Von der Sucht des Optimalen

IH Mami, ein wirtschaftlich nicht fassbarer Wert. Nein mein Schatz, wir nennen es Natur.

Internetsucht, Magersucht, Alkoholsucht. Für mich sind das häufig nur Symptome einer immer perfektionistischeren Umwelt. Wir versuchen, alles zu optimieren, im Beruf werden wir wieder mit Zahlen und Tabellen kontrolliert und Berater werden eingekauft, die ohne die wirklichen Strukturen und  Experten im Haus zu kennen nach Schema F optimieren. Parallel haben Shows Hochkonjunktur, bei denen von den eigenen vier Wänden über die Finanzen bis hin zum Aussehen alles optimalisiert wird. Da kann der Otto Normalverbraucher nicht mithalten, rennt ins Fitnessstudio oder noch schlimmer zum Schönheitschirurgen.Und wer bei all dem Wahnsinn irgendwann nicht mehr mithalten kann und nicht mehr die Kraft hat, zu durchschauen, dass all dies letztlich lediglich zur Gewinnoptimierung einiger weniger dient, der stürzt ab. Woher kommen wohl die steigenden Zahlen an Burn Outs, die immer neuen Süchte (die übrigens für Therapeuten und Psychiater auch Geschäft bedeuten, vor allem je schwammiger man die Erkrankung definiert wie z.B. ADHS (früher aufgewecktes Kind) oder Internetsucht (früher Lesesucht). So haben jüngste Studien ergeben, dass alleine schon die zu frühe Einschulung ADHS auslösen kann (oder besser, ein Kind einfach überfordern).

Wir erziehen nicht mehr kindgerecht, sondern Leistungsgesellschaftsgerecht, mit den unübersehbaren Folgen für die Kindheit unserer Sprößlinge und dem Risiko, dass alle nicht angepassten Kinder eben mit Hilfe der Pharmaindustrie normgerecht gemacht werden. Hat für mich schon ein wenig etwas von George Orwell oder Aldous Huxley.

Wir sollten uns nicht von den Optimierungsidioten panisch machen lassen und wieder gelassener werden. Wenn ein Projekt nicht zum meist sowieso unhaltbaren Endetermin fertig wird (der von diversen Erbsenzählern zuvor sowieso schon mehrfach zusammengestrichen wurde) dann wird niemand verhungern und sollte davon ein Unternehmen untergehen, dann hat es noch ganz andere Probleme. Wir sollten wieder realistischer sein, echter, und auch Fehler akzeptieren. Denn je mehr in den Medien über die Fehlerkultur gesprochen wird, um so weniger wird sie wirklich gelebt. Je mehr der Mitarbeiter als Mitunternehmer gefordert wird (der aber auch das Recht haben müsste seine wichtigste Ressource, sich selbst, pfleglich zu behandeln) um so mehr wird kontrolliert, Zeiten erfasst und jeder, der nicht 120% bringt lebt mit der drohenden Entlassung.

Ich muss es nochmal sagen, das Leben ist kein Notfall. Aber die Wirtschaft und die Politik will uns das einreden. Vor allem der Fehler wegen, die sie gemacht haben, und auf uns jetzt abzuladen versuchen.

Wir könnten viele Süchte alleine dadurch bekämpfen, dass wir wieder mehr normales Leben erlauben und weniger Optimierungswahn kultivieren. Die Kultur der Spitzenleistung von heute ist die Kultur der Normalität von Morgen. Und im Laufe dieser Steigerung bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke. Und ist schon mal aufgefallen, dass Burn Out nicht behandelt wird, wie andere Süchte im Sinne, den Süchtigen von der Sucht zu befreien? Vielmehr wird der Süchtige wieder aufgepäppelt, damit er sich in die suchtfördernde Arbeitswelt wieder einfügen kann. Eigentlich benötigt nicht der Burn Out Patient eine Therapie, den ihn hat seine Körper bereits teiltherapiert, wer dringend eine Therapie bräuchte ist die Höchstleistunggesellschaft, die in ihrem eigenen Wahn angeblich aus wirtschaftlichen Zwängen gefangen ist. Immer billiger, immer schneller, immer mehr. Aber wer, wenn nicht Politik und Unternehmen hätten es in der Hand, den Druck rauszunehmen. „Der Kunde will das so.“ ist ein fadenscheiniges Argument, so lange nicht in einer gemeinschaftlichen Anstrengung probiert wurde, ob es nicht auch anders geht.

Klar will der Kunde es möglichst billig, wenn sein Lohn immer mehr gedrückt wird und nicht mal mehr die Inflation abdeckt, wenn er ein Gehalt bekommt, von dem sie oder er nicht mal vernünftig leben kann. Wir würden oft anders handeln, wenn wir den Spielraum noch bekämen, aber da werden dann vollmundig Themen wie frühzeitige Wiedereingliederung in den Beruf propagiert, die nur bei Besserverdienern wirklich funktionieren, oder Männer in der Elternzeit gefordert, wo das für manche Familien der finanzielle Ruin wäre. Man kann vieles an Gleichberechtigung fordern. Aber so lange die Gesellschaft immer ungleicher wird, sollte man als Politik auch dafür Sorgen, dass in Gesellschaft UND Wirtschaft, die Rahmenbedingungen dafür existieren. Denn auch wenn ich wiederum als Kommunist verschubladisiert werde. Die Wirtschaft hat für den Menschen da zu sein, nicht umgekehrt.

 

 

Kompostierbare Technik

Gastbeitrag von Marco Schäfer:

Endlich wurden von amerikanischen Forschern sowohl biologisch abbaubare Elektroteile als auch auch abbaubare Implantate entwickelt. Dies ist nicht nur nützlich, sondern mittlerweile auch längst überfällig, denn gerade im Bereich der Kommunikationstechnik wachsen unsere Müllberge rasant in die Höhe und ein richtiger weltweiter Entsorgungsplan ist nicht in Sicht. Das heißt, möglicherweise wird es in Zukunft abbaubare Handys, Smartphones oder Computer geben, die auf eine bestimmte Behandlung hin mit der Selbstzersetzung beginnen. Denkbar als Auslöser wäre Vieles, wie z.B. Druck oder eine bestimmte Temperatur.

Die abbaubaren Stoffe befinden sich bereits im Alltag und könnten sogar gegessen werden. So sind beispielsweise auch einige Farbstoffe, wie die für Wursthaut oder Lippenstift, als Bausteine der Elektronik zur Verwendung denkbar. Die kompostierbare Technik könnte daher ohne Probleme eingesetzt werden, zum Beispiel in Lebensmitteln, um die Frische zu prüfen oder um die Reife von Obst zu messen. Nach dem Verzehr kann die Elektronik dann einfach im Körper abgebaut werden.

Was die Entwicklung der medizinischen Implantate, wie z.B. Schienen, Schrauben usw. angeht, sind diese besser verträglich und müssten nach einer erfolgreichen Wundheilung nicht wieder in einer anderen Operation entfernt werden. Das abbaubare Implantat wird also die nötige Zeit lang seine Arbeit leisten und sich danach sprichwörtlich im Körper in Luft auflösen. Ein Beispiel für einen anscheinend guten Erfolg eine Ende 2011 in einem Essener Krankenhaus eingesetzte abbaubare Herzgefäßstütze.

Die Bestandteile dieser „Ersatzteile“ sind übrigens Silizium und Magnesium. Aufgrund der recht langsamen Auflösung des Siliziums werden die Teile in dünne Schichten zerteilt und so eingesetzt, wobei sie als Halbleiter genutzt werden. Die Schichtung beschleunigt logischerweise den Abbau im Körper. Magnesium ist wiederum als elektrischer Leiter eingesetzt. Da beide Stoffe auch in den menschlichen Körperflüssigkeiten vorhanden sind, werden sie gut vertragen.

Umhüllt ist das Ganze mit Magnesiumoxid und Seide, die ebenfalls die Eigenschaft hat, sich mit der Zeit aufzulösen. Nach deren Abbau beginnt also erst der Abbau der eigentlichen Implantate. Auf diese Weise fängt das Bauteil nicht gleich nach Einbau an, sich zu zersetzen, was nicht wirklich effektiv wäre.

Für die Zukunft wäre es angebracht, dass vor allem Elektronikproduzenten, wie Vishay als größter Halbleiterhersteller, den ersten Schritt tun und die Forschung in dieser Richtung vertiefen und in die Produktion umsetzen. Es ist wichtig, dass wir bald anfangen, weniger Elektromüll zu produzieren.

Wirbelsturm Sandy und die sozialen Medien

Die Crisismap. Ein toller Service, der sicher einige Menschenleben rettet.

Interessante Nachrichten, die man da im Moment aus New York hört. Die Behörden raten zu stets aufgeladenen Smartphones und rufen zur Nutzung der sozialen Netzwerke für die Informationsbeschaffung zur aktuellen Situation bezüglich des Wirbelsturms Sandy auf. FEMA, die nationale Katastrophenschutzbehörde empfiehlt, mit Textnachrichten ODER Social Media Statusupdates die Familie zu informieren, dass es einem gut geht.

Betroffen können auf Twitter via  #Sandy oder #frankenstorm als Hashtag auf dem Laufenden bleiben. So helfen die Netzwerke, die angeblich doch nur Spaßveranstaltungen sind, auf informelle und sehr zeitnahe Art, auf dem Laufenden zu bleiben und in Kontakt.

Man sieht mal wieder. Auch wenn viel darüber gemeckert wird. Es gibt durchaus Szenarien, die ganz offensichtlich auch eine sinnvolle Verwendung der sozialen Netzwerke darstellen (wobei ich für mich jeden Mehrwert als sinnvoll erachten würde).

Und selbst die Nachrichtendienste, die eigentlich für ihre Informationen dank Bezahlschranken Geld wollen, haben sich entschlossen, das im Angesicht der nahenden Sturmkatastrophe sein zu lassen. So haben New York Times und Wall Street Journal ihre Bezahlschranken vorübergehend ausgesetzt.

Wichtige Hilfe für Betroffene ist auch die Crisismap 2012 auf der betroffene Gebiete angezeigt werden und so wichtige Dinge wie Schutzräume und Evakuierungszonen dargestellt werden.

Ich finde es sehr ermutigend zu beobachten, wie hier auch dank sozialer Netze Menschen zusammenarbeiten, jenseits von Kommerz oder Eigennutz. Und hier sind die sozialen Netze nicht nur Beförderer, sondern meiner Ansicht nach auch Kathalysator der Zusammenarbeit.

Ich frage mich gerade unwillkürlich, wie das bei uns wohl aussehen würde, wo noch immer darüber diskutiert wird, ob diese Smartphones nicht unseren Verstand bedrohen 😉

Fast die Hälfte interessiert nicht, ob ihr Chef sie wertschätzt!

Interessante Auswertungen, die der Stern da präsentiert: Wie auch immer man es lesen will, die Hälfte interessiert sich nicht dafür, ob der Chef sie wertschätzt, gleiches gilt für die Kollegen, aber immerhin 80% finden das im familiären Umfeld wichtig. Ziehen wir jetzt noch die Standardantworten ab, so finde ich dieses Bild gerade im Hinblick auf solche Themen wie Burnout oder Work Life Balance/Integration hochspannend. Denn es scheint eine Abkopplung des Lebenssinns der Menschen vom Beruf zu geben.

Warum ist das so?

Dafür kann es verschiedene Faktoren geben. Wenig Freiheitsgrade, wenig Selbstbestimmung oder einen Chef im Kontrollwahn sind nur einige davon. Zu hoher Druck, zu hohe Anforderungen weitere. Was für mich hier deutlich wird ist, dass Unternehmen noch so viel kontrollieren und Zahlen einfordern können, wie sie wollen. Die wahre Verfassung eines Unternehmens, die wirkliche Stimmung unter der Belegschaft wird man so nicht herausfinden.

Der immer höhere Druck, die permanente mediale Befütterung von Existenzängsten bewirkt offensichtlich einen vermehrten Rückzug ins Private. Man versucht sich jenseits von Beruf und Arbeitswelt den Sinn im Leben zu definieren.

Auch wenn die Arbeitgeber oft einen anderen Eindruck vermitteln wollen, so wird doch in den meisten Unternehmen nicht weniger, sondern immer mehr kontrolliert und überwacht. Und die Freiheitsgrade des einzelnen gehen gerade in großen Organisationen, die sich mehr mit der Verwaltung ihrer selbst als ihren Produkten beschäftigen stetig zurück.

Innerlich gekündigt hat, so ein Artikel in der Süddeutschen bereits jeder 4 Arbeitnehmer. Was dies für die Motivation des „Rests“ bedeutet, lässt sich leicht ausmalen.

Wir müssen auch in den Unternehmen den Mitarbeiter wieder als selbstverantwortlichen und freien Menschen sehen, der auch im Beruf erwachsen behandelt werden will. Sonst werden die inneren Kündigungszahlen noch wachsen. Denn es gibt ein Leben jenseits des Büros. Und Menschen wollen mehr, als nur Geld. Sie streben auch nach Liebe, Anerkennung, Selbstverwirklichung. Alles Themen und Motive, die wirtschaftlich aber nicht relevant sind. Zumindest nicht in der Rolle als Arbeitnehmer.

Oder wie es in der Erzählung eines Freundes deutlich wird: „Ich hatte mal einen Chef, der auf die Bitte meinerseits, weil mein Kind schwer krank sei heute doch früher gehn zu dürfen ernsthaft sagte: „Sie müssen schon selbst wissen, ob ihnen ihre Karriere wichtig ist oder nicht.“ Solche Haltungen sind leider auch heute noch weiter verbreitet, als uns allen lieb sein kann.

 

Der Windows 8 Launch Event: Technophobiker kriegen, was Technophobiker wollen

Netbooknews berichtete vom Microsoft Launch Event anlässlich der Einführung von Windows 8 und dem seltsamen Umgang mit den Vertretern von Blogs und Presse.

(Bitte beachten, bitte lesen, bitte nachdenken und wer trollt fliegt raus. Ich hoffe, das war jetzt klar und JEDER hat das Ironietag begriffen…..)

Nun. ganz so verwundert bin ich da nicht. Wenn ich mir die deutsche „Hochkultur“ so ansehe mit ihrer inhärenten Aversion gegen alles technische, dann ist das nur konsequent. (Ok, vielleicht nicht gerade umsatzfördernd für den deutschen Markt, aber das steht auf einem anderen Blatt)

Hier verstecken sich um des Technophobiker Friedens Willen ein EBook Reader und ein Tablet. Man will ja in Ruhe arbeiten dürfen.

Sobald auch nur ein technischer Begriff in irgendwelchen Unterlagen auftaucht, die nicht für die IT Abteilung bestimmt sind, kriegt die Hälfte derer, die den Text korrekturlesen alles mögliche zwischen Hautausschlag und Pickeln. Auch der Umgang mit neuer Technik ist eher von Angst, Haß und Ablehnung geprägt (Neumodisches Zeug,Spielzeug, Kinderkram, früher haben wir das auch ohne gemacht).

So lange wir uns immer wieder auf vergangene Zeiten zurückziehen und jeder neuen Technologie zunächst nur schlechtes unterstellen, werden wir eben von internationalen Konzernen auch so behandelt. Wie ein Entwicklungsland, dem man erst mal langsam und schonend beibringen muß, dass die nächste Technologie nicht den Weltuntergang heraufbeschwört (was das CERN erst per Gerichtsverfahren bestätigt bekommen musste).

Ich lache immer innerlich über die Phobiker, die nicht ein Jota bereit sind, sich auf eine Technik einzulassen und GENAU DESHALB dann mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Und dann werde ich ernsthaft gefragt, wie ich es schaffe, mit all den neuen Dingen fertigzuwerden. Aehem, hallo, jemand zu hause McFly ? Genau dafür NUTZE ich ja Technik, um mir das Leben zu vereinfachen.

Aber  was will ich von einem Volk erwarten, bei dem die Mehrheit esoterischen Scharlatanen glaubt und die Schulmedizin für gefährlich hält? In der Impfgegner ungestraft Kinder in Lebensgefahr bringen dürfen und Hochschulen mit vollem Ernst Pseudowissenschaften lehren. Ich habe manchmal das Gefühl, während der Rest der Welt sich in die Zukunft bewegt, orientieren sich die meisten Deutschen eher zurück in Richtung Mittelalter.

Aber man hat da ja so seine Möglichkeiten. Nicht umsonst gibt es eine wirklich kreative Industrie, die neue Techniken wie Smartphones oder Tablets so verpackt, dass auch der durchschnittliche Fortschrittshasser nicht bemerkt, mit was er da konfrontiert wird. Und offen nutze ich schon lange keine UMTS Sticks mehr, könnte ja sein, dass man von irgendwelchen durchgeknallten Elektrosensiblen gelyncht wird, während sie unter der Strahlung diverser WLans, Strommasten etc. stehen, die sie aber nicht spüren, weil sie ja nicht wissen, dass sie da sind. Und meist hilft es schon, falls man erwischt wurde, glaubhaft so zu tun, als schalte man das Netzwerk ab. Selbst getestet, funktioniert prima, auch wenn man genau so weiter „strahlt“ wie zuvor. 😉

Oh, und übrigens, von Social Media brauch ich ja gar nicht erst anzufangen. Das ist ja alles eh nur ein Hype von Leuten, denen langweilig ist. Und nützlich ist das auch nicht. Braucht kein Mensch… Ich geh dann mal in den Keller, wieder mein Viereck rausholen. Das mit dem Rad war ja auch so ein Irrtum.

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Apple Maps und das Phänomen des Entscheiderweghörens

Wie CNet berichtet, haben Entwickler Apple schon nach Erhalt erster Betas vor der erschreckend schlechten Qualität der Maps Anwendung gewarnt. Warum aber wurde sie dann dennoch auf den Markt geworfen? Man kann darüber nur spekulieren, aber ein Phänomen erlebe ich immer wieder bei IT Projekten. Die Entscheider und Planer hören viel zu wenig auf diejenigen, die ja nur das „ausführende Element“ sind. Softwareentwickler erzählen mir immer wieder von Projekten, in denen sie Aufwände schätzen müssen für eine Neuentwicklung, die sich so sicher gar nicht abschätzen lässt.
Später werden sie aber auf genau diese meist fiktiven, da nicht errechenbaren Zahlen festtgenagelt. Und da es scheinbar den immer noch großen Irrglauben gibt, Entwickler würden doch eh alles viel zu aufwändig schätzen, passieren dann eben solche Dinge. Denn der Manager will ja nicht zugeben, dass er sich da verrechnet hat, also wird die Verantwortung auf das „gemeine Fußvolk“ abgewälzt und die Ampel so lange als Grün komuniziert, bis das Fiasko nicht mehr vertuschbar ist.
Zum einen wäre hier endlich mal wieder angebracht, realistische Zeitplanungen zu machen, die nicht auf Kante gerechnet sind und die nicht dauernd den Eindruck erwecken, man wäre in einem alles entscheidenden Notfall (auch das trägt zur steigenden Zahl von Burn Outs gerade in der IT bei). Zum anderen sollte man auch akzeptieren, dass auch der „kleine Entwickler“ durchaus in größeren Dimensionen denken kann. Aber wenn BWL über technisch-fachliches Wissen siegt, darf man nicht erwarten, dass alles so glatt geht, wie es in den bunten Folien und Tabellen fürs Management dargestellt wird. Man sollte vielleicht den Planern mal die Farbe grün wegnehmen ;).

Das Leben, und selbst große Teile der Wirtschaft sind kein Notfall. Es täte Unternehmen gut, wieder etwas das Gas aus der Entwicklung rauszunehmen. Denn was ist besser? Ein marktreifes Topprodukt auf den Markt zu bringen, das auch gut funktioniert, aber leider halt 6 Monate oder ein Jahr länger braucht? Oder ein Produkt, das eigentlich nicht vernünftig nutzbar ist, aber wenigstens „mal da“ ? Also letzteres hat bei mir zumindest wiederholt dazu geführt, dass der Hersteller mich als Kunden verloren hat.

Und das ist KEIN Rant gegen Apple, denn ich bin mir sicher, dass da sehr kompetente Entwickler unterwegs sind, die mit Sicherheit selbst des öfteren kommuniziert haben, dass die Maps Anwendung noch nicht fertig ist. Aber vermutlich standen da einige Manager mit zugehaltenen Ohren und wollten es einfach nicht hören.

Familienbilder und Zerrbilder: Ich muss mich da jetzt reinsteigern

Immer wieder finde ich es amüsant bis befremdlich, wie Familie, Erziehung, Bildung in der Öffentlichkeit und vor allem in der Politik dargestellt wird. Man bekommt das Gefühl, wir sind doch alle zu dämlich, Kinder zu haben und müssen betreut, reglementiert und kontrolliert werden. Dabei kann ich in meinem Umfeld und ja, dazu gehören bzw. gehörten auch Hartz IV Empfänger ebenso wie sehr wohlhabende so gut wie überhaupt keine Familie nennen, die in der Öffentlichkeit dargestellte Probleme hatte.

Sicher, es gibt „soziale Brennpunkte“ aber hallo? Wäre es da nicht an der Zeit zu hinterfragen, wer diese Brennpunkte hat entstehen lassen? Erzähl mir keiner, es gäbe Menschen, die frewillig in solchen Gegenden wohnen bzw. ihre Entstehung gut heißen. Das ist die eigentliche Vernachlässigung. Die gesellschaftliche Norm, die sich nur noch am rentablen ausrichtet, am optimieren der Kosten bei Minimierung der Aufwände. Würden wir gleiche Chancen für Mütter haben, die bei Ihren Kindern zu hause bleiben wollen wie für Mütter, die möglichst früh wieder arbeiten wollen, gäbe es keine solchen Diskussionen, welche Mutterrolle denn nun die richtige  ist. Zum Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles. Und leider hängt heutzutage auch viel zu sehr davon ab, wie wir leben. Und zu fordern, dass auch Väter eine Auszeit nehmen für die Kindererziehung, dann aber nicht in der Lage sein, in der Gesellschaft gleiche Bezahlung für Mann und Frau bei gleicher Arbeit zu etablieren ist mehr als nur ein Armutszeugnis. Es zeugt von einem überkommenen und rein materiellen Weltbild. Denn es könnte ja sein, dass die Frau wegen Schwangerschaft ausfällt. JA kann sein, aber das ist auch und insbesondere ein wichtiger Beitrag für eine Gesellschaft, die dauernd über zurückgehende Geburtenzahlen und Arbeitskräftemangel klagt. Es mag ja richtig sein, soziale Hängematten abzubauen, aber ich halte das Weltbild für gefährlich, das den Eindruck erweckt, jeder HartzIV Empfänger könne doch sofort einen neuen Job finden, wenn er sich nur anstrengt. Und gleichzeitig fordern wir mittlerweile sogar schon für Erzieherinnen ein Studium.

Hallo? Reality Check irgendwer? Wir müssen ein Gesellschaft bleiben, die auch die Schwächeren akzeptabel und menschenwürdig auffängt. Und die aufhört, nur nach der Rendite zu fragen. Das klingt sehr arrogant in einer Welt, in der der Investmentbanker um ein vielfaches mehr verdient, als die Krankenschwester oder der Altenpfleger (das einem Kind so zu erklären, dass man nicht das Bild von Gerechtigkeit und Wert total verschiebt ist wirklich schwer). Und wer Gesundheit, Erziehung und Bildung unter die Doktrin der Rentabilität und des Kosten Minimierens und Gewinn Maximierens stellt, darf sich nicht wundern, wenn die Qualität auf Kosten der Quantität leidet. Da wird dann halt nicht mehr das Optimale geleistet, sondern das wirtschaftlichste.

Wir sollten wieder mehr Fokus auf Werte wie Gleichberechtigung, Menschlichkeit, sozialen Zusammenhalt und ein gutes Leben setzen, statt uns von einer rein am wirtschaftlichen Erfolg und am Produktkonsum orientierten Gesellschaftsdoktrin irritieren zu lassen. Wer sich darüber aufregt, dass die Menschen bevorzugt beim Discounter einkaufen und ökologische Gesichtspunkte oder gar soziale Produktionsweisen vernachlässigt, sollte ganz still sein, wenn er gleichzeitig Lohnverzicht fordert und HartzIV Empfängern nicht mal hinreichend Geld für eine vernünftige Grundversorgung gönnt, „weil die ja alle so faul sind“. Ich möchte meine Kinder als mündige Bürger, mit einem Wissen jenseits von Arbeitsmarktnotwendigkeiten erziehen und erwarte das auch von den Instanzen, die ich durch meine Steuern mitfinanziere.

Und ich erwarte eine am Bürger orientierte Politik, nicht eine, die den Lobbyisten mit den größten wirtschaftlichen Machtfaktoren folgt. Denn dann wird auch der Bürger wieder die Politik und die Politiker ernst nehmen.

Ich bin wirklich mal gespannt, wann ich meinen Kindern in der Mehrheit der Fälle auf die Frage: „Papa, warum machen die das“ sagen muss: „Weil das viel Geld bringt.“ sondern „weil es den Menschen nutzt.“ Oh, und wo wir schon dabei sind.

Nein, ich bin kein Kommunist. Aber dennoch denke ich, dass die Wirtschaft für den Menschen da sein sollte, nicht umgekehrt.

Lifeworkcamp Tag 1: Viele neue Menschen und viele neue Gedanken

Marga und Jan bei der Eröffnung

Das erste Lifeworkcamp in Stuttgart. Irgendwo konnte ich mir einerseits nicht wirklich etwas darunter vorstellen, ich schwankte zwischen, oh klasse genau mein Thema und hoffentlich wird das kein esoterisches Happening.

Aber nein, es ist eine hochspannende Mischung aus Menschen geworden, die sich auf die eine oder andere Art mit der Bedeutung von Arbeit, ihrer Integration in das Leben und der vernünftigen „Balance“ zwischen zu viel und zu wenig befassen. Es waren erfrischend viele neue Menschen da, die offen zugaben, noch keinerlei Barcamp Erfahrung zu haben, die sich aber schon nach Minuten völlig in die Gemeinschaft der Camper integrierten. Viele neue Themen und Impulse habe ich mitgenommen. So dank einer Session von Barbara Fischer-Reineke neue Wege, Burn Out vorzubeugen und für sich Ziele und Lebensinhalte jenseits von 9-17 Uhr zu definieren. Zudem kristallisierte sich heraus, dass auch die nur noch auf eine Kultur der Spitzenleistung fixierte Gesellschaft mit für den Druck verantwortlich ist, da oft die Spitzenleistung von gestern zum Normalzustand von heute erklärt wird. Und auch die von vielen so propagierte Fehlerkultur ist oft nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, das in den Unternehmen in Wirklichkeit nicht gelebt wird.

Fotoprotokoll der Schlagworte aus der Burn Out Präventionssession

Schön auch, das Frank Hamm mich dankenswerterweise bei meiner Session unterstützt hat in der es darum ging, wie man die Informationsflut bändigt, wobei das grundlegende Prinzip der Mut zur Lücke und zum konsequenten Löschen ist.

Von Jan und Marga wurden wir rundum gut umsorgt, wie schon vom Barcamp Stuttgart bekannt war die Verpflegung herausragend, wenn auch die Kaffeebecher etwas klein geraten waren, was ich aber durch meine Fördererkaffetasse kompensieren konnte.

Und der Abend wurde beschlossen  mit meiner allerersten Werwolf-Session, die mir sehr großen Spaß gemacht hat. Ich bin auf jeden Fall….infiziert 😉