Ist es Angst, ist es Depression, egal, es ist scheisse

Diagnosen sind ja so ne Sache. Nachdem zunächst alle sich einig waren, ich hätte ein schwere und wiederkehrende Depression, war schon mein Psychotherapeut anderer Meinung. Er vermutete das eigentliche Problem in einer Angststörung, ausgelöst durch sehr negative Erlebnisse in meiner Kindheit (die ich sehr gut verdrängt habe). Die Reha schließlich hat mich aber mal so richtig kaputt diagnostiziert. Generelle Angststörung, schwere Depression, leichte Angstpsychose und leichte Soziophobie. Also kaputt, kaputter geht es nicht. Aber andererseits ist es auch gut, endlich mal die Dinge beim Namen nennen zu können, die einem das Leben schwer und manchmal zur Hölle machten.

Aber was ich rückblickend auch festgestellt habe. Ich habe die Krankheit(en) jahrzehntelang mit mir herumgetragen, konnte dennoch einiges aufbauen, erfolgreich ein Studium abschließen und einen Beruf ausüben. Ich bin nicht die Krankheit, sondern weit mehr. Nur in den letzten Jahren hat sie mich immer mehr überrollt. Auch unglückliche Gespräche, Unverständnis für meinen Lebensstil oder einfaches nicht wissen, was meine Krankheit bedeutet, haben mich an den Rand geführt und einmal auch drüber hinaus.

Ich kenne meinen Gegner jetzt und weiß, wie ich ihn im Zaum halten kann. Und ich werde offen darüber reden, weil wir noch viel zu sehr darüber schweigen. Auch ein Mann hat mal Angst, oder eine Angststörung. Das ist nichts peinliches, abwertendes oder negatives. Es ist eine Krankheit, die behandelbar ist, eine Krankheit, die man in den Griff bekommen kann, wenn man sich dazu durchringt, überhaupt darüber zu reden. Deshalb ist es dringendst notwendig, neben Depressionen auch über andere psychische Erkrankungen zu sprechen. Denn auch das hilft Menschen, den Mut zu finden, Hilfe zu suchen.

Und genau dieser Schritt kann ein Leben retten. So wie letztlich meines. Der Haken ist, dass unsere Gesellschaft weder Depressionen noch Angststörungen überhaupt wahrnimmt, geschweige denn akzeptiert. Und die Männerklischees greifen hier erst recht. Angstörung? Als Mann? Ich doch nicht. Von wegen. Ich stehe dazu. Und dabei hab ich nicht mal Angst.

Warum wir über unsere psychischen Krankheiten reden müssen

Bis 2015 sprach ich nicht darüber, dass ich eine Depression habe. Will sagen, ich gestand mir selbst nicht ein, eine psychische Krankheit zu haben. 2010 hatte man bei mir einen Burn Out diagnostiziert, der in der Krankmeldung als Depression aufgeführt wurde „weil die Kasse sonst nicht zahlt.“

Auch, als es mir 2013 erneut sehr schlecht ging, nahm ich an, ich habe mich nur überarbeitet. Erst der dritte Absturz, der 2014 begann, 2015 nach einer Reihe sagen wir mal unglücklich verlaufender beruflicher Gespräche in einem Suizidversuch kumulierte und mich in die Psychiatrie brachte, hat mir die Augen geöffnet. Frisch eingeliefert hatte ich die Wahl, erneut ein Gebilde aus Lügen und Selbsttäuschung zu errichten, um mich vor mir selbst und meinen Followern auf Twitter und Lesern auf Facebook und in  meinem Blog gut dastehen zu lassen, oder die ganze Wahrheit zu berichten. Ich entschied mich für letzteres, weil ich mich endlich meinem Dämonen stellen musste, den ich schon Jahre mit mir trage. Also begann ich, auf Twitter mit dem Hashtag #ausderklapse zu twittern und im Blog und auf Facebook den Therapieverlauf zu dokumentieren. Ich entschloss mich dazu, obwohl mir mein Umfeld zum Teil geraten hatte, ich solle es verschweigen. pic-15173365-mz8r8S

Und ich wurde im Internet erst recht aktiv, obwohl man mir vorschreiben wollte, wie und wann ich twittern darf und sogar empfahl „Mich aus diesem Internet zu löschen“ (kein Witz, das hat mir im Jahr 2015 tatsächlich ein Arzt geraten. Gut, dass man auch Ärzte nicht immer ernst nehmen muss). Man sagte, ich sei mutig, so darüber zu sprechen. Für mich war es mehr eine Art Lebensversicherung und Therapie, das, was ich seit Jahren versteckt und ignoriert habe endlich aus dem Versteck zu holen und bloßzustellen.

Aber es gab mir auch die breitere Öffentlichkeit recht. Internetplattformen, Dradio Wissen, Nordwestradio, alle berichteten sie von #ausderklapse und die Zahl von Menschen, die ich mit meiner Geschichte erreichen konnte, wuchs.

Und ich hoffe, dass die nächsten Schritte noch viel mehr Aufmerksamkeit für pychische Krankheiten und die Psychiatrie an sich hervorrufen werden.

Ende 2016 wird es einen Roman über meine Odyssee des Jahres 2015 geben, der bei Bastei Lübbe erscheinen wird. Und höchstwahrscheinlich wird es 2016 eine Dokumentation über Depressionen geben, bei der auch ich vorkomme.

Nein, es geht mir nicht darum, prominent zu werden. Aber wenn das dabei hilft, noch mehr Öffentlichkeit für psychische Krankheiten zu erreichen, dann soll es wohl so sein. Eigentlich sollen psychische Krankheiten prominent werden und das Wissen, dass man etwas tun kann, dass es Hilfe gibt, dass es besser werden kann.

Wir dürfen nicht mehr darüber schweigen, dass eine sehr große Zahl von Menschen an psychischen Krankheiten leidet und wegen des Stigmas, der Vorurteile nicht den Schritt zum Therapeuten oder in die Klinik wagt.  Denn viel zu oft endet die psychische Krankheit dann  wie bei mir in einem Suizidversuch. Ich hatte unglaubliches Glück, dass es nicht geklappt hat, denn alles sprach dafür. Aber es hat mir auch vor Augen geführt, dass ich mich nicht so einfach aus der Verantwortung stellen darf.

Lasst uns über psychische Krankheiten reden, sie aus dem Schatten zerren und ans Tageslicht bringen. Wenn wir damit nur ein Menschenleben retten, weil ein Mensch sich in Behandlung begibt, statt seinem Leben ein Ende zu setzen, dann ist es das wert.

Und für die Akten. Die letzte und nach meinem Erachten beste Diagnose bescheinigt mir schwere Depressionen, eine generelle Angststörung und einen Tick Soziopath bin ich wohl auch. Ihr seht, wenn ich was mache, dann richtig.

Gigaset Elements mit neuen Sensoren

Mein Testsetup. Das Basispaket, ergänzt um einen Fenstersensor.
Das Basispaket und der  Fenstersensor. Er erkennt sowohl geöffnete als auch gekippte Fenster und rückmeldet das an die App.

Bei uns ist schon seit geraumer Zeit das Gigaset Elements System im Gebrauch. Wer es nicht kennt, das ganze ist eine Art Hausalarmanlage mit Videoüberwachung und Einbruchssensor. Der Vorteil: Es müssen keine Kabel verlegt werden, alles wird entweder aufgeklebt oder nutzt normale Steckdosen. Das Basisset von Gigaset Elements habe ich bereits in einem früheren Blogbeitrag getestet. Heute soll es um die neuen Sensoren Plug und Button gehen, sowie um die bislang bei uns nicht vorhandene Siren.

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Plug, Button und Siren

Plug ist eine Schaltsteckdose, die sich über Regeln schalten lässt. Das können zeitgesteuerte Regeln sein, Events der Gesamtanlage wie zum Beispiel das Ankommen eines Bewohners oder auch der Druck auf Button, den Knopf um die Steckdose zu schalten. Angenehm ist vor allem die recht kompakte Bauform von Plug, die es ermöglicht, ihn quasi bei fast jeder Steckdose anzubringen. Über die Zeitschaltung lassen sich zum Beispiel regeln definieren, die den Plug zu einer bestimmten Zeit ein, oder ausschalten oder dann, wenn erkannt wird, dass jemand zum Beispiel im Erfassungsbereich der Gigaset Kamera ist.

20151221_103550.jpgPlug wird wie alle Sensoren der Elements Serie über die App und die Basisstation gekoppelt und steht von da an auch von Ferne zur Verfügung und lässt sich ansteuern.

 

 

 

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Hier wird abhängig zur Regel das Verhalten der Steckdose definiert.
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Im Regelmanager kann man auch komplexere Regeln anlegen, die zum Beispiel den Alarmzustand des Gesamtsystems ändern

 

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Die Regel fürs Einschalten und fürs Ausschalten ist definiert.
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Dieses Jahr haben wir die Weihnachtsbeleuchtung mittels Plug und Regeln ein- und ausgeschaltet.

Über die App lässt Plug sich direkt ansteuern, oder via Regeln kontrollieren.

Bei Button handelt es sich um einen Schalter, dessen Schaltpositionen sich als Teile von Regeln verwenden lassen, um zum Beispiel Plug an- oder auszuschalten. Ebenso lassen sich die verschiedenen Überwachungsmodi umschalten. Falls man mehrere Button einbindet, gibt es für den Schalter selbst verschiedenfarbige Aufsätze, so dass sich die einzelnen Schalter gut unterscheiden lassen. Einzig störend ist, dass Button bei jeder Schaltung ein akustisches Signal abgibt, was ihn für ruhige Umgebung etwas störend wirken lässt. Er ist eine sinnvolle Ergänzung für Kontexte, in denen man nicht mal eben das Smartphone zur Hand hat bzw. um zum Beispiel beim Verlassen der Wohnung die Alarmanlage mit einem Knopfdruck „scharf“ zu schalten.

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Mit Button lassen sich verschiedene Funktionen von Gigaset Elements steuern

Siren wiederum kann in den Alarm bei Einbruch mit integriert werden und gibt dann ein sehr lautes Sirenensignal wieder. Wie auch die anderen Sensoren lässt sich Siren sehr einfach via App und Basisstation koppeln. Und das Alarmsignal ist LAUUUUTTTT!

Insgesamt ergänzen die neuen Sensoren das System nahtlos. Vor allem Plug hatte ich lange vermisst, denn damit lassen sich nun auch Geräte im Haus via Events aus dem Überwachungssystem ansteuern. So kann man z.B. bei Ankunft zuhause Lampen oder Elektrogeräte aktivieren. Button wiederum erlaubt es, einfache Aktionen schnell und ohne Smartphone App auszulösen, wie eben das Anschalten der Steckdose Plug via Schalter.

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Die Kamera kann an der Wand montiert aber auch einfach nur aufgestellt werden.

Mit den neuen Sensoren wird Gigaset Elements immer mehr zu Lösung sowohl für die Überwachung des Zuhauses, als auch für die intelligente Ansteuerung von Geräten im Haus.

Für jeden, der in einer Mietwohnung lebt, ist Gigaset eine der einfachste und unproblematischsten Lösungen, eine Alarmanlage und eine begrenzte Hausautomatisierung zu realisieren. Die Sensoren werden mit Klebeplatte und Halterung an die Türen oder Fenster geklebt, die Kamera kann aufgestellt oder an die Wand geschraubt werden und Plug lässt sich an jeder Standardsteckdose nutzen. Somit kann man bei einem Umzug das ganze System problemlos mitnehmen und hinterlässt keine Spuren.

Nun bin ich auf weitere Sensoren gespannt, ideal fände ich immer noch einen Rauchmelder.

 

 

 

 

Mein Jahresrückblick 2015: Beinahe Tot und wieder am Leben

Dieses Jahr wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Es war eines meiner schlimmsten Jahre und zum Ende doch  noch eines meiner besten.

Es begann mit einigen unguten „Ereignissen“ die zu meinem Suizidversuch führten, meiner Depression und generellen Angststörungen und einigen unsensiblen Menschen geschuldet. Dank der unglaublichen Intuition meiner Frau und der schnellen Reaktion von Kollegen verdanke ich es, dass ich noch lebe (danke Sibylle, danke Bettina, ich stehe tief in eurer Schuld). Ich verschwand physisch für insgesamt 25 Wochen in der Psychiatrie, und tauchte virtuell wieder auf, weil Twitter und meine Follower so unglaublich viel Verständnis, Interesse und Unterstützung zeigten.

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Ich wurde interviewt zu meiner Geschichte und #ausderklapse, schrieb Gastbeiträge, entdeckte meine Liebe zur Schriftstellerei neu (Danke Erik) und habe in diesem Jahr das Erlebte auch zu einem Roman verarbeitet, der Ende nächsten Jahres von Bastei Lübbe verlegt wird. Insbesondere darauf bin ich sehr stolz und sehr froh über meine tolle und sehr sympathische Lektorin. Und wer weiß, vielleicht seht ihr mich nächstes Jahr sogar im TV. Mittlerweile halte ich alles für möglich.

Dennoch, ein solches Jahr noch einmal? Auf keinen Fall.

Ich habe weder meine Angststörung noch meine Depression ganz los. Dazu trage ich sie heimlich viel zu lange in mir. Aber ich weiß jetzt, wie ich sie so gut es geht an der kurzen Leine halten kann.

Und ich habe gelernt, dass das Netz im Gegensatz dazu, was mir so manche einreden wollten ein Ort mit vielen verständnisvollen, warmherzigen, neugierigen und liebenswerten Menschen ist. Deshalb werde ich weiter laut und auf so vielen Kanälen wie möglich dafür kämpfen, dass weder Depressionen noch ein Suizidversuch etwas sind, über das man besser schweigt. Ich habe gelernt, dass für mich das darüber sprechen die allerbeste Heilung war.

Ich hoffe, viele von euch treffe ich nächstes Jahr auf der re:publica. Denn ich möchte euch danke sagen. Aus tiefstem Herzen und persönlich.

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Ihr seht mich nicht

 

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Ihr glaubt, ihr kennt mich. Sagt ich bin der mit dem Knacks. Der Depressive mit den vielen Ängsten, der Irre, der sich umbringen wollte.

Ihr seht so wenig. Oder ist euch der Maler aufgefallen, der Schriftsteller, der Büchernarr, der Klassikliebhaber.

Habt ihr den Ehemann, Vater, Freund, Lehrer, Lebensretter, Altenpfleger, Sohn kennengelernt?

Wisst ihr vom Träumer, Fantasten, Idealisten, Utopisten, Vortragsreisenden, Barcampbegeisterten?

Was seht ihr wirklich in mir, in anderen Menschen?

So schnell seid ihr mit eurem Urteil, glaubt mich zu kennen, zu verstehen. Ich kann euch nur sagen, ihr wisst nichts von mir, absolut nichts. Ihr könnt nicht in mein Herz, nicht in meine Seele sehen. Ihr seht die Fassade, die ich gebaut habe, um euch zu gefallen.

Aber ich habe eine Überraschung für euch. Die Fassade wird fallen. Weil ich nicht mehr bereit bin, etwas anderes zu sein als ich selbst.

Also gewöhnt euch dran. Und lernt mich wirklich kennen.

Vom über den eigenen Schatten springen

Drei kurze Geschichten, die in der Reha für eine Gruppenaktion entstanden sind. Viel Spaß damit:

Der Mann und sein Schatten

Der Mann spürte die Blicke in seinem Rücken. Wenn er arbeitete, wenn er schlief, wenn er liebte und traurig war. Immer spürte er die Blicke. Sie fragten, sie durchbohrten und sie behinderten ihn.
Aber so sehr er sich anstrengte noch besser zu werden, die Blicke waren immer da. Sie verfolgten ihn wie sein Schatten. Und wie sein Schatten verfinsterten Sie seine Welt. Er besuchte Ärzte und Psychologen, Heiler und Scharlatane, niemand konnte den Schatten auf seiner Welt beseitigen.
Als der Mann schon aufgeben wollte, traf er einen kleinen Jungen, der fröhlich auf dem Dorfplatz spielte.
Der Junge hüpfte wild hin und her, schien etwas zu verfolgen und verfolgt zu werden. Aber der Junge freute sich, juchzte und lachte.

„Was machst du da?“, fragte der Mann.
„Ich spiele fangen.“ erklärte der Junge.
„Aber es ist doch niemand da, den du fangen könntest.“
„Aber natürlich ist da jemand, mein Schatten.“
Der Mann lachte auf: „Den wirst du doch nie erreichen können. Niemand kann seinen Schatten fangen..“
„Das sagt ihr Erwachsenen immer, weil ihr keine Fantasie und keinen Mut mehr habt. Stell dich dort drüben hin und schau genau, was ich mache.“
Damit machte der Junge einen großen Satz und plötzlich, für den Bruchteil einer Sekunde schien er tatsächlich über seinen Schatten zu springen.
„Siehst du. Es kommt immer nur darauf an, wie du es betrachtest. Ihr Erwachsenen seid so voller Misstrauen, Furcht und Kritik. Versuch du es doch auch mal, ohne nachzudenken, ohne deine Sorgen in den Sprung zu legen.“
Der Mann lachte, tat es dem Jungen gleich und so hüpften sie immer wieder, fingen ihre Schatten, jagten nach Ihnen und sprangen über sie.

Und an diesem Abend, alleine Zuhause in seinem Zimmer spürte der Mann die Blicke nicht mehr. Sein Schatten war weg, er spürte Mut und Zuversicht und er hörte das fröhliche zuversichtliche Lachen des Jungen immer noch.

Der Mann war über seinen Schatten gesprungen.

 

 

Anleitung, um über seinen Schatten zu springen.

Eine Prise Mut, damit fängt alles an. Füge Zuversicht und Hoffnung hinzu. Rühre das ganze gut um und gib dann die Zukunft hinein. Aber bitte wähle die zuckrige, die süße Zukunft, denn nur die ist was du erreichen willst. Das ganze fülle in dein Herz, und zwar nicht nur halbherzig, sondern bis dein Herz überlauft.
Nun stelle dir vor, wohin du springen willst, der Schatten alleine ist kein Ziel sondern nur eine Hürde, das Ziel liegt dahinter. Denk dir ein schönes Ziel aus, es muss nicht direkt hinter dem Schatten liegen, aber es muss schön sein, herzerwärmend schön, augentränend schön. Und sag nicht, du hast kein solches Ziel. Wäre da kein Ziel für dich, wäre da auch kein Schatten.
Jetzt nimm Anlauf. Möglichst viel, fülle den Anlauf mit Kraft und Zuversicht und planiere ihn mit Optimismus. Dann laufe los. Hör nicht auf die Nörgler und Kritiker, auf die Schwarzmaler und Pessimisten. Sie wissen, dass du es schaffen kannst und sind nur neidisch auf deinen Erfolg.
Dann springe, wenn du vor deinem Schatten stehst. Mach dir keine Gedanken über Höhe oder Weite. Allein dein Springen, gepaart mit deinem zuckersüß gefüllten Herz wird dich weit über den Schatten tragen. Und wenn du scheiterst, fragst du mich?
Du wirst nicht scheitern, sage ich dir. Denn das ist das interessante an Schatten, sie existieren nicht wirklich, aber sie wirken auf uns wie eine unüberwindliche Wand. Wenn du aber erst mal gesprungen bist, dann fällt diese Wand in sich zusammen und du wirst den Weg dahinter erreichen, der dich zu deinem Ziel führen wird.
So geht das Rezept für das Überspringen von Schatten
Vertrau mir, ich habe es bereits erprobt.
Denn auch was du hier liest ist ein Schatten, den ich übersprungen habe.

 

 

 
Die Frau, die über ihren Schatten sprang.

Es war früh am Morgen und die Frau wollte nicht aufstehen. Aber sie musste, man erwartete viel von ihr, so viel, was zu tun war. Niedergeschlagen und traurig machte sich die Frau auf den Weg zu ihren Aufgaben, die sich vor ihr auftürmten.Gerade als sie die Tür zu ihrem Büro öffnen wollte, trat ein alter Mann aus dem Schatten neben ihr.
„Du kannst es.“ sagte er, ohne sich vorzustellen.
„Was kann ich?“ Fragte die Frau verärgert, „sprich nicht in Rätseln.“
„Du kannst über deinen Schatten springen.“ der Mann deutete auf den Schatten am Boden. „Versuch es.“
„Verrückter alter Mann.“ die Frau winkte ab. „Du weißt, dass es unmöglich ist.“
Der Mann nickte: „Dann beweise es mir, spring über deinen Schatten oder tue es nicht, aber beweiße mir, dass du es nicht kannst.“
Die Frau lachte, nahm Anlauf, sprang und überquerte ihren Schatten..
„Das ist ein Trick! Das kann nicht sein.“ sagte die Frau.
„Ob Trick oder nicht, du bist darüber gesprungen, weil du nicht darüber nachgedacht, sondern es einfach getan hast.“
„Das lasse ich nicht gelten.“ sagte die Frau.
„Siehst du, so sprichst du immer. Bei jedem Schatten, den du überwinden willst, sagst du schon zuvor, das schaffe ich nie, das lasse ich nicht gelten, ich kann das nicht. Wer aber kann dir das beweisen, bevor du es versucht hast?“ Die Frau dachte nach. Sie dachte lange nach. So lange, dass sie nicht bemerkte, wie der Mann wieder im Schatten verschwand. Und mit ihm auch der Schatten der Frau. Denn es war ein bewölkter Tag und nichts warf wirkliche Schatten.
Als sie sich gerade abwenden wollte, entdeckte sie eine kleine Karte, fast eine Visitenkarte auf dem Boden liegen. Sie hob die Karte auf und las darauf nur drei Worte:

Herr Zuversicht
Schattenüberspringer

Brief an meine Kinder

Ich weiß, dieses Jahr war nicht leicht für euch. Zu verstehen, warum ich tat, was ich getan habe kann niemand von euch verlangen.

Aber dass ihr mir verziehen habt, dass ihr mich immer noch liebt, das verleiht mir eine Stärke und einen Willen zu kämpfen, den ich nicht für möglich gehalten habe.

Was ich tun wollte, hatte nichts mit euch zu tun, es waren andere Menschen, die Grund dafür waren. Ihr wart und seid für mich das wertvollste in meinem Leben. Euer Lachen, eure Tränen, eure Hoffnungen, eure Wünsche. All das hätte ich beinahe zerstört und kann es mir selbst immer noch nicht verzeihen.

Was auch immer geschehen mag, wohin euch euer weiterer Lebensweg tragen wird, ich weiß jetzt, dass ich euch weiterhin begleiten will, dass es hinterhältig war, mich einfach davonstehlen zu wollen. Wenn ihr mich braucht, ich werde da sein. Und wenn ihr mich nicht braucht, ja, versprochen, dann lass ich euch in Ruhe.

Ich liebe euch zutiefst. Und was auch immer euch erwarten mag. Seid euch selbst bewusst, dass ihr alle wertvolle, wichtige, gute Menschen seid. Lasst euch von niemandem jemals einreden, ihr wäret nichts wert oder falsch, so wie ihr seid. Das ist eine Lüge. Die Wahrheit ist. So wie ihr seid, seid ihr perfekt.

Ich bin jetzt dabei, den letzten Schritt zu machen, damit ich wieder gesund zu euch zurückkehren kann. Und ich werde für euch da sein, denn was mir eindringlich beigebracht wurde, es gibt nichts, das wichtiger ist, als die Familie. Und ihr seid zusammen mit eurer Mutter meine Familie und damit das wertvollste, das ich auf dieser Erde habe.

Danke, dass es euch gibt, danke, dass ihr mir verziehen habt, danke für eure Liebe

Euer Papa