Schnell, billig, gut , gelogen. Warum so vieles scheitert

Magischesdreieck
Das berühmte magische Dreieck. Oft gelehrt, noch häufiger ignoriert.

Die Elbphilharmonie, Stuttgart 21, der Berliner Flughafen. Warum werden Projekte nur immer teurer als geplant, haben diverse Mängel und dauern länger, als jemals vorgesehen.

Meines Erachtens ist daran vor allem eines schuld (und das ist wichtig, denn das ist es ja, was der deutsche Manager/Politiker/Bürger wissen will, nicht etwas die Lösung, Gott bewahre, nein, wer ist schuld).

Die mangelnde Akzeptanz von Auftraggebern/Kunden/Konsumenten, dass man das berühmte Dreieck aus schnell, billig und gut immer nur an zwei Seiten bekommt.

Wenn ich bei einem Projekt verlange, dass es zu einem fixen Termin fertig ist, und das in guter Qualität, muss ich bereit sein, mehr zu zahlen, ggf. auch noch etwas extra im Projektverlauf, falls und davon kann man eigentlich immer ausgehen, unvorhergesehene Probleme auftauchen.

Lasse ich den Termin offen, nehme ich Druck aus der Geschichte so dass man oft mit mehr Überlegung schon an die Planung gehen kann und solche Probleme frühzeitig erkennt, was dann wieder die Kosten senkt. Und will ich das ganze billig haben, dann kann ich nicht erwarten, dass die Qualität stimmt, vor allem wenn ich dann noch Zeitdruck produziere.

Letzteres gilt auch für viele andere Branchen. Wenn ich die Innovationszyklen von Produkten immer kürzer mache, dabei noch möglichst niedrige Preise haben will, dann leidet zwangsläufig die Qualität.

Das wird den BWL-Studenten zwar (so hoffe ich zumindest) in ihren Vorlesungen vermittelt, aber in der Realität werden offensichtlich die einfachsten Wahrheiten auf dem Altar des Profits und des Aufstiegs auf der Karriereleiter geopfert. Denn wer, der von seinem Vorgesetzten eine Aufgabe bekommt, die alle drei Seiten des Dreiecks gleichzeitig bedient, wird schon widersprechen, wenn er im Unternehmen oder der Organisation noch aufsteigen will. Ja, ich weiß, das wird offiziell doch gefordert, Charakterstärke blablabla. Aber das sind oft nur hohle Phrasen und wenn es hart auf hart kommt, dann gilt das Rechthaben des Stärkeren. Herr Medohrn mit seinem Managerverschleiß und den immer peinlicheren neuen Ankündigungen (selbst der Postillion amüsiert sich und uns bereits köstlich) ist da nur ein Beispiel.

Wir leben in einer Welt, die gerade in der Wirtschaft im Moment voller Lügen und Selbstlügen ist. In der man die offensichtlichsten Fehler nicht zuzugeben bereit ist, nicht umsteuern will und stehts mit den immer wiederkehrenden Totschlagargumenten vom „Markt der das so will“, „den Kunden, die das nicht verstehen würden“, und „den Arbeitsplätzen, die dann verloren gehen“ faselt. Forscht man aber nach, dann gilt keines dieser Argumente wirklich. Es gibt genug Unternehmen, die mit einer nachhaltigen, langsamen, und qualitativen Strategie erfolgreich sind (Vaude, Miele und quasi als Optimum im Moment @manomama, wo sogar noch der Mitarbeiter wie ein fühlender und denkender Mensch behandelt wird, Gott bewahre, das geht doch gar nicht 😉

Ich denke, wenn der Öffentlichkeit hinreichend kommuniziert wird, warum etwas wie lange dauert, wenn dann auch noch die Pressesprecher und Topmanager es sich sparen, das neue Produkt anzukündigen mit Releasetermin, bevor man überhaupt wirklich die echte Projektdauer abschätzen kann, dann hätte die Elbphilharmonie vielleicht nicht so viel gekostet, wäre S21 vielleicht anders gelöst worden und der Flughafen Berlin vielleicht bereits ohne Baumängel fertig. Aber es ging ja nie um das Produkt, den Bau, die Planung. Es ging gerade bei diesen Großprojekten um Profilneurosen, das setzen eines Denkmals für sich selbst und vermutlich um sehr viel mehr Geld, als die Öffentlichkeit weiß. Qualität war da nicht das Thema, wenn schon, dann schnell und billig. Und dass das auf Kosten der Qualität und damit indirekt der Zeit geht. Nun, wir sehen es als Mahnmal in Stuttgart, Berlin und Hamburg und sicher noch in vielen anderen Städten oder bei vielen anderen Produkten, die zurückgerufen werden mussten, geflopt sind oder den Markt nie erreicht haben.

Wir sollten endlich begreifen, dass wir wieder Druck rausnehmen müssen, wollen wir weiterhin die berühmte deutsche Qualität liefern. Denn ist der Ruf erst ruiniert lebts sich zwar ungeniert aber auch erfolglos.

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