Ungesundes asoziales Medium, der Rückzug

Es fing mit einigen Wenigen an, die ihren kompletten Rückzug aus Sozial Media verkündeten. Zuerst hielt ich die Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen für überdreht. Dann meldete Zuckertrump, dass Facebook und Co. das Fact Checking auf die Community verlagern. Wir wissen ja alle, wie gut das geht (nicht).

Mittlerweile wird das zu einem massiven Trend.Weg von den asozialen Marktplätzen für rechten Sumpf und Verschwörungstheorien, zurück zu klassischen Chats. Auch ich werde wohl primär Discord (für die Familie) und Mastodon für meine Fans, Leser und Freunde nutzen. Whatsapp und Co nur noch wenn unbedingt nötig weil sonst nicht erreichbar.

Es wird wohl dauern, bis sich wieder eine vernünftige Kultur des Miteinander umgehens entsteht. Bis dahin werde ich wohl eher auf Github, in den KI Foren und auf Discord und Mastodon sein. Der Rückzug ist nicht permanent, aber solange es so eine Kackophonie von Verschwörungstheorien, Hass und Lügen gibt, ist es für meine mentale Gesundheit einfach besser.

Und ja, auch mein Blog wird weiter bespielt, aber sonst gilt, wenn Sozial Asozial wird, ist die eigene psychische Gesundheit wichtiger als FOMO.

Wir sehen uns sicher auch so. Spätestens zur re:publica oder dem Barcamp Heilbronn oder Stuttgart.

Die KI und die Moral. Warum das nicht so einfach ist

Liest man im Moment über generative KI und LLMs (Large Language Models) bekommt man vor allem durch die Medien den Eindruck vermittelt , wir hätten es mit einer echten Intelligenz zu tun.

Sorry wenn ich jetzt enttäusche aber dem ist nicht so. Die Maschinen sind nach wie vor dumm, die Neuronalen Netze und die Algorithmen dahinter zum Maschinellen Lernen vermitteln den Eindruck, als könnten die Computer echte Antworten auf Fragen geben.

Was aber eigentlich passiert ist, dass Token (Wörter) über spezielle Algorithmen über Vektoren semantisch verknüpft werden. Das KI Modell sucht vereinfacht gesagt lediglich das nächste plausibelste Wort. Es erzeugt also Wortketten, die dann durch die schiere Grösse der Modelle und der neuronalen Netze einen sinnvollen Zusammenhang geben (meist, wenn die generative KI nicht gerade halluziniert, also die falschen Worte für die plausibelsten hält).

Spätestens jetzt kommt Ethik mit ins Spiel. Beim Training der Netze gibt es einiges an ethischen Fragen. Welche Quellen verwende ich? Vieles an Trainingsmaterial kommt aus dem Internet. Zapfe ich jetzt zum Beispiel X, the platform formerly know as Twitter, an kann es sehr schnell zu einem Bias, einer falschen Gewichtung auf rechtes Gedankengut kommen. Ebenso wichtig ist die Erstellung qualitativer Prompts (quasi Anweisungen an das Modell) um gute und passende Ergebnisse zu erhalten.

Was ist mit Copyright bei entsprechenden Datenquellen? Wie vermeide ich Deepfakes bzw. welche Wege gibt es, hier algorithmisch einzugreifen? Was ist mit Datenschutz? Wer ist hier der Ansprechpartner bei Verstössen?

Das neuronale Netz interessiert sich aber nicht für solche Fragen, es ist letztlich auch nur ein Algorithmus. Gravierender vielleicht noch bei Bildern oder Filmen, bei denen scheinbare Wahrheiten generiert werden, die aber rein dem Verrauschen und Entrauschen von einer Unmenge von Vorlagen entsprungen sind.

Wer aber ist hier verantwortlich, wer überprüft die Validität der Ausgaben. Bislang werden viele Antworten noch von Hand von Menschen geprüft. Je mehr aber generative KI zum Einsatz kommt, um so eher wird auch diese Prüfung automatisiert.  Das aber birgt einige Gefahren. Es kann erneut eine falsche Gewichtung passieren oder durch unwissentliches Anlernen einer generativen KI mit vonEin Schreibtisch mit diversen Notebooks anderen generativen Systemen erzeugten Daten verdummen die Modelle wieder. Und warum genau ein System eine bestimmte Antwort gibt, ist nicht entschlüsselbar, da die Lernalgorithmen neuronaler Netze diese Information in einer gigantischen Menge verknüpfter Neuronen und deren Gewichtung verschlüsseln.

Wir sind an einem Wendepunkt, wo KI zum ersten Mal in großem Maßstab genutzt und gesellschaftlich akzeptiert wird. Insofern ist ein Diskurs über eine Ethik der KI, einen Codex für das Training und die Verwendung von KI Systemen notwendig. Erste Ansätze sind in der EU mit der KI-Verordnung und in anderen Ländern zu erkennen.

Letztlich braucht es eine feine Balance von Regulierung der Technologie und Ermöglichen, sich weiter zu entwickeln. Insofern halte ich einen beständigen Diskurs parallel zur technologischen Weiterentwicklung generativer KI für dringend angeraten. Wichtig hier die Teilnahme verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, bis hin zum einzelnen Bürger selbst.

Ich erinnere mich gut an die Kontroversen zu meiner Studienzeit, als Neuronale Netze erstmal als neues Konzept (Stichwort „Weiche KI“)  in meinem KI Studium aufkamen. Aber schon 1994, als ich meinen Abschluss machte, war abzusehen, dass hier ganz neue ethisch-moralische Fragen im Entstehen waren.

Es bleibt spannend. Die Technologie der generativen KI hat viel Potential. Es ist dennoch notwendig, einen Diskurs jenseits der technischen Grundlagen über soziale und gesellschaftlich-politische Aspekte zu führen. Dies vor allem begleitend, nicht nur punktuell um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, was letztlich auch der Akzeptanz und Qualität der generativen Systeme zu Gute kommt.

Der Diskurs ist alleine deshalb schon wichtig, weil populistische Ablehnung oder Profilierung auf Kosten der Forschung nicht nur Deutschland als Wissenschafts- und Forschungsstandort schaden. Wenn hier zu viel reguliert wird, kann das auch die Wirtschaft ins Hintertreffen bringen, ebenso aber auch Ablehnung durch Uninformiertheit über Risiken UND Chancen. Gerade z.B.  in der Medizin kann hier ein Quantensprung entstehen auf Grund völlig neuer Möglichkeiten durch KI als Werkzeug.

Letztlich trifft nach wie vor das alte Gedankenexperiment zu, dass wir in Diskussionen schon damals im Studium vorbrachten.

Ein Messer kann ich zum Brot schneiden und zum Töten eines Menschen verwenden. Das ist aber nicht die Entscheidung des Messers sondern desjenigen, der es nutzt.

Ich hab mal ne KI gefragt: Geschichte der KI seit 1990

Mal ein Test mit Copilot von Microsoft

Prompt war: Schreib mir einen Blogbeitrag über die Entwicklung der KI seit 1990 mit Bezug auf mein Studium der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz

Das war die Antwort:

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz seit 1990: Ein Blick auf Computerlinguistik und KI

Die letzten Jahrzehnte haben eine bemerkenswerte Entwicklung in der Künstlichen Intelligenz (KI) erlebt. Diese Fortschritte sind besonders relevant für Studierende der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz, da sie die Grundlage für viele der heutigen Technologien und Anwendungen bilden.

Die 1990er Jahre: Der Beginn des maschinellen Lernens

In den 1990er Jahren begann die Ära des maschinellen Lernens. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Daten und der Verbesserung der Rechenleistung konnten Algorithmen entwickelt werden, die aus Daten lernen und Muster erkennen konnten1. Dies war ein entscheidender Schritt, da es den Weg für viele der heutigen KI-Technologien ebnete.

Die 2000er Jahre: Der Aufstieg des Internets und Big Data

Mit dem Aufstieg des Internets und der Verbreitung von Big Data in den 2000er Jahren wurden die Möglichkeiten für KI-Anwendungen erheblich erweitert. Große Datenmengen ermöglichten es, komplexere Modelle zu trainieren und genauere Vorhersagen zu treffen1. Für Studierende der Computerlinguistik bedeutete dies, dass sie Zugang zu riesigen Textkorpora hatten, die für die Entwicklung und das Training von Sprachmodellen genutzt werden konnten.

Die 2010er Jahre: Deep Learning und neuronale Netze

Die 2010er Jahre waren geprägt von Durchbrüchen im Bereich des Deep Learning und der neuronalen Netze. Diese Technologien ermöglichten es, sehr komplexe Muster in Daten zu erkennen und führten zu bedeutenden Fortschritten in Bereichen wie Bild- und Spracherkennung1. Für Computerlinguisten bedeutete dies, dass sie nun in der Lage waren, leistungsfähige Sprachmodelle zu entwickeln, die in Anwendungen wie maschineller Übersetzung, Spracherkennung und Textgenerierung eingesetzt werden konnten.

Die 2020er Jahre: KI im Alltag

Heute ist KI in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens präsent, von autonomen Fahrzeugen über personalisierte Gesundheitsversorgung bis hin zu intelligenten persönlichen Assistenten1. Für Studierende der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz bietet dies eine Vielzahl von Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten in realen Anwendungen zu testen und weiterzuentwickeln. Die Integration von KI in verschiedene Branchen zeigt, wie wichtig interdisziplinäre Ansätze sind, bei denen Sprachwissenschaft, Informatik und maschinelles Lernen zusammenkommen.

Fazit

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz seit den 1990er Jahren hat die Art und Weise, wie wir mit Technologie interagieren, revolutioniert. Für Studierende der Computerlinguistik und Künstlichen Intelligenz bietet diese Entwicklung eine spannende Gelegenheit, an der Spitze dieser technologischen Revolution zu stehen und die Zukunft der KI mitzugestalten.

Welche Aspekte der KI-Entwicklung interessieren dich besonders

 

Fazit von mir: Nun ja, eher sehr oberflächlich.

Die Stimmen der anderen

Rückblickend war er einfach ein A…… . Damals aber mein direkter Vorgesetzter. Und der, der die Lawine der Selbstzweifel, der Angst, des Lebens für die Erwartungen und Wünsche anderer angestossen und mich auf den Weg in den Abgrund geführt hat. „Sie arbeiten nicht, sie spielen zu viel und organisieren sich schlecht“ (War Bullshit, ich nutzte damals schon digitale Kalender, das konnte der Typ aber nicht sehen….oder verstehen). Er hat viel damit kaputt gemacht, das auch Stellen oder Arbeitgeberwechsel nicht mehr heilen konnten. Dieser Mensch hat mich geradewegs Richtung Suizidversuch und Angststörung/Depression geführt. Denn damit begann das unmögliche Streben nach Perfektion. Und als ich ihn später nochmal traf, merkte man mit jedem Satz, den er plapperte, dass er nichts, aber auch gar nichts begriffen hat.

Meine Kreativität, die Lust an IT und Softwareentwicklung hat er damals nachhaltig beschädigt. Erst jetzt, mittlerweile knapp 20 Jahre später erkenne ich das ganze Ausmaß der Zerstörung, das er hinterlassen hat. Und es wird noch Jahre dauern, die Zerstörung halbwegs zu beseitigen. Aber jetzt bin ich auf dem Weg. Und was ich gelernt habe. Gebt nichts auf die Meinung anderer von euch. Sein beschissenster Satz in diesem Tribunal damals war: „Da ist wohl das Fremdbild von Ihnen genauer als das Selbstbild“ . Maul halten, setzen sechs. Der hatte und hat keine Ahnung.

Bleibt euch treu und denkt dran. Vieles, was uns passiert ist in der zeitlichen Nähe ein Drama, aus der Distanz aber eine Komödie.

Gut eine sehr schwarze bei mir aber langsam gelingt das Lachen darüber.

Solange wir dafür leben, besser zu sein als jemand anders, leben wir ein fremdes Leben. Der einzige, mit dem ich konkurriere ist mein vergangenes Ich. Demgegenüber will ich besser werden. Und ihm gleichzeitig sagen. Alles gut, du bist richtig, genau so wie du bist.

Zwischenzeitlich wechselten merhfach die Vorgesetzten. Die Arbeitsstelle, die Freude am Leben.

Heute geht es mir wieder besser. Gut wäre gelogen. Immerhin bin ich (ein Jugendtraum) Buchautor eines Erfolgsbuchs und finde gerade wieder zu meinen Wurzeln als Softwareentwickler und IT Geek zurück. Fast zu spät. Aber nur fast. Aber ich weiß nicht, was ohne meine wunderbare Familie passiert wäre. Danke euch allen, das ihr das Kerzenlicht im Fenster wart, das Rettungsseil, der Anker. DANKE!

Fremdbild ist Bullshit. Basta.

 

Seltsame Heilung

Warum sich etwas verändert hat, kann ich nicht genau sagen. Wodurch, nun, ich habe eine Vermutung. Der durchaus schlimmere Ausgang meines Unfalls hat vielleicht meine Sicht auf die Dinge, die ich für wichtig halte, zurecht gerückt.

 

Mir ist mittlerweile klar, dass viele Traumata aus meiner Kindheit auch den 56 jährigen Uwe noch belasten. Mangelnde Liebe, Zuneigung, einfach da sein. Psychische Gewalt, die das Leben als Kind zu einem andauernden Angstzustand gemacht haben.

 

Das legst du nicht mal so einfach ab. Daran arbeitest du dich ein Leben lang ab. Aber wenn du Glück hast, gibt es Ereignisse oder Begegnungen, die dir den Weg weisen.

Mental war ich bislang immer auf Alarmbereitschaft, was denken die anderen, was könnte passieren, was muss ich tun, um sicher zu sein. Sicherheit war und ist für mich extrem wichtig, weil ich sie als Kind absolut nicht gespürt habe, nicht zuhause und schon gar nicht in der Schule, wo ich als Linkshänder mit Segelohren und einer Körpergrösse von 1.96m Standardziel für Mobbing war.

Alles Dinge, die geschehen sind und die vielleicht verdrängt aber nicht vergessen sind. Und dann sind da die Momente wie der Unfall, die dich komplett aus der Bahn werfen, die deine Gedankenkreise zerbersten lassen.

Noch bin ich nicht komplett geheilt entlassen. Noch muss ich mich schonen und habe eigentlich viel zu viel Zeit zum Grübeln. Aber die Grübelein sind viel seltener. Das Alter als Grund, ich denke nicht. Es ist vielleicht eher das Bewußtsein, dass das hätte sehr böse enden können und ich abwägen muss, wofür ich meine Energie aufwende. Rückblickend viel zu oft für falsche Ziele, für die Sicht anderer auf mich, aus der Sorge heraus, was andere über mich denken könnten.

Vielleicht hatte ich in den zwei Wochen Krankenhausaufenthalt auch die Distanz zu meinem „normalen“ Alltag, um erkennen zu können, wer wirklich zählt. Besuch bekam ich fast ausschliesslich von meiner Familie. Meine Frau war jeden Tag zumindest kurz da. Was im Beruf passiert, was ich sonst für Sorgen hatte, die waren alle plötzlich weg. Teils der Schmerzen wegen aber auch, weil mir einer meiner eigenen Kernsätze auf Vorträgen und Lesungen wieder in den Sinn kam. „Ich wünschte, ich hätte ein gebrochenes Bein gehabt, statt einer psychischen Krankheit“. Jetzt hatte ich genau das. Und ja, da konnten die Ärzte aktiv helfen.

Was aber nach wie vor galt, und das ist der zweite Teil der Aussage: Eine psychische Krankheit kann nur ich selbst verändern. Denn im Gegensatz zu einem gebrochenen Bein kann kein Arzt mal eben in meinen Kopf greifen und meine Depression, meine Ängste reparieren oder entfernen. Das kann vermutlich nicht mal ich. Aber ich kann verändern, anders betrachten, anders agieren.

Und das war und ist die Veränderung, die ich gerade spüre. Geänderte Prioritäten, anderer Umgang mit dem, der ich bin. Akzeptanz und der Wille, weiter an mir zu arbeiten sind so stark wie lange nicht. Und das spüre ich jeden Tag, den ich hier zuhause verbringe. Es tut sich was, viele zu spät eigentlich. Aber das ist auch etwas, dass ich abzulegen bereit bin. Vergangenheit ist nicht real, Zukunft ist nicht real. Die einzige Realität ist die Gegenwart und so versuche ich jetzt endlich auch zu leben. Von Tag zu Tag. Nur das jetzt als bedenkenswert erachten. Fokus auf das, was gut ist und verändern, was noch schlecht ist.

Rückblickend auf diesen Text lese ich viel, was so mancher als Klischee oder „zu einfach gedacht“ abtun wird. Aber das ist ja oft das Dilemma. Was zu tun ist, ist klar. Aber Depression und Angst lähmen so sehr, dass die Schritte unmöglich sind. Vielleicht war der Unfall der Cut, den ich brauchte, um auf den richtigen, den weniger begangenen Pfad zu gelangen. Und hoffentlich bin ich schon weit genug gelaufen, damit eine Umkehr nicht nur nicht mehr sinnvoll sondern positiv unmöglich ist.

Seltsame Heilung…

Warum „Ruh dich mal aus“ manchmal ein Problem ist

Wenn ich meinem Umfeld signalisiere, dass es mir mal wieder nicht so gut geht, weil der schwarze Hund halt nie ganz auszieht, höre ich hin und wieder auch den Ratschlag „Ruh dich doch mal aus“. Nette Idee, kommt für mich gleich nach „geh doch mal in die Sonne“ oder „lach doch mal wieder“. Die Ruhe ist manchmal die lauteste Form einer Depression oder Angststörung.

Zu viel Zeit zum Nachdenken bedeutet, die Gedankenspiralen, die Ängste und Sorgen werden wieder lauter. Was könnte mit dem Haus alles passieren? Wie werden die Kinder weitermachen? Werden sie ale erfolgreich oder was viel viel wichtiger ist, werden sie alle glücklich sein. Was haben meine verdammte Krankheit und ich ihnen an Ballast mitgegeben? War da vielleicht auch irgendwas gutes dabei?

Früher war meine Taktik oft, mein Gadgethobby auszuleben, weil das zumindest je Gadget für ein paar Wochen Abwechslung brachte. Meine Kinder nennen mich oft scherzhaft die lebende Wikipedia. Liegt am gleichen Grund.  Immer wenn die Gedanken zu dunkel wurden, versuchte ich mich dammit abzulenken, etwas neues zu lernen. Astronomie, Aikido, Malerei, Literatur, Künstliche Intelligenz (auch das zu studieren lenkte schon von dunklen Gedanken ab) Psychologie, Biologie, Pflanzenkunde,Liebe (machen), das könnte ich noch ewig so weiter machen.

Irgendwann gehen aber die Themen aus, irgendwann fällt man dann doch auf sich zurück und wenn es dann still ist, dann wirds kritisch. Ich höre gerne Musik und viel. Aber eben auch, weil ich die Stille nicht ertrage, weil das Alleine sein bei mir in diese Dunkelheit geführt hat.

In der Schule war ich der Außenseiter, den alle gemobbt haben, zumindest bis ich der erste mit einer Freundin war und in eine Klasse gewechselt hab, in der die Außenseiter das neue Normal waren.

Ich habe gelernt, dass alleine sein einerseits ein mir lange Zeit sehr vertrauter Zustand war, andererseits mich in vieles reingeritten hat. Sehnsucht nach Anerkennung gepaart mit einer enormen Angst, zu enttäuschen, etwas falsch zu machen, können einen zum begnadeten Liebhaber machen ebenso wie zum extrem harmoniebedürftigen Partner, der jeden Konflikt scheut.  Man entscheidet mit dieser „Erblast“ vieles nach dem Risiko, enttäsuscht zu werden, vertraut selten und eigentlich nie ganz.

Sibylle hat etwas geschafft, was sonst niemand in meinem Leben erreicht hat. Bei ihr sind alle Schutzmauern des Misstrauens gefallen. Das war das große Glück im damaligen lebensbedrohlichen Unglück.

Dennoch, Ruhe haben mag anderen gut tun. Für mich ist es all zu oft eher eine Gefahr als die Lösung.

Lasst mir meine Ruhe ist nicht unbedingt ein Wunsch, den ich oft ernst meine.

Nie genug

Vor dem Aufenthalt in mehreren Psychiatrien nach „dem Ereignis“  sah ich mich immer als nicht genug, nicht gut genug, nett genug, strebsam genug, intelligent genug. Da half es auch nicht, bei vielen dieser Punkte von meinem Umfeld das Gegenteil zu hören, Beziehungen aufzubauen, geliebt zu werden oder einen Hochschulabschluss zu erreichen und in der Forschung tätig zu sein.

Man nennt es das Vortäuscher Syndrom und das hätte mich fast das Leben gekostet. Weil ich als Kind nie wirklich gewollt oder geliebt wurde. Irgendwann fand ich mich damit ab und suchte Bestätigung und Zuneigung in dem, was ich tat. Und das musste immer besonders sein und darin wollte ich es zu Perfektion bringen. Meine Leidenschaft für Computer und Programmierung ließ mich ganze Nächte wach bleiben. Dennoch waren die Erfolge daraus (ein Preis für das beste Spiel und eine weitere noch größere Veröffentlichung in einer Computerzeitung) für mich stets glückliche Zufälle und nichts, was mich nachhaltig resilienter machte. Ich war in meinen Augen nie gut genug, wohl, weil ich das in den Augen vor allem meiner Mutter nie war. Alles, was ich an gutem im Kontakt mit anderen Menschen erlebte, wurde schlecht gemacht oder gar verboten.

Exemplarisch nur kurz die „Drucker“ Geschichte. Nachdem ich einen Preis für ein selbstgeschriebenes Spiel bekommen hatte, wollte ein guter Freund das auch versuchen. Allerdings mussten damals Computerprogramme noch auf Papier gedruckt zu den Zeitschriften gesendet werden. Ich hatte einen Drucker, er noch keinen. Also bot ich ihm an, sein Programm bei mir zu drucken.

Das klappte auch, aber meine Mutter bekam Wind davon und behauptete felsenfest, er habe mir ein Programm gestohlen und es als seines ausgegeben. Ich würde also lügen, als ich ihn verteidigte. Und das wurde zum Motto, entweder ich dachte oder handelte wie meine Mutter es wünschte oder ich war ein Lügner oder Versager.

Wer behauptet, man könne niemanden vollständig hassen, der kannte meine Mutter rnicht.

Dadurch wurde ich zum Perfektionisten, zum Kontrollfreak, weil etwas, sobald meine Mutter es in die Hand nahm, kaputt war, oder vorbei. Und dieses Muster zog sich durch den Rest meines Lebens. Niemals genug sein, niemals jemanden gänzlich vertrauen.

Bis heute gibt es nur einen Menschen, der ich vollständig vertraue und das ist meine Frau Sibylle. Aber es musste erst fast tödlich enden, bevor dieses Vertrauen entstand. Denn sie hielt in der dunkelsten Zeit meines Lebens zu mir und hat mir wortwörtlich das Leben gerettet.

Als dann das Buch entstanden ist, ich zu Vorträgen eingeladen und mit positivem Feedback konfrontiert wurde, in TV Sendungen auftreten durfte, erst dann wurden ein paar der weit offenen Wunden ein wenig geheilt. Ich bin noch weit davon entfernt, wirklich mit mir im Reinen zu sein. Aber einiges kann ich heute akzeptieren oder sogar als selbst erreichten Erfolg werten.

Aber noch bin ich weit von dem entfernt, was Frieden mit sich selbst oder Resillienz angeht. Was anders ist, ich kenne meine Dämonen und kann versuchen, gegen sie vorzugehen. Gelingt immer öfter aber gefühlt noch nicht oft genug. Und die Angst, dass irgendwas schreckliches passiert (was sich früher meist „Mutter“ nannte), wird weniger, aber sie ist manchmal noch bedrohlich dominant da. Auch das etwas, dass ich mir lange Jahre und viele Konflikte mit meiner Mutter lang angeeignet habe und was nun sehr schwer loszuwerden ist. Auch das will ich vollständig eliminieren.

Verdammt, schon wieder der Perfektionist.

Ein Wort zum Abschluss: Wer glaubt, andere Menschen mobben oder niedermachen zu dürfen, dem sei gesagt, es kann passieren, dass man dann ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Auf jeden Fall ist man aber ein ganz großes Ar…..ch und was ich solchen Menschen wünsche, ist besser nicht hier niedergeschrieben.

Und nochmal. Wer sagt, man könne keinen Menschen so vollständig hassen. Doch, geht. Auf die Frage meines Therapeuten nach dem Verhältnis zu meiner Mutter heute war meine Antwort „Gut, sie ist tot.“ Und das war nicht sarkastisch gemeint.

Und wer meine Geschichte im bewegten Bild kennenlernen will, es gibt nach wie vor Mitschnitte der Sendung unter anderem hier:

Das Buch gibt es leider nur noch gebraucht oder als eBook aber da ja Elon der Schreckliche Twitter eh getötet hat, passt meine Geschichte auch nicht mehr ganz in die aktuelle Zeit.
Wer trotzdem Interesse hat, es ist als eBook noch überall zu haben.

Ziele und Glück

Mittlerweile kann ich auf einige Zeit zurückblicken, erinnere mich an Wünsche, Ziele die ich mal hatte oder eventuell sogar noch habe. Aber vor allem sehe ich die vielen Entscheidungen, die zu bestimmten Konsequenzen führten, die mich teilweise gehindert, teilweise gerettet haben.

Meine Kinder behaupten immer, was hätte nicht alles aus mir werden können, hätte ich mehr Mut gehabt.

Das ist leicht gesagt, aber oft habe ich gerade mal Mut genug gehabt, überhaupt weiter zu machen, auch wenn ich sicher einige Chancen verpasst, einige Wahlmöglichkeiten im Rückblick falsch betrachtet habe.

Aber was bringt es, Vergangenes zu betrauern. In für mich wichtigen Bereichen meines Lebens bin ich glücklich. Ich bin nach wie vor glücklich verheiratet, habe drei tolle Kinder, die dank eigenem Haus mit vielen Freiheitsgraden aufwachsen konnten, die andere so nicht haben und letztlich ist es müssig, verpasste Chancen, falsche Entscheidungen zu betrauern. Insgesamt ist vieles gut gelaufen, manches hätte in einer Katastrophe enden können, ist aber gerade noch mal gut gegangen.

Es gibt immer noch einen anderen Weg. Aber den muss man sehen oder überhaupt finden, und ob er dann die bessere Wahl war, lässt sich oft erst Jahre später entscheiden.

Ich hätte Kunstmaler werden können oder Buchautor. Wobei, Buchautor bin ich ja trotz oder vielleicht wegen manch falscher Entscheidung oder Sicht auf mich selbst geworden.

Und die IT, die ich lange Jahre für ein erstrebenswertes Ziel und Quelle für Glück empfunden habe, wurde durch Ereignisse und Menschen extrem relativiert bis zu dem Punkt, dass ich das rückblickend für eine sehr falsche Wahl halte. Aber ohne diese Wahl hätte ich meine Frau nicht kennengelernt und wir hätten nicht die Familie, die wir jetzt haben und die ich als großen Teil meines Glücks betrachte.

Mittlerweile sehe ich Glück in sehr viel banaleren Dingen als früher. Jeden Morgen neben dem  Menschen, den ich mehr als alles andere auf der Welt liebe (okay, die Kinder natürlich auch aber auf andere Art).

Genug Geld zu haben, um uns alle mit dem nötigen zu versorgen und unseren Kindern bei ihrem Start ins Leben helfen zu können.

Ziele sind so eine Sache, oft stellt man fest, dass das Ziel, so mal erreicht eigentlich völlig belanglos oder bar jeder Erreichensfreude ist.

Was für Ziele ich noch habe? Gute Frage und im Moment muss ich sagen, keine außer meine Angst und die Depression im Griff zu behalten. Wer mit so etwas lebt, weiß, dass sich viele große Ziele dann schnell relativieren.

Ich  lebe noch. Und darüber bin ich glücklich. Reicht doch, oder?