Reset the Web, eine Aktion gegen die Datendiebe und Überwachungsverbrecher von NSA und Co.

Vielleicht habt ihr das Banner bereits woanders gesehen, heute, der 5.6. ist der Tag, an dem das Netz aktiv wird. Wir haben die Nase voll von Überwachung und Diebstahl unserer Privatsphäre durch die Privatsphärenverbrecher von #NSA und Co.

Ladet euch das Privacy Pack herunter und macht auch euren Computer sicherer vor Überwachung. Denn wir alle haben ein Recht auf  Privatsphäre und was #NSA und Co. tun oder planen, ist schlicht ein Verbrechen.

Und macht selbst mit, postet auf Facebook und Twitter darüber, protestiert in eurem Blog oder schaltet auch ein Banner. Mehr Infos dazu findet ihr bei resetthenet.org

 

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Wir sollten die Stärken in Menschen sehen, nicht ihre Schwächen

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Auch wenn ich mittlerweile Referent, Dozent und Autor bin. Ich bin auch introvertiert. Und mache das beste daraus.

Ein immer noch sehr beliebter Denkfehler ist es, sich stark auf die Schwachpunkte im Wesen eines Menschen, sei er nun Freund oder Kollege zu fokussieren. Man versucht, die Schwächen verschwinden zu lassen oder zu verbessern. Dabei bringt das weitaus weniger, als die umgekehrte Strategie.

Jeder Mensch hat auch Stärken. (Ja, kommt mir nicht mit den berühmten Ausnahmen, sonst heißt es ja auch immer, die meisten wollen doch…) Wir sollten Menschen dabei unterstützen, ihre Stärken zu nutzen und damit zu einer Aufgabe, einem Projekt beizutragen.

Das der introvertierte Kollege nicht per Anordnung plötzlich extrovertiert wird und frühzeitig fragt, dürfte klar sein ebenso, wie es nicht funktionieren wird, einem ängstlichen Menschen anzuordnen, er solle mutig auf Gesprächspartner zugehen und auch Konflikte nicht scheuen. Sorry, auch wenn ihr euch das wünscht und vielleicht mit dem allseits missbrauchten Fremdbild kommt. Das funktioniert so nicht.

Es kann durchaus sein, dass dann ein Kollege oder Untergebener (schon das ein ekliges Wort, denn ich fühle mich niemandem über- oder unterlegen,  und schon gar nicht durch einen virtuellen Titel) andere Aufgaben bekommen muss, aber gerade bei bestimmten Charakterzügen wäre es eine Illusion, hier eine Veränderung zu fordern. Kreativ bleibt kreativ, mutig bleibt mutig und ängstlich wird immer im Grundwesen ängstlich bleiben.

Insofern halte ich wenig davon, in der Beurteilung von Menschen Schwächen zu identifizieren UND verändern zu wollen. Die eigenen Schwächen kennt jeder selbst am besten (oft werden sie sogar der Umwelt gegenüber verheimlicht, ein weiteres Indiz für den Irrtum Fremdbild).

Ich bin introvertiert, das glauben zwar viele in meinem Umfeld nicht, aber wer die genaue Definition von Introversion kennt, wird mir zustimmen (Genauer, nach Myer Briggs: Ich bin INFP)

Ich werde das nicht ändern können. Aber ich kann das beste draus machen. Und das sollte von meinem Umfeld unterstützt werden. Alles andere bringt nichts, außer Widerstand und Leiden.

Umarmt die Unternehmen, damit ihr sie unter Kontrolle habt

Es gibt einen tiefen Graben zwischen den Vertretern der reinen Lehre und den Unternehmen. Auf der einen Seite diejenigen, die allen Handlungen eines Konzerns irgendeine böse Absicht unterstellen. Auf der anderen Seite die Unternehmen, die gerade wegen der permanenten Unterstellungen immer mehr auf Distanz zu kritischen Bloggern und Netzaktivisten gehen.

Ich finde aber, die Zeit der Grabenkämpfe sollte nun so langsam vorbei sein. Auch Unternehmen haben ein Problem mit Tatbeständen wie PRISM und dem Verhalten der NSA. Denn es untergräbt das wichtigste Teilgebiet des Unternehmenserfolgs. Vertrauen in die Datensicherheit. Und Vertrauen in die Produkte. Auch wenn wir davon ausgehen, dass Konzerne letztlich primär auf die Rendite schauen, ist es dennoch sinnvoll, den Kontakt zu ihnen zu halten. Als Blogger gerade auch deshalb, weil dadurch im besten Fall eine Interaktion entstehen kann, die sowohl dem Blogger (durch mehr Leser und mehr Relevanz) als auch dem Unternehmen helfen kann, das direkter erfährt, wo es auf dem Holzweg ist, oder welche Bedürfnisse der Markt wirklich hat. Manchmal finde ich es geradezu lächerlich, wie gegen Google, Facebook etc. gewettert wird, sie wollten doch alle nur unsere persönlichen Daten. Ich wage zu

Die Welt ist selten schwarz oder weiß, und noch viel seltener hat es ein Unternehmen alleine auf den Profit abgesehen, da eine solche Sichtweise nicht langfristig trägt.

Wir sind in einem Stadium der Diskussion, in dem auch gehandelt werden muss, und zwar auch und gerade in Bereichen, in denen die Lobby der Konzerne viel stärker ist als die Lobby des Netzaktivismus. Denn eines fürchten die politischen Entscheidungsträger. Ein Einbrechen der Wirtschaft, eine Verschlechterung, die die breite Masse zu spüren bekommt. Und eine Öffentlichkeit, die durch Unternehmen und Medien viel stärker rückwirkt, als durch uns Blogger alleine. Sehen wir es doch so, wie es ist. In unserer Filterblase (mag sie noch so groß sein) mögen wir ja relevant sein. Aber wenn man sieht, wie die breite Öffentlichkeit (nicht) auf Themen wie Snowden und NSA reagiert, dann brauchen wir ganz andere Kanäle, um die Masse zu erreichen.

Wir mögen ja über den Auftritt von F-Secure und „The Hoff“ auf der re:publica gelacht haben. Aber genau solche Produkte braucht es in der „realen Welt“ auf Smartphones. Tools, die transparent ohne einwirken des Nutzers sein Smartphone absichern. Und die dann auch noch zu einem realistischen Preis verfügbar sind. Das Blackphone ist eine gute Idee, aber nicht zu dem bislang avisierten Preis. Hier braucht es die Skalierbarkeit großer Konzerne.

Die Dummheit des Alters ist die Klugheit der Jugend

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Ist es nicht beschämend, wie ignorant die Mehrheit der angeblich so klügeren Erwachsenen mit diesem Thema umgeht?

Ich bin auch in der Ausbildung aktiv und befasse mich damit, wie man junge Menschen adäquat anspricht, wie man Ihr Interesse für eine Ausbildung in einem bestimmten Bereich weckt. Und hier stosse ich in Gesprächen, aber auch in der Presse immer wieder auf das Vorurteil, dass die jungen Menschen nicht mehr erreichbar, zu uninteressiert zu ungebildet wären.

Jedes dieser Argumente mag für eine gewisse Minderheit gelten, aber so leid mir das tut, nein, das ist einfach nicht wahr. Vielmehr ist es einfach so, dass wir sie nicht mehr erreichen. Und durch die Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter bietet, sind sie auf den scheinbaren Wissensvorsprung der Erwachsenen auch längst nicht mehr so angewiesen, finden schon viel früher zu  ihren eigenen Lebensphilosophien und – etwas das ich sehr positiv finde – hinterfragen und prüfen viel häufiger.

Wer zum Beispiel vorwirft, die Jugend von heute sein ungebildet, der stellt möglicherweise nur die falschen Fragen. Denn seien wir doch mal ehrlich. Vermitteln wir unserer Jugend überhaupt noch den Eindruck, Bildung sei wichtig? Ausbildung? Ja definitiv. Schaff ersch mal was gscheids hör ich immer noch viel zu oft.

Dabei weiß die junge Generation sehr genau, was sie will, und wer ehrlich mit ihr ist. Den oftmals sehr fantasievollen aber jenseits jeder Realität formulierten Ausbildungs- und Jobbeschreibungen glaubt sie längst nicht mehr. Ehrliche Geschichten aus dem Ausbildungsalltag sind viel bedeutsamer geworden. Das ach so beliebte Wort der „Authentizität“ greift auch hier, oder um es einfacher zu formulieren. Seid ehrlich mit uns, dass ihr uns meist anlügt haben wir schon lange begriffen.

Auch die Medien, mit denen wir meinen, die Jugend zu erreichen,sind längst out. Selbst Facebook gehört da schon zum alten Eisen und mit dem Fernsehen braucht man gar nicht mehr anzufangen. Video on Demand, YouTube, wer sich sein Programm nach seinen eigenen Wünschen und ganz ohne nervende Werbelügnereien zusammenstellen kann, dem braucht man über die „alten Medien“ keine weichgespülten Werbebotschaften mehr zu liefern.

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Auch die junge Generation hat Interesse an Information. Aber sie kennt auch die medialen Filterblasen und umgeht sie klugerweise oft.

Und wer kann es ihnen verdenken. Sich auf ein Berufsbild festzulegen, nur weil ein Unternehmen mir erzählt, man werde gerade gebraucht, ist in Zeiten, in denen Manager gleich Leute entlassen, nur weil das Unternehmen mal kein Wachstum aufweist wohl eher unglaubwürdig. Es ist den jungen Leuten sehr wohl bewußt, dass sie, zumindest in den Unternehmen der alten Denkmuster letztlich nichts weiter sind, als eine Zahl in einem Excel-Sheet, die einen bestimmten Wert einnehmen muss, und sonst im Zuge der Kosteneinsparung für den Shareholder-Value gestrichen wird.

Während wir immer noch und unbelehrbar Privatleben, Gesundheit, Freunde dem beruflichen Erfolg zu opfern bereit sind, beginnt sich die nachwachsende Generation an neuen, und wie ich finde gesünderen Werten zu orientieren. Der Mangel an Interesse für Aufstiegschancen und das Bedürfnis nach ehrlicher und echter Balance zwischen Privat und Beruf oder wie ich es bevorzuge die Integrative Gestaltung beider Bereiche, bei der ich mein Ich nicht am Eingang abgeben muss, um als brave Arbeiterameise dem zu gehorchen, was die da oben verordnen, all dies zeigt mir, dass eigentlich die nachwachsende Generation viel schlauer ist, als wir es sind und in manchen Bereichen womöglich wir endlich mal begreifen sollten, dass die Zeiten, in denen Alter = Erfahrung = Wertvolles Wissen war, längst vorbei sind Der Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie vollzieht sich mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass es anmaßend wäre, als „Erwachsener“ einen guten Rat für die Zukunft der Jugend zu geben. Man kann eigene Erfahrungen vermitteln, sollte aber die Einschätzung denen überlassen, die nicht beständig in der Vergangenheit leben, sondern an der Zukunft interessiert sind.

Wer in Medien und im persönlichen Gespräch immer noch den Verfall der Kultur beklagt, wer es verwerflich findet, dass die Jugend YouTube und EBooks nutzt, sich digital informiert, der rettet nicht die Kultur oder Gesellschaft. Der ist einfach von gestern und sollte sich mal wieder eine Prise Realität gönnen.

Ich vertraue auf unsere Jugend im Moment mehr, als auf manche meines Alters (und ich bin wahrlich nicht mehr der Jüngste ;))

Aber zu behaupten, die Jugend von heute sei schlecht, dumm, uninteressiert war schon immer ein dummer und falscher Spruch. Nur heute ist es geradezu gefährlich, diesem Irrglauben noch anheim zu fallen.

Die Jugend ist nicht mehr bereit, dem Dogma alles für den Konsum, alles für die Wirtschaft zu folgen. Und sie hinterfragt Statussymbole, vor allem wenn sie so vorgestrig sind wie dicke Firmenwagen  oder unbedeutende weil irrelevante Titel. Und dass der Mensch, der in einer Firmenhierarchie über ihnen steht weder intelligenter, noch besser, noch erfahrener sein muss, ich denke auch das haben die jungen Menschen spätestens seid Börsencrashs und Finanzbetrug begriffen. Und wie ehrlich man in der Politik mit ihnen umgeht, nun, Edward Snowden hat sicher auch da einiges gerade in den jungen Köpfen bewegt. Ja, ich weiß, gleich heißt es wieder, aber doch nicht bei der Mehrheit. Richtig, aber noch weniger bei eben jenen, die sich selbst immer so gerne als weise, erfahren, klüger darstellen. Nämlich bei uns. Wir sind doch, wenn wir mal ehrlich sind, noch viel ignoranter und weltfremder als die gesamte junge Kultur zusammen.

Insofern. Geben wir der Jugend eine Chance. Und verdammt nochmal, seien wir endlich mal ehrlich zu ihr.

Work Life Integration und das immerwährende Dilemma der Arbeitszeit

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Für die Gestrigen ist Leistung = Anwesenheit, für die Ehrlichen ist Bezahlung= Anwesenheit, für die Realisten ist Bezahlung=Leistung=Erzieltes Ergebnis

Es ist immer das gleiche, wenn ich meine Thesen zur Arbeitswelt der Zukunft aufstelle. Zwei Kritikpunkte tauchen immer auf. Der erste: Wenn ich den Arbeitnehmer nicht mehr kontrolliere, dann arbeitet er nicht. Der zweite: Wenn ich als Arbeitnehmer nicht mehr an feste Zeiten gebunden bin, dann nutzt mich der Arbeitgeber doch aus.

Und? Jemandem der versteckte Widerspruch in diesen beiden Kritikpunkten aufgefallen?

Da wird zum einen beklagt, es würde dann gar nicht mehr gearbeitet, wenn man die festen Arbeitszeiten zu Gunsten von Vertrauensarbeitszeit auflöst, aber dann meist im gleichen Atemzug geklagt, man würde dann ja erst recht ausgebeutet oder würde sich selbst ausbeuten, wenn es keine festen Arbeitszeiten mehr gibt.

Bevor ich darauf eingehe, ein oder zwei Prämissen, die mir wichtig sind und die immer wieder in den Diskussionen vergessen werden.

Die neue Arbeitswelt ist nur dann eine gute, wenn sie nicht den Arbeitsdruck erhöht. Denn dass dies uneffektiv ist, sehen wir alle an den steigenden Zahlen von Burn Outs und Frühverrentung wegen psychischer Probleme.

Es muss darum gehen intelligenter, nicht mehr zu arbeiten.

Was sind denn die größten Kritikpunkte derer, die sich Gedanken nicht nur um das was sondern auch um das wie gearbeitet wird machen.

Zum einen ist es die unsägliche Präsenzkultur, in der die geleistete Arbeit daran festgemacht wird, dass der Mitarbeiter auch anwesend ist. Körperlich zumindest. Zum anderen die geradezu inflationäre Zahl von Meetings, die immer mehr grassiert und die oft nur dazu führt, dass der Arbeitstag von Meetings durchzogen ist, in denen jeder sich und seine Person darstellt ohne dass hinterher wirklich etwas relevantes als Ergebnis übrig bleibt. Oder wenn, dann wird es meist in einem weiteren Meeting zerredet. (Auch auf der re:publica habe ich diverse Menschen befragt und auch in den Session genau dies als eines der großen Defizite der heutigen Arbeitswelt erfahren dürfen)

Wer in seinem Unternehmen Vertrauensarbeitszeit mit dem Ziel einführt, mehr Leistung durch mehr Anwesenheit zu erzielen, der geht damit völlig fehl, ja handelt sich vermutlich sogar ein weniger an Leistung ein.

Vielen dürfte hierzu das Parkinsonsche Gesetz bekannt sein:

 

Das Parkinsonsche Gesetz zum Bürokratiewachstum, erstmals veröffentlicht 1955. Es lautet:

“Work expands so as to fill the time available for its completion.”

Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

 

Wie bereits gesagt, es geht darum, ziel- und ergebnisorientiert zu arbeiten. Aber nicht, in dem man jedem Mitarbeiter Ziele und Ergebnisse vorgibt, die auf Biegen und Brechen zu erreichen sind, sondern indem man dem einzelnen die Freiheit lässt, ein übergeordnetes (meist Projekt- oder Teamziel) auf die ihm oder ihr angemessenste Art zu erreichen. Wer jedes Jahr seine „Untergebenen“ anhand von Zielvorgaben beurteilt und neue Ziele für ein Jahr vorgibt, der arbeitet entweder in einer Branche, in der sich rein gar nichts wandelt. Oder er ignoriert wissentlich den immerwährenden Wandel und ist sich im Klaren darüber, dass vermutlich die meisten Ziele der Vorgaben binnen Monatsfrist Makulatur sind.

 

Nein, definitiv, wenn Vertrauensarbeitszeit, Freiheit der Arbeit von Ort und Zeit nur zum Zwecke eines Mehr an Arbeit eingeführt werden, dann bin ich strikt dagegen, weil das dem Arbeitnehmer wie dem Arbeitgeber schadet.

Die Freiheit muss eine individuelle sein, die es jedem ermöglicht, so zu arbeiten wie es für sie oder ihn am optimalsten ist. Und das kann durchaus auch das klassische 9-17 Uhr sein. Aber eben nur als eine Variante.

 

Oh, und wer mir jetzt sagt: Das geht aber nicht für alle Berufe, dem kann ich nur sagen: Ja, und? Habe ich jemals gefordert, jeder müsste nach einem ganz bestimmten Dogma arbeiten? Es geht nicht darum, eine Vorgabe durch eine andere abzulösen. Es geht darum den Menschen wieder als Menschen mit individuellen Bedürfnissen zu sehen, nicht als fix verplanbare Humanressource. Und zudem gibt es viele Branchen, die behaupteten, es ginge nicht, bis man es gemacht hat und erkannte, dass die Produktivität sogar stieg, nicht sank.

 

 

 

Wir verlieren uns in Prozessen und Strukturen

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Ich auf einem Barcamp, die ideale Kombination aus geplant und nicht geplant und vielleicht gerade deshalb so beliebt und erfolgreich.

Bei dem Vortrag zur Stein Strategie auf der re:publica ist mir eines in den Sinn gekommen. Wir leben in einer Zeit, in der wir einen unglaublichen Wasserkopf damit beschäftigen, Formalismen zu entwerfen, zu prüfen, durchzuführen. Nichts geht mehr ohne Freigabe, ohne ausfüllen von zig Dokumenten und ohne Software, die uns vorgibt, wann wir was wo zu tun haben.

Dem liegt aber ein großer Irrtum zu Grunde. Der Irrtum ist der, der auch Selbsthilfebücher so erfolgreich, die Leser aber immer verwirrter, erfolgloser zurücklassen.

Es ist die Suche nach dem Rezept fürs Leben. Sei es nun im Beruf oder im Privatleben, immer wollen wir alles „richtig“ machen. Aber oft trauen wir uns nicht selbst zu, das Wissen darüber zu besitzen, was richtig ist. Also suchen wir nach Regeln, nach Vorgaben. Und das hat in der Vergangenheit auch gut funktioniert. Weil unsere Gesellschaft innerhalb einer, manchmal gar mehrerer Generationen stabil war. Es veränderten sich keine grundlegenden Rahmenbedingungen.

Aber genau das hat sich mit der Jahrtausendwende, und eigentlich schon in den Jahren davor gewandelt. Der technologische Fortschritt beschleunigt alle Lebensbereiche. Und was heute noch als feste Vorgabe gilt, kann Morgen falsch sein. Und wie antworten wir auf dieses Dilemma? Nicht, wie es eigentlich vernünftig wäre flexibel und offen für Veränderung. Nein, wir pressen alles noch stärker in Prozesse, schreiben den Menschen noch mehr vor, wie sie was zu tun haben und kontrollieren bis zum Exzess. Das macht zwar nichts besser, aber so fühlen wir uns im Besitz der Kontrolle, die wir eigentlich schon lange verloren haben.

Wer überwacht und kontrolliert wie was geschieht, der macht die Sache nicht besser, sondern er erzielt, wenn er Glück hat, das Ergebnis, das er durch Überwachung haben wollte. Dass dieses Ergebnis oft nicht das optimale und häufig gar das falsche ist, das erkennt dann niemand, weil ja alles „nach den Regeln“ gespielt hat. Dumm nur, dass sich das Spiel zwischenzeitlich geändert hatte.

Wir sollten uns wieder mehr um das Wissen einzelner, um Erfahrung und informelle Lösungen kümmern. Prozesse haben uns bislang nur in falsche Richtungen oder den Burn Out geführt. Und wie eine jüngste Studie wieder eindringlich veranschaulicht. In eine zumindest zur Hälfte unglückliche Arbeitnehmerschaft.

 

Das Ende der Fitnessstracker. Facebook und Myfitnesspal

Warum kauft Facebook Moves? Was hat Myfitnesspal mit der Integration einer Schrittzählerfunktion in seiner Plattform vor. Die Strategie ist klar. Das, was bislang Gadgets wie Fitbit oder Jawbone leisten, sind Nischendienstleistungen. Diese werden aber auf Dauer nach meiner Meinung keinen Bestand haben. Denn sie bedienen eine Nische, die früher oder später von den Standarddevices abgedeckt werden wird, die jeder mit sich trägt. Smartphones und intelligente weil nicht so sehr eingeschränkte Smartwear Devices wie z.B. zukünftige Smartwatches. Die werden dann neben Telefonie und Navigation auch Fitnesstracker, Walkman und vieles mehr sein. Dann ist kein Platz mehr am Handgelenk für noch ein Device.

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Die Smartwatch mit Standalone Fitnessfunktion. Sie deckt viel mehr ab als nur eine Nische.
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Nischenprodukt mit nur noch kurzer Zukunft. Der „Single Usage“ Fitnesstracker

Insofern halte ich die Hersteller reiner Fitnesstracker für eine aussterbende Branche. Entweder, sie integrieren sich in smartere Wearables, oder sie erweitern ihre eigene Hardware um diverse weitere Funktionen.

Große Player wie Samsung haben es mit der Integration von Sensoren für Puls, für Höhenmessung, für Schrittmessung gezeigt. Es bedarf keines weiteren Gadgets oder vielmehr. Es ist wünschenswert, wenige Gadgets zu nutzen.

re:publica: Falsche Narrative, richtige Visionen und was uns allen fehlt

wpid-20140507_110355.jpgDie Republik trifft sich. Nein, falsche Formulierung, die res-publica trifft sich auf der re-publica. Wer im Jahre 2014 auf die re:publica kommt, weil er ein Treffen von Nerds mit Nerds, von Bloggern mit Bloggern erwartet, dürfte enttäuscht worden sein.

Selten war die re:publica so sehr auch Spiegel der Gesellschaft, wie dieses Jahr. Das mag auch der schieren Menge an Besuchern und der immer weiter ausfächernden Vielfalt der Themen für die Sessions geschuldet sein. Und dennoch zieht sich auch weiterhin ein digitaler roter Faden durch die, ja was ist die re:publica eigentlich? Konferenz, ne, dazu kann man zu sehr auf Augenhöhe kommunizieren. Barcamp? Zu vorausgeplant. Sagen wir es so, die re:publica ist die Quintessenz dessen, was als immerwährender Diskurs das Jahr über durch die wie wir gelernt haben eigentlich gar nicht vorhandene Netzgemeinde wabert. Sparen wir uns das erste Wort Netz und ersetzen das zweite durch Gesellschaft, kommen wir der Sache schon näher. Die re:publica 2014 ist auch Schmelztiegel von Vorreitern, Mahnern, Vor- und Querdenkern der ganzen Republik (sic). Wenn ein Raul Krauthausen Car Sharing für Menschen mit Behinderung fordert, hören ebenso alle zu, wie wenn ein „einfacher Blogger“ eine Session hält. Es geht nicht um Rollen, um Titel oder Reichweite. Es geht um den offenen Austausch.

Und es geht auch darum, aushalten zu können, wenn Sascha Lobo die Saalgemeinde beschimpt, weil wir doch alle den Worten keine Taten folgen lassen, weil wir alle immer dann laut werden, wenn wir dafür nicht von der Tastatur weg müssen.

Was ich für mich von der re:publica mitnehme ist, dass wir alle verdammt nochmal endlich unseren Hintern hoch kriegen müssen und den Marsch durch Insitutionen, seien das nun Schulen, Vereine, Behörden,Medien gehen müssen um das mal zu tun, was wir seid Jahren immer fordern….. Aber halt nur von „den anderen da“. Wir müssen das Digitale ins Analoge tragen. Wir müssen Menschen die Potentiale aufzeigen und die Gefahren.

Und zwar in deren Narrativen. Auch das ist ein Auftrag an uns alle. Macht die Botschaft sexy. Zeigt, dass es wichtig, relevant und wertvoll ist, sich Gedanken zu dem zu machen, was unsere Regierung im Fall Snowden tut, und noch viel wichtiger, was sie nicht tut. Wir brauchen klarere Botschaften, wir müssen die Aushorchverbrecher vorführen. Der Protest muss laut, muss öffentlich und muss penetrant sein und bleiben.

Und was ich auch gelernt habe. Wir sollten verdammt nochmal aufhören, unserer Jugend das Engagement, die Innovationsfreude, die Fähigkeit zwischen gut und schlecht zu unterscheiden abzusprechen.

Die Jugend kann sehr wohl zwischen gut und böse, zwischen gut und schlecht unterscheiden. Aber für sie gehören die „alten Medien“ und ja, dazu BnBtqVkCAAAOR1egehören auch bereits die ersten Blogs bereits zum Bereich schlecht. Wenn ich erlebe, wie indifferent meine Kinder dem Thema Datenschutz gegenüber standen, wie oft ich mit ihnen sprechen musste, bis sie verstanden, was gut und was schlecht ist wenn online gestellt, das waren viele Gespräche. Bis zu dem Tag, an dem sie bei ihrem heißverehrten Youtuber @lefloid plötzlich etwas über PRISM und Snowden hörten.

Nun bin ich es, der hinterher hecheln muss um all ihre Fragen sinnvoll,ehrlich und auch vernünftig jenseits meiner Filterblase als „fucking old digital native“ zu erklären.

Ich glaube, wir sind bereits so sehr zum digitalen Establishment mutiert, dass wir uns in den nächsten Monaten ganz schön lang machen müssen, um von unserem hohen „Wir wissen doch alles besser als ihr“ Ross runterzukommen.

Die re:publica im Jahre 2014 und im Jahre 1 nach Snowden der digitalen Zeitrechnung ist tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nun müssen ihr die Telnehmer in Kopf, Herz und Blog folgen.

We are living the future ist wohl wahr. Aber für 2015 ist mein persönliches re:publica Motto: Out of the wild, into the public.

Und für uns alle, für jeden Tag, für jeden Ort: Kriegen wir endlich unseren Arsch hoch und machen wir unseren Mund auf. Und seien wir penetrant. Erst wenn wir diejenigen, die sich ignorant über den Willen der Bürger und der digitalen wie analogen Gesellschaft hinwegsetzen so richtig nerven können wir sagen: „Now we are talking public“