Ich tick vielleicht nicht richtig, aber ich bin keine Bombe.

Viele mir nahe stehende Menschen haben schon immer gewußt, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Aber mit dem Suizidversuch scheint es plötzlich auch Menschen zu geben, die bei jeder Äußerung, die nicht abrundtief positiv ist, den Verdacht  haben, ich wolle mich vom nächsten Dach stürzen.

Dass ich weiterhin depressiv bin, hat nichts damit zu tun, dass ich suizidal wäre. Im Gegenteil. Nie war ich mir der Risiken mehr bewußt und vermeide sie, so gut es geht. Aber manchmal scheinen Menschen aus jedem „Ich will nie wieder auf dem Turm landen“ zu interpretieren, ich wolle springen. Nichts läge mir ferner. Es haben sich aus meiner Krankheit plötzlich so viele neue Chancen ergeben. Die werde ich wahr nehmen. Aber auch andere Themen weniger wichtig nehmen.

Natürlich wird auch das manchen Menschen nicht gefallen und ich werde neue Drohungen und Briefe bekommen. Aber das geht mir mittlerweile an meiner Sitzkomponente vorbei.

Ich bin nicht mehr jedermanns Liebling. Aber wie schon im Buch „Depression abzugeben“ geschrieben. Ich habe ein gehöriges Talent dafür, einmal mir zugefügte Wunden nicht mehr zu vergessen.

Man hat mich behandelt wie ein kleines Kind, wollte mir dumme Abstinenzen auferlegen oder glaubte, besser zu wissen, was für mich gut ist.

Mögen diejenigen das ruhig glauben. Deshalb muss ich mich ja nicht danach richten.

Das ist ein wichtiger Punkt. Erst wenn man sich von den Meinungen toxischer Menschen befreit, kann Genesung, kann Heilung stattfinden.

Oh, und für die Briefschreiber. Der Ordner ist noch ziemlich leer, und ich brauche noch Stoff für Band 2.

 

>>>>>>>>>>BUUUUUUUUMMMMM<<<<<<<<<<<

Es ist an der Zeit, einmal danke zu sagen.

Depression abzugeben“ war für mich kein Buch, das ich wegen des Geldes geschrieben habe. Es war auch kein Buch, mit dem ich Ruhm und Ehre zu erlangen gedenke. „Depression abzugeben“ ist meine Geschichte, ein Stück Wahrheit, verpackt zwischen zwei Buchdeckeln, niedergeschrieben auf 432 Seiten.

Und es war ein schwerer Schritt, so sehr in die Öffentlichkeit zu gehen, mich so sehr für andere Menschen zu öffnen. Aber letztlich war das Öffnen meiner Seele, meines Wesens für mich der wichtigste Schritt zur Heilung. Daraus entstand zunächst über die Tweets #ausderklapse der Wunsch, andere an meinem Heilungsprozess teilhaben zu lassen. Weil ich spürte, in den Feedbacks lesen konnte und aus eigener Erfahrung erlebt hatte, wie schwer es immer noch fällt, über psychische Erkrankungen zu sprechen. Wie sehr mir meine Leser und die Medien recht geben würden, das hat mich zutiefst überrascht. Zeitungen, Radiosender, selbst das Fernsehen zeigt ehrliches Interesse.
Aber was mich am meisten überwältigt sind die Reaktionen der allerwichtigsten Menschen, meiner Leser. Nicht nur, dass „Depression abzugeben“ tatsächlich viel gekauft wird. Nicht nur, dass es da draußen Menschen gibt, die ein ehrliches Interesse an meiner Geschichte haben. Die Rezensionen, oh diese Rezensionen. Ich dachte immer, Kritik bereite mir Schwierigkeiten. Aber das so überaus positive Feedback, die vielen fünf Sterne Bewertungen (als ich das hier schreibe alleine 18 Stück bei Amazon), die wundervollen EMails, Postkarten, Briefe. Danke, DANKE, DANKE!

Ich bin kein Bestsellerautor, kein Schriftsteller, sondern ein Mensch, der hofft, durch seine Erfahrungen anderen helfen zu können. Und es scheint zu gelingen. Großartig. Einfach Großartig.

Aber einen Mitarchitekten dieses Buchs darf ich nicht vergessen. Bastei Lübbe, die mein Manuskript als einer von drei Verlagen wirklich veröffentlichen wollten, die an meine Geschichte glaubten Und dort besonders, Cindy Witt, Ragna Sieckmann und Angela Kuepper. Drei Frauen, die mich ermutigen, unterstützen, zu viel loben (geht das eigentlich) und die mein Debut fantastisch begleitet haben.
Und ein besonderer Dank geht auch an meinen Agenten Eric Riemenschneider, der nicht nur an meine Geschichte sondern auch mein Schreibtalent und den Erfolg des Ganzen geglaubt hat.
Ich verneige mich vor so viel Vertrauen und kann nur ergänzen. Auch das war Heilung. Sogar ein sehr großes Stück Heilung.

Danke euch allen, ihr habt mich auf meinem Weg unterstützt und tut es durch täglich neues, unglaublich ermutigendes Feedback jeden Tag aufs neue.

„Das Leben ist ein Roman, für dessen Happy End zu selbst verantwortlich bist.“

Und ja, auch wenn es der eine oder andere rührselig oder kindisch empfinden wird. Auch nach diesem Text stehen mir Tränen in den Augen. Weil ich die Veränderung spüre, weil ich noch am  Leben bin, sein darf, sein werde und weil ihr alle mir ein klein wenig zurück ins Leben geholfen habt.

Auch dafür sei euch allen nochmals herzlich gedankt.

Das Gefühl kein Gefühl mehr haben zu dürfen

Ich bin Informatiker (glauben viele). Ein Fakt, der bei vielen Menschen, die mich kennenlernen ein Füllhorn von Klischees über mich ausschüttet. Zahlenversessen, der Logik verpflichtet, emotionaler Krüppel, künstlerisch untalentiert, gefühlskalt.

Falsch, alles falsch. Und viele davon verletzend überdies. Was in mir abläuft, wenn ich nicht die verstörende Stile der gefühlsleeren depressiven Episode verspüre, ist alles andere als gefühlskalt, oder emotional verkrüppelt. Das einzige, das sich mit der digitalen Welt des Informatikers vergleichen lässt, ist das massive Pendeln zwischen zwei Gefühlswelten. Entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt.Und genauso gehe ich mit Aufgaben, Themen um, die mich in meiner Freizeit betreffen. Entweder, ich knie mich mit ganzer Leidenschaft in eine Sache, oder ich vermeide sie so weit ich kann. (Bevor wieder bestimmte Menschen meckern oder drohen, nein, für den Beruf gilt das nicht, da bin ich sehr professionell)

Und nur weil ich beruflich ein Informatiker bin, heißt das noch lange nicht, dass mich nicht auch andere Themen reizen. Malerei, selbst erstellt oder betrachtet, lesen und vor allem kreativ schreiben. All das kann das Pendel meiner Gefühlswelt positiv ausschlagen lassen. Aber dann eben exzessiv positiv.

Wir sind so schnell dabei, Menschen in Rollen, Normen, Wertegefüge zu pressen, die uns zwar wichtig sind, dem Betroffenen aber völlig egal oder schlimmer noch eine Bürde sind.

Ja, ich würde mir wünschen, dass da noch mehr Nuancen in meinem Gefühlsempfinden wären. Aber da hat mir meine Geschichte leider einen Streich gespielt, der letztlich zu meiner Angststörung und der Depression geführt hat. Und gerade deshalb ist es für mich so wichtig, die Schubladen, die Rollenmuster und angeblichen Zwänge nicht mehr zu akzeptieren. Oder wie es jüngst ein Buchtitel ausdrückte: EINEN SCHEISS MUSS ICH!

Und übrigens. Ich bin kein Informatiker. Ich bin Autor.

Der Effizienzwahnsinn: Durchschau das bloß nicht

Als ich in die Kliniken kam, hatte ich ja eigentlich die Hoffnung, wieder gesellschaftsfähig, wieder passend für die Realität zu werden. Was mir dann aber wiederfuhr war eher ein Erwachen und Erkennen des Alltagswahnsinns. Trump, der rechte Mob, immer mehr Druck und Existenzangst beim Durchschnittsbürger, die dann zur Wahl solch abstruser Parteien wie der AfD führen. Und auch im Beruf (nein, nicht in meinem, bitte nicht schon wieder falsche Schlüsse ziehen) erhöht sich der Druck, wie erst jüngst die Süddeutsche berichtete. Ich versuche jetzt, im Kleinen und Größeren gegenzuwirken. In dem ich meine Geschichte veröffentliche, und zwar von Anfang an. Indem ich an Schulen gehe und dort meine Geschichte erzähle, vermittle, dass nicht das Tun den Wert einen Menschen ausmacht, sondern schon alleine die Existenz. Was ich im Moment auch durch meine Kinder erlebe ist ein Schulsystem, das selbst unter dem unsäglichen Einfluß der Wirtschaft und den unnötigen Experimenten weltfremder Bildungspolitiker leidet.

Und auch in die Medien werde ich weiterhin gehen, auch wenn das dem einen oder anderen ein Dorn im Auge ist. Fürs neue Jahr haben bereits weitere Medien Interesse angemeldet. Ich will gegenwirken, aufklären, den Wahnsinn bloßstellen, der immer mehr Menschen krank macht. Ich bin nicht der Meinung mancher Experten, es gäbe nicht mehr Angststörungen und Depressionen. Mein Alltagserleben vermittelt mir ein anderes Bild. Die Zahl steigt, es fällt nur nicht so auf, weil zum Vertuschen aufgefordert wird, oder weil man sich gezwungen sieht, zu schweigen, um die eigene Existenz nicht zu gefährden.

Wir müssen nicht immer effizienter werden, wir müssen endlich wieder langsamer werden. Wir sind schon zu schnell und da ich nicht erwarte, dass die Wirtschaft in Gegenwart oder digitaler Roboterzukunft an den Menschen in einer anderen Rolle als dem blöden Konsumenten denkt, dem man jeden Dreck andrehen kann, muss der Konsument, der Mensch sich emanzipieren. Es gilt, wieder andere Prioritäten zu setzen und nicht denen zu glauben, die direkt oder indirekt von unserem Konsum abhängig sind und uns Produkte einreden, die kein Mensch braucht. Functional Food, Autos mit viel Gewicht und viel PS, Private Vorsorge, die von den Gebühren und der Steuer aufgefressen wird. Nein, da will man nicht unser Bestes oder Moment, eigentlich doch, unser Geld. Wenn man das hat ist der Konsument uninteressant.

Leistungsmessung, Beurteilung, das Einreden unnötiger Fitnessprodukte oder Gesundheitsmittelchen. Nichts, was wir brauchen, aber oft etwas, das den Druck direkt oder indirekt erhöht. Wir müssen wieder langsamer, einfacher, egoistischer denken. Sonst werden noch mehr Therapeuten und Ärzte gebraucht,die dann selbst nach wenigen Jahren wegen eines auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmten Gesundheitssystems am Boden sind. Der Irrsinn hat Methode. Weil an ihm die Businesskasper verdienen. Und Menschlichkeit ist eben keine gewinnbringende Komponente im Monopolyspiel der Wirtschaft.

Und nein, auch dieses Mal ist niemand von denen gemeint, die gemeint zu sein gerne meinen dürfen.

mein 2016, zurück im Leben und neue Wege

Disclaimer: Wer sich hier erkannt fühlt und nicht namentlich genannt wurde ist, wie bei allen meinen Postings, sei es hier oder in Social Media NICHT GEMEINT. Weitere Post brauche ich wirklich nicht.

2016. Das Jahr eins nach meinem Suizidversuch. Und schon zu Beginn ein holpriger Start. Zu schnell wollte ich wieder zu perfekt sein. Das endete erst mal wieder in der Tagesklinik. Danach ein 12 wöchiger Neustart, der mich endlich wieder zurück in einen „normalen“ Arbeitsprozess brachte, zumindest was meinen Hauptberuf angeht. Daneben letzte Arbeiten an meinem ersten in einem klassischen Verlag erscheinenden Buch. Bastei Lübbe wurde für mich in diesem Jahr endgültig zu meiner literarischen Heimat, auch dank toller Menschen, die mich in der Entstehung des Buches unterstützten. Danke Cindy Witt, danke Angela Kuepper, danke auch Ragna Sieckmann und Tina Pfeifer, die sich um Autor wie Buch wirklich toll gekümmert haben. Weder wurde irgendwie kritisiert, dass die Erzählung von geplanten 250 Seiten auf notwendige 430 Seiten anwuchs, noch wurde der Inhalt wesentlich verändert, der zu 100% aus meiner Feder stammt. Und das Lob von dir liebe Angela sowohl über Projekt als auch Inhalt. Es haut mich noch heute von den Socken, wenn ich die EMail mal wieder hervorkrame.  Und damit hat sich meine Berufsbezeichnung speziell in den Online Medien geändert. Ich bin jetzt Autor und weitere Bücher sind bereits in Planung bzw. im Entstehen.

Und dann war da auch noch die 37° Reportage „Viel mehr als Traurigkeit“, geplant und organisiert von Wibke Kämpfer. Das Team war sehr einfühlsam, die Drehs so authentisch wie möglich und das Endergebnis spricht glaube ich für sich. Ja, ich weiß, eigentlich war das ganze zu kurz, aber so ist nun mal das Format von 37° und mir war insbesondere wichtig, dass das Thema Depression im öffentlichen Fokus bleibt, damit endlich die Stigmatisierung psychisch Kranker endet. Auch hier waren die Reaktionen überwältigend positiv, wenig Kritik viel Dank für die offene Kommunikation und für mich Bestätigung, dass ich mit meiner Strategie richtig liege.

Auch die re:publica 2016 war für mich etwas ganz besonderes. Meine erste re:publica mit eigener Session und dann noch gemeinsam mit Kati Krause über mein Herzensthema: Social Media und Depression. Nicht nur dort, auf der re:publica war der Zuspruch phänomenal. Die Medien wurden aufmerksam.

Elektrischer Reporter, bayrisches Fernsehen, Südwestpresse, Huffington Post Deutschland, die Liste verlängert sich im Moment täglich. Man war besorgt, ob ich diese Öffentlichkeit verkrafte, ob das alles nicht zu viel für mich sei. Nein Leute, im Gegenteil, es ist für mich ein Quell neuer Motivation, mich weiter mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen und anderen Menschen aus dem Versteck zu helfen und die Angst vor der Krankheit und der Behandlung selbiger zu nehmen.

Die Buchmesse 2016 war für mich die erste, die ich nicht nur als Autor sondern auch als Fachbesucher besuchte. Gespräche mit meinen Verlagsansprechpartnern, neue Menschen, die mich, ein völlig neues Gefühl, erkannten und sich fast wie Fans benahmen. Es baute ungemein auf und stärkte mich in einer Phase, in der ich noch sehr verletzlich und unsicher war. Zu Beginn war ich Autor laut meiner Visitenkarte. Am Ende fühlte ich mich auch wie ein solcher. Danke allen, die sich dort mit mir getroffen und ausgetauscht haben. Besonders auch Firas Alshater, ein Mensch, den ich bewundere und dessen Buch ich nur jedem ans Herz legen kann, der einen Blick in eine syrische Seele werfen will, erfahren will, was Menschen wirklich in Syrien erleiden und wie es sich anfühlt, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen, dem Königreich des Papierkriegs. Danke Firas, dass du für mich Zeit hattest, danke für dein Buch, danke, dass ich dich kenne. Und danke Jan. Was du mit Firas zusammen auf die Beine gestellt hast und stellst, ist einfach großartig!

Das Barcamp Glück von Lotto BW war ein weiterer spannender Event. Klein aber fein, Gelegenheit, neue Menschen mit ihren Geschichten kennenzulernen, meine Geschichte zu erzählen und erneut in den Austausch zu gehen, zu reflektieren und dem Thema des Barcamps geschuldet auch zu lernen, wie viel Glück ich auch im Unglücksjahr 2015 hatte.

Anfang November dann der von mir schon erwartete Rückfall, kurz, voller Missverständnisse und in seinen Auswirkungen auf mein Umfeld von mir so nicht erwartet. Nicht jede Reaktion war schön, nicht alles kann ich rückblickend verstehen, aber ich habe gelernt, ich muss auch nicht alles verstehen. Ich muss lernen, damit umzugehen, andere Sichtweisen oder Interpretationen zu akzeptieren. Aber ich muss sie mir eben auch nicht mehr zu eigen machen. Zwar gab es Kommunikation, insbesondere mit meiner Frau, die ich bis heute nicht akzeptieren kann. Aber hey, warum aufregen, es gibt wichtigeres.

Dieser Knüppel im Weg meiner Heilung war aber nicht lange ein Hindernis. Schulen und Schüler warteten und warten auf Aufklärung, darauf, meine Geschichte zu hören. Schwäbisch Hall, Heilbronn, Winnenden und Ellwangen im neuen Jahr sind nur einige. Ich bin allen bislang besuchten Schulen und Schülern für ihr Interesse und für die wirklich sehr intelligenten und teils schweren Fragen sehr dankbar. Und ich werde meine Geschichte weiter erzählen, in der Hoffnung, dass sie weiterhin das bewirkt, was schon in der Zeit der Tweets #ausderklapse passierte. Menschen, die sich wegen meiner Initiative mehr um sich selbst kümmern, Menschen, die zur Sicherheit einen Therapeuten aufsuchen, Menschen, die anderen betroffenen Menschen zur Seite stehen.

All jenen, die aus meinem Beispiel etwas für sich herausgeholt haben sage ich danke. All jenen, die Menschen mit psychischen Erkrankungen sei es beruflich oder privat als Freund oder Angehöriger beistehen sage ich erst recht DANKE. Ihr tut etwas ungeheuer wertvolles und es kann durchaus sein, dass ihr im wahrsten Sinne des Wortes ein Leben rettet.

Mein allergrößter und nicht wirklich vollumfänglich ausdrückbarer Dank gilt aber meiner wundervollen Frau Sibylle, die mir die ganze Zeit zur Seite stand, die unglaubliches geleistet hat in der Zeit, die für mich die schlimmste meines Lebens war und die mir dort wieder herausgeholfen hat.

Am 13. Januar 2017 endlich auch physisch im Buchhandel verfügbar, ich hoffe auf viele Leser und viel Feedback

Und danke meinen drei wundervollen Kindern. Euer Zusammenhalt, eure spürbare Liebe zu mir, auch als ich eben nicht der Vater war, der ich sein wollte, das alles kann ich euch gar nicht hoch genug anrechnen. Ihr seid wundervolle, starke, mutige, kluge, empfindsame und besondere Menschen. Bleibt so. Es gibt viel zu wenige von dieser Art.

2017 wird für mich das unglaublichste Jahr überhaupt. Weitere TV Auftritte, am 13. Januar 2017 erscheint endlich mein Buch „Depression abzugeben“. Weitere Artikel, Aktionen, vielleicht sogar Lesungen. Wer weiß, was noch alles kommt. Nur eins weiß ich. Ich werde weiter laut, aktiv, ein Lobbyist sein für all jene, die sich noch nicht offen zu ihrer psychischen Krankheit zu bekennen wagen.

Mein Brot- und Butterberuf soll wieder normal laufen, aber ebenso bleibe ich Autor, Blogger und „Aufklärer“ über Depression, psychische Krankheiten und Suizidprävention und werde auch 2017 den Blog mit Blick auf diese Themen weiterführen. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann neue Perspektiven für den Autor Uwe Hauck und seine Buchprojekte. 2016 war für mich trotz all der Dramen, der traurigen Verluste und des zukünftigen Horrorpräsidenten der USA ein aufwühlendes, spannendes, neue Wege ebnendes Jahr. 2017 darf kommen, aber bitte mit weniger Drama und mehr guten Wendungen.

Euch allen wünsche ich ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Ich genieße die Vorweihnachtszeit zum ersten Mal seit Jahren wieder wirklich. Wir lesen uns 2017. Dank euch allen, die ihr mir zur Seite standet, sei es virtuell oder real. Ihr habt mir mehr geholfen, als ihr euch vorstellen könnt.

Rezension von: „Ich komm auf Deutschland zu“

Kennengelernt habe ich den Autoren Firas Alshater zuerst über das sicher vielen bekannte YouTube Video darüber, wie er in Berlin das Umarmungsexperiment gemacht hat und über seine ersten Eindrücke von typisch Deutschen.

Nicht nur die Botschaft des Videos sondern auch seine sympathische Art fand ich begeisternd. Als ich ihn dann auf der re:publica 2016 dank Manuela Braun (Danke Manu für die Einladung) persönlich kennenlernen durfte, bestätigte sich mein Eindruck. Ein fröhlicher, weltoffener, toleranter und hochkreativer Syrer. Den Flüchtling sah ich in ihm damals nicht und heute immer noch nicht.

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Auch auf der Buchmesse durfte ich Firas treffen. Und wie nicht anders zu erwarten hatten wir viel Spass. War einfach Zuckaaarrrr

Um so mehr hat mich die Lektüre seines Buches „Ich komm auf Deutschland zu“ berührt.
Was dieser Mann alles in Syrien erlebt hat, wie viel Folter, Leid und Tot. Schon dafür bewundere ich, wie offen und fröhlich Firas immer noch wirkt. Sein Buch ist eine Offenbarung für alle, die nicht das Medienbild des syrischen Flüchtlings sondern die Erfahrungen aus erster Hand kennenlernen möchten. Eigentlich läuft das Buch in zwei Erzählsträngen. Da sind zum einen die Erlebnisse seit seiner Ankunft in Deutschland aber immer wieder auch Rückblenden auf seine Kindheit und Jugend in Syrien. Ja Firas, so wie ich dich kennenlernte bis du nicht 25 sondern seelisch bereits mindestens 35. Die Erlebnisse, teils erschütternd, teils so fassungslos grausam, dass ich versucht war, einige Abschnitte zu überspringen, dann aber weiterlesen musste, weil ich die ganze Geschichte kennen wollte, diese Erlebnisse aus erster Hand zeigen die ganze Grausamkeit eines Krieges, den wir nur noch medial gefiltert und durch den Weichzeichner gedreht sehen.

Firas erspart uns nicht die brutalen Wahrheiten eines Regimes, das sein eigenes Volk nur durch Angst kontrollieren kann.

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Einhellige Wertung der beiden Frauen in meinem Haushalt: Daumen hoch für das Buch

Und dennoch gibt es auch viele sehr heitere und komische Momente, sei es im Umgang mit der deutschen Polizei, dem Fetisch Papier und Dokument oder schlicht mit der Wohnsituation in Berlin und den zum Teil hirnrissigen Regelungen des deutschen Asylrechts.
Firas schreibt humorvoll, authentisch, schonungslos und dennoch oder gerade deshalb sehr unterhaltsam.
Damit ist „Ich komm auf Deutschland zu“ für mich das Buch, das wenn schon nicht auf dem Gabentisch dann zumindest in jedem Bücherregal landen sollte, nachdem man es verschlungen hat, weil die Geschichte so packend ist, dass an ein Aufhören nicht mehr zu denken ist.

„Ich komm auf Deutschland zu“ von Firas Alsahter ist erschienen im Ullstein Verlag zum Preis von 14,99 Euro broschiert oder 12,99 Euro als Kindle eBook und es ist für mich das Buch des Leseherbsts.

Ich komm auf Deutschland zu: Ein Syrer über seine neue Heimat

von Firas Alshater

Broschiert: 240 SeitenVerlag: Ullstein extra (14. Oktober 2016)Sprache: DeutschISBN-10: 3864930499ISBN-13: 978-3864930492

Ich bin anders als ihr. Und das ist gut so.

20160923_072505Es begann bereits in der Schulzeit. Ich fühlte mich irgendwie fremd, irgendwo in einem Land, einer Zeit, einer Gesellschaft, die so gar nicht die meine war. Es waren noch nicht einmal die üblichen Spiele, die man als Kind spielt. Lego, Modellautos. Fangen und Klettern im Freien. Klingelstreiche. Es war das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Tief im Innern etwas zu haben, das anders arbeitet, anders tickte, als bei all den anderen um mich herum.

Meinen Eltern versuchte ich, es zu erklären, aber sie waren so sehr wie „die anderen“, dass sie das ganze nicht begreifen konnten. Also schützte ich diese Besonderheit. Ich zog mich zurück, auch begünstigt durch die Krankheit meines Vaters, die mich auch noch die letzten Freunde kostete. Im Nachhinein betrachtet formte mich diese Zeit zum positiven, aber auch zum besonderen, zum etwas schrägen, etwas anderen Menschen. Ich tauchte ein in Literatur. Ich entwickelte mich zum extremen Bücherwurm. Heute sind es weit über 3000 Bücher, die uns auf einem Umzug, sicher und sortiert in schweren Kartons begleiten würden. Ich konsumierte Bücher wie andere Nahrung. Ein Tag ohne ein Buch war ein trauriger, schmerzhafter Tag. Lange blieb ich der Außenseiter, war der komische Kauz, den man auch schon mal verprügelte, weil man wegen dessen Vorliebe für klassische Musik auf dem Schulausflug Bachs Brandenburgische Konzerte hören musste.2015-05-05-10-38-24

Eine neue Klasse, neue Mitschüler wandelten mich langsam. Nicht, dass ich nicht weiterhin der seltsame Freak blieb, der sich mittlerweile intensiv mit Computern befasste, nachdem ein kreatives Intermezzo ihn hin zu einer Spiegelreflexkamera und einer Menge von Fotografien brachte.

Die neue Klasse, eine Konglomerat von zwei Mittelstufenklassen trug mich aus der Rolle des Außenseiters in die Rolle des besonderen Menschen. Und wie mein ganzes Leben waren es schon damals Frauen, die meinen Lebensweg nachhaltig und positiv beeinflussten (mit der einzigen, dafür aber dramatischen Ausnahme meiner Mutter. Aber das ist eine andere Geschichte)

Ich lernte Freundschaft kennen, die nicht nur an guten Tagen existiert. Erfuhr, dass ich vermisst werde, wenn jemand im Krankenhaus auf meinen Besuch wartet. Ja und ich erfuhr den ersten Kurs, die erste körperliche Liebe, suchend, willens zu lernen, es gut zu tun, gut für beide. Ich war und bin ein Mensch, der zwar nicht mit, aber auch nicht ohne Menschen kann. Die Distanz eines Raums genügt, damit ich mich sicher fühle, die Distanz einer Stadt kann mich in einen emotionalen  Tornado an Gefühlen stürzen.

Zivildienst. Nachtschichten. 7 Nächte, dann 7 Tage frei. Für mich eine traumhafte Zeit, ein Traumzeit. Wach sein, wenn andere schlafen. Leben in einer ruhigen, dunklen, aber irgendwie wärmenden Parallelwelt. Ich begann zu malen, bereitet sogar eine Kunstmappe blieb aber letztlich beim Computer, den ich besser zu beherrschen meinte. Ich verkannte damals meine emotionale Seite. Das war es, was mich letztlich in die Psychiatrie gebracht hat.20160308_101143

Mein Studium ein weiteres Erleben von andersartig sein, diesmal aber unter Gleichgesinnten. Künstliche Intelligenz, Computerlinguistik. Verstehen, wie der Mensch tickt um vielleicht zu verstehen, wie ich ticke.

Das Ende meiner Schonzeit, meiner selbstgewählten Parallelwelt kam am Ende meines Forschungsstipendiums. In Heidelberg durfte ich drei Jahre forschen. Lernte die Frau meines Lebens kennen und verliebte mich unsterblich in sie. Und ja, liebe sie noch heute, die Frau, die mir im wörtlichen, im elementarsten Sinne das Leben gerettet hat.

20150310_143120Mit dem Eintritt ins normale Berufsleben kam der tiefe, der harte, der laute und schmerzhafte Absturz. Unterwerfung. Gehorchen. Tun, was gesagt wird, ob sinnvoll oder nicht. Die nun mit brutaler Klarheit in mein Leben eindringende Prämisse meines Handelns. Erwachsen sein. Für mich ein Horrorgedanke. Vernünftig, langweilig, gehorchend und sich selbst verleugnend.

Ich schaffte es lange Jahre, auf Kosten meines eigentlichen Wesens. Kleine Refugien erhielt ich mir. die Liebe meiner Frau, unsere wundervollen Kinder stützten mich, aber ich stützte mich auch auf sie, belastete, erschwerte, überschattete deren Leben.
Der Knall des Suizidversuchs. Das letzte, das finale Aufbäumen meines eigentlichen Selbsts. Wäre da nicht die Liebe, die Intuition meiner Frau gewesen, ihre Geduld und Klugheit. Ich wäre heute tot. Es ist so hart, so klar, so unleugenbar.

Der Weg zurück in MEIN Leben. Er beginnt gerade, ich habe wenige, aber gute Begleiter. Und neue Wege haben sich eröffnet. Das Buch, das im Januar erscheint. Die Doku über mein Einhorn, die Depression, die mich seit meiner Jugend begleitete, weil mein Anderssein mich mehr schmerzte, als ich mir selbst eingestehen wollte.20151212_202748

Ich musste mich zurückkämpfen auf dem falschen Weg, um die richtige Abzweigung zurück in mein Leben, in mein besonderes Leben zu finden. Das für viele andere falsch, für mich aber genau richtig ist. Das anders ist, schräg, manchmal anstrengend oft aber glücklich machend. Und das mir meine Familie wiedergegeben hat. Andere werden weit weniger glücklich sein über meinen Wandel.

Aber er muss sein. Weil es um mein Leben geht. Weil es um mich geht. Und weil ich nicht mehr bereit bin zu tun, was andere für mich als richtig erachten. Die Masken sind gefallen. Und ich habe sie tief unten im Keller meiner Seele in einer alten, großen Truhe mit vielen Schlössern weggesperrt bis auf ganz wenige, die mein neues Leben schützen. Kleine Lügen brauchen wir alle. Die Lebenslüge aber, die ruht da unten, tief, in dieser Kiste.

Dieses Jahr werde ich einen Film mit besonderer Freude und Aufmerksamkeit sehen. Weil er die Botschaft in sich trägt, dass anders sein nicht schlecht, sondern etwas besonderes sein kann, etwas, das einem das Leben auch besonders schön, aufregend, neu machen kann. Wenn man sich darauf einlässt.

Ich rede von Tim Burtons “ Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children.

All ihr, die ihr da draußen euch anders, ausgeschlossen, unverstanden fühlt. Das ist gut so. Ihr seid besonders, ihr seid ungewöhnlich. Und es wird immer Menschen geben, die das Ungewöhnliche schätzen. Wenn es bis dahin das Gewöhnlich sein müssen überlebt hat.

Von unangenehmen Wahrheiten und angenehmen Lügen

Wir leben in einer Illusion. Medien, Politik gaukeln uns vor, das Leben unter Kontrolle zu haben, die Wirtschaft unter Kontrolle zu haben und letztlich damit für uns alle ein gutes, ein sicheres Leben zu ermöglichen. Welch ein Trugschluß. Wir wünschen uns alle einfache, logische und sichere Wahrheiten, und erkennen nicht, dass das Leben viel komplexer, viel diffuser, viel mehr vielleicht ist.

Regeln und Vorschriften, Verbote und Normen. Wir haben ein immenses Portfolio von Werkzeugen entwickelt, das Unwägbare, das Unkontrollierbare scheinbar zu kontrollieren. Aber all diese Werkzeuge funktionieren nur, wenn zwei Faktoren gegeben sind.

Zum einen, es gibt einen gemeinsamen Konsens darüber, dass all diese Werkzeuge des Zusammenlebens sinnvoll sind.

Zum anderen, die Werkzeuge müssen auch das bewirken, wofür sie eingesetzt wurden.

Schon die erste Prämisse scheitert häufig. Seltener daran, dass sie nicht mit Sinn behaftet sind. Häufiger daran, dass das Faktische dahinter schlicht verleugnet wird. Verschwörungstheortiker sind die Speerspitze derer, die hinter allem Verrat, Gefahr und Lüge vermuten. Dabei klagen sie über eine einseitige Sichtweise, die letztlich originär vor allem sie selbst haben. Sie bauen sich ein Weltbild, das immer mehr von der Realität wegdriftet, aber so plausibel erscheint, dass sich Gefolgsleute darum scharen und durch die schiere Menge an „Gläubigen“ schlicht zur Wahrheit werden. Es gibt selbst heute noch Menschen, die an die flache Erde glauben, an die 7 Tage der Schöpfung. Nicht im Sinne einer metaphorischen Überlieferung sondern als Tatsache.

Das Schlimme? Sie sind nicht zu überzeugen, weil sie hinter jeder anderen Meinung Verrat und Lüge vermuten. Sie leben selbst eine Lebenslüge, die für sie zwar bequem, im Gesamtkonzept des Zusammenlebens als Spezies aber hochgefährlich werden kann.

Chemtrails, Mobilfunkstrahlung, Vegan/Vegetarisch/Carnivor. Verbrannte Erde, kaum mehr diskutierbar, kaum mehr abwägbar. Man gehört entweder zu den Guten oder zu den Bösen. Die Grauzone, wie sie im Alltag die Regel ist, herrscht in diesen Themen nicht mehr. Flüchtlinge sind entweder mit offenen Armen zu empfangen, oder an den Grenzen zurückzuschicken. Es wird nicht mehr über den besten Umgang im Sinne der Flüchtlinge diskutiert. Es werden Parolen und Beschimpfungen hin und her geworfen.

Und die Politik macht fröhlich mit. Da sie von der Mehrheit unterstützt wird, die es nicht ertragen kann, ohne feste Wahrheiten zu leben. Einer der größten Irrtümer der Gegenwart: Die Mehrheit hat immer recht. Oh nein, sehr oft sogar nicht, weil Einsicht, Intelligenz, guter Wille oder Altruismus fehlen. Dabei ist der Dumme oft der, der meint, es am besten zu wissen. Sokrates sagt: Ich weiß, dass ich nicht weiß. Wenn ich aber nicht weiß, maße ich mir auch nicht an, die eine ultimative Antwort zu kennen. Um aber zu dieser Erkenntnis zu kommen bedarf es eines gerüttelt Maßes an Selbstreflektion, zu der in der heutigen Zeit die wenigsten bereit sind, und der sie auch nicht zuhören. Nicht umsonst werden Philosophen meist nur von denen gehört, die eh schon erkannt haben, mit welchen Wissensdefiziten wir leben.

Wissenschaft sagt nie, ich weiß, es ist so. Gute Wissenschaft geht von der Annahme aus, nach bestem Wissensstand im Moment die valideste Theorie zu haben, die Morgen schon falsifiziert sein kann. Das ist etwas, das für den Durchschnittsbürger schwer verstehbar und ertragbar ist.

Acrylamid, Mobilfunkstrahlung, das Essen von Fleisch. Alles Themen, die in der Öffentlichkeit weit jenseits von wissenschaftlicher Analyse und gelassener Distanz zu einer Schlammschlacht der Diskursunwilligen geworden sind.

Und wir züchten uns neue Generationen heran, die das kritsche, das humanistische, das auch zu einem gerüttelte Maß selbstkritsche Denken verlernen und auf dem Altar der Ökonomie, des wirtschaftlichen Nutzens opfern.

Wir bilden unsere Kinder nicht mehr zu intelligenten, reflektionsbereiten Menschen aus, sondern zu Arbeitnehmern, die das tun, was man ihnen sagt, brav konsumieren und ansonsten bloß nicht über den Wahnsinn in Wirtschaft und Politik kritisch und klug reflektieren.

Und dann wundern wir uns, wenn in den Betrieben unkreative duckmäuserische Ja-Sager die Oberhand gewinnen, wenn Mehrheiten solch ideologisch überaus gestrigen Parteien wie der AfD folgen und an dumme und falsche Scheinfakten glauben wie die Abnormalität von Asperger, die Gefahr des Impfens oder die Verschwörung der Reichen.

Wir brauchen eine Kehrtwende in der Bildung und in der Gesellschaft. Weg von der Prämisse, alles sei der Wirtschaft zum Gefallen zu geschehen, weg von einem Leben, dass sich auf arbeiten und konsumieren beschränkt, hin zur Verlangsamung un Reflektion. Die Gehetztheit unserer Zeit hindert uns an der Reflektion. Und Anderer Menschen Meinung akzeptieren wir nur, wenn sie in unser teils sehr verschrobenes Weltbild passen.

Schon Mark Twain erkannte: Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, dann ist es Zeit sich zu besinnen.

Ich habe es schon vor geraumer Zeit gesagt:

Nicht diejenigen, die in der Psychiatrie landen mit Depressionen und Angststörungen sind verrückt, sondern diejenigen, die diesen Irrsinn der Scheinwahrheiten und Ökonomieunterwerfung widerstandslos akzeptieren oder unreflektiert komplett ablehnen.

Oder um wieder meinen liebsten Literaten zu zitieren, wenn es um die Reflektion über die Gesellschaft geht:

Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.

Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen.
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
Demetrius I. (Sapieha)

 

Zitat von Friedrich Schiller
Friedrich Schiller
deutscher Schriftsteller
* 10.11.1759, † 09.05.1805