Ausgewildert, vom Ende des Klinikaufenthalts und den nächsten Schritten

Freitag war es so weit, mein letzter Tag in der Tagesklinik als regulärer Patient. Damit ich weiterhin meine wichtige Medikation bekomme und auch, um weiterhin einen Ansprechpartner, namentlich meine Therapeutin zu haben, werde ich in den Wochen, oder hoffentlich nur Tagen nach der Tagesklinik noch in die PIA, die Psychologische Instituts-Ambulanz gehen.

Der Abschied von meinen Mitpatienten gestaltete sich zum Teil sehr emotional und die Beiträge in der Wunschbox, einer Papierschachtel mit Zetteln voller Grüßen und guten Wünschen hat mich doch durchaus nahe an Tränen geraten lassen.

Überhaupt bin ich weit emotionaler als vor den ganzen Kliniken. Zum Teil mag das auch meinem neuen Medikament Elontril geschuldet sein, aber ich habe auch fantastische Menschen kennengelernt, seien es Pfleger, Ärzte oder Mitpatienten. Niemand von uns ist verrückt, so wie sich die Öffentlichkeit das wohl ausmalt, alle sind wir an den zum Teil irrsinnigen Anforderungen der heutigen Zeit und unserer persönlichen Lebensgeschichte zerbrochen.

Mittlerweile weiß ich, wie viel in meiner Kindheit und Jugend schief gelaufen ist, ohne das ich etwas dafür konnte und jetzt weiß ich auch wie gefährlich und zum Teil hilflos die Versuche waren, mir kurz vor meinem Zusammenbruch zu helfen. Jemand, der gerade in einer Depression versinkt braucht keinen Rat im Stile von, konzentrier dich aufs wesentliche, lass Themen fallen, reiss dich zusammen. Das macht alles nur noch viel, viel schlimmer.

Und ab jetzt sind mir Fremdbilder (ich hoffe ich schaffe das) völlig egal. Denn auch sie, die dummen angeführten Fremdbilder haben mich negativ verändert. Weil ich den anderen gerecht werden wollte, anstelle ich selbst zu sein.

Wenn man mich nicht so mag wie ich bin, dann kann ich nur raten „kiss my ass“.

Jetzt bin ich in der Warteposition für die Reha, der Antrag ist eingereicht und sollte eigentlich den nächsten Wochen hoffentlich positiv beschieden werden. Dann erwarten mich nochmal sechs Wochen intensiver Therapie aber dann sollte ich hinreichend gestärkt sein, sowohl mit meiner Depression als auch mit der irren Welt da draußen zurecht zu kommen. Ob ich es jemals ohne Medikamente schaffen werde weiß ich nicht, aber das ist mir auch egal, so lange ich so stabil bleibe, dass mein schwarzer Hund Depression mich nie wieder so zur Gänze und bis an den Rand der Lebensgefahr auffrisst.

 

Bitte, wenn ihr selbst betroffen seid, wenn ihr von dunklen Gedanken beherrscht werdet oder gar regelmäßig an Selbstmord denkt, sucht euch Hilfe. Die psychiatrischen Kliniken der Gegenwart mögen zwar mit ignoranten BWLern und dem daraus resultierenden Personal- und Geldmangel zu kämpfen haben. Aber es sind längst nicht mehr die Irrenhäuser, wie man sie aus Filmen wie „Einer flog übers Kuckucksnest“ kennt. Es sind ganz normale Krankenhäuser, die euch bei eurem Weg aus der Depression helfen wollen. Seid mutig, tut es für euch lasst euch helfen, bevor ihr ganz vom schwarzen Hund Depression verschlungen werdet.

Und ihr Freunde, Verwandte, Partner da draußen, die ihr einen depressiven Menschen kennt. Bleibt bei ihm, seid einfach da. Mehr braucht es meist nicht, um nicht die finale aller Dummheiten zu begehen. Einfach da sein, nicht werten, nicht verurteilen, keine Regelwerke für besseres Verhalten aufstellen. Da sein, das ist alles was ein depressiver Mensch braucht und auch noch annehmen kann. Für mehr hält er oder sie sich meist nicht mehr wert genug.

Oh und als kleinen Spass am Rande hab ich mir zwei T-Shirts drucken lassen mit den zwei Sprüchen, die mich hoffentlich in der nächsten Zeit begleiten und daran erinnern, was wirklich wichtig ist. Und ja, ich kann keine Selfies. Ist ja hoffentlich nicht eine Kernkompetenz eines Informatikers 😉 .

 

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