Isolation. Ein Konzept, das ich kenne

Im Moment kommen wieder Medienanfragen, vor allem zu meinem Erleben des „physical distancing“ und wie ich es als Mensch mit Depression und Angststörung erlebe.

Zunächst mal, nicht repräsentativ. Genau wie jede Depression an sich anders ist und man vorsichtig mit Vergleichen von Depressionserkrankungen sein sollte, so gilt dies auch für den Umgang mit der Isolation.

Ich finde die Unterschiede zu meinem sonstigen Alltag zum Beispiel nur marginal. Das hängt auch damit zusammen, dass ich über Jahre, ach eigentlich Jahrzehnte immer eine gewisse Distanz zwischen mir und der sogenannten realen Welt empfunden habe.

Was die Mehrheit für Normalität hielt und hält, das erweckt in mir oft eher ein ungläubiges Kopfschütteln denn das Gefühl von Zugehörigkeit. Natürlich versucht man lange Zeit, davon eine beträchtliche Zeit wieder besseren Wissens, sich anzupassen, reinzupassen, zu passen.

Als dann aber meine Depression schliesslich als offene Wunde für alle sichtbar war, war es für mich endlich klar, dass nicht meine Depression für viel meiner Schwierigkeiten verantwortlich, sondern das Gefühl des anders seins, des ausgeschlossen seins. Das amüsante am Ganzen: Sobald ich meine Andersartigkeit erklären, definieren, offen ansprechen konnte, verschwand das Bedürfnis nach Anpassung. Ich bin so, wer damit ein Problem hat, darf es behalten

Insofern, nein, mir fehlt der Kontakt zu anderen Menschen nicht wirklich. Ich habe meine Familie um mich, es gibt Internet und Videochat und in den meisten Fällen ist das für mich völlig ausreichend. Da draußen laufen viel zu viele Ignoranten, Verschwörungstheoretiker, alles besser Wisser rum. Die brauch ich nicht, die haben mir in der Vergangenheit eher Schwierigkeiten eingebracht.

Was ich allerdings vermisse sind die Gespräche mit Betroffenen, mit Menschen, die so denken, so ticken, so mit Depressionen leben wie ich. Aber auch hier kann ich über meine Social Media Kanäle in Kontakt bleiben.

Für mich bedeutet es mehr Belastung, mich mit ignoranten Idioten konfrontiert zu sehen, die glauben, sie alleine hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen. Mal über einen längeren Zeitraum meine Ruhe vor ihnen zu haben, empfinde ich ehrlich gesagt als ganz angenehm.

Ist so ein ähnlich befreiendes Gefühl, wie eingeschneit zu sein. Man weiß, selbst wenn sie es wollen, die Menschen müssen dich zwangsweise in Ruhe lassen.

Die Mehrheit ist die Mehrheit. Weiter nichts. Weder automatisch im Recht noch im Unrecht. Eine anonyme Masse, die oft eher in einer wirren Neigung dem Herdentrieb folgt und dessen Apolegeten der Verschwörungsfantasien.

Danke, mir geht es gut. Wenn es mal dunkel wird, dann reichen mir meine virtuellen Kontakte, um  mich zu stabilisieren.

Und ja, wir haben nach wie vor genug Toilettenpapier. Bitte, danke und ansonsten gilt: Erstaunlich, wie viele vermeintliche Bundestrainer jetzt plötzlich auch zu Epidemologen und Virologen geworden sind. Und ich soll mich isoliert von solchen Menschen schlecht fühlen? Ganz ehrlich…. Nope.

Und um noch einen ganz anderen Gedanken einzupflegen, wie es mein Umfeld von mir kennt.

Ich höre gerade wieder Billie Eilish und fühle mich erkannt, verstanden und besungen wie selten zuvor. Meine Empfehlung und einen Gruß aus meiner Isolation die für mich gar keine ist.

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