Die Ja Sager Studenten, das habt ihr nun davon: Studenten Bolognese

Die Süddeutsche interviewt Christina Florin, die sich über eine Generation angepasster Ja Sager Studenten echauffiert, die nicht mehr die Diskussion suchen und die zu stromlinienförmig daherkommen.
Hallo? Wer hat seinen Bildungsanspruch den an die Unternehmen verkauft, und deren dummen Forderungen nach effizienteren, kürzeren Studienzeiten und dem Bachelor nachgegeben. Wer zusehen muss, wie er in einem verschulten Studium überhaupt möglichst schnell durchkommt der denkt nicht nach, der lernt. Das geht schon in der Schule schief, wo wir uns Bulemielernende Bildungstrottel heranziehen, denen Betriebswirtschaft wichtiger als Ethik, Moral, Kunst oder schlicht Bildung sind.

Zuerst haben die Unternehmen geklagt, die Studenten würden zu lange studieren, die Schüler zu lange lernen und jetzt beklagen sie sich über mangelnde Azubis, über schlecht ausgebildete Jugendliche.
Tja, wer die Bildung ökonomisiert, der muss mit den Konsequenzen leben. Genau der Müll, den die Wirtschaft uns als gute Produkte andreht, bekommt sie jetzt eben durch Fachidioten ohne kulturrellen Unterbau zurück. Mein Mitleid mit der Wirtschaft ist nicht existent.

Wir sollten unsere Jugend zu kritischem Denken zu Bildung führen, nicht für den Arbeitsmarkt ausbilden, der sie konsumiert, eine Weile benutzt und dann nur ausspuckt um neues Frischfleisch zu verwursten. Je mehr wir unsere Gesellschaft ökonomisieren, alles dem Diktat des Wirtschaftsmanagements unterstellen, um so mehr werden dessen Defizite offenbar. Es geht nicht um Menschen, die eigenständig denken, es geht um Humanressourcen, die ihnen gegebene Befehle möglichst effizient ausführen sollen. Zumindest bietet sich mir dieses Bild in weiten Teilen der deutschen Wirtschaftswelt. Während international immer mehr Unternehmen auf neue Zusammenarbeitsmodelle umschwenken, die Digitalisierung und die Automatisierung zu einem Umdenken führt, managt man in Deutschland noch weitestgehend konservativ, führt die Mitarbeiter, statt ihnen als Coach das Arbeiten zu erleichtern.

Die Klagen und Probleme sind hausgemacht, und wenn nicht bald ein Umdenken einsetzt, dann könnte es sehr schnell passieren, dass wir auch wirtschaftlich und nicht nur technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ist planen besser (bezahlt) als tun?

Heute ein etwas anderer Blick auf das Fachkräfte-Dilemma. Denn ein Eindruck hat sich mir bei vielen Diskussionen und im Austausch mit meinen Followern aufgedrängt. Wer heutzutage etwas tun will, etwas herstellen, sei es als Programmierer oder Ingenieur und wer sich damit der Planer Karriere verweigert, der scheint früher oder später damit leben zu müssen, dass man ihn deutlich schlechter bezahlt als seine „Planerkollegen“, die sich nicht mehr aktiv in der Entwicklung engagieren sondern diese nur noch verwalten.

Wir scheinen in eine Kultur zu rutschen, die das Planen über das Handeln stellt. Dies ist nun nicht per se schlecht, wer ungeplant handelt, macht mehr kaputt als gut. Aber wir übertreiben diesen Kult mittlerweile. Und gefährlich wird es dann, wenn die Planer von der Komplexität der Sache keine oder nur noch eine extrem oberflächliche Ahnung haben. Auch hierfür sind der Berliner Flughafen, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie sehr gute Beispiele. Immer wieder liest man in Artikeln, dass sich Fachleute, Ingenieure darüber beklagen, dass ihre Warnungen nicht ernst genommen oder platt ignoriert werden. Und das sind oft die ausführenden Ingenieure, die also für das Tun zuständig sind.

Denn viel zu oft ist Planung mittlerweile so weit von den realen Gegebenheiten entfernt, dass sich Entwicklungsfortschritte nicht mehr am zu entwickelnden Produkt oder Projekt messen, sondern an den Excel Tabellen und den Statusberichten der Unterplaner an die Oberplaner und der Oberplaner an die Auftraggeber. Da tritt dann der Melonengrün Effekt ein. Während das Projekt von außen betrachtet immer noch Status grün hat, ist es innen schon längst feuerrrot.

Wir dürfen bei aller Planung nicht vergessen, dass jedes Projekt auch Experten braucht, die für die Ausführung zuständig sind, und dass auch deren Rat ein wichtiger, wenn nicht oft sogar der wichtigere ist.

 

Warum wir ein Grundwissen von Informationstechnologien für alle brauchen

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Nur wer weiß, was technisch möglich ist, kann auch Angebote und Dienste richtig bewerten.

Wir leben in einer Zeit, die immer mehr von uns fordert. Wo immer neue technologische Möglichkeiten auf den Markt drängen. Aber oft arbeiten wir noch nach althergebrachten Methoden oder mit überkommenen Technologien.

Nicht,weil wir nicht anders könnten, sondern weil uns gar nicht bewusst ist, dass es Alternativen gibt. Jüngstes selbst erlebtes Beispiel. Eine Firma spricht permanent von Apps, die sie entwickeln wollen und weckt damit die Sorge eines Kunden, ob auch alle Mitarbeiter diese „Apps“ den auf ihren Endgeräten nutzen können und ob es nicht viel zu teuer wäre, so eine App für alle Betriebssysteme zu entwickeln.

Es stellt sich heraus, dass es sich nicht um eine „klassische“ App für ein mobiles Endgerät handelt, sondern die Firma stehts von einer WEB App gesprochen hat, die auch ohne Installation, einfach durch Aufruf einer Webadresse gestartet werden kann.

Wäre dies nicht zutage getreten (ja, ich hatte da beratend meine Finger im Spiel), hätte die Firma, die die App produziert womöglich nur aus der Unwissenheit des Kunden heraus die Anwendung nicht verkauft.

Hier ist niemand ein Vorwurf zu machen aber es zeigt für mich deutlich, dass wir längst über das Stadium hinweg sind, wo sich die Fachabteilung, die mit IT-Technologien oder gar dem Internet aktiv arbeitet, nur das notwendigste zu wissen. Hier muss beständige Weiterbildung gerade in den neuen, im entstehen begriffenen Technologien geschehen, im gerade die Potentiale zu erkennen, die es für die Zukunft ermöglichen, etwas zu vereinfachen oder gar eine Marktführerschaft zu erlangen. Auf einen neuen Internet Trend aufspringen ist leicht, aber es ist sehr gefährlich, wenn man hier zu lange wartet. Besser ist es, auch mal einen Trend mitzumachen, der später im Sande verläuft, als erst dann einzusteigen, wenn der Markt bereits aufgeteilt ist. Und meine Erfahrung aus mittlerweile 30 Jahren IT und ca. 20 Jahren Internetentwicklung und Beratung zeigen mir. Die Zyklen werden immer kürzer. Mittlerweile reichen ca. 3 Jahre um zu erkennen, ob eine neue Technik oder Plattform dauerhaft besteht, oder wieder verschwindet.

Aber es ist elementar, dass ein grundlegendes Verständnis für die Möglichkeiten der IT vermittelt wird. Und für die Wichtigkeit, beständig auf dem Laufenden zu bleiben. Sonst kann es sein, dass man vom Markt abgehängt wird, ohne es wirklich zu verstehen.

Noch ein weiteres, kurzes Beispiel. Immer noch entwickeln diverse Agenturen Apps zunächst für IOS und dann „irgendwann“ auch für Android. Schaut man sich die Marktanteile an, ist das eine fatale Strategie, weil man dann für eine Minderheit einen Dienst anbietet und der Mehrheit indirekt sagt: Das ist keine Anwendung, kein Dienst für euch.

Das große Problem mit allem IT technischen ist, dass oftmals neue Möglichkeiten entstehen, die so nicht außerhalb des Zirkels der IT „Profis“ gestreut werden. Und wenn, dann in einer Sprache, die nicht wirklich vermittelt, welche Potentiale die neue Technik hat. Das ist, neben der leider in Deutschland weit verbreiteten Technologiephobie ein Hauptproblem, warum oft komplexe Lösungen entwickelt werden, wo man längst mit neuen Methoden viel einfacher und eleganter Probleme lösen könnte.

Worum es in unserer Gesellschaft gehen sollte.

Das Fernsehen berichtet, dass Familien mit Kindern in manchen Städten nach Zahlung der Miete unter Hartz IV Niveau sinken. In Deutschland gibt es Kinder, deren familiäre Verhältnisse so schlimm sind, dass sie ein Leben auf der Straße dem in der Familie vorziehen. Es gibt Frauen, die aus ihrer Beziehung wegen häuslicher Gewalt flüchten. Es gibt Männer, die aus ihrer Beziehung wegen häuslicher Gewalt flüchten. Immer mehr Menschen erkranken an Depressionen und tarnen diese als Burn Out, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden.

Es ist Zeit.

Höchste Zeit.

Zeit etwas grundlegendes in unserer Gesellschaft zu ändern.

Gesellschaft sollte auch Gemeinschaft heißen. Sich gegenseitig helfen, füreinander da sein. Aber eigentlich sollen wir heute alle nur noch funktionieren. Das beginnt schon in der Schule, nein meist schon viel früher, wenn ehrgeizige oder einfach panische Eltern ihre Kinder auf eine extrem fordernde und gleichzeitig unsichere Zukunft vorzubereiten suchen.Statt unsere Kinder aufwachsen zu lassen, ihnen Erfahrungen, Erlebnisse zu bieten, sie zu bilden bilden wir sie aus. Wir bereiten sie nicht mehr auf das Leben, sondern auf die Arbeitswelt vor. Überhaupt ordnen wir uns immer mehr wirtschaftlichen Belangen unter. Man wird schon fast zum Kommunisten abgestempelt, wenn man sich fragt, ob nicht eigentlich die Wirtschaft dem Menschen und nicht der Mensch der Wirtschaft nutzen solle.

Wir leben in einer Welt, in der die Presse, allen voran das Blatt mit den vier blutroten Buchstaben uns immer wieder vorbeten, nur wer Arbeit hat, ist auch ein wertvoller Mensch, wer arbeitslos ist, schmarotzt automatisch.

Wir lassen uns von Wirtschaft und Politik überwachen, ausspionieren, erfassen und auswerten, sind nur noch Humanressource, Humankapital und Wirtschaftsfaktor. Wenn wir krank werden, sind wir ein Kostenfaktor für das Krankenhaus, an dem man nur durch möglichst schnelle Abwicklung verdient. Und unser Hausarzt hat für uns nur so viel Zeit, wie die Krankenkasse ihm für den Kostenfaktor kranker Mensch zu zahlen bereit ist.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der gerade die am hilfsbereitesten sind, die wenig haben und die am egoistischsten, die gar nicht mehr wissen, wohin sinnvoll mit dem Geld und sich deshalb geschmacklosen Tinnef in ihre Häuser stellen. DAS zeigen uns die Unterschichten Trashshows im TV und beweisen uns indirekt, dass viele Vorurteile leider auf wahren Fakten basieren.

Wir leben in einer Welt, in der Institutionen an unserem Geld verdienen und damit spielen, aber uns nur dann Kredit gewähren, wenn wir so viele Sicherheiten bieten, dass wir den Kredit eigentlich gar nicht bräuchten. Eine Welt, in der jemand, der 1 Milliarde Euro Schulden hat vom Vorstand auf einen Kaffee eingeladen wird, während man das Haus des Menschen versteigert, der ein paar tausend Euro momentan nicht zahlen kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir die Natur sehenden Auges zerstören, die Wirtschaft, die protzige Autos baut unterstützen und alternative Energien so lange kaputt verwalten, bis sie bankrott sind. In der wir Milliarden in menschenmordende Technologie stecken, die dann doch nie fertig wird, aber nicht einsehen wollen, dass es für unsere Gesellschaft finanziell möglich wäre, allen Menschen ein lebenswürdiges Leben zu bieten und sie durch ein bedingungsloses Grundeinkommen wirtschaftlich abzusichern.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir Lebensmittel bewußt vernichten, um „die Märkte zu schützen“,in der es ernsthaft Konzerne gibt, die Wasser als Wirtschaftsgut sehen und wir es zulassen, dass Kinder an Hunger sterben oder an den Ausdünstungen dessen, was wir als Konsummüll in deren Länder exportieren.

Oder leben wir wirklich in dieser Gesellschaft? Verabschieden sich nicht immer mehr Menschen daraus, okkupieren, was sie zu zerstören droht? Bohren mit dem Finger in den Wunden der Politik, die uns allen misstraut, uns überwacht und für Terroristen hält?

Wird es nicht endlich Zeit, uns ernsthaft zu „empören“? Zu hinterfragen, wer hier eigentlich über unsere Werte und Menschenwürde bestimmt? Wer unseren Kindern die Jugend und den Vätern und Müttern das Einkommen raubt? Wer Kunst und Kultur, Gesundheit und Gemeinschaft dem Kommerz und dem Profit opfert, opfert geistige den materiellen Werten, opfert das Herz dem (Un-)Verstand.

Viele sagen, wir klagen auf hohem Niveau. Ja, das tun wir, wenn wir nur in unserer eigenen Gesellschaft klagen. Aber wir sind EINE Menschheit, und was wir hier in Europa tun, dank der von der Wirtschaft für so wichtig erachteten Globalisierung weltweite Auswirkungen. Es wird Zeit für eine globalisierte Wut. Und für eine neue globalisierte Gesellschaft, die das Wohl der Menschen endlich wieder an erste Stelle setzt.

Oder wie es John Lennon sang: „They say, I am a dreamer. But I’m not the only one“ (Hoffe ich)

Der „Ich mache das schon 20 Jahre, ich kenne mich aus“ Irrtum

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Den Wandel akzeptieren du musst.

Einer der beliebtesten Irrtümer in der heutigen Zeit, und das explizit nicht nur im Beruf ist die „Ich mache das schon so lange, so stimmt das“ Regel.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich mittlerweile permanent wandelt. Technologien, die gestern noch modern waren sind heute veraltet. Und was die meisten nicht beachten, das gilt mittlerweile ebenso für das eigene Wissen, die eigenen Erfahrungen. Was gestern noch korrekt gehandelt war, kann heute bereits falsch sein.

Wir müssen beständigen Wandel als Teil unserer Kultur akzeptieren. Nicht, weil wir uns immer schneller ändern müssten, aber weil wir beständig fragen sollten: Ist mein Tun von gestern heute noch opportun? Muss ich meine Sichtweise auf die Dinge ändern?

Und was ganz wichtig ist, wir sollten uns auch beständig, schon mit Blick auf das eigene Leben fragen: Was kann ich weglassen, das ich früher getan habe? Welche Rituale sollten überdauern, denn wir alle brauchen Rituale um Struktur in unser Leben zu bekommen. Aber Rituale um der Rituale willen sollten hinterfragt werden.

Das heißt nicht, dass unser Leben dadurch komplizierter werden muss. Oft hilft es schon sich zu sagen: Gut ist gut genug ;).

Ein absolut wichtiger Punkt ist bei all dem Wandel, sich bewusst zu machen, dass Perfektion bei beständigem Wandel nicht nur anstrengend sondern geradezu kontraproduktiv sein kann. Denn wenn man etwas perfekt machen will, hält man sich oft viel zu lange bei der Sache auf. Wichtig ist oft, es so gut zu tun, wie es notwendig ist. Das bedeutet auch, dass tiefgehende Expertise in einem Gebiet oft nicht mehr sinnhaft ist, wenn dieses Gebiet zu speziell ist oder schon heute absehbar, dass sich Gegebenheiten wandeln werden. Ich lerne nicht mehr eine Programmiersprache und versuche diese so tief als möglich zu beherrschen. Ich sollte mir die Prinzipien der Programmierung aneignen, um gegebenenfalls auf eine andere Sprache umsteigen zu können.

Das ist eines der grundlegenden Dinge, die ich auch meinen Kindern zu vermitteln versuche. Nicht die eine Sache tiefgehend zu beherrschen sondern die zu Grunde liegenden Prinzipien gelernt zu haben, um auch wenn sich das Gebiet wandelt, das Prinzip zu verstehen ist Schlüssel dazu, auch in einer sich ändernden Umwelt zu bestehen.

Du bist ersetzbar. Na und?

Neulich stolperte ich auf Twitter über folgenden Tweet: tweet

Meine direkte Antwort war:

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Und dazu stehe ich, aber ich denke, es kann nicht schaden, nochmal genauer darzustellen, wie ich das meine. Wir leben alle in einer immer vernetzteren Welt. Und das, was ich einmal gelernt habe, ist oft schon nach einigen wenigen Jahren veraltet. Ich muss also beständig lernen, mich weiterentwickeln, und das eigenständig, nicht erst durch Anforderungen von Vorgesetzten oder Umfeld.

Aber diese Weiterbildung ist oft nicht so gut dokumentiert, oder gar jenseits von formalen Schulungen, denn vieles ist so aktuell, dass es dazu noch gar keine Schulungen gibt. Die alte Schule sagt aber, halte dein Wissen bei dir, mach dich unentbehrlich, sonst wirst du irgendwann ersetzt.

Das ist ein Denken, das vielleicht vor ca. 10 oder 20 Jahren funktioniert haben mag (mal davon abgesehen, dass es noch nie zielführend war, Wissensmonopole anzuhäufen). Doch wenn ich mein Wissen heute nicht nach außen trage, erfährt niemand davon, kann ich es nicht validieren und mache mich möglicherweise gerade dadurch ersetzbar, dass meine Skills niemand kennt. Zudem arbeiten wir mittlerweile in so komplexen Strukturen, dass der einzelne lediglich als Teil einer größeren Gruppe noch etwas bewirken kann. Wir brauchen also Menschen, die bereit sind, Wissen zu teilen, die es beherrschen, aus einzelnen Talenten und deren Wissen etwas übergeordnetes zu erstellen. Jeder ist heutzutage mit etwas Aufwand ersetzbar. Aber tut mir leid, das so schreiben zu müssen. Das war schon immer so. Auch wenn jemand dir erzählt, deine Person sei unersetzlich würde es mit Sicherheit, solltest du kündigen, ausscheiden oder Gott bewahre durch einen Unfall ums Leben kommen ziemlich schnell einen Ersatz für dich geben. Mit unseren Fähigkeiten und Begabungen sind und bleiben wir ersetzlich.

Aber der Mensch, der wir sind, der Charakter, die Persönlichkeit ist es, was uns unersetzlich macht. Es gibt jeden von uns nur genau ein Mal. Und oft ist es im Team weniger wichtig, welches Wissen ich besitze, sondern wie sehr ich zum Teamzusammenhalt, der Teammotivation beitrage. Es gab schon Teams, die haben sich von scheinbaren Minderleistern getrennt, nur um später erkennen zu müssen, dass genau diese Personen es waren, die durch ihre positive Persönlichkeit die Teammotivation gefördert und durch ihre freundliche Art die Grundstimmung oben gehalten haben.

Es gibt Werte jenseits von Tätigkeit und Wissen, die für ein Unternehmen wichtig sind. Und das sind und bleiben eben auch die Menschen, die dort arbeiten, nicht weil sie etwas bestimmtes können, sondern weil sie so sind wie sie sind.

Vom Recht UND der Pflicht zur Information

Gerade in der aktuellen Krise wird den Banken ja oft vorgeworfen, schlecht informiert zu haben. Aber sind wir mal ehrlich. Oft fehlt es doch auch uns selbst am Willen zur Information. Denn Unternehmen sind gewissen Informationspflichten unterworfen, denen sie in den meisten Fällen auch nachkommen.

Aber kommen auch die Kunden immer ihrer Pflicht nach, die angebotene Information aufzunehmen?  Ich habe ja ein besonderes Faible für den Begriff „Medienkompetenz“. Ich würde ihn hier aber sogar ausweiten auf „Informationskompetenz“. Wenn ich im Alltag manchen Gesprächen lausche und höre, was so alles geglaubt wird, nur weil es in der Zeitung (oft der mit den vier Buchstaben) steht, oder weil es irgendein Privatsender gesendet hat, dann wundert mich nicht mehr, dass viele Menschen auf Angebote „reinfallen“, die nicht zu ihnen passen. Auch wenn es anstrengend sein mag, ein gewisses Maß an vernünftiger Recherche, an sich informieren sollte auch vom „Durchschnittsbürger“ einforderbar sein.

Wenn ich etwas anschaffe, dann versuche ich zumindest verschiedene Alternativen zu untersuchen, wenn ich eine Information im Fernsehen präsentiert bekomme, die mich zum Ändern eines Verhaltens auffordert, hinterfrage ich die Quelle, versuche, mehr dazu zu erfahren.

Es kann nicht angehen, dass wir alle über eine Informationsflut klagen, dann aber die meisten nicht mal einen Bruchteil dieser Informationen für sich nutzen. Das ist etwas, was ich fest im Schulkurrikulum verankert sehen möchte. Zu erlernen, wie man recherchiert, wie man Information bewertet und für sich nutzt. Also sogar noch mehr als Medienkompetenz, Informationsverarbeitungs- und Bewertungskompetenz sollte gelehrt werden.

Sind wir wirklich alle Blender?

Ein sehr schöner Text in der Süddeutschen brachte mich auf diesen Gedanken. In „Viel Lärm um nichts“ schreibt der Autor  Alexander Hirschmann von der inhärenten Angst, irgendwann könne jemand aufstehen und ihm ins Gesicht sagen: „Du kannst nichts, du tust nur so.“

Auch wenn ich diese Angst auf den ersten Blick ziemlich merkwürdig fand, sind mir doch einige Punkte eingefallen, die wir alle, die wir nicht in direkt etwas produzierenden Berufen tätig sind, uns immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten.

Ein Schreiner, ein Maler, ja selbst ein Musiker haben etwas, das sie produzieren, dessen Qualität an einem Produkt bewertet werden kann.

Bin ich aber Projektleiter, Werber oder in einer anderen Branche tätig, die mit abstrakten Vorgängen beschäftigt ist, wird es immer schwerer, die wirklich „gute“ Arbeit zu beurteilen. Denn was gut ist, hängt auch immer von den anderen ab. Und sobald es um abstrakte Tätigkeiten geht, die viel mit Schreibtischarbeit zu tun haben, mit verwalten und organisieren, wer mag da sagen, was gut ist?

Ist jemand schlecht, weil sein Projekt nicht in Time und Budget fertig wurde? Zu kurz gedacht, denn jeder gute Projektleiter weiß, dass immer äußere Einflüsse die beste Planung zunichte machen können.

Wir sollten einfach mal die Messlatte nicht zu hoch hängen und uns darüber klar werden, dass all das gelernte der Vergangenheit nur eine Vorbereitung war und vieles davon mit Recht vergessen wurde. Wer beständig bereit ist, sich zu verändern, neues zu lernen, Grenzen zu überschreiten und sich auch mal in Themengebieten umzuschauen wagt, die für ihn eigentlich fremd sind, entwickelt sich weiter. Vermutlich ist das auch die wichtigste Begabung. Die Bereitschaft, den Status Quo stets zu hinterfragen, immer wieder neue Themen annehmen zu können.

Ich habe mich lange schwer getan mit dem Wechsel, den ich Anfang 2012 gewagt habe. Als Herzblutinformatiker ins Marketing zu wechseln. Aber es ist Online Marketing und in den letzten Jahren habe ich für mich erkannt, dass mich immer weniger das Schrauben an den Details eines Programms oder Problems faszinierte, sondern die Entwicklung von Konzepten, wie die Technologien nutzbringend angewendet werden können. Auftritt Social Media. Das war und ist für mich so etwas wie ein Paradigmenwechsel auf allen Ebenen. Und hier wollte und will  ich mitmischen. Ebenso an anderen Möglichkeiten, die das Netz bietet und noch bieten wird. Denn immer noch wiederhole ich gebetsmühlenartig: We ain’t seen nothing yet. Wir sind erst am Anfang dessen, was ich als die digitale Revolution sehe.

Also raus aus der Komfortzone.

Und dann ist es natürlich, dass man auch an sich zweifelt. Nur wer zweifelt versucht auch, die Zweifel aus dem Weg zu räumen, sich zu verbessern. Zu viel Selbstsicherheit schadet nur. Das ist zwar manchmal schwer zu ertragen, aber vermutlich Teil dessen, was all jene erleben, die neue Felder betreten.

Ja, es ist gut dass wir Angst haben, aber wir sind nicht allein 😉 Und das will ich auch meinen Kindern vermitteln. Mir schickte ein Twitter Follower vor kurzem folgenden schönen „Sinnspruch“: Die Kunst am Eltern sein ist, den Kindern die Herausforderungen zu bieten, an denen sie positiv wachsen.