaufgaben unter Streß löst. Nicht alle Menschen sind unter Streß gut. Und für mich zeugt es auch von Intelligenz, wenn unnötiger Stress vermieden wird.

Aber leider wird immer noch viel zu oft nur auf solche Tests geschaut, statt den ganzen Menschen zu sehen und wer nicht passt, wird raus geekelt. Fragt euch mal, wie manche Schulen auf die guten Notenschnitte und geringen Sitzenbleiber kommen und recherchiert dann die Zahl derer, die gegangen sind oder wurden. Und fragt euch auch, wie es sein kann, dass alle Kinder einer Klasse immer gleich unterrichtet werden in den meisten Schulen.
Kreativität, Empathie, Freude an Sprache, Bewegungstalente, hohe moralische Ansprüche, schlecht messbar, damit schlecht ökonomiesierbar und damit uninteressant für die heutige Optimierungsgesellschaft. Wenn dann noch ein introvertierter Mensch geprüft wird, ist das Drama schon absehbar. In einer Zeit der großen Klappen mit wenig dahinter werden die stillen, zurückhaltenden Wesen überrollt oder ignoriert.

Und seid ehrlich zu euch selbst. Was wird in Assessment Centern wirklich oft geprüft? Nicht, wie gut der Mensch für die Aufgabe geeignet ist sondern meist, wie genau er zu der Art Mensch passt, die die Prüfenden mögen bzw.  Wie gut der Prüfling das erkennt und vorspielt.

Wir leben in einer Zeit des Vortäuschens und des geradezu religiösen Glaubens an Tests und Tabellen. Wohin und das führt? Zu Flughafen Berlin, Elbphilharmonie und Stuttgart 21.

Und dass es auch ohne geht, nun,  es gibt genug Beispiele für didaktische Methoden, bei denen Tests weit weniger entscheidend sind und die Schüler dennoch oder gerade deshalb deutlich besser weil motivierter sind.
Aber für Deutschland gilt leider meist. Nicht für das Leben, für den Test lernen wir. Und das bulemisch, weil das meiste eh unnötiges Wissen statt notwendiger Bildung ist.

Ist planen besser (bezahlt) als tun?

Heute ein etwas anderer Blick auf das Fachkräfte-Dilemma. Denn ein Eindruck hat sich mir bei vielen Diskussionen und im Austausch mit meinen Followern aufgedrängt. Wer heutzutage etwas tun will, etwas herstellen, sei es als Programmierer oder Ingenieur und wer sich damit der Planer Karriere verweigert, der scheint früher oder später damit leben zu müssen, dass man ihn deutlich schlechter bezahlt als seine „Planerkollegen“, die sich nicht mehr aktiv in der Entwicklung engagieren sondern diese nur noch verwalten.

Wir scheinen in eine Kultur zu rutschen, die das Planen über das Handeln stellt. Dies ist nun nicht per se schlecht, wer ungeplant handelt, macht mehr kaputt als gut. Aber wir übertreiben diesen Kult mittlerweile. Und gefährlich wird es dann, wenn die Planer von der Komplexität der Sache keine oder nur noch eine extrem oberflächliche Ahnung haben. Auch hierfür sind der Berliner Flughafen, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie sehr gute Beispiele. Immer wieder liest man in Artikeln, dass sich Fachleute, Ingenieure darüber beklagen, dass ihre Warnungen nicht ernst genommen oder platt ignoriert werden. Und das sind oft die ausführenden Ingenieure, die also für das Tun zuständig sind.

Denn viel zu oft ist Planung mittlerweile so weit von den realen Gegebenheiten entfernt, dass sich Entwicklungsfortschritte nicht mehr am zu entwickelnden Produkt oder Projekt messen, sondern an den Excel Tabellen und den Statusberichten der Unterplaner an die Oberplaner und der Oberplaner an die Auftraggeber. Da tritt dann der Melonengrün Effekt ein. Während das Projekt von außen betrachtet immer noch Status grün hat, ist es innen schon längst feuerrrot.

Wir dürfen bei aller Planung nicht vergessen, dass jedes Projekt auch Experten braucht, die für die Ausführung zuständig sind, und dass auch deren Rat ein wichtiger, wenn nicht oft sogar der wichtigere ist.

 

Es gibt keinen Fachkräftemangel sondern einen Lohnsklavenmangel

Ich kann es bald nicht mehr hören, das Wehklagen über den Mangel an Fachkräften. Das ist meiner Ansicht nach völliger Quatsch. Vielmehr erleben wir nachwachsende Generationen, die am Beispiel ihrer Eltern verschiedenes gelernt haben.

Zum einen, dass viele Familien an der Tendenz alles der Arbeit unterzuordnen zugrunde gegangen sind. Da wurden Freundeskreise, Lebensumfelder dem Umzug für die Karriere geopfert und Ehepaare ließen sich scheiden, weil man sich ob der Karriere und der verschiedenen Lebensplanungen auseinandergelebt hat.

Zudem dürften immer mehr junge Menschen mitbekommen, dass viele der jetzigen Elterngeneration nahe am Burn Out sind, oder bereits einen Gutteil ihres Gehaltes für den Erhalt bzw. die Wiederherstellung ihrer Gesundheit opfern müssen.

Ich glaube, wir erleben keinen Fachkräftemangel sondern einen Mangel an Menschen, die bereit sind für die Karriere für ein Unternehmen, das sie ggf. nach ein paar Jahren sang und klanglos auf die Straße setzt ihr Leben, ihre Gesundheit, ihr Glück zu opfern. Die junge Generation ist nicht mehr bereit, sich permanent als Praktikant zum Billiglöhner machen zu lassen und für dumm verkauft zu werden.

Und sofern sie in einem extrem verschulten „Studium“ (wenn man das überhaupt noch so nennen darf) noch Zeit zum Nachdenken haben, dann wird doch immer häufiger hinterfragt, für wen man da eigentlich studiert. Für sich, oder um sich möglichst optimal in diejenigen Denkstrukturen einzupassen, die uns so schöne Dinge wie die Finanzkrise beschert haben.

Wer sich selbst schamlos hundertfache Gehälter im Vergleich zu seinen Angestellten gönnt und dann von eben diesen Lohnverzicht fordert, der braucht sich über einen Fachkräftemangel nicht zu wundern. Niemand arbeitet gerne quasi umsonst in einem Umfeld, dass einen zur Humanressource reduziert.

Und ganz ehrlich? Das ist verdammt noch mal gut so! Aber es bietet auch den Unternehmen ganz neue Chancen, die bislang auf dem Arbeitsmarkt wegen fehlender exorbitanter Gehälter Probleme hatten. Gerade auch im ländlichen Umfeld. Denn immer häufiger wird hier der Fokus auf das Gesamtpaket gelegt. Nicht nur ein gutes Gehalt, auch ein gutes Umfeld, soziale Leistungen, Sicherheit des Jobs, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer hier mehr bietet als nur den Standard hat echte Chancen, auch High Performer zu bekommen, die bislang vor allem auf ein Top Gehalt angesprungen sind.

Bislang galt offenbar bei vielen die Strategie, Hauptsache das Gehalt stimmt. Aber genau das ändert sich, das Gehalt wird immer mehr zur Basis, und die wichtigen Faktoren werden die weichen Faktoren, wie Work Life Balance (oder Integration, wie ich bevorzugt sage), Familienfreundlichkeit, auch das Achten auf die Gesundheit der Mitarbeiter. (Ein gutes Indiz hier ist, ob das Unternehmen so etwas wie einen Betriebsarzt oder ein Gesundheitszentrum hat)

 

Smartphones in der Schule verbieten, das Armutszeugnis der Gestrigen

Da schreibt mir ein „Friend“ (also ein Bekannter) auf Facebook, dass an dem Gymnasium seiner Kinder jetzt Smartphones komplett verboten wurden. Auch in den Pausen. Und die Eltern haben dem applaudiert. Und auch in Stuttgart scheint man stolz darauf zu sein, zu verbieten, statt zu erziehen.

Da fällt mir nur ein. Peinlich und ein Armutszeugnis. Denn zum einen zeigen mir die applaudierenden Eltern, dass sie offenbar nicht dazu in der Lage sind, Medienkompetenz an ihre Kinder weiter zu vermitteln (vermutlich weil sie ihnen selbst fehlt und sie auf Medien wie BILD und die Privatsender reinfallen) zum anderen, dass hier offensichtlich keinerlei didaktische Kompetenz im Lehrkörper vorhanden zu sein scheint, den Kindern einen vernünftigen Umgang mit den neuen Medien beizubringen.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir 100% sicher bin, dass ein solches Verbot den Reiz der Mitnahme von Smartphones eher noch erhöht, halte ich solche Denkmuster für fatal und gefährlich. Wann, wenn nicht während der Schulzeit sollen unsere Kinder den Umgang mit Medien lernen. Und das zu diesem Umgang Verbote nicht gehören sollten, da sie eher kontraproduktiv wirken scheint den lieben Eltern nicht klar zu sein. Es geht darum, Regeln zu definieren, in den Konflikt mit den Kindern zu gehen, auch mal über den eigenen technophoben Tellerrand zu springen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Medienkompetenz und Erfahrung im Umgang mit neuen Technologien ein Schlüsseltalent ist.

Andere Länder haben das offensichtlich schon viel früher verinnerlicht, in England ist das Programmieren lernen ab September fester Bestandteil des Unterrichts, während wir glauben, der Umgang mit Excel und Word bedeute ein Verständnis von Computer zu haben.

So, und jetzt freue ich mich auf die Trolle, die mit Sicherheit gleich wieder auf mich drauf hauen, weil Kinder ja kein Smartphone brauchen, weil es ja die böse Strahlung gibt, und ach, weil ja früher eh alles besser war. Vor allem damals, auf den Bäumen.. Oder noch schöner, im Meer.

 

Die Zeit, die Anstalt und die Zensur

Fundstück der Woche : ZDF zensiert “Die Anstalt” nach erstinstanzlichem Urteil Josef Joffe war wohl nicht amüsiert und ich empfehle, ein so beeinflusstes Blatt nicht mehr zu lesen, da dessen journalistische Qualität nicht mehr gegeben ist. | Die Propagandaschau https://propagandaschau.wordpress.com/2014/07/26/zdf-zensiert-die-anstalt-nach-erstinstanzlichem-urteil/
Und bitte alle den Film sichern falls der große Zensor auch hier zuschlägt. Ich habe ihn schon digital vorliegen.

Arbeitsplatz der Zukunft. Ein völlig falscher Begriff

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Die stille Entmachtung der Firmen-IT. Das Smartphone

Ich bin ein Verfechter des Begriffs Work-Life Integration statt Work-Life Balance. Und darum beschäftige ich mich intensiv damit, wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden. HALT! Lese ich mich da richtig? Leben UND arbeiten? Eigentlich sollte das ganze doch eins sein, jedenfalls nach meinem Gedankenmodell.

Und tatsächlich denke ich, wir tappen da alle noch in die Begrifflichkeiten Falle.

Wir machen uns Gedanken um den Arbeitsplatz der Zukunft, welche Werkzeuge dort verwendet, welche Methodiken gelebt werden. Wir unterscheiden in vielen Bereichen zwischen Dingen, die wir privat tun, nutzen und Dingen, die wir im Büro nutzen.

Schluß damit! Zu glauben, wir könnten zwei parallele Leben führen, ist mit ein Grund für die momentane Welle psychischer Erkrankungen. Wir müssen stehts wechseln zwischen dem, was wir privat, was wir persönlich denken, tun, wollen und dem, was uns im Beruf erlaubt, bereitgestellt oder an Freiräumen gegeben wird. Ein kleines Gedankenspiel. Jeder meiner Leser möge sich einmal fragen, ob er wirklich genau so privat handeln und vorgehen würde, wie ihm die Vorgaben seines Unternehmens, seines Arbeitsplatzes es vorschreiben? Stünde da dann der gleiche Schreibtisch, die gleiche Hardwareausstattung, die gleichen Werkzeuge? Vermutlich werden jetzt die meisten nein sagen. Das aber heißt in konsequenz, dass ich an meinem Arbeitsplatz nicht für mich optimal arbeiten kann, sondern bestenfalls mir die nach Ansicht einiger Verantwortlicher beste Ausstattung in deren Augen bereitgestellt wird. Dass das nicht zwangsweise die für mich wirklich beste Ausstattung sein muss, dürfte offensichtlich sein.

Und Argumente wie Arbeitsergonomie, Datenschutz, Schutz des Mitarbeiters vor sich selbst werden meist nur vorgeschoben, weil es eigentlich keinen wirklichen Grund gibt, alle über einen Kamm zu scheren und damit vermutlich ein Gutteil an Mitarbeitern mit suboptimalen Werkzeugen auszustatten.

Oh ja, die bösen amerikanischen Firmen, die alles von uns auswerten. Google oder Facebook kommt uns nicht ins Haus. Na und? Jeder Mitarbeiter mit Smartphone braucht „das Haus“ nicht mehr, um die für ihn angenehmen Werkzeuge nutzen zu können. Und dieser Trend, den manche auch als Digitalisierung 4.0 bezeichnen, wird durch aufgeblähte Entscheidungsapparate und technisch nicht versierte IT Entscheider noch beschleunigt.

Zudem ist spätestens mit der weiten Verbreitung des Smartphones der Wunsch der Mitarbeiter nach „Bring Your Own Device“ stärker geworden. Denn ich möchte nicht zwei Smartphones mit mir herumtragen. Und nein, ich möchte mein Smartphone auch nicht am Empfang abgeben. Zum einen wäre das ein Misstrauensbeweis des Arbeitgebers, der mehr als vieles andere zur Demotivation und Dienst nach Vorschrift beitragen würde, zum anderen ist die Idee des Smartphones ja die der Erreichbarkeit und des permanenten Zugriffs auf Wissen, Daten, Informationen.

Wir behindern uns durch die „German Angst“ vor Datendiebstahl und diesen bösen Konzernen und insbesondere durch die in keinem anderen Land so verbreitete Technophobie selbst.

Und, so paradox das klingt. Selbst die Fußball WM zeigt mir, auch wenn ich mit Fußball überhaupt nichts anfangen kann, wie albern die Trennung zwischen dem Menschen am Arbeitsplatz und dem Privatmenschen ist. Denn ich wette, bei ALLEN Unternehmen, ob groß ob klein kommt in jedem zweiten Gespräch auf den Fluren oder den Büros das Thema auf Fußball. Und das sind dann beileibe keine 5 Minuten Gespräche.

Würden die Fußballfans sich hier wirklich diese Gespräche verbieten lassen? Eben. Und gleiches gilt für andere private Themen. Denn das gehört auch zum Alltag im Unternehmen, das Ventil, das den beruflichen Druck nicht zu groß werden lässt. Je mehr ich aber hier verbiete und/oder vorschreibe, umso weniger Ventile gibt es und um so größer die Belastung des einzelnen durch eine unpersönliche Arbeitsumgebung, unpersönliche Arbeitsmittel und eine Kultur, die nicht den Menschen sondern die Humanressource sieht.

Also weg mit dem Begriff Arbeitswelt der Zukunft. Wenn schon, dann Leben der Zukunft.

Als Lesetipp kann ich auch auch folgenden Artikel empfehlen: ”Beach Works: Mein Büro liegt am Strand von Cannes„. Darin wird sehr schön gezeigt, wie man dank Tablet online arbeiten kann und dennoch auch die angenehmen Seiten eines Ambientes wie Cannes genießen kann.