Der digitale Event-Horizont: Warum Social Media 2026 wie ein Escher-Bild aussieht

Drei Bildschirme mit dem Schriftzug KI

​Manchmal frage ich mich, was Douglas Adams über das heutige Social Media geschrieben hätte. Wahrscheinlich so etwas wie: „Am Anfang wurde das Internet erschaffen. Das machte viele Leute sehr wütend und wurde allenthalben als ein falscher Schritt angesehen.“ Wenn wir uns den Zustand unserer Feeds im März 2026 ansehen, fällt es schwer, ihm zu widersprechen.

​Wir haben den Punkt erreicht, an dem die „Dead Internet Theory“ keine paranoide Verschwörungstheorie mehr ist, sondern eine statistische Gewissheit. Als jemand, der in den 90ern mit Lisp und Prolog hantiert hat, fasziniert mich die technische Eleganz – als Mensch, der über Depressionen geschrieben hat und heute den Blog livingthefuture.de betreibt, macht mir die soziale Kälte dieser Entwicklung Sorgen.

​Die Ära der synthetischen Mehrheit

​Es ist offiziell: Wir sind in der Minderheit. Aktuelle Daten zeigen, dass bereits rund 71 % aller Social-Media-Bilder KI-generiert sind. Wir scrollen nicht mehr durch das Leben unserer Freunde, sondern durch hochoptimierte, hyper-personalisierte Halluzinationen von Modellen wie Nano Banana 2.

​Das Problem ist nicht nur, dass die Inhalte künstlich sind. Das Problem ist der Feedback-Loop. Agentic AI – also KI-Systeme, die autonom handeln – übernimmt heute das Marketing fast vollständig.

  • ​Agent A analysiert Trends.
  • ​Agent B generiert 500 Varianten eines Posts.
  • ​Agent C (die Bot-Armee) interagiert damit, um den Algorithmus zu füttern.

​Wir Menschen sind in diesem Szenario nur noch die biologischen Sensoren, deren Aufmerksamkeit als Währung abgeschöpft wird. Ein klassisches Escher-Motiv: Die Hände, die sich gegenseitig zeichnen – nur dass die Hände aus Code bestehen und das Papier unsere Realität ist.

​Vom Influencer zum Multi-Agent-System

​Früher brauchte man Charisma, heute braucht man eine gute Orchestrierung. Im Jahr 2026 sehen wir den Aufstieg von Multi-Agent-Systemen (MAS) auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Ein „Influencer“ ist oft nur noch das Frontend einer komplexen Architektur. Während der Deepfake-Avatar (dank Modellen wie Veo) perfekt in die Kamera lächelt, managen Agenten im Hintergrund die Kommentare, verhandeln Werbedeals und passen das Skript in Echtzeit an die emotionalen Reaktionen der Zuschauer an.

​Wissenschaftlich betrachtet ist das hocheffizient. Die Zeit für die Vorbereitung von Inhalten ist durch KI-Assistenz massiv gesunken. Aber was bedeutet das für die Authentizität? Wenn alles optimiert ist, gibt es keine Reibung mehr. Und ohne Reibung gibt es keine echte menschliche Verbindung.

​Ein  Ausblick auf den Lärm

​Was machen wir also? Versuchen, mich auf das zu konzentrieren, was ich kontrollieren kann. Ich kann den Bot-Sturm nicht stoppen, aber ich kann entscheiden, wie ich darauf reagiere.

  • ​Radikale Selektion: Wir müssen lernen, den „Noise“ zu ignorieren. Wenn 99 % des Netzes bis 2030 synthetisch sein könnten, wird die menschliche Handschrift – das Unperfekte, das Stockende, das wirklich Erlebte – zum Luxusgut.
  • ​Explainable AI (XAI) for the User: Wir brauchen Tools, die uns nicht nur Inhalte zeigen, sondern uns erklären, warum wir sie sehen und von wem (oder was) sie stammen. Transparenz ist das einzige Antidot gegen den digitalen Realitätsverlust.
  • ​Analoges Refugium: Vielleicht ist der Weg in die Zukunft ein Schritt zurück. Das Gespräch beim Scotch Whisky, das handfeste Buch, die echte Musik von Bach oder Sting (ohne KI-Upscaling).

Die Öffentlichkeit muss dich doch stressen

Einer der großen Irrtümer. Gerade dass ich nicht mit meiner Depression offen umging, ja sie nur als Begriff aber nicht als Faktum akzeptiert habe, hat mich ja erst in Lebensgefahr gebracht. Je mehr ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe und mache, je mehr ich mich für Aufklärung zu Depressionen, Angststörung und Suizidversuchen engagiere, um so besser geht es mir, um so sicherer bin ich, nicht mehr in Gefahr zu kommen. Die einzige Gefahr, die manchmal lauert sind Menschen, die was ich äußere überinterpretieren oder zu persönlich nehmen, auch wenn mir das gerade auf so schnelllebigen Medien wie Twitter nie in den Sinn käme.

Aber Ironie und Sarkasmus für bare Münze zu nehmen wird zwangsläufig auch weiterhin in bösen Briefen und weiterführenden Drohungen resultieren. Nur, da ja nie das, was angenommen wurde bislang den Tatsachen entsprach, kann ich mich da zurücklehnen und es als Übung nehmen. Wäge ich auf, wer mir öffentliche Statements verbieten möchte und wer dankbar dafür ist, dass ich mich äußere, dass ich aufkläre, dass ich ein Buch über meine Geschichte veröffentliche, das auch die Vorgeschichte erklärt. dann ist mein Weg offensichtlich. Weiterhin aufklären, an Schulen, vielleicht sogar in entsprechend fortschrittlichen Unternehmen. Konzepte gibt es von mir und auch von der deutschen Depressionsliga e.V. deren Mitglied ich mittlerweile bin.

Und nein, es ist kein Stress, es ist zu einem bedeutenden Teil Heilung für mich, endlich offen mit meiner Erkrankung umzugehen, sie endlich als Teil von mir zu akzeptieren und zu verstehen, warum mich mehr Sorgen plagen, als andere, warum ich mehr schlimme Ereignisse befürchte.

Für mich wird auch weiterhin gelten, ich mache meinen Mund auf, mag das manchen auch nicht passen, ich brauche es für mein Wohl und das meiner Familie.

Und meine Geschichte schreibe ich weiterhin auf, mit allem, was an Gegenwind existiert aber auch mit dem Rückenwind, der mich ermutigt, aufbaut und vorantreibt. Die ehemalige Unwetterfront, Mischung aus Ängsten und Depression, die mich ziellos umhergewirbelt hat, ist kanalisiert in eine sehr steife aber lenkbare Brise, die mich vorantreibt, die mich antreibt, die mich weiter kämpfen lässt.

Und aus diesem Internet werde ich mich ganz sicher nicht mehr löschen.

Die Sucht nach der Sucht

Ich steige mal herab. Ich begebe mich auf ein Niveau, das ich eigentlich nicht wirklich betreten mag. Das Niveau der Nörgler, der Mahner und Kritiker, die hinter allem die ultimative Bedrohung sehen.

Den Humbug Internet sucht, den es noch überhaupt nicht als offiziell anerkannte Diagnose gibt mal ganz außen vor gelassen und wie viel manche Ärzte und Therapeuten mit der Behandlung dieser nicht anerkannten Sucht verdienen. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass so ziemlich alles, was Menschen mit mehr Enthusiasmus als der Durchschnitt tun früher oder später dazu führt, dass angebliche Experten wie ein Herr Spitzer von Sucht reden, von Behandlung, von Gefahr?

Computerspielesucht, Sucht nach gesundem Essen (Orthorexie, ohne Scherz, gibt es angeblich wirklich), Facebooksucht, Social Media Sucht. Alles wird so dargestellt, als wäre es eine fundiert untersuchte und anerkannte Sucht. Schwachsinn sage ich. Schon immer gab es Menschen, die sich für Themen mehr begeisterten, als der Durchschnitt. Aber deshalb gleich von Sucht zu sprechen, insbesondere, wenn keinerlei wirklich fundierte Untersuchungen existieren, halte ich für unverantwortlich. Andererseits, gefährliche und ausgiebig erforschte Süchte wie die Alkoholsucht, werden sogar noch gefördert und auf Festen zelebriert. Seltsam, wie sehr hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ich habe oft den Eindruck, es geht hier dem einen oder anderen Psychologen, Arzt oder Therapeuten mehr darum, seine Klientel zu erweitern, als wirklich Menschen mit gefährlichen Süchten zu helfen.

Fundierte Studien, ernsthafte Untersuchungen und vor allem eine differenzierte Darstellung der wirklichen Gefahren einer neuen Sucht. Das scheinen die Medien nicht zu schaffen, und oft nicht mal angebliche Experten.

Wer einmal einen Rumpelstilzchen Vortrag von Dr. Spitzer erlebt hat, dürfte verstehen, was ich meine.

Wenn man in der Gesellschaft aber eine Technologie wie z.B. das Internet permanent schlecht redet, werden die armen Schäfchen in Scharen in die Arme von Scharlatanen rennen, die eine Sucht behandeln, die es bislang noch gar nicht offiziell gibt.

Aus der Klapse, meine Depression und die Presse: Medienreaktionen

Heute mal nur zwei Links zu Artikeln, die DRadio Wissen und das Online Magain Vice über meine Tweets #ausderklapse brachten.

Beiden Plattformen ganz vielen Dank, auch dafür, dass sie meine Tweets wie auch die Aktion und die Motivation authentisch vermittelt haben und nicht wie heutzutage leider oft verfälscht oder polarisiert haben.

Hier gehts zum Beitrag von DRadio Wissen

Hier der Beitrag von VICE

bin bereits mit anderen Medien in Kontakt und falls wer Interesse an dem Thema Depression aus der Sicht eines Betroffenen hat, gerne bei mir melden.

 

Wir leben in einer Welt der Schönfärberei

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Lorde hat es damals auf Twitter allen sehr schön vor Augen geführt. Oben zu sehen, das mit Photoshop bearbeitet Bild. Unten ein echtes Bild von ihr. Bravo für die Ehrlichkeit und die Chuzpe, hier die Medientäuscherei offen aufzuzeigen. Quelle: Lordes Twitter-Account

Schon mal irgendwelche Informationen über ein Unternehmen gelesen? Oder über eine Organisation? Und? Was aufgefallen?

Genau, man könnte meinen, jeder rettet die Welt, jeder ist der beste überhaupt und jeder weiß ganz alleine, wie es richtig geht. Wenn ich höre, wie Politiker selbst über große Niederlagen sprechen, wie die Prospekte von Unternehmen aussehen (von der Werbung wollen wir ja schon mal gar nicht reden,oder glaubt jemand ernsthaft, dass Massenware von Nudeln über Kuchen bis zu Eis noch so hergestellt werden, wie uns in der Werbung vorgelogen wird)

Kein Wunder, dass wir immer misstrauischer werden, hinter jedem gleich etwas böses vermuten. Wer mir nur positives erzählt, der lügt mich an. So einfach ist das. Niemand schafft es ernsthaft, nur gutes zu tun, das widerspricht schon dem Fakt, dass ein Unternehmen primär Profit zu erwirtschaften hat.

Und das ist das Problem, dass die Wirtschaft, das die Konzerne und ja auch die Politik mit Social Media hat. Hier wird Schönfärberei brutal abgestraft. Interessant war eine Umfrage, die ich vor kurzem in meinem Umfeld erlebt habe. Dort wurde gefragt, was junge Menschen sich für Informationen von Unternehmen erwarten und zwar insbesondere in Social Media. Der wichtigste Wunsch: Ehrliche Berichte, am besten aus erster Hand. Und auch mal was negatives, weil und da sollten wir nicht überrascht sein, unsere Jugend nicht so dumm ist, jedem in bunten Bildern gemalten Prospekt zu glauben.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Mehrheit der Menschen von Werbung so angewidert ist. Weil sie grundsätzlich schönfärbt, etwas nicht so darstellt, wie es ist, sondern so, dass der dumme Verbraucher es unbedingt haben muss. Aber der breit grinsenden Zahnarztfrau mit den strahlendweiß gephotoshoppten Zähnen glauben wir nicht mehr. Und diejenigen, die dem glauben, kommen sehr schnell in Schwierigkeiten, weil man die Idealweltlügen einfach nicht erreichen kann.

An Magersucht und Schönheitswahn ist die Werbung mit schuld. Und wenn sich die Agenturen noch tausend mal rausreden. Sie tragen eine große Mitverantwortung.

Umarmt die Unternehmen, damit ihr sie unter Kontrolle habt

Es gibt einen tiefen Graben zwischen den Vertretern der reinen Lehre und den Unternehmen. Auf der einen Seite diejenigen, die allen Handlungen eines Konzerns irgendeine böse Absicht unterstellen. Auf der anderen Seite die Unternehmen, die gerade wegen der permanenten Unterstellungen immer mehr auf Distanz zu kritischen Bloggern und Netzaktivisten gehen.

Ich finde aber, die Zeit der Grabenkämpfe sollte nun so langsam vorbei sein. Auch Unternehmen haben ein Problem mit Tatbeständen wie PRISM und dem Verhalten der NSA. Denn es untergräbt das wichtigste Teilgebiet des Unternehmenserfolgs. Vertrauen in die Datensicherheit. Und Vertrauen in die Produkte. Auch wenn wir davon ausgehen, dass Konzerne letztlich primär auf die Rendite schauen, ist es dennoch sinnvoll, den Kontakt zu ihnen zu halten. Als Blogger gerade auch deshalb, weil dadurch im besten Fall eine Interaktion entstehen kann, die sowohl dem Blogger (durch mehr Leser und mehr Relevanz) als auch dem Unternehmen helfen kann, das direkter erfährt, wo es auf dem Holzweg ist, oder welche Bedürfnisse der Markt wirklich hat. Manchmal finde ich es geradezu lächerlich, wie gegen Google, Facebook etc. gewettert wird, sie wollten doch alle nur unsere persönlichen Daten. Ich wage zu

Die Welt ist selten schwarz oder weiß, und noch viel seltener hat es ein Unternehmen alleine auf den Profit abgesehen, da eine solche Sichtweise nicht langfristig trägt.

Wir sind in einem Stadium der Diskussion, in dem auch gehandelt werden muss, und zwar auch und gerade in Bereichen, in denen die Lobby der Konzerne viel stärker ist als die Lobby des Netzaktivismus. Denn eines fürchten die politischen Entscheidungsträger. Ein Einbrechen der Wirtschaft, eine Verschlechterung, die die breite Masse zu spüren bekommt. Und eine Öffentlichkeit, die durch Unternehmen und Medien viel stärker rückwirkt, als durch uns Blogger alleine. Sehen wir es doch so, wie es ist. In unserer Filterblase (mag sie noch so groß sein) mögen wir ja relevant sein. Aber wenn man sieht, wie die breite Öffentlichkeit (nicht) auf Themen wie Snowden und NSA reagiert, dann brauchen wir ganz andere Kanäle, um die Masse zu erreichen.

Wir mögen ja über den Auftritt von F-Secure und „The Hoff“ auf der re:publica gelacht haben. Aber genau solche Produkte braucht es in der „realen Welt“ auf Smartphones. Tools, die transparent ohne einwirken des Nutzers sein Smartphone absichern. Und die dann auch noch zu einem realistischen Preis verfügbar sind. Das Blackphone ist eine gute Idee, aber nicht zu dem bislang avisierten Preis. Hier braucht es die Skalierbarkeit großer Konzerne.

Google Kiosk jetzt auch in Deutschland mit Zeitschriftenkauf und digitalen Abos

 

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Seit heute kann man auch in Deutschland über Google Kiosk Zeitungen und Zeitschriften kaufen und abonnieren. Einige Ausgaben sind zum Start kostenlos verfügbar, die CT für den gleichen Preis von 4,20 Euro, wie man sie auch bei Heise selbst erwerben kann.

Bin gespannt, wer hier noch auf den digitalen Zug mit aufspringt. Noch ist das Angebot eher übersichtlich, ich hoffe, dass sich hier bald eine breite Palette von Printmedien präsentiert.

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Es ist nicht das Internet kaputt, sondern der Mensch: Eine Replik auf Sascha Lobo

„Das Internet ist kaputt“ postuliert Sascha Lobo jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Dem mag ich nun so gar nicht zustimmen.

Zumal hier wieder einmal Technologie, deren Verwendung und die ethisch moralischen Grundwerte einer Gesellschaft in einen Topf geworfen werden.

Aber von Anfang an. Zunächst, wäre das Internet kaputt, so könnten wir keine EMails mehr abrufen, nicht mehr surfen oder unsere Geschäfte tätigen. Das alles aber geht. Was ist denn dann nun kaputt? Es ist die Sicht der Menschen, zum einen auf ethisch moralische Werte, auf die Welt allgemein und die digitale Welt im Besonderen.

Es ist quasi der Sündenfall des digitalen Zeitalters. Als das Internet noch „jungfräulich“ war und nur Experten es zu nutzen wussten, da war das Paradies noch für alle zum Greifen nah. Zugriff auf Daten weltweit, das Wissen der Menschheit nur einen Klick entfernt.

Doch dann kam der Sündenfall. Das ehemals kostenlose und elfenbeinturmartig geschützte Netz trat hinaus in die Öffentlichkeit. Und jetzt auch ins Angesicht des Durchschnittsmenschen. Der natürlich sofort fragte: Was bringt es mir (finanziell)? Und schneller als der Wissenschaftler die Sündenfallfrucht zu verhindern versuchte traten erste Unternehmen auf den Plan. Es begann die Kommerzialisierung des Netzes und damit der breite Zugriff für alle. Nun aber wurde das Netz nicht nur für Unternehmen interessant sondern auch für die eher halbseidenen oder auch illegalen Organisationen, die natürlich ein gleich großes Interesse daran hatten. Und in Folge auch für die Staatsorgane, wobei hier nicht der durchschnittliche Politiker gemeint ist, der das Internet immer noch in der Nähe der Bundesautobahnen verortet sehen will sondern diejenigen, deren ureigenstes Ziel immer schon das Beschaffen möglichst lückenloser Informationen war und ist. Die Geheimdienste.

Und während die Mehrheit der Bevölkerung sich nur widerwillig ins Netz begab, empfingen die dunkleren Organisationen vom Stile einer #NSA das Netz mit offenen Armen, bot es ihnen doch ein Füllhorn an Informationen und dank des Desinteresses der breiten Masse auch zunehmend Informationen, die sie so noch nie zuvor erlangt hatten. Bewegungsprofile, Personenprofile, eine unabsehbare Zahl von  Datenquellen.

Aber es gab sie, die Mahner, diejenigen, die bereits zu Beginn erfasst hatten, was das Problem, was die Gefahr dieser Datenfülle war. Seien es EFF oder CCC (wer diese Begriffe nicht kennt, interessiert sich sicherlich noch heute kein Jota für Datenschutz in der wirklich relevanten digitalen Form)

Doch die Mehrheit der Bürger glaubten und glauben immer noch jenen, die ein großes Interesse haben, den Bürger möglichst gläsern zu gestalten. Unternehmen, die das Kaufverhalten kennen wollen, Regierungen und Geheimdienste, die wissen wollen, wie der Bürger tickt.

Es war das Denken, das Interesse des Bürgers, oder besser sein Desinteresse, das kaputt war und ist. Wo Sender wie RTL und Pro 7 Erfolge feiern, wo die BILD Zeitung als glaubwürdiges Nachrichtenorgan gehandelt wird und die Mehrheit immer noch glaubt, dass Wahlversprechen auch gehalten werden, da ist es kein Wunder, wenn auch das Internet zunehmend aus seinen unschuldigen Anfängen immer mehr in einen Sumpf von Missbrauch und Datendiebstahl gerät. Es ist der mangelnde Ernst im Umgang mit dem Internet, das Verkennen seiner Bedeutung und der Gefahren, wenn es in die falschen Hände gerät. Das Internet an sich ist immer noch das ideale Medium für Demokratie und ihre Prozesse. Und mehr als ein Mal konnten wir es dabei schon im realen Einsatz erleben.

Aber solange die Mehrheit der Bevölkerung das Internet immer noch als eine technologische Spielerei betrachtet und „auch gut ohne“ auskommen kann bzw. dieses „Internetz“ am liebsten ganz abschaffen möchte, so lange werden diejenigen, die einen halbseidenen Nutzen daraus ziehen weiterhin unbehelligt die Grundlagen des Internets unterminieren können. Und wer uns erzählen möchte, das Internet zerstöre die Demokratie, der verkennt, dass das Internet kein Lebewesen ist, kein selbst entscheidendes System. Wir sind es, wir alle, die wir uns durch Lethargie und Ignoranz, durch Technophobie und weltfremdes zurückblicken auf die angeblich so viel bessere Vergangenheit davon abhalten lassen, das Internet positiv zu nutzen und uns gegen die zu stellen, die es missbrauchen.

Was Snowden aufgedeckt hat, war nicht die Zerstörung des Internets. Es war und ist die Zerstörung der Freiheit von uns allen, der eigentlichen demokratischen Idee und der unbändige Wunsch der Regierenden, uns lückenlos überwachen zu können. Das Internet ist ein neutrales Instrument. Wir sind es, die durch unser Nichtstun einer Minderheit erlauben, es negativ zu missbrauchen.

Wir brauchen kein Lamentieren über ein kaputtes Netz. Wir brauchen einen Aufstand gegen eine kaputte Gesellschaft.