Die letzte Etappe meiner Reise zurück ins Leben hat begonnen

Seit dem 3. November bin ich in einer psychosomatischen Reha Klinik. Das ganze wird bis zum 8. Dezember dauern. Danach werde ich, so alles gut geht nach dem Hamburger Modell wiedereingegliedert.

Was für ein Jahr, was für eine persönliche Reise. Beinahe mit dem Leben abgeschlossen und jetzt völlig neue Chancen, völlige neue Geschichten.

Ich hoffe, die 5 Wochen werden mich so weit stärken, dass der Einstieg problemlos klappt.

Wer bis zu meiner Entlassung auf dem Laufenden bleiben will, kann mir auf Twitter unter dem Hashtag #ausderklapse folgen. Dort dokumentiere ich Anekdoten, Erlebnisse und Erfahrungen aus meiner Zeit in der Klapsen Reha.

Und danke all jenen, die mich bis hierhin und weiterhin begleiten. Ihr habt mir damit sehr viel gegeben und sehr geholfen. Ihr habt mir Mut gemacht und mir auf einen völlig neuen und sehr positiven Weg geholfen, denn ich mir jetzt nur noch erhalten muss.

Danke euch allen, ihr habt mir bewiesen, dass das Netz, gerade das Soziale doch zu mehr fähig ist als trollen und Quatsch machen. In verdammt dunklen Zeiten haben euere Tweets, eure Nachrichten mir ein wenig Licht gespendet.

Ich stehe in eurer Schuld. Wirklich.

Bitte verzeiht uns

Warnung: Ich werde über meinen Suizidversuch schreiben, wer also im Moment selbst labil ist oder solche Themen nicht lesen will, möge jetzt bitte stoppen. Ich kann es gut verstehen.

Ja, ich habe es versucht. Und ich bin nicht stolz darauf. Genau genommen kann ich es heute nur noch sehr schwer verstehen, wie ich mich damals so in die Enge treiben lassen konnte, mir das Leben nehmen zu wollen.
Es waren Vorwürfe, falsche Anschuldigungen, Unverständnis für meinen Lebensstil.

Alles das sei denen, die mich dahin getrieben haben verziehen. Schuldzuweisungen bringen nichts, auch wenn ich sie hautnah erleben musste.

Aber ich möchte versuchen, euch, die ihr mit einem Suizid oder einem Versuch umgehen müsst, zu beschreiben, wieso es passiert. Und vor allem, dass ihr nicht schuld seid, im Gegenteil.

Einen Suizidversuch begeht niemand leichtfertig. Das Leben muss bereits eine bittere, hoffnungslose Wendung genommen haben. Depressionen können ein Grund sein. Finanzielle Schwierigkeiten. Egal, es ist irgendetwas geschehen, das den Menschen keine Zukunft für sich mehr sehen lässt. Und oft entsteht aus dieser Hoffnungslosigkeit auch die Annahme, zu verschwinden sei besser für alle. Ja, es mag absurd klingen. Aber im Moment der Entscheidung für einen Suizid steckt oft auch der Wunsch, nicht nur die eigenen Schmerzen zu beenden sondern der Glaube, es wäre für die, die man liebt besser, man wäre nicht mehr da. Klingt absurd? Ist es auch, aber nicht im Moment größter Bedrängnis. Dann braucht es nur ein paar unbedachte Worte, ein paar Zeichen des Unverständnisses oder stille Drohungen.

Wer Suizid begehen will, will oft nicht sterben, sondern das Leben nicht mehr führen, wie er es in dem Moment tut. Aber es geht dem Menschen dann wie der Beute, die von Jägern gehetzt wird und vor einer Schlucht gestellt. Springen oder Angreifen. Und meist hat man dann schon zu oft angegriffen, ist einfach nur noch müde.

Ich weiß, dass Verzeihen sehr schwer ist. Dass meine Frau und meine Kinder das für mich getan haben kann ich ihnen gar nicht hoch genug anrechnen. Ich weiß auch, dass es einige gibt, die mir nicht verzeihen werden, die mich verurteilen oder mit scheinbar guten aber meist dummen Ratschlägen überhäufen werden. Die können mir offensichtlich nicht verzeihen. Aber ich Ihnen. Denn diese Menschen haben auch gejagt, als Hilfe nötig war.

Wichtig: Ihr seid NICHT schuld. Ihr konntet das auch nicht verhindern, dazu ist die Situation eines suizidalen Menschen zu komplex. Aber wenn es schief geht, bitte verzeiht, bitte seid da. Denn damit könnt ihr ein Leben retten, eine Wiederholung verhindern, die vielleicht dann funktionieren würde. Und ihr, die ihr verurteilt, seid euch bewußt, ihr könntet mit schuld am nächsten Versuch sein.

Unglaublich

Noch zu Anfang des Jahres hätte ich fast das Ende nicht mehr erlebt. Dann eine lange Reise durch die Psychiatrie und nun eine Wende um 180 Grad.

Vor einer Stunde ging die erste Fassung meines Romans über meine Geschichte an meine Lektorin. Ja, Lektorin, nicht ein, nein drei Verlage haben Interesse an meinem Roman gezeigt. Und nächste Woche geht es nach Köln, wo ich Verlag und Lektorin persönlich kennen lernen werde.

Es ist eigentlich völlig unfassbar. Nicht nur interessiert sich jemand für meine sicher nicht sehr leicht verkraftbare Geschichte, nein, man will es tatsächlich verlegen.

Egal was jetzt noch folgen mag, schon diese Sache bedeutet mir sehr, sehr viel, weil ich für mich selbst erkannt habe, dass über meine Krankheit, die Depression zu schweigen, das ganze immer schlimmer gemacht hat. Jetzt mache ich den Mund auf, nicht nur, damit ich in Sicherheit bin, sondern vor allem, damit viele andere endlich die Angst überwinden, und sich helfen lassen.

Auch wenn ich es immer noch nicht glauben kann, es scheint sich nach einem katastrophalen Anfang doch noch alles zum Guten zu wenden.
Ach und ja, ich bin nervös, sehr nervös, entsetzlich nervös, was meine Lektorin zum ersten Entwurf sagen wird.

Ergänzung: Und das ganze, vom Schreiben der Geschichte bis zum durchleben des ganzen Prozesses ist für mich auch Teil meiner Therapie. Denn was ich endlich auch können will: Erfolge akzeptieren und meine Angst vor Kritik reduzieren. Zwei Elemente, die mich in Zukunft vor schweren Rückfällen schützen können.

Star Wars: Das Erwachen der Macht -Der lange Trailer

Endlich ist er da, der erste lange Trailer von Star Wars: das Erwachen der Macht.

Und neben Han Solo kann man auch deutlich sehen, dass Prinzessin Leia darin vorkommt.

Der Vorverkauf für Karten ist gestartet. Premiere ist am 17.12.2015

Die ersten Eindrücke sind für mich sehr positiv. Man scheint die Atmosphäre gut aufrecht gehalten zu haben. Es könnte wirklich spannend werden. Zumal Teil 7 auch noch in 3D in die Kinos kommt.

 

 

Barcamp Stuttgart 2015 – Zurück im Leben

20150926_112021Wer meinen Blog verfolgt hat weiß, dass ich fast das ganze erste Halbjahr in der Psychiatrie verbracht habe. Um so bedeutender war es für mich, jetzt wieder in die Öffentlichkeit zu gehen. Das Barcamp ist für mich eine Instanz, die ich nicht missen möchte und dort hin zugehen, war nur konsequent. Auf der Fahrt nach Stuttgart überlegte ich mir noch, soll ich eine Session über meine Geschichte überhaupt machen, über alles, was im ersten Halbjahr passiert ist? Aber ich will ja Öffentlichkeit für die Krankheit Depression.

Was dann aber aus meiner Session: Suizid, Depression, #ausderklapse geworden ist, ich kriege beim Schreiben dieser Zeilen wieder Herzklopfen. Schon bei der Vorstellung meiner Session war ich von der Zahl gehobener Hände überwältigt. Aber die kamen dann auch fast alle! Ich saß in einem Raum mit über 30 Menschen, die zum Teil keinen Sitzplatz mehr gefunden hatten, sich aber für meine Geschichte, für die Geschichte einer Depression interessierten.

Und die kluge, neugierige, schwierige Fragen stellten. Und die zuhörten. Und die mir nach der Session dankten (wofür eigentlich, ich muss danken für offene Ohren und offene Herzen.) Da dann einige fragten, ob ich die Session vielleicht am Sonntag nochmal halten könnte, fragte ich bei der sonntäglichen Sessionvorstellung nochmal nach. Wieder viele Hände, wieder ein berstend voller Raum, wieder viele intelligente und wichtige Fragen. Ich war damals geplättet und sprachlos und bin es emotional wieder, jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe.

Ich kann mich nur bei allen, die an der Organisation mitgewirkt haben, allen die bei mir in den Sessions waren, allen, die mich angesprochen haben tausendmal bedanken. Es bedeutet mir unendlich viel, das dieses Thema so aufgenommen wurde. Das macht Mut, das wird mir sicher auch durch die bestimmt wieder auftretenden dunklen Phasen helfen.

Und wenn ich mal wieder überhaupt keinen Ausweg sehen sollte, werde ich mir immer sagen:  Mensch halt durch, du musst doch noch zum Barcamp nach Stuttgart.

Außerdem ganz großen Dank für die vielen anderen spannenden Sessions. Ich werde mir wohl zum Geburtstag einen Sphero BB-8 wünschen müssen. Sonst rebelliert mein Geek Herz. Und ja, ich werd mal wieder nach unseren Versicherungen sehen.

Barcamp Stuttgart, wenn mein Buch tatsächlich Realität werden sollte, dann hast du einen wichtigen Platz in der Geschichte.

 

20150926_092137

Ein Tagebuch, ein Buch und ich. Therapie durch schreiben über Therapie

Noch bin ich nicht durch alle Stationen durch. Im November stehen mir noch sechs Wochen Reha bevor. Und wer mich auf meinem Weg begleitet hat weiß, dass das bedeutet, ich war fast die Hälfte des Jahres in irgendwelchen Kliniken. Um all das Erlebte und Gedachte nicht zu verlieren, habe ich ganz zu Beginn ein Tagebuch gestartet. Aus wenigen Seiten wurden im Laufe der Zeit über 100 Seiten.

Und diese fließen in ein Buch ein. Ein autobiographisches Buch, einen Roman. Was zunächst als Projekt nur für mich begann und was ich maximal im Selbstverlag erscheinen lassen wollte hat nun größere Dimensionen angenommen. Eine Autorenagentur hat Interesse an dem Thema bekundet und so entstand ein Resumeé, ein Inhaltsabriß und eine Leseprobe. Und mein Buch wächst stetig, weil die Wartezeit zwischen der Tagesklinik mich sonst verrückt machen würde, wäre ich das nicht schon ;). Mittlerweile sind es 100 Seiten und ich bin immer noch ganz am Anfang meines Aufenthalts in Weinsberg. Auch wenn die Agentur keinen Erfolg bei der Suche eines Verlags haben sollte, das Buch wird auf jeden Fall erscheinen. Dazu haben schon zu viele meiner Follower, Blogleser, Mitpatienten und Freunde Interesse daran bekundet. Jetzt heißt es aber erst mal der Agentur die Daumen drücken für eine erfolgreiche Vermittlung.

 

Das Leben hat mich wieder

So fühlt es sich zumindest an. Mittlerweile wieder betreut durch meinen Psychotherapeuten fühle ich mich endlich wieder angehend normal. Wobei meine Definition von Normalität sich stark von der alltäglichen unterscheidet. Wieder Freude an Dingen haben, einen Abend mit meiner Frau in der Stadt genießen. Ganz einfach Dinge sind wieder schön, die ich früher gar nicht mehr wahrgenommen hatte.

Ich spüre aber auch, ich bin noch lange nicht stabil, was meine Vergangenheit und die damals erlernten Verhaltensmuster angeht. Da kommt noch ein großes Stück Arbeit auf mich zu. Denn immer noch ist da dieser ätzende ungesunde Glaube, man würde mich nur wegen dem mögen, was ich tue.

Ich habe gelernt, dass es schon sehr früh passiert, diese negative Prägung. Ich bin permanent mit dem „kleinen Uwe“ konfrontiert.

Ein gutes, das Elontril zusammen mit Lithium wirkt wunderbar und auch die vom Venlafaxin stammenden Nebenwirkungen wie übermässiges Schwitzen und Potzenprobleme sind komplett weg.

Wie geschrieben. Man beginnt, sich über die kleinen Dinge zu freuen.