Mein langsames Comeback

Mittlerweile vor zwei Wochen ging es mir plötzlich wieder nicht gut. Die Angst, die Panik war wieder da. Ja, ich rede offen über meine Ängste, weil es keineswegs männlich ist, keine Ängste zu haben. Wenn, dann bestenfalls dumm und/oder gelogen.
Jetzt bin ich so weit stabil, dass ich absehen kann, dass wohl nach nächster Woche alles wieder normal laufen wird.
Was habe ich gelernt?
Nun, zum einen, dass ich ganz richtig lag mit meiner Aussage auf meinen Lesungen, dass ich mich nicht als gesund sehe sondern als weitestgehend stabil. Ja, es war eine depressive Episode, die jetzt langsam aber stetig abklingt.
Nur wollte ich mir das mal wieder nicht eingestehen und hab so getan, als ob das Ganze innerhalb einer Woche wieder vergessen sein würde.
So schnell geht das aber selbst mit all meinen Skills nicht und dem, was ich in den Kliniken sonst noch gelernt habe.


Meine Depression ist chronisch, sie ist nicht weg, aber sie hält die allermeiste Zeit still.
Das macht mich aber nicht schwach, sondern wachsam. Das macht mich nicht unzuverlässig, sondern zuverlässiger. Weil ich meine Ressourcengrenzen erkenne und merke, wenn eine Pause von Nöten ist. Weil ich mich nicht mehr verbrenne (n lasse) sondern auf mich achte. (Zumindest meistens ;))
Ja, nach wie vor fehlen mir meine Fans, meine Leser, mein Publikum. Aber nach einem Lockdown auch in diesem Bereich laufen wohl ab übernächster Woche auch hier wieder einige Projekte an, die mir helfen, mich zu stabilisieren, positiver zu agieren und dem Risiko Rückfall aktiver entgegenzutreten.
Aber nach wie vor gilt. Keine Angst, keine Depressionen zu haben ist nichts männliches, nichts tolles, nicht starkes.
Zu dem stehen, was und wer ich bin, das mag vielleicht männlich sein (nochmal drüber lesen, nein, eigentlich nicht. Eigentlich ist typisch männlich und typisch weiblich eine fiktive Definition, die jeder für sich hinterfragen soll und muss) , aber wenn es um unser Leben, um unsere Gesundheit geht, sollte es keinen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Verhalten geben. Genau genommen so gut wie nie, weil wir letztendlich Menschen sind. Und all die Unterscheidungen zwischen typisch männlich, typisch weiblich sind meines Erachtens künstlich und insofern falsch oder zumindest sehr zu hinterfragen.

Und ja, es hat etwas heilsames, Autor zu sein. Für mich ist das Niederschreiben meiner Gedanken Teil meiner Therapie. Ein schöner, wenn nicht der schönste Teil meiner Therapie.

Und auch hier ein Song, der ziemlich gut ausdrückt, wie ich heute zu mir und meinen Defiziten und Narben der Seele stehe:

 

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