Depression heißt auch, mit Schönrednern zu leben

Die Dreharbeiten neigen sich dem Ende. Es hätte noch ein paar wichtige, völlig unbedenkliche Aufnahmen gegeben, die wichtig für die Dramaturgie sind. Aber man verbietet sie. Schade. Aber abzusehen.

Man ist als depressiver Mensch halt immer auch eine Image Gefahr. Bloß alles totschweigen, bloß nicht darüber reden oder damit in Verbindung gebracht werden. Es könnte ja negativ auf einen zurückfallen.  Dass es das durch ein völlig unbegründetes Verweigern erst recht passiert, da denken Menschen halt nicht dran. Oder dass man als toleranter und für depressive Menschen offener Charakter vielleicht weit mehr positive Publicity erreicht, als durch den Versuch, sich komplett raus zu halten. Was sowieso nicht funktioniert, weil dann niemand jemals Google nutzen dürfte, keiner nachdenken, keiner mich kennen.

Ärgerlich nur, wenn gleichzeitig gegenüber dem Umfeld ein weltoffenes, tolerantes Bild präsentiert wird. Ein Phänomen, dass es nicht nur im Privaten, sondern durchaus auch in Politik und Wirtschaft gibt. (Oder vielleicht da erst recht, oder gab es schon mal eine Pressekonferenz in der nicht alles „wir haben uns alle lieb und sind so toll“ Stimmung versprühte?

Dass Menschen sich auf diese Art abwenden ist nicht überraschend für mich. Das ist ja der Grund, warum ich erst recht laut bin, darüber rede, erkläre, was wo wie passiert ist. Damit diese dumme, gefährliche Stigmatisierung aufhört. Damit sich depressive Menschen nicht weiterhin verstecken und Freunde, Bekannte, Kollegen, das Umfeld eben anlügen aus Angst, man könne sie fallenlassen.

Was viele mit genau oben beschriebenem Verhalten tun.

Wir werden für die TV Doku einen anderen Weg finden, aber traurig, dass manche Menschen nicht bereit sind, mich auf meinem Weg zu begleiten.

Und auch auf ein oder zwei Entschuldigungen warte ich immer noch von Menschen, die mitgeschubst haben, manchmal sogar eine eindeutige Mitschuld an dem Fiasko tragen. Aber nein, bin ja nur ich ganz alleine, der das alles gemacht hat. Ja von wegen. Und nein: „Aus diesem Internet löschen.“ werde ich mich ganz bestimmt nicht. Eher das Gegenteil.

Nun denn. Ein Gutes hat das Ganze. Es gibt mir schon weiteren Stoff für ein vielleicht entstehendes zweites Buch über meine Krankheit. Material sammle ich dazu bereits und das ist als Inhaltssequenz Gold wert.

Ich bin Bastei-Lübbe  dankbar für die Chance, mein Thema an die Öffentlichkeit zu tragen. Dankbar für den Mut, ein nicht ganz einfaches Thema, das dann auch noch ein Mischung aus ernsten Passagen und viel Humor darstellt, ins Portfolio aufzunehmen. Aber ich habe auch ein gutes Gefühl, dass die Geschichte, die ich erzähle, gut ankommt. Denn es ist eine wahre Geschichte, mit den üblichen Veränderungen von Personen und Orten um Unbeteiligte zu schützen. Es ist meine Geschichte. Und im Gegensatz zu so manch anderen ehrlich und auch mit meinen Tiefpunkten.

 

Ich werde Teil einer Doku oder, Dreharbeiten aus erster Hand

Ich werde Teil einer TV Doku über Depressionen sein. Danke schon mal an Jana dafür, die mich vorgeschlagen hat und selbst auch einen Part in der Dokumentation haben wird.20160515_134942
Genauer handelt es sich um die von mir sehr geschätzte Dokuserie 37°, die auch ausschlaggebend für meine Zusage war. Denn wenn schon, möchte ich das ganze gut dargestellt wissen und nicht für irgendein merkwürdiges Pseudodokuformat verbraten werden.
Nachdem ja schon im März ein kleines bisschen gedreht wurde und auf der re:publica quasi mein Aufenthalt in Berlin und meine Session Teil der Geschichte wurde ging es nun um mein „normales“ Umfeld und die Familie. Erste Erkenntnis dabei. Es ist alles ehrlich, was aufgenommen wird, aber die eine oder andere Szene muss dann doch nachgestellt werden, weil das ganze sonst überhaupt nicht dokumentierbar wäre, ohne uns quasi wochenlang auf dem Schoss zu sitzen. Aber wie es auch in Romanen so schön heißt. Alles hat sich mehr oder weniger so zugetragen.20160515_121710
Auch der Umgang zwischen Drehteam und meiner Familie war vorbildlich, das war schon daran zu erkennen, dass die Kinder völlig entspannt und ehrlich vor der Kamera agierten.
Für mich als „@bicyclist“ vor allem lustig war es, von einer Kameradrohne verfolgt zu werden, um mein Radfahren durch die schöne Region zu dokumentieren. Komisch, wenn man von einem surrenden Etwas verfolgt wird, das man bloß nicht ansehen soll. Denn, merket auf: NIE in die Kamera sehen.
Ich hoffe, das hat immer geklappt, gemeckert hat niemand.
20160515_120423Jetzt bin ich gespannt auf Teil drei und dann auf das fertige Produkt, das im Oktober oder November im ZDF ausgestrahlt werden soll. Ich hoffe ja, ihr schaut dann alle zu und seit nicht zu kritisch mit mir.
Aber es liegt mir einfach am Herzen, so viel wie möglich gegen das Stigma Depression und Suizidversuch und für mehr Anerkennung als Krankheit zu tun. Dafür stelle ich mich dann auch vor eine Kamera, wenn es weiterhilft.
 

Google präsentiert Chromecast. Der First screen wird endgültig zum Second screen.

chromecastDie Zeiten, in denen meine Kids unbedingt noch ihre Stunde fernsehen wollten, sind spätestens, seitdem die beiden Großen sich Tablets erspart haben, vorbei. Nun ist es eine Mischung aus YouTube und spielen, wobei sie allesamt, auch der Jüngste große Minecraft Fans sind.
Auftritt Chromecast. Für mich die logische Konsequenz aus einer Entwicklung, die das Fernsehen als Leitmedium immer mehr in den Hintergrund rücken lässt. Oder wie mein Jüngster neulich meinte: Nee, Fernsehen ist doof, da kommt doch dauernd diese blöde Werbung.

Mit dem, was Google gestern präsentiert hat und was ich für die eigentliche Neuigkeit halte, nämlich dem extrem günstigen Chromecast Stick, wird das Tablet oder das Smartphone zum First screen für alle. Es bedarf lediglich eines Fernsehers mit HDMI Anschluß (ist ja bei den meisten Flachbildfernsehern eh Standard) und schon kann man sich aus dem Netz und das bequem auf der Wohnzimmercouch am Tablet oder Smartphone sein eigenes TV Programm zusammenstellen. Quasi eine Zweitverwertung für den immer überflüssiger werdenden Fernseher. Denn mal ehrlich, Internet auf dem Fernseher, gesteuert von der klassischen Fernbedienung ist einfach nur grausam. Und mit Tastatur zu arbeiten ist in Zeiten von Tablet und Smartphone auch eher zweite Wahl.

Und da der Chromecast Stick auch finanziell sehr attraktiv ist, könnte ihr die eigentlich Apple TV Innovation liegen. Allerdings eben von Google, die spätestens gestern bewiesen haben, dass sie im Moment das innovativste Unternehmen sind.

Ich bin gespannt, wie der Chromecast Stick im Alltag ankommt aber hier hat Google wirklich etwas konzeptionell wie auch preislich ausgereiftes präsentiert und die Konkurrenz weit hinter sich gelassen.

Festgemauert in der Erden ist aber so was von out.

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Nicht auf dem Fernseher, sondern auf meinem Tablet habe ich mir vor kurzem Inglorious Bastards angesehen.

„Loewe liegt am Boden“ vermeldet vor kurzem die Wirtschaftswoche. Und das verwundert mich nicht. Wurde immer gebetsmühlenartig propagiert, der Arbeitnehmer der Zukunft müsse mobil sein, hat sich das nicht bewahrheitet.

Wohl aber eine andere Form der Mobilität. Die der Dinge um uns herum. Nachdem wir bislang stets den großen Fernseher im Wohnzimmer nutzten, wechselt nun ein letztes statisches Stück digitaler Einrichtung in den mobilen Bereich. Warum sollte das Smartphone Second Screen sein? Schon vor einiger Zeit habe ich darauf hingewiesen, dass für die junge Generation, so überhaupt noch relevant der Fernseher der Second Screen ist. Und warum brauche ich überhaupt noch einen statischen, großen, im Wohnzimmer fixierten Bildschirm, wenn ich doch alles auch auf Smartphone, Tablet oder Computer sehen kann. Und zwar wann und wo ich will.

Insofern nur eine konsequente Entwicklung, die nach Musik und Büchern nun das bewegte Bild und dessen Konsum grundlegend verändert.

Und wieder mal hat eine Branche das ganze Thema schlichtweg verschlafen, kommt jetzt mit Smart TV an den Markt, wo der typische Zuschauer mittlerweile viel mehr auf Smart Phone setzt.

Die Verschmelzung von Internet und Fernsehen, ein neuer Versuch

Die App Couchfunk ist momentan einer der bekannteren Vertreter der Secondscreen Idee.

Gerade geistert ein neues Buzzword durch die Branche, das bei manchen Medienverantwortlichen Angstschweiß, bei anderen glänzende Augen erzeugt.

Es geht um Second screen, den neuesten Ansatz zur Verschmelzung von Fernsehen und Internet.

Second Screen bietet zum laufenden Fernsehprogramm verschiedene Angebote, von begleitenden Gewinnspielen, über Chats zum Inhalt des Fernsehprogramms bis hin zu Zusatzinformationen zu Inhalten des gezeigten Features.

Waren die meisten bisherigen Versuche zum Scheitern verurteilt, zum einen, weil die Fernsehauflösungen zu gering waren, zum anderen man immer nur die Wahl hatte zwischen entweder Internet oder TV so sieht der neueste Ansatz vielversprechender aus.

Man hat erkannt, dass die meisten Nutzer nicht ein entweder oder wünschen, sondern beides parallel nutzen. Gerade mit dem Einzug der Tablets hat sich die Nutzung des Internets im Wohnzimmer und vor allem beim Fernsehen extrem vereinfacht.

Und durch Fernsehgeräte mit höheren Auflösungen lassen sich gar auf dem Fernseher ohne Probleme begleitend auch Internetseiten darstellen.

Ich denke, hier werden zwei Plattformen parallel genutzt werden und es wird auch weiterhin so sein, dass das TV Gerät primär dem Konsumieren dient. Aber ergänzt wird durch Anwendungen wie Couchfunk, die dann in real time Kommentare liefern. Aber hier muss noch weiter gedacht werden. Ich empfände es zum Beispiel als hochgradig spannend könnte man das laufende Fernsehprogramm auch auf dem Tablet sehen aber mit dem Zusatz, dass in den Fernsehbildern Hotspots integriert sind, deren Berührung Zusatzinformationen zum Beispiel zu Schauspielern, Texten oder gar zu Werbeeinblendungen bietet. Quasi eine Webseite mit Hyperlinks, deren Inhalt das laufende Fernsehbild ist.

Denn eigentlich spannend ist für mich ein interaktives Fernsehen, dass mir für die auf dem Touchscreen sichtbaren Bilder Zusatzinfos liefert. So ließen sich zum Beispiel Dokumentationen mit Mehrwert füllen, man könnte bei Wildtieren mit einem Tipp auf das Tier entsprechende Daten aus Wikipedia oder anderen Datenbanken bekommen, das Tippen auf einen Schauspieler könnte eine Filmographie und eine Biographie bieten und ähnliches. Das wäre wahre Interaktion und sollte prinzipiell technisch keine zu große Hürde sein.

Die Zukunft des Fernsehens aus meiner Sicht

Heute abend ist es so weit. Die letzte Folge der Rundshow wird sich mit sich selbst befassen. Na ja, eigentlich mit sich als Medium. Es geht um die Zukunft des Fernsehens. Das ist eine Frage, die auch mich interessiert. Denn letztlich schaue ich nur noch sehr selten „klassisch“ fern.

Das meiste passiert bei mir on demand. Sei es, über YouTube oder die Media Angebote von ARD und ZDF. Die Privatsender sind für mich irrelevant, da hier weder inhaltlich Glaubwürdigkeit existiert, noch der journalistische Stil, den ich schätze.

Aber ich konsumiere auch sehr gerne Videopodcasts oder höre Audiostreams wie „Not safe for work“. Es ist ein Konglomerat aus guten Amateurarbeiten, Profijournalismus und seit neuestem so spannenden Konzepten wie der Rundshow oder ZDF Login.

Für mich ist perspektivisch zweierlei zu erwarten:

Zum einen wird es immer weniger „Liveseher“ geben, die wirklich Sendungen dann sehen, wenn sie übertragen werden. HD Recorder, Streamingangebote und Mediatheken werden viele dazu bringen, dann die Sendung ihrer Wahl zu sehen, wenn sie die Zeit dafür haben. Somit muß journalistisch zeitunabhängiger produziert werden, da ich mich z.B. nicht mehr auf eine Tageszeit beziehen darf, wenn ich Programm mache und ich auch immer davon ausgehen muß, dass zum Zeitpunkt des Konsums durch den Zuschauer möglicherweise bereits andere,neuere Informationen existieren.

Und durch die immer größere Zahl alternativer Angebote,von ambitionierten Amateuren wird sich die Rolle des Journalisten wandeln. Meiner Ansicht nach aber eher zum besseren, denn er wird sich wieder mehr aus der „schnellen Nachrichtenvermittlung“ zurückziehen um Faktenrecherche, Validierung von Informationen aus dem Netz und Aggregation von Informationen zu Featuresendungen und Artikeln zu produzieren.

Ich denke, für viele Zuschauer wird das Medium Fernsehen auch in Zukunft ein reines Konsummedium sein, aber das ist ein Phänomen, das das Internet mit ihm teilt. Lediglich ein kleiner ambitionierter Kreis wird sich interaktiv mit den Medien auseinandersetzen. Aber der Rückkanal vom Zuschauer zum Fernsehen wird in Zukunft häufiger existieren und die Idee des „Secondscreen“ hat sich ja, wie man z.B. Sonntags beim Tatort oder bei Großveranstaltungen auf Twitter immer häufiger erleben kann, wo parallel zum Fernsehen über einen zweiten „medialen Kanal“ eine rege Diskussion zum Thema herrscht. Mein Wunsch für viel mehr Sendungen, in denen es um Diskussion und Teilhabe der Bürger geht. Twitterwalls, Twitterticker, Google Hangouts. Partizipation a la Rundshow muss nicht immer sein, aber es gibt viele Formate, wo ich mir das wünschen und für eine spannende und gute Sache halten würde!

Mein Fazit: Trotz aller technischer Hürden durch mangelnde Bandbreite etc.. Die Rundshow als Konzept sehe ich als Wegweiser in neue Möglichkeiten der Partizipation und der weit offeneren Diskussion, als bislang, wo zu TV Talkshows doch eh immer nur „die üblichen Verdächtigen“ geladen wurden.