Jetzt lass doch mal los

Etwas, von dem ich mich relativ zügig verabschiedet habe, als ich in den Kliniken mehr über mein wahres Ich gelernt habe, waren falsche Erwartungen, falsche Ziele, falsche Ideale. Ich glaube mittlerweile, das war das eigentlich Schwierige. Einzugestehen, dass ich zwar ein guter Informatiker bin, aber im Herz ein Autor, ein Maler, ein Künstler. Und diesen Begriff „Künstler“ ernst nehmen, nicht abtun, so wie es meine Eltern taten, als ich diese Laufbahn einschlagen wollte.

Auch wenn wir meinen, wir würden über unser Leben entscheiden, erlauben wir viel zu vielen Menschen, für uns zu entscheiden oder sollten wir gar die Chuzpe haben, uns gegen deren Entscheidung wehren, dann wird gegen uns vorgegangen.

„Herr Hauck, sie spielen rum, sie organisieren sich schlecht“, gesagt von einem Gestrigen, der nicht wahr haben wollte, dass ich bereits digital arbeitete, wo er noch so sehr in sein Papier verliebt war. Nur ein Jahr später gab es dann das erste dienstliche Smartphone und vergessen war der Vorwurf der Spielerei, aber nicht vergeben die Konsequenzen.

Mittlerweile bin ich sehr vorsichtig bei unaufgeforderten Ratschlägen. Im Ratschlag steckt der Schlag, der mir mit dummen, vorwurfsbeladenen Ratschlägen gegeben wurde.

Aber auch ich muss loslassen. Vorwürfe und Schuldzuschreibungen mögen manchen unangenehmen Fakt leichter schluckbar machen, sind wie die Sauce beim Braten. Aber sie helfen nicht weiter. Wir müssen nicht vergessen, wer uns wohlwollend gesinnt ist und wer uns eher als Gefahr begegnet. Aber wir sollten loslassen, wenn es um Vergangenes Unrecht geht. Das wird nicht mehr besser und die allermeisten, die einem ein Unrecht zugefügt haben, sehen es gar nicht ein, dies sich oder uns einzugestehen, geschweige denn, sich zu entschuldigen.

Ich merke jetzt, wo ich leichter loslasse, wo ich mich als Person sehe, unabhängig von den Erwartungen anderer, dass ich wieder bei mir bin, wieder der Mensch, der einmal Kunst, Kreativität geliebt und gelebt hat. Es ist noch nicht zu spät. Ich werde versuchen, so authentisch wie möglich zu sein.

Und ungebetene Ratschläge bekommt ihr von mir hoffentlich nie zu hören. Eher schon einen Blick auf mein Erleben und meine Erkenntnisse daraus.

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