Die Dummheit des Alters ist die Klugheit der Jugend

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Ist es nicht beschämend, wie ignorant die Mehrheit der angeblich so klügeren Erwachsenen mit diesem Thema umgeht?

Ich bin auch in der Ausbildung aktiv und befasse mich damit, wie man junge Menschen adäquat anspricht, wie man Ihr Interesse für eine Ausbildung in einem bestimmten Bereich weckt. Und hier stosse ich in Gesprächen, aber auch in der Presse immer wieder auf das Vorurteil, dass die jungen Menschen nicht mehr erreichbar, zu uninteressiert zu ungebildet wären.

Jedes dieser Argumente mag für eine gewisse Minderheit gelten, aber so leid mir das tut, nein, das ist einfach nicht wahr. Vielmehr ist es einfach so, dass wir sie nicht mehr erreichen. Und durch die Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter bietet, sind sie auf den scheinbaren Wissensvorsprung der Erwachsenen auch längst nicht mehr so angewiesen, finden schon viel früher zu  ihren eigenen Lebensphilosophien und – etwas das ich sehr positiv finde – hinterfragen und prüfen viel häufiger.

Wer zum Beispiel vorwirft, die Jugend von heute sein ungebildet, der stellt möglicherweise nur die falschen Fragen. Denn seien wir doch mal ehrlich. Vermitteln wir unserer Jugend überhaupt noch den Eindruck, Bildung sei wichtig? Ausbildung? Ja definitiv. Schaff ersch mal was gscheids hör ich immer noch viel zu oft.

Dabei weiß die junge Generation sehr genau, was sie will, und wer ehrlich mit ihr ist. Den oftmals sehr fantasievollen aber jenseits jeder Realität formulierten Ausbildungs- und Jobbeschreibungen glaubt sie längst nicht mehr. Ehrliche Geschichten aus dem Ausbildungsalltag sind viel bedeutsamer geworden. Das ach so beliebte Wort der „Authentizität“ greift auch hier, oder um es einfacher zu formulieren. Seid ehrlich mit uns, dass ihr uns meist anlügt haben wir schon lange begriffen.

Auch die Medien, mit denen wir meinen, die Jugend zu erreichen,sind längst out. Selbst Facebook gehört da schon zum alten Eisen und mit dem Fernsehen braucht man gar nicht mehr anzufangen. Video on Demand, YouTube, wer sich sein Programm nach seinen eigenen Wünschen und ganz ohne nervende Werbelügnereien zusammenstellen kann, dem braucht man über die „alten Medien“ keine weichgespülten Werbebotschaften mehr zu liefern.

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Auch die junge Generation hat Interesse an Information. Aber sie kennt auch die medialen Filterblasen und umgeht sie klugerweise oft.

Und wer kann es ihnen verdenken. Sich auf ein Berufsbild festzulegen, nur weil ein Unternehmen mir erzählt, man werde gerade gebraucht, ist in Zeiten, in denen Manager gleich Leute entlassen, nur weil das Unternehmen mal kein Wachstum aufweist wohl eher unglaubwürdig. Es ist den jungen Leuten sehr wohl bewußt, dass sie, zumindest in den Unternehmen der alten Denkmuster letztlich nichts weiter sind, als eine Zahl in einem Excel-Sheet, die einen bestimmten Wert einnehmen muss, und sonst im Zuge der Kosteneinsparung für den Shareholder-Value gestrichen wird.

Während wir immer noch und unbelehrbar Privatleben, Gesundheit, Freunde dem beruflichen Erfolg zu opfern bereit sind, beginnt sich die nachwachsende Generation an neuen, und wie ich finde gesünderen Werten zu orientieren. Der Mangel an Interesse für Aufstiegschancen und das Bedürfnis nach ehrlicher und echter Balance zwischen Privat und Beruf oder wie ich es bevorzuge die Integrative Gestaltung beider Bereiche, bei der ich mein Ich nicht am Eingang abgeben muss, um als brave Arbeiterameise dem zu gehorchen, was die da oben verordnen, all dies zeigt mir, dass eigentlich die nachwachsende Generation viel schlauer ist, als wir es sind und in manchen Bereichen womöglich wir endlich mal begreifen sollten, dass die Zeiten, in denen Alter = Erfahrung = Wertvolles Wissen war, längst vorbei sind Der Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie vollzieht sich mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass es anmaßend wäre, als „Erwachsener“ einen guten Rat für die Zukunft der Jugend zu geben. Man kann eigene Erfahrungen vermitteln, sollte aber die Einschätzung denen überlassen, die nicht beständig in der Vergangenheit leben, sondern an der Zukunft interessiert sind.

Wer in Medien und im persönlichen Gespräch immer noch den Verfall der Kultur beklagt, wer es verwerflich findet, dass die Jugend YouTube und EBooks nutzt, sich digital informiert, der rettet nicht die Kultur oder Gesellschaft. Der ist einfach von gestern und sollte sich mal wieder eine Prise Realität gönnen.

Ich vertraue auf unsere Jugend im Moment mehr, als auf manche meines Alters (und ich bin wahrlich nicht mehr der Jüngste ;))

Aber zu behaupten, die Jugend von heute sei schlecht, dumm, uninteressiert war schon immer ein dummer und falscher Spruch. Nur heute ist es geradezu gefährlich, diesem Irrglauben noch anheim zu fallen.

Die Jugend ist nicht mehr bereit, dem Dogma alles für den Konsum, alles für die Wirtschaft zu folgen. Und sie hinterfragt Statussymbole, vor allem wenn sie so vorgestrig sind wie dicke Firmenwagen  oder unbedeutende weil irrelevante Titel. Und dass der Mensch, der in einer Firmenhierarchie über ihnen steht weder intelligenter, noch besser, noch erfahrener sein muss, ich denke auch das haben die jungen Menschen spätestens seid Börsencrashs und Finanzbetrug begriffen. Und wie ehrlich man in der Politik mit ihnen umgeht, nun, Edward Snowden hat sicher auch da einiges gerade in den jungen Köpfen bewegt. Ja, ich weiß, gleich heißt es wieder, aber doch nicht bei der Mehrheit. Richtig, aber noch weniger bei eben jenen, die sich selbst immer so gerne als weise, erfahren, klüger darstellen. Nämlich bei uns. Wir sind doch, wenn wir mal ehrlich sind, noch viel ignoranter und weltfremder als die gesamte junge Kultur zusammen.

Insofern. Geben wir der Jugend eine Chance. Und verdammt nochmal, seien wir endlich mal ehrlich zu ihr.

Wenn Datenschützer dummes tun

„Erklärt Google Glass Träger zu Idioten“ fordert Datenschützer Weichert. Damit muss ich sagen bringt er sich genau in diese Ecke. Einen idiotischeren Vorschlag kann man wohl kaum machen.

Zum einen ist das ein direkter Aufruf zum Mobbing, zum anderen hat das schon bei anderen Technologien nicht funktioniert, mal abgesehen davon, dass so ein Vorschlag nur eines zeigt, dass der Fordernde sich offensichtlich nicht mit der Technologie auseinandersetzen will und sie gesellschaftlich vernünftig diskutieren sondern am liebsten verbieten. Dumm, sehr dumm aber auch typisch deutsch. Damit disqualifizieren sich deutsche Datenschützer einmal mehr als weltfremd und rückwärts gerichtet.
Auch das ist Diskriminierung aber typisch für zornige, technologisch abgehängte alte Männer.

Übrigens kann ich auch mit meinen Smartphone oder den neuen Smartwatches immer und überall ein Photo machen.

Aber es ist ja immer das beste etwas zu verbieten, was wenige missbrauchen können. Also weg mit Fotoapparat und Mobiltelefon, Demonstrationsrecht und Pressefreiheit, freier Marktwirtschaft und Demokratie, denn bitte werter Herr Datenschützer, wenn schon, dann jeden Missbrauch stoppen. Damit wir vor uns selbst geschützt werden. Schließlich sind wir alle kleine dumme Kinder….. NOT

Der Gutmenschenterror

Immer wieder mal lese ich Artikel wie „Warum ich mir kein Smartphone kaufe“ oder „ich bin dann mal offline“.

Und immer häufiger denke ich nur noch „Ja und? Junge/Mädchen, was willst du mir damit beweisen?“

Oft steckt dahinter der erhobene Zeigefinger des Mahners, der dieser bösen Gesellschaft mal vor Augen führen will, wie sie verschwenderisch mit allem möglichen umgeht. Das zumindest meinen diese Mahner und Erinnerer zu erreichen. In Wirklichkeit lösen sie bei mir eher intellektuellen Brechreiz aus. Es ist eine noch viel schlimmere Unkultur heutzutage, dass permanent das Verhalten anderer hinterfragt und an den Pranger gestellt wird. Du isst Fleisch? Verbrecher, du nimmst anderen die Lebensgrundlage weg, zerstört die Umwelt.
Du fährst ein Auto? Umweltsau, du vernichtest die Natur und verbrennst unsere Ressourcen. Und so weiter, und so weiter.
Was aber bei all diesen Aufschreien der riesengroße Denkfehler ist: Die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Jeder, der einigermaßen mit Verstand und logischem Denken gesegnet wurde wird wissen, dass es nicht so einfach ist. Nur, weil wir nur noch regionales Obst- und Gemüse essen, retten wir nicht die Natur, nein in manch einem Kontext schädigen wir sie sogar. Und es gibt sowohl Rechnungen, die nachweisen, dass die Produktion von Fleisch mehr Ressourcen frisst, es gibt aber auch gegenteilige Studien. Ganz allerliebst sind diese Spinner, die mir klarmachen wollen, ich würde mit Smartphone und WLan ihre Lebensgrundlage zerstören, sie krank machen. Meist kommen diese dann mit Argumenten, die an Oberflächlichkeit und wissenschaftlicher Unhaltbarkeit nicht mehr zu toppen sind.

Ganz ehrlich Leute. Lebt euer Leben, verzichtet, worauf ihr verzichten wollt, aber bitte: Verzichtet vor allem darauf, euer Gutmenschentum andauernd in die Welt hinauszublasen. Bei mir bewirkt ihr damit genau das Gegenteil. Und aus diversen Gesprächen weiß ich, bei vielen anderen auch. Ich höre euch nicht mehr zu und überlege mir dann zwei mal, ob ein Verzicht wirklich Sinn macht. Gute Argumente höre ich mir gerne an. Aber wer mir mit geradezu missionarischem Eifer einen Konsumverzicht aufdrängen will, wer mich mit der ethisch moralischen Quelle zum Veganer machen will, der hat schon verloren. Der bewirkt bestenfalls das Gegenteil.

Wer mir weiß machen will, ich solle auf möglichst viel Technik verzichten, der dürfte sich wundern wenn er erfährt, dass unser Haushalt durch ein MEHR an Technik die Umwelt schont und Energie spart.

Etwas mehr ruhige Diskussion, etwas weniger missionarischer Eifer wäre in vielen Fällen viel sinnvoller. Aber leider hat offensichtlich die Mehrheit der Menschheit immer noch nicht begriffen, dass es nicht nur schwarz und weiß, gut und böse sondern viele Graustufen gibt. Blicken wir aber in die Vergangenheit, dann dürfte den meisten auffallen, wie oft gerade die angeblichen Gutmenschen mit ihren Ansichten so dermaßen daneben lagen, dass es schon schmerzt. Und da ist die Warnung, dass Zugfahren wegen der Geschwindigkeit die inneren Organe schädigt noch das „niedlichste“.

Macht es einfach einfach. Technologie und das leichte Leben

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Die Zukunft beginnt jetzt. Wenn wir wollen.

Immer wieder beklagt man sich in Gesprächen mit mir, meist wenn ich Freundes- oder Bekanntenkreis wieder einen Rechner einrichten, ein Zubehör reparieren oder eine Software aufspielen soll über die ach so schwierige Technik.

Und die da klagen haben Recht. Noch haben sie recht, denn für mich ein weiterer Megatrend der nahen Zukunft ist das Prinzip Vereinfachung.

Initiiert durch die neuen Technologien von Tablet und Smartphone beginnt insbesondere die technologiegetriebene Industrie sich endlich Gedanken zu machen, wie man den Umgang mit Hardware vereinfachen kann. Und das auch deshalb, weil die Entwicklung vom großen Desktoprechner über Notebooks jetzt in Richtung „wearable devices“ geht. Smartwatches, Google Glass. Alles Technologien, die nach sehr einfachen natürlichen Eingabemöglichkeiten verlangen. Wenn ich nur noch Fingergesten oder gar die Sprache verwenden kann, muss das Interface klar und einfach sein. Und gerade bei Technologien, die einen gewissen „verspielten“ Aspekt haben, bei denen sich der eine oder andere sicher fragen wird „brauche ich das?“ ist es dringend angeraten, den Umgang so angenehm und unaufdringlich wie möglich zu machen, will ich die für den Erfolg nötige Marktakzeptanz erreichen.

Das bedingt aber auch, dass wir immer mehr erleben werden, dass Technologie unaufdringlich im Alltag verschwindet. Ich trage ein Fitnessarmband, das eigentlich auch als „Schmuck“ durchgehen könnte. Ich nutze eine Smartwatch, die mit der passenden Uhrenapp wie eine ganz normale Armbanduhr aussieht. Und wir werden eine noch viel weiter gehende Integration erleben.

Google Glass ist der erste Schritt, die nächsten Generationen werden früher oder später so unauffällig ausehen, dass sie nicht mehr von einer normalen Brille zu unterscheiden sind.

Damit werden die Technologien, denen wir Jahrzehnte lang, manchmal zu Recht vorgeworfen haben, sie würden uns das Leben nur BEqX3gqCIAAosBVschwerer und komplizierter machen endlich dem Anspruch gerecht, das Leben zu erleichtern.

Aber nur, wenn wir sie als das akzeptieren, was sie sind, Enablertechnologien, deren Anwendung, deren Verankerung in der Gesellschaft wir in der Hand haben. Wir müssen uns neben der neuen Technologie stets um die moralischen und gesellschaftlichen Implikationen kümmern. Und das bevor der Staat mit oft viel zu harter Hand und meist unwissend ob der Möglichkeiten reglementarisch eingreift.

Auch deshalb habe ich die Wolfsburger Erklärung des 2b AHEAD ThinkTanks mitunterzeichnet , weil ich denke, wir sollten den Entwicklungen nicht passiv und ablehnend hinterherlaufen sondern aktiv, ja proaktiv und wenn möglich positiv mit den neuen Technologien und deren gesellschaftlichen Implikationen umgehen. Technik kann das Leben schwer, oder einfach machen. Es liegt an uns, was wir wollen.

Worum es in unserer Gesellschaft gehen sollte.

Das Fernsehen berichtet, dass Familien mit Kindern in manchen Städten nach Zahlung der Miete unter Hartz IV Niveau sinken. In Deutschland gibt es Kinder, deren familiäre Verhältnisse so schlimm sind, dass sie ein Leben auf der Straße dem in der Familie vorziehen. Es gibt Frauen, die aus ihrer Beziehung wegen häuslicher Gewalt flüchten. Es gibt Männer, die aus ihrer Beziehung wegen häuslicher Gewalt flüchten. Immer mehr Menschen erkranken an Depressionen und tarnen diese als Burn Out, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden.

Es ist Zeit.

Höchste Zeit.

Zeit etwas grundlegendes in unserer Gesellschaft zu ändern.

Gesellschaft sollte auch Gemeinschaft heißen. Sich gegenseitig helfen, füreinander da sein. Aber eigentlich sollen wir heute alle nur noch funktionieren. Das beginnt schon in der Schule, nein meist schon viel früher, wenn ehrgeizige oder einfach panische Eltern ihre Kinder auf eine extrem fordernde und gleichzeitig unsichere Zukunft vorzubereiten suchen.Statt unsere Kinder aufwachsen zu lassen, ihnen Erfahrungen, Erlebnisse zu bieten, sie zu bilden bilden wir sie aus. Wir bereiten sie nicht mehr auf das Leben, sondern auf die Arbeitswelt vor. Überhaupt ordnen wir uns immer mehr wirtschaftlichen Belangen unter. Man wird schon fast zum Kommunisten abgestempelt, wenn man sich fragt, ob nicht eigentlich die Wirtschaft dem Menschen und nicht der Mensch der Wirtschaft nutzen solle.

Wir leben in einer Welt, in der die Presse, allen voran das Blatt mit den vier blutroten Buchstaben uns immer wieder vorbeten, nur wer Arbeit hat, ist auch ein wertvoller Mensch, wer arbeitslos ist, schmarotzt automatisch.

Wir lassen uns von Wirtschaft und Politik überwachen, ausspionieren, erfassen und auswerten, sind nur noch Humanressource, Humankapital und Wirtschaftsfaktor. Wenn wir krank werden, sind wir ein Kostenfaktor für das Krankenhaus, an dem man nur durch möglichst schnelle Abwicklung verdient. Und unser Hausarzt hat für uns nur so viel Zeit, wie die Krankenkasse ihm für den Kostenfaktor kranker Mensch zu zahlen bereit ist.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der gerade die am hilfsbereitesten sind, die wenig haben und die am egoistischsten, die gar nicht mehr wissen, wohin sinnvoll mit dem Geld und sich deshalb geschmacklosen Tinnef in ihre Häuser stellen. DAS zeigen uns die Unterschichten Trashshows im TV und beweisen uns indirekt, dass viele Vorurteile leider auf wahren Fakten basieren.

Wir leben in einer Welt, in der Institutionen an unserem Geld verdienen und damit spielen, aber uns nur dann Kredit gewähren, wenn wir so viele Sicherheiten bieten, dass wir den Kredit eigentlich gar nicht bräuchten. Eine Welt, in der jemand, der 1 Milliarde Euro Schulden hat vom Vorstand auf einen Kaffee eingeladen wird, während man das Haus des Menschen versteigert, der ein paar tausend Euro momentan nicht zahlen kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir die Natur sehenden Auges zerstören, die Wirtschaft, die protzige Autos baut unterstützen und alternative Energien so lange kaputt verwalten, bis sie bankrott sind. In der wir Milliarden in menschenmordende Technologie stecken, die dann doch nie fertig wird, aber nicht einsehen wollen, dass es für unsere Gesellschaft finanziell möglich wäre, allen Menschen ein lebenswürdiges Leben zu bieten und sie durch ein bedingungsloses Grundeinkommen wirtschaftlich abzusichern.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir Lebensmittel bewußt vernichten, um „die Märkte zu schützen“,in der es ernsthaft Konzerne gibt, die Wasser als Wirtschaftsgut sehen und wir es zulassen, dass Kinder an Hunger sterben oder an den Ausdünstungen dessen, was wir als Konsummüll in deren Länder exportieren.

Oder leben wir wirklich in dieser Gesellschaft? Verabschieden sich nicht immer mehr Menschen daraus, okkupieren, was sie zu zerstören droht? Bohren mit dem Finger in den Wunden der Politik, die uns allen misstraut, uns überwacht und für Terroristen hält?

Wird es nicht endlich Zeit, uns ernsthaft zu „empören“? Zu hinterfragen, wer hier eigentlich über unsere Werte und Menschenwürde bestimmt? Wer unseren Kindern die Jugend und den Vätern und Müttern das Einkommen raubt? Wer Kunst und Kultur, Gesundheit und Gemeinschaft dem Kommerz und dem Profit opfert, opfert geistige den materiellen Werten, opfert das Herz dem (Un-)Verstand.

Viele sagen, wir klagen auf hohem Niveau. Ja, das tun wir, wenn wir nur in unserer eigenen Gesellschaft klagen. Aber wir sind EINE Menschheit, und was wir hier in Europa tun, dank der von der Wirtschaft für so wichtig erachteten Globalisierung weltweite Auswirkungen. Es wird Zeit für eine globalisierte Wut. Und für eine neue globalisierte Gesellschaft, die das Wohl der Menschen endlich wieder an erste Stelle setzt.

Oder wie es John Lennon sang: „They say, I am a dreamer. But I’m not the only one“ (Hoffe ich)

Ich wollte doch nie nett sein. Freud und Leid eines netten Kerls

An manche Dinge wird man erst durch seine Kinder wieder erinnert. Meine Frau und ich sind stolz auf unsere drei. Aber immer wieder erkenne ich in ihnen Wesenszüge, die  ich auch von mir kenne.

Vorneweg, nicht falsch verstehen, ich bin gerne „nett“ und hoffe auch, dass unsere Kinder weiterhin so „nett“ bleiben, wie sie es bislang sind.

Will sagen, sie haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, wenig Lust auf harten Wettkampf, versuchen meist den Schwächeren zu helfen und gehören nicht zu den „zentralen Rowdie Cliquen“ in ihrem Umfeld. Lehrer mögen Sie, Eltern die sie kenne mögen sie….. Na ja, ihr wisst, was ich meine.

So weit so gut.

Aber ich erinnere mich. Es war zwar den Erwachsenen früher sehr recht, dass ich ein „netter Kerl“ war, aber im täglichen Umgang mit Gleichaltrigen, da hatte ich immer so meine Probleme. Weil es immer irgendein „Arschlochkind“ gab, hinter dem meist auch noch „Arschlocheltern“ standen, die egal was das Kind anstellte, es verteidigten. Wurde mir von solche einem Kind etwas geklaut, nein unmöglich, das konnte nicht stimmen, das hatte ich mir nur eingebildet. Auch die Mädels damals fanden  mich alle supernett, mit mir konnte man über alles reden, ich war ein super Kumpel, aber als Freund, da suchten sie sich in schöner Regelmäßigkeit die fiesesten Typen aus, die sie ausnutzten und kamen dann zum Schluss verblüfft, unter Tränen zu mir, weil sie gar nicht verstehen konnten, wieso er so sein konnte. Und auch später war und bin ich immer hilfsbereit gewesen, bin es heute noch, gebe nicht mit meinen Leistungen an (frei nach dem Motto: Mit Kompetenz ist es wie mit Potenz, wer sie hat, spricht nicht darüber). Einfach ein (zu?) netter Kerl.

Und da denke ich im Moment drüber nach. Wir regen uns gerade wieder über bestimmte Promis auf, die Steuern hinterzogen haben, sich von einer Frau zur nächsten schlafen oder über Politiker, die ihren eigenen Vorteil und die Lobbies mehr achten, als den Bürger, ihren eigentlichen Auftraggeber.

Die effektiv negativen Aspekte sind natürlich, dass ich einfach nicht wirklich auf den Tisch hauen kann und den ungerechten, dummen, gemeinen Menschen die Meinung sagen. Dafür bin dann wieder zu nett. Aber ich persönlich kann damit leben, dass ich Kritik nur dann liefere, wenn ich damit niemand verletze. Viele andere sind so verletzend, wie ich es nie sein möchte.

Nur mal ganz ehrlich. Leben wir eigentlich wirklich in einer Gesellschaft, in der der nette, der ehrliche, der gute Mensch erfolgreich sein kann? Die Welt ist extrovertiert, auf Kampf fokusiert, auf Konkurrenz auf all jene Dinge, die eben nicht von einem netten Menschen  von ganzem Herzen geleistet werden können.

Denn die meisten großen Konzerne wollen doch Profit, nicht das Wohl des Kunden. Wer Karriere machen will, muss doch auch heute noch darauf gefasst sein, in einen oft brutalen Verdrängungswettkampf einzusteigen. Und wer glaubt, dass Politik, Werbung, die Medien ehrlich zu uns sind. Na ja…

Wir beschweren uns über die Betrüger, die Steuerhinterzieher, aber wer ist denn wirklich immer selbst im Alltag ehrlich? Warum ist es immer noch eine herausragende Story, wenn bei einem Unfall erste Hilfe geleistet wird, wenn ein verlorener Geldbeutel zurückgegeben wird oder Menschen in Krisen von ihrem Umfeld uneigennützig geholfen wird?

Gibt es wirklich irgendwo ein Umfeld, in dem der einfach nur „nette“ Mensch, der sein Talent zum Wohle anderer einsetzen will, ohne dabei gleich ausgenutzt zu werden, friedlich existieren kann?

Im Moment habe ich das Gefühl, wir alle sehen die Welt wie eine römische Gladiatorenarena. Und bereiten so auch unsere Kinder auf das Leben vor. Denk an dich selbst, pass auf, dass ein anderer dir nichts wegschnappt.

Wer nicht dauernd lauthals auf seine Leistungen hinweist, sich durch permanentes in den Vordergrund drängen sichtbar macht, wer einfach nur etwas herausragendes leisten will, der wird doch von denen überrollt, die meist weniger leisten, aber lauter darüber berichten, oft nicht ganz ehrlich zudem.

Das will ich aber nicht, das ist nicht das, was ich unter guter Erziehung verstehe. Vielleicht stimmt ja, was mir mal ein Twitterer geschrieben hat, und was ich mir immer wieder sage, wenn ich daran zweifle, ob  nette Kinder wirklich auch erfolgreich sein können.

Meine Aufgabe als Elternteil ist es, meinen Kindern immer genau die Herausforderungen zu bieten, an denen sie positiv wachsen können. Alles andere ergibt sich von selbst, denn ich bin nur der Bogen der den Pfeil abschießt. Danach sucht sich der Pfeil seinen Weg selbst.

Und der Weg, den ich mir persönlich für meine Kinder wünsche ist eben ein netter, ein guter, ein menschlicher Weg. Einige wenige Zeichen zeigen, dass es wohl noch andere Menschen gibt, die so denken. Und das ermutigt.

 

Selbstverwirklichung zwischen Egoismus und Helfersyndrom

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Auch der Besuch von Barcamps und das Bloggen sind Teil meiner ganz persönlichen „Selbstverwirklichung“. Aber hier gilt, die Familie darf nicht leiden.

Johannes Korten schätze ich sehr, auch für seine manchmal sehr tiefen Gedanken. So hat mich sein Blogbeitrag „Selbstverwirklichung, auch so ein Thema“ gedanklich ziemlich lange beschäftigt. So lange, dass ich einfach ein paar dieser Gedanken verbloggen musste, und auf Diskussion, Reflektion, Feedback von euch Lesern hoffe. Ich will hier keine Blogparade draus machen, aber das Thema ist für mich bedeutsamer, als es mir auf den ersten Blick schien.

Zunächst einmal hat Selbstverwirklichung in meiner Warnehmung oft einen negativen Beigeschmack, wie auch Johannes schon feststellte. Wobei ich hier einschränken möchte, so lange es sich um eine berufliche Selbstverwirklichung in Form einer Karriere handelt wird das viel leichter akzeptiert, als im privaten Bereich. Manchmal scheint mir schon die Vernachlässigung privater und persönlicher Beziehungen und Interessen zu Gunsten der Karriere gesellschaftlich anerkannt, wohingegen jemand, der zu Lasten der Karriere private Selbstverwirklichung betreibt oft als egozentrisch, manchmal gar faul bezeichnet wird.

Andererseits, und da spreche ich auch aus eigener Erfahrung.  Wer nicht auch auf seine eigenen Bedürfnisse jenseits von Beruf und Karriere achtet, der setzt nicht nur seine Beziehungen aufs Spiel, sondern auch seine Gesundheit. Been there, done that, never again.

Andererseits kann man auch im privaten Bereich die Selbstverwirklichung übertreiben, vor allem, wenn man einen Teil seiner Erfüllung aus der Anerkennung anderer bezieht. Wie im Beruf ist hier vor allem derjenige gefährdet, der unter Perfektionismus und/oder Helfersyndromen leidet.

Aber für mich heißt Selbstverwirklichung in ihrer gesunden Form auch, eine gewisse Eigenliebe zu pflegen, ohne die man nicht wirklich offen, tolerant und gelassen auf andere zugehen kann.

Und ein weiterer Punkt ist für mich hier wichtig. Wer kann sich überhaupt selbst verwirklichen? In unserer heutigen, stark konsumorientierten Zeit fällt es extrem schwer, sich aus gewissen gesellschaftlichen Zwängen auszuklinken, nur weil man sie für sich als „hinderlich“ erlebt. Denn auch zur Selbstverwirklichung benötigt es Geld und oft sind Menschen gezwungen, die Selbstverwirklichung aufzuschieben, da sie sozialen und existenziellen Zwängen geschuldet zunächst fürs blanke Überleben arbeiten müssen. Selbstverwirklichung ist somit auch in gewissem Sinne Luxus, den man sich erst leisten kann, wenn man eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit erreicht hat.

Und wo hört die Freiheit der Selbstverwirklichung auf? Wann hindere ich mit meiner Selbstverwirklichung andere oder schade ich ihnen? Gerade als Partner, Vater und auch in meinen verschiedenen gesellschaftlichen Rollen muss ich immer auch darüber nachdenken, was meine Handlungen bei anderen bewirken. Gerade wer Kinder hat, hat sich auch darauf eingelassen, auf einen Teil seiner eigenen Selbstverwirklichung zu verzichten, weil er auch für das Kind oder die Kinder da sein will, ihnen Freiräume und Möglichkeiten schaffen. Das ist aber meist kein Opfer sondern als Teil der eigenen Selbstverwirklichung eingeplant (klingt etwas paradox, aber wer Kinder hat, versteht, wie ich es meine)

Zudem, wir sind oft auch bestimmten Zwängen unterworfen, die eine Selbstverwirklichung im Handeln und Denken zwar nicht verbieten, aber Konventionen auferlegen, die manchmal konträr zum eigenen Lebensideal stehen. So kann ich im bezahlten Beruf nicht einfach tun und lassen, was ich will, sondern werde für die Erledigung von Aufgaben bezahlt, die ich vielleicht im privaten anders oder gar nicht machen würde. Selbstverwirklichung hat also auch immer etwas mit persönlichen Freiräumen zu tun, mit der Möglichkeit zur uneingeschränkten Entfaltung.

Für mich ist und bleibt Selbstverwirklichung wichtig und richtig und jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten, so er niemand anderem damit schadet sich selbst verwirklichen.

Was mir wirklich noch auf der Seele brennt ist, dass in einem doch eigentlich so reichen Land wie Deutschland viele Menschen noch nicht einmal die Möglichkeit zu echter Selbstverwirklichung haben, weil sie schlicht um die Existenz kämpfen müssen.

Wovon ich zudem überzeugt bin. Selbstverwirklichung geht überhaupt nicht ganz alleine. Denn vieles, was uns wichtig ist, benötigt einen sozialen Kontext. Wir brauchen Anerkennung, Liebe, Zuneigung und viele andere Empfindungen und nicht materiellen Dinge zum eigenen Wohlbefinden und auch das ist für mich ein großer Teil der Selbstverwirklichung. Gerade Zuneigung ist etwas, das eigentlich jeder Mensch in der einen oder anderen Form braucht und auch das gehört zur „Wirklichmachung“ des Selbst dazu.

Was denkt ihr?