Lässt sich Social Media kommerzialisieren? Nein, aber ernst nehmen!

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Social Media ist keine Technologie, sondern eine Geisteshaltung

Oft werde ich mit der Frage konfrontiert, ob man mit diesem Social Media Krams überhaupt als Unternehmen Geld verdienen kann. Die Antwort ist bei weitem nicht so einfach, wie viele glauben. Zum einen ist Social Media ein schwieriges Medium (schön wird das in einem brillianten Artikel von Mirko Lange in der Huffington Post), das sich nicht so einfach mit den „klassischen Marketingmethoden“ aus den Lehrbüchern bearbeiten lässt. Zum anderen sehend as viele Entscheider zwar als etwas, das man mal tun sollte, setzen sich dann aber nicht wirklich damit auseinander, was dies bedeutet. Resultat oft, es gibt zwar ein Social Media Budget aber kein Konzept. Oder ein Social Media Budget, ein Konzept, aber niemanden, der das zu 100% umsetzen kann.

Und hier gleich mal die schlechte Nachricht. Auch wenn viele Social Media immer noch für eine Spielerei halten, es ist ein schwieriges Geschäft.
Denn im Gegensatz zu allen anderen Kanälen ist Social Media interaktiv. Ja, das mag so manchen befremden, aber es reicht nicht, in die Social Media Kanäle seine Verkaufsbotschaften hinauszublasen, die will schon kaum jemand in Fernsehen und Print ernsthaft sehen, in Social Media können zu platte Werbemaßnahmen aber völlig nach hinten los gehen.

Vergleichen wir doch mal eine beliebige Social Media Plattform mit einer großen privaten Party. So abwegig ist das gar nicht, denn die primäre Funktion von Social Media Diensten wie Facebook und Twitter FÜR DEN KUNDEN ist nicht, darüber Werbung zu bekommen, sondern mit Freunden und Bekannten Bilder, Nachrichten, Botschaften auszutauschen.

Man stelle sich vor, ein in den Farben des Unternehmens verkleideter Marketingfuzzi würde auf einer privaten Feier herumtänzeln, jedem, der es sehen will oder auch nicht seine Werbeflyer aufdrängen und immer mal wieder zum Xten Mal ein IPad verlosen. Denn würden wir doch alle achtkant rauswerfen? Ja, und das machen wir alle halt auch in den Social Media Plattformen. Wir blockend die Werbebanner, „unliken“ die Firmenseite, wenn außer Marketinglügen, die immer alles schön und toll und viel besser als die Konkurrenz und unschlagbar anpreisen. (Eine Keynote eines beliebigen Herstellers zu einem neuen Produkt und man kann für zig Runden Buzzword Bingo leere Werbeworthülsen wie „fantastic“, „gorgeous“, „gamechanging“ aufschnappen)

Bestand hat in Social Media nur ein Unternehmen, das sich ernsthaft mit den Belangen der Kunden auseinandersetzt. Das Kritik annimmt, auf Augenhöhe kommuniziert und mit den Kunden ehrlich umgeht.

Allen anderen kann ich nur sagen: Blast ruhig weiterhin euer Werbebudget in Print Anzeigen und verblödende TV Werbung. Die wollen wir zwar auch nicht sehen, aber da bekommt ihr das wenigstens nicht so direkt mit 😉

Wer sich weiterhin beklagt, dass die Kunden diese bösen Adblocker nutzen soll bitte nur einen ganzen Tag durchs Netz surfen und mir dann sagen, ob ihn die Flut an dummer Werbung annervt, die zum Teil genauso hirnverbrannt daherkommt wie die Printwerbung.

Sich in Social Media zu bewegen bedingt, dass man die Mechanismen versteht, dass man sich vernetzt, sich kümmert, aktiv ist, Blogger und Twitterer ernst nimmt, sie mit einbezieht und zu Fürsprechern fürs Unternehmen macht. Nicht durch plumpes Kaufen, sondern dadurch, das man sie ernsthaft vom Produkt ÜBERZEUGT! Was ich hier im Blog teste, habe ich wirklich in Händen gehalten, ausprobiert, getestet und meine Bewertungen dazu sind objektiv. Das ist Bedingung, das vergessen aber leider manche bei der Anfrage. Denn ich kann als Blogger nicht ernst genommen werden wollen, wenn ich mich von Unternehmen für positive Urteile bezahlen lasse. Meine erste Frage bei jeder Kooperationsanfrage ist deshalb auch: Darf ich auch darüber schreiben, wenn mir das Produkt nicht gefällt?

Das ist der Lakmustest für die Unternehmensanfrage. Nur, wer hier souverän genug ist, dieses Risiko einzugehen, hat bei mir eine Chance im Blog besprochen zu werden. Und, Achtung, das überrascht jetzt manche Unternehmen vielleicht, das ist bei JEDEM guten Blogger so. Also wenn euch jemand freudestrahlend sein Blog anbietet für eine geschönte Werbemaßnahme, tja, dann könnt ihr das Geld auch gleich verbrennen. Viel wert ist so ein Beitrag nicht.

Wenn man aber auch mit Bloggern auf Augenhöhe kommuniziert, dann hat man einen Marketinggewinn, der mit nichts sonst zu vergleichen ist. Ehrlich, offene und vor allem mit Reichweite gesegnete Mitglieder der Community. Ich kenne einige Firmen, die das begriffen haben. Aber viele stehen noch vor einem langen Weg.

Man kann wirklich sagen. Social Media ist in der Gesellschaft angekommen. In den Unternehmen bis auf ganz wenige Ausnahmen noch lange nicht.

Mobile Computing ist die Killertechnologie für Social Media

Das Smartphone macht uns nicht zu virtuellen Menschen sondern verknüpft uns real viel besser
Das Smartphone macht uns nicht zu virtuellen Menschen sondern verknüpft uns real viel besser

Ich weiß, etwas provokant die These. Aber ich denke, da steckt viel wahres drin. Denn so lange ich dazu gezwungen bin, meine Social Media Aktivitäten nur an „bestimmten Orten“ durchführen zu können, ist Social Media nicht integraler Bestandteil sondern getrennte Technologie. Das „Immer erreichbar“ Prinzip hat damit nicht unbedingt etwas zu tun. Vielmehr ist es das „immer sozial sein können“ Prinzip.

Denn Social Media funktioniert, entgegen der Meinung so manchen Social Media Kritikers eben nur dann wirklich gut, wenn ich es mit dem real sozial sein verknüpfen kann. Wenn ich auch mal von dem Konzert, bei dem ich gerade bin, von der Konferenz oder einfach nur in einer Auszeit, in der ich mich mit anderen austauschen möchte auch posten kann.

Das ist wohl der wichtigste Indikator dafür, dass die Trennung zwischen virtueller und realer Welt mittlerweile nur noch abstrakt in den Köpfen der Gesellschafts- und Technikkritiker steckt.

Wer lange mit Social Media vertraut ist merkt, wie es zu einem integralen Bestandteil eben auch der realen Welt wird. Mein Netzwerk nutze ich, um Fragen beantwortet zu bekommen, um herauszufinden, wo ich in einem bestimmten Ort am besten Essen gehe oder ins Kino, um mich sehr informell und einfach mit Bekannten in einer fremden Stadt treffen zu können und um mich über meine Interessen und Hobbies, aber auch meine Arbeit oder Forschung mit Menschen austauschen zu können. Es geht nicht darum, vor der realen in die virtuelle Welt zu flüchten, es geht darum, die reale Welt besser zu vernetzen, in dem man virtuelle Bande knüpft, die im realen Auswirkungen haben.

Wir alle tendieren dazu, in neuen Technologien zunächst eine Gefahr zu sehen, etwas, das alles schlechter werden lässt. Dabei übersehen wir viel zu oft die Chancen. Wer aber dauernd zum Wohle der anderen denkt und handelt tut nicht zwangsweise etwas für deren Wohl.

Nur weil ich selbst nicht damit zurecht komme, zwischen erreichbar sein, wenn ich will, und erreichbar sein, wenn andere wollen dies als Gefahr für alle zu sehen, ist ein ungültiger Schluss. Wie oft und wie sehr ich erreichbar bin, liegt und lag schon immer in meiner Verantwortung. Aber ich kann mich vernetzen, unabhängig von Zeit und Ort. Das ist die große neue Chance der Kombination mobiler Endgeräte und Social Media. Nicht umsonst erfolgen heutzutage mehr Zugriffe auf Social Media Portale von Smartphone oder Tablet als von Desktop PC oder Notebook.

O2 oder: Kundenservice über Twitter, wie er sein sollte.

Ich bin als Blogger auch häufig unterwegs und blogge via UMTS über meine Erlebnisse bzw.von Barcamps  oder Konferenzen. Dafür reicht meine Datenflatrate von O2 aus, aber gelegentlich passiert es auch mir, dass ich vor Ende der Flatrate doch noch zu viel Monat übrig habe.

Bislang habe ich das Zusatzpacket dann nicht gebucht, weil es mir einfach zu kompliziert war. Dachte ich. Denn warum auch immer setzte ich neulich einen Tweet an @02de ab, aus dem sich ein Kurzdialog mit folgendem Inhalt entspann:

2013-08-15 14_57_50-Uwe Hauck (bicyclist) on Twitter

Erst mal ne tolle Ansage, der ich aber nicht so wirklich glauben schenken wollte, weil man als jemand, der sich intensivst mit Social Media beschäftigt diese Versprechen ja kennt, die nicht sehr viel mehr sind als Werbegewäsch.

Doch dann, wie der Zufall so will, geht diesen Monat meine Datenflat doch tatsächlich knapp eine Woche zu früh zu Ende.

Ich erinnere mich an den Chat mit O2 und nehme den Ball wieder auf:dialog2

Worauf O2 tatsächlich reagiert, und zwar so positiv, wie ich gar nicht zu hoffen wagte:

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getwittert getan, sie bekamen gewünschte Infos und binnen zweier weiterer Tweets, die natürlich wegen des Datenschutzes via DM gingen,  konnte ich wieder mit voller Geschwindigkeit surfen. Ich bin ja mit O2 in meiner Umgebung, wo ich wohne und arbeite sehr zufrieden, weil ich fast immer HSDPA bekomme, aber ich muss sagen, nicht erst seit diesem Beispiel bin ich persönlich auch von dem O2 Service via Social Media sehr angetan.

Neben simyo (gell @manumarron) muss ich sagen, ist O2 jetzt die zweite Company, die mich auch via Social Media überzeugt und einen wirklich super Service abliefert.

Danke dafür O2, so gewinnt man nicht nur Kunden, so macht man Kunden zu Fans.

Und ja, ich weiß, andere haben da negative Erfahrungen gemacht und würden nie wieder…. Aber mal ganz ehrlich. Das höre ich von jedem Telko Provider und im Gegenzug auch diverseste Postings, die mit eben diesem hochzufrieden sind. Für mich hat O2 überzeugt, nicht weil jemand geschimpft oder gelobt hat, sondern weil sie wirklich einen Service nahe am Kunden bieten. Und erzählt mir nix von, das ist ja wohl das wenigste. Nein, ist es nicht, es gibt diverse Companies, die hier wirklich nix drauf haben.

Es gibt sie doch, die guten Beispiele von Social Media durch Unternehmen.

Und danke an (VR) und (MS), die beiden Mitarbeiter, die mit mir kommunizierten: Wer auch immer hinter diesem Kürzel steckt, ihr habt O2 wahrscheinlich viel mehr geholfen, als jede TV Werbung das kann 😉 .

 

Baden Württemberg verbietet Lehrern Facebook nicht so richtig aber dann doch

Oh je, da hat wohl jemand Angst vor diesem Neuland, zu dem alle Internet sagen. Wie der Spiegel berichtet untersagt das Baden Württembergische Kultusministerium Lehrern jegliche dienstliche Kommunikation in den Sozialen Netzen. (Wer es nicht glaubt, hier gibts das Machwerk zum Nachlesen)

Statt ins Kurrikulum Social Media und Medienkompetenz aufzunehmen, verbietet man den Lehrern mal lieber gleich jede dienstliche Kommunikation. Ganz großes Kino. So etwas nenne ich ewig gestrig. In Zeiten, in denen sich so ziemlich jeder einigermaßen affine Mensch über Facebook austauscht, verabredet und chattet, sollen gerade diejenigen, die unsere Kinder zu mündigen Bürgern erziehen sollen in dem Netz, das Lebensraum der Jugend geworden ist, nicht agieren dürfen, außer auf privater Basis. Ach. Und wie sieht da bitte schön die Trennung aus? Muss ich dann jegliche Anfragen von Schülern ignorieren? Die Augen zu machen, wenn ein Schüler etwas entsprechendes postet, denn auf die etwaige Untauglichkeit des Posts darf ich als Lehrer ja nicht hinweisen, nur als Privatperson. Aber wenn es sich um ein schulisches Thema… Ach lassen wir das. Bescheinigen wir unseren Politikern einfach wieder ein Mal, was wir schon lange wissen. Von der digitalen Welt haben sie aber auch wirklich so gar keine Ahnung.

Dazu fällt mir nur noch ein: Kultusministerium, setzen, sechs. Und das poste ich auch auf Facebook. Und ich hoffe, dass die Schule meiner Kinder diesen Blödsinn einfach als das nimmt, was er ist. Ein weiteres weltfremdes Verbot ewig gestriger, das mit der Realität nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

Unruhige und immer digitalere „Alte“

Wieder mal eine interessante Infografik, an der mir besonders zwei Punkte interessant erscheinen:

Zum einen werden die „Senioren“ immer fitter und zum anderen finde ich die Zahlen über das Surfverhalten sehr interessant. Vor ein paar Tagen noch habe ich einen Vortrag gehalten und auch ein Ranking der sozialen Netzwerke nach Nutzern gezeigt, dort war wer-kennt-wen auf Platz 2! Jetzt wird mir auch klar, warum. Das scheint spezielle eine Plattform für die ältere Generation zu sein, oder wie seht ihr das?

Ist auch interessant, über diese Auswertung mit Blick auf meinen Artikel über den Generationenbegriff  nachzudenken. Was davon ist wieder Pauschalplatz, was wirklich relevante Info?

 



Nicht ständig erreichbar, sondern erreichbar wenn ich will

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Meine Kommunikationswerkzeuge sind zum Teil immer erreichbar. Ich nicht, denn dafür habe ich diese Werkzeuge ja.

Einer der großen Irrtümer der modernen Arbeitswelt ist, dass wir in Zukunft ständig erreichbar sein werden.
Das ist aus der technischen Sicht sicher richtig. Aber das ignoriert, dass sich mit den neuen Möglichkeiten auch ein Kulturwandel ergeben muss.

Ich bin zwar scheinbar ständig erreichbar, schreibe den ganzen Tag Twitternachrichten und bin auf Facebook oder Google+ präsent.
In Wahrheit ist nur mein Smartphone always on. Wer mich erreicht, wann und weswegen lässt sich sehr einfach eindämmen.

So erhalte ich echte Hinweise auf eingehende Nachrichten nur von einem sehr kleinen, mir PERSÖNLICH wichtigen Teil. Da ich zudem nur ein privates/Bloggersmartphone besitze, aber im Büro nur erreichbar bin, wenn ich auch am Schreibtisch sitze, ergibt sich für mich hier per se kein Problem. Aber auch wenn man im Büro via Smartphone erreichbar ist, ist es wichtig, hier klare Regelungen und Grenzen der Erreichbarkeit zu vereinbaren.

Auch Twitter nutze ich nicht den ganzen Tag, sondern reagiere auch hier nur auf Tweets eines begrenzten Kreises von Personen und Posts, die von mir tagsüber erscheinen entstehen meist am Vorabend oder am Morgen, wenn ich via Google Reader (UPDATE: Seit 1. Juli via Feedly. sieht eh schöner aus;) ) meine interaktiven Nachrichten lese. Die besten davon schiebe ich dann nämlich mit dem genialen Tool Buffer auf einen Stapel, der im Laufe des Tages von diesem Tool abgearbeitet wird.

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Auf der Smartwatch landen nur noch ganz streng ausgewählte Nachrichten eines sehr engen Zirkels. Alles andere wird gespeichert und beantwortet, wenn die Zeit dafür passt.

Und die Blogartikel entstehen meist abends und werden entsprechend für den nächsten Tag, die nächsten Tage vorbereitet und eingeplant.

Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, jeder Technologie zuzuschreiben, sie würde uns ein bestimmtes Verhalten aufzwingen. Leider oder Gott sei Dank sind wir immer noch selbst für uns verantwortlich und wenn ich die öffentliche Diskussion dieser Tage so beobachte, stelle ich durchaus fest, dass die Menschen wieder verstärkt beginnen, Grenzen zu setzen, für sich zu definieren, wo das Ende der Erreichbarkeit ist.

Ich sehe es vielmehr so. Die neuen Technologien, wenn richtig angewendet, ermöglichen mir einen asynchronen Kontakt mit meiner Umwelt, Reaktionen und Feedback, wann es für mich am geeignetsten ist und einen direkten Filter für die Nachrichten, die mich unbedingt sofort erreichen müssen. Dass hier nur sehr wenige Kontakte in einer solchen „Notfallgruppe“ sein dürfen, ist klar. In meinem Fall beschränkt sich das z.B. auf die Familie.

Blogparade: Faszination Social Media, was ich daran so faszinierend finde

Ein Aufruf zu einer Blogparade. Da sehe ich immer genauer hin, denn hier entstehen oft wundervolle Sammlungen an Meinungsbildern. So etwas erhoffe ich mir auch von der Blogparade „Faszination Social Media“ von .

Was also fasziniert mich so an Social Media. Nun, zum einen natürlich der Vernetzungsaspekt. Egal, welches Interesse man hat, man kann immer Gleichgesinnte oder Diskurspartner finden, die sich mit dem gleichen Thema befassen. Und es entsteht oft ein dauerhafter und fruchtbarer Austausch. Außerdem ist für mich die Faszination auch darin zu sehen, dass ich durch Social Media Möglichkeiten, Chancen, Potentiale habe, die zuvor nie möglich gewesen wären.

Mein Paradebeispiel ist mein Kontakt zu @digitalnaiv alias Stefan Pfeiffer. Kennengelernt habe ich ihn durch ein paar Tweets, in denen er mich fragte, ob ich Interesse hätte, innerhalb eines Workshops auf der re:publica 2010 einen Vortrag zu Linux auf dem Business Desktop zu halten. Klar hatte ich, was ich aber nicht erwartet habe ist, in Stefan so etwas wie einen Bruder im Geiste zu finden, und ja, obwohl wir uns nur gelegentlich übers Jahr hinweg sehen so etwas wie einen Freund gefunden zu haben. Und daraus entstand mehr, denn dieser Blog hat auch bereits weiter abgestrahlt und dazu geführt, dass ich als nebenberuflicher Berater zu Social Media, Arbeitsplatz der Zukunft und Mobile Computing aktiver werde und auch in einigen wissenschaftlichen Publikationen bereits Beiträge geleistet habe.

Für mich ist Social Media keine Technologie, sondern eher ein Enabler, die Möglichkeit jenseits von Hierarchien und Titeln, rein durch die eigenen Fähigkeiten etwas zu bewirken und zu verändern. Und es hebelt auch althergebrachte, oft ärgerliche Mechanismen aus. So zwingt es Unternehmen dazu, ehrlicher zu werden, auf Augenhöhe zu kommunizieren, wollen diese nicht Shitstorms provozieren. Jede Marketinglüge lässt sich durch die Macht der Crowd enttarnen und wenn etwas nicht so funktioniert, wie die Social Media Community es sich vorstellt, dann ist immer häufiger der nächste Schritt das „Selbermachen“ über entsprechende Communities oder Plattformen wie Kickstarter oder Startnext.

Social Media hat ein ungeheures Potential für Wandel. Und das ist für mich vielleicht das spannendste.

Social Media und Hochsensibilität als wichtiges Talent: Boston erlaubt kein Business as usual

Die Ereignisse in Boston sind furchtbar. Man sitzt fassungslos vor den Bildern, fragt sich warum.

Und wer hier auch nur ansatzweise sensibel ist weiß, dass jetzt kein „Business as Usual“ kommen darf. Wer jetzt die gleichen Botschaften nach draußen schickt, sich weiterhin nur um „seine“ Interessen kümmert, der zeigt, dass er ein wichtiges Talent eines guten Social Media Managers nicht besitzt oder zumindest nicht den Freiraum, es auszuleben.

Ich behaupte, der gute Social Media Mitarbeiter hat einen gewissen Hang zur Hochsensibilität, ein ausgeprägtes Gespür für Stimmungen, Wirkungen und vor allem auch (Mit-)gefühl. Denn jetzt gilt es, sehr sensibel zu reagieren. Genau abzuwägen, inwieweit gewisse Inhalte gehen, in wie weit man sich zurückhalten sollte. Wer nun immer noch mit Themen rund ums Laufen wirbt, sollte genau hinsehen, ob er nicht falsche Assoziationen weckt.

Wer weiterhin an seiner weichgespülten „wir sind doch alle so glücklich“ Attitüde in seinen Werbebotschaften auf den sozialen Plattformen anhaftet, der kann schnell erleben, wie die Meinung der Öffentlichkeit sich gegen ihn wendet. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Botschaften für Unternehmen, die ja gemeinhin alles für die Rendite tun.

Sucht euch hochsensible Menschen für die Kommunikation in den sozialen Medien. Denn es braucht viel Feingefühl im täglichen Umgang, Sinn für unterschwellige Stimmungen und vor allem auch das Gefühl dafür, wann Ereignisse in der Welt ein „weitermachen wie bisher“ für eine gewisse Zeit verbieten.

Meine Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien. Und ich hoffe, dass genug Sensibilität bei den entsprechenden Verantwortlichen herrscht um zu erkennen, dass diese Geschehnisse wieder einmal das beste im Social Media Manager herausfordern. Das Feingefühl.

 

Update: Scheine da ein Thema getroffen zu haben, auch von anderer Seite gibt es Hinweise zum richtigen Umgang mit verstörenden Ereignissen im Rahmen von Social Media: The Brand Marketer’s Checklist When Tragedy Strikes