Was kommt nach Corona?

Nein, ich bin kein Experte, weder ein echter, noch ein Verschwörungstheorieexperte. Mein Blick ist der eines im weitesten Sinne normalen Durchschnittsmenschen auf das, was die Pandemie mit mir, meiner Familie, meinem Umfeld gemacht hat.

Zunächst hat sich mein Kreis an Freunden und Followern verändert. Nicht mal verkleinert, aber es sind einige rausgeflogen, aus Gründen, die jene, die mir nahestehen sich sicher ausmalen können.

Leider bin ich was die beruflichen Veränderungen in der Arbeitswelt angeht weit weniger optimistisch als viele Experten in den Medien. Ich glaube und ich bitte zu beachten GLAUBE, es wird sehr vieles wieder so werden wie zuvor. Die Digitalisierung hat sich technologisch zwar als machbar erwiesen, aber ich wiederhole es gerne nochmal. Digitaler Wandel ist weniger eine Frage der Technik denn ein Kulturwandel.

Chefs müssen damit leben, ihre „Untergebenen“ nicht mehr permanent physisch überwachen zu können, ja evtl. nicht mal mehr in deren Art der Arbeit eingreifen zu können. Dazu sind meiner Ansicht nach die meisten noch lange nicht bereit. Dazu beharren zu viele auf ihrer Position der Macht.

Und was die Digitalisierung Deutschlands, sei es in Behörden oder Schulen angeht. Nun ja, auch da wird sicher das meiste schneller wieder abgeschafft, als es uns lieb sein kann. Home Office, virtuelle Schulstunden, digitale Behörden waren urplötzlich möglich, als uns keine Wahl blieb. Und sie werden sehr bald wieder verschwinden, wenn alles überstanden ist, damit die althergebrachten Machtstrukturen und überkommenen Arbeitsmethodiken endlich wieder die Modernisierung und diese unheimliche Technik ablösen können. Weil man das eben vor Jahrzehnten mal so gelernt hat und dieses ganze Digitale ja eh Teufelszeug ist, nicht war, Herr Spitzer?

Auch gesellschaftlich werden wir wohl leider nach der Pandemie so weiter machen wie bisher. Wenn ich sehe, was für verquere und teilweise schon (lebens-)gefährliche Verschwörungstheorien oder krude Behauptungen über Aushebelung des Grundgesetzes dort hörbar waren oder wie schon  nach kurzer Zeit die Wissenschaft nicht mehr als Hilfe sondern als Bedrohung gesehen wurde. Sorry, wir werden wieder erleben, dass Pseudowissenschaften und teils sehr kruden Theorien mehr Glauben geschenkt wird, als wissenschaftlich fundierter Arbeit, die aber eben keine klaren schwarz weißen Lösungen liefert, sondern einen aktuellen Erkenntnisstand, der sich Morgen ändern kann.

Ich habe für mich in der Zeit im Home Office gemerkt, wie wenig ich schon lange an Kontakt nach außen benötige. Im Gegensatz zu manch anderen hat mich die freiwillige Quarantäne zuhause nicht belastet. Das ist aber sicher auch einem Familienverbund von insgesamt 5 Personen geschuldet und meinem vermutlich eher verschlossenen Charakter, der es schon immer schwer hatte, Kontakte und damit auch Vertrauen zu knüpfen.

Nein, leider muss ich sagen: Sobald wir die letzten Einschränkungen durch das Coronavirus abgelegt haben werden wir schneller als uns allen lieb sein kann, wieder genau die gleichen alten überkommenen Muster leben, wie vor der Pandemie. Straft mich Lügen und ich wäre glücklich, aber der Glaube daran fehlt mir leider. Momentan scheinen viele plötzlich Verständnis für die Problematik psychisch kranker Menschen zu entwickeln. Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit aber schnell vorbei, wenn der normale Alltag wieder Einzug hält. Wir sehen schon jetzt in den Demonstrationen, wie wieder das eigene Freiheitsempfinden über alles gestellt wird, wie nicht gesehen wird, dass mit dem Ignorieren der Vorgaben auch wieder Risikogruppen  (lebens)gefährdet werden. Klar, Rücksicht auf Betroffene, aber bitte nicht mich einschränken.  Egoismus ist jetzt schon wieder überall zu sehen und dieser Gesellschaft täte es zwar gut, mehr Toleranz und miteinander zu leben, aber wenn ich lese, dass jetzt schon Ärzte und Pflegepersonal bedroht werden, dass ihnen nahegelegt wird, umzuziehen, weil man keine Infektionsträger in diesem „ehrenwerten Haus“ wolle, na dann, wir ahnen, was kommt.

Und ich habe hier meine persönliche Last durch die Angststörung und die Depression absichtlich außen vor gelassen. Denn ich weiß, dass dann erst recht die Kritiker, die Trolle mit ihren Keulen in den Kommentarspalten auftauchen werden. Das machen sie sicher auch bei diesem Text schon, aber wir kennen ja alle die erste Anti-Troll Regel. Niemals die Kommentare lesen.

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