Blogparade:Was zeichnet die Führungskraft der Zukunft aus?

Und wieder ruft Bianca Gade (@chiliconcharme) zur Blogparade auf zu einem Thema, das mich persönlich sehr umtreibt.

Die Führungskraft der Zukunft? Eine interessante Frage, sehe ich doch durch die zunehmende Verschmelzung von Beruf und Privat, oder wie ich es nenne die Work Life Integration die klassischen Hierarchien verflachen. Für mich ist die Führungskraft der Zukunft zuallererst Coach, Berater, der sein Team unterstützt in der meist selbständigen Erledigung ihrer Ziele. Denn für mich zeichnet sich für die Zukunft ein Bild ab, das viel mehr von Projektarbeit geprägt sein wird. In dem es die typischen Teams immer seltener geben wird.

Bereits heute motiviere ich mich am besten selbst, in dem ich mich mit Aufgaben befasse, die mich begeistern, in dem ich in jeder neuen Herausforderung die Chancen sehe, etwas auf die Beine zu stellen und mich durch meine Leistung zu beweisen. Der Präsenzgedanke des Mitarbeiters, der für seine Führungskraft stets sichtbar und verfügbar ist, wird in der Zukunft immer mehr einer Situation weichen, in der wir verschiedenen „Herren“ dienen und ggf. auch teilselbständig arbeiten.

Insofern ist die Rolle der Führung in der Zukunft mehr eine integrative, weniger eine überwachend kontrollierende. Die Führungskraft der Zukunft sorgt für ein kommunikatives Umfeld, versucht, als Mediator und Coach zu agieren. Und ja, in bestimmten Arbeitsumfeldern wird der Bedarf an Führungskräften auch massiv sinken, wo sich Teams immer wieder neu anhand der Aufgabe zusammensetzen und der einzelne nicht mehr Teil eines Teams, sondern Teil einer Gruppe von Experten mit einer bestimmten Skillpalette ist.

Motivation ist für mich schon immer nur dann wirklich positiv, wenn sie intrinsisch, also aus der Person heraus kommt. Sei es, weil sie die Möglichkeit bietet, die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren, sei es, weil sie zu Erfolgserlebnissen führt. Geld und Sachwerte können maximal die sozial absichernde Basis bieten.

Alles, was darüber hinaus geht, bedeutet für mich nicht zwangsweise ein mehr an Motivation. Dazu existiert auch ein wunderbares Video bei TED mit dem bezeichnenden Titel „What really motivates us“.

Ich empfehle es jedem, der glaubt, nur alleine durch finanzielle Anreize könne man kreative, innovative Ergebnisse erzielen. Gerade mit der zunehmenden Zahl an Freiberuflern bzw. Menschen, die nahe an einer freiberuflichen Arbeit agieren wird die intrinsische Motivation aus sich selbst heraus immer wichtiger.

Und auch bei der Frage, was Führungskräfte von sozialen Medien lernen können, ist eines ganz klar. Die Führungskraft der Zukunft muss zum einen mit einem massiven Kontrollverlust leben (können), da sich ihre „Untergebenen“ immer stärker untereinander und über Hierarchien und Teams hinweg vernetzen werden. Aber wenn sie die Chancen nutzt und diese Vernetzungsmöglichkeiten selbst aktiv nutzt, kann sie Projekten wichtige Impulse geben, und durch Vernetzung schnellere Lösungen und Optimierungen in der Zusammenarbeit initiieren.

Nochmal, die Führungskraft der Zukunft wird es noch geben, aber sie wird deutlich weniger führen und deutlich intensiver Coachen. Ggf. gar zum Wohle des Mitarbeiters auch mal darauf achten, dass nicht zu viel gearbeitet wird. Denn meiner Ansicht nach besteht bei Modellen wie der Vertrauensarbeitszeit das grössere Problem nicht in der Ausbeutung der Mitarbeiter durch die Vorgesetzten (diese haben oft schon heute durchaus das Bewußtsein entwickelt, dass ein ausgebrannter Mitarbeiter auch dem Unternehmen schadet) sondern vielmehr in der Ausbeutung der Mitarbeiter durch sich selbst. Denn wer in seiner Arbeit aufgeht, wer hochmotiviert an neuen Lösungen arbeitet, tendiert viel zu leicht dazu, die Zeit zu vergessen und letztlich damit auch die eigene Gesundheit.

 

Update: Mittlerweile ist auch das EBook erschienen, mit vielen weiteren sehr spannenden Beiträgen.

„Dieses Facebook sollte man abschaffen“

Facebook böööööse, reale Welt guuuuuuut. Not really, sorry.

Gestern, belauscht. Zwei erwachsene Menschen, geschätzte 40 unterhalten sich über dieses unnötige Facebook, das eh kein Mensch braucht, und wo man sowieso nur liest, was jemand zu Mittag gegessen hat oder Fotos von Betrunkenen auf Parties sieht.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich solche Bilder in meiner Timeline wirklich nicht einmal nach langer Suche finden würde, zeigt mir das, was auch auf der re:publica schon zur Sprache kam. Wir müssen viel mehr die „Offliner“  informieren. Ich verlange ja gar nicht, dass die alle auf Facebook gehen (von manchen hoffe ich gar, dass sie es nie tun werden) aber zumindest sollte etwas mehr Verständnis für das Medium da sein.

Und wir sollten uns klar machen, dass es nicht einmal nur um Social Media geht. Die Diskrepanz zwischen der Medienkompetenz der breiten Bevölkerung und dem, was für eine vernünftige Erziehung der Jugend zu Medienkompetenz notwendig wäre, hat sich offensichtlich nicht verkleinert. Wir obliegen dem Irrtum, dass nur durch das Heranwachsen einer neuen Generation, Medienkompetenz quasi auf dem Silbertablett serviert würde.

Aber diese Annahme ist falsch. Wie andere Kulturtechniken auch, muß Medienkompetenz erlernt werden. Und was ich aus solchen Gesprächen wie dem obigen herauslese, es gibt viele Menschen, die gar nicht bereit sind, sich ernsthaft damit zu befassen.

In wie vielen Familien finde ich schon bei 10 oder 12 jährigen einen Spielecomputer oder gar einen Fernseher im Zimmer? Beides Dinge, die bei uns nicht in Frage kämen. Und wie oft wird wirklich kontrolliert, was die Kinder so spielen, womit sie sich ihre Zeit vertreiben?

Immer wieder höre ich auch Kinder im Gespräch, die sich vom letzten Krimi berichten, den sie gemeinsam mit den Eltern gesehen haben. Aber wer glaubt ernsthaft, ein Krimi wäre für einen 10 oder 12 jährigen das richtige?

Wir sollten endlich auch die eigene Verantwortung erkennen und nicht alleine auf die bösen Medien schimpfen, die ja angeblich diesen Müll anbieten. Da unterliegen wir nämlich einem Irrtum. Die sozialen Medien bieten nur die Plattform, der Müll kommt durch die User.

Rezension: Der entfesselte Skandal

248, S., 28 Abb., 2 Tab., dt., ISBN: 978-386962-058-9, Monografie 19,80 EUR

Das Buch „Der entfesselte Skandal“ von Bernhard Pürksen und Hanne Detel verspricht im Untertitel: „Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“.
Nun ist für mich gerade auch als Blogger durchaus interessant, welche Rolle das Netz und die Digitalisierung bei den aktuellen Skandalen spielt.
Aber leider versagt meiner Ansicht nach das Buch hier in weiten Teilen. Es fühlt sich vielmehr an wie eine dokumentarische Aneinanderung von Skandalen der jüngsten Vergangenheit, die dazu herhalten müssen, die These zu stützen, dass im digitalen Zeitalter die Kontrolle über das Geschehen und die Medien verloren wurde. Dabei fehlt mir aber in weiten Teilen die Substanz und gelegentlich gar das Verständnis für die Mechanismen der sozialen Netze.
In einer zum Teil sehr  wissenschaftlich verbrämten Sprache werden Beispiele für Skandale aneinandergereiht nachdem zunächst in einer für mich zu kurzen Form auf den Blogger als Auslöser eines Skandals und die digitalen Medien als Transportmedium eingegangen wird. Dabei ist es oft nicht der Blogger, der die Enthüllung betreibt, er gibt maximal den Anstoß, wenn er überhaupt so wichtig genommen wird. Immer noch sind es die klassischen Medien, die die dialektischen Schlammschlachten gegen Prominente führen. Es existieren sicher neue, schnellere Verbreitungswege, aber es ist die gleiche schon seit Jahrzehnten vorhandene Lust am Skandal und die kommerzialisierte Verbreitung der Skanalmitteilung, die den entfesselten Skandal erst auslöst.

Im Stil der Beschreibung schwingt stets der Unterton mit, der den Vorwurf gegen Blogger erhebt,effektheischend und um der Reichweite willen, Enthüllung zu betreiben. Hier wird völlig verkannt, dass es sehr viele Blogs gibt, denen es überhaupt nicht um Enthüllung geht. Es ist vielmehr so, dass wir es bei den enthüllenden Bloggern oft mit jenem Personenkreis, der ohne Internet auch mit Telefon oder Brief enthüllen könnte.
Die Skandalentfesselung wird zu stark auf die digitale Welt fokussiert, anstelle wirklich zu hinterfragen, woher die Skandalisierung und die Lust der Bevölkerung am Skandal rührt.

Insgesamt ein Buch, dass ein sicher spannendes Thema aufgreift, aber recht einseitig betrachtet und in weiten Bereichen eine wirklich objektive Betrachtung vermissen lässt. Zwar werden ab Seite 23. die Charakteristika des entfesselten Skandals aufgeführt, aber außer dem ersten Punkt, dass Initiatioren des entfesselten Skandals nicht mehr nur Journalisten sind, findet sich kein Argument, das einen wirklich neuen Aspekt hinzufügt. Und ich wage zu behaupten, dass auch heute noch nur ein sehr nah am Journalismus stehender Blogger mit der nötigen Relevanz einen wirklichen Skandal entfesseln kann, und auch er dazu der „klassischen Medien“ (noch) bedarf. Der Skandal an sich ist stets ein Ereignis, das durch die Multiplikation und die für die Öffentlichkeit nötig Relevanz getragen wird. Das Netz kann maximal aufdecken, ob der Skandal sich entfesselt, wird immer noch durch die Gesamtheit der Rezipienten bedingt.

Insgesamt ein eher enttäuschendes Buch, dass zwar einige interessante Skandale der Vergangenheit darstellt, aber eine wirklich fundierte Erklärung des Unterschieds der Skandale der (Offline-)Vergangenheit und der Gegenwart schuldig bleibt. Die Beispiele sind gut recherchiert,und die Analyse durchaus gelungen. ABER: Die eigentliche Entfesselung des Skandals hat wenig mit den Mechanismen des Internet zu tun, die hier lediglich eine gewisse Beschleunigung bewirken können. Vielmehr wäre zu hinterfragen gewesen, woher dieses große Interesse an Skandalen herrührt, und warum die Medien offensichtlich immer unreflektierter dieser Gier nach dem Skandal nachgeben.

Und zudem, letztlich ist jedes der Skandalbeispiele von einer gewissen globalen Relevanz. Was ist aber mit jenen Skandalen und Skandälchen, die eher lokal begrenzt entstehen, die sich nicht in der gesamten Öffentlichkeit abbilden?

Wegen der zum Teil zu wissenschaftlichen Sprache und einem gewissen Mangel  an Objektivität in der Analyse des Einflußes des Digitalen auf den Skandal ein Buch, dem ich nur 3 von 5 möglichen Sternen geben kann. Sollte es als Einstieg in die Skandalisierungswelt der digitalen Welt sein, wäre es ratsam gewesen, dies in einer etwas weniger wissenschaftlichen Sprache darzustellen, für den an tieferer Analyse interessierten Leser finde ich die Auswahl an Skandalen eher unglücklich gewählt .

Meine Wertung: [xrr rating=3/5]

Dank an www.bloggdeinbuch.de und den Herbert von Halen Verlag für das Rezensionsexemplar.

Warum ich als Blogger Relevanz vor Reichweite stelle. Die generische (Banner-)Werbung stirbt.

Session 1 am 3. Tag der re:publica „Mit dem Blog Geld verdienen“. Was mir sofort auffällt in der Diskussion. Es wird von den Rednern eigentlich nur die Schaltung von Werbung betrachtet. Und die Relevanz eines Blogs ist offensichtlich für die Menge und die Bezahlung von Werbung nicht wichtig. Da ist man offensichtlich immer  noch im Offline Denken verhaftet, dass der dumme Verbraucher nur hinreichend viel Werbedruck brauche und dann kaufen die mein Zeug schon.

Sehr kurz gedacht finde ich. Aber als ich das Thema Relevanz ins Gremium zu tragen versuche, schwenkt das ganze unglaublich schnell wieder dahin, wie ich mein Blog so bespiele, dass ich viele Klicks bekomme.

Da graut es mir doch intensivst. Primär schreibe ich nicht für die Werbeagenturen und mein erstes Ziel ist auf KEINEN Fall, die Masse zu bekommen, die dann meine Partner mit generischer Werbung bespielen können. Und ich glaube, auch das ist genau der Grund, warum im Plenum kaum jemand anwesend ist, der mit seinem Blog mehr als ein oder zwei Bierchen pro Monat bezahlen kann. Nicht, weil es nicht machbar wäre, aber ich glaube, es sind einfach keine Massenblogger anwesend. Es sind gerade die Blogger mit Relevanz, die aber offensichtlich auch mehr RELEVANZ erwartet haben.

Ja, mein Blog bringt mir mehr als nur ein oder zwei Bierchen ein. Aber nicht unbedingt direkt durch Werbung. Mein Blog ist für  mich die Plattform um zu vermitteln, wie ich denke, welches Wissen ich anbieten kann, welche Ansichten ich vertrete. Und  quel surprise. Gerade dadurch, dass ich meine Ansichten, mein Wissen über mein Blog transportiere, habe ich im letzten Jahr mehrere Aufträge als Redner bekommen, kooperiere mit Plattformen wie silicon.de und bekomme das eine oder andere Produkt oder Buch zur EHRLICHEN Rezension.

Mein Aufruf an alle Blogger, die sich Gedanken  darüber machen, wie sie ihr Blog monetarisieren können. Denkt über die Grenzen der Werbung hinweg. Viele sehen das eh nicht oder ignorieren die Banner ebenso, wie sie im TV ignoriert werden. (Und Adblock Plus wird auch immer beliebter 😉 )

Bleibt relevant und authentisch. Schreibt, was ihr denkt, was ihr für richtig und wichtig haltet. Denn dann kann es passieren, dass ihr mit eurem Denken, euren Inhalten wertgeschätzt werdet. Mitterweile bin ich in geringem Umfang nebenberuflich als Redner, Coach und Berater aktiv. Das wäre nicht passiert, hätte ich Living the Future als Geldverdienblog gestartet. Living the Future ist und wird meine Plattform bleiben, Gedanken zu entwickeln, Ideen zu präsentieren und Produkte oder Dienste vorzustellen, die ich für RELEVANT halte. Von denen ich persönlich überzeugt bin oder die ich zumindest für aussichtsreich halte. Und deshalb gibt es auch nur selektive Werbung. Aber diese Werbung lohnt sich auch für diejenigen die (oft ohne vermittelnde Agentur) auf  mich zugekommen sind. Weil ich selbst an die Produkte glaube oder sie zumindest positiv sehe.

Meine These. 5000 relevante Leser sind für einen ehrlichen Blogger, dem die Inhalte seines Blogs etwas bedeuten viel wertvoller, als 100000 Besucher, die sich eigentlich nur bespaßen lassen wollen. Und für Unternehmen, die thematisch zum Blog passen, sind diese 5000 relevanten Leser die deutlich besseren Multiplikatoren als 100000 anonyme Visitor, die weder die Marke noch die Botschaft weitergeben werden.

Und sorry @bstackelberg , weils im nächsten Jahr auch re:publica typisch eine Session dazu geben soll hier noch mein gedankenauslösender Tweet:  „ @bicyclist: Thema für nächstes Jahr. Geld verdienen mit bloggen, jenseits von Banner und Affiliate. Blog als Relevanzreferenz #rp12

Tag 2: re:publica the other side (but not the dark one)

Twoffline Twitterwall
Alles vorbereitet für die Besucher.

Heute mein Helfertag, zunächst Akkreditierung mit einem klasse Team, dann „SD Karten“ Transporter. Stages 2 und 5 werden gefilmt und bedürfen stetigen Nachschubs an SD Karten sowie zurücksendens in Stage 1, wo das alles dann verarbeitet wird. Der Vorteil, zwischendurch immer wieder die Chance auf das eine oder andere Gespräch am „Affenfelsen“. Spannende Sessions unter anderem der wohl bald berühmt werdende #zdfstuhlkreis boten interessante Diskussionen. Dazwischen die Feststellung, Mensch, die Twitterer, die schon in meiner Timeline so total sympathisch rüberkommen, sind das ja auch in Real Life.

Das einzige Defizit immer noch das W-Lan, aber immerhin waren die UMTS Netze stabil und auch heute konnte man viele Onliner sehen, die auf ihre Displays starren (Übrigens der zweite Teil von „Männer, die auf Schafe starren).

Doch das ultimative, absolute, gigantische, unvergleichliche und finale Event. GTT, das Ende. Und die Ankündigung DER neuen Plattform.. FACEPUNCH. The Revolution is now.

Guckt mal, da oben hat sich das Internet versteckt und traut sich nicht mehr ins WLan.

So, jetzt muss ich aber aufhören, GTT Bingo beginnt gleich, und da muss ich mich drauf…oh, ein Eichhörnchen.

The ACT!ON has started: re:publica first impressions #rp12

Es ist wieder so weit. Die re:publica 12 ist gestartet und die neuen Lokation hat ihren ersten Test in meinen Augen bestanden. Alles sehr viel weitläufiger, ein leichtes aber sehr angenehmes Gefühl von Improvisation.
Neben den bekannten Sessions etabliert sich die grosse Halle als Treffpunkt von Bloggern für Blogger. Medien sind zuhauf anwesend, fast keine Stelle, an der man nicht einem Fotografen oder einer Fernsehkamera begegnet.

Was mir auffällt. Neben den typischen Werbeständen, die Produkte prominent machen wollen gibt es auch die eine oder andere Station, die wirklich sinnvolles präsentiert oder sich einfach mit neuen Ideen in die Innovationsatmosphäre der re:publica integriert.

Schöne Idee auch der „Berg“ aus Plastikstühlen, der flexibel genutzt werden kann, um sich in kleinen oder großen Gruppen zusammenzusetzen. (Da lasse ich mir doch evtl. welche von nach hause schicken)
Hornbach macht sich Freunde mit einem kleinen, kostenlosen Frühstück, danach kann man ausgedruckt und auf eine große Wand tapeziert die Tweets der Teilnehmer offline verfolgen.

Makerbots präsentieren sich ebenso, wie Simyo mit einem Stand voller Powerakkus, um die Versorgung mit Strom zu gewährleisten. Mehrfachsteckdosen in gelb werden verteilt, Daimler, einer der Hauptsupporter bietet die Möglichkeit, car2go live mitzuerleben.
Wer nicht dabei sein kann, hat die Möglichkeit, diverse Sessions via Livestream zu verfolgen.
Oh und noch ein Feature der re:publica ist wieder da. Das WLan. Oder um es anders zu sagen, die häufige Abwesenheit desselben.
Wie sagte ein Twitterer doch so schön? „Aaah, die re:publica beginnt wieder, endlich wieder 3 Tage offline ;)“

Ich bin ein Killerspieler liebe(?) CDU

Ich spiele auch gerne mal einen Egoshooter, oder wie die Gutmenschen CDU sagt, ein Killerspiel. Schicken die mir jetzt die GSG9 auf den Hals oder eher ihre pazifistische Bundeswehr?

Schon traurig, wie wenig offensichtlich an Einsicht in den Köpfen mancher Parteibetonköpfe existiert.

„Der Ego-Shooter „Crysis 2“ ist Donnerstagabend beim Deutschen Computerspielpreis als „Bestes Deutsches Spiel“ ausgezeichnet worden.“ schreibt Heise Online und sieht sich genötigt, „“Killerspiele“ erhalten Deutsche Computerspielpreise“ zu titeln.

Grund: Zuvor hatte der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU Fraktoin Wolfgang Börnsen mit personellen Konsequenzen gedroht, sollte Crysis 2, ein von der CDU als Killerspiel bezeichnetes Spiel gewinnen. So viel zum Thema Demokratie, freie Meinungsäußerung und Verständnis über Computerspiele.

Aber das kennen wir ja schon, schon seit langem existiert eine konservative Lobby mit so hochfeinen Herrn wie Herrn Börnsen oder auch Herrn Christian Pfeiffer, die am liebsten Killerspiele für jegliche Art von Verbrechen zur Verantwortung ziehen würden.

Dabei übersehen sie eins. Schützenvereine gibt es auch, aber wird hier diskutiert? Es existiert die Bundeswehr und gerade haben wir wieder erfahren müssen, dass ein amerikanischer Soldat Amok gelaufen ist und unschuldige Zivilisten getötet hat. Vermutlich würde auch da die liebe CDU irgendwie ein Kurve zu „Killerspielen“ bekommen. Und wieder mal etwas herausblöken ohne zu wissen, worum es bei den meisten angeblichen Killerspielen nämlich vor allem auch geht. Um Taktik, um Teamwork. Man muss solche Spiele nicht mögen, aber daraus einer ganzen Branche einen Strick drehen zu wollen, ist mit Verlaub ignorant und idiotisch. Schon alleine das Argument, dass viele amoklaufende Jugendliche Killerspiele gespielt haben, ist nachweislich dumm. Denn dann müsste man ja auch die Tagesschau, die Nachrichten, jegliche öffentliche Darstellung von Zeitungen verbieten, denn dort wird jeden Tag über ECHTE Tötungen, oftmals im Auftrag und mit fadenscheinig guter Begründung unter dem Deckmantel des Schutzes von Interessen (der Wirtschaft) berichtet. Und wenn wir schon so argumentieren, dann sollten auch die Millionen von Jugendlichen erwähnt werden, die Killerspiele spielen und dennoch liebe, freundlich und total unagressiv sind. Aber es ist immer einfacher, nur die Seite der Medaille zu betrachten, die dem eigenen Denken entspricht.

 

Wir leben aber, und hier finden sich wohl die wirklichen Gründe für die Gewaltproblme unserer Zeit in einer Gesellschaft, in der es immer mehr um Leistung, um Perfektion, um ja nicht unperfekt sein geht. Wer da aus dem handhabbaren Raster fällt, der gerät selbst schnell ins Abseits. UND daraus mag sich viel eher ein Hass auf die Gesellschaft entwickeln.  Ich würde sogar behaupten der primäre Faktor ist eine permanente Ausgrenzung dieser Jugendlichen, die mittlerweile dank Hartz IV und immer größerem Leistungsdruck in der Schule noch gefördert wird. So lange wir nicht endlich begreifen, dass wir uns nicht nur um die Noten und die Leistung, sondern auch um die Seele Heranwachsender kümmern müssen, wird das nicht besser.

Ich habe früher auch Killerspiele gespielt, um in der polemischen Dialektik der CDU zu bleiben. Aber ich habe aus Überzeugung den Kriegsdienst verweigert, weil ich keinen REALEN Menschen erschiessen wollte und sehr klar den Unterschied zwischen der spielerischen Simulation und der Realität unterscheiden kann. Und man stelle sich nur vor, ich habe früher auch gerufen, „peng du bist tot“, wenn wir Cowboy und Indianer spielten, habe im Fernsehen gesehen, wie Jerry Tom einen grossen Stein auf den Kopf fallen lässt und wie angeblich vernünftig denkende Menschen in Afganistan und im Irak einmarschiert sind, angeblich NUR aus humanitären Gründen.

Amokläufe und Gewalt sind ein Problem der Gesellschaft, nicht eines Spieles. Aber es ist halt leicht, und zudem populistisch, auf eine Gruppe einzudreschen, die nur eine schwache Lobby hat. Nur leider leider übersieht die liebe CDU da eines.

Auch solch ein vorurteilsbehaftetes, uninformiertes und antidemokratisches Verhalten (mit personellen Konsequenzen drohen, heißt für mich letztlich Erpressung) führt zum Erfolg der Piraten. Insofern: Bitte macht weiter so, damit wir bald erleben, wie die Piraten in den Bundestag einziehen. Ihr scheint es ja zu wollen.

Immerhin scheint es ein paar wirklich nachdenkende CDUler im Verein Cnetz zu geben, die dem ehrenwerten Herrn Börnsen vermutlich zu Recht entgegenhielten, Zitat Heise:  er habe sich offenbar gar nicht selbst mit dem Spiel beschäftigt. Allein seine Sprachwahl zeuge „von einer groben Unkenntnis in der Sache“. Der Verein für Netzpolitik verglich „Crysis 2“ mit dem Film „Inglourious Basterds“ – dort gebe es mehr gewaltverherrlichenden Szenen als in „Crysis 2“, und der Film sei im Unterschied zu dem Computerspiel mit öffentlichen Mitteln gefördert worden. Spiele dürften nicht nur unter pädagogischen Aspekten betrachtet werden. „Computerspiele sind längst ein weit verbreitetes und anerkanntes Kulturgut“.

Ja Herr Börnsen, da würd ich mal sagen, setzen, sechs, und am besten sich mal von jemandem, der sich damit auskennt erklären lassen, worüber man spricht, bevor man unqualifiziert in die Medien hinausposaunt.