Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2017

2017 war in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Jahr für mich. Es began mit dem 13. Januar, als mein Buch „Depression abzugeben“ bei Bastei Lübbe erschien. Welchen Zuspruch es bekommen sollte, wie viel Medienanfragen eintrudeln würden und dass ich wahrhaftig auf mehrere Lesereisen gehen würde, all das habe ich Anfang des Jahres noch nicht mal zu träumen gewagt.

2017 bekam ich auch endlich meine Angststörung in den Griff, die eigentliche Ursache für das große Drama 2015, aus dem sich doch tatsächlich etwas so positives entwickelte.

Ich wurde zum SWR eingeladen in eine sehr spannende Talkshow und gleichzeitig Abschlussarbeit der Moderatorenschule Stuttgart. der SWR interviewte mich und Tagesschau24 lud mich ein. Auch das SAT1 Frühstücksfernsehen interessierte sich für mich und meine Geschichte. Ein ganz besonderes Highlight war mein Auftritt beim Patientenkongress in Leipzig, wo ich gemeinsam mit Kati Krause erneut das Für und Wider von Social Media bei Depressionen beleuchtete. Und Dana Diezemann lud mich in ihre Talkshow „Talk mit Dana“ beim Studentenradio Horads ein.

Gegen Ende des Jahres dann noch die Nachricht von meinem Literaturagenten, dass mein Buch wohl auch zum ungekürzten Hörbuch wird und bei einem der größten Hörbuchverlage erscheinen wird. Das Buch verkauft sich nach wie vor gut, wir sind bald bei der dritten Auflage. Danke an all meine Leser für die vielen wundervollen Rezensionen, die persönlichen Emails und Briefe und den Zuspruch und die Unterstützung. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Und ein besonderer Dank an das Junge Tanztheater in Leverkusen für „Auf:bruch“, ein Tanztheater zum Thema Depression, das auch meine Texte verwendet hat und bei dessen Aufführung ich sehr berührt davon war, wie mutig und wie kreativ das alles umgesetzt worden ist. Unzählige Zeitungen und Zeitschriften haben über mein Buch, meine Geschichte berichtet und nach allem was ihr mir gespiegelt habt, werde ich auch 2018 nicht nachlassen, über Depression aufzuklären und zu entstigmatisieren.

Und ein Teil meiner Follower muss jetzt ganz stark sein. Nach über 25 Jahren Apple Abstinenz (dass Steve damals den Apple Newton killte, für den ich einige innovative Apps geschrieben hatte, hab ich ihm nie verziehen) arbeiten bei mir zuhause jetzt wieder MacBook Pro, IPad Pro und IPhone 7plus. Und ja,auch die Apple Watch in der LTE Version. Wenn schon, dann ein kompletter Schwenk.

Aber das Schönste an 2017 war und ist, dass wir endlich wieder eine Familie sind, dass wieder Ruhe und Glück bei uns eingekehrt sind, so albern das klingen mag.

Jetzt ist es kurz vor Weihnachten und zum ersten Mal seit Jahren ist wieder so etwas wie Weihnachtsstimmung zu spüren. Und ich wünsche all meinen Lesern, Followern ein ruhiges, erholsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch.

U

Ein unbeschreibliches Jahr, danke euch allen

2017 neigt sich dem Ende. Gerade liege ich mit der allseits beliebten Magen- Darm Infektion im Bett und habe mehr als genug Zeit, über dieses unglaubliche Jahr nachzudenken. Der Traum, anders kann ich es nicht bezeichnen, begann am 13. Januar 2017. Nachdem ich dank Briefen und Anwaltsdrohungen beinahe wieder tief in eine Depression, nein tiefer als je zuvor gefallen wäre, rettete mich wieder die Liebe und die Stärke meiner Frau.

Und dann kam das Paket. Die Belegexemplare von „Depression abzugeben“. Was ich nie zu träumen gewagt hatte, ist Wirklichkeit geworden. Ich bin Autor. Und nach allem, was die Verkaufszahlen sagen sogar noch recht erfolgreich. Nach nur etwa 1 1/2 Monaten war die erste Auflage ausverkauft und mit etwas Glück könnte es bis Ende des Jahres noch zur dritten Auflage kommen. 8000 Bücher. 8000 Menschen, denen meine Gedanken, meine Erlebnisse und nach allem, was ich an Feedback bekommen habe auch mein Schreibstil und meine Erzählweise gefallen haben. Kein Buch unter vielen sondern eine Geschichte, die Menschen bewegt hat und noch bewegt. Das alleine lässt das Jahr 2017 für mich in einem unbeschreiblich schönen Licht erstrahlen.

Dann kamen die Interviews, die Artikel, SAT1, Tagesschau24 und noch einige mehr. Für jede einzelne Chance, meine Botschaft zu vermitteln, anderen Mut zu machen zu kämpfen, bin ich sehr dankbar.

Aber was für mich wirklich zählt, was mein Leben nachhaltig verändert hat, ist die Liebe meiner Familie. Dass meine Kinder trotz allem, was ich ihnen aufgebürdet habe zu starken, individuellen und menschlichen Wesen heranwachsen. Dass meine Frau bereit war, um mich zu kämpfen auch als alles hoffnungslos erschien. Dass sie mir den Rücken stärkt, mich ermutigt, weiter die Öffentlichkeit zu suchen.

All die Briefe, die Mails, auch die Geschenke von Leserinnen und Lesern, die jetzt ihre betroffenen Angehörigen besser verstehen, als Betroffener Hilfe suchen oder sich einfach nicht mehr so einsam fühlen nach der Lektüre meines Buches.

2015 hätte ich nicht mal erahnen können, wo ich heute bin. Ich bin erfolgreicher Autor. DAS kann mir niemand mehr nehmen. Und ich verändere die Leben anderer zum Besseren. Was kann es schöneres, bedeutsameres im Leben geben, als das zu bewirken.

Ende des Jahres wird wohl auch noch ein Hörbuch aus meinem Buch entstehen, ungekürzt, bei einem großen Hörbuchverlag. Und wer weiß. Vielleicht entsteht sogar noch ein Film daraus, eine Serie, irgendetwas anderes. Denn ein Tanztheater verwendet meine Texte bereits. Ich werde also nie wieder sagen, etwas sei unmöglich, oder die Zukunft hoffnungslos. Nur meine Depression wird sicher manchmal noch den schwarzen Pinsel zücken und versuchen, meine Welt ergrauen zu lassen. Aber jetzt werde ich die vielen Leserbriefe lesen, die Artikel, das Buch selbst und wissen. Egal was kommt, mein Leben hat Bedeutung bekommen, ich bin nicht mehr verletzbar,  nicht mehr herabwürdigbar durch Sprechverbote oder Anwaltsdrohungen. Ja, das werde ich nie vergessen, das macht mich immer wieder wütend. Aber früher hätte es mich ängstlich gemacht, da finde ich in dem Kontext Wut besser, Teil dieser Wut ist, dass ich auch diese Geschichten im zweiten Band niederschreibe, der bereits knapp 100 Seiten erreicht hat. Und das manche sich über meinen Erfolg ärgern? Gut, die haben mir lange genug weh getan, jetzt darf auch etwas kalte Rache serviert werden.

Allen anderen bin ich unendlich dankbar für die Unterstützung, das Lob, die Rückmeldungen, die Chancen. Mein Leben ist sonniger geworden und meine Familie hat ihren Vater, ihren Ehemann wieder. Meine Seele hat endlich keine Risse mehr und die Narben verheilen allmählich.

2018 werde ich weiterkämpfen. Erste Planungen gibt es für Stuttgart und Basel. Und wer weiß, was sich noch alles ergibt.

Das Leben ist schön. Endlich.

 

All meinen Leserinnen und Lesern, allen Follower und Zuschauern im TV wünsche ich ein ruhiges, erholsames Fest, ganz egal, welcher Glaubensrichtung. Findet zu euch, hört auf eure Seele statt auf die ständigen Forderungen derer, die euch doch nur als Ressource, nicht als empfindsamen Menschen sehen. Und wertschätzt die, die euch als Mensch mögen. Seid euch gewiss. Ihr alle seid wertvolle, wichtige und so wie ihr seid auch richtige Menschen. Wer euch anderes einredet, liegt falsch oder will euch verbiegen. Lasst das nie zu.

Und euch allen ein frohes, glückliches Jahr 2018. Danke, dass ihr mich begleitet habt, danke, dass ihr mich begleitet und danke für das Wissen, dass ihr mich auch 2018 begleiten werdet.

 

Und hey. Ich bin Autor? Ist das nicht verrückt? Wobei… verrückt.. ja, das kann ich 😉

Euer Uwe alias @bicyclist

Und danke euch vieren, Katja, Sibylle, Jan  und Marc. Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ohne eure Liebe, euer Vertrauen hätte ich den Kampf gegen meine Depression und die Angststörung nicht aufgenommen und schon gar nicht gewonnen. Oder zumindest einen Nichtangriffspakt. Danke. Ihr seid das Wichtigste in meinem Leben.

Ich, du, der Tod und die anderen

Ich Bin alt, nicht wirklich alt, aber alt genug, um viel Leben erlebt zu haben.

 

Das ist keine Klage, keine Anklage, kein Verlust.
Eine Feststellung, die mich heute selbst überrascht. Nicht die Zahl der Jahre. Die schiere Existenz. Es gab einen Punkt, einen Fixpunkt. Dort wollte ich gehen. Weg von allen, weg von allem, weg von mir. Dem ein Ende setzen, den Schmerz beenden.

Liebe hat mich gehalten, nein, hat mich herausgezogen zurückgezogen von der Kante. Es ist so einfach: »du hast doch alles« zu sagen. Ja, hab ich, die Trauer, das Gefühl, so unvollständig zu sein wie eine einzelne Socke oder ein Haus ohne Dach. Zerbrochen an dem, was ihr Leben nennt. Morgens aufwachen und das Gefühl der Füße auf dem Boden fürchten, weil das bedeutet, einen neuen Tag erleben zu müssen. Umdrehen und weiterschlafen wollen, heute, Morgen, für immer.
Die, die man liebt beschützen wollen, weil man ob der Schmerzen weiß, die zu empfinden man sie zwingt. Die Hilflosigkeit, die Angst um ein Leben, die Lebensangst.
Es gibt sonnige Tage, es gibt das Gefühl von Kälte auf der Zunge, von Süße und den Duft von Vanille an einem Sommertag. Aber die Kälte des Eises wird schnell wieder zu Eiseskälte, die einen umfängt, umschließt, einsperrt in einer eigenen, dunklen, hoffnungslosen Welt.
Man sieht ja, dass andere glücklich sind, oder das Glück zumindest glaubhaft simulieren.
Ganz oben sieht die Welt so klein, so unbedeutend aus. Plötzlich passt sie zum eigenen Leben. Alleine dort oben, mit Gedanken so dunkel wie die Zukunft. Und gerade, wenn einen die Kälte und Dunkelheit zu verschlingen droht, ist da eine Hand, ein Lächeln, ein Mensch, der nicht bewertet, nicht verurteilt, nicht bestraft, der nur sein Herz öffnet und seine Hand reicht. »Ich bin da, ich halte dich, ich begleite dich.«
Du trittst nicht einfach heraus ins Licht, aber plötzlich ist da, ganz in der Ferne wieder ein Sonnenstrahl, eine Chance auf ein besseres Leben, eine Chance auf ein Morgen.
Der Weg ist schwer und steinig und um ihn zu finden musst du durch Dickicht, so dornig und so düster wie deine Vergangenheit. Aber da ist immer dieses Licht, dieses Lächeln, dass dich magisch anzieht, dass alles andere bedeutungslos werden lässt.
Anklagen, Vorwürfe, Drohbriefe, Beschuldigungen. Nicht mehr du, sondern die anderen. Sie sind falsch, und irgendwer, vielleicht du selbst hast ihnen die Maske heruntergerissen. Die Lügen, die Falschheit, der Opportunismus, nackt, auf dem Boden, hilflos. »Wir meinen es doch nur gut.« Für uns selbst, ergänzt du im Geist.
Sie meinten es nie gut für andere, sondern stets für sich, die, die dir die Messer zwischen die Rippen bohrten, dir einen Tritt verpassten, dich vom Turm stoßen wollten.
Weil du nie so warst wie sie. Nie stromlinienförmig, nie geleckt und dafür geliebt, nie konform oder wie sie es sagten, normal.
Du hast darunter gelitten, versucht, dich zu verbiegen, brav, ruhig und willig zu sein. Und dennoch wuchs der Widerwille, die Erkenntnis, nur mit einer Lebenslüge überleben zu können. Du verlierst immer mehr von dir selbst. Gibst Leidenschaften auf, verlierst dich in Masken, in der Kunst der Schauspielerei, um dem Bild anderer zu genügen, deren Erwartungen und Weltbilder du doch eigentlich so hasst wie deine eigene Schwäche, zu dir und deinen Idealen zu stehen.
Dabei bist du nur schwach,weil du zu lange gekämpft hast. Alleine, gegen übermächtige Dämonen. Du warst stärker als manch einer deiner Ankläger. Aber der Kampf war unsichtbar, gegen Geister, die nur du gesehen hast.
Die Scherben auf dem Weg, sie sind die Fragmente deiner Seele, deines eigentlichen ichs. Heruntergerissen und zerbrochen, du kannst nicht länger Versteck spielen mit dir selbst. Endlich bist du frei, weil du nichts mehr zu verlieren hast, hättest du doch beinahe alles verloren. Jetzt wird es Zeit, dein eigentliches Ich zu retten. Wirf ihm ein Seil zu, hol es aus der Dunkelheit und verzeih ihm, dass es sich versteckt hat, dich im Stich gelassen hat in der Sekunde deiner größten Not. Denn es konnte nicht anders. Der Schmerz war zu groß, das Kind hatte zu große Angst und versteckte sich deshalb vor dem Dämon, der es verfolgte.
Zeig ihm, dass die Welt schön ist. Zeig ihm, dass es zu kämpfen lohnt. Nicht für andere, deren Dankbarkeit sich meist in Wohlwollen beschränkte, wenn du ein braves, wohlwollendes Kind warst. Die, die jetzt an deiner Seite stehen, dir die Hand entgegenstrecken, dich ohne Bedingung schützen und stützen wollen. Sie sollen von nun an deine Begleiter sein. Der Rest ist Teil des Dämons, der immer mehr Macht über dich verliert.
Vielleicht wirst du nie ganz frei sein. Aber du wirst Herr sein deines Weges, und die Kämpfe gegen deine Verfolger wirst du immer häufiger gewinnen.
Bis du sie gar nicht mehr kämpfen musst, weil du erkennst, dass andere nur dann Macht über dich haben, wenn du es zulässt, weil du erkennst, dass du der Herr deines Lebens bist, ja sein musst, um dieses eine Leben zu überleben, zu erleben, zu leben.

Wo man mich live erleben kann

Aktuelle gibt es einige Termine, an denen man mich persönlich kennenlernen kann (und ja, ich signiere auch sehr gerne mein Buch nach Wunsch)

26. – 27. August Patientenkongress Depression Leipzig

16. September Thementag Suizidprävention Düsseldorf

17. September Barcamp Stuttgart (unter Vorbehalt, dass die Bahn mitspielt)

10. Oktober Tag der Seelischen Gesundheit, Künzelsau

11. Oktober Lesung in der Buchhandlung Pustet, Regensburg

12. Oktober Bergisch Gladbach, Theas Theater

13. Oktober Lesung anlässlich 10. Jahre Tagesklinik Rehau

16. November Vortrag anlässlich Konferenz Arztsuche 3.0 München

11. Dezember Lesung anlässlich Psychiatrischer Trialog Saalekreis, Merseburg

Dein Gedanke ist meine Realität

Wir leben im Autopilotmodus. Und die meiste Zeit ist er uns überhaupt nicht bewußt. Es gibt kleine, lichte Momente wie Brüche in der Zeit. Diese Momente fördern versteckte Wünsche, Träume, Ziele hervor. Aber leider tritt sehr schnell unser innerer Richter auf den Plan, erklärt uns die Unsinnigkeit unserer Fantasien, die Unmöglichkeit unserer Träume.

Ich rede hier nicht von den Dingen, die uns eine scheinbare Zufriedenheit bieten wie das neueste Smartphone, das SUV, das größer, schimmernder, glänzender ist als das des Nachbarn. Elementarere Träume sind es, nach Selbstverwirklichung, Freiheit, Unabhängigkeit, die wir alle in uns tragen, manche nahe an der Oberfläche unserer Seele, andere tief verborgen unter den Trümmern der bisherigen Existenz.

Und wir alle vergraben immer mehr unseres Wesens mit jedem Lebensjahr. Wir unterwerfen uns Menschen, die angeblich über uns stehen, das meist aber qua Definition anstelle Begabung. Wir folgen Vorschriften, Regeln, Vorgaben, die teilweise so dumm sind, dass wir bei ihrer Befolgung körperliche Schmerzen spüren.

Aber hier kommt die Überraschung. Den Käfig haben wir uns in sehr großen Teilen selbst geschaffen. Indem wir schon früh den falschen Richtern gefolgt sind, die falschen Werte unreflektiert für richtig hielten. Ja, man hat uns gesagt, das muss so sein, wir werden Vorgesetzte haben, Lebensregeln. Aber man hat uns belogen mit dem Eindruck, das müsse immer so sein. Unsere Gesellschaft, in manchem eine gute aber lange keine perfekte Gesellschaft basiert immer noch auf dem Oben/Unten Modell. Augenhöhe ist ein beliebtes Wort uns zu blenden, zu suggerieren, wir würden als Mensch auf gleicher Ebene behandelt.

Dabei lebt ein großer Teil unseres Wirtschaftsgefüges immer noch von der Unterwerfung der Masse. Wir werden mit Konsum, mit immer neuen falschen Träumen eingeschläfert, deren Erreichung uns keinen Deut glücklicher macht. Wir mögen uns materialistische Gefängnisse aus Besitztümern errichtet haben. Aber wie wir von Generationen von Philosophen gelernt haben. In Gedanken sind wir frei. Wenn wir uns vom Glauben der einen für alle geltenden Wahrheit lösen. Ich meine hier nicht Wahrheiten wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, Toleranz oder fundiertes Wissen. Ich meine Wahrheiten, die uns den Lebensweg vorschreiben, die uns im Denken einschränken.

Wir lassen uns unsere Träume stehlen, unsere Menschlichkeit, unsere ureigene Seele. Dabei ist es eine jeden Tag aufs neue mögliche Entscheidung zwischen dem Autopiloten und dem Befolgen der eigenen Träume und Ziele. Denn mit uns ist es wie mit den Igeln. So lange wir anderen ihre Freiräume lassen, sie nicht bedrängen und mit unseren geistigen Stacheln verletzen, so lange hat jeder von uns die Wahl, was er denkt, was seine Werte sind, wem er erlaubt, das eigene Leben zu bestimmen.

Freiheit ist keine Möglichkeit, Freiheit ist ein Fakt, das jene uns ausgetrieben haben, die von unserer gedanklichen Unfreiheit, der Unterwerfung in Hierarchien ihre Lebenskraft ziehen.

Es wird Zeit, uns diese Kraft wiederzuholen, sie wiederzuentdecken.

Jeden

einzelnen

Tag.

 

Es gibt keine Grenzen.

Weder für Gedanken, noch für Gefühle.

Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.

Ingmar Bergman

Alleine mit meinen Gedanken

Wenn ich beantworten müsste, wo die gefährlichsten Monster lauern, wo der schwarze Hund am lautesten bellt, wäre die korrekte Antwort: Stets, wenn ich alleine bin, in der Stille und der Unbeweglichkeit des Moments gefangen. Es kann ein einsamer Abend in irgendeinem Hotel in irgendeiner Stadt sein. Ein einsamer Nachmittag zuhause, wo um mich geschäftige Hektik herrscht aber meine Seele in sich selbst gefangen die Gedanken auf Rundreise durch das schwarze Loch meiner Depression schickt. Oft werde ich gefragt, wie sich das anfühlt, ob es mit irgendwas vergleichbar ist.

Dann wird es diffiziel, zu erklären, was ich empfinde, weil ich mir selbst darüber nicht im Klaren bin. Dann tauchen alte Gedanken auf, so alt, dass ich sie bereits in den Schubladen der ganze alten Schränke ganz hinten in meinem Gedächtnis verstaut gewähnt hatte. Oder die frischen Gedanken, ein Wirbel von Angst vor Zukunft, Abstieg, Abgrund.

Zu anderer Zeit ist es wiederum ein Wort, ein Satz, unbedacht ausgesprochen, unüberlegt von jemandem, der über mein Bestes und dessen Beschaffung Bescheid zu wissen glaubt. Dann wieder ein Bild, eine Szene, ein Geräusch, die die Kaskade schlechter Gedanken triggern können, die mich anch und nach in Richtung meines inneren Abgrunds schieben, die mir die Luft zum Atmen rauben, mich auf dem Trockenen ertrinken lassen. Diese Gedanken katapultieren mich aus Zeit und Raum, lassen mich gänzlich allein unter Menschen. Sie foltern mich mit Bildern scheinbar glückliicher Menschen, lachender Seelen, während ich an meiner eigenen Dunkelheit zu Grunde zu gehen drohe.

Dann bleibt mir oft nur der komplette Rückzug, um den einsamen Kampf gegen meinen Dämonen, die Hydra aus Angst und Depression aufzunehmen. Es gibt Menschen, die außerhalb der Schwärze warten, mein Sicherungsseil halten. Aber es ist so erschreckend dünn und die Bestie so mächtig.

Ich tick vielleicht nicht richtig, aber ich bin keine Bombe.

Viele mir nahe stehende Menschen haben schon immer gewußt, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Aber mit dem Suizidversuch scheint es plötzlich auch Menschen zu geben, die bei jeder Äußerung, die nicht abrundtief positiv ist, den Verdacht  haben, ich wolle mich vom nächsten Dach stürzen.

Dass ich weiterhin depressiv bin, hat nichts damit zu tun, dass ich suizidal wäre. Im Gegenteil. Nie war ich mir der Risiken mehr bewußt und vermeide sie, so gut es geht. Aber manchmal scheinen Menschen aus jedem „Ich will nie wieder auf dem Turm landen“ zu interpretieren, ich wolle springen. Nichts läge mir ferner. Es haben sich aus meiner Krankheit plötzlich so viele neue Chancen ergeben. Die werde ich wahr nehmen. Aber auch andere Themen weniger wichtig nehmen.

Natürlich wird auch das manchen Menschen nicht gefallen und ich werde neue Drohungen und Briefe bekommen. Aber das geht mir mittlerweile an meiner Sitzkomponente vorbei.

Ich bin nicht mehr jedermanns Liebling. Aber wie schon im Buch „Depression abzugeben“ geschrieben. Ich habe ein gehöriges Talent dafür, einmal mir zugefügte Wunden nicht mehr zu vergessen.

Man hat mich behandelt wie ein kleines Kind, wollte mir dumme Abstinenzen auferlegen oder glaubte, besser zu wissen, was für mich gut ist.

Mögen diejenigen das ruhig glauben. Deshalb muss ich mich ja nicht danach richten.

Das ist ein wichtiger Punkt. Erst wenn man sich von den Meinungen toxischer Menschen befreit, kann Genesung, kann Heilung stattfinden.

Oh, und für die Briefschreiber. Der Ordner ist noch ziemlich leer, und ich brauche noch Stoff für Band 2.

 

>>>>>>>>>>BUUUUUUUUMMMMM<<<<<<<<<<<

Es ist an der Zeit, einmal danke zu sagen.

Depression abzugeben“ war für mich kein Buch, das ich wegen des Geldes geschrieben habe. Es war auch kein Buch, mit dem ich Ruhm und Ehre zu erlangen gedenke. „Depression abzugeben“ ist meine Geschichte, ein Stück Wahrheit, verpackt zwischen zwei Buchdeckeln, niedergeschrieben auf 432 Seiten.

Und es war ein schwerer Schritt, so sehr in die Öffentlichkeit zu gehen, mich so sehr für andere Menschen zu öffnen. Aber letztlich war das Öffnen meiner Seele, meines Wesens für mich der wichtigste Schritt zur Heilung. Daraus entstand zunächst über die Tweets #ausderklapse der Wunsch, andere an meinem Heilungsprozess teilhaben zu lassen. Weil ich spürte, in den Feedbacks lesen konnte und aus eigener Erfahrung erlebt hatte, wie schwer es immer noch fällt, über psychische Erkrankungen zu sprechen. Wie sehr mir meine Leser und die Medien recht geben würden, das hat mich zutiefst überrascht. Zeitungen, Radiosender, selbst das Fernsehen zeigt ehrliches Interesse.
Aber was mich am meisten überwältigt sind die Reaktionen der allerwichtigsten Menschen, meiner Leser. Nicht nur, dass „Depression abzugeben“ tatsächlich viel gekauft wird. Nicht nur, dass es da draußen Menschen gibt, die ein ehrliches Interesse an meiner Geschichte haben. Die Rezensionen, oh diese Rezensionen. Ich dachte immer, Kritik bereite mir Schwierigkeiten. Aber das so überaus positive Feedback, die vielen fünf Sterne Bewertungen (als ich das hier schreibe alleine 18 Stück bei Amazon), die wundervollen EMails, Postkarten, Briefe. Danke, DANKE, DANKE!

Ich bin kein Bestsellerautor, kein Schriftsteller, sondern ein Mensch, der hofft, durch seine Erfahrungen anderen helfen zu können. Und es scheint zu gelingen. Großartig. Einfach Großartig.

Aber einen Mitarchitekten dieses Buchs darf ich nicht vergessen. Bastei Lübbe, die mein Manuskript als einer von drei Verlagen wirklich veröffentlichen wollten, die an meine Geschichte glaubten Und dort besonders, Cindy Witt, Ragna Sieckmann und Angela Kuepper. Drei Frauen, die mich ermutigen, unterstützen, zu viel loben (geht das eigentlich) und die mein Debut fantastisch begleitet haben.
Und ein besonderer Dank geht auch an meinen Agenten Eric Riemenschneider, der nicht nur an meine Geschichte sondern auch mein Schreibtalent und den Erfolg des Ganzen geglaubt hat.
Ich verneige mich vor so viel Vertrauen und kann nur ergänzen. Auch das war Heilung. Sogar ein sehr großes Stück Heilung.

Danke euch allen, ihr habt mich auf meinem Weg unterstützt und tut es durch täglich neues, unglaublich ermutigendes Feedback jeden Tag aufs neue.

„Das Leben ist ein Roman, für dessen Happy End zu selbst verantwortlich bist.“

Und ja, auch wenn es der eine oder andere rührselig oder kindisch empfinden wird. Auch nach diesem Text stehen mir Tränen in den Augen. Weil ich die Veränderung spüre, weil ich noch am  Leben bin, sein darf, sein werde und weil ihr alle mir ein klein wenig zurück ins Leben geholfen habt.

Auch dafür sei euch allen nochmals herzlich gedankt.