Kein optimierter Arbeitsplatz, aber für mich der ideale Arbeitsplatz als Blogger und Autor. Wir sind alle verschieden.. Gott sei Dank.
Viel wird heute diskutiert über die vermeintlichen zwei Welten des Virtuellen und des Realen. Dabei ist für mich persönlich das ein völliger Blödsinn, da ich ja nicht in der virtuellen Welt nur mit Computern spreche, sondern mit realen Menschen, die ich dann meist in der Realität treffe. Für mich ist die vermeintlich virtuelle Welt ein weiterer Kommunikationskanal in der realen Welt wie auch Brief, Telefon und das Gespräch.
Wo ich aber immer häufiger eine Diskrepanz sehe ist zwischen der realen Alltagswelt der Menschen und der sehr künstlichen Welt im Büro. Und dabei meine ich noch nicht einmal die personelle Zusammensetzung, die gelegentlich auch dazu führt, dass Menschen zusammenarbeiten müssen, die sich im Alltag ganz weit aus dem Weg gehen würden. Es ist vielmehr die immer noch gegebene Surrealität, dass viele noch immer zu erwarten scheinen, dass jeder, der zur Abeit geht, am Eingang seine Persönlichkeit abgibt und zur Arbeiterdrohne wird. Eigenarten, wie sie jede Person hat, versuchen viele Unternehmen immer noch mit Hilfe von Seminaren abzutrainieren, völlig ignorierend dass es oft gerade die Vielfalt der Persönlichkeiten ist, die ein Team voran bringt. Zudem wird eigentlich immer nur der arbeitswillige, extrovertierte, stets fröhliche, stressresistente und eigentlich nur für die Arbeit lebende Menschentyp propagiert. Die meisten Initiativen in Richtung Work Life Balance sind nur ein versteckter Wunsch, dass der Mitarbeiter sich bitte auch in seiner Freizeit für den Beruf fit zu halten habe.
Zudem geschieht es selten, dass ein Büroarbeitsumfeld wie bei Startups den persönlichen Bedürfnissen des Mitarbeiters angepasst wird, meist ist es eher anders herum. Da werden Ergonomienormen aufgestülpt, die dann vielleicht einem Teil gerecht werden, viele andere aber behindern.
Wir sollten vielleicht weniger über die angebliche Flucht der Menschen in die virtuellen Welten klagen, als über die teilweise surrealen Regelungen, die Menschen in der Arbeitswelt in ein ganz bestimmtes Korsett zwingen, das den wenigsten wirklich passt.
Ich bin mir fast sicher, dass auch durch mehr Eingehen auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die wir nun mal alle sind, einiges an Burn out Risiko minimiert werden könnte. Jeder Mensch ist anders, bzw. ist es zumindest bis zum Werkstor. Danach hat er eine einheitliche, normierte Humanressource zu sein. Woran viele krank werden und manche, leider meist die größten Talente gar zerbrechen.
Noch kennen die meisten von uns Roboter primär als Spielzeug oder in der industriellen Fertigung, aber sie sind schon weiter, als wir denken.
Vollbeschäftigung ist immer noch ein Wort, das Politiker gerne heranziehen, wenn sie uns von den Qualitäten ihrer Politik überzeugen wollen.
Aber eigentlich lügen sie uns dann an. Denn was viele nicht wahr haben wollen. Immer mehr auch hochqualifizierte Jobs werden in Zukunft von Robotern und Computern erledigt. Man muss nur mal Ideen wie die Auslieferung per Drohne und selbstfahrende Autos weiterspinnen und schon können ganze Horden von Taxifahrern, Busfahrern, Postboten freigesetzt werden, wie es so schön im Managementsprech heißt. Und dass das nicht heute schon passiert liegt nicht am Wohlwollen des Managements sondern an den bislang noch vorhandenen technischen und rechtlichen Unzulänglichkeiten.
Auf der re:publica wurden erste Softwareversuche vorgestellt, die es ermöglichen, automatisiert (Roboterjournalismus: Wenn Algorithmen Nachrichten machen) und dank Technologien wie „Big Data“ werden auch Talente von Menschen, die früher als unersetzlich gelten plötzlich zumindest auf mittlere Frist ersetzbar.
Hier wäre es an der Zeit, zwei große Fragen zu klären oder zumindest ins öffentliche Bewußtsein zu bringen. Zum einen die ethisch moralische Frage danach, welche Berufe in Zukunft von Maschinen überhaupt gemacht werden sollen (Stichwort Roboter in der Pflege oder bei Aufgaben, die auch Menschenleben betreffen wie Transport größerer Personengruppen). Zum anderen, wie wir uns als Gesellschaft positionieren sollen, wenn es vermutlich schneller, als uns als Gesellschaft lieb sein kann, definitiv nicht mehr genug Arbeit für die große Mehrheit der Bevölkerung gibt. Denn die Wirtschaft ist mittlerweile weitestgehend von den Bürgern entkoppelt. Finanzmärkte, Globalisierung haben dafür gesorgt, dass es nicht mehr wichtig ist, dort, wo produziert wird, auch Kundschaft zu haben. So lange es irgendwo auf der Welt noch einen Wachstumsmarkt gibt, florieren die weltweit agierenden Konzerne. Aber die Bürger in den Ländern, in denen die Erwerbsarbeit verschwindet, bekommen früher oder später Probleme und damit die gesamte Gesellschaft dieses Landes, dieser Region.
Sehr hilfreich finde ich hier die Diskussion über ein Grundeinkommen ebenso wie die Kritik an Hartz IV, das immer noch davon ausgeht, dass wer einmal arbeitslos geworden ist, so er sich nur anstrengt, schnell wieder Arbeit finden kann. Ein großer Trugschluss, vor allem in einer Kultur, die primär auf offiziell erworbene Zertifikate und erlernte Berufe blickt, nicht auf die persönlichen Talente der Person und in der es so etwas wie eine „Überqualifizierung“ gibt.
Während sich Politik, Gewerkschaften und Unternehmen immer noch über solche Fragen wie Arbeitsplatzgarantie, Übernahmegarantie und die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen streiten, wachsen nachfolgende Generationen in eine Situation, in der auch mit hochqualifizierter Ausbildung vermutlich zumindest eine längere Jobsuche ansteht, wenn nicht gar die Erkenntnis, dass der erlernte Beruf mittlerweile von Maschinen besser erledigt wird.
Es ist nicht schwarz oder weiß, nicht alles ist durch Maschinen machbar. Aber ich bin mir sicher, wir werden eine kritische Grenze der Automatisierung in den nächsten 10 Jahren erreichen, die sich massiv auf die Gesellschaft auswirken wird. Und es ist dringend nötig, hier schon Vorarbeiten zu leisten, um dann nicht von der Veränderung überrascht zu werden.
Mir fiel es wieder mal auf einer Konferenz auf. Die re:publica 2014 ein Konglomerat aus Netzaktivisten, Bloggern, Autoren, Journalisten und „ganz einfachen Leuten“.Und es vibriert vor Enthusiasmus, vor Begeisterung vor Lust, zu diskutieren, sich auszutauschen. Dennoch wirkt niemand gehetzt, gestresst. Man nimmt sich Zeit, wichtig ist nur das nächste gute Gespräch.
Auf der Fahrt nach hause, wo auch zu diesem Blogbeitrag die Grundlagen entstanden, machte ich mir dann so meine Gedanken. Warum ist es für viele Menschen im Alltag so viel anders? Warum erlebe ich bei meinen Recherchen und in meinen Workshops und Gesprächen immer wieder zwei sehr gegensätzliche Pole. Da sind zum einen die „geht mir doch weg mit dem ganzen Mist“ Charaktere. Sie machen zwar alles mit, was man ihnen (meist beruflich) vorgibt, sind aber weder mit Herz noch Verstand dabei. Ich nenne sie gerne die Automatenmenschen.
Eine interessante Session war „Burnout and Broken Comment Culture„, die mir vor Augen führte, dass selbst bei den Menschen, die eigentlich in emotional wie auch ökonomisch viel sinnhafteren Welten, denen des Aktivismus leben und arbeiten, viele bereits in die Ökonomisierungsfalle tappen, da sie ja meist gegen genau dieses System kämpfen müssen, und sich dazu oft derer Mittel bedienen müssen, so sehr sie diese auch hassen.
Und dann gibt es da die andere Seite. Traurigerweise meist nur bei den jüngeren. Die Menschen, die brennen für eine Idee, die sich für neues begeistern, die den Wandel leben und in ihrer Arbeit aufgehen, sie neu weiterdenken und enthusiastisch bei der Sache sind.
Das sind die Feuermenschen. Dazwischen? Meist gähnende Leere. Menschen in Balance, die zwar ihre Aufgaben ernst, aber nicht zu ernst nehmen, die willens und interessiert sind, etwas neues zu lernen, ohne es gleich bis ins Detail erfassen zu wollen. Fehlanzeige.
Für diesen Typus Mensch muss ich dann schon auf Konferenzen wie die re:publica fahren.
Oder könnte es sein, dass sich sowohl hinter den Flammen der Flammenmenschen als auch hinter den meist toten, kalten Blicken der Automatenmenschen eigentlich der wirklich Mensch nur versteckt?
Haben wir verlernt, ein Leben zu leben und leben nur noch eine Erwerbsarbeit oder fokussieren uns aus Angst vor Versagen so sehr auf unser Thema?
Denn eines habe ich auch bereits des öfteren beobachtet. Und hier kommt mir zum ersten Mal mein Alter zu gute. Viele der Flammenmenschen verlöschen irgendwann. Und wenn sie Glück haben, dann werden aus ihnen Automatenmenschen. Haben sie Pech, fallen sie gänzlich aus dem System und ihre Flamme verbrennt sie, sie erleben ihren ganz persönlichen Burn Out.
Eine ebenso inspirierende Session dazu war „One day we will be tired baby“:
Leider scheint auch dort die beste Botschaft zu sein: Werde selbständig, alles andere ist schwer.
Interessant hierbei, obwohl die Medien das häufig und gerne falsch koloportieren. Online Sucht ist KEINE anerkannte Erkrankung sondern eigentlich nur aus einem Witz eines Psychiaters entstanden.
Ich kenne in meinem Umfeld einige, die voller Begeisterung und Ideen für ein Thema, ihre Aufgabe gekämpft haben. Und plötzlich von Heute auf Morgen verschwunden waren. Länger, überraschend. Jüngster Fall mittlerweile 6 Monate und Rückkehr ungewiss.
Woher kommt das? Ich denke, es gibt mehrere Faktoren, die zusammenspielen und in der aktuellen Wirtschaftsgesellschaft verstärkt wirken.
Zum einen ist es der Fokus der gesamten Gesellschaft auf Ökonomisierung. Alles ist dem ökonomischen Aspekt unterzuordnen. Das greift mittlerweile sogar bis ins Privatleben. Wenn ich aber auch den Menschen zu einem Wirtschaftsfaktor, oder wie die schlipstragenden Beraterfuzzies so gerne sagen, zu einer fakturisierbaren Humanressource degradiere, dann muss diese Ressource eben auch wirtschaftlichen Kriterien genügen. Und diese heißen auch heute noch, obwohl wir es besser wissen müssten: Wachstum, mehr, besser, höher. Dabei hat jeder Mensch natürlich Grenzen. Und auch wenn uns das so manch einer einreden will: Eine Kultur der Spitzenleistung geht nur über einen sehr begrenzten Zeitraum. Denn niemand ist in der Lange IMMER sein bestes zu geben. Aber eben diese Spitzenleisterkultur fordert genau das.
Der nächste Denkfehler besteht darin, durch Rationalisierung nicht das erreichen zu wollen, was ich als die ureigenste Idee des Einsatzes von Maschinen betrachte, nämlich dem Menschen die Arbeit zu erleichtern. Nein, meist werden Maschinen eingesetzt, um den ach so unvollkommenen Menschen zu ersetzen oder in zu noch mehr Arbeit in der gleichen Zeit zu pressen. 100% Leistung, auch wenn eigentlich jeder wissen müsste, wie dumm diese Forderung ist.
Aber wir leben in einer Zeit der Manager, nicht der Unternehmer. Wer als Manager unternehmerisch denkt, der muss in einer Nische tätig sein, oder damit klar kommen, dass er seinen Posten nicht lange inne haben wird.
Schneller Profit, kurzfristiger Gewinn und der unsägliche weil extrem irrelevante „Shareholder Value“ bestimmen die Strategie eines Unternehmens, schon lange nicht mehr das Streben nach guten, nachhaltigen Produkten oder zufriedenen Kunden. Das hört man zwar dauernd in der Werbung. Aber wir wissen ja, wie ehrlich Werbung zu uns ist.
Gefunden bei echtlustig,com, aber leider noch viel zu häufig wahr.
Wo ist hier aber nun der Unterschied zu dem situativen Kontext, wie ich ihn auf der re:publica erlebt habe?
Nun, dort wird nicht nach dem Wert eines Menschen gefragt, dort ist jeder Mensch per se wert. Dort müssen sich auftretende Unternehmen oder Firmenvertreter rechtfertigen, was sie denn jenseits von Shareholder Value zur Gesellschaft beitragen.
Oder um es einfach zu fassen, auf solchen Konferenzen geht es um die Gesellschaft der Menschen, während es im Alltag der meisten Menschen um die Ökonomie der Unternehmen geht.
Ersteres ist für den Einzelnen, letzteres für die anonyme Wirtschaft, die einem idiotischen weil selbstzerstörerischen Dogma des unendlichen Wachstums hinterherhinkt.
Und als „humaner“ Teil dieses Rädchens, so man nicht den großen Mut aufbringt, selbständig tätig zu werden und auf viele Annehmlichkeiten des Angestelltenlebens zu verzichten, um also als humaner Teil zu bestehen, tja, da gibt es außer in ganz wenigen Ausnahmen für die meisten Menschen nur zwei Lösungsszenarien, Verbrennen, oder verblassen, Innere Kündigung oder Burn Out. Und wenn man die Studien der letzten Jahre liest, erkennt man den Trend. Beides steigert sich.
Und anstatt sich um die wirklichen Gründe zu kümmern, anstatt zu entschleunigen und den Menschen die oft vor allem gewünschte Sicherheit zu geben, kommen dann Sprüche wie „Fördern und Fordern“, „Change-Management“ und der hundertste Workshop darüber, wie man besser miteinander arbeiten könnte, der dann nach einigen Monaten mitsamt der Ergebnisse in irgendeiner Schublade verschwindet und durch einen weiteren Workshop abgelöst wird.
Dabei ist es so einfach, man müsste nur den Druck rausnehmen, Freiheiten ermöglichen, Fehlerkultur nicht nur fordern, sondern auch leben. Aber wer seine Mitarbeiter immer noch jährlich im Gespräch „Führungskraft da oben, Mitarbeiter da unten“ bewertet, der wird auch weiterhin Verbrennen wie Verblassen erleben und nur auf ein ganz kleines Quäntchen von Mitarbeitern zurückgreifen können, die jenseits dieser beiden extreme (noch) arbeiten.
Ich bin nicht always on oder sometimes off. Für mich ist Internet wie Strom: Es ist da, und ich nutze es.
Ich wage zu behaupten, wir dürften im Moment in den meisten Unternehmen fast nur noch Verblasser oder Verbrenner erleben. Erstere als das Heer der Arbeiterameisen, letztere als das Heer der Leittiere, die dann irgendwann auf der Führungsetagenschlachtbank landen.
Vielleicht ist es an der Zeit, der Wirtschaft mal vor Augen zu führen, dass sie, auch wenn sie das sicher nicht gerne hört, ohne eben diese ausbrennenden oder verblassenden Humanressourcen auf lange Sicht nicht existieren kann, und dass der Reichtum weniger auf eben den Schultern vieler „Humanressourcen“ entstanden ist. Auch wenn das die Wohlhabende Minderheit nicht hören will. So leid es mir tut, aber auch sie ist Teil der Gesellschaft und wird früher oder später darunter leiden, wenn es der Gesellschaft als ganzes nicht gut geht.
Und genau das erleben wir immer mehr.
Und zum Abschluß, die Stein Strategie: Für alle, die auch mal querdenken können.
Natürlich wollen wir das beste, ethisch und moralisch, ein Vorbild sein, ein Rollenmodell aber tut mir leid Leute. Das ist verlogene Scheisse. Ich kann hier auch von mir selbst sprechen, weil ich diesen Konflikt jeden verdammten Tag lebe. Es geht um das, was ich meinen Kindern beibringe, ihnen erkläre, wie wir leben, wie ihr lebt, wie wir alle leben.
Natürlich würde ich gerne immer ökologisch und ethisch korrekt einkaufen, aber hallo, wer gibt mir das Geld dafür? Eine Familie mit drei Kindern (so manch einer redet hier schon von asozial, und würde das wohl auch bei uns tun, wären wir nicht Akademikerhaushalt) zu ernähren geht nur, wenn man auch oft nach dem billigsten sucht. Und da greift dann schon die erste Lebenslüge. Natürlich kann das nicht sozial und ethisch korrekt produziert sein. So tickt die Wirtschaft nicht. Das wäre zwar schön und so manch eine Bierwerbung will uns das auch durch Kooperation mit nicht minder zwielichtigen Umweltorganisationen suggerieren.
Aber nur weil ich mir die Birne mit Bier zudröhne rette ich keinen Zentimeter Regenwald. Nein, was ich wirklich tue ist, die Kassen der Marketingagentur und des Bierbrauers füllen.
Und mal ganz ehrlich. Klar erklären wir unseren Kindern, sie sollen fair sein, nicht schlagen, ehrlich sein. Aber wenn ich Tag für Tag erlebe, wer untergebuttert wird und wer weiter kommt. Ganz ehrlich. Eigentlich sollte ich ihnen sagen: „Hau jedem der dir doof kommt eine aufs Maul, lüge, wenns was bringt und sei so unfair wie möglich.“
Natürlich will ich das nicht und tue es auch so selten wie möglich (gut, es gibt auch da Ausnahmen, aber wer hat nicht schon notgelogen) aber dass ich damit meine Kinder auf das Leben wie es eigentlich ist vorbereite, na ja, ich hab da so meine Zweifel.
Und ich als Informatiker, als Introvertierter, als jemand, der es gerne so fair wie möglich hat ertappe mich selbst dabei, dass ich gegen meine Ansprüche verstoße (n muss). Ich versuche das so weit es geht zu reduzieren, aber im Alltag wird eben oft nicht das erwartet, was vollmündig ausgesprochen wird. Auch heute macht nicht der Karriere, der lieb, freundlich und nett ist sondern meist das, verzeiht das harte Wort „Arschlochkind“ wird zum erfolgreichen „Arschlocherwachsenen“. Box dich durch, ist so ein Begriff, den ich immer wieder höre.
Wir wollen eine freundliche, offene und tolerante Gesellschaft sein. Aber hört doch nur ein paar Mal im Bus oder auf ganz normalen Festen den Gesprächen zu. Die triefen vor Vorurteilen, Rassismus bis hin zu Aluhutthesen. Wir wollen eine Wissensgesellschaft werden und dennoch gibt es tatsächlich Menschen, die wegen Chemtrails auf die Straße gehen oder glauben, ein Magnetarmband oder ein besonderer Kristall könnte sie heilen oder ihr Leben verbessern.
Im Moment laufe ich durch die Straßen, betrachte Wahlplakate und weiß eigentlich schon im Voraus: Alles Lüge. Da will jemand nicht das beste für uns, sondern von uns. Unsere Stimme, damit nacher wieder die Wirtschaft gefördert, die Rüstung exportiert und der Bürger geschröpft werden kann.
Bislang ist mir nur ein ehrliches Wahlplakat untergekommen. Ausgerechnet von den Piraten. Drauf steht: „Sorry, wir haben uns das einfacher vorgestellt.“
Wer glaubt, das, was die Politiker im Moment in Talkshows und auf Wahlveranstaltungen von sich absondern, hätte auch nur ein Jota mit dem zu tun, was sie hinterher machen, der sollte sich gleich wieder ganz schnell seinen Aluhut aufsetzen.
Und wer das Fernsehen anschaltet, der kann ebenfalls nie sicher sein,die Wahrheit zu erfahren sondern eigentlich nur, was die Mehrheit hören will bzw. was die größte Quote bringt. Oder erfahren wir etwas von den vielen Familien, die am Existenzminimum leben, eigentlich ungeheuer gerne eine Arbeit hätten aber keine mehr bekommen.
Oder von den vielen Menschen, die an den verlängerten Werkbänken im asiatischen Raum für Hungerlöhne schuften? Das erfahren wir nur, wenn ein prominentes Unternehmen wie Apple darin verwickelt ist. Aber seit ehrlich zu euch. Das meiste, was ihr an Klamotten tragt haben Menschen in Asien für einen Hungerlohn unter Drecksbedingungen zusammengenäht. Und unsere gute Milch muss auch vor allem billig sein. Wie es den Milchbauern geht interessiert uns nur, wenn wieder mal eine Treckerdemo die Straße blockiert, auf der wir zur Arbeit hetzen, die wir durchaus auch mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen könnten, was aber ja so „unbequem“ ist.
Also hört endlich auf, die Gutmenschen zu spielen, wenn ihr mit dem SUV in den Ökomarkt fahrt und überlegt euch ein oder zwei mal mehr, wie wir ernsthaft für unsere Kinder eine wenigstens gleich gute Welt hinterlassen können, wenn wir schon nicht in der Lage sind, sie zu verbessern.
Seit einfach ein wenig toleranter gegen Menschen, die nicht so sind wie ihr (davon gibt es mehr als ihr denkt).
Wir sollten nicht nur klagen, sondern endlich mal damit anfangen, wirklich etwas zu ändern.
Das sind wir unseren, das bin ich meinen Kindern schuldig.
Zugegeben, das Buch „reality is broken“ von Jane McGonigal hat mich für diesen Artikel inspiriert. Aber schon immer brannte mir die Frage auf der Seele, warum offensichtlich in Deutschland jeden Abend 2-3 Stunden vor dem Fernsehschirm vor zum Teil abgrundtief schlechtem und niveaulosem Programm zu sitzen allgemein anerkannt zu sein scheint, es aber zu Verrohung und Amokschützen führen soll, wenn Jugendliche und Erwachsene sich in kooperativen Egoshootern zusammenfinden, um gemeinsam gegen Aliens oder andere Feinde zu kämpfen. Und wer hier Egoshooter zu Killerspielen degradiert, der zeigt sich nur als ewig gestriger, der sich weder vernünftig mit der Materie noch mit den zum Teil hochkomplexen Handlungen und strategisch äußerst anspruchsvollen Inhalten dieser Spiele auseinandergesetzt. Das Spiel ist aber leicht als Schuldiger zu degradieren, denn den Fehler da zu suchen, wo er existiert, in der zerbrochenen, egomanischen Gesellschaft ist ungemein schwerer und Würde echtes Handeln im Sinne des Bürgers, statt populistischer Symbolik verlangen.
Die Zeiten des egomanischen Einzelkämpfers, der für sich alleine alles abballert, was nicht bei drei in der Deckung oder auf den Bäumen ist, ist längst vorbei. Gerade Spiele wie die Halo Serie oder Online Spiele wie Eve Online oder auch Star Wars the Old Republic legen insbesondere Wert auf Fähigkeiten wie Hilfsbereitschaft, strategisches Denken und kooperatives Handeln.
Was also macht zum einen Computerspiele für so viele Menschen so attraktiv und lässt gleichzeitig viele so unkooperativ im Alltag werden? Ein Faktor ist mit Sicherheit der im Moment vorherrschende Kult des Egos. Nach oben kommen, mit den Ellenbogen für die Karriere kämpfen, Selbstverwirklichung auch auf Kosten anderer sind anerkannt, werden gar gefördert mit solchen Fragen wie „wo sehen sie sich in 5 Jahren“ und wer Karriere machen will, darf auch heute noch nicht zimperlich sein, muss bereit sein, auch auf Kosten anderer seine Karriere voranzutreiben.
Dabei sind die Inhalte der Berufe und die Aufgaben des Alltags immer konformer, immer weniger erfüllend. Kann die Mehrheit von sich behaupten, einen Beruf zu haben, in dem sie für ein größeres, besseres ganzes arbeitet? Und wenn sie das tut, kann sie behaupten, dann auch gerecht bezahlt zu werden? Je inhaltsleerer für das Wachsen der Gesellschaft ein Beruf ist, um so besser bezahlt scheint er zu werden.
Die Krankenschwester, der Pfleger kämpfen am Existenzminimum, leisten aber großes für Menschen und Gesellschaft. Der Investmentbanker schiebt Geld hin und her und vernichtet damit gelegentlich auch die eine oder andere Existenz, erhält dafür aber unanständig hohe Honorare. Beraten wird nicht mehr zum Wohle des Kunden, sondern zum Wohle der Abschlußprämie.
Die Realität ist wahrlich kaputt wie McGonegal so richtig erkannt hat. Und deshalb „flüchten“ sich immer mehr Menschen in Computerspiele. Aber interessant daran ist nicht die Flucht an sich, sondern die Gründe dafür. McGonegal hat hier ein paar sehr interessante Aspekte genannt, deren wichtigster meiner Ansicht nach die Suche nach einem höheren Sinn, einem Erlebnis von Gemeinschaft, von gemeinsamem Arbeiten für ein größeres ganzes ist.
Und hier greift, was ich als die interessanteste Entwicklung der Gegenwart betrachte. Gamification, also ein spielerischer Umgang mit den Aufgaben und Hürden des Alltags. Natürlich wird nie alles ein Spiel sein, aber gerade die Strategien und Ideen aus der Spieleentwicklung, die von der Dauermotivation eines Spielers zum weiteren Spielen über die Erzielung von Erfolgserlebnissen und einem Gemeinschaftsgefühl gehen sollten, ja müssen wir auf den Alltag übertragen. Und erste Ansätze, so habe ich auch bereits in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben lassen sich im großen Erfolg der sozialen Netze erkennen. Wir wollen teilen, wollen zu einem gemeinsamen ganzen beitragen. Aber Wirtschaft und Politik behindern hier immer mehr, grenzen aus, machen alles zum Zwang zum abzumessenden, zu bewertenden, benotenden Pflichthandeln. Freude ist im heutigen System nicht vorgesehen, oder wenn, dann bitte im privaten, die Arbeit hat nicht Spaß zu machen, sie hat Spitzenleistung zu liefern. Der Mensch ist in diesem System eigentlich gar nicht vorgesehen, wird nur geduldet, wenn er sich den Mechanismen eines sehr calvinistischen Arbeitsdenkens unterordnet.
Ich sehe in Gamification, Serious Gaming und einer genaueren Betrachtung der Motivations- und Gemeinschaftsbildung durch Computerspiele und Social Networks eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre. Oder um es anders zu formulieren, akzeptabler auch für den Kritiker. Wir sollten uns Gedanken machen, warum so viele Menschen so häufig in Spielewelten verschwinden und was denn in der „echten“ Realität so falsch läuft. Denn nicht die Spieler oder die Spielewelten sind das Problem. Die Realität ist es, die dem einzelnen kaum noch echte, kooperative Entfaltungsmöglichkeiten, Ruhezonen, Wege, sich kreativ auszudrücken bietet. Wir müssen weg von der übercontrollten berechneten Betriebswirtschaftsrealität und wieder hin zu einer sozialen, humanistischen Realität. Auch wenn das manche nicht gerne hören. Die Wirtschaft muss wieder für den Menschen da sein, nicht umgekehrt. Wir müssen in eine Gesellschaft investieren, die anstelle des Shareholder Value den Society value wieder als höchsten anzustrebenden Wert definiert.
Reality is broken. But we still can fix it. By having REAL fun!
Und wer noch etwas Zeit für ein Video hat, dem kann ich folgenden Vortrag von Jane McGonigal nur dringend ans Herz legen.
Auch Barcamps und deren wachsender Erfolg zeigen den Wandel hin zu Zusammenarbeit jenseits von Hierarchien
Immer wieder behaupten Gegner von Social Media, das sei ja nur ein Trend, eine Mode, das ginge wieder vorbei. Ich behaupte, Social Media wird gerade durch unseren Alltag zum Erfolge verdammt. Immer weniger Menschen können in Berufen arbeiten, die sie erfüllen, die sie in der alltäglichen Arbeit einen höheren Sinn sehen lassen. Unser Leben wird immer mehr durch Vorschriften, Regularien und Misswirtschaft einiger weniger eingeengt und überwacht.
Da ist Social Media quasi eine Art neuer Gegenbewegung, die es ermöglicht, jenseits von öffentlichen Vorgaben, Hierarchien oder Denkmustern sich auszutauschen, Ideen, neue Gedanken und Erfahrungen zu teilen. Nicht umsonst begann der wahre Hype um Social Media Plattformen wie Twitter oder Facebook stets mit Fehlentwicklungen in der „realen Welt“. Zensursula oder die Revolution in Ägypten sind hier nur einige Beispiele. Wo die öffentliche Diskussion sich in polemischen Allgemeinplätzen von Managern und Politikern erschöpft, wo sich der Mensch nur noch als verplanbare Humanressource oder als Last (Hartz IV Bittsteller) erlebt, da sucht er zwangsläufig nach einem Gegenmodell.
Und gerade die Vernetzung über soziale, institutionelle und Ländergrenzen hinweg lässt neue Wege entstehen, sich jenseits der Massenmedien mit ihren platten, oft politikfreundlichen oder inhaltsleeren Nachrichten auszutauschen, und der Erfolg alternativer Nachrichtendienste wie Huffingtonpost oder propublica zeigt, dass die Vernetzung in sozialen Medien keineswegs ein Trend sondern vielmehr Ausdruck eines Bedürfnisses nach Sinn, nach Austausch und offener, gleichberechtigter Diskussion ist.
Während im TV die immer gleichen Fratzen von Talkshow zu Talkshow wandern um ihre zuvor geplanten Phrasen zu dreschen ohne auch nur ein Jota auf den Moderator, das Thema oder die Disputanten einzugehen, bildet sich im Netz eine Gegenöffentlichkeit, die frei, offen und auch kontrovers Inhalte diskutiert und oftmals die „reale Öffentlichkeit“ damit zu Reaktionen beeinflußt.
Und während die Mehrheit der Unternehmen Social Media als Kommunikationskanal mit dem Kunden auf Augenhöhe immer noch ignoriert und plumpe Werbephrasen über ihr ach so tolles Produkt in die Welt hinausposaunt konterkarieren diverse Webplattformen und Social Media Aufregungswellen (Shitstorms sagt man ja nicht mehr) genau dies auf den dummen Konsumenten zielende Werbung und fordern einen Dialog auf Augenhöhe und echte Information, ethischere Unternehmen, menschenwürdige Produktionsbedingungen.
So lange die „Reale Welt“ weiterhin dem einzelnen gegenüber so ignorant ja manchmal gar verletzend agiert, so lange Politiker und Manager dem Profit mehr huldigen als dem Bürger, so lange wird Social Media wachsen und gedeihen. Also vermutlich auch die nächsten Jahrzehnte.
Ich verstehe, wenn man dafür Sorge tragen will, dass bestimmte Literatur nicht in die Hände von Kindern fällt. Das ist auch für Filme rechtens.
Aber ich zumindest würde es mir verbitten, ob ich das Buch nun lesen will oder nicht, wenn ein Konzern, noch dazu einer, dessen Hauptgeschäft eben nicht das Verlagswesen ist, mir einfach als erwachsenem Menschen den Zugriff verwehrt. Das grenzt für mich schon sehr stark an Zensur. Und vor allem ist es etwas, das ich mir von einem Hersteller verbitten würde, dem ich dafür Geld bezahlt habe, auf meinem Endgerät Literatur egal welcher Couleur lesen zu können.
Zudem ist der gesamte Auswahlprozess für meinen Geschmack absolut intransparent. Wir leben immer noch in einer freien Welt. Und da verbiete ich mir jegliche Zensur oder Einschränkung durch einen Elektronikkonzern.
“Porno wird als zu explizit betrachtet und wurde daher nicht freigeschaltet. Wir bitten um Verständnis. Herzliche Grüße, iBookstore Germany, Austria, Switzerland”
(Und solch eine Aussage über ein Buch, das von anderen Versendern ab 16. Jahre empfohlen wird)
Nein Apple, dafür habe ich absolut kein Verständnis.
Eine der schlimmsten Prokrastinationen, also Aufschiebereien auf morgen ist bei vielen Menschen das eigene Leben. Wie oft höre ich, wenn ich noch diesen Aufstieg geschafft habe, wenn ich noch im Beruf bis zu dieser Hierarchie gekommen bin, wenn ich das und das noch geschafft habe, dann werde ich das Leben geniessen. Das ist aber nicht nur illusorisch sondern dumm. Ich habe in meinem Umfeld bereits einige Menschen erlebt, die ihr Leben so lange aufgeschoben haben, bis sie zu krank waren, es noch zu geniessen.
Wir alle sollten wieder mehr im heute leben und den heutigen Tag geniessen. Ja, viele um uns herum werden sagen, wie kannst du nur, du musst doch Karriere machen, du musst doch dies oder das erreichen oder auch nur, wie kannst du so spassbetont leben. Dagegen sage ich, was macht den das Leben aus? Die Freude daran. Und jeder Tag kann, sei es durch Krankheit oder Unfall der letzte sein. Warum soll ich mein Leben aufschieben auf morgen? Nur weil andere vielleicht Spassbremsen sind, die sich seriös geben? Die meinen, das Leben müsse voll harter Arbeit und Streben nach noch mehr Ruhm noch mehr Glanz sein? Mit meiner Familie, mit meinen Freunden einen schönen Abend geniessen, die kleinen Freuden des Alltags erleben, das ist es, was das Leben ausmacht. Nein, ich kann nicht morgen mit dem Leben beginnen. Leben ist jetzt, hier und heute!
Und ein ganz besondere Gruss an eine Person, die mir lange Zeit durch ihr dummes Gefasel vom „Fremdbild und dem Selbstbild“ mein eigenes Leben schlecht gemacht hat….. Es gibt da ein Lied von Lily Allen 😉
Cookie-Zustimmung verwalten
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.