Die Idiotie der Bürokratie bei der Therapie

Unsere Tochter ist bei einer Therapeutin. Und es hilft ihr, da sie leicht im Spektrum liegt, zwar hochbegabt aber auch sehr sensibel ist. So weit so gut, die Therapeutin wollte deshalb eine Verlängerung der Therapie beantragen. Stellt sich raus, bei unserer Kasse glaubt man Therapeuten nicht und verlangt für eine weitere Verlängerung einen Gutachter. Dieser Gutachter, der meine Tochter gar nicht persönlich kennt, hat nun wegen angeblich guter Fortschritte abgelehnt. Eine Katastrophe in meinen Augen, da sie gerade erst so weit ist, mit der Schule einigermaßen zurecht zu kommen und noch einiges an Arbeit vor uns läge.

Der völlige Blödsinn aber: Würde sie jetzt nochmal als Notfall eingewiesen, könnte man neue beantragen. Amtsschimmel ich hör dich gackern.

Jetzt überlegen wir, die Kasse zu wechseln, da es wohl mittlerweile viele Kassen gibt, die den Therapeuten etwas mehr vertrauen und diesen bürokratischen Irrsinn eines Gutachters nicht brauchen (und damit sicher auch Geld sparen)

Danke für garnix. Wir werden wohl mal bei der Konkurrenz anklopfen.

Das Leben hat mich wieder

So fühlt es sich zumindest an. Mittlerweile wieder betreut durch meinen Psychotherapeuten fühle ich mich endlich wieder angehend normal. Wobei meine Definition von Normalität sich stark von der alltäglichen unterscheidet. Wieder Freude an Dingen haben, einen Abend mit meiner Frau in der Stadt genießen. Ganz einfach Dinge sind wieder schön, die ich früher gar nicht mehr wahrgenommen hatte.

Ich spüre aber auch, ich bin noch lange nicht stabil, was meine Vergangenheit und die damals erlernten Verhaltensmuster angeht. Da kommt noch ein großes Stück Arbeit auf mich zu. Denn immer noch ist da dieser ätzende ungesunde Glaube, man würde mich nur wegen dem mögen, was ich tue.

Ich habe gelernt, dass es schon sehr früh passiert, diese negative Prägung. Ich bin permanent mit dem „kleinen Uwe“ konfrontiert.

Ein gutes, das Elontril zusammen mit Lithium wirkt wunderbar und auch die vom Venlafaxin stammenden Nebenwirkungen wie übermässiges Schwitzen und Potzenprobleme sind komplett weg.

Wie geschrieben. Man beginnt, sich über die kleinen Dinge zu freuen.

Ausgewildert, vom Ende des Klinikaufenthalts und den nächsten Schritten

Freitag war es so weit, mein letzter Tag in der Tagesklinik als regulärer Patient. Damit ich weiterhin meine wichtige Medikation bekomme und auch, um weiterhin einen Ansprechpartner, namentlich meine Therapeutin zu haben, werde ich in den Wochen, oder hoffentlich nur Tagen nach der Tagesklinik noch in die PIA, die Psychologische Instituts-Ambulanz gehen.

Der Abschied von meinen Mitpatienten gestaltete sich zum Teil sehr emotional und die Beiträge in der Wunschbox, einer Papierschachtel mit Zetteln voller Grüßen und guten Wünschen hat mich doch durchaus nahe an Tränen geraten lassen.

Überhaupt bin ich weit emotionaler als vor den ganzen Kliniken. Zum Teil mag das auch meinem neuen Medikament Elontril geschuldet sein, aber ich habe auch fantastische Menschen kennengelernt, seien es Pfleger, Ärzte oder Mitpatienten. Niemand von uns ist verrückt, so wie sich die Öffentlichkeit das wohl ausmalt, alle sind wir an den zum Teil irrsinnigen Anforderungen der heutigen Zeit und unserer persönlichen Lebensgeschichte zerbrochen.

Mittlerweile weiß ich, wie viel in meiner Kindheit und Jugend schief gelaufen ist, ohne das ich etwas dafür konnte und jetzt weiß ich auch wie gefährlich und zum Teil hilflos die Versuche waren, mir kurz vor meinem Zusammenbruch zu helfen. Jemand, der gerade in einer Depression versinkt braucht keinen Rat im Stile von, konzentrier dich aufs wesentliche, lass Themen fallen, reiss dich zusammen. Das macht alles nur noch viel, viel schlimmer.

Und ab jetzt sind mir Fremdbilder (ich hoffe ich schaffe das) völlig egal. Denn auch sie, die dummen angeführten Fremdbilder haben mich negativ verändert. Weil ich den anderen gerecht werden wollte, anstelle ich selbst zu sein.

Wenn man mich nicht so mag wie ich bin, dann kann ich nur raten „kiss my ass“.

Jetzt bin ich in der Warteposition für die Reha, der Antrag ist eingereicht und sollte eigentlich den nächsten Wochen hoffentlich positiv beschieden werden. Dann erwarten mich nochmal sechs Wochen intensiver Therapie aber dann sollte ich hinreichend gestärkt sein, sowohl mit meiner Depression als auch mit der irren Welt da draußen zurecht zu kommen. Ob ich es jemals ohne Medikamente schaffen werde weiß ich nicht, aber das ist mir auch egal, so lange ich so stabil bleibe, dass mein schwarzer Hund Depression mich nie wieder so zur Gänze und bis an den Rand der Lebensgefahr auffrisst.

 

Bitte, wenn ihr selbst betroffen seid, wenn ihr von dunklen Gedanken beherrscht werdet oder gar regelmäßig an Selbstmord denkt, sucht euch Hilfe. Die psychiatrischen Kliniken der Gegenwart mögen zwar mit ignoranten BWLern und dem daraus resultierenden Personal- und Geldmangel zu kämpfen haben. Aber es sind längst nicht mehr die Irrenhäuser, wie man sie aus Filmen wie „Einer flog übers Kuckucksnest“ kennt. Es sind ganz normale Krankenhäuser, die euch bei eurem Weg aus der Depression helfen wollen. Seid mutig, tut es für euch lasst euch helfen, bevor ihr ganz vom schwarzen Hund Depression verschlungen werdet.

Und ihr Freunde, Verwandte, Partner da draußen, die ihr einen depressiven Menschen kennt. Bleibt bei ihm, seid einfach da. Mehr braucht es meist nicht, um nicht die finale aller Dummheiten zu begehen. Einfach da sein, nicht werten, nicht verurteilen, keine Regelwerke für besseres Verhalten aufstellen. Da sein, das ist alles was ein depressiver Mensch braucht und auch noch annehmen kann. Für mehr hält er oder sie sich meist nicht mehr wert genug.

Oh und als kleinen Spass am Rande hab ich mir zwei T-Shirts drucken lassen mit den zwei Sprüchen, die mich hoffentlich in der nächsten Zeit begleiten und daran erinnern, was wirklich wichtig ist. Und ja, ich kann keine Selfies. Ist ja hoffentlich nicht eine Kernkompetenz eines Informatikers 😉 .

 

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Etappensieg: Ich darf in die Tagesklinik

8 Wochen sind es nun, seitdem ich mich habe „einliefern“ lassen. Zu Beginn mit sehr gemischten Gefühlen aber je länger ich hier war, um so mehr konnte ich erkennen, dass dieser Aufenthalt bitter nötig war, um Prioritäten neu zu setzen, wieder zu mir zu finden und den Weg in ein geändertes, positiveres Leben zu ebnen.

Aber jetzt habe ich ein Zwischenziel erreicht. Nächste Woche darf ich endlich nach hause und gehe dann nur noch tagsüber in eine Tagesklinik quasi als Wiedereingliederungsmassnahme. Und ich muss gestehen, was ich bislang als Charakterschwäche sah, ist eine Krankheit, die ich zwar zu bändigen gelernt habe, die aber deshalb nicht weniger belastend für mich ist, ich muss jetzt darauf achten, sie nicht wieder zurückkehren zu lassen. Das heißt zum einen permanent Medikamente zum anderen auch angelernte Verhaltensmuster zu hinterfragen und die eine oder andere liebgewonnene Angewohnheit wieder abzulegen oder auch mal Zähne zu zeigen, wo ich in der Vergangenheit viel zu schnell klein beigegeben habe oder Schuldzuweisungen unreflektiert akzeptiert habe. Ich darf und ich muss sogar auch Menschen haben, die mich nicht leiden können, auch wenn meine Harmoniesucht da kreischend aufschreit.

Und hier habe ich viele spannende, intelligente aber seelisch hart mitgenommene Menschen kennengelernt und von Ärzten und Pflegern viel Unterstützung erfahren. Es ist nicht leicht, sich selbst einzugestehen, dass man depressiv ist. Noch weniger leicht ist es, dass nach außen zu kommunizieren aber für mich war und ist das Teil meiner Therapie, mich endlich nicht mehr zu verstecken, weil ich irgendwie manchmal komisch drauf bin sondern aktiv zu daran zu arbeiten, dass ich damit umgehen lerne und meine Umwelt meine Krankheit akzeptiert. Gerade im Blick auf jüngste traurige Ereignisse ist es bitter nötig, dass Depressionen endlich offen kommuniziert werden können, ohne gleich gesellschaftliche oder ökonomische Konsequenzen fürchten zu müssen.

Depression ist eine behandelbare Erkrankung wie jede andere auch. Depression trage ich ein Leben lang mit mir, aber ich kann das Monster bändigen,wenn ich die richtigen Mittel  kenne.

Wer depressiv ist, der ist nicht schwach, er hat meist nur viel zu lange versucht, stark zu sein.

P.S.: Schmankerl am Rande für alle, die sich schon an meinem offenen Umgang mit der Depression und dem „vielen Gesurfe“ in der Klapse störten. Seit heute haben wir nicht nur am Empfang sondern auch direkt auf unserer Station kostenloses Wlan. Tja, hier drin ist man moderner als draußen, wo man offene Hotspots noch mit der Lupe suchen muss.

P.P.S: Wie dankbar ich meiner Frau und meinen Kindern für ihre Unterstützung bin, Worte können das nicht wirklich ausdrücken. Ohne sie hätte ich sicher nicht die Motivation aufgebracht, die ich hatte. Das alles ist nach mir vor allem für sie und auch wie toll meine Kinder mit dem kranken Papa umgegangen sind ist einfach aaaawesome.