Ein Dank jenen, die mich begleitet haben und zu mir standen

dpressEs verändert sich was in mir, es wechselt etwas zum Besseren. Ich glaube langsam wirklich an das Projekt „Buch“. Dass es ein Erfolg werden könnte.

Dass ich mich tatsächlich Autor nennen darf, und dass es nicht eine Eintagsfliege bleibt, sondern nocimg_20160930_122711h weitere Bücher folgen. Woher dieser Mut kommt? Keine Ahnung. Verzweiflung? Der Wunsch, etwas zu verändern?

Der Wunsch, mich selbst zu verändern? Egal, der Robert Frostsche wenig begangene Pfad ist gewählt und Umkehr ist keine Option mehr. Danke Angela , danke Cindy für den Glauben an das Projekt, für den Glauben an mich als Autor.

All der Zuspruch für meine Offenheit, all die Kommentare, die Feedbacks auf Barcamps, Konferenzen und auf Twitter. Ja, es ist ein Glück, dass mein Suizidversuch gescheitert ist. Das kann ich jetzt aus vollstem Herzen sagen.

Danke allen Freunden, Mitpatienten, allen, die zu mir standen, als mein Leben tiefdunkel wurde, allen, die mich auf dem Weg aus dem Tal begleitet haben. Auch für euch entsteht dieses Buch.

Der allergrößte Dank geht aber an zwei Frauen, die wortwörtlich beteiligt waren an der Rettung meines Lebens. Bettina, die tollste Kollegin, die man sich wünschen kann. Und über alle Maßen meine Frau Sibylle. Sie ist der Fixpunkt in meinem Leben, der Grund für die Wiederaufnahme des Kampfs gegen meine Dämonen und für meine Ideale. Nein, ich werde nicht schweigen, nein, das Buch ist keine Spielerei, ebenso wenig die TV Doku. Es sind Ausdrucksformen meines unbedingten Wunschs, nicht mehr das Leben anderer Menschen zu leben, nicht mehr Dinge wichtig zu nehmen, weil andere sie für wichtig halten. Ich bin Autor. Der Wunschtraum meines Lebens geht in Erfüllung. Und so viele gute Menschen haben ihn möglich gemacht und begleitet.

Einfach, Danke!

 

Warum ich nicht mehr leben wollte

Triggerwarnung: Solltest du dich im Moment emotional nicht stabil fühlen, lies diesen folgenden Text bitte nicht, sondern hol dir Hilfe. Versprich es mir.

sonne

Ja, ich wollte Suizid begehen. Ich habe es tatsächlich real versucht. Gott sei Dank ging das schief, wobei ich unglaublich viel Glück hatte, im Nachhinein betrachtet.

Aber warum tut man so etwas überhaupt, ist die Frage, die ich am häufigsten zu hören bekomme. Warst du den irre? Nein, war ich nicht. Vielmehr so klar im Kopf, so erschreckend sicher, dass ich im Nachhinein noch immer erschrecke, wenn ich an jenen Tag, den 5. Februar denke. Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe. Ich bin sogar entsetzt über die Angst, die ich ausgelöst habe.

Aber in diesem Moment, als alles damals begann, war mir nur eines klar. Man hatte mir mein Leben weggenommen. Und das, was jetzt drohen würde, das wollte ich nicht, konnte ich nicht ertragen. Ich wollte nicht sterben. Aber dieses Leben wollte ich auch nicht mehr und es gab in diesem Moment keinen Ausweg mehr, keine Alternative. Mein Leben war am Ende. Es war nicht ohne Fremdbeteiligung aber ich will niemandem Vorwürfe machen. Man hätte manches nicht sagen, manche Regel nicht mir aufbürden sollen. Aber im nachhinein ist man immer klüger. Man hat mich nicht verängstigt, ich wurde in pure, blanke Panik versetzt.

Eines wusste ich in diesem schrecklichen, panischen, vor Angst starren Moment. Ich bin eine Last. Für alle, insbesondere für meine Familie. Klar, es würde Trauer geben, aber dann würde es weiter gehen.

Erst durch den Verlust eines wirklich guten Freundes, Johannes Korten ist mir vor Augen geführt worden, dass dann nichts besser wird. Es gibt immer Menschen, denen man fehlt, deren Leben danach nie wieder ganz heil wird.

Ich werde hier kein Wort über das Wie und das Wo verlieren. Würde mir sowieso nur Ärger einbringen.

Ich bin zurück im Leben, will es nicht mehr tun, auch wenn der Gedanke an sich etwas tröstliches hat. Nein, wer einen Suizid begehen will, ist deshalb kein Monster, nicht gefühllos oder egoistisch. Er ist zutiefst verzweifelt und sieht im eigenen Leben keinen Wert mehr. Dass diese Sichtweise falsch ist, oft sorgt eine Depression oder eine Panikattacke dafür, dass dieser Blick nicht mehr existiert.

Solltet ihr jemanden kennen, der sich schon verdächtig in dieser Richtung geäußert hat, versucht mit allen Mitteln, ihn wenigstens zum Hausarzt oder ans Telefon der Telefonseelsorge zu bringen. Hört zu, helft wenn es geht, schon das kann ein Leben retten.

Solltest du, lieber und gebrauchter Leser selbst suizidale Gedanken haben, bitte, such dir AUF JEDEN FALL Hilfe. Es gibt einen Ausweg. Immer. Ich habe genug Menschen und deren neues, besseres Leben kennengelernt um sagen zu können: Ich weiß, dass es so ist.

Oh und eines noch. Ich bin immer noch zu finden, in diesem Internet. Ich habe mich daraus nicht gelöscht, schon gar nicht schnell.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Muslimisches Seelsorgetelefon

Das muslimische Seelsorgetelefon ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 030 / 44 35 09 821 erreichbar.

Hilfe im Chat

Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge.

Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Hilfe per E-Mail

Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorgemelden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

Der elektrische Reporter, Depressionen und ich

Auf der re:publica hatten Kati Krause und ich ja eine Session zu dem Zusammenhang von Depressionen und Social Media bzw. zu Strategien gehalten, wie man in einer Depression mit Social Media umgehen sollte.

Das hat die Redaktion des Elektrischen Reporter wohl so interessant gefunden, dass Kati und ich Teil eines Beitrags des Elektrischen Reporters zu ebendiesem Thema geworden sind. Aber seht selbst:

 

 

Wenn gut gemeintes dich ins Loch stösst

Schlimmer noch als böse Menschen, toxische Typen, giftige Gestalten sind all die, die es doch nur gut mit dir meinen.

Da hast du es gerade einigermaßen auf einen stabilen Stand geschafft, fühlst dich gefestigt, denkst, du kannst auch den Arbeitsalltag wieder stemmen, dann mischen sich Klugscheißer ein, die über deinen Kopf hinweg entscheiden, dass du wohl nicht stabil genug bist. Die haben die unverschämte Arroganz, die Überheblichkeit, zu entscheiden, wie ich zu sein habe.

Oder noch schlimmer, die begreifen einfach nicht, dass nur weil ich jetzt aus den Kliniken und der Wiedereingliederung raus bin, das noch lange nicht heißt, dass ich gesund bin. Ich bin stabil, ich hab meinen schwarzen Hund gerade unter Kontrolle, da kommt eine gute gemeinte aber für mich fürchterliche Breitseite, die mich wieder tief ins Loch der Depression stößt. Die eine Panikattacke auslöst, Selbstverletzung und depressive Gedanken in Reinkultur.

Sensibilität, das ist etwas, das viele von sich zu haben behaupten, aber ganz wenigen gegeben ist.

Und ich darf die Trümmer meines gerade geklebten Seelenkruges wieder mühsam zusammenflicken, denn man damals vermutlich nicht mal absichtlich zerbrochen hat und mich damit fast umgebracht.

Bitte, meint es nicht gut mit mir, wenn euch nicht wirklich interessiert, wie es mir geht, wenn ihr nicht begreift, dass ich Depressionen auch weiterhin haben werde, und auch gerade deshalb ernst genommen, gefragt werden will. Arroganz und Ignoranz. Ich kann sie nicht mehr ertragen. Lasst ich lieber in Ruhe, bevor ihr gänzlich unbedarft in meiner Seel herumstochert und mich mehr verletzt, als ihr es vielleicht ahnt.

Du bist doch depressiv, du kannst das doch nicht.

Warum eigentlich meinen alle besser zu wissen, zu was ich in der Lage bin und zu was nicht? Wie? Du warst das ganze Wochenende auf dem Literatur Barcamp in Heidelberg? Das muss dich doch sehr angestrengt haben? NEIN, HAT ES NICHT. Warum wissen andere denn immer so viel besser, was mich anstrengt?

Das Literatur Barcamp war für mich pure Erholung, Inspiration, Stimmungsaufhellung. Genauso wie die Arbeit an meinem Buch. Das strengt zwar in gewissem Sinn auch an. Aber diese Anstrengung empfinde ich als sehr positiv und sie lenkt mich hervorragend von meiner Depression und meinen Ängsten ab. Beim Schreiben habe ich das Schicksal im Griff, zumindest im Rahmen der Fantasie der Autorenrolle.

Und ja, ich mache bei Dreharbeiten mit, aber auch die strengen mich bei weitem nicht so an wie klugscheissende Ärzte, die behaupten, das „wäre für den Herrn Hauck aber noch nichts.“ Völliger Quatsch, aber immerhin folgte darauf der Mandatsentzug. Lass mir doch nicht von anderen vorschreiben, was ich kann und was nicht. Vielleicht ist das das eigentlich Ärgerliche daran, mit der Depression an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gibt plötzlich so viele besorgte Besserwisser, die zwar von der Krankheit keine Ahnung aber tausend Helferlein zur Hand haben.

Wisst ihr was? Verpisst euch. Ich krieg das schon in den Griff, mit denen, die wohlwollend an meiner Seite stehen statt mit erhobenem Finger über mich zu richten.

Ich entscheide. Das hab ich viel zu lange nicht.

Also, weg mit den toxischen Menschen. Und wenn ich sie nicht physisch meiden kann, dann fliegen die zumindest aus meinem Kopf.

So.

Depression ist voll im Trend, für den Moment

Wieder ist es ein Prominenter, der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema Depression lenkt. Lewandowskis Tod ist eine Tragödie, ein Drama, bedrückend. Und nicht ohne eine gewisse Morbidität beginnen die Massenmedien wieder einmal auf den Zug „Psychische Erkrankung“ aufzuspringen. Aber nachhaltig ist dieses mediale und öffentliche Interesse meist nicht.
Er war offensichtlich depressiv? Halbwertszeit der Nachricht maximal eine Talkshow in der wieder jeder sich selbst auf die Schulter klopft, wie viel man doch für die adäquate Behandlung psychisch Kranker tue (wobei tun meist in Geld gemessen wird, nicht in wirklicher Hilfe).
Es waren auch andere vom Tod eines psychisch Kranken betroffen (Das Germanwings Phänomen)? Dann wird krampfhaft versucht, eine Verbindung zwischen der psychischen Erkrankung und der Tat zu knüpfen, alle mahnenden Worte, man könne das nicht verpauschalisieren und müsse Ergebnisse abwarten werden wegen falscher BILDung ignoriert.
Maximal 2 Wochen darf man einem psychisch Kranken an Aufmerksamkeit in den Medien gewähren, der Erkrankung selbst vielleicht einen Monat. Aber dann ist es wieder etwas, das man sich einbildet, bei dem man sich zusammenreißen solle und wo man doch schon das Menschenmögliche macht. Sicher. Wartezeiten von 6 Monaten bis zu einem Jahr sind das Menschenmögliche. Wenn das stimmt, dann Prost Mahlzeit.
Natürlich werden TV Dokus produziert, zum Teil sogar sehr gute. Aber die werden dann meist zu Terminen ausgestrahlt, wo man sicher sein kann, dass möglichst wenige Menschen, die etwas darüber lernen MÜSSTEN sie sehen.
TV Serien und Filme zeigen dagegen meist ein mangelhaftes bis schlicht falsches Bild der psychischen Krankheiten. Da wird der psychisch Kranke gerne mal zur Gefahr für sein Umfeld oder die Menschheit, da gibt es außer schwersten Psychopathen plötzlich nichts anderes mehr.
Selbst ich habe mich dieser Doktrin des Verschweigens untergeordnet. Meine Depression und meine Angststörung trage ich seit mehreren Jahrzehnten in mir, habe sie aber immer vertuscht, sogar vor mir selbst. Weil ich in meinem Umfeld und der Öffentlichkeit schnell gelernt habe. Es kann einem mal schlecht gehen, aber wenn das Umfeld merkt, dass man häufiger niedergeschlagen, gefühllos, traurig ist, dann wendet es sich gerne ab.
Und wie viele kluge Ratschläge, sowohl im privaten wie auch im beruflichen Umfeld kamen, die mir empfahlen, doch weiterhin darüber zu schweigen. Und meinen Suizidversuch schon gar nicht zu erwähnen.
Aber nicht, weil man mir wohlgesonnen war, sondern weil man um den eigenen professionellen Ruf besorgt war und ist. Leider halte ich die Klappe nicht mehr und bin mal gespannt, wie man mich in Zukunft zum Schweigen bringen will. Sorgen habe ich weniger. Meine Reichweite ist mittlerweile zu groß für eine echte Gefahr und mein Buch wird ein übriges tun.

Verdammt, ich will, dass psychische Krankheiten endlich ohne Stigma in der Öffentlichkeit behandelt werden. Denn sie sind wie ein Knochenbruch oder eine Krebserkrankung etwas, das sich behandeln und wenn schon nicht heilen so doch sehr viel verbessern lässt. Und sie sind in den allerseltensten Fällen gefährlich. Oder würden wir Grippe und Virusinfektionen verdammen, nur weil es einige lebensbedrohliche Krankheiten wie Ebola gibt? Da verpauschalisiert niemand, bei psychischen Krankheiten sehr wohl.
Und ich bin mir über eines sicher. Die Chance hätte bestanden, dass Lewandowski heute noch lebt, wenn nicht gerade auch für Leistungsmenschen wie ihn, die auch noch in der Öffentlichkeit stehen, eine psychische Erkrankung oder Überlastung trotz Robert Enke nach wie vor ein Stigma ist, das man auf jeden Fall verheimlicht. Ich möchte nicht wissen, wie viele vermeintlichen Burn Outs in Wirklichkeit zum Teil schwere Depressionen sind.

#endetdasStigma

Ich bin anders, lebt damit

20151021_160413Ich bin nicht normal. Schlimm? Ach was. Normalität ist für mich Langeweile.  Durchschnitt. Alltäglich. Unkreativ. Normal sind, die, die mir immer klar machen wollen, dass mein „anders“ sein, mein „anders“ denken böse, gefährlich, falsch, bedrohlich ist. Lange hab ich immer wieder auf diese Stimmen gehört, mich von ihnen irritieren lassen, kaputt machen, in die Depression treiben.

Was ich gelernt habe im letzten Jahr. Ich werde anders bleiben. Weil ich so sein will. Weil es mein Wesen ausmacht, meine innere Essenz darstellt, das, was mich am Leben hält.

Ich bin der, der auch im Winter oder bei Regen barfuß nach draußen geht. Ich bin der, der lieber ein Museum oder eine Bibliothek besucht, als eine Party.

Ich bin der, der es liebt, zu schreiben,  der Filme schätzt, die andere als langweilig oder zu schräg bezeichnen würden.

Ich bin der Geek, der Gadgets und Technikspielereien liebt, der sich aber gleichzeitig mit Malerei und Prosa befassen möchte.

Ich bin Rampensau und Agoraphob.

Und ich bin depressiv und mag es dennoch, mit anderen zu lachen. Zumindest, wenns mir nicht gerade tiefdunkelübel geht.

Nehmt mich so, wie ich bin oder lasst es. Aber versucht nicht mich zu verbiegen. Denn auch wenn ich nachgeben werde, ich werde mich wehren.

Weil ich einen Suizidversuch hinter mir habe, weil ich mich hatte falsch machen lassen. Ein zweites Mal darf das, wird das nicht passieren.

Ich bin ein Außenseiter aber Überraschung. Ich fühle mich wohl dabei. Mittlerweile.

 

Kein Mitleid, kein Mitgefühl und schon gar keine Gnade

Ich habe Depressionen, ich hatte sie schon und werde sie auch zukünftig haben.

wetter
Und meinen Ängsten muss ich mich jeden Tag aufs neue stellen.

Deshalb spart euch bitte euer Mitgefühl. Denn würdet ihr wirklich mitfühlen, ihr könntet mit mir in die Therapie. Die Dunkelheit, die Wertlosigkeit, das Gefühl, auf trockenem Land zu ertrinken. Das kann man nicht mitfühlen. Es zu behaupten ist verletzend, weil es das eigene Empfinden entwertet, es zu etwas macht, das jeder nachvollziehen kann. Wenn es aber mal darauf ankäme, es nachvollziehen zu können, erfährt man als depressiver Mensch sehr schnell, wie wenig wahres Mitgefühl übrig bleibt.  Dann trifft man sehr schnell auf Unverständnis, auf dumme Sprüche wie „stell dich nicht so an“ oder „du hast mir das doch schon früher gesagt, warum war es denn jetzt so schlimm“. Solche Formen von Mitgefühl sorgen eher dafür, dass der Boden für das schwarze Loch, in dem die Depression lauert noch weiter aufgerissen wird, sorgen dafür, dass der Stoß noch etwas stärker ist, der einen in den Spalt stürzt.

Und erst das Mitleid. Ich kann es nicht ausstehen, auf den Tod nicht. Wobei. Tod, aber lassen wir das.wolken

Mitleid entwertet mich, Mitleid macht mich klein und den angeblich Mitleidenden groß. Denn Mitleid ist mit einem depressiven Menschen schlicht nicht möglich, es sei denn, man hat selbst Depressionen und dann leidet man nicht mit, sondern für sich selbst. Weil für sich selbst schon schlimm genug ist.

Und fast alle, die sich einem voller Mitleid zuwenden, erwarten dann Dankbarkeit. Und dass man ob des empfundenen Mitleids voller Demut an seiner Heilung arbeitet. Verdammte Axt, das tun wir auch ohne Mitleid. Aber es ist nicht so einfach, wie die vielen Mitleidenden es sich denken. Wenn alles schwarz in grau ist, wenn die inneren Schmerzen wie ein Sonnwendfeuer lodern und man eigentlich nur noch endlose Ruhe herbeiwünscht. Dann kommt mir nicht mit Mitleid. Den Brand würdet ihr nicht überleben.

Und vor allem, lasst das mit der Gnade, der Rücksicht, dem Anfassen mit Samthandschuhen. Oh wie gnädig, einen depressiven Menschen besonders zu behandeln. Oh wie gnädig, ihn  zu schonen, ihn als Kranken zu behandeln. Oh wie scheiße. Wir sind krank, ja, aber die Krankheit sind nicht wir. Ich habe eine Depression, ich bin nicht depressiv, ich bin nicht die Krankheit. Ich bin so viel mehr. Ich habe mich durch Jahrzehnte gekämpft und es geschafft, eine Familie zu gründen, einen Beruf zu finden, ja sogar ein Buch zu schreiben. Also keine Gnade.

Was denn dann?

Seid da. Die, die ihr mich wirklich wertschätzt, die ihr mich auch mit meiner Depression mögt. Seid nur da. Helft, wenn ich Hilfe brauche und darum bitte aber lasst das, was viele machen. Die ungefragten Ratschläge, die Hilfen die keiner will.

Ihr müsst nicht bei mir sein, es genügt, wenn ich euch schreiben kann, wenn ich weiß, dass ihr Verbündete im Geiste seid. Ein digitaler Kontakt, der es ehrlich meint und auch physisch da ist, wenn ich Präsenz brauche ist mehr wert als 5 physische Kontakte, die nur den Arschloch Modus kennen.

Wir wollen leben wie alle anderen auch. Wir werden tiefer sinken und manche von uns werden höher steigen, als der „Normale“.sonne

Aber wir werden, wir können leben. Welche Regeln wir dafür brauchen, das bestimmen wir, nicht irgendwelche Pseudoexperten, die von nichts eine Ahnung haben.

Wer wirklich zu uns steht, hat eines begriffen: Den Kampf gegen die Depression können wir alle nur alleine führen. Aber es tut gut, Weggefährten zu haben, die da sind, die ein Stück des Weges mit uns gehen ohne Mitleid, ohne Mitgefühl, ohne Gnade. Aber mit offenem Herzen und offenen Augen.

Denen, die den Weg mit mir gehen, und ich denke ihr wisst, wer gemeint ist: Danke.

Allen anderen ein gepflegtes: Bugger off.